Nu is es soweit

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Hallo Leidensgenossen und Betreuer,
    ja ich bin auch gespannt. Heute warte ich genau 4 Wochen, aber noch gint es kein Zimmer . Ich würde inzwischen wohl auch über ein vorläufiges Doppelzimmer nachdenken. Es wird immer schwieriger. Wenn man sich erst mal entschlossen hat soll es auch losgehen. Meine Kontaktperson in der Einrichtung hat diese Woche noch Urlaub, kommt aber nächste Woche wieder, Dann hoffe ich auf Fortschritte. Ich habe ja bereits vor einiger Zeit bei ihr vorgefühlt, indem ich von einer Senioreneinrichtung sprach und versucht habe sie darauf vorzubereiten. Es gibt sogar kurze Momente, in denen ich eine gewisse Akteptanz spüre. Ich habe auch schon einen Koffer beiseite gestellt, den ich heimlich packen will. Kostet gerade enorm viel Kraft und Geduld und da steht man vor einem riesigen Berg, aber das wird schon irgendwie klappen. Vielen Dank an alle.

  • Ich kann ja mal erzählen, wie es bei uns war, meine Mutter hatte auch eine starke Hinlauftendenz. Nach 3 Jahren in der Wohnung und Herumlaviererei (ich wohnte 300 km von ihr entfernt) mit einem Besuchsdienst und ewigem Theater mit Nachbarn etc hatte ich ein schönes Einzelzimmer für meine Mutter in einer Einrichtung bei mir in der Nähe gefunden. Dort ist sie, obwohl sie es sehr schön fand (ihr Zimmer war ein Traum), gleich am ersten Tag vrschwunden. Und das ging anderthalb Jahre so. Morgens abgehauen, nachmittags oder abends von der Polizei zurückgebracht. Machen konnte man da nix, weil sie sich ja nicht selber gefährdete. Ich hatte das Aufenthaltsbestimmungsrecht, konnte sie also auch ohne ihre Zustimmung in das Heim bringen, allerdings war sie ohnehin nicht mehr orientiert, sie hat ja ihre Wohnung von 25 Jahren auch nicht mehr erkannt. Sie hatte aber ein Phantasiebild im Kopf, wo sie denn leben würde und dahin wollte sie: eine Postbankfiliale. Nach anderthalb Jahren Stress und "Oh Gott, das Telefon klingelt, was ist jetzt schon wieder" hat die Polizei sie auf den Bahngleisen aufgegriffen. Und dann hat das Betreuungsgericht erlaubt, sie in eine geschlossene Einrichtung zu bringen. Ich habe lange gebraucht, einen Platz zu bekommen und bin mit meinem Einzelzimmerwunsch auch von ein paar Wartelisten geflogen. Am Ende musste ich sie in ein Doppelzimmer geben, was mit der ersten Mitbewohnerin schwierig war, mit der zweiten lustigerweise plötzlich gesellig wurde. Ich habe mich sehr damit gequält, meine Mutter in dieser Einrichtung einzusperren, aber es gab eine Alternative. Jetzt ist sie 1,5 Jahre dort und ich muss sagen, es geht ihr erheblich besser als vorher. Sie kriegt ein Beruhigungsmittel, wodurch sie nicht mehr so wahnsinnig gehetzt wirkt, aber dennnoch mobil und ansprechbar bleibt. SIe ist viel gepflegter als vorher und scheint sich da ganz gut zu fühlen. Mit einem Einverständnis habe ich nicht lange gerungen. Sie ist ohnehin nicht orientiert und kann sich alles grad mal 30 Sekunden merken. Vorbereiten ging eh nicht. Ich weiss, dass das alles sehr beängstigend ist, und ich kann mich noch gut an mein Entsetzen erinnern, als gefühlt nix funktionierte. Aber am Ende fügt es sich doch alles und man ist nie der Erste in dieser Situation, anderen ist das auch schon passiert und man konnte es regeln. Ich wünsche viel Glück und auch weniger Zweifel.

  • Hallo Grunella,
    ja, klingt meinem Fall sehr ähnlich. Man hat mir in der Einrichtung erklärt, dass dort ein Weglaufen schwierig sei, da einig Bewohner mit einem Chip ausgestattet sind und den Fahrstuhl nicht betätigen können. Eigentlich hoffe ich aber, dass die neue Umgebung und die Mitbewohner und Pfleger Ablenkung bringen, denn die derzeitige Situation ist wohl auch der Langweile geschuldet, die meine Mutter empfindet. Ich gehe davon aus, dass da zu Beginn tausend Entscheidungenzu treffen und Dingen zu regeln sein werden, aber irgendwann kann ich dann auch mein Leben wieder neu ordnen. Wenn bloß endlich ein Zimmer frei werde. Eine echte Geduldsprobe für mich. Sie mag kaum noch aufstehen und liegt viel im Bett. Das soll endlich losgehen.


    Danke

  • Hallo Andydreas,
    bei meiner Mutter war das mit der Ablenkung so. Sie hatte immer Leute um sich und fühlte sich wie in einem Kurhotel. Vor allem, dass sie Essen auswählen durfte und man es ihr servierte, hat sie gefreut. Sie war aber auch immer sehr gesellig gewesen und hatte viele Freunde und fand leicht Kontakt. Als sie ins Heim einzog, hat sie ihre Defizite auch schon nicht mehr wahrgenommen, die sie vorher gehindert hatten, noch auf andere zuzugehen.
    Ich drücke Ihnen ganz fest die Daumen, dass Ihre Mutter bald einen Platz bekommt. Liebe Grüße!

  • Nachdem ich mal wieder einen sehr schwierigen Abend mit meiner Mutter verbringen durfte sind bei mir doch ein paar Fragen aufgetaucht. Ich warte ja nun etwas über 6 Wochen auf ein Zimmer. Da tut sich nix. Kann es sein, dass eine Einrichtung meine Mutter absichtlich hinhalten will, damit ich in der Zwischenzeit auf die Idee komme was anderes zu suchen ? Ich hatte dort angedeutet, dass sie aus meiner Sicht kein leichter Fall sei, da ich mit offenen Karten spielen wollte.
    Heute war sie wieder zeitweise sehr aggressiv mir gegenüber. Lag aber auch ein Stück weit an mir, da es mir nicht immer gelang die Ruh zu wahren. Plötzlich war aber auch wieder Einigkeit und ich konnte sie überreden zu Bett zu gehen. Meine Fragen dazu: Was passiert eigentlich, wenn die Aggression zunimmt und das Heim sie nicht mehr behalten will. Übergebe ich die Verantwortung an das Heim, wenn sie dort angenommen wird. Oder kurz gefragt:Können die sie einfach rausschmeissen, wenn sie nicht klar kommen ?
    Es wird insbesondere im hygienischen Bereich große Probleme geben. Sie hat ja die Körperhygiene seit geraumer Zeit komplett eingestellt. Ich kann nur hoffen,dass die dort Wege finden, das zu ändern. Mir ist eigentlich klar, dass da Medikamente eine Rolle spielen müssen. Ich werde ja auch einen neuen Hausarzt für sie finden müssen. Gbit es denn Mittel, die in diesen Fällen schnell wirken ? Ihr und mein bisheriger Hausarzt hat ihr ein Antidepressivu aufgeschrieben, dass nach Mitteilung einer Leidgenossin erst nach Wochen Wirkung zeigen soll. Habe ich ihr noch nicht gegeben, da es so ja keinen Sinn macht. Ich bin leider etwas verunsichert und werde auch langsam genervt. Danke für Mitleiden.

  • Hallo Andydreas,
    lassen Sie mal den Mut nicht sinken. Meine Mutter hat von fremden Menschen in einer neuen Umgebung viele Dinge besser akzeptiert als zu der Zeit, in der sie sich noch in ihrer Wohnung befunden hat. Irgendwie hatte das für sie den Charakter einer Hilfestellung, die außerhalb ihrer direkten Einflußsphäre stand. Sie konnte da tatsächlich loslassen. Vielleicht lässt sich Ihre Mutter von einer Frau eher helfen als von Ihnen als Sohn. Da würde ich erstmal drauf hoffen.
    Bei den Ärzten weiß ich nicht so richtig. Eigentlich wäre ein Neurologe doch notwendig, wenn Ihre Mutter Medikamente wie Antidrepressiva oder so braucht. Auch bei einem (neuen) Hausarzt müssen Sie darauf achten, dass der ohne Murren zu Hausbesuchen bereit ist. Das ist nicht mehr selbstverständlich. Vielleicht fragen Sie im Heim mal nach, wenn Ihre Mutter umgezogen ist. Die wissen ja, welche Ärzte ins Haus kommen. Neurologen sind leider sehr schwer zu bekommen, aber auch da müsste das Heim Adressen kennen, an die Sie sich wenden können. Ob ich den Mut gehabt hätte, meiner Mutter eigenverantwortlich Medikamente zu geben, weiß ich nicht. Sie wurde in einer psychiatrischen Klinik eingestellt.
    Das Heim müsste mit Aggressionen umgehen können, das ist bei dementen Menschen ja nicht ungewöhnlich.
    Sie machen sich über viele Dinge Sorgen, die gar nicht eintreten müssen. Ich weiß, wie das ist, wenn man eine lange Zeit der Pflege hinter sich hat. Man verliert so sehr das Vertrauen, noch an eine gute Zukunft zu glauben. Das wird dann später auch lange brauchen, bis Sie sich wieder etwas gefangen haben. Bei mir war es jedenfalls so. Aber Sie werden das schaffen, liebe Grüße!

  • Hallo Freunde,
    es sieht so aus, dass es demnächst mit der Aufnahme meiner Mutter in die von mir ausgesuchte Einrichtung klappen könnte.
    Leider weiß ich immer noch nicht wie ich es ihr beibringen so. Meine bisherigen(sinnlosen) Versuche vorab auszutesten wie die Veränderung aufgenommen werden könnte war zwiespältig. Einerseits weiß sie wohl, dass es so nicht weitergehen kann, aber es gibt verständlicherweise auch sehr viel Ablehnung und Angst. Ich befürchte eine Eskalation, wenn es denn soweit ist. Ich habe schon einen Koffer beiseite gestellt, den ich langsam füllen will. Gibt es ev, hilfreiche Tipps ?
    Ich dachte an die Ankündigung eines Urlaubs in einem Kurhotel oder ähnlich.
    Ich habe versucht zu vermitteln, dass es auch die Möglichkeit gibt, dass es ein zurück gibt, wenn es nicht klappen sollte.
    Ich habe auch schon einen neuen Hausarzt für sie gefunden, mit dem die Einrichtung zusammen arbeitet und der auch dort Hausbesuche macht. Ich gehe davon aus, dass bei der starken Demenz meiner Mutter Medikamente nötig sein werden. Wie gesagt, am meisten beschäftigt mich zur Zeit jedoch der Einstieg.
    Vielen Dank.

  • Hallo Andydreas,
    das klingt gut, ich freue mich sehr für Sie und Ihre Mutter (auch sie das vielleicht nicht als Glück sehen wird). Ich weiß nicht, ob man einen Dementen so vorbereiten kann, wie es bei einem gesunden Menschen geht. Mit Argumenten, Rat, Hilfsangebot, Versprechungen. Meine Mutter hat alles schnell wieder vergessen und wir haben die endlosen Diskussionen immer wieder von Vorne starten müssen, eigentlich sinnlos und zermürbend. Ich habe meine Mutter einfach überrumpelt. Der Koffer stand schon lange gepackt da, sie musste ja auch immer wieder ins Krankenhaus gebarcht werden. Da war keine weitere Erklärung notwendig. Nach einer schrecklichen Nacht, als wir völlig erledigt nebeneinader saßen, habe ich ihr gesagt, dass wir Hilfe brauchen und es so nicht weitergeht. Und kurze Zeit später fuhren wir los. Meine Mutter hat sich nicht gewehrt, in dem Moment hat sie mir vertraut. Natürlich war ich die ganze Zeit bei ihr. Und habe ihr das auch immer wieder gesagt, dass ich sie nicht allein lassen werde. Für mich war es schlimmer, denke ich, weil ich die Zukunft realisiert habe. Sie würde nie mehr in ihr Haus zurückkommen und in der Fremde sterben. Meine Mutter lebte im Augenblick, sie konnte das nicht erkennen, also war es für sie nicht schwer. Glaube ich jedenfalls. Ich habe an diese Fahrt lange gedacht, wie ich aus dem Rückfenster schaute und das Haus immer kleiner wurde, wir wir schließlich ihr Dorf, ihre Stadt verliesen, um später nochmal 300 km weit weg zu fahren. Manchmal sehe ich es noch in meinen Träumen. Als sie gestorben war, habe ich den Bestatter angehalten, nicht direkt zum Friedhof zu fahren, sondern den Umweg zu ihrem Haus zu nehmen.
    Sie werden Ihre Mutter wahrscheinlich auch nur sehr bedingt auf das Kommende vorbereiten können. Aber ich wünsche Ihnen sehr, dass es auch so gut klappt wie bei mir. Meine Mutter dachte, sie wäre im Urlaub. Leider schritt die Demenz dann so schnell voran, dass sie es nicht lange genießen konnte, mal nichts tun zu müssen. Alles Gute weiterhin und liebe Grüße!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Andydreas, den vielen wertvollen Gedanken möchte ich nur hinzufügen: Ihre Mutter darf traurig sein, sie darf sich über den neuen Lebensabschnitt ärgern, vielleicht weil sie Angst davor hat. Sie können mit gutem Gewissen trösten und die Emotionen aushalten. Die Botschaft ist: "Du hast es mir versprochen, Du schaffst das, ich weiß Du bist stark und ich bin an Deiner Seite."
    Ist es möglich, Ihre Traurigkeit zu zeigen, wenn Ihre Mutter ablehnend ist? Üblicherweise bleibt die Empathiefähigkeit bei einer Demenz noch lange erhalten.
    Natürlich gibt es auch den Weg der Notlüge, wie "wir brauchen jetzt beide Urlaub, ich habe für Dich einen schönen Ort ausgesucht, bitte enttäusche mich nicht".
    Ich wünsche Ihnen ein gutes Gelingen, Ihr Martin Hamborg

  • Genau das ist mein neuer Plan. Ich habe in meinem Freundeskreis eine sehr kreative Dame, mir der ich einen Gutschein für einen Kur-Urlaub in der besagten Seniorenresidenz basteln will. Meine Mutter hat am kommenden Dienstag ihren 88. Geburtstag und da gibt neben einem Fleurop-Blumnstrauss eben diesen besagten Gutschein. Leider noch ohne Beginndatum, da ich da noch auf Nachricht warte, aber das kann ich ja auch so verkaufen. Ich werde in den nächsten Tagen werde ich dann schon mal Koffer packen und wenn es denn soweit ist geht es los. An Jutta: Das Problem mit dem Verlassen der Wohnung wird es wohl bei mir nicht geben,da sie unsere Wohnung ohnehin nicht als zu Hause anerkennt. Sie ist viel zu oft in ihrem Leben umgezogen.
    Ich bedanke mich schon mal bei allen, die mir bisher in diesem Forum zur Seite standen und stehen und werde von den weiteren Fortschritten berichten.

  • Jetzt wirds ärgerlich. Ich habe heute bei der Pflegeeinrichtung angerufen und nachgefragt, ob es am kommenden Montag mit der Unterbringung meiner Mutter klappen wird. Leider ist der Platz in der Demenzabteilung des Hauses überraschend nicht frei geworden. Die Rücksprache beim Heimleiter ergab, dass es sich nach seiner Einschätzung noch um Monate handeln könne.
    Jetzt stehe ich wieder am Anfang. Ich habe bereits mit einem Freund über meine Möglichkeiten beraten. So weiter machen wie bisher, aber die Wohnungstür beim Weg zur Arbeit abschliessen. Außerdem muss ich meine Teilzeit verlängern.
    Das heißt abzuwarten bis sie nach einer Erkrankung oder Unfall in ein Krankenhaus muss. Scheinbar der einzige Weg um einen Platz zu bekommen. Auch die Möglichkeit einer polnischen Hilfskraft kommt wohl nicht in Frage, da wir in einer Wohnung leben und ich mir ein Zusammenleben beim besten Willwn nicht vorstellen kann. Ich müsste uns ein Haus mieten und selbst dann hätte ich meine Zweifel, ob meine Mutter mitspielen würde.
    Es ist schon paradox, dass die Art und Schwere der Erkrankung offensichtlich abschreckend auf die Einrichtung wirkt und sie und auch im Stich gelassen werden.
    Extrem frustierend.

  • Hallo Sonnenblümchen,
    ja das hat mich echt umgehauen. Es wäre schön gewesen, wenn man in der Einrichtung etwas ehrlicher gewesen wäre. Die Dame im Büro sagte mir vor 8 Wochen, das es bestimmt kein Vierteljahr dauern würde. Heute erzählt sie mir dann, dass etliche Anträge auf dem Tisch des Leiters liegen würden. Er kannte meinen Fall offensichtlich garnicht und deutete an, dass es mehrere Monate dauern könnte. Ich habe wie gesagt den Eindruck, dass es sich um den Gesundheitszustand meiner handelt, der abschreckt.
    Das einzig Gute ist, dass ich nun auch kein schlechtes Gewissen mehr haben muss. Ich habe mir schon einige Maßnahmen überlegt, die ich zeitnah angehen werde. Ihr bisheriger Hausarzt hat ihr ja Antidepressiva verordnet, die ich ihr ab morgen geben werde. Ich werde den Hausarzt wechseln (endlich), der bisher ziemlich passiv war. Ab kommenden Montag muss ich wieder arbeiten. Ich muss leider die Haustür abschließen und ihren Haustürschlüssel verstecken Ich habe ja meine Überwachungskameras. Dann werde ich einfach weitermachen wie bisher. Entweder sie fällt irgendwann tot um oder sie muss aus irgendeinem Grund ins Krankenhaus. Von dort wird es dann offensichtlich einfacher für alle. Irgenwas stimmt hier nicht im Gesundheitswesen. Bin mal gespannt wie die Einrichtung nach den neuen Richtlinien abschneidet.

  • Ich lese hier auch still mit.
    Mir tut das sehr leid, dass Sie jetzt doch noch länger warten müssen.
    Ich wünschte mir auch, wir hätten ein Gesundheitssystem wie in Schweden ect.


    Liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Andydreas, dass schockiert mich auch, doch bevor Sie verzweifeln oder ungehalten werden, möchte ich noch ein paar Anmerkungen machen:
    Bitte vereinbaren Sie einen Termin mit der Heimleitung, damit Sie eine realistische Einschätzung bekommen. Wenn Sie können, verzichten Sie auf Vorwürfe und Vorhaltungen. Ihre Ent-täuschung, Ihre Hoffnung, Ihre Not, Ihre Checklisten und Ihre guten Vorbereitungen sind eher geeignet den Umzug vorzubereiten. Bitte denken Sie daran, ein Platz wird nur dann frei, wenn ein Bewohner verstirbt. Dies lässt sich nicht planen und ich habe oft erlebt, dass sich eine Sterbephase sehr lange hinziehen kann. Zum anderen gibt es in den Wartelisten auch Menschen, die in ähnlicher Situation sind. Die Wahl ist für eine Einrichtung also keine leichtfertige Entscheidung. Bitte nehmen Sie es erstmal nicht persönlich!
    Bitte denken Sie auch daran, dass ein Antidepressiva einige Wochen braucht, bis es wirkt. Als Plan B bleibt Ihnen immer auch die Behandlung in einer Klinik und die Unterstützung durch den dortigen Sozialdienst, die sehr eng mit allen Häusern zusammenarbeitet.
    Ich wünsch Ihnen sehr, dass Sie durchhalten! Ihr Martin Hamborg

  • Ich konnte mich bei dem Telefonat mit dem Heimleiter zum Glück zusammenreißen und bin freundlich geblieben. Ich denke immer noch, dass die Einrichtung die richtige Wahl ist, zumal ich ja von einigen anderen Einrichtungen Absagen kassiert habe, weil sie immer weg will. Ich habe leider auch bereits Vorkehrungen getroffen. So habe ich sie schon bei einem dortugen Hausarzt angemeldet, der mit der Einrichtung zusammnen arbeitet. Außerdem habe ich auch schon den entsprechenden Diabtologen rausgesucht.
    Ich bin natürlich erst Mal in ein tiefes Loch gefallen. Aber ich habe mich wieder einigermaßen gefangen. Erst dachte ich, dass ich das doch mit ihr vielleicht schaffen kann, aber inzwischen läuft sie im Minutentakt weg um ihr Oma zu besuchen und findet nicht mehr nach Hause. Da ich ab Morgen auch wieder arbeiten muss (halbtags) werde ich sie einschliessen müssen und nachmittags betreuen. Es bleibt unterm Strich jedoch dabei, dass die Aufnahme in der Einrichtung für sie das Beste ist. Und wenn es eben Monate dauern soll, dann ist das eben so. Da bleibe ich dran.
    Die Antidrepessiva gebe ich ihr noch nicht, da ich Angst vor den Nebenwirkungen habe.
    Das wird noch ein langer Kampf.
    Danke für die Ratschläge.

  • Hallo Andydreas,
    ich hatte auch erwartet, dass Ihre Mutter bald umziehen kann. Konnten Sie denn wenigstens im Gespräch herausfinden, wie die Plätze vergeben werden? Streng nach Liste oder versucht man, einigermaßen passende Wohngruppen zusammenzustellen? Wie auch immer das gehen kann. Bei meiner Mutter ging es wohl nach einer Warteliste. Es ist für mich schwer gewesen, denn zuerst mussten eben Bewohner sterben. Und dann wurde eben ein Platz in einem Demenzbereich gesucht, wo man versuchte, nicht nur Fälle im Endstadium zu haben. Man konnte mir aber das ziemlich genau sagen und ich habe ca. 8 Wochen gewartet. Dabei arbeiten zu müssen ist extrem schwer, ich konnte mich teilweise kaum konzentrieren, dachte immer, was macht meine Mutter jetzt gerade? Schickt sie die Hilfe wieder weg? Stürzt sie mit dem Wäschekorb? Hoffentlich haben Sie Kollegen, die Sie unterstützen und Verständnis haben für diese Situation. Ich drücke Ihnen und Ihrer Mutter weiterhin die Daumen!

  • Hallo Jutta,
    ich habe inzwischen herausgefunden, dass der Heimleiter alleine aussucht, wen er aufnimmt und wen nicht. Ist natürlich sehr fragwürdig, da der Korruption Tür und Tor geöffnet wird. Eine Liste soll es nicht geben. Ich habe angefangen nach einer anderen Einrichtung zu suchen und habe am kommenden Dienstag einen Termin in einer anderen Einrichtung mit einer Demenzgruppe. Beim Telefonat habe ich schon rausgehört, dass die Einrichtung wohl in Frage kommt. Natürlich ist zur Zeit kein Platz frei, aber das war ja auch nicht zu erwarten.
    Arbeiten kann man das was ich hier tue eigentlich nicht mehr nennen. Ich arbeite nur noch vormittags und für mich ist es hier Erholung. Ich nutze die Zeit auch um meine Angelegenheiten zu regeln. Bisher erlebe ich eine gewisse Toleranz seitens der Kollegen, aber es mehren sich auch schon kritische Stimmen. Ich kriege regelmäßig das berühmte " schönen Feierabend" zu hören wenn ich gehe. Ist zwar nicht immer bös gemeint nervt aber trotzdem.
    Es geht also alles wieder von vorne los, aber ich gebe nicht auf.
    Danke fürs Lesen.

  • Nicht aufgeben ist immer gut.


    Aber wenn ich das lese, was man alles durchstehen muss für einen so langen Zeitraum, weil man sich anfangs selbst überschätzt oder weil die betreffende Person nichts anders zulassen will und man irgendwann kein Leben, sondern nur noch ein Überleben führt, dann ist das schon ein Brocken.


    Ich halte z.B. viel von Demenzdörfern, aber das kostet entsprechend auch Geld, so dass ich denke, dass das in Deutschland eher kein Standard werden wird.
    Ich halte diese Dörfer deshalb für gut, weil Demenzkranke das Eingesperrt sein und die Handlungsunfähigkeit nicht vertragen können. In einem Demenzdorf kann man selbstständig raus, man ist auch im Alltag handlungsfähig, wegen der entsprechenden äußeren Angebote, wie Friseur, Lebensmittelgeschäft ect. Und vor allem, sollten schwerst Demenzkranke nicht mit mitteslschweren ect. zusammengebracht werden, denn das kann meine Schwiegermutter z.B. überhaupt nicht ertragen und das geht vielen anderen auch so. Man selbst kann auch nicht täglich mit einer demenzkranken Person Tag und Nacht zusammen sein, ohne selbst irgendwann den Verstand zu verlieren. Oder besser gesagt, die meisten können das nicht.


    Ihnen wünsche ich weiterhin Kraft und Erholung auf der Arbeit und das die Kollegen auch noch durchhalten.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Andydreas, es freut mich, dass Sie im Gespräch mit der Heimleitung diplomatisch geblieben sind und auch schon eine Alternative gefunden haben. Wegen der Antidepressive sprechen Sie bitte mit dem Arzt, denn die starke innere Unruhe kann Folge einer Depression sein, die Nebenwirkungen sind viel selterner und bei neuen Antidepressiver viel weniger ausgeprägt, als man gemeinhin denkt.


    Auch das "Einschließen" kann erheblichen Nebenwirkungen haben und Angst und Panik auslösen. Deshalb sehen wir es fachlich sehr kritisch. In Einrichtungen es absolut verboten. Aber auch der Gesetzgeber weiß, dass es in der Häuslichkeit manchmal wirklich keinen anderen Ausweg gibt.
    Besprechen Sie auch dies mit dem Arzt und bitten Sie Nachbarn darum, genau hinzuhören und Sie ggf. zu informieren, wenn Ihre Mutter bei der geschlosssenen Tür in Panik gerät.
    Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen so wie alle anderen hier im Forum, dass alles so schnell wie möglich ein gutes Ende findet, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,
    genau das ist eines meiner Probleme. Mein Hausarzt.
    Als bei meiner Mutter aus meiner Sicht eine Demenz einstellte und ich bei ihm vorstellig wurde um entsprechende Intersuchungen zu starten lehnte er das mit den Worten ab: Warum etwas untersuchen , was wir längst wissen und wogegen wir sowieso nichts machen können. Ich habe ihnspäter desöfteren aufgefordert, aber er blieb dabei. Als es immer schlimmer wurde habe ich eigenständig eine Neuroöogin aufgesucht. Leider eine Ärztin ohne Empathie. War wohl auch überlaufen. Kurzes Gespräch in Anwesenheit meiner Mutter, obwohl ich um ein Vorgespräch unter 4 Augen gebeten hatte. Sie verschrieb Psychopharmakatabletten und überwies meine Mutter in die Röhre. Meine Mitter warverständlicherweise sehr aufgebracht und würde diese Praxis nie wieder betreten. Als ich anschließend beim Hausarzt vorsprach sagte dieser, dass die verordneten Tabletten viek zu viele Nebenwirkungen hätten und behielt sie gleich da. Auch die Rohre lehnte er ab, da ein Gehirntumor ja wohl auszuschliessen sei.
    Als, wie bereits beschrieben, eine Heimaufenthalt anstand sprach ich erneut bei ihm vor und bat ihn mich für ein paar Tage krank zu schreiben. Das lehnte er ab, da das ja Betrug sei.
    Leider erst jetzt entschloss ich mich den Arzt zu wechseln. Da meine Mutter ja ursprünglich in eine Einrichtung in einem Nachbarort einziehen sollte, habe ich sie bei einem dortigen Hausarzt vormerken lassen. Das hat sich ja bekanntlich inzwischen erledigt, bzw. dauert noch Monate, nach Aussage des Heimleiters. Nun suche ich nach Alternativen. Das Problem ist eigentlich, dass wir im Moment ohne Hausarzt dastehen. Ich durfte auch vor kurzem der Zeitung entehmen, dass mein bisheriger Hausarzt sich demnächst vor Gericht wegen eines Medikamentendeliktes verantworten muss und ev. seine Zulassung verliert.
    Ich fürchte, dass das Thema Demenz in der Allgemeinmedizin noch nicht richtig angekommen ist.
    Ich habe in diesem Forum gelesen, das es eine Gedächtnissprechstunde oder so ähnlich geben soll um die Demenz näher zu bestimmen. Vielleicht können Sie mir mehr dazu sagen ?

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!