Noch mehr emotionale Erpressung

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  • Hallo zusammen,


    vor einiger Zeit habe ich schon einmal über meine Mutter geschrieben, die mich in ihrer Demenz emotional erpreßt. Mittlerweile würde ich sogar so weit gehen, sie einen emotionalen Vampir zu nennen, der mich wie eine Krake umschlingt und mir die Luft abdrückt.


    Nachdem sie aufgrund des Nachlassens ihrer kognitiven Fähigkeiten in der vorherigen Seniorenresidenz, in der man zu großen Teilen seinen Alltag noch selbst bestreiten mußte, nicht mehr richtig aufgehoben war, ist es mir gelungen, sie zu überzeugen, in ein Seniorenhaus zu ziehen (kein Heim, mit eigenem Appartement, aber mit 24/7-Dienst, Mittagessen und mehr Betreuung), das zudem noch in 5-Minuten-Nähe zu mir liegt. Ich hatte mir erhofft, daß dadurch alles entspannter wird. Ein klarer Fall von „denkste“!


    Sie fremdelt noch sehr, was für mich absolut verständlich ist, begreift auch überhaupt nicht, was sie da soll, und beschimpft mich permanent. Ich mache alles, damit es ihr gut geht, aber sie motzt und meckert ohne Unterlaß und hat sich dort auch gleich am 2. Tag beim Personal unbeliebt gemacht. Sie ist nur zufrieden, wenn sie gebauchpinselt wird. Da ich in Fußnähe wohne, macht es mir nichts aus, sie täglich zu besuchen, um ihr auch die Eingewöhnung zu erleichtern. Samstag und Sonntag verbringen mein Mann und ich sogar komplett mit ihr. Aber auch da ernte ich nur Vorwürfe und Beschimpfungen, kein freundliches Wort. Sobald ich die Tür hinter mir zugezogen habe, beginnt der Telefonterror. Sie kommt mit fadenscheinigen Fragen, so daß man oft gezwungen ist, noch einmal zu ihr zu gehen. Sie läßt mir keine Zeit, mich um meine eigenen Angelegenheiten zu kümmern, sondern bombardiert mich mit Anrufen, wann ich denn endlich komme. Mit jedem Anruf wird sie wütender, und wenn ich nicht dran gehe, spricht sie meinem Mann (ich habe keine Mailbox) Beschimpfungen auf die Box. Auch bei der Arbeit läßt sie mir keine Ruhe, sie nimmt es überhaupt nicht ernst, daß ich arbeiten muß. Mittlerweile stelle ich das Telefon auf Flugzeugmodus oder blockiere die Nummer, um mich überhaupt konzentrieren zu können.


    Ja, ich kann mir ihr Verhalten erklären: ich stehe ihr am nächsten, daher läßt sie ungefiltert ihren ganzen Frust an mir aus. Man könnte es paradoxerweise so sehen, daß das ein Zeichen ihrer Liebe zu mir ist. Daneben hat sie große Verlustängste, sobald ich weg bin, versucht sie mich unter Vorwänden wieder zu sich zu locken.


    Aber: ich kann nicht mehr, ich gehe psychisch auf dem Zahnfleisch. Sie nimmt mir die Luft zum Atmen, und es bauen sich in mir leider so viel Aggressionen auf, die mir selbst Angst machen.


    Hat jemand einen Rat für mich, wie ich diese Situation entschärfen kann? Natürlich möchte ich, daß für meine Mutter bestmöglich gesorgt ist, aber ich will dabei nicht selbst vor die Hunde gehen. Aktuell bin ich kurz davor; wenn ich meinen Mann nicht hätte, der mich vorbehaltlos unterstützt und es sogar mit meiner Mutter aufnimmt (die aber kein gutes Haar an ihm läßt, ich vermute ja, sie sieht in ihm den Konkurrenten, der ihr die Tochter weggenommen hat), hätte ich schon aufgegeben.

  • Ja, meine Mutter erwartet eigentlich Rund-um-die-Uhr-Präsenz von mir und ist beleidigt, wenn ich irgendwann nach Hause gehe. Danach beginnt der Telefonterror.


    Sie hat leider erst im hohen Alter lernen müssen, allein zu leben, aber man kann doch von mir als erwachsener Tochter, die schon lange ihr eigenes Leben hat, nicht erwarten, daß ich ihr permanent zur Verfügung stehe...

  • Hallo Zimt,


    ich finde es ganz großartig, was Sonnenblümchen geschrieben hat. Ich halte das für die einzig wahre Vorgehensweise, weil es tatsächlich irgendwann heißt: Das Leben der Mutter oder das eigene Leben.
    Leider ist das bei vielen Demenzkranken so. Sie schießen sich oftmals auf eine einzige Person ein und übertragen all ihre Defizite auf diese. Nur leider hat diese Person auch ein Leben und auch nur begrenzte Ressourcen. Das ist leider der Punkt, der sehr schwierig werden kann, weil hier fast kein Verständnis vorhanden ist. Aber dieses Verständnis muss man dann versuchen aufzubauen. Meine Schwiegermutter versucht das auch immer wieder und immer massiver, mich als ihr Eigentum und als ihre Klagemauer zu betrachten, ohne aber meine Lösungsvorschläge zu akzeptieren. Auch meine Mutter hat das mit ihrer Mutter erlebt, als man von der Krankheit noch nicht viel in Privathaushalten gewusst hat.


    Ich habe auch viel darüber nachgedacht, wie weit ich gehen kann. Sie tut mir einerseits sehr leid, wie gefangen sie in ihrer Welt ist, aber sie hat auch eine brutale Art und Weise, wie sie sich über die Bedürfnisse anderer hinwegsetzen kann. Im Grunde kann ich, wegen all der zusätzlichen Anforderungen an mich, keinen Millimeter weiter gehen als jetzt und das werde ich auch freundlich aber bestimmt rüberbringen müssen. Am schwersten auszuhalten sind dann meist die Antworten von ihr. Das, was ich als Arbeit mache, dass ist für sie nicht viel wert, obwohl ich für andere Menschen da bin.
    Erstaunlicherweise funktioniert es bei ihr besser, wenn ich einen Gefühlsausbruch habe. Ich beschuldige sie dann nie selbst, sondern mache einfach meiner Überlastung Luft, denn auch andere verlangen nicht gerade wenig von mir. Das lasse ich sie dann wissen und das meine Gesundheit auch oftmals auf der Kippe steht und das ist nicht gelogen. Und dann verlasse ich das Zimmer erst einmal. Und wie durch ein Wunder kommen dann auch von der anderen Seite wieder freundlichere Worte und man ist für Kompromisse bereit. Ich denke, dahinter steckt unter anderem die Angst, dass man die einzige Ressorcenquelle verlieren könnte, die man akzeptiert. Bis zum nächsten Vorstoß ist dann erst einmal gut.


    Ich wünsche Ihnen jedenfalls, dass Sie das beherzigen was Sonnenblümchen so treffend vorgeschlagen hat.

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