FTD der Mutter

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  • Guten Tag, ich bin hier seit langer Zeit "Mitleser" und sehe das viele Angehörige in der gleichen verzweifelten Situation sind wie wir. Meine Mutter ist 75 Jahre alt, lebt alleine auf dem Dorf, in einem Haus (150 qm) mit Grundstück (1500qm). Ohne mich könnte der Anschein einen normalen Lebens gar nicht mehr aufrechterhalten werden. Sie macht gar Nichts, außer den ganzen Tag vorm Fernseher zu sitzen. Ich habe alle Vollmachten und regele Alles in ihrem Sinn. Ich habe auch eine Demenzbetreuerin (2xpro Woche für 2 h) gefunden, aber auch diese bekommt sie nicht von der Couch. Da hier jeder weiß was wir Alles machen und wie verzweifelt man an manchen Tagen ist, denke ich muss ich das hier nicht weiter ausführlich schildern. Ich habe mir über "Pflegen und Leben" eine online Psych. Beratung besorgt und gehe zu Angehörigen Treffen. Mir, meinem Mann und Sohn geht es allmählich sehr schlecht und wir möchten meine Mutter in einem Pflegeheim für an Demenz erkrankte unterbringen.
    Das will sie natürlich nicht, sie ist ja schließlich nicht entmündigt. Wir haben auch schon den Psych. sozialen Dienst eingeschaltet. Daraufhin war sie wenigstens bereit in eine Tagespflege zu gehen (1xöchentlich). Aber dies Aussage der Dame war trotzdem, dass man dort auch keine Zwangseinweisung veranlasst. Wir müssen also warten, bis was passiert. Sie isst nicht richtig, also Joghurt und Eis und gelegentlich mal ein Brötchen und trinkt bevorzugt Cola. Blutwerte hat sie wie ein junges Mädchen. Sie hat eine apathische form der FTD, wird also nicht auf der Straße rumlaufen und wenn doch, werden die Nachbarn nicht die Polizei holen, also es wird Nichts gravierendes passieren. Gespräche, über das weiter Vorgehen, enden damit, dass sie ja schließlich nicht entmündigt ist. Der Gesprächsinhalt ist am nächsten Tag wieder weg. Nun schließe ich mit der Denkweise von "SOHN" an, und möchte keine Betreuung, weil nicht absehbar ist, wie es dann weitergeht. Bisher habe ich mit der Organisation keine Probleme, jedoch mit der Pflege meiner erkrankten Mutter. Ich will mich nicht so um sie kümmern müssen, dass ich 3x täglich zu ihr fahre, ihr Essen zubereite usw. Ich habe auch ein Anrecht auf ein eigenes Leben.
    Nun zu meiner Frage, eine Zwangseinweisung nach (PsychK) kommt zum gegenwärtigen Zeitpunkt sicher noch nicht in Betracht, wobei ich die Selbstgefährdung auf Grund von unzureichender Nahrungsaufnahme und vor allem Trinken schon erkenne, auch ist ihr Gedächtnis extrem gestört. Gibt es noch einen anderen Weg, jemanden mit der Diagnose ins Pflegeheim zu bekommen. Mit gut zureden wird das nicht klappen.

  • Hallo Gobis,
    Auch ich bin seit längerem Mitleser. Auch wenn ich in der eigenen Situation oft hilflos bin, habe ich gemerkt, dass sehr viele in der gleichen Situation sind.
    Ich wohne mit meiner Familie etwa 70 km von meiner Mutter entfernt. Wir fahren in der Regel einmal in der Woche hin, allerdings gab es auch schon Wochen, wo wir jeden Tag dort waren. Ganz ehrlich, wir sind beide Rentner und haben einen großen Teil der Familie hier. Und das geht auf Dauer nicht.
    Meine Mutter lebt in Haus und großem Garten. Voriges Jahr kam es zu einer sehr krisenhaften Situation. Sie war total verwirrt und erkannte uns zeitwweise nicht mehr.Da " durfte " ich sie das erste mal zum Arzt begleiten. Er hat mir auch erste Schritte genannt und wir haben einen Pflegedienst beauftragt, der morgens und abends Medikamente brachte. Sie erhielt dann auf Anhieb Pflegegrad 2. Und kurze Zeit später kam sie 3x wöchentlich in eine Tagespflege. ( alles am Anfang mit erheblichem Widerstand ). Der Pflegedienst hat uns allerdings wirklich gut unterstützt. Ihr Zustand veschlechterte sich zusehends, so dass nach Beantragung nun ab April PG 4 bewillligt wurde. ( Kurzzeitgedächtnis und zeitliche Orientierung sind komplett weg ). Das führt auch schon mal dazu, dass sie die ganze Nacht hindurch bei uns anruft.
    Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt haben wir versucht, sie in unserer Nähe in einem Heim unterzubringen ( dazu hatten auch schon Hausarzt und Pflegedienst geraten ). Das ganze endete mit einem Polizeieinsatz, weil sie , kaum, dass sie allein war, abgehauen ist. Sie war, wahrscheinlich mit dem Zug, nach Hause gefahren. Einer Verwandten und Nachbarn erzählte sie, man habe sie entführt und dass sie nur in ein Heim in ihrer Nähe gehen würde. Da gab es nun tatsächlich ein freies Zimmer. Wir wollten es morgen zusammen anschauen. Aber, nein da will sie auch nicht hin.
    Es ist einfach so, dass niemand aufgenommen wird, der es nicht will, selbst mit hohem Pflegegrad.
    Sie ist also zu Hause, und wir haben mit dem Pflegedienst ein breites Netz gespannt ( 5xTagespflege, Körperpflege, Wäsche waschen, Medikamente, Abendbrot bereiten...)
    Oft weigert sie sich, aber im großen und ganzen klappt es, jedenfalls im Moment, ganz gut. Allerdings ist immer die Angst da, dass etwas passiert....

  • Danke für Ihre Antworten,
    ich sehe die Situationen sind ähnlich. Was mich immer wieder erschreckt ist die Tatsache, das der Kranke immer derjenige sein darf, der bestimmt was er will. Das Wollen, außer ich will in meinem zu Hause bleiben, ist so eingeschränkt, dass sie eigentlich nicht mehr wissen was sie tun. Man nimmt Verwahrlosung in allen Bereichen hin und hofft von Seiten der Verwandten, Ärzten und Entscheidern, das ein Med. Notstand eintritt, und man endlich zum Wohle des Menschen entscheiden darf. Die Gesetzgebung stellt den Willen des Kranken über den gesunden Menschenverstand. Wenn wir ein Kind so versorgen würden, würde das Jugendamt einschreiten und wir würden juristisch zur Verantwortung gezogen.
    Für wen ist dann diese Handlungsvorgabe, abwarten bis was passiert, von Nutzen?

  • Hallo Gobis,


    in Ihrem zweiten Beitrag, eben erst verfaßt, schreiben Sie mir aus der Seele!



    Wie Sie so schön schreiben: würde man mit einem Kind so verfahren wie mit den Dementen, würde sich das Jugendamt einschalten und man könnte sich vor Gericht verantworten. Bei den Alten hingegen ist es selbstverständlich, daß die, auch wenn nichts mehr vom Verstand übrig ist und wie im Falle meiner Mutter sogar ein ärztliches Attest vorliegt, aus dem hervorgeht, daß sie nicht mehr "testierfähig" ist, über Dinge entscheiden dürfen, deren Tragweite sie noch nicht einmal ansatzweise überblicken.
    An anderen Stellen habe ich nicht ohne Grund gefragt, wie sich monatliche Heimkosten von bis zu 4.000 € pro Person für die breite Masse bezahlen lassen sollen und den Begriff des Senizids habe ich auch wohlüberlegt hier eingebracht.


    Letzten Endes ist das, was die mehr oder weniger schlecht versorgten Alten/Kranken/Dementen zu Hause erwartet (Unterernährung und Dehydration) der von der Natur vorgesehene Weg aus dem Leben heraus, wenn eben kein Organversagen und auch kein Krebs den Tod herbeiführen.
    Dabei ist der Tod, genau wie die Geburt, das Allernatürlichste, und anstatt immer nur Leiden zu verlängern, weil WIR mit dem Tod nicht umgehen können und ihn nicht akzeptieren wollen, wäre es besser, den Betroffenen am Ende ihres Lebens einen würdigen, leidfreien Abschied zu ermöglichen.



    - Beitrag editiert; JG-

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Gobis,


    auf Ihnen lastet erheblicher Druck und ich kann gut nachvollziehen, dass Sie dringend eine Änderung herbeiführen möchten.
    Möglicherweise gibt es aber andere Wege, Sie und Ihre Familie zu entlasten als eine Heimunterbringung Ihrer Frau Mutter. Letztlich werden Sie nicht umhin kommen, diesbezüglich Entscheidungen zu treffen in der ein oder anderen Form. Dass die zwangsweise Unterbringung eines anderen Menschen in einer Einrichtung an (hohe) Hürden geknüpft ist, haben Sie bereits erfahren und Dritte sehen offenbar derzeit die zwingende Notwendigkeit hierfür nicht.
    Lassen Sie uns vielleicht daher gemeinsam überlegen, welche Möglichkeiten Sie haben:


    Sie können einerseits die weitere Betreuung Ihrer Frau Mutter ablehnen und in andere (rechtliche) Hände geben, worüber dann ggfs. auch die Aufenthaltsbestimmung u. viele weitere Dinge geregelt werden.
    Sie schrieben bereits, dass Sie dies nicht tun wollen. Damit haben Sie dann allerdings auch eine Entscheidung getroffen, weiterhin zumindest in einer bestimmten Art involviert bleiben zu wollen.


    Wichtiger wäre aber vielleicht die Frage: können Sie vielleicht Wege finden, die Ihnen die häufigen Besuche ersparen bzw. diese reduzieren?
    Sie schreiben:
    <<Ich will mich nicht so um sie kümmern müssen, dass ich 3x täglich zu ihr fahre, ihr Essen zubereite usw. Ich habe auch ein Anrecht auf ein eigenes Leben.<<


    Welche Schritte könnten Sie unternehmen, die Ihre persönlich notwendigen Einsätze reduzieren?
    Ist ein Pflegedienst involviert und besteht ein Pflegegrad? Wären die Besuche der "Demenzbetreuerin" ggfs. auszuweiten? Könnten Sie weitere Dritte involvieren?


    Wenn es gelingt, Ihre persönlichen häufigen Besuche und Tätigkeiten zu reduzieren und die Last die Sie tragen auf mehr Schultern verteilt werden kann, könnte ich mir vorstellen, dass Sie den Fortang der Dinge entspannter begleiten können und Gelegenheiten finden, Kraft zu schöpfen.



    Es grüßt Sie



    Jochen Gust





    sohn:
    nochmal an Sie: dieses Forum dient dem Angehörigenaustausch zum Thema Demenz, hier speziell Kommunikation und Konflikte.
    Bitte halten Sie sich an die Nettiquette.
    Ihre polemischen (politischen) Äußerungen gegenüber Staat, Justiz und Behörden sind (hier) unangebracht. Dafür gibt es gewiss eigene Foren im Internet, in denen auch Ihr Tonfall willkommen sein wird.


    Diesmal habe ich mir wieder die Mühe gemacht zu editieren. Weitere derartige Beiträge Ihrerseits werde ich künftig komplett und ohne weiteren Hinweis an Sie löschen.
    Beschwerden gegen meine Entscheidung richten Sie bitte an die Redaktion des Wegweisers: https://www.wegweiser-demenz.d…e-navigation/kontakt.html

  • Guten Morgen Herr Gust,


    zumindest auf dem Papier ist es in Deutschland noch erlaubt, seine Meinung kundzutun (genauso wie wir auf dem Papier immer noch in einer Demokratie leben) und nichts anderes mache ich hier.
    Wenn unsere Staatsgewalt massiv gegen die Interessen der Bürger(innen) vorgeht, ist es mir also, solange wir nicht in einer erklärten Diktatur leben, erlaubt, Fehler und Mißstände aufzuzeigen in der Hoffnung, daß sich weitere Personen außer mir selber Gedanken zu machen beginnen.
    Mit Nettigkeit, wie Sie schreiben "Nettiquette", kommt man nicht weiter, das wird jede(r) schon selber festgestellt haben.


    Es wurde hier schon von verschiedenen Personen moniert, daß die aufgrund ihrer Erkrankungen Unzurechnungsfähigen Entscheidungen treffen dürfen, die ihnen und ihren Angehörigen schaden.


    Wenn man hierauf mit "Nettigkeit" reagiert, wie Sie es fordern, passiert gar nichts. Man wird nur weiterhin nicht ernst genommen und die Repressionsmaßnahmen gegen die Bevölkerung immer einschneidender.


    Um nur ein Beispiel anzuführen: hat Franz-Josef Strauß Ihrer Meinung nach all das in seinem Leben erreicht, was hinlänglich bekannt ist, aufgrund seiner Angepaßtheit und Jasagerei oder weil er ein streitbarer Zeitgenosse war, der vehement seine Ansichten vertreten hat?

  • Sehr geehrter Herr Gust,
    Liebes Sonnenblümchen,


    vielen Dank für Ihre Antworten.
    Wir befinden uns ja in der komfortablen Situation, dass es alle Vollmachten gibt. Wenn man vor 15 Jahren schreibt, meine Tochter kann mich ins Heim bringen, wenn es soweit ist, könnte ich ja handeln. Nur versteht meine Mutter wegen ihrer Krankheit nicht, dass es nun soweit ist. Ich habe auch aktuelle Unterlagen, die nachweisen dass ich Gedächtnis erheblich eingeschränkt ist. Und nun, für Vorschläge bin ich immer dankbar. Wir haben jetzt beschlossen, dass wir meine Mutter in ein Pflegeheim für Demente geben werden. Die Anmeldung läuft schon eine Weile.
    Wir haben vor 15 Jahren über das Problem gesprochen und des wurden die Vollmachten erstellt. Es drehte sich zwar hauptsächliche darum, nicht ewig im Koma zu liegen. Auch haben wir bereits Vollmachten und unser Sohn kennt unsere Vorstellungen. Ich erlebe jedoch immer wieder, dass gerade die jetzige Generation der "Alten" sich gar nicht mir dem Thema beschäftigt und Nichts geklärt ist.


    Sonnenblümchen schrieb so nett aus der Denkweise eines Gesunden. Na klar will man nicht in ein Heim. Aber was ist denn die Alternative. Zuschauen, ob die nächsten Tage mit den angesagten Temperaturen für eine Dehydrierung reichen und dann über ein Krankenhaus den weiteren Weg beschreiten. Das ist doch auch unmenschlich.
    Dieser unausgesprochene Vorwurf, willst du denn das man dich in ein Heim abschiebt. Diese Denkweise resultiert doch aus der Vorstellung, das man bei klaren Verstand selber dort wohnen müsste und man den Gedanken ganz furchtbar findet. Jeder der schon mal eine OP hinter sich hat, wo man längere Zeit auf Hilfe angewiesen ist, weiß wie sich das anfühlt. Was ist aber, wenn wir es gar nicht mehr wahrnehmen, dann sollten die Hürden nicht so hoch sein, um einem Menschen der krank ist zu helfen. Jemand mit Frontallappen Demenz ist in seiner Wahrnehmung nicht krank. Nur alle Anderen sehen es, und man ist verdammt zu zuschauen. Der Ärzte sagen, da müssen wir abwarten bis was passiert. Ganz toll.
    Und da kommen wir dann wieder auf die Gesetzgebung, soll das so sein, dass ein kranker Mensch, der seine Krankheit als solches nicht wahrnimmt, solange zu Hause bleiben, bis ein medizinischer Notfall eintritt und man dann endlich handeln kann. Der Umkehrschluss kann nicht sein, dass die Verwandtschaft dann verantwortlich ist, wenn etwas passiert oder Alles zu tun hat, damit der Zustand nicht eintritt. Soll die arbeitende Verwandschaft an dem Problem zerbrechen. Jeder einzelne Beitrag hier ist doch ein Hilferuf- ich kann nicht mehr.
    LG

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