Bekleidung und Hilfsmittel verstecken

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    • Offizieller Beitrag

    Sehr geehrte Forumsleser,


    am vergangenen Montag war ich als Referent im Auftrag der Serie des Hamburger Abendblatts "Hamburgs größte Sprechstunde" zu einer Veranstaltung in Sachen Demenz.


    Nach den Vorträgen war Zeit für Fragen der Besucher.
    Beschrieben wurde dabei, dass ein dementer Herr immer wieder "unangemeldet" die Wohnung verlässt. Damit sind für ihn erhebliche Gefahren verbunden, da er nicht selbst zurück findet.
    Die betreuende Tochter versteckt nun Jacken, Schuhe und Hut sowie den Gehstock, den der Herr normalerweise mit auf Tour nimmt. Wenn er diese Sachen nicht findet, so die Hoffnung, wird er es sich anders überlegen und bleiben.



    Ich riet davon ab. Sicherlich, dies mag unter Umständen funktionieren - dann ist alles gut. Aber die Erfahrung lehrt, dass je nach Anlass ("Ich will nach Hause!") auch ohne die entsprechende Bekleidung oder Hilfsmittel die Wohnung verlassen wird. Oder die eigentlich benötigten Dinge werden irgendwann ohnehin vergessen.
    Wenn der demente Mensch aber trotzdem die Wohnung verlässt, fehlt ihm sein Gehstock der das Laufen sicherer macht, ist er vielleicht gar ohne Jacke und geeignete Schuhe unterwegs - das erhöht die Gefahren dann für ihn.
    Ich konnte dann eine Reihe weitere Möglichkeiten aufzählen, die helfen können das Problem zu lösen bzw. das Risiko zu minimieren.
    Haben Sie selbst Erfahrung mit einem derartigen Verhalten - und wie haben Sie es für sich gelöst?


    Ich bin gespannt auf Ihre Lösungen und Ideen.


    Es grüßt Sie


    J. Gust


    Vielleicht lesenswert dazu:
    http://www.wegweiser-demenz.de…jochen-gust.html#comments
    Sie sind übrigens ebenso eingeladen, selbst Autor/in im Webblog dieser Seite zu werden. Lassen Sie andere daran teilhaben, was Sie bewegt.

  • hallo Herr Gust, ich bin auch betreuende Tochter. Meine Mutter wohnt bei uns im Hause und als sie noch laufen konnte (vor ca 5 Jahren) machte sie sich auch gern mal auf den Weg. Ich fand das sehr gefährlich für sie und meine Lösung war ganz einfach. Ich hab immer die Haustür verschlossen.
    Natürlich hab ich ihr das erklärt und zwar mit der Begründung :" In der letzten Zeit wurde hier im Viertel öfter eingebrochen, es ist besser, wenn wir die Tür immer verschließen" Meine Mutter war sofort damit einverstanden und hochzufrieden.
    Sicherheit ging ihr im Leben immer über alles. Wenn sie dann an der Tür ruckelte hab ich sie daran erinnert und sie gebeten noch kurz zu warten, bis ich sie auf einen Gang begleiten kann.
    Sachen verstecken find ich nicht gut, das verwirrt den Verwirrten nur noch mehr. Eine kleine "Notsicherheitslüge" vereinfacht Vieles und tut keinem weh.
    In diesem Sinne, herzliche Grüße
    Nina

    • Offizieller Beitrag

    Liebe Nina,


    vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich weiß, dass dies öfter so gemacht wird (abschließen). Waren Sie denn immer anwesend, wenn die Türe verschlossen war?
    Ich kann und darf und will zu einer solchen Maßnahme nicht ohne weiteres raten, denn unter Umständen stellt das Einschließen rein rechtlich meines Wissens eine Straftat dar (§239 StGB). Daher sollte man sich dies immer vormundschaftsgerichtlich genehmigen lassen. Wenn die keine Bedenken haben - oder eine Genehmigung für nicht notwendig halten, darf man wohl davon ausgehen, das formal alles in Ordnung ist.
    Sicher - wo kein Kläger da kein Richter und missverstehen Sie dies bitte nicht als Kritik meinerseits.
    Vielmehr:
    die Problematik die ich kenne ist in diesem Zusammenhang öfter die, dass Angehörige sehr verärgert sind, wenn Mitarbeiter von ambulanten Diensten sich weigern, die Haustüre abzuschließen wenn sie den Pflegebedürftigen verlassen und sonst niemand anwesend ist. Die Mitarbeiter argumentieren dann eben mit o.g. Rechtsproblematik - was ich wiederum auch nachvollziehen kann.
    Und was hinzukommen kann, gerade wenn sonst niemand da ist:
    Wenn das Motiv, der Grund für den dementen Menschen stark genug ist und er eine verschlossene Türe vorfindet, sucht er sich möglicherweise einen anderen Weg hinaus. Das könnte ein Fenster sein... .
    Was mich wirklich wundert, sind Tipps wie sie leider auch immernoch in Pflegeheimen angewandt werden: z.B. mittels Farbe od. Teppich o.ä. ein "Loch" vor der Tür zu simulieren. Damit soll dem dementen Menschen dann Angst gemacht werden, er könnte dort stürzen oder hineinfallen. Arbeiten mit Angst lehne ich grundsätzlich ab. Zumal dies ohnehin mehr schlecht als recht funktioniert - wenn die Motivation groß genug ist, wird der Mensch eben versuchen dieses Loch mit einem großen Schritt oder einem Hoppser zu überwinden... (mit den entsprechenden Stürzen und Sturzfolgen). Stress für alle Beteiligten, aber angewandt wird das noch immer.


    Nochmals: vielen Dank für Ihren Beitrag.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

  • hallo Herr Gust, oh nein, ich habe meine Mutter niemals allein im Hause gelassen. Ich hatte und habe viele Hilfen, bezahlte Kräfte, meine Söhne, mein Mann, Pflegedienst, AAI. Trotzdem sitzt man natürlich nicht permanent neben ihr- u. da war die Gefahr.
    Das Spiel mit der Angst finde ich schrecklich, ich wußte nicht, dass es solche seltsamen Methoden gibt.
    Unser Ziel war immer, Halt und Sicherheit zu geben und ich bin mir sicher, das ist uns gut gelungen.Niemand kennt meine Mutter so gut wie ich und ich habe immer ihre alten Gewohnheiten und Bedürfnisse aufgegriffen, das hat Vieles erleichtert. Für andere Betroffene können unsere individuellen Lösungen vollkommen falsch sein. Ich bin zwar rechtliche Betreuerin für alle Bereiche, aber eine richterliche Verfügung hab ich nicht eingeholt- eben weil sie nicht allein im Haus ist und ich kann ja unser Haus abschließen -wieso auch immer. Meine Mutter ist mittlerweile bettlägerig u. kann fast gar nichts mehr-Abschließen tue ich automatisch immer noch-Gewohnheit eben. seit Jahren.
    Herzliche Grüße Nina

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Nina,


    freut mich, dass Sie mich nicht dahingehend missverstanden haben. Und was ich auch erfreulich finde, bei allen Härten die diese Erkrankungen mit sich bringen, dass Sie nicht ganz alleine vor den Problemen standen / stehen.


    Vielen Dank, dass Sie sich hier einbringen.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

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