Bekannter im Heim

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo Ziska, geben Sie uns gern von Zeit zu Zeit Rückmeldung. Und wenn neue Probleme auftreten sollten, haben wir ja schon etliche Vorinformationen.
    Bezüglich möglicher Haftungsfragen können Sie mal bei Gericht oder bei einem Betreuungsverein nachfragen. In meinem Umfeld habe ich jedenfalls noch nichts von Haftungsproblemen bei ehrenamtlichen Betreuern gehört. Ihnen weiterhin viele positive Stunden und viele schöne Erlebnisse mit Ihrem Bekannten, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,
    ich möchte mich nochmal für die Unterstützung im letzten Jahr bedanken.
    Ihnen und Ihrem Team ein erfolgreiches neues Jahr wünschen. Da mit der Heimleitung von meinem Bekannten absolut keine zufriedenstellende LÖsung jedweder Art zu erreichen war, ich ehrenamtlich natürlich auch nicht so gewieft wie ein Berufsbetreuer bin und das Heim eh an den Bezirk die Pflegebedürftikgeit melden wollte um ihn loszuwerden habe ich am 23. Dez. den Heimvertrag zu Ende Januar gekündigt. Dadurch dass der Bekannte in einer soziotherapeutischen Einrichtung ist mit Doppeldiagnose, Heime demzufolge Angst haben, er könnte in den Nächsten Edeka gehen, hat ein Heim in der Nähe erstmal abgelehnt. Ich habe denen dann erklärt, dass er seit 30 Jahren nicht mehr trinkt und sie haben jetzt einen Kurzzeitpflegeplatz angeboten. Das wäre füra alle Beteiligten risikolos. Wenn es ihm gefällt, könnte er vielleicht später aufgenommen werden und jetzt, solange erkörperlich noch fit ist, kann er bei uns Wohnen. Vielleicht gibt es auch eine Demenz-WG. Er ist nicht aggresiv und man kann mit ihm reden, zumindest jetzt noch. In dieser Zeit wollen wir versuchen etwas geeignetes für ihn zu finden und vor allem auch bei uns zu lassen, mit ihm Wandern etc. solange es geht. Eine drei-wöchige Kurzzeitpflege wäre aufschlußreich für alle, so meine ich. Der Heimleiter war dagegen, weil er sich da nicht einleben würde. Er wollte ihn gleich in ein Demenzzentrum geben. Das finde ich nicht gut, denn er ist körperlich noch sehr fit.
    Ich hoffe für das Beste. Wenn ich lese, dass viele aggresiv werden, bekomme ich schon Bedenken. Seine Mutter hatte die gleiche Krankheit und war auch gemütlich, solange sie Konzerte hören durfte etc. Es war auch für uns ein nervenaufreibender Kampf im letzten Jahr,die Energie hätte man für andere Dinge verwenden können. Auch war die Heimleitung nicht bereit ihn Weihnachten zu uns zu lassen, angeblich war der Urlaub rum. Der Bezirk hatte mir erklärt, sie würden die Wochenenden nicht als Urlaub rechnen, aber das Heim dürfte eigene Regeln aufstellen. Es hätte nur weiterhin einen ständigen Kampf gegeben.
    mfg
    Harrell Franziska

  • Hallo Herr Homburg,
    wir haben jetzt den ersten Monat des Zusammenlebens hinter uns und ich muss sagen es läuft gut.
    Der Kampf war wirklich nervenaufreibender als jetzt das immer wieder neu zu Erklärende aufgrund der Vergeßlichkeit.
    Ich hatte einen Verschlechterungsantrag beim Versorgungsamt gestellt und 80 % mit Begleitperson erreicht.
    So können wir auch mit Bus fahren.
    Die Kurzzeitpflege hat ihn nicht genommen, wobei ich im Nachhinein sagen muss, war mir lieber so, das wäre zuviel Hin- und Her gewesen.
    Nächtliches Umherwandern und Aggresivität habe ich nicht erlebt bis jetzt. Sicherlich ist es im Moment auch immer wieder neu für den Bekannten und er ist auch dankbar Mich verwundert, dass er, zumindest jetzt noch nicht, igendwie alleine was unternehmen möchte. Solange es so bleibt, also wir gehen miteinander Wandern, Einkaufen etc. habenw ir von der Krankheit her kein Problem.
    Ich habe zwischenezeitlich die Arzbefunde, vermisse aber eine extensive Diagnostik. Macht sowas noch Sinn? Das Kurzzeitgedächtnis ist nicht gut. Ich weiß eben von der bildgebenden Diagnostik, dass man schon feststellen kann welche Art es ist.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Ziska, das klingt ja wirklich gut. Schön, dass es so gut läuft und die Zeit des Kampfes nun wirklich vorbei ist, Sie mit Geduld immer wieder die Fragen beantworten und Sie gemeinsam wandern und schöne Dinge erleben.
    Eine weitergehende Diagnostik mit bildgebenden Verfahren würde Ihnen vermutlich zum jetzigen Zeitpunkt wenig neue Informationen liefern. Aber wenn Sie sich vorab informieren, wo Sie dies in Ihrer Nähe machen lassen können, wäre es ein "Anker", falls eine Verschlechterung eintritt.


    Eine weitere Unterstützung könnten Sie vielleicht über eine Ergotherapie bekommen. Diese würde z.B. bestimmte Fähigkeiten gezielt üben - und Sie könnten diese Übungen mit Ihrem Bekannten weiterführen. Dies kann Ihnen noch etwas mehr Sicherheit geben und es würde vielleicht sogar bei der Einstufung in den Pflegegrad von Bedeutung sein.
    Weiterhin wünsche ich Ihnen eine schöne gemeinsame Zeit!
    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,
    ja das klingt gut. Vielleicht kann das auch mal im Rahmen einer Kurzzeitpflege erfolgen, denn wir haben ein Kompetenzzentrum Demenz und die integrieren die Kurzzeitpflege in die Hausgemeinschaft.
    Sie haben ihn auf eine Warteliste gesetzt und meinten, sobald sich was verschlechtert soll ich mich melden.
    Da die Diagnose jetzt Alzheimer mit spätem onset lautet wird das doch irgend wann mal nötig sein. Jetzt freuen wir uns, dass unsere Energie in die Hilfe geht und nicht mehr in so einen unnützen Kampf. Ein bisschen Glück und Persistenz gehört manchmal auch dazu, der Richter war auf unserer Seite, auch die Rechtspflegerin ist sehr entgegenkommend. Obwohl viele Bedenken entgegengesetzt wurden. Sicherlich ist man in einer Pflegeeinrichtung in guten Händen, nur wenn man im privaten Kreis noch bleiben kann, meine ich persönlich ist das viel wertvoller. Jetzt hat der Bekannte auch genug Rente um sich ein bisschen was leisten zu können.
    mfg
    Harrell Franziska

  • Hallo Herr Homburg,
    viel ist passiert leit den letzten Einträgen. Wir haben unseren Bekannten zu Hause und ich kann nicht sagen dass ich mich überfordert fühlte. Wir waren auch im Urlaub 5 Wochen in Ungarn. Sicherlich hat er sich immer mal in die verkehrte Richtung bewegt, aber er hat dann immer wieder zurückgefunden. Er sieht aber leider nicht, dass ich die finanzen von ihm lt. Gerichtsbeschluß und zu seinem eigenen Schutz verwalte.
    Leider war es jetzt so, dass wir aufgrund einer Hüfterkrankung meines Lebensgefährten nicht mehr so viel gewandert sind, auch musste er sich diesen Montag einer Hüft-OP unterziehen. Wir wissen natürlich dass solche "Unregelmäßigkeiten" bei dem Bekannten nicht gut sind. Wir mussten zur vorstationären Untersuchung morgens um 9 erscheinen und da erstmal hinfahren. Da war er schon ein bissl aus rem Ruder. Er läuft weg weil er nicht sofort was zu Essen kriegt.
    Leider ist es so, dass er in letzter Zeit nur Hunger hat. 7 Brote und dann nochmal Hunger.
    Dann hätte mein lebenspartner opiert werden sollen und wir mussten nochmal fahren. Wir haben dann mit ihm dort gefrühstückt aber am gleichen Tag ist er dann los und in Bezug auf Alkohol rückfällig geworden. Wir konnten ihn nicht davon abbringen. Haben das Lokal verlassen und hofften, dass er hinterherkommt, was nicht passiert ist. Mein Lebensgefährte hat dann, nochmal geschaut weil wir uns Sorgen machten und die Polizei brachte ihn blutverschmiert und im Acker liegend.
    Ich habe ihm dann am nächsten Tag kein Taschengeld gegeben. Er meinte nur, er würde wieder ein Bier trinken. An dem Montag mussten wir dann in die Klinik auch sehrr früh, da hat er nur noch ständig die gleichen Sätze von sich gegeben "Nicht mal einen Kittel darf man anziehen, ist eine Frechheit was wir mit ihm machen". Es ist halt so wenn man selber im Stress ist und er den halben Kleiderschrank ausräumt, dass ich dann gesagt habe, es geht auch ohne Kittel wir müssen los. Gemeckert hat er die ganze Fahrt über Hopp hopp hoppp und kein Frühstück etc. etc.
    Es ist auch so dass wir auf dem Weg zur Orthopädie an einer Psychiatirischen Klinik vorbeimüssen. Er hat dann nicht gecheckt dass mein lebensgefährte operiert wird. Er meinte nur immer wieder abgehackt. Hoffentlich betrifft das nicht mich.
    Kurzfristig als wir dann gingen meinte er "wird der arme Wilfried operiert, das sagt mir keiner, das isteine Unverschämtlheit ich mache mir Sorgen". Ich wollte dann heimfahren, weil ich nicht viel geschlaffen hatte und es ungünstig gewesen wäre wenn er jetzt besucht würde. Denn er wurde für die OP präpariert. Leider ging es dann in seiner Panik so weiter. Ich hatte schonbei dem Neurologen einen vorlgelegten Termin beantragt. Als wir zu Hause waren, hat er Brote gegessen und dann gleich wieder Hunger. Er hat mitgekriegt dass ich mit der Praxis geredet habe und meinte ich würde ihn einweisen lassen und ich hätte ihn entmündigt. In Panik hat er die Schuhe angezogen, Hausschuhe in eine Tüte, er war aggresivh und meinte, bevor er wohin geht bringt er sich um. Ichhabe dann die Polizei gerufen obwohl ich jetzt nicht so recht geglaubt habe, dass er das tun würde. Nur er war in einem Ausnahmezustand. Um das jetzt abzukürzen, die Polizei hat fotografiert wie unordentlich sein Zimmer aussieht. Es hat niemanden interessiert, dass ich gesagt habe, er gehört neu eingestellt. Das Lantratsamt hat die Unterbringung abgelehnt, mit der Begründung ich wollte ihn unbedingt haben, also soll ich doch schauen wie ich zurechtkomme. Er wurde dann gefunden. Dann hat mich die Polizei zusammengeputzt. Das ist kein Grund ihn suchen zu lassen er wre in der Nüe gewesen. Die Kirchweihburschen wo er zusammengeschlagen wurde vom Freitag, meinten nur sie würden mit suchen. Er hätte Mädels angegrapscht und da hätte er eine auf die Nase gekriegt. Ich hatte ein bisschen Angst weil er im Haus aggresiv war, die Beamten meinten, er wohnt hier, also. Er ist aber immer wieder weggelaufen. Ging dann Essen ohne Geld. Der Wirt rief mich an und ich habe ihm gesagt solle das Bier wieder weggenehmen .Langer Rede kurzer Sinn er wurde immer wieder gebracht. Nachts um 1/2 3 hieß es er würde wieder gebracht werden und ich solle mit ihm spazieren gehen. Ich war dann selber fertig nach zwei Nächten nicht schlafen. Ich habe dann gesagt, ich befürchte dass ich selber zusammenbreche und er wäre doch rückfällig geworden und es ist doch nicht nomal dass er lieber in einer Polizeizelle schlafen möchte. Dann haben sie ihn endlich aufgenommen. Ich bin von der Betreuungsstelle enttäuscht. Sind die nicht dazu da um einem zu helfen?
    Wir sind jetzt schon soweit, dass wir sagen vielleicht soll er doch in ein Pflegeheim, möchten aber die ärztlichen Befunde abwarten.
    Gott sei Dank hat jetzt ein anderes Gericht den Unterbringungsbeschluß verfasst und auch Pflegeheim mit rein. Wenn es dann nicht nötig werden soltle, kann man jja immer noch entscheiden.
    Wie ist denn Ihre Einschätzung. Sollte man das nochmal wagen wenn er eingestellt ist?
    Dass dies wieder passiert ist ja möglich.

  • Hallo Ziska,


    Ich habe mich über die vorherigen Beiträge gefreut und gedacht, ja, vielleicht geht es ja doch, mit etwas gutem Willen, das Zusammenleben mit einem Alzheimererkrankten. Die letzten Beiträge haben dann alles wieder relativiert.


    Es gibt wenige Fälle von Alzheimer, bei denen die Erkrankten nicht aggressiv werden. Denn letztendlich ist es für denjenigen, der Alzheimer hat, eine große Belastung, wenn er die Zusammenhänge des täglichen Lebens und die Bedürftigkeiten der betreuenden oder pflegenden Angehörigen nicht mehr berücksichtigen kann. Auch ein Alzheimerpatient will ein eigenes Leben haben, halt in dem eng gesteckten Rahmen, den er in sich noch bedienen kann.
    Und wieder muss ich sagen, ich bin unbedingt für Demenzdörfer. Altenheime zähle ich nicht wirklich zu den bedürfnisorientierten Unterbringungen. Ausnahmen gibt es natürlich, aber doch eher selten.


    Mir tut das sehr leid für Sie, Sie haben es versucht und dann passiert so etwas in der belastenden Phase einer doch nicht gerade leichten OP, wo der Partner einen auch dringend braucht.


    Dann hoffe ich für Sie, das der andere Weg, jetzt funktioniert. Und ich würde mich fragen, ob Sie das ein zweites Mal durchstehen können, sollte ihr Bekannter wieder zu Ihnen ziehen können.
    Bei einer solchen Verschlechterung würde ich bei den Ärzten aber auch auf eine Untersuchung in Sachen Vitamine und Mineralstoffmängel drängen, wie B12, Folsäure, Vit. D. Das alleine kann schon eine Verschlechterung der Krankheit begünstigen oder sie sogar auslösen. Und da diese Stoffe immer in Wechselwirkung mit anderen stehen, würde ich da auch noch etwas umfassender nachforschen lassen, wie Zink, Selen, Ferretin, evt. Kupfer, Mangan.


    Ist ein zu hoher Hirndruck ausgeschlossen worden?


    Liebe Grüße


    (Sorry, da ist mir am Anfang eine Namensverwechslung passiert, die ich nachträglich korrigiert habe.)

  • Ich habe ihn vorhin besucht. Er wirkt ruhig. Meinte nur er wäre vielleicht im Irrenheim. Ja das ist ja gerade das Problem, dass es in einer belastenden Phase passiert. Jetzt hätte ich wieder Zeit gehabt, vielleicht jeden Tag ne Stunde zu wandern etc. Ich denke genau darüber nach ob ich in nochmal nach Hause hole. Zumindest müsste dann eine Hilfestellung da sein. Nicht dass einem gesagt wird, Sie wollten es unbedingt, jetzt schauen Sie wie sie zurechtkommen. Das kann nicht Sinn einer Betreuungsbehörde sein. Außerdem sind wir Menschen. Wir dürfen Fehleinschätzungen haben und Fehler machen. Gerade bei so einer Krankheit ist es sehr schwierig. Man braucht viel Geduld. Aber gerade da geht es weder um mich, noch ums Rechthaben noch ums Rechthaben der Behörde. Es geht in erster Linie um den Menschen. Wir hatten ja einen schönen Urlaub und wenn man gesehen hat wie er die Gymnastik mitgemacht hat, nicht immer richtig aber mit Freuden und alles andere. Dann war es eine Bereicherung für alle Seiten. Mit Rückschlägen muss man rechnen.
    Ich wäre auch für etwas anderes als so ein Pflegeheim.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Ziska, Sie haben Ihrem Bekannten ein halbes Jahr geschenkt und dies ist sehr wertvoll. Kleine Verunsicherungen konnten Sie auffangen und die gemeinsamen Wanderungen hatten eine stabilisierende Wirkung. Sie beschreiben sehr genau, dass dafür alles seinen gleichmäßigen Ablauf haben musste. Dieser wurde durch die notwendige Operation erschüttert.
    Ich muss zugeben, ich bin überrascht, wie lange das nach der Vorgeschichte gut gegangen ist und erstaunt über die geringe Unterstützung durch das professionelle System. Sie haben Anerkennung verdient und keine - so wie es sich liest - Häme. Es ist gut, dass Ihr Bekannter nun erstmal versorgt ist.


    Ob es ein Medikament gibt, mit dem Ihr Bekannter bei Veränderungen so beruhigt wird, dass er nicht rückfällig wird und sich selbst und andere gegebenenfalls schädigt, können sie mit dem Arzt mal besprechen. Ob und wann Sie auch mit dieser kleinen chemischen Hilfe einen neuen Wohnversuch starten ist davon erstmal unberührt, denn ohne die gemeinsamen Wanderungen fehlt ein entscheidender Faktor und Ihr Bekannter wird durch die Demenz immer weniger Möglichkeiten haben, Stress zu verarbeiten. Immer mehr werden Sie vielleicht zu einer Wohngemeinschaft, in der sich alles um Ihren Bekannten dreht.


    Aber was spricht dagegen, wenn Sie regelmäßige vielleicht sogar tägliche Besuchszeiten und gemeinsame Wanderungen mit dem Heim vereinbaren.Es muss kein Problem sein, wenn Ihr Bekannter tagsüber bei Ihnen ist und nachts im Heim schläft und sich mit Ihrer Hilfe eingewöhnen kann.
    Ihnen und Ihrem Mann wünsche ich nun erstmal gute Besserung und dass Sie ganz viel Kraft tanken! Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,
    ja das sehe ich genauso. Wir hatten ja immer von Wochen, Monaten geredet und er hatte ja eine schöne Zeit.
    Ich musste leider in meinem Leben lernen dass es oftmals keine Mittelchen gibt um Menschen zu helfen. Meine Mutter war nach dem Krieg schwer traumatisiert,. Man sollte Menschen so sehen wie sie sind und nicht versuchen zu ändern. Manchmal muss man auch Abschied nehmen können zum richtigen Zeitpunkt.
    Der stationäre Aufenthalt des Bekannten gibt erstmal Zeit um zur Ruhe zu kommen und alles in die richtige Perspektive zu bringen. Man sollte nicht sehr vorschnell handeln.
    Ich mache das aber trotz alledem von meinem inneren Gefühl abhängig.
    Es gibt jetzt viele Bekannte die es gut meinen, man sollte einfach die Betreuung abgeben und dann würde jemand anders das regeln. Ich finde das nicht gut. Wenn man was übernommen hat sollte man es auch zu einem für alle guten Ende bringen. Und nur so kann ich als Betreuerin die besten Bedingungen, wie von Ihnen angesprochen versuchen zu erwirken.
    Meinem Lebensgefährten geht es nach knapp einer Woche relativ gut.
    Wir hoffen, dass das mit dem Wandern dann nach einer Reha wieder ungetrübter fortgeführt werden kann.
    Herzlichen Dank für die einfühlsamen Worte.

  • Jetzt muss ich trotzdem nochmal nachhaken. Vielleicht gibt es Erfahrungswerte wie schnell ein Mensch mit Demenz von ganz normalem Reden bis in die Einsilbigkeit kommen kann.
    Denn vor Zwangseinweisung in die Psychiatrie hat ernoch ganz normal geredet. Sicherlich bei der zusätzlichen paranoiden Schizophrenie Dinge im Kopf gehabt, die nicht real sind. Das kennen wir aber. Nun nach zwei Wochen Psychiatrieaufenthalt spricht er nur noch Wörter. Wenn ich nachhake kommt nur Zuhause, so als wollte er nur zuhause reden. Der Arzt hat das Gespräch so nebenher abgefertigt, meinte er würde nächsten Dienstag entlassen werden, es wäre eine mittelgradige Demenz und erwäre nicht aggresiv auffällig gewesen. Dass er aber nur noch einzelne Wörter vonsich gibt, manchmal wie irre lacht wundert mich.
    Ist es möglich dass sich durch die Psychopharmaka das Wesen so schnell verändert. Erschreckend für mich. Im Nachhinein sage ich die Einweisung in die geschlossene hat nix gebracht. Mit Zwang kann man irreale Vorstellungen auch nicht aus dem Kopf klopfen.
    Es beunruhigt mich wie schnell er jetzt abgebaut hat. Vor einer Woche meinte er noch es wäreihm ganz schummerig im Kopf und ich habe das auf die Psychopharmaka geschoben.
    Herzlichen Dank

  • Hallo Ziska,
    bei meiner Mutter dauerte es nach der Entlassung aus der Psychiatrie etwa 3 Monate, bis sie nur noch einzelne Worte sprach und nach ca 4 Monaten gar nicht mehr. Der körperliche Abbau war schneller, also die Geh- und Stehfähigkeit waren schon vorher weg.
    Sicher ist es bei jedem Kranken verschieden und Sie werden da keine Schlüsse auf Ihren Bekannten ziehen können. Und wie Sie schreiben, es ist sehr erschreckend. Die verabreichten Medikamente sind keine Hustentropfen. Meiner Mutter nahmen sie aber die Wahnvorstellungen. Alles Gute!

  • Hallo Jutta60,


    das üble ist, dass man den Gedanken nicht loswird, dass die Medikamente ihn so gemacht haben oder einen erheblichen Anteil daran haben. Weil es eben erst seit der Einweisung von Woche zu Woche schlechter geht.


    Leider.

  • Hallo Ziska,
    Mich würde brennend interessieren, wer die Diagnose paranoide Schizophrenie gestellt hat??
    Meine Mutter fühlt sich ja auch immer verfolgt und bekommt Spritzen (Verfolgungswahn )
    Und Vergiftungswahn.
    Ist die Diagnose in der Psychiatrie gestellt worden?
    Wer hat die Diagnose Demenz gestellt?
    Alles Gute
    Barbara

  • Hallo. Barbara,
    Demenz wurde jetzt wieder in der geschlossenen bestatigt. Mittelschwer war die Auskunft. Gestellt hat sie ein Neurologie, Psychiater.
    Ein HOPS hatte er schon seit 30 Jahren sowie Beeinträchtigung des Kurzzeit Gedächtnisses infolge eines Unfalles mit Kopfverletzungen.
    Schizophrenie wurde auch in einer Klinik festgestellt soviel ich weiss.
    Ich persönlich sehe keinen Sinn zugedröhnt mit Speichelfluss aus dem rechten Mundwinkel und extremer Verlangsamung.

  • Er wird jetzt morgen entlassen, nachdem er vor zwei Tagen fixiert werden musste.
    Leider fühlt man sich sehr allein gelassen.
    Der Sozialpsychiatrische Dienst meinte, hier besteht eine Versorgungslücke.
    Vielleicht hätte er dort bleiben sollen wo er war. Das stimmt nur bedingt. Denn nur eine Verwahrung kann auch nicht das Non Plus Ultra sein.
    Die Vorschläge die vorher genannt wurden mit Tagespflege finde ich gut, nur da müsste erstmal ein Platz gefunden werden. Denn da würde er seinen Fähigkeiten entsprechend noch gefördert werden.
    Zwangsmaßnahmen wie in der Klinik finde ich sind nicht förderlich.
    Ich hoffe es wird sich in den nächsten Jahren das Defizit der "Versorgungslücken" etwas schließen. Solange ich kann werde ich dafür kämpfen dass hier bessere Lösungen gefunden werden als nur irgendwohin abschieben. Es sollte schon für den Menschen auch passen.
    Wenn ich aber merke dass ich das gesundheitlich nicht mehr kann dann muss ich leider die Sache abgeben.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Ziska, es lässt sich aus der Ferne natürlich nicht abschätzen, ob die Sprachstörung Folge der Medikamente oder der Krankheit ist. Es kann gut sein, dass ein akuter Schub der Schizophrenie dahintersteht, ausgelöst durch die Verunsicherung, durch den Alkoholexzess mit dem er vielleicht versucht hat, dass innere Chaos zu betäuben oder oder oder - wer weiß.
    Leider haben die Medikamente Nebenwirkungen wie Verlangsamung oder Speichelfluss. Aber Aggressionen in Folge der Schizophrenie sind unkalkulierbar und es kann sein, dass er einem unkontrollierbaren Pulverfass ausgesetzt ist. Ich finde folgende Vorstellung ganz hilfreich: Die hochwirksamen Neuroleptika packen ihn innerlich wie in Watte, aber es kommt an, wenn Sie bei ihm sind und er merkt, dass Sie es gut mit ihm meinen, auch und gerade wenn Sie Entscheidungen treffen müssen. So wie Sie ihren Bekannten beschreiben, hat er viele Strategien erarbeitet, um mit der Schizophrenie lange zurecht zu kommen, insofern gibt es vielleicht eine gute Prognose, dass die Medikamente in absehbarer Zeit (langsam!!) durch den Arzt reduziert werden können.
    Aber die Demenz steuert gegen die alten Strategien, er wird dadurch verletzlicher gegenüber schwer kontrollierbaren inneren Impulsen.


    Leider haben wir eine Versorgungslücke für Menschen, die eine Demenz und eine psychische Erkrankung haben. Hier greifen oft die Demenzangebote nicht, die für Menschen (nur) mit Demenz sehr positiv wirken. Es ist mehr (wohlmeinende) Aushandlung, Strenge und Führung nötig. Haben Sie sich mit der neuen Lage im Kompetenzzentrum beraten lassen?
    Ihnen und Ihrem Lebensgefährten viel Kraft bei dieser neuen Herausforderung! Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,
    ich danke für die hilfreichen Ratschläge.
    Er spricht wieder mehr. Schläft gut, also braucht er die Bedarfsmedikation an Schlaftabletten nicht. die Klinik hat auch gemeint, man solle die Medikation mit Risperidon überprüfen und dann absetzen.
    Was ich nicht verstehe es wurde in der Klinik eine essentielle Hypertonie festgestellt, demzufolge bekomtm er 1 Ramipril.
    Heute messe ich den Blutdruck und er ist sehr niedrig 85 zu 59.
    Das ist abklärungsbedürftig.
    Er bekommt jetzt auch folsäure.
    Fasst sich immer wieder an die Herzgegend.
    Ansonsten ist natürlich alles vorhergehende vergessen. Sitzt da mit dem Hündchen und redet mit ihm.
    Vielleicht war das auch Misstrauen und er nimmt sofort Verhaltensweisen von anderen an. Er schrieb immer Sätze auf oder zeigte mit dem Finder. Jetzt wirdes besser.
    Wie lange wir das natürlich tragen können wird sich rausstellen und bis dahin m,öchten wir eine "gute" Unterbringungsmöglichkeit.
    Ich meine, es war zuviel für ihn - unsere Rumhetzeri wegen der OP - manchmal kriegen solche Leute dann Angst ihre Bezugspersonen zu verlieren. Das mit dem Alkohol waren "nur" 4 Bier, nur die verträg man halt nicht besonders gut wenn man sonst nie trinkt. Das kam auch im Heim schon mal vor, dass er aufgrund der Demenz einfach vergessen hatte, dass er nicht trinken soll. wir haben dann zusammen mit dem stellvertretenden Heimleiter aufgepasst und er ging danach wieder in ein Cafe und aß Kuchen und trank Kaffee. Also war kurz darauf wieder vergessen.
    Es scheint kir fast so als ob in der ;Medlla,emtembpx ais aus Versehen zweimal Ramipril mogens und abends drinne sind und nur einmal morgens das Risperidon. Ich kann das nicht so genau erkennen, weil auch manche Medikamente die gegeben werden keine "Marken" sind. Ich habe lt. Medikamentenplam im Arztbrief allels neu gepackt ind werde den Dispenser mit zum Neurologen nehmen. Ich glaube deswegen ist der Blutdruck so niedrig. Sowas sollte nicht passieren aber kann schon mal vorkommen.
    Das mit den Vitaminen werde ich nochmal ansprechen. Herzlichen Dank für die Tipps. Mit dem Kompetenzzentrum stehe ich in Verbindung und ich werde versuchen ihn ab und zu in deren Hausgemeinschft zur Tagespflege zu geben.
    Dann sieht man auch ob er weglaufen würde etc.
    Und niochmal herzlichen Dank für die Wünsche mit viel Kraft. Die Kraft haben wir schon nur oftmals nicht die Kenntnis über diese Krankheit. und die Möglichkeit sie zu heilen. Leider.

  • Jetzt nochmal ganz kurz. Habe gesehen dasss das Risperodon Blutdruckabfall auslösen kann.
    Da werde ich schauen, dass wir so schnell wie möglich zum Neurologen kommen.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Ziska, die meisten Psychopharmaka haben auch eine blutdrucksenkende Wirkung, insofern ist es gut, wenn Sie ab und zu den Blutdruck messen und mit dem Hausarzt sprechen. Ein niedriger Blutdruck senkt auch den Antrieb, die kognitive Leistungsfähigkeit und das hat vielleicht auch Auswirkungen auf die Sprache.
    Ich wünsche Ihnen sehr, dass sich der Neurologe für alle Fragen Zeit nimmt, er kann Ihnen sicher auch sagen, welche Blutdruckwerte er aufgrund der Demenz empfehlen kann, damit das Gehirn ausreichend versorgt wird.
    Um den Einfluss der Schizophrenie abzuschätzen, können Sie Ihren Bekannten auch immer mal fragen, was ihm gerade durch den Kopf geht. Wenn das Stimmen sind, die ihm Befehle geben, sollte das auf jeden Fall der Neurologe wissen... Es freut mich, dass der Alkohol infolge der Vergesslichkeit nicht mehr so zum Problem wird.
    Ihnen viel Kraft und Erfolg auf der Suche nach einem guten Patz, Ihr Martin Hamborg

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