Betreuung im eigenen Haus durch Haushaltshilfen

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  • Hallo, ich bin ziemlich verzweifelt was die Betreuung meiner Demenzerkrankten Mutter betrifft.
    Meine Mutter ist bereits in einem Stadium der Demenz wo sie fast kaum noch einen klaren Gedanken artikulieren kann und man sie auch nicht mehr versteht, wenn sie versucht etwas zu sagen. Sie wird aufgrund der hohen körperlichen Aktivitäten die sie nach wie vor hat von 2 polnischen Haushaltshilfen rund um die Uhr betreut, da sie auf keine Fall alleine sein kann. Die Betreuer von ihr sind zwei meiner Geschwister die das alles organisieren. Soweit ist diese Lösung einvernehmlich, dass sie nicht in ein Pflegeheim muss wo sie nur eingesperrt würde. Die Hilfen gehen mit ihr täglich spazieren, was auch sehr gut für sie ist. Sie bekommt keinerlei Medikamente, schläft meist nur zwischen 1-3 Stunden in der Nacht, ist oft sehr unruhig und wird immer schwächer. Mein Problem ist, dass ich denke sie benötigt auch noch andere Anregungen zumal die Haushaltshilfen fast kein deutsch sprechen und mit ihr somit auch keine Übungen zur Spracherhaltung und wachhalten des noch vorhandenen Erinnerungsvermögens machen können. Ich habe viel im Internet gelesen und denke, dass ist nach wie vor noch sehr wichtig für meine Mutter. Meine Geschwister lehnen aber alles in diese Richtung ab. Die derzeit betreuenden Ärzte geben mir in dieser HInsicht keine Unterstützung bzw. müssen sich auf ihre Schweigepflicht berufen das es eine Vorsorgevollmacht von meiner Mutter gibt, die an meine 2 Geschwister ausgestellt ist. Ich fühle mich einfach hilflos weil ich nicht viel für meine Mutter tun kann. Wenn ich selber versuche bestimmte anregende Dinge mit ihr zu machen habe ich Angst sie zu überfordern oder unterfordern, da ich dazu nicht ausgebildet bin. Hat jemand einen Rat für mich ?

    • Offizieller Beitrag

    Liebe Franziska,
    die von Ihnen geschilderte Situation ist scheinbar kompliziert. Sie lässt sich auch nur befriedigend lösen, wenn Sie sich mit Ihren beiden Geschwistern verständigen!
    Ist es möglich, einen gemeinsamen Beratungstermin bei einer örtlichen Alzheimer-Gesellschaft wahrzunehmen? Ich kann mir vorstellen, dass es bei einem moderierten Gespräch zu einer Annäherung kommen könnte.
    Ihre eigene Unsicherheit, ob Sie das Richtige im Umgang mit Ihrer Mutter tun kann ebenfalls in einer Angehörigen-Gruppe einer Alzheimer-Gesellschaft besprochen werden.
    Daneben gibt es konkrete Entlastungsmöglichkeiten durch die sog. niedrigschwelligen Angebote nach § 45 der Pflegeversicherung beantragen können. Durch dieses Angebot kann Ihre Mutter zusätzliche Mittel zum Pflegegeld erhalten, mit denen sie geschulte Freiwillige bezahlen kann, die stundenweise Dinge mit ihr unternehmen können. Die Höhe der Leistung beträgt 100 bzw. sogar 200 Euro im Monat, die Sie dafür ausgeben können. Die Beantragung geschieht über die Kranken-/Pflegekasse Ihrer Mutter und ist unkompliziert. Haben Sie einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe? Dann können Sie den ebenfalls um Unterstützung bitten.
    Hilfreiche Tipps zum Umgang mit Ihrer Mutter erhalten Sie auch im Forum "Kommunikation und Konflikte" .
    Wenn Ihnen die Hinweise nicht ausreichen oder Sie keine der erwähnten Angebote in Ihrer Nähe finden, melden Sie sich doch bitte noch einmal.


    Bis dahin beste Grüße von


    Klaus-W. Pawletko

  • Vielen Dank für die schnelle Antwort. Meine Geschwister sind nicht bereit sich auf einen Termin einzulassen bei dem ein "Moderator" oder Arzt oder Pflegedienst zugegen ist um die Situation zu klären. Ich denke jetzt, der einzige Weg den ich einschlagen kann ist der Rechtsweg. Schade aber vielen Dank für Ihre Vorschläge.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Franziska, auch von meiner Seite noch ein paar Gedanken, denn Sie stecken in einer schwierigen Situation.
    Zunächst möchte ich Ihnen Mut machen, sich mit Ihrer Mutter zu beschäftigen. Sie kennen Sie, Sie können mit ihr reden und die innere Unruhe mit Spaziergängen aufgreifen. Überforderung ist in der Tat falsch, denn jede Form von Stress verstärkt die Unruhe. Aber Sie haben viele Möglichkeiten, denn Sie wissen was Ihre Mutter beschäftigt (hat). Anregungen finden Sie, wie Herr Pawletko schrieb, hier im Forum und bei der Alzheimer Gesellschaft.


    Etwas erschreckt hat mich Ihr Eindruck, Ihre Mutter würde im Heim nur weggesperrt. Leider wird dies in den Medien so vermittelt. Doch aus vielen guten Heimen bekomme ich immer wieder mit, wie positiv das Gemeinschaftsleben und die Begegnung mit anderen Demenzkranken ist. Gerade, wenn der Wunsch nach Kontakt, Gespräch und Bewegung im Vordergrund steht. Es ist oft berührend mitzubekommen, wie gut sich zwei Demenzkranke "verstehen", auch wenn sie aneinander vorbeireden.
    Deshalb überprüfen Sie bitte Ihren Eindruck und schauen sich Einrichtungen an. Fragen Sie nach Bewegungsmöglichkeiten, nach Milieutherapie und integrativer Validation, das ist das, was Ihre Mutter wahrscheinlich besonders braucht.
    Eine gute Alternative ist auch die Tagespflege. Ein Merkmal für die Qualität wäre, wenn sich die Mitarbeiter mit der Familie Gedanken machen, wie das Einleben in die Gruppe vorbereitet werden kann.


    Aber auch Medikamente sind nicht so schlecht, wie Sie denken. Es ist heute fachlich nicht üblich, demenzkranke Menschen zu sedieren. Gute Ärzte geben wenig Medikamente und vermeiden hohe Dosierungen.
    Eine gezielte Behandlung kann starke Ängste und Unruhezustände ursächlich angehen. Manchmal ist es "nur" eine Schildrüsenüberfunktion, Schmerz, ein depressiver Anteil oder ein wahnhaftes Erleben im Rahmen einer Demenz.
    Fragen Sie gern mal gezielt im Forum "Prävention, Diagnose und Therapie nach.


    In jedem Fall wünsche ich Ihnen, dass Sie mit den Informationen zumindest sicherer werden, ihre Zeit mit Ihrer Mutter zu nutzen. Möglicherweise hilft das Ihnen auch in einem guten Gespräch mit Ihren Geschwistern. Der rechtliche Weg macht eine gute Lösung oft nicht einfacher.

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