Nu is es soweit

  • Hallo,
    ich habe bereits mehrfach in diesen Foren berichtet.
    Die Demenz meiner Mutter ist inzwischen soweit fortgeschritten, dass ich den Entschluss gefasst habe, dass es nicht mehr weitergehen kann. Ich habe wirklich alles versucht. Meine Mutter lehnt auch weiterhin jegliche Hilfe von außen ab. Ich konnte bisher weder eine Haushaltshilfe ´noch einen Pflegedienst installieren. Eine Gespräch ist auch nicht mehr möglich, da die Demenz ihr zunehmend die Sprache raubt und ein normales Gespräch keinen Sinn mehr macht. Hinzu kommen bei ihr die sogenannte Hinlauftendenz und starke Depressionen. Mein Hausarzt ist immer noch keine große Hilfe und ist sehr zurückhaltend mit der Vergabe von entsprechenden Medikamenten. Ich kann mir aber auch vorstellen , dass er damit nicht falsch liegt.
    Ich habe hier in meiner Heimatstadt entsprechende Einrichtungen kontaktiert und nur Absagen bekommen, da man die Sicherheit meiner Mutter nicht gewährleisten könne, wenn sie immer wegläuft. Über den hiesigen Pflegestützpunkt habe ich nun eine Einrichtung in der Nachbarstadt gefunden für die das kein Problem darstellt. Ich habe mir die Einrichtung angesehen und denke, dass meine Mutter sich dort wohlfühlen kann.
    Nun kommt aber das große Problem, wie sage ich es ihr.
    Ich habe mir schon den Kopf zermartert und könnte mir vorstellen eine eigenen medizinischen Eingriff vorzutäuschen um ihr erst mal klar zu machen, dass sie vorläufig dort hin muss. Außerdem werde ich ihr die Einrichtung als "Pflegehotel" verkaufen, wo sie während meiner Abwesenheit Urlaub macht.
    Das Problem könnte ur werden , dass sie nach einer gewissen Zeit dort mit Sicherheit wieder weg will, aber das Risiko muss ich eingehen.
    Hat noch jemand eine Idee oder Erfahrung in Bezug auf die genannte Problematik ?
    Mir bleibt natürlich das schlechte Gewissen und der Gedanke verloren zu haben. Immer wieder wurde mir von allen Seiten gesagt, dass ich auch an mich selber denken solle und dass ich genug getan habe, aber trotzdem bleibt bei mir ein sehr fader Beigeschmack und es wird sich mir wohl noch eine ganze Zeit lang die Frage plagen, ob ich nicht eine andere Lösung hätte finden können.


    Danke fürs Lesen und ihr Interesse. Ich freue mich auf hilfreiche Rückmenldungen

  • Hallo,
    ich bin genau an der gleichen Stelle. Meine Mutter mit Frontallappen Demenz läuft zwar zum Glück nicht weg. Nun fahre ich zur Reha und hatte mir gedacht, dass wäre der Zeitpunkt, über Kurzzeitpflege den Weg ins Heim zu gehen. Das Gespräch verlief dann so, wenn du mich ins Heim steckst, dann bring ich mich um und Du bist Schuld. Ich habe Alle im Boot, Hausarzt informiert, bis heute kein Rückruf, psychosozialer Dienst, rufen Sie die 112 an. Das Betreuungsgericht, Sie haben die Vollmacht und müssen handeln. Beratende Stellen, verstehen mich und mein Anliegen, aber Keiner kann was machen, w e i l. die Gesetze in Deutschland so sind, das gegen den Willen des Betroffenen nicht entschieden werden kann. Wir reden in Deutschland zur Zeit gerne über Humanität. Ist es human, wenn ein kranker Mensch seine Situation nicht im geringsten überblickt, Entscheidungen gegen das eigene Wohl treffen kann. Ich denke nicht.
    Für PsychK. reicht es nicht, weil sie niemanden gefährdet.
    Ich fahre trotzdem zur Reha und überlasse Sie dem Pflegedienst, weil ja auch immer wieder darauf hingewiesen wird, dass wir Angehörigen auch auf uns achten sollen.

  • Danke an Sonnenblümchen für die netten Worte. Inwischen eskaliert hier die Lage, da meine Mutter inzwischen wohl den nächsten Demenzschub durchleidet. Seit einigen Tagen ist ein normales Gespräch nicht mehr möglich. Es kommt nur noch zusammenhangloses Gestammel, auf das ich nicht reagieren kann. Alles was ich sage erzeugt eine aggresive Reaktion. Insbesondere zum Abend hin verschlimmert sich die Situation dramatisch. Sie will unbedingt die Wohnung verlassen um irgendwo hinzugehen. Ich begleite sie und es kommt inzwischen auf offener Strasse zu Streitgesprächen, die für die Nachbarschaft bestimmt sehr unterhaltsam ist. Erst nach mehreren Anläufen gelingt es mir sie zum schlafengehen zu überreden. Sie liegt dann bis zumnächsten Nachmittag im Bett.
    Ich habe zwar die Zusage vom Heim, dass einsr der nächsten frei werdenden Zimmer uns gehört und es keine 3 Monate dauern wird, aber bis dahin können noch Wochen vergehen.
    So kann ich eigentlich nicht zur Arbeit gehen.Ich arbeite zwar nur noch halbtags vormittags, aber da kann ja auch einiges passieren. Vielleicht kann ich mich von meinem Hausarzt ja krank schreiben lassen.
    Mein schlechtes Gewissen ist dadurch so ziemlich weg, da nun klar ist, dass es nicht weitergehen kann. Wäre schön, wenn es mit der Unterbringung bald klappen würde bevor die Sache eskaliert.
    Ich bin für jede Anregung dankbar.

  • Hallo Andydreas,
    auch ich möchte Ihnen gerne bestätigen, dass Sie nicht "verloren" haben.
    Es ist klug und richtig, einen aussichtslosen Kampf aufzugeben.
    Gibt es denn in Ihrer Nähe eine Kurzzeitpflege, die Ihre Mutter aufnehmen würde?
    ICH könnte mir auch vorstellen, dass ein Aufenthalt in einer gerontopsychiatrischen Akut-Einrichtung hilfreich sein könnte, zumal Sie ja signalisiert haben, dass der Hausarzt mit dem Krankheisbild Ihrer Mutter ūberfordert sein könnte.
    Unter Umstånden hilft ja auch eine Autorität im weissen Kittel, Ihre Mutter auf den Umzug ins Heim vorzubereiten.


    Viel Kraft beim Endspurt wünscht Ihnen
    Klaus-W Pawletko

  • Hallo,
    ich kann Ihre Verzweiflung so nachvollziehen. Man fühlt sich hilflos und allein gelassen mit einem wirklich kranken Menschen. Ich habe mal einen Artikel gelesen, der beschrieb ein Arzt sehr einfühlsam, das wir normalen, med. nicht gebildeten Menschen mit der Demenz der Angehörigen komplett überfordert sind, weil wir gar nicht wissen wie damit umzugehen ist. Die normalen Pflegelehrgänge sind da auch nicht hilfreich. Es ist gut, dass sie die Entscheidung für ein Heim getroffen haben. Wäre es über den behandelnden Arzt Ihrer Mutter nicht möglich etwas Beruhigendes zu verschreiben. An der Situation ihrer Mutter ändert sich nichts mehr, aber im Handling wäre es einfacher. Oder, wenn sie in der Öffentlichkeit wieder ausflippt, die 112 anrufen. Bei den Ärzten wird sie garantiert nicht friedlicher. Vom Krankenhaus aus geht es dann meist schneller mit einem Pflegeheimplatz. Un dann könnte sie ja "umziehen", wenn der Platz in den Heim ihrer Wahl frei ist.
    Ich drücke die Daumen, dass es mit dem Heim schnell klappt. Und kein schlechtes Gewissen haben. Mitleid macht einen selber kaputt und hilft einem Anderen nicht!

  • Hallo,


    zuerst mal mein tiefes Mitgefühl. Mit meiner Mutter hab ich das alles noch vor mir.


    Besteht bei Ihnen die Möglichkeit für einen Homeoffice-Arbeitsplatz? Den habe ich zwar aus anderen Gründen, aber aus einem reinen Bürojob könnte man durchaus einen Heimarbeitsplatz machen. Wenn mein Vater ins Krankenhaus muss, pack ich mein Notebook und arbeite bei meiner Mutter. Natürlich mit Zustimmung des Arbeitgeber, aber da bin ich glücklicherweise mit einem sehr zugänglichen AG 'gesegnet'.


    Viel Kraft und gutes Gelingen :)

  • Vielen Dank an alle,
    ich habe meiner Mutter inzwischen vorsichtig eröffnet was si erwartet.Ich versuche natürlich die Vorteile, die sie haben wird hervorzuheben. Ich vermeide das Wort Heim uns spreche von einer Seniorenresidenz. Außerdem erkläre ich ihr, dass es sich um eine Art Urlaub handelt. Ihr Drang wieder nach Hause zu kommen wird voraussichtlich nicht so groß sein, da sie unsere Wohnung ja auch nicht wirklich als ihr zu Hause akzeptiert. Seit ein paar Tagen krieg ich sie kaum noch aus dem Bett, was ja im Hinblick auf die zu erwarende Veränderung nicht so schlimm wäre. Es erschwert aber die täglichen Verrichtungen, wie Insulin spritzen, Tabletten nehmen und essen und trinken. Es bedarf so einiger Überredungskunst, aber das krieg ich irgendwie hin.
    Jetzt heißt es abwarten. Wird noch eine harte Zeit. Den Vorschlag des Homeoffices (bei meinem AG ist von Telearbeit die Rede) habe ich verworfen, da ich zu Hause nicht störungsfrei arbeiten könnte. Ich beabsichtige in der heißen Phase für einpaar Monate unbezahlten Urlaub nehmen, da ich nach 14 Jahren der Pflege mein Leben in allen Belabgen neu ausrichten muss. Ivh denke jetzt schon mit Grauen an das Entrümpeln. Das wir eine emotionale Achterbahnfahrt. Es gilt 87 Jahre gelebtes Leben aufzuarbeiten. Ein übervoller Keller und eine vollbepackte 4Zimmerwohnung warten auf mich. Letztendlich geht aber auch die Betreuung meiner Mutter auch in der Seniorenresidenz weiter, denn ich bin nach wie vor der letzte verbliebene Angehörige und habe mir fest vorgenommen auch künftig für sie da zu sein.Das habe ich ihr und mir versprochen.
    Vielen Dank an alle und wir bleiben am Ball. Ich kann mir durchaus auch vorstellen künftig meine emachten Erfahrungen im ehrenamtlichen Bereich weiterzugeben.


    Danke

  • Hallo Andydreas, es freut mich, dass Sie sich entschieden haben und nun konsequent diesen Weg gehen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie alles gut auflösen können und Ihre Mutter schnell einen guten Start bekommt, die derzeitige Bettlägrigkeit ist für den Übergang ein Vorteil.
    Da Sie richtig überzeugt sind, brauchen Sie mit Ihrer Mutter auch gar nicht mehr viel diskutieren. Ihre Sicherheit wird ausstrahlen und Sie können trösten, wenn es nötig ist oder sich auch später für eine Notlüge entschuldigen.
    Wir nehmen gern Anteil, wie es weiter geht, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Andydreas,
    auch von mir alles Gute für Sie und Ihre Mutter. Sie haben ein rasches Fortschreiten der Erkrankung erlebt. Bei meiner Mutter war das auch so. Ihre Entscheidung ist richtig und Sie werden auch die weiteren Dinge gut regeln können. Lassen Sie sich Zeit mit dem Aufräumen der Wohnung Ihrer Mutter, überfordern Sie sich nicht. Das Wort "Entrümpeln" stört mich in diesem Zusammenhang immer. Es handelt sich ja um Dinge, die Ihrer Mutter etwas bedeutet haben, sicher hat sie nicht im Gerümpel gelebt. Aber ich weiß, was Sie meinen. Man kann nicht alles aufheben. Das Bild mit der Neuausrichtung Ihres Lebens finde ich sehr schön und ich wünsche Ihnen, dass Sie einen neuen Horizont sehen können. Natürlich begleiten Sie Ihre Mutter weiterhin.
    Das Auflösen eines Haushalts ist gar nicht so schlimm, wie man denkt. Sie werden viele Erinnerungen behalten. Das Leben Ihrer Mutter brauchen Sie aus meiner Sicht nicht aufzuarbeiten. Das war ja ihr Leben. Sie haben sich so sehr gekümmert - und tun das noch - dass Sie sich auch erlauben dürfen, an Ihr eigenes Leben zu denken und an Ihre Wünsche. Fühlen Sie sich gedrückt, nochmal alles Gute für Sie und Ihre Mutter!

  • Ich bin so kurz vor dem Ziel und werde doch scheitern. Meine Mutter steht seit 2 Wochen auf der Warteliste bei einer Benachbarten Seniorenresidenz. Man signalisierte mir, dass sie aufgrund ihres Kranheitsbildes bestimmt keine 3 Monate warten müsse. Ich habe sie behudsam auf eine möglich, anstehende Veränderung vorzubereiten versucht. Vermutlich habe ich dadurch ihren Fluchtinstinkt verstärkt. Ich habe die Einrichtung narürlich in den höchten Tönen gelobt und gleichzeitig das jetzige zu Hause madig gemacht. Sie fühlt sich hier aufgrund ihrer häufigen Umzüge und der fehlenden sozialen Kontakten ohnehin nicht wohl. Die Konfliktsituationen eskalieren inzwischen täglich. Sie ist gerade wieder auf den Weg zu ihren Eltern, die seit mindesten 40 Jahren verstorben sind um dort nach Rat zu fragen Wenn ich sie auf den Unsinn ihres Tuns aufmerksam mache wird sie sofort aggressiv.
    Meine Frage: Sollte ich die 112 anrufen und sie damit vor sich selbst zu schützen ? Was passiert in einem solchen Fall weiter ? Was und ggf. wo ist denn die genannte geronphsychologische Klinik und was passiert da ?
    Kann die von mir ausgesuchte Seniorenresidenzüberhaupt mir dem Verhalten meiner Mutter umgehen ? Es gibt wohl eine Demenzgruppe dort, abr ich befürchte ,dass meine Mutter ein Speialfall ist.
    Wäre die Unterbringung in der gewählte Einrichtung zur Kurzzeitpflege im vorliegen Fall möglich und sinnvoll ?


    Danke

  • Hallo Andydreas,
    das tut mir sehr leid für Sie und für Ihre Mutter. Aus meiner Sicht wäre es ganz wichtig, dass Sie mit dem Pflegeheim, das Sie ausgesucht haben, Kontakt aufnehmen und offen sprechen. Bei meiner Mutter war dafür immer die Pflegedienstleitung und dann auch die Leitung der Wohngruppe zuständig. Da sollten Sie offen reden und hören, wie die Einrichtung auf solche Fälle vorbereitet ist. Das Weg- oder Hinlaufen ist ja nun nichts Ungewöhnliches. Ihre Mutter ist da bestimmt kein Spezialfall. Die Mitarbeiter müssten mit so einem Verhalten umgehen können.
    Wenn Ihre Mutter Unsinniges tut, dann können Sie in dieser Lage nicht mit ihr reden. Ihr fehlt ja völlig die Einsicht in ihr Tun. Dann wird sie aggressiv, wie Sie schreiben. Das ist eigentlich auch verständlich. Wer möchte schon gern hören, dass er gerade völligen Unsinn macht. Anscheinend wissen Sie ja noch, wo Ihre Mutter sich gerade befindet. In einer Zeit, in der ihre Eltern/Ihre Großeltern noch am Leben waren. Vielleicht wissen Sie noch etwas aus dem Leben Ihrer Mutter damals und können so auf sie einwirken? Meiner Mutter hat es z.B. geholfen, wenn sie zu meinem Vater wollte (der schon tot war), dass ich ihr gesagt habe, der Papa ist gerade noch beim Singen (er war früher immer in einem Chor) und kommt bald. Lass' ihn doch noch ein wenig mit den anderen reden - oder so. Das ging oft. Dann haben wir über meinen Vater geredet und eher über ihre Gefühle für ihn. Für mich war es aber einfacher, weil meine Mutter da schon nicht mehr allein gehen konnte.
    In einer Gerontologie (die nächste können Sie beim Hausarzt oder so erfragen) sind die Plätze sehr rar. Meine Mutter kam erst dorthin, als sie versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Also bei unmittelbarer Gefahr und dann in die geschlossene Abteilung. Dort bekam sie dann Medikamente, das wurde hier im Forum schon verschiedentlich besprochen, auch kontrovers. Für eine Einweisung wird einfaches Weglaufen nicht reichen. Es muss schon eine erhebliche Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen. Das Gesetz hat ja richtigerweise sehr hohe Hürden dafür aufgebaut. Wenn Sie Ihre Mutter nicht wiederfinden, müssen Sie natürlich die Polizei informieren, kann man sie schon als "hilflose Person" bezeichnen?
    Aufgrund der Demenz können Sie Ihre Mutter auch nicht "vorbereiten". Wahrscheinlich verwirrt sie das mehr als dass es hilft. Denn sie wird sich das ja nicht merken können oder einordnen können und es macht ihr dann Unbehagen oder Angst. Ich habe mit meiner Mutter gar nicht über den Umzug in ein Heim gesprochen. Ich habe sie mitgenommen und gesagt, dass ihr die Krankenkasse mal eine Kur genehmigt, wo sie sich erholen kann. Packen musste ich heimlich bzw. das hat mein Sohn gemacht.
    Alles erdenklich Gute, hoffentlich bekommen Sie die Lage in den Griff!

  • Hallo Jutta,
    vielen Dank für die Antwort. Gestern hatte sich die Lage etwas entspannt. Wir haben gemeinsam etwas unternommen und nach anfänglicher Ablehnung wurde sie zugänglicher.
    Der Absturz vom Sonntag hat wohl noch nachgewirkt.
    Hinsichtlich der Hinlauftendenz habe ich leider bisher andere Erfahrungen gemacht. Meine Mutter wurde ja bereits von 4 Einrichtungen abgelehnt, weil man sich der Situation nicht gewachsen fühlte. Auch bei dem Pflegeheim, das ich nun im Nachbarort gefunden habe reagiert man auf meinen gestrigen Anruf skeptisch. Ich hatte dort gestern angerufen und mitgeteilt, dass nunmehr Pflegegrad 4 vorliegt, in der Hoffnung damit eine Beschleunigung zu bewirken. Aber der Pflegegrad spielt keine Rolle, was ich irritierend fand, da sich ja der Pflegeaufwand erhöhen müsste. Ich soll jetzt alle 3 Tage anrufen. Leider ist wohl auch kein Platz in der Kurzzeitpflege.
    Ich konnte gestern sogar mit meiner Mutter darüber reden, aber das ist ja bekanntlich heute wieder alles weg. Ich habe mir nun vorgenommen, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Am Donnerstag habe ich Termin beim Hausarzt und hoffe, dass er mir ggf. durch geeignete Medikamente weiterhelfen kann und will. Die Einrichtung bietet einen Gutschein für Angehörige an, damit diese die Pflegeperson in den ersten 3 Tagen begleiten können. Finde ich eine gute Sache und werde ich machen.
    Die Gerotopsychatrie ist beim hiesigen Krankenhaus vorhanden. Aber das sollte ohnehin der letzte Schritt sein.
    Ich muss mich einfach der Konfrontation stellen und versuchen mehr Ruhe zu bewahren.

  • Hallo Andydreas, Ihr letzter Satz ist ganz wichtig, die Ruhe zu bewahren; und dann im Notfall entschlossen die Polizei einzubeziehen, wenn Ihre Mutter tatsächlich weg ist. Wenn Sie die Situation schildern, kann so die Einweisung in die Gerontopsychiatrie schneller gehen.


    Haben Sie schon die guten Vorschläge von Jutta60 ausprobieren können? Sie können sehr helfen, Aggressionen und Flucht- oder Hinlauftendenzen zu vermeiden.
    In jedem Fall ist die ärztliche Untersuchung und Behandlung zu empfehlen. Vermutlich kennt der Arzt auch das Heim und ist dort tätig.
    Aber vielleicht geht Ihre Mutter auch ohne Zwang in die Klinik, manchmal gibt es den richtigen Moment und wenn Sie dann die Einweisung vom Arzt haben, begleiten Sie einfach Ihre Mutter und leisten ihr ggf. noch etwas Gesellschaft... Da die Plätze oft rar sind, ist es natürlich sinnvoll vorher nachzufragen. Manche Kliniken nehmen übrigens auch Kontakt mit dem Hausarzt auf und unterstützen bei der Medikation...
    Viel Erfolg, Geduld und Ruhe, Ihr Martin Hamborg

  • Vielen Dank für die guten Ratschläge und die Anteilnahme. Ich habe meine Mutter inzwischen mit einem GPS-Tracker versehen, der an ihrem Schlüsselbund hängt und mir ermöglicht sie wiederzufinden wenn sie wegläuft. Voraussetzung ist, dass sie die Schlüssel mit sich führt, was sie aber eigentlich immer tut. Außerdem habe ich über die Telekom Überwachungskameras für die Wohnung installiert. Nennt sich Smart Home Service. Ich darf gerade beobachten, dass sie aufgestanden ist und alle 5 Minuten zur Wohnungstür läuft um abzuhauen. Bisher hat sie den Schlüssel noch nicht gefunden, aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Dann darf ich sie wieder zurückholen. Mein Arbeitgeber wird begeistert sein. Morgen habe ich Termin beim Hausarzt und werde ihn bitten mich für ein paar Tage krankzuschreiben. Vielleicht bis sich das Heim meldet. Außerdem werde ich ihn um entsprechende Medikamente bitten. Mehr kann ich nicht mehr tun. Hoffentlich geschieht da bald was. Vielen Dank.

  • Mal ne kurze Frage. Ich warte ja nun auf einen freien Platz in einer von mir ausgesuchten Pflegeeinrichtung. Da sich der Gesundheitszustand meiner Mutter zunehmen verschlechtert und ich der Meinung war, dass meine Anwesenheit bis zum Umzug sehr vorteilhaft wäre werden mir nur Steine in den Weg gelegt. Mein Arbeitgeber weigert sich aus dienstlichen Gründen Urlaub zu gewähren. Einen unbezahlten Urlaub hätte ich vorher beantragen müssen und das Genehmigungsverfahren hätte Wochen gedauert. Also bin ich bei meinem Hausarzt vorstellig geworden und über die Möglichkeit einer Krankschreibung zu sprechen. Diese hat er aber mit der Begründung abgelehnt, dass das Betrug wäre. Nun behelfe ich mich mit den technischen Hilfsmitteln, die ich installiert habe.
    Merkwürdig kommt mir auch das Verhalten des Pflegeheims vor. Ich hatte dort ausführlich mit einer Mitarbeiterin gesprochen und hatte auch den Eindruck auf Verständnis gestoßen zu sein. Leider hat diese Mitarbeiterin nun 2 Wochen Urlaub und hat den Fall an eine Kollegin weitergegeben. Bei meinem gestrigen Anruf war diese jedoch nicht ausreichend informiert. Es folgte lediglich die Frage, ob ggf. auch ein Doppelzimmer in Frage käme, was ich für meine Mutter aus verschiedenen Gründen jedoch ablehnen musste. Nun soll ich wöchentlich anrufen um mich nach einem freien Platz zu erkundigen. Ist das die übliche Vorgehensweise in solchen Einrichtungen ?
    Ich gehe davon aus, dass ich also noch mindestens 2 Wochen so weitermachen muss. Meine Mutter liegt die meiste Zeit apathisch im Bett und ist kaum zu bewegen aufzustehen und rauszugehen. In ihren guten Momenten ahnt, bzw. weiss sie wohl, dass da eine Veränderung ansteht.
    Macht das alles nicht einfacher.


    Vielen Dank

  • Hallo Sonnenblümchen,
    vielen Dank, aber das Pflegeunterstützungsgeld für die 10 Arbeitstage hatte ich bereits in Anspruch genommen und lt. Pflegekasse gibt es das nur ein mal. Ich war ja der Meinung, dass ich aufgrund meiner geistigen Verfassung arbeitsunfähig sei. Aber mein Hausarzt hat wohl auch noch wegen einer anderen Sache Probleme und ist daher sehr vorsichtig. Wenn das alles über die Bühne gegangen ist werde ich auf jeden Fall wechseln. Da sich die Sache mit dem Heimplatz wohl noch Wochen hinziehen wird überlege ich täglich nach Alternativen. Natürlich ist mir klar, dass dort meine Mutter git versorgt sein dürfte, aber auch glücklich ? Andererseits kann es so nicht weitergehen. Ih werde das also irgenwie durchziehen. Sorgen macht mir nur, dass vom Heim aus wohl am liebsten der Einzug in ein Doppelzimmer gesehen würde. Wahrscheinlich will man neue Bewohner dort erstmal zwischenparken und wenn das nicht klappt wird ein Einzelzimmer gesucht. Bei meiner Mutter bin ich mir aber sih´cher,dass das mit einem Doppelzimmer nicht lange gut gehen würde.
    Wäre shön, wenn bald mal was positives geschehen würde.

  • Hallo Andydreas,
    dass etwas Positives geschieht, das wünsche ich Ihnen auch. Es tut mir leid für Sie und Ihre Mutter, dass sich die Lage so festgefahren hat. Da bin ich jetzt noch dankbar, dass sowohl mein Arbeitgeber, als auch meine Kollegen, mein Arzt und der meiner Mutter an einem Strang gezogen haben. Ich weiß ja nicht, wie sehr man Ihnen die Belastung bzw. Überlastung ansieht, aber mein Arzt sagte mir einmal sofort: ich nehme sie jetzt mal drei Wochen raus, das geht so nicht mehr. Haben Sie sich denn über alle Modelle der Betreuung informiert? Es hängt natürlich von der Größe des Unternehmens ab, in dem Sie arbeiten, was Sie durchsetzen können. Allmählich sollte sich aber herumgesprochen haben, dass Angehörige in einer solchen Lage unbedingt Unterstützung brauchen.
    Aber zu dem Doppelzimmer. Meine Mutter war auch immer allein und sehr selbständig. Ich habe auch mit dem Doppelzimmer "gefremdelt". Erstaunlicherweise kam sie gut damit zurecht, vor allem, weil sie oft Angst hatte und froh war, wenn noch ein anderer im Zimmer war, vor allem in der Nacht. Am Anfang gab es ein paar Probleme mit mein und dein und Ausräumen der Schränke und so, aber das ging schnell besser. Ich glaube, sie hat das mehr so als 2-Bett Hotelzimmer gesehen am Anfang, das kannte sie ja. Später hat sie das gar nicht mehr registriert. Bei ihr ging es sehr schnell schlechter und viele Dinge waren von mir sehr überbewertet worden. Sie erkannte auch ihren Besitz bald nicht mehr und es war eigentlich nur wichtig, dass man ihr die Hand gehalten hat und ihr etwas erzählt hat. Also ich habe mich nie gefragt, ob sie glücklich ist. Deshalb habe ich darüber nachgedacht, weil Sie das so ins Gespräch brachten. Es ist sicher kein Glück, an einer Demenz zu erkranken, alt und gebrechlich zu werden, das Zuhause aufgeben zu müssen. Wenn wir das als Gesunde sehen. Wenn ich aber in der üblen Lage einer Demenz bin, dann ist es ein Glück, wenn ich Menschen um mich habe, die für mein körperliches Wohl sorgen, mir Essen bringen usw.. Und wenn ich einen Sohn habe, der mich besucht und meine Hand hält, dann glaube ich, ist Ihre Mutter so glücklich, wie man es in ihrer Lage sein kann. Bei meiner Mutter war das so. Das Heim hat mich in die Lage versetzt, mich nur um sie kümmern zu können ohne die Last mit Essen kochen, Bett machen, anziehen ... . Danke, dass Sie mich erinnert haben. Ich glaube, ich werde heute besonders nett zu meinen Kollegen sein, die mich sehr unterstützt haben. Und werde freiwillig das Protokollschreiben übernehmen und das Daily organisieren ; )
    Ich wünsche Ihnen, dass es bald eine Lösung gibt, alles Gute!

  • Hallo
    vielen Dank für die nette Beiträge. Es tut gut nicht alleine dazustehen. Außerdem sind mir Tipps jeder Art immer willkommen.
    Mein Hausarzt hat mich schon einige Male enttäuscht. Jetzt reichts. Am schlimmsten finde ich eigentlich, dass er bei meiner Mutter keinerlei irgendwie geartete Untersuchung im Hinblick unternommen oder angeordnet hat, sondern nur lapidar darauf hingewiesen hat, das da sowieso nicht zu machen sei. Hinsichtlich einer Krankschreibung hätte sicherlich kein Hahn danach gekräht, aber er wollte wohl nicht. Vielleicht nerve ich mit meine Anliegen die Leute auch schon, die sich nicht vorstellen können sich so lange und ausdauernd um ihre Angehörigen zu kümmern. Ich bin also selber schuld. Tatsächlich war es wohl mein Fehler so lange zu warten, aber das brauchte seine Zeit. Mich stört immer noch das Vorgehen der Seniorenresidenz. Ich soll mich alle paar Tage nach einem freien Zimmer erkundigen. Warum informieren die mich nicht einfach, wenn was frei ist ? Kommt mir komisch vor. Ich habe immer noch die Psychotabletten zu Hause und traue mich nicht ihr die zu geben. Sie wird ja dort einen neuen Hausarzt bekommen. Mal schauen, ob bald was passiert.
    Nochmal vielen Dank für die Unterstützung.

  • Hallo Andydreas,
    das mit "meine Schuld" oder "mein Fehler", das ist so eine Sache. Also ich finde es falsch, dass Sie so denken. Sie haben sich entschieden, sich selbst um Ihre Mutter zu kümmern. Die Entscheidung treffen Sie mit dem Wissen, das Sie im Moment haben. Und manchmal sind solche Entscheidungen einfach falsch. Weil sich alles anders entwickelt, weil etwas passiert, was man nicht vorhersehen konnte. Also haben Sie in meinen Augen keinen Fehler gemacht, dass Sie sich nicht schon vor längerer Zeit um einen Heimplatz bemüht haben. Es hätte je klappen können. Ich habe das bei meiner Mutter auch immer gedacht. Sie hätte auch an einer ganz anderen Krankheit sterben können in ihrem hohen Alter. Und dann wäre der Plan aufgegangen. Wenn Sie früher nach einem Heim gesucht hätten, wäre Ihnen das wahrscheinlich wie ein Verrat vorgekommen. Ich habe oft Tagebuch geführt in der Zeit, damit ich mich später immer wieder richtig erinnere. Sie konnten nur mit dem Wissen von damals entscheiden. Alles hat irgendwie seine Zeit.
    Wie das Heim seine Wartelisten und seinen Büroalltag organisiert, kann ich nicht sagen. Da wäre wohl noch etwas Luft nach oben. Rufen Sie einfach an, nerven Sie ruhig, das ist völlig legitim. Wahrscheinlich ist es irgendwie einfacher, wenn so verfahren wird. Ich würde die Gründe dafür gar nicht wissen wollen. Weiterhin alles Gute für Sie und Ihre Mutter!

  • Hallo Andydreas, auch von meiner Seite noch einige Gedanken:
    Ein Doppelzimmer kann tatsächlich sehr positiv sein. Es wird eher wahrgenommen wie ein Krankenhausbett und nicht wie ein neues Zuhause. Oft habe ich schon echte Freundschaften aus dem Doppelzimmer miterlebt. Üblich ist auch, dass das nächste freie Einzelzimmer dann zur Verfügung steht. Wenn Sie die Dame im Doppelzimmer vorher kennenlernen, können Sie auch abschätzen ob es passt.
    Wegen der Medikamente können Sie vielleicht in dem Forum Diagnose und Therapie nachfragen. Psychopharmaka sind kein Zauberwerk und können mit gut kalkulierbaren Nebenwirkungen für eine echte Entspannung führen. Je besser Sie sich informieren, um so eher fühlen sich Ärzte vielleicht nicht bedrängt.


    Grundsätzlich schadet es wenig, wenn Sie offen nachfragen, wenn Sie denken, dass Sie "nerven" könnten. Sie haben ein wichtiges und berechtigtes Anliegen, aber anderen fällt es bei Ihrer Nachfrage vielleicht leichter zu sagen, wenn es zu viel wird. Ich jedenfalls bin gespannt wie es weitergeht und so wie ich unsere Dialoge und Zahl der Lerser*innen verstehe, bin ich da nicht allein! Viel Erfolg weiterhin Ihr Martin Hamborg

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