Mein Mann ist sehr unkooperatiiv

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  • Hallo! Ich weiß nicht mehr weiter...
    Mein Mann ist hat Alzheimer mit frühem Beginn. Wir bekamen die Diagnose 2011, da war mein Mann gerade mal 53 Jahre alt.
    Anfangs hat er mit mir zusammen gekämpft-hat alles mitgemacht. Mit den Jahren hat er resigniert. Mir ging es dann such immer schlechter. Ich wurde depressiv musste in eine Klinik und nehme seit zwei Jahren Medikamente, sodass ich meine Traurigkeit ganz gut im Griff hatte.
    Mein Mann lehnt alles ab, was mich etwas entlasten könnte. Keine therapie macht er noch mit. Keine ergo - oder Logopädie. Er bleibt bei niemandem. Nicht bei einer Betreuungskraft vom Pflegedienst- nicht bei meiner Schwester. Das waschen und anziehen wird immer schwieriger. Aber es soll. Kein ambulanter Pflegedienst kommen. Er ist absolut auf mich fixiert. Ich kann Nichts alleine machen. Selbst beim Toilettengang muss ich die Tür auflassen.
    Nun ist bei mir die Traurigkeit zurückgekommen. Ich weine viel und mit mit allem überfordert. Ich nehme meine Medikamente aber es geht mir nicht gut.
    Meine Ärztin sagt, ich muss meinen Mann weggeben, sonst gehe ich zugrunde.
    Aber was passiert wenn er ins Heim muss und dort dann randaliert?!?
    Ich bin ziemlich verzweifelt. Vielleicht weiß jemand Rat.
    LG
    Demento

  • Hallo Demento,


    Ihre Ärztin hat recht und was Ihr Mann im Heim anstellen würde ist zunächst mal nicht Ihr Problem. Es sei denn, man würde ihn dort "rausschmeißen" wollen (sofern das überhaupt erlaubt ist, was ich nicht weiß).


    Scheinbar haben Sie sich viel zu lange viel zu sehr einspannen lassen und ihn viel zu sehr daran gewöhnt, daß er das mit Ihnen machen kann und sich auf niemand anderen einzustellen braucht.


    Dementsprechend schwer dürfte jetzt die Umstellung für ihn sein, aber wenn Sie wenigstens einigermaßen heil aus der Nummer rauskommen wollen, hören Sie auf Ihre Ärztin und andere Fachleute und setzen um, was die Ihnen vorgeben.

  • Hallo Demento,
    was Sie beschreiben klingt schrecklich. Meine Mutter war bereits 88 Jahre alt, als ihre Diagnose stand. In so jungen Jahren an einer Demenz zu erkranken ist sehr bedrückend. Man steht ja noch mitten im Leben, hat Pläne usw..
    Mein Vorschreiber hat das eine "Nummer" genannt. Ich habe mir eher überlegt, ob das nicht eine langjährige Partnerschaft ist und dass Sie sich auch gar nicht aus der Verantwortung nehmen wollen, dass Sie aber gesundheitlich nicht mehr können. 8 Jahre sind eine lange Zeit, die Sie gemeinsam mit Ihrem Mann durchgehalten haben. Denn Sie beschreiben ja, wie sie zusammen versucht haben, dieser üblen Krankheit die Stirn zu bieten. Überlegen Sie einmal in die andere Richtung: was haben Sie gemeinsam mit Ihren Mann geplant, wenn die Krankheit fortschreitet? Denn es darf nicht sein, das Sie sich hinterher vielleicht Vorwürfe machen. Das habe ich für mich auch immer gefürchtet, als ich meine Mutter in ein Heim bringen musste. Aber bei einer fortgeschrittenen Demenz kam ich einfach an meine Grenzen, wenn auch nicht so schlimm wie Sie. Haben Sie sich schon einmal bei einem Pflegestützpunkt erkundigt? Denn Ihr Mann ist noch so jung, da kommt ein klassisches Pflegeheim wohl nicht infrage. Vielleicht eine Wohngruppe, die auf Demenz spezialisiert ist. Und sicher etwas in der Nähe zu Ihrem Wohnort. Hoffentlich kann Ihnen jemand weitere Ansprechpartner nennen, vielleicht melden Sie sich auch einmal bei der Alzheimer Gesellschaft. Sie brauchen Entlastung, damit Sie wieder gesund werden. Nur so können Sie Ihren Mann weiter begleiten, auch wenn er nicht mehr bei Ihnen wohnt. Über "Randale" sollten Sie sich keine Gedanken machen, Sie müssen im Vorfeld abklären, dass die Pflegeeinrichtung Erfahrung im Umgang mit an Demenz Erkrankten hat.
    Ich wünsche Ihnen und Ihrem Mann, dass eine erträgliche Lösung gefunden wird.

  • Hallo


    Vielen Dank für eure Antworten. Das macht mir Mut. Ich werde jetzt mal mit meiner Schwester und mit meiner Freundin reden. Letzte Nacht war wieder ganz schlimm. Ich kann nicht mehr. Ich habe mir jetzt einen Termin beim Pflegestützpunkt gemacht. Ich hoffe, eine geeignete Einrichtung zu finden.
    Dann muss ich damit klar kommen. In letzter Zeit droht er immer mit Selbstmord. Was wenn er sich dann in der Einrichtung umbringt?
    Nochmal Danke! Ich denke es gibt keinen anderen Weg...


    Euch auch alles gute
    Demento

  • Hallo Demento,


    Nicht Wenige stehen vor einer Zerreißprobe, wenn man einerseits helfen will und man zunehmend nur noch alleine zuständig ist. Das ist bei mir leider zunehmend auch ein Thema und auch ich brauche irgendwann eine Auszeit.


    Was helfen kann, ist schwer zu sagen. Manche benutzen wenn gar nichts anderes mehr geht, Psychopharmaka. Ich kann dazu aber nichts sagen.


    Ich habe auch einmal von einer Frau gelesen, die ihren Mann in ein Heim in der Schweiz gebracht hat. Ein gutes Heim, in dem auch aggressive Demenzkranke sich erstaunlicherweise eingewöhnen konnten. Das kostet aber entsprechend. Bei uns in Deutschland gibt es das in dieser Form eher nicht, vielleicht noch in einem Demenzdorf. Aber wenn das nicht gerade in der Nähe liegt, dann muss man mit dem leben, was angeboten wird.


    Ich würde es mit dem Heim trotzdem versuchen. Es kann sein, dass es wieder erwarten doch funktioniert.


    Eine andere Frage von mir wäre, ist der Vitamin- und Mineralstoffhaushalt Ihres Mannes im Laufe der Jahre getestet worden? Einige Mängel können eine Demenz verstärken oder sogar auslösen und auch depressiv machen. Dazu zählen Vit. B12, Vit. D. Aber auch andere Stoffe können massiv den Gehirnstoffwechsel beeinflussen, wenn sie fehlen.
    Meine nächste Frage wäre, hat ihr Mann mit irgendwelchen Schwermetallen oder anderen Metallen zu tun gehabt. Aluminium steht ja im Verdacht eine Demenz auslösen zu können, aber auch andere Metalle können bei einer Überlastung und schlechten Entgiftungskapazität Einfluss auf das Gehirn nehmen.


    Das hilft Ihnen jetzt vielleicht nicht weiter, aber ich denke mir, dass man durch entsprechende Blutuntersuchungen vielleicht noch etwas an Lebensqualität zurückgewinnen kann.


    Ansonsten schließe ich mich den anderen Mitschreibern an, es muss eine Lösung gefunden werden, die Sie merklich entlasten kann.

  • Hallo nochmal


    Ich lasse das Blut meines Mannes jedes Jahr von der Hausärztin und auch vom Neurologen prüfen. Zuletzt im April. Alle Nährstoffe sind tipptopp. Auch die verstoffwechslung der Medikamente funktioniert einwandfrei.
    Bei meinem Mann liegt die Demenz in der Familie. Seine Großmutter starb mit 66 Jahren und galt als „verkalkt“.
    Seine Mutter war Mitte 50, als der Arzt von Alzheimer sprach. Seine Schwester bekam die Diagnose ein Jahr nach meinem Mann und starb 2017.im Alter von 63 Jahren.
    mein Mann war Bilanzbuchhalter in einem großen Konzern in der Lebensmittelverarbeitung.
    Er ist jetzt 60 Jahre alt. Ich weiß dass der Verlauf unterschiedlich ist. Aber im vergangenen Jahr ging es rapide abwärts mit meinem Mann. Leider ist er nicht so wie meine Schwiegermutter, die ich noch mitgepflegt habe. Die war immer zugänglich und nett.


    Allen nochmal Danke für das Mitgefühl. Es tut gut dich mal alles von der Seele zu schreiben. Ich kann mit niemandem Reden oder gar telefonieren denn er ist ja immer dabei!
    Alles gute Ihnen allen.

  • Hallo Mitbetreuende,
    ich habe ähnliche Probleme. Ich betreue meine Mutter seit vielen Jahren und komme so langsam an meine Grenzen. Ich muss mir nun Gedanken machen, was für meine Mutter, aber auch vielleicht für mich, das beste ist.
    Ich habe schon mehrere Pflegeeinrichtungen in unserer Nähe kontaktiert und habe allerorten negative Auskünfte erhalten, da meine Mutter unkontrolliert wegläuft. Man sieht sich in diesem Fall nicht in der Lage auf sie aufzupassen. Ich bleibe aber am Ball. Einen Rat hat man mir aber gegeben. Ich solle mit unserem Hausarzt über eine Lösung duch Arzeimittel sprechen, Meine Mutter würde zwar wohl fast den ganzen ag schlafen, aber dafür kann sie nicht mehr weglaufen. Leider häufen sich in letzter Zeit die agressiven Ausbrüche zwischen meiner Mutter und mir.
    Ich habe also nun beschlossen nach einer passenden Einrichtung inunserer Nähe zu suchen.
    Sie schreiben, dass sie eine Auszeit brauchen. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie sofern Sie eine passende Einrichtung gefunden haben Ihrem Mann unter dem Vorwand eines eigenen Klinikaufenthalts in eine Kurzzeitpflege zu geben. So könnte er die Einrichtung kennenlernen ohne gleich Nägel mit Köpfen machen zu müssen.
    Eine andere Möglichkeit wäre ev. eine Seniorenbegleiterin oder Begleiter einer entsprechenden Einrichtung zu installieren, die Ihren Mann mit zu einer Tagespflege begleiten könnte. Auch hier bekäme Ihr Mann einen fließenden Übergang. Ob eine Pflegeeinrichtung einen schwierigen Patienten rausschmeißen oder wie in meinem Fall ablehnen kann würde mich auch mal interressieren.

  • Hallo...
    Das ist eine prima Idee.
    Ich selbst habe mir überlegt, eine Kur zu beantragen.
    Ich hoffe, er kann sich so besser von mir entwöhnen.
    Ich denke, ich hätte früher auch auf mich achten sollen um nicht selbst unter die Räder zu kommen.


    Vielleicht ist es schon zu spät. Es geht mir nicht gut! Zum Schluss hilft es uns beiden ???
    Ich wünsche alles viel Kraft und Danke für die Resonanz.


    Demento

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Demeto, zunächst einmal Danke in die Runde für die wertvollen Beiträge!
    Ihre Entscheidung für eine Auszeit und die Suche nach einem Heim kann ich nur unterstützen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie durch den Abstand, durch lange Spaziergänge und die Dinge, die Ihnen wichtig sind und neue Kraft geben können, aus der absoluten Überlastung kommen!


    Die Suizidgedanken Ihres Mannes sind wie die (vermutlich zwanghaften) Ängste vor dem Alleinsein ein Hinweis auf einen depressiven Anteil in der Demenz. Depressionen sind bei Männern viel häufiger mit aggressiven und risikoreichen Verhaltensweisen verbunden, deshalb würde ich eher eine psychiatrische Klinik für eine gründliche Untersuchung und Behandlung empfehlen. Die Gefahr, dass sich Ihr Mann tatsächlich etwas antut, wird mit zunehmender Demenz immer geringer, aber er braucht dringend weitere psychiatrische Hilfe.
    Sie schreiben, dass die Familie Ihres Mannes häufig von einer frühen Demenz betroffen ist. Dies ist auch für die Diagnostik und Behandlung von Bedeutung, sind Sie diesbezüglich schon beraten worden?


    Eine Kurzzeitpflege in einer normalen Einrichtung könnte ohne intensive ärztliche Abklärung und Begleitung zu großen Problemen führen, weil neben der Demenz und/oder einer möglichen Depression noch andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen, bevor ein sinnvolles Einleben in ein "neues Heim" vorbereitet werden kann.


    Aber im Vordergrund steht das, was die anderen in unserer Runde schon geschrieben haben: Sie haben alles Menschenmögliche für Ihren Mann getan! Wenn er keine Hilfe (mehr) annehmen kann, dann dürfen Sie mit gutem Gewissen handeln! Ihnen viel Kraft zunächst einmal für sich selbst! Ihr Martin Hamborg

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