Behandlung in einer Psychiatrie - Was ist richtig und was nicht?

  • Meine Oma (76) hat eine Demenz mit einer sehr ausgeprägten Weg- bzw. Hinlauftendenz. Sie hat bis zuletzt 35 Jahre alleine gelebt und sich bereits seit rund 20 Jahren immer weiter sozial zurückgezogen.


    Vor zwei Wochen wurde meiner Oma die Gallenblase entfernt. Nach der OP ist sie mit ihrer frischen Wunde und der Drainage immer wieder stiften gegangen und wurde durch das überforderte Klinikpersonal in eine geschlossene Psychiatrie, aufgrund der Eigengefährdung eingewiesen. Sie blieb dort eine Woche, bekam die ersten 1-2 Tage Tavor und Haldol. Dann wurde von Haldol auf Risperdal gewechselt. Hat die Einnahme aber immer wieder verweigert.
    Sie sollte dann nach 7 Tagen in eine Demenz-WG einziehen. Dort ist die Situation eskaliert. Nachdem wir weg waren, ist meine Oma weggelaufen. Sie hat natürlich nicht verstanden, warum die fremden Frauen, also die Betreuerinnen sie verfolgen und aufhalten wollen und wurde aggressiv. Sie hat mit Steinen geschmissen, lief unkontrolliert über die Straße. Daraufhin ging es schnurstracks zurück in eine geschlossene, diesmal gerontopsyichartrische Einrichtung. Meine Oma ist natürlich total durch den Wind. 4 Ortswechsel in 2 Wochen - eine absolute Katastrophe. Der neue richterliche Beschluss lautet 4 Wochen.


    Der Vorfall in der Demenz-Wg liegt eine Woche zurück und wir haben sie seitdem nicht gesehen, da das Pflegepersonal empfiehlt, dass es besser sei, wenn wir nicht kommen. Wir wissen durch die täglichen Telefonate, dass meine Oma jede Medikation verweigert, einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus hat, unruhig ist, zur Tür drängt und denkt, dass sie im Gefängnis ist. Die Einnahme aller Medikamente, also auch ihre typischen Alltagsmedikamente für ihre Osteoporose und Schilddrüse, verweigert sie. Ebenso das Risperdal.
    Eine Pflegerin hatte eine Zwangsmedikation angeregt. Meine Mutter wäre auch bereit das zuzulassen, wenn es ihr helfen würde. Der Arzt meinte jedoch "Ja mal sehen, gucken wir erstmal die nächsten Tage, muss ja auch alles wieder beantragt werden, ..."


    Sie hatte kurz vor der OP Zahnschmerzen, hat eine zu versorgende Wunde und hatte zwischenzeitlich Schmerzen beim Wasserlassen. Das haben wir der Klinik auch nun täglich gesagt und es heißt dann entweder "geben wir weiter", "wir gucken mal" oder aber O-Ton "Ihre Oma sagt, ihr gehts gut." Niemand geht darauf ein.
    Meine Oma ist verbal nicht mehr gut unterwegs, ist orientierungslos und weiß sicherlich gar nicht, was die Pfleger oder Ärzte von ihr wollen. Die ist dem Personal dort hilflos ausgeliefert, hat Angst vor den Pflegern und will in Ruhe gelassen werden. Die Aussagen meiner Oma sollten demnach doch mit Vorsicht zu betrachten sein oder?


    Wir als Angehörige sind vollkommen außen vor und verzweifelt. Die kann doch jetzt nicht die nächsten vier Wochen dort unbehandelt herumirren oder läuft das so in einer geschlossenen, gerontopsychiatrischen Einrichtung - a la "Die ist da, lässt nicht mit sich reden - können wa auch nichts machen..."?
    Wir machen uns einfach Sorgen, da es keine adäquate Kommunikation zwischen der Klinik und meiner Mutter, ihrer gesetzlichen Betreuerin, gibt. Sind wir hier zu überregt bzw. zu emotional?


    Hat jemand einen Rat, was wir tun können?
    Wir wollen ja eigentlich nichts anderes, außer, dass sie endlich wieder zur Ruhe kommt und gut behandelt wird.


    Viele Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Sehr geehrte Fragenstellerin, sehr geehrter Fragensteller,


    eine wirklich komplexe Situation, die Sie hier beschreiben! Allerdings berichten Sie auch, dass Ihre Mutter als gesetzliche Betreuerin eingesetzt wurde. Üblicherweise bezieht sich die Betreuungsvollmacht auch auf die Bereiche der sogenannten Gesundheitssorge und der Aufenthaltsbestimmung. Das bedeutet, dass Ihre Mutter als gesetzliche Betreuerin weitgehende Rechte hat und sowohl den Behandlungsort als auch Art und Umfang der zuzulassenden medizinischen Behandlungsmaßnahmen mitbestimmen kann. Dazu bedarf es einer engen Kommunikation mit den jeweiligen Behandlern, die aber offenbar derzeit nicht zufriedenstellend gegeben ist. In manchen Fällen ist es dann hilfreich, Rücksprache mit demjenigen Amtsgericht zu nehmen, dass für die Einrichtung der Betreuung zuständig war. Letztlich kann auch eine Wechsel der medizinischen Einrichtung über diesen Weg angestrebt werden.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

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