Wahrheit oder nicht?

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Meine Mutter befindet sich seit fünf Wochen wegen eines Krankenhausaufenthalts meines Vaters in Kurzzeit- bzw. Verhinderungspflege. Da mein Vater schwer erkrankt ist, wird meine Mutter dauerhaft in der Einrichtung verbleiben, mit der wir auch sehr zufrieden sind. Mein Vater soll nach seiner Entlassung dort ebenfalls untergebracht werden. Seit der Unterbringung hat sich die Demenz -wie erwartet- deutlich verschlimmert, Dennoch ist meine Mutter an manchen Tagen relativ klar. Sie will unbedingt nachhause und sieht überhaupt keine Notwendigkeit für ihre Heimunterbringung, da sie überzeugt ist, dass sie auch alleine zuhause bleiben könne.
    Mein Problem besteht nun darin, dass meine Schwester vergangene Woche plötzlich gestorben ist. Vorher hat meine Schwester meine Mutter regelmäßig besucht. Dennoch hat meine Mutter in den letzten Wochen nicht nach ihr gefragt. Bisher haben wir es meiner Mutter nicht erzählt und sind hin-und hergerissen zwischen dem Gedanken, dass sie ein Recht darauf hat, es zu erfahren und dem Wunsch, ihr diese schlimme Nachricht zu ersparen. Ich befürchte, dass sie es nicht verstehen wird, aber dass ein diffuses trauriges Gefühl bei ihr zurückbleibt. Andererseits habe ich die Sorge, dass sie sich betrogen fühlt, wenn es irgendwann doch rauskommen sollte. Ich würde mich sehr über einen Rat und eine Einschätzung freuen.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Pipilotta,


    mein Beileid zu Ihrem Verlust.


    Es gibt da wohl keinen "Königsweg" im Sinne von absolut richtig oder völlig falsch hinsichtlich einer erwartbaren Reaktion des Menschen mit Demenz. Nur eine Haltung / Überzeugung, die man dazu haben kann.
    Ich habe es immer so gehandhabt, insbesondere wenn ich eine entsprechende Nachricht selbst überbringen musste und dies innerhalb eines Teams diskutiert wurde mit der gleichen Fragestellung die Sie haben:


    Ihre Frau Mutter hat ein Recht darauf, es zu erfahren. Eines ihrer Kinder ist verstorben. Sie hat ein Recht darauf, trauern zu dürfen unabhängig davon, wie sich das erstmal bei ihr ausdrücken wird. Die Umgebung muss das aushalten und mittragen.
    Das ist meine Meinung, Haltung dazu.
    Weil ich überzeugt bin, dass kein Elternteil, kein liebender Mensch es jemals nicht würde wissen wollen, wenn so etwas geschieht. Ich bin selbst Vater. Und ich erwarte, bestehe darauf, dass mir mitgeteilt wird wenn etwas mit meinen Kindern ist. Ganz egal in welchem Zustand ich bin.


    Anders ist die Sachlage für mich, wenn jemand ständig bzw. wiederkehrend danach fragt. Also täglich mehrmals nach "X" fragt, der / die inzwischen verstorben ist. Die Todesnachricht immer wieder neu zu überbringen wenn es zu erheblichen Unruhuezuständen, zu einer Art "Trauerschleife" führt, erlebe ich als nicht sinnvoll auf die Dauer. Dann würde ich eher, auch aus einer Haltung / Überzeugung heraus versuchen aufrichtig, aber ausweichend zu antworten um keine weitere Unruhe zu provozieren.


    Ich bin mir völlig bewusst, dass Kollegen in meiner und anderen Fachprofessionen eine andere Haltung dazu haben. Aber dies ist meine.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!