Unterhaltung mit Demenzkranken

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  • Hallo, meine Mutter ist dement und wohnt im Pflegeheim. Ich habe kein Problem damit für sie Besorgungen / Erledigungen zu machen - ihr das praktische Leben zu erleichtern. Ich habe aber das Problem, wenn ich Mutter besuche, sitze ich vor ihr und weiß kein Thema für eine Unterhaltung. Ich fühle mich gezwungen sie zu unterhalten, von ihr kommt nichts. Ein Besuch bei Mutter ist mir daher ein arge Pflichtübung - dabei mag ich meine Mutter sehr. Was kann ich tun?

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Praktikant,


    grundsätzlich gilt: wenn Ihnen das Reden schwer fällt, können Sie doch etwas mit ihr MACHEN - einen Spaziergang, gemeinsam Kaffee trinken, Kinder oder Tiere beobachten, ein Fotoalbum anschauen, eine Rücken- oder Handmassage. Auch könnten Sie aus der Tageszeitung, oder einer Illustrierten vorlesen. Was immer Ihnen Freude bereitet oder die geringste Mühe macht, kann gut ankommen. Wozu auch immer Sie sich aber meinen, zwingen zu müssen, wird scheitern. Dafür haben die Erkrankten oft noch gute Antennen!


    Die Erkrankten genießen oft, dass wir da sind - wir müssen gar nicht unbedingt sprechen! Folgendes Erlebnis illustriert das vielleicht ein wenig: Ich habe mich mal in einem Heim neben eine Dame mit Demenz gesetzt, ohne irgend etwas zu sagen. Wir haben uns freundlich zugenickt. Ich habe geschaut, wohin sie schaut, sie hat geguckt, wohin ich sehe. Wir haben uns angelächelt, verschwörerisch zugezwinkert - aber kein Wort geredet! Nach circa einer halben Stunde stand sie auf und bedankte sich für "das schöne Gespräch"...


    Schließlich noch ein Hinweis auf ein häufiges Missverständnis: Wenn Menschen mit Demenz nicht antworten, heißt das, nicht, dass sie nicht zuhören oder desinteressiert sind! Vor allem: Wenn sie im Gespräch die Augen schließen oder auf den Tisch starren, statt uns anzusehen, muss man das häufig eher als Versuch deuten, sich auf das gesprochene Wort zu konzentrieren. Die Betroffenen sind von visuellen Reizen so ablenkbar, dass viele instinktiv versuchen, diese auszublenden, wenn Besuch kommt. Dises Verhalten deuten aber leider viele Angehörige als Erschöpfung, Apathie, Desinteresse; sie sind verunsichert und hören auf zu sprechen, verabschieden sich schnell wieder. Der Mensch mit der Demenz schaut dann verblüfft und verunsichert auf, und versteht die Welt nicht mehr: Er hat sich doch solche Mühe gegeben, dem Gespräch zu folgen!


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

  • Hallo, mein Vater ist 83 Jahre alt und die Demenz schreitet immer mehr fort. Die Unterhaltung ist Tagesform abhängig. An einem Tag redet er kaum und an anderen Tagen erzählt er fließend was er im Fernsehen angeschaut hat und was ihm dazu bewegt. Als mein Vater noch vom Pflegedienst "versorgt" wurde, durfte ich mir von der Pflegedienstleiterin anhören, dass mein Vater doch überaus redselig wäre und es besser wäre ihn in eine Senioren- WG zu geben. Tja, ein Zufall, wo doch die Leiterin gerade eine eröffnet hat und dringend nach Bewohnern sucht. Als Angehöriger ist man ständig angespannt, sowohl mit dem eigenen Vater, was als nächstes kommt, aber auch mit Pflegedienstpersonal, die auch gern für Überraschungen sorgen. Nun pflege ich meinen Vater ganz und gar selbst, was nicht einfach ist für mich und meine fünfköpfige Familie, aber ich kann seitdem wieder Nächte durchschlafen. Und Vati hat auch keinen Druck mehr zeitlich gesehen. Ich kann mir für alles, z.B. das Baden mehr Zeit nehmen. GlG C.

  • hallo Lorina46, alle Achtung, da bist du aber gut beschäftigt - oder hast du deine Familie so gut erzogen, dass die alle im Haushalt mit anpacken?? Meine Mutter ist inzwischen seit 1 Jahr im Pflegheim, hat sich sehr gut eingelebt, sie fühlt sich dort wie Zuhause. Problem, seit das mit der Demenz losging macht sie um Wasser einen großen Bogen, in der Zeit vor dem Heim, bin ich wöchentlich zu ihr und habe sie in die Wanne gesteckt - war nicht ganz einfach. Im Heim - ich hatte angesagt, sie muss 1x wöchentlich komplett gewaschen werden - hat sie lt. Pflegeplan Dienstag als Duschtag - nur leider wird dies in keinster Weise eingehalten. Nur wenn ich mich beim Personal beschwere, wird sie gewaschen - sonst ist das Heim aber super. Aber ich sehe, ich bin nicht beim Thema. In Sachen Unterhaltung habe ich nach wie vor meine Probleme. Mutter fragt im 5-Minuten-Takt welcher Tag heute ist. Einfachste Dinge die ich ihr erzähle versteht sie nicht - Stand 6-jähriger. Damit muss ich mich wohl abfinden, das tut aber weh. Gruß

  • Hallo Praktikant,
    es ist schön, dass sich Ihre Mutter in dem Heim wohlfühlt, in dem sie ist. Das nimmt Angehörigen ja eine große Last ab.
    Was ich merkwürdig finde ist, dass Sie Ihre Mutter als 6-jährige bezeichnen und auch so behandeln. Genau so habe ich meinem Sohn früher den Badetag angekündigt. Ich habe bessere Erfahrungen damit gemacht, dass ich meine Vorstellungen von Sauberkeit, Ordnung usw. begraben habe und statt dessen auf die Wünsche meiner Mutter eingegangen bin. Sie ist eine erwachsene Frau, die ein langes u erfolgreiches Leben hinter sich hat. Ich möchte nicht, dass das Pflegepersonal Handlungen an ihr vornimmt, die erkennbar gegen ihren Willen sind. Und ich überlege mir auch nicht, ob sie irgendwelche Dinge noch versteht, die ich ihr erzähle. Es genügt oft, wenn sie den Klang meiner Stimme und den ihr vertrauten Dialekt hört. Dazu reicht es, wenn ich ihr etwas aus einem Buch vorlese, das sie kennt oder ein Lied aus dem Gesangbuch. Aber es genügt auch, gemeinsam mit ihr die Stille auszuhalten. Sie erreichen Demente nicht mehr über den Verstand, aber oft sehr gut über das Gefühl.
    Und ich weiß auch nicht, ob ich beim Pflegepersonal etwas "ansagen" würde. Es sind meine Unterstützer in einer brutal schweren Zeit und nicht meine Dienstboten. Ich nenne ihnen meine Vorstellungen bzw. die, von denen ich glaube, dass meine Mutter sie hätte und versuche, einen Konsens zu finden, der letztlich uns allen hilft.
    Sorry, aber einiges hat mich da gerade getriggert an Ihrem Post. Probleme haben Demenzkranke, die sich ab und an noch ihrer Lage bewusst werden. Probleme dürfen wir Gesunden nicht haben, weil wir uns anpassen können und entsprechend auf diese Menschen mit ihren Defiziten eingehen können.
    Weh tut das, was wir erleben, sehr weh. Da stimme ich Ihnen zu.
    Alles Gute für Sie und für Ihre Mutter!

  • Hallo Ihr Lieben, zunächst, war es eine Entscheidung, die nicht so einfach über Nacht getroffen wurde, ob ich meinen Vater alleine Pflege. Die Pflege erfolgte erst nur 20 min. am Vormittag mit kleiner Morgentoilette, den Rest erledigte ich sowieso. Mein Vater wohnt auch vier Hauseingänge von uns weg. 2014 haben wir ihn in unsere Nähe "umgezogen". Meine Familie unterstützt mich schon viel. Ich war bis vor kurzem auch noch berufstätig wie mein Mann auch ist und meine drei Kinder sind 17 Jahre alt und haben natürlich ihr eigenes Programm (Abi). Ich will damit sagen, so leicht ist es im Großen und Ganzen nicht, weder mit meinem Vater als Person selbst noch mit der Pflege. #ich versuche nur mein Bestes zu geben. Es wird nie reichen, weil ich eben auch noch Verpflichtungen meiner eigenen Familie gegenüber habe und auch mich selbst nicht ganz außen vor lassen darf. Doch muss ich sagen, habe ich nicht das Gefühl noch die Bestätigung in der Praxis gehabt, dass ein Pflegedienst zu meiner Unterstützung da war. Der Patient, in dem Fall mein Vater, stand natürlich im Fokus. Ein kleines Heftchen für Infos und andere Anmerkungen habe ich einfließen lassen für eine gute Kommunikation auch in Abwesenheit mit dem Pflegedienst. Das wurde ein viertel Jahr gut angenommen, bis ich bemerkte, dass die Demenz immer dann zum Thema wurde, wenn mein Vater sich über das Pflegepersonal ärgerte. Eben gerade beim Baden, dass er selbst sehen musste wie er in der Enge in die Wanne einsteigen sollte um auf den Lift zu gelangen. Was eigentlich Quatsch ist, meiner Meinung nach, weil akute Rutschgefahr herrscht und er sich zuerst auf den Wannenlift setzen kann. Naja, wenn ich ganz vorsichtig dann mal nachfragte, hieß es: "Sie wissen doch, ihr Vater hat Demenz und er erzählt manchmal solche Geschichten. Er kann die Dinge nicht mehr so realisieren!"

  • ... Wenn ich aber das Pflegepersonal und die Leiterin über Dinge oder Veränderungen oder meine Ängste, um vielleicht so eine Art Beratung bekommen zu können, dann stand die Demenz nicht mehr so im Vordergrund. Aber eben das Thema Neueröffnung Senioren- WG. Tja, was soll ich davon halten. Die Mundwinkel waren immer bis zu den Ohren hochgezogen. Freundlichkeit vor dem Patienten das A und O. Doch was hinter den Kulisse abgeht, wie vereinbarte Zeiten nicht einhalten, das dürfen dann die Angehörigen auskaspern, sich damit rum ärgern. Das war einfach eine dreifache Belastung! ......
    Doch möchte ich dennoch noch was zur Kommunikation beitragen, das eigentliche Thema hier. Ich meine, Demenz hin oder her. Der Mensch der von der Demenz selbst betroffen ist, hat ursprünglich einen eigenen Charakter. Und wenn die Demenz noch am fortschreiten ist, also trotzdem lichte Momente vorherrschen, dann kommt es auf den Charakter des Betroffenen an, wie er sich dem Angehörigen gegenüber verhält. Mein Vater war schon immer ängstlich, konnte noch nie Entscheidungen gut fällen, war konfliktscheu und das setzt sich eben weiterhin fort und wird eben durch die Demenz nicht besser. Aber er hat Momente der Aggression, Depression, Unsicherheit. Da gibt es auch Konflikte, wenn er abermals die Windel nicht wechseln will, weil sie seiner Meinung nach "noch gut" ist. Er kommt sich kontrolliert und gegängelt vor. Kontrolliert, das ist wohl so, aber gegängelt und nicht ernstgenommen stimmt so nicht, ist aber seine Wahrnehmung. Vater und ich sind schon immer ein gutes Team, aber als sein Armutswahn im letzten Jahr einsetzte, war ich eben die Tochter die ihm nur Schlechtes will. Er war schon immer misstrauisch, zu jedem, eben nur nicht zu mir. Das änderte sich, weil nichts mehr rational verständlich für ihn ist. Das hat mich schwer getroffen. War sehr enttäuscht über seine Reaktion und habe auch immer noch daran zu kauen. Aber ich sage mir, wer soll sich um meinen Vater kümmern? Das Versprechen habe ich meiner verstorbenen Mutter (2005 verst. ) gegeben und meinen Vater in Vordemenzzeiten eben auch. Also!!! LG C.

  • Hallo Jutta60,
    danke für deine deutlichen Worte, du hast ja vollkommen Recht! Aber … Als ich mit Mutter im Februar in der Hautklinik-Ambulanz war (sie hatte schlimmen Ausschlag an Nacken und Schultern) musste ich mir vom Arzt sagen lassen, ich müsste schon dafür sorgen, dass Mutter regelmäßig gewaschen wird, sonst wäre es kein Wunder wenn sie Hautprobleme bekommt! Auch ich möchte nicht, dass an Mutter Handlungen vorgenommen werden, die sie ablehnt – aber ein bisschen Hygiene muss eben sein. Als sie letztes Jahr noch Zuhause war und ich sie wöchentlich gewaschen habe (mit Überreden und viel Bestimmtheit) war sie danach immer ganz erleichtert und sagte, ja jetzt fühle ich mich wieder richtig frisch (Vorher abgelehnt / Nachher gut gemacht danke dass du mir hilfst). Mutter war immer eine sehr reinliche Frau, auch bei uns Kindern hat sie – trotz vieler Arbeit – immer darauf geachtet dass wir sauber gewaschen und gekleidet waren. Das Pflegepersonal im Heim ist super lieb zu den Bewohnern, einen besseren Platz hätten wir für Mutter nicht finden können! Nur mit dem Waschen muss ich immer erinnern. Ganz besonders werde ich mir deinen Satz „ Probleme dürfen wir Gesunde nicht haben …“ merken – ich muss mich einfach nur besser anpassen, vielleicht bekomme ich dann auch wieder einen besseren Draht zu Mutter. Nochmals vielen Dank und beste Grüße


    Hallo Lorina46,
    wie schaffst du das? Jeden Tag, den ganzen Tag? Das kostet doch enorme Kraft! Ich hätte Angst, dass ich mir irgendwann – im Stress - wünsche, lieber Gott lass ihn sterben und das könnte ich mir nie verzeihen. Meine Mutter hatte zuletzt Zuhause richtige Angstzustände – was soll aus mir werden, wie soll das mit mir weitergehen, lasst mich nicht allein – wir konnten sie kaum aus diesem Gedankenkarussell rausholen. Jetzt im Heim sind 24 Stunden am Tag Menschen um sie, das hatten wir nicht geschafft – alle voll berufstätig – trotz Unterstützung von einem Pflegedienst. Sie hat sich im Heim recht schnell erholt. Wir besuchen Sie sehr oft, sorgen dafür, dass sie alles hat was ihr wichtig ist – den Balkon bepflanzt, wie Zuhause – es ist immer reichlich Eis für sie im Froster, du solltest sehen, sie freut sich wie ein Kind, wenn sie abends vorm schlafen gehen ihr Eis bekommt! Und wenn sie vergessen hat, dass sie ihr Eis schon bekommen hat, dann gibt es eben noch eins, was soll´s. Kurz und gut Mutter soll noch recht lange leben. Sie ist in ihrer kleinen Welt sehr glücklich. Ich muss mich nur damit abfinden, dass es nie mehr so wird wie früher. Am liebsten würde ich sie kräftig schütteln und sagen sie soll aufhören sich zu verstellen, das macht keinen Spaß … Ja und der Gedanke, was wird, ich werde ja auch jeden Tag älter, ich habe ja gesehen wie schnell das bei Mutter ging. Ich wünsche dir noch viel Kraft und eine schöne Zeit. Gruß Praktikant.

  • Hallo, mein Vater hat Demenz. Es ist aber nicht so, dass er in Nachtwäsche aus dem Haus geht. Noch nicht! So lange gibt es für mich die Möglichkeit Zeiten zu überbrücken. Gerade wenn er mittags schläft bin ich bei uns und kann entweder verschnaufen, mit den Hunden eine Runde drehen oder meinen Haushalt machen bis die Kids von der Schule kommen. Dann telefoniere ich auch mit meinem Vater und kann ihn dabei bei manchen Sachen auch so schon auf die Sprünge helfen. Ansonsten hat er seine festen Rituale, die ich mir zeitlich gesehen zu Nutze machen kann. Wie gesagt, noch geht das. Ich merke schon, dass täglich die Selbstständigkeit nachlässt. Erst war es schubweise von Monat zu Monat, dann unregelmäßig, mal wöchentlich. Jetzt z.B. lamentiert er mehr. Erst ging ich davon aus er hat Schmerzen oder wegen seines Asthmas, Gallensteine hat er ja auch. Nein, ich habe herausgefunden, er macht die Geräusche um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Wenn ich in der Küche stehe um sein Frühstück zu machen, Keucht und fleucht er laut, wenn ich nicht reagiere um so mehr. Auch bei meinem Mann macht er das nur, wenn er den Eindruck hat er steht gerade nicht im Fokus. So macht er das bei mir auch. Die Haushalts- und Versorgungsangelegenheiten sind nicht das Nervige im Alltag mit meinem Vater. Seine Angewohnheiten eher. Charakterliche Angelegenheiten. Manche Essgewohnheiten. Da muss ich mich öfter mal wegdrehen, weil es einfach eklig ist. Aber so war er schon immer. Nur eben jetzt intensiver. Meine beiden älteren Brüder besuchen meinen Vater im Jahr, wenns hochkommt zweimal für 2 Stunden. Ich habe mit meinen Brüdern gebrochen. Auch weil mein Vater viel Mist erzählte und immer noch erzählt und meine Geschwister schätzen die Dinge so ein, wie es für sie gerade richtig erscheint!... Sorrs, das ist eher mein Leid! LG C.

  • Ich pflege seit etwas über einem Jahr meine demente Mutter, was zunehmend anstrengender wird. Ich konnte sie anfangs auch mal ein paar Stunden alleine lassen, nach einer Knie-OP und der anschließenden jämmerlichen Reha, in der sie anfangs schon wieder mit Rollator gehen konnte, dann nur im Rollstuhl saß und ich dann vorzeitig abgebrochen habe, da "von der liebevollen Versorgung" (laut Haus-Prospekt) nicht viel zu spüren war und jede zweite Therapie wegen Urlaub u.ä. ausfiel. Nun ist sie 2 Wochen wieder Zuhause und beginnt dank häuslicher Physiotherapie wieder mit dem Rollator zu gehen. Diese ganze Krankenhaus- und Reha-Zeit hat sie psychisch sehr mitgenommen, die Demenz schritt massiv voran und sie braucht bei den einfachsten Dingen nun Hilfe z.B. abends beim Zubettgehen muss ich sagen, jetzt ziehst du den Pulli aus, das Unterhemd.... Alleine würden sie total verwahrlosen, nachts ihre dritten Zähne nie raus tun und morgens nie rein, nie die Hände nach dem WC-Gang waschen, nichts trinken - alles muss ich gefühlte 1000x sagen. Das finde ich sehr anstrengend. Dann muss ich tagsüber immer nach kleinen Beschäftigungen schauen, damit sie nicht nur schläft und dann nachts aktiv ist, wenn ich schlafen will. Aber selbst das Besteck in die Schublade räumen, klappt nur noch eingeschränkt oder das Handtücher zusammenlegen. Interesse hat sie inzwischen auch so gut wie an gar nichts mehr. Und dann die dauernde Unruhe, die macht mich fast wahnsinnig; sie kann keine 2 Minuten sitzen, dann muss sie wieder aufstehen.... Der Neurologe schickte mich zum Hausarzt, der aber erst nach 1,5 Wochen mal Zeit für einen Termin hat - wenn es nicht so schwierig wäre, neue zu finden, würde ich beide wechseln. Und dann die Bürokraten bei Krankenkasse, Orthopädiegeschäft.... der Rollstuhl kommt nun von einer Firma 150-200 km entfertn, obwohl es vor Ort großes Orthopädiegeschäft gibt. Mal sehen wie lange ich das noch machen kann.

  • Hallo Micha,
    zuerst einmal "Hut ab", dass Sie sich so gut um Ihre Mutter kümmern können. Ansonsten wird jeder, der schon einmal einen Demenzkranken betreut hat, jedes Ihrer Worte nachvollziehen können. Ja, genau so ist es. Die Schübe nach KH-Aufenthalten, die Progredienz, der man gar nichts entgegensetzen kann, der Kampf mit den Behörden, die raren Termine bei den Ärzten, die meist interesselos sind, das Problem, einen Neurologen zu finden ... Man könnte Ihre Liste beliebig weiter fortsetzen: das Unverständnis bei denen, die so etwas noch nicht erlebt haben, das Problem, einen guten Heimplatz zu finden, die steigenden Kosten, der Tod, der Stück für Stück kommt ...
    Wobei genau können Ihnen die anderen Forums-Teilnehmer denn helfen? Überlegen Sie nicht, warum die KK den Rollstuhl von weither anliefern lässt. Sie haben Verträge eben manchmal mit Firmen, die gute Konditionen bieten und halt weiter weg sind. Ich hoffe für alle, dass das betriebswirtschaftlich durchdacht ist. Aber sammeln Sie Ihre Kraft für den Plan B. Was ist, wenn Sie mal nicht mehr können? Wo bekommen Sie Unterstützung?
    Alles Gute und viel Kraft wünsche ich Ihnen u Ihrer Mutter!

  • Hallo Micha27, zuerst möchte ich dir den Tipp geben „vergiss dein eigenes Leben nicht“ das möchte ich auch Lorina46 sagen. Ich bewundere Euch sehr um Eure Kraft, aber denkt dran, es liegt in der Natur, dass die Eltern vor den Kindern sterben und wenn man dann nur noch für die Pflege der Eltern gelebt hat fällt man in ein riesiges schwarzes Loch – das Leben scheint plötzlich sinnlos! Wie alt ist deine Mutter? Hast du für deine Mutter von der Pflegekasse schon einen „Pflegegrad“? Was hältst du davon, dir für einige Stunden die Woche zur Unterstützung Hilfe von einem Pflegedienst zu holen? Ich –wie auch meine Schwestern - bin ja voll berufstätig um das nötige Kleingeld fürs Leben zu verdienen. Mutter ist jetzt seit bald 1 ½ Jahren in einem Pflegeheim, sie fühlt sich dort sehr wohl und wir können zur Arbeit und wissen Mutter gut (und sehr herzlich) betreut. Wir sprechen uns mit den Besuchen ab, so hat Mutter fast täglich Besuch. Wir versorgen Sie mit Ihrem Lieblingsobst, Schokolade, Bonbons, Eis – Mutter ist sehr schlank wir achten darauf dass sie nicht abnimmt. Ja und auf wechseln der Wäsche, regelmäßige Körperhygiene, und Gesundheit müssen wir sehr achten – da kommt vom Heim zu wenig. Was die Beschäftigung betrifft, damit sie nicht so viel schläft, Gesellschaftsspiele, die sie vor der Demenz beherrschte da klappt noch einiges, wir haben ihre Fotoalben im Heim deponiert, die schaut sie sich gerne mit uns an. Ach ja Micha27 wenn Ihr den Rollstuhl bekommt, solltest du darauf achten, dass er nur bei Bedarf benützt wird. Ein Muskel der nicht regelmäßig benützt wird, baut sehr, sehr schnell ab!!!! Mein Bruder hat MS, als der einen Rolli bekam, hat er sich reingesetzt und ist sitzen geblieben, unsere Tipps sich zu bewegen, den Rollator zu benützen, hat er nicht gehört – heute schafft er es nicht mehr alleine ins Bett, oder aufs WC. Du schreibst von der Physiotherapie – so was bräuchte meine Mutter auch – kommt da jemand ins Haus? Wie oft? In welchen Zeitabständen? Bei Mutter müsste das jemand machen, der nicht nur ne Ahnung von Physio hat, sondern auch im Umgang mit Dementen geübt ist.
    Und nochmal zu dir Lorina46. Jeder muss mit seinem eigenen Gewissen ausmachen, wieviel er sich um seine Mutter / Vater kümmert und besucht, da darf man niemanden böse sein. Ich fürchte, deine Brüder haben noch gar nicht richtig mitbekommen, was die Demenz mit Eurem Vater macht. Bei mir hat es auch eine ganze Zeit gedauert! Mir gefällt, dass dein Mann dich da anscheinend unterstützt – vernachlässige ihn nicht! Schreibt mal wieder. Es grüßt die Praktikant(in).

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