Umzug in eine Wohngemeinschaft

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  • Mein Schwiegervater (dement) wurde von der Psychiatrischen Klinik nach 4 Monaten in eine Wohngemeinschaft verlegt. Am Abend dann randalierte er, verwüstete sein neues Zimmer und musste eine die Psychiatrische Klinik zurückverlegt werden. Wir sind jetzt sehr
    in Sorge. Wehrt sich mein Schwiegervater gegen die neue Einrichtung, hat er Angst bzw. bekommt er Panik ? Wir haben sein neues Zimmer mit vertrautem Mobiliar und Bilder an den Wänden ausgestattet - war das vielleicht ein Fehler ?

  • Hallo Fine,
    oh weh, das ist nicht einfach für Sie. Und Sie sind 300 km weit weg, das haben Sie in einem anderen Post geschrieben. Das macht es noch schwerer, weil man nicht direkt vor Ort ist. Sie schreiben nicht, warum Ihr Schwiegervater 4 Monate in der Psychiatrie verbringen musste. Ist er denn in eine WG für Demenzpatienten gezogen? Zunächst klingt das mit den vertrauten Dingen in seinem Zimmer ja gut und richtig. Wenn meine Mutter noch ansatzweise klar wäre, würde ich das genauso machen. Es wären viele Fragen zu stellen: war er medikamentös gut eingestellt? Hat er dieses Medikamente weiter bekommen und wurde auch darauf geachtet, dass er sie nimmt? Ist das Pflegepersonal geschult im Umgang mit Demenzkranken? Hatte man ihm versprochen, dass er wieder nach Haus kann und hat er aus den Dingen, die er in seinem Zimmer vorgefunden hat geschlossen, dass die WG nun sein neues Zuhause ist? Da gäbe es viel zu fragen und zu überlegen. Zunächst wird ja der Arzt in der Psychiatrie (hoffentlich Gerontopsychiatrie?) Ihr Ansprechpartner sein. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie sehr, dass es bald besser geht!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Fine,
    nach 4 Monaten in der Psychiatrie wäre wahrscheinlich jede Veränderung für Ihren Vater eine Herausforderung.
    4 Monate sind ein ungewöhnlich langer Aufenthalt für jemanden, der "nur" dement ist und dort medikamentös eingestellt werden soll. Gibt es denn noch andere Diagnosen?
    Haben Sie denn noch Kontakt zu der Klinik? Sie sollten mit den behandelnden Ärzten und dem Sozialdienst abklären, was für Ihren Vater in der Klinik wichtig war, was ihn beruhigte und auf was er mit herausforderndem Verhalten reagierte. Sind die Informationen auch an einen behandelnden Neurologen/Psychiater gegangen, der Ihren Vater ambulant betreut?


    Aufmerksamkeit sollten Sie auch auf die neue Wohngemeinschaft verwenden:
    Schon die Formulierung: "In eine Wohngemeinschaft verlegt" macht mir eine Gänsehaut. Eine WG ist ein privater Haushalt, für den ein Mietvertrag und ein Pflege-/Betreuungsvertrag abgeschlossen werden muss. Und zwar von einem dafür berechtigten Menschen - ich nehme an, dass Sie das sind.
    Juttas Frage, ob die WG denn auf Menschen mit Demenz ausgerichtet ist, ist richtig. Wenn dort nämlich alle möglichen Krankheitsbilder "untergebracht" sind, kann es durchaus sein, dass das Personal bei Menschen mit Demenz überfordert ist.
    Das sind leider viele potentielle Baustellen, die ursächlich für das verhalten des Vaters sein können.
    Priorität sollte aber erst einmal das Gespräch mit der Klinik und dem "Betreiber" der WG haben.
    Halten Sie uns doch auf dem Laufenden, wie sich die Situation entwickelt.
    Beste Grüße von


    Klaus-W. Pawletko

  • Sehr geehrter Klauspawletko, mein Schwiegervater wurde direkt von zu Hause in die Psychiatrie überwiesen. Zuvor hat er keinen ambulanten Psychlogen/Neurologen aufgesucht. Die Diagnose Alzheimer, Demenz und Delirerkrankung wurde unmittelbar nach der Einweisung in d. Psychiatrie gestellt. Nach Hause konnte er nicht mehr, so dass wir für ihn eine entsprechende Einrichtung (geschlossene Einrichtung) finden mussten. Meine Schwiegermutter und meine Schwägerin wurde vom Amtsgericht als betreuende Personen eingesetzt. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Wohn-WG die richtige Wahl ist, da dort unterschiedliche Krankheitsbilder wohnen (12 Personen). Eine Kommunikation zwischen psychiatrischer Klinik und Wohn-WG gab er meines Erachtens auch nicht.

  • Hallo Fine,
    mir tut das immer unglaublich leid, wenn ich lese, wie Angehörige und Betroffene leiden müssen. Ihr Schwiegervater war 16 (!) Wochen in der Psychiatrie. Dazu muss es doch einen Grund geben. Natürlich brauchen die Medikamente, die dort gegeben werden, eine gewisse Zeit, um Wirkung zu zeigen. Aber das ist sehr lang. Wie gut wurde er denn eingestellt? Haben Sie den Bericht des behandelnden Arztes lesen können? Ist ihr Schwiegervater ruhig gewesen dort und absprachefähig? Ein gutes Heim wird diese Fragen im eigenen Interesse stellen und die Arztberichte lesen wollen/müssen. Ich teile auch Ihre Befürchtung, dass diese WG nicht die richtige Wahl ist. Eine ambulante ärztliche Betreuung für Ihren Schwiegervater muss ja nun vorhanden sein, denn soweit ich weiß, dürfen bestimmte Medikamente nur von Neurologen/Psychiatern verschreiben werden. Mit dem würde ich sprechen. Und natürlich mit den Betreuern, also Ihren Angehörigen. Das muss doch für alle eine fast unerträgliche Situation sein. Es kann ja ständig wieder zu einem Aussetzer kommen. Konnten Sie mit den Verantwortlichen/Betreuungspersonal in der WG sprechen, was die Ursache war? Bitte suchen Sie sich Hilfe, um eine geeignetere Unterbringung zu finden. Alles Gute!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Fine, zunächst muss ich mich den vielen Fragen und dem Unverständnis anschließen. Aber der erneute Klinikaufenthalt bietet Ihnen hoffentlich die Möglichkeit einer richtigen Information über das Krankheitsbild, sodass Sie die möglichen Herausforderungen besser einschätzen können. Wegen der erneuten Einweisung möchte ich Ihnen gern etwas Druck nehmen: Es kommt (nicht nur) in der Gerontopsychiatrie häufiger vor, dass Menschen zu früh entlassen werden. Die Behandlung eines Delirs kann - je nach Ursache - auch lange dauern.


    Oft werden deshalb "Belastungserprobungen" gemacht, weil man nicht absehen kann, wie stabil jemand in der Häuslichkeit ist.
    Natürlich stellt sich dann auch die Frage ob diese Wohngemeinschaft die richtige Wahl ist. Es sehr schade um Ihre liebevolle Vorarbeit, aber haben Sie wirklich den Eindruck, dass die vertrauten Möbel und Bilder das Verhalten ausgelöst haben? Aus meiner Erfahrung ist die eher unwahrscheinlich.
    Ihr Martin Hamborg

  • Vielen Dank Hr MartinHamborg für Ihren Beitrag. Wir sind jetzt wieder am Anfang. Wahrscheinlich kann mein Schwiegervater nicht wieder in die Wohngemeinschaft verlegt werden. Wir müssen eine geschlossene Pflegeeinrichtung für ihn finden, was hier in Mecklenburg Vorpommern bzw. Heimat nah nicht so einfach ist. Wahrscheinlich wird es eine Pflegeeinrichtung fernab der Heimat werden, was dann wieder für meine Schwiegermutter schwer werden wird, da sie dann ihren Mann nicht oft besuchen kann. Aber geht es nicht in erster Linie um meinen Schwiegervater, welcher die beste Betreuung erfahren sollte.

  • Hallo, mein Mann ist durch Alkoholmissbrauch an Korsakow Demenz erkrankt. Momentan befindet er sich im Krankenhaus auf einer psychiatrischen Station. Wir suchen für Ihn eine Unterkunft im betreuten Wohnen mit 24 stündiger Betreuung und entsprechender therapeutischer Betreuung im möglichst im Norden Berlins oder im Umland nördlich von Berlin. Er ist 57 Jahre alt und für ein Pflegeheim einfach noch geistig sowohl körperlich zu agil. Können Sie mich mit entsprechenden Adressen versorgen?

  • Hallo, ich habe eine allgemeine Frage, meine Tochter absolvierte ein 14-tägiges Praktikum in einem Pflegeheim. Ihr fiel in all der Zeit auf, dass ein an Demenz erkrankter 88 jähriger Mann die Bewohner des Heims aufmischt. Er geht ungefragt in fremde Zimmer zu jeder Zeit, steht plötzlich hinter einem, auch Rollstuhlfahrerinnen, die sich nicht so schnell bewegen können und geht ständig an Türen und drückt die Türklinke. Er beschimpft die Bewohner und das Pflegepersonal. Auch die Rücksprache mit der Heimleiterin brachte nichts, um Fragen und Informationen zu bekommen. Gibt es Möglichkeiten ein vielleicht eigentlich ängstlichen oder quärulantischen Menschen zu besänftigen? Weil die Bewohner äußern Angst vor ihm zu haben. LG C. aus Sachsen

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Christiane Hannelore,
    leider muss ich Ihre Einschätzung teilen. Es ist schwierig, eine geeignete Einrichtung für Ihren Mann zu finden. Das Alter, die anderen Interessen und auch die Korsakow-typischen Verhaltensweisen passen eigentlich nicht zu normalen Pflegeheimen und es gibt deshalb oft erhebliche Konflikte. Ich würde den Sozialdienst der Suchtklinik oder die Suchtberatungsstelle ansprechen, die Kollegen müssten geeignete Einrichtungen in der Umgebung wissen.


    Hallo Lorina,
    Zunächst freut es mich, dass Ihre Tochter in der Altenhilfe Erfahrungen sammeln kann und ich würde mir sehr wünschen, dass die Einrichtung eine Erklärung für das Verhalten des Mannes gibt. Es kann so viele Ursache haben, bestimmte Formen der Demenz, Reizbarkeit und innere Unruhe als Nebenwirkung von Medikamenten, von Schmerzen, von der Suche nach der Toilette… Oder es prägen Einflüsse aus der Lebensgeschichte, Gefühle, Bedürfnisse, Konflikte … dieses Verhalten. Wir brauchen für professionelles Handeln eine Erklärung oder eine „Verstehenshypothese“, damit wir angemessene Maßnahmen ableiten können.


    Wenn sich Ihre Tochter richtig intensiv damit beschäftigen möchte: Im Netz findet sie die „Rahmenempfehlung Herausforderndes Verhalten“, aber das ist eine echte intellektuelle Herausforderung. Insofern wünsche ich sehr, dass sie eine gute Erklärung bekommt und natürlich Anregungen, was sie tun kann.
    Soweit erstmal Ihr Martin Hamborg

  • Sehr geehrter Herr Hamborg, meine Tochter und ich sprechen über diese Dinge, weil sie muss mit 17 Jahren ihre Eindrücke auch verarbeiten können und sie ist sehr empathisch... so nebenbei...wurde sie sehr freundlich verabschiedet und sie soll immermal, auch in den Ferien wieder kommen. Wurde herzlich eingeladen zu besonderen Events. Wir zogen schon einiges in Erwägung, doch spezielle 'Informationen bekam sie von der Heimleitung leider nicht. Sie hatte eher den Eindruck, es wird so hingenommen wie sich der Mann verhält, das Hinterfragen fehlt. Aber vielleicht sollte in der kurzen Zeit des Praktikums meine Tochter nicht zu viel Einblick erlangen, Aber das ist nur eine Vermutung um einen Abschluss für sie zu finden. "Schützende Hände von mir". Einverstanden bin ich damit natürlich nicht, Ich bin genau wie Sie der Auffassung, je mehr man über einen Menschen in dieser Situation erfährt, um so besser kann man verstehen, nachvollziehen und dementsprechend sich darauf einstellen. Leider ist es nicht immer umsetzbar was man so selbst darüber denkt und gern tun wöllte. Mit freundlichen Grüßen C.

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