Begleitperson während Arztterminen

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  • Hallo,
    mein Ehemann leidet zunehmend und rasch progredient an einer neurodegenerativen Erkrankung, bei der es zu Fehlwahrnehmungen kommt. Ein eigenständiger Arztbesuch ist ihm deshalb nicht mehr möglich.
    Aus diesem Grund begleite ich ihn zu und während seinen Terminen. Wir haben ein entsprechendes Attest vom Neurologen.


    Wir haben beide eine Jahres-Bewilligung für die (eigene) Beförderung zu Arztterminen. Der Fahrdienst nimmt mich bisher mit meinem E-Rolli als Begleitung zu den Terminen meines Ehemannes aus Kulanz mit.


    Von einer Dame des Pflegedienstes wurde uns empfohlen, dass ich einen Antrag auf Begleitperson bei der Krankenkasse stellen soll. So wäre es offiziell und auch mein Transport abgesichert, falls unterwegs mal etwas passiert. Der Fahrdienst würde meinen Transport dann abrechnen können.


    Auf eine mündliche Anfrage bei der Krankenkasse wurde mir gesagt, dass ich als „Behinderte“ keine Begleitperson sein kann.


    Ich habe daraufhin einen schriftlichen Antrag gestellt und erhielt eine mündliche Ablehnung : „Meine Mitnahme würde im Ermessen des Fahrdienstes liegen“…
    und man schob den Hinweis nach, dass sich die Voraussetzungen für die Nutzung des Fahrdienstes geändert hätten – nämlich mind. Pflegegrad 4 oder im SBA die Merkzeichen H oder aG (wir erfüllen beide die genannten Voraussetzungen - bei meinem Mann läuft jedoch ein Widerspruch wegen aG).


    Was kann ich tun? Mein Mann benötigt die Unterstützung während des Arzttermins und ich kann selbst – so wie mein Mann auch - nur mit dem Fahrdienst hingelangen. Ich möchte den Fahrdienst nicht in irgendwelche Schwierigkeiten bringen oder Gutmütigkeit ausnutzen.


    Liebe Grüße
    Blautopas

  • Hallo Blautopas, leider kann ich Ihnen nicht helfen. Aber mich hat Ihre Geschichte sehr berührt. Ist das nicht Diskriminierung? Sie sind, so habe ich entnommen, körperlich eingeschränkt, aber doch ich Kopf sehr rege. Es geht doch immer nur um Kosten, Versicherungsschutz und Aufwand. Aber so ist doch das Leben. Und das Leben findet nicht hinter Schreibtischen statt, wo über fremde Leben entschieden wird. Wenn Ihr Mann Ihre Unterstützung benötigt und Sie die des Fahrers und des Arztes und das müsste ja für Ihren Mann auch ohne Sie gegeben sein für Ihren Mann. Wenn Sie nicht dabei sind, dann trägt der Fahrer und der Arzt eine größere Verantwortung für Ihren Mann, als wenn Sie dabei sind. Immer nur Aufwand, der viel größer in der Verantwortung läge. Schade, wahrscheinlich leben Sie nicht in Sachsen... mein Vater ist auf den Rollstuhl teilweise angewiesen. Ich bin Begleitperson und würde Sie ohne großes Gerede beide fahren. Viel Kraft wünsche ich Ihnen... LG Lorina

    • Offizieller Beitrag

    Guten Abend,


    auch ich empfinde die Reaktion Ihrer Krankenkasse als sehr befremdlich. Ihr Ehemann benötigt Sie als geistige Unterstützung und Sie sind seine vertraute Person. Da spielt es für meine Begriffe keine Rolle ob Sie körperbehindert sind oder nicht. Trotzdem kenne ich diesbezüglich die gesetzlichen Grundlagen nicht. Mit dem SGB V (Krankenkasse) habe ich nicht viel zu tun und unsere Antworten beziehen sich in der Regel auf das Gesetz der Pflegeversicherung oder versus dem SGB XII.
    Generell könnten Sie aber auf Ihren Antrag bei der Krankenkasse eine schriftliche Aussage mit den dazugehörigen gesetzlichen Grundlagen verlangen. Dann könnte man sich schon einmal anders orientieren. Gegebenenfalls könnten Sie sich dann auch an eine Patientenberatung vor Ort wenden.
    Sie hören aber nächste Woche noch einmal von mir. Eine Kollegin von mir kennt jemanden der bei einer Krankenkasse gearbeitet hat. Dort wird sie nachfragen.


    Alles Gute.
    Mit freundlichen Grüßen
    R. Gascho

  • Hallo Lorina,
    vielen Dank für die lieben Worte.
    Es ist so, dass mein Mann vom Fahrdienst transportiert wird, mit Begleitung des Fahrers bis in die Praxis. Erst während des Arzttermins braucht mein Mann dann meine Unterstützung.
    Dazu muss ich jedoch selbst erst einmal die Praxis kommen. Das geht wiederum auch nur per Fahrdienst, allerdings brauche ich ein Fahrzeug mit Rampe (für meine eigenen Termine werde ich ohne Probleme entsprechend transportiert).
    „Einfach so“ als Begleitung mitfahren geht nicht. Wenn ein Fahrzeug ohne Rampe käme, dann lassen die mich einfach stehen.
    Außerdem muss ich samt E-Rolli im Fahrzeug gesichert werden. Es macht also etwas Arbeit.
    Ich kann meinem Mann zwar nicht körperlich helfen – dafür kommt der Pflegedienst zu uns beiden -, aber ich kann ihn sonst unterstützen und achtgeben.


    Hallo Frau Gascho,
    auch bei Ihnen möchte ich mich bedanken. Die schriftliche Aussage von der Krankenkasse habe ich heute eingefordert und warte die Antwort ab. Mein Mann und ich sind übrigens bei der gleichen Krankenkasse versichert.


    Herzliche Grüße
    Blautopas

  • Hallo Blautopas,
    ich dachte mir schon, dass es nicht so einfach mit ihren Begleittransport wegen der Rampe sei. ich hoffe für Sie, dass eine Lösung gefunden wird. Ich meine, die Krankenkasse kennt ihre körperlichen Befindlichkeiten und das doch nicht auch erst seit Ihr Mann ihre kognitive Unterstützung benötigt. Warum kann da nicht speziell für Ihren Fall so ein Fahrzeug mit Rampe gestellt werden. Diese Schildbürgerei in Deutschland! Ich wünsche Ihnen eine baldige Lösung und wünsche Ihnen und Ihren Mann das Allerbeste für die Zukunft! LG Lorina

    • Offizieller Beitrag

    Guten Abend,
    folgende Beschreibung kommt von einem Sozialversicherungsangestellten, der jahrelang bei einer Krankenkasse gearbeitet hat: es liegt immer im eigenen Ermessen des Fahrdienstes, ob dieser Begleitpersonen mitnimmt. Dies hängt erfahrungsgemäß damit zusammen, ob einerseits im Fahrzeug selbst das Platzangebot vorhanden ist. Zweitens sei die Traglast entscheidend, da in Ihrem Fall ja zwei E-Rollstühle zu transportieren wären. Der Fahrdienst rechnet die Begleitperson nicht gesondert mit der Krankenkasse ab.


    Die Aussage der Krankenkasse, dass die Ehefrau durch ihre Behinderung nicht als Begleitperson gelten kann, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Beim Ehemann liegt eine Beeinträchtigung der Orientierung vor, die die Ehefrau sehr gut durch Ihre Anwesenheit ausgleichen kann; ganz unabhängig davon, ob sie „behindert“ ist oder nicht. Der Schwerbehindertenausweis bzw. die zuerkannten Merkzeichen sind in dem Fall der „Begleitung“ unerheblich. Sie sind jeweils nur dann relevant, wenn es um die jeweils eigene Beförderung mit dem (Kranken-) Transport zu einem Arzt geht. Zudem berichtet er, dass der Fahrdienst vom DRK z.B. die Mitnahme einer Begleitperson recht unkompliziert handhabt.


    Ich hoffe die Antwort hilft Ihnen ein wenig weiter. Für Sie und Ihren Mann alles Gute.


    Mit freundlichen Grüßen
    R. Gascho

  • Hallo Lorina46,
    viele Krankentransporte haben keinen Platz für einen E-Rolli ohne umsetzen. Dazu kommt, dass die Krankenkassen Verträge mit den Fahrdiensten machen. Entsprechende Listen bekommt man zugeschickt, die darf man dann abtelefonieren. Eine freie Auswahl besteht also nicht, oder man zahlt selbst.


    Hallo Frau Gascho,
    vielen Dank für Ihre Mühe. So wurde es mir am Telefon auch geschildert. Es liegt „im Ermessen des Fahrdienstes“. So wurde ich leider schon öfter stehen gelassen, weil das Fahrzeug keinen Platz für einen E-Rolli hatte, oder es entstehen lange Wartezeiten. Schließlich ist der Fahrschein nicht auf meine Bedürfnisse ausgestellt, sondern auf die meines Mannes (ohne Rolli, mit TSW) und ich darf froh sein, wenn ich als Klotz am Bein vielleicht noch mit darf. Das ist deprimierend.


    Ich frage mich an dieser Stelle jedoch... Wie kann die medizinische Versorgung für einen rasch neurodegenerativ-progredient-erkrankten Patienten sichergestellt werden, wenn
    1. er selbst mit dem Fahrdienst zum Arzt gebracht wird, ABER
    2. im Arztgespräch seine Gesundheitsprobleme krankheitsbedingt nicht selbst schildern kann und mit seinen gesundheitlichen Ausfällen allein ist?


    Ich würde in dem Fall die Durchführung medizinisch notwendiger Leistungen gefährdet sehen. Auch den Verlust möglicher Chancen den Verlauf günstig zu beeinflussen, Symptome medikamentös zu mildern, Medikamente optimal einzustellen. In der Klinik hatte mein Mann Untersuchungen abgebrochen, bei denen ich nicht dabei sein durfte. Dem Personal war das vorher nicht bewusst. Ich kann – trotz meiner Behinderung - positiv einwirken, argumentieren und die Interessen meines Mannes vertreten.


    Ich möchte Sicherheit für uns beide. Im SGB steht auch, dass den besonderen Belangen behinderter und chronisch kranker Menschen Rechnung zu tragen ist.
    Ich bin kein "Beiwerk" sondern meine Anwesenheit im Arztgespräch ist eine Notwendigkeit. Mich strengt das schließlich - zusätzlich zu meinen eigenen Problemen - auch an.


    Mit besten Grüßen
    Blautopas

    • Offizieller Beitrag

    Guten Abend,


    nach nochmaliger Rücksprache mit dem ehemaligen Krankenkassenmitarbeiter fällt uns dazu leider nichts mehr ein. Vielleicht ist es Ihnen möglich, dass Sie sich mit Ihrem Anliegen und dem Brief, den Sie von der Krankenkasse ja noch erwarten, an den bezirklichen Behindertenbeauftragten wenden?


    Was ich aus meiner beruflichen Praxis manchmal mitbekomme, dass sich Begleitpersonen mit dem Sonderfahrdienst (macht nur Freizeitfahrten und Merkzeichen „T“ im Schwerbehindertenausweis nötig) ein bis zwei Straßen vor der Arztpraxis absetzen lassen. Während der Patient mit dem Krankentransport zum Arzt fährt. Aber das darf ich Ihnen natürlich nicht offiziell empfehlen.


    Alles Gute.
    Mit freundlichen Grüßen
    R. Gascho

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