Zwei pflegebedürftige Menschen

  • Ich schreibe heute das erste Mal.Meine Mutter ist scheinbar an Demenz erkrankt.Sie vergisst sehr viel,schreibt sich deshalb Merkzettel,erkennt dann aber nicht ihre eigene Schrift und verdächtigt andere,sie hätten diese Zettel hingelegt.Sie glaubt ,andere gehen in ihr Haus und sie wird bestohlen.Der Rasenmäher ist nicht ihr,das Radio ist nicht ihr.Schlüssel und ec KARTEN werden ständig verlegt. Ihre Tabletten sind immer durcheinander,so dass wir jetzt einen Tablettendienst engagiert haben.Sie sollte zu einem Neurologen,aber sie lehnt das ab.Unsere Hausärztin hat jetzt ein Medikament gegen diese Wahnvorstellungen verschrieben, dieses nimmt sie aber nicht regelmäßig ein.Ich finde die Tabletten dann irgendwo versteckt. Sie wohnt zu Hause und in diesem Haus wohnt auch noch unser Vater,der noch versorgt werden muss,er hat Pflegegrad 3 und er will sich nicht mehr waschen und rasieren. Er zieht sich auch nicht an,läuft im Schlafanzug herum bis zum Mittagessen, reagiert aber störrisch,wenn man dies ändern möchte.Ein Heimplatz kommt nicht infrage,diese Diskussion ist aussichtslos. Sie erwarten,dass ich als Tochter alle diese Arbeiten übernehme.Ich kümmere mich um die Versorgung und Einkäufe, um die Medikamente,Friseurfahrten,manchmal auch Hausarbeiten.Ich backe für sie Kuchen und bringe manchmal auch Mittagessen. Ich teile das Geld ein, ernte aber nur Misstrauen. Ich weiß nicht,wie ich meine Eltern überzeugen könnte,dass wir uns um einen Heimplatz kümmern sollten,denn sie brauchten beide eine Rundumbetreuung.Dieses Problem beschäftigt mich sehr,ich kann nicht mehr schlafen,bin selbst schon Rentner und habe eine Schwerbehinderung.Was könnte ich tun,wer kann mir einen Rat geben?

  • Guten Morgen Rosina,


    da sind Sie in einer mehr als schwierigen Lage!


    Zunächst einmal sollten Sie sich klar machen, daß es unmöglich ist, daß Sie alleine all die immer größer werdenden Defizite Ihrer Eltern werden kompensieren können. Also achten Sie darauf, daß Sie nur so viel leisten, wie Sie freiwllig geben können und daß Sie sich damit noch wohlfühlen, aber nicht überfordern (lassen).


    Dann klären Sie, wer Sie noch unterstützen kann, z. B. ein Pflegedienst. Oder Angehörige oder Nachbarn oder anderweitige Profis oder .....


    Und ziehen Sie statt einer Heimunterbringung zunächst einmal eine 24h-Kraft in Erwägung. Wird auch keine Zustimmung Ihrer Eltern erfahren, aber es geht eben nicht alles nach Wunsch, schon gar nicht, wenn die Eltern selbst nichts in die Wege geleitet haben.


    Sie haben zwar nichts über Ihre finanzielle Situation geschrieben, sollten aber davon ausgehen, daß Sie zum Teil zu den Heimkosten beitragen müssen. Bei zwei Personen sind da schnell 6 - 8.000 Euro im Monat weg und nur vielleicht die Hälfte durch Pflegeversicherung etc. gedeckt. Wenn die Eltern sehr üppige Renten/Pensionen haben oder entsprechendes LIQUIDES Vermögen, dann mag das funktionieren. Ansonsten haben Sie auch noch ein finanzielles Problem.


    Sind Ihre Eltern Immobilieneigentümer, benötigen Sie auch noch eine notarielle Vollmacht, um zu gegebener Zeit die Immobilie(n) verkaufen zu können, sei es, um Liquidität zu generieren oder um eine nicht mehr benötigte Immobilie sowie die von ihr verursachten Kosten loszuwerden.


    Keine einfache Aufgabe, aber falls es Ihnen hilft: vielen anderen geht es nicht besser als Ihnen. Halten Sie durch und teilen Sie Ihre Kräfte ein :-) !

  • Hallo Rosina,


    zunächst die Frage: verfügen Sie über eine Generalvollmacht bzw. die rechtliche Betreuung in den entsprechenden Angelegenheiten?


    Der zu zahlende Eigenanteil bei Pflegeheimkosten fällt sehr unterschiedlich aus (regional). Im Bundesdurchschnitt ca. 1900 Euro (2018). Reichen Einkommen und Vermögen nicht aus, gibt es weitere Möglichkeiten der Finanzierung ("Hilfe zur Pflege"): https://www.verbraucherzentral…uer-die-pflegekasse-13906


    Haben Sie dazu Fragen, helfen Ihnen die Kolleginnen in diesem Forum sicher gerne weiter: https://www.wegweiser-demenz.d…%5Bclass%5D=internal-link


    Grundsätzlich können Sie ohne akute Gefährdungslage nichts erzwingen. Gegebenfalls, können Sie bei Gericht auch das Einsetzen eines Betreuers anregen, um die Verantwortung in diesem Bereich auf mehr Schultern zu verteilen. Eine Angehörigengruppe vor Ort, z.B. bei einer regionalen Alzheimer Gesellschaft kann Sie darin unterstützen, sich selbst zu positionieren. Über die vor Ort möglichen Unterstützungsangebote - z.B. auch Ehrenamtlichendienste, informiert Sie auch der örtliche Pflegestützpunkt.


    Wenn eine Demenz die Ursache für das Verhalten Ihrer Mutter ist, können Sie auch einmal anhand einer Checkliste schauen, ob etwas dabei ist was Ihrer Mutter weiterhilft sich im Alltag zu orientieren: https://www.wegweiser-demenz.d…klisteWohnenmitDemenz.pdf oder http://www.vitanet.de/f/54158/…nraumanpassung_Demenz.pdf . Dies trägt auch zur Sicherheit im eigenen Wohnumfeld bei.


    Den "Tablettendienst" (Sie meinen einen Pflegedienst?) akzeptiert Ihre Frau Mutter?


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

  • Guten Mogen Rosina,
    ich habe ebenfalls 2 wegen Demenz pflegebedürftige Eltern, die sich nicht helfen lassen wollen, wollten....


    Das ist allein nicht zu schaffen!


    Mutter ist inzwischen in einer beschützten Demenzstation im Heim...die Kosten, die wir aus eigener Tasche dazu zahlen müssen liegen bei 2150 .-!! Nur in den sog. neuen Bundesländern sind die Kosten geringer....in anderen Bundesländern sogar noch höher!! Es kommt also auch darauf an, wo die Eltern untergebracht werden sollen.


    Ich habe schließlich einen rechtlichen Berufsbetreuer vom Gericht einsetzen lassen, weil ich gar nicht mehr weiterkam....das kostet natürlich zusätzlich und selbst hat man dann je nach Aufgabengebiet, die dem Betreuer zugewiesen worden sein, wenig bis kein Mitspracherecht und Informationsrecht mehr.....auch das gilt es zu bedenken und damit muß man auch zurecht kommen können....


    Aber nur so ist es gelungen, dass die Eltern stufenweise Hilfe angenommen habe....zuerst den Medikamentendienst, der täglich am Morgen vorbeikam und vom Hausarzt veordnet wurde.


    Dann vom Pflegdienst eine hauswirtschaftliche Hilfe 2 x in der Woche für 2 Stunden...


    ein Nachbar kümmert sich auch.....


    So ging es etwa noch 1 Jahr für die Mutter, bis sie ins Heim mußte.....


    Bei dem Vater sind es dann ca fast 2 Jahre, wo er noch zu Hause bleiben konnte...da steht jetzt die Heimunterbringung an.....


    Gegen den Willen der Eltern kann nichts (!!) unternommen werden....auch bei der Heimunterbringung gegen den Willen ist bei meinen Eltern jeweils ein richterlicher Beschluß notwenig gewesen (mit vorheriger Begutachtung).


    Bitte passen Sie gut auf sich selbst auf......denn obwohl ich nicht vor Ort wohne und somit nicht direkt eingebunden bin, belasteten mich die ganze Umstände sehr....sehr....sehr.


    Kräfte einteilen....ist ein sehr guter Rat von Angehörigen........denn es wird immer schlimmer noch kommen....


    Alles Gute und liebe Grüße

  • Vielen Dank für das Verständnis und die hilfreichen Antworten.Ich werde alle Hinweise erst einmal durchdenken.Vollmachten besitze ich,meine Eltern haben nur eine kleine Rente,so dass ich über solche Schritte wie Heimunterbringung gar nicht nachdenken brauche,wenn solche Kosten anfallen.Da muss ich mich auf jeden Fall erst einmal kundig machen.Wichtig ist auch für mich,wie man sich selber schützen kann und da gebe ich Ihnen Recht,man muss zusehen und kann an dieser Krankheit nicht viel machen.Es belastet und mir fehlt manchmal auch die nötige Geduld.Ich versuche weiter einen Weg zu finden.Vielen Dank für die Hinweise.

  • Hallo Rosina,
    wenn Ihre Eltern wenig Rente beziehen und praktisch kein Vermögen vorhanden ist....und auch Sie selbst nur Einkünfte unterhalb des anzurechnenden Freibetrages beziehen.....dann könnte gut sein, dass Sozialleistungen bzgl. Übernahme Heimkosten etc greifen....


    falls bereits Pflegegrade festgestellt sind.....könnte Ihnen auch da schon gewisse finanzielle Unterstützung zustehen....


    In Bayern (und nur da) gibt es relativ unkompliziert außerdem 1000.- Pflegegeld jährlich , sofern ein Pflegegrad festgestellt ist.


    Am besten lassen Sie sich erst einmal über alles beraten bei einem Pflegestützpunkt, Diakonie etc.....


    Dann wissen Sie zumindest etwas besser, woran Sie sind.


    Viele Grüße

  • Hallo,hannes63,mein erstes problem ist ja auch,sie wollen nicht i n ein Heim.Mein Vater ist 91 Jahre ,schläft sehr viel,hört nicht,Essen muss bereitet sein,geht nicht zum Arzt und er wohnt in einem alten Haus,was er selbst früher aufgebaut hat.Immer stückchenweise,dieses Haus ist nicht mehr verkaufbar alt klein und.unmodern.Aber er geht da nicht raus.Ich hatte schon einmal den Pflegedienst eingebunden für ein e
    Morgentoilette,als ich 3 Tage bei meinem Sohn war,hatten sie alles rückgängig gemacht,jetzt kommt der Pflegedienst nur noch einmal und duscht.Meine Mutter wäscht sich noch alleine u d bereitet sich auch Frühstück und Abendbrot.Eine 24h Betreuung würde meine Eltern nie akzeptieren.Wo sollte diese auch wohnen?Das Haus ist viel zu klein.Da sehe ich keine Möglichkeit.Den Tablettendienst akzeptiert sie,weil der Arzt es verordnet hat,waren die Tabletten früh einsortiert,waren sie abends s chon nicht mehr in Ornung oder sogar weg,ich wusste nicht , ob sie genommen wurden.Sie behauptet immer,sie kann das alles alleine,sie ist doch nicht blemm blemm..und so brauche ich viel Überzeugungskraft und hört e mir immer an,dass sie noch alles kann.Genauso ist es mit Mittagessen.Sie kann angeblich noch kochen,aber sie tut es nicht,sie weiß manchmal nicht,wie der Ofen angeht.Gestern saß mein Vater im Schlafanzug und Hut am Mittag im Gewächshaus.Er wollte sich nicht umziehen,die spinnen wohl jetzt alle.Gegen ihren Willen geht eigentlich nichts,da hast du recht.Und dieses Verhalten bringt mich an meine Grenzen.Ich machte mir Tag und Nacht Gedanken,wie ich das ändern kann.

  • Guten Morgen Rosina,
    für mich war hilfreich, dass ich auch den sog. sozialpsychiatrischen Dienst eingeschalten habe. Ich konnte die Lage dort besprechen und der Dienst hat auch mehrfach bei meinen Eltern Besuche, teilweise mit Amtsarzt gemacht, um die Lage einzuschätzen......dieser Dienst ist meist bei den Landratsämtern/Gesundheitsämtern angesiedelt.
    Ich habe lange die Krankheit Demenz/Alzheimer nicht verstanden....
    Ein Angehörigenseminar für Angehörige von Demenzerkrankten (kostenfrei, bezahlt die Pflegekasse, 10x2 Stunden) hat mir die Augen geöffnet und ich habe viel hilfreiches gelernt und erfahren.


    Es ist schwer auszuhalten.....auch das ewige "Nicht-Wollen"......
    Letztlich hilft es oft nur...sich die Lage weiter zuspitzen lassen...

  • Ich glaube,Sonnenlümchen,Sie haben Recht.Vielleicht sollte man das alles nicht so tragisch sehen, vielleicht auch mit Humor angehen,dann geht es einem auch besser.Manchmal gelingt es mir ,ma nochmal aber nicht. Ich lese oft die Beiträge im Forum und es geht mir schon besser, wenn ich lese, dass es anderen auch so geht und manchen noch schlimmer als mir.Auch tut es gut, wenn jemand antwortet und mich versteht.Vielen Dank für alle,die geantwortet habe .

  • Guten Morgen,


    Ich habe auch schon oft im Forum geschrieben und gelesen. Es ist wirklich gut zu wissen, dass man nicht allein ist. Ich habe einige gute Freundinnen, die dann wiederum Bekannte haben, die aehnliche Probleme haben und dann z.B. einen Sozialdienst empfehlen koennen oder eine bestimmte Person bei z.B. Caritas, oder mit ins Krankenhaus/Pflegeheim kommen. Mein Mann ist leider sehr mit der Situation ueberfordert, gibt aber unter Anleitung sein Bestes :) Nutzen Sie, was Sie haben an Kontakten und scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen! Nerven Sie die Sozialdienste und Aerzte wenn es sein muss. Das musste ich erst muehsam lernen.


    Ich war immer der Meinung, ich schaffe es allein und muss immer schoen geduldig bleiben. Wenigstens etwas gelernt davon!


    Viel Kraft weiterhin!

  • Hallo,Sarahf,ich danke dir für deine Antwort.Leider ist es wirklich so, dass ich meinen Freundinnen und auch Kindern von meinen Problemen erzähle,weil jeden Tag etwas anderes passiert oder ich mich über das Verhalten meiner Eltern ärgere.Leider merke ich aber auch,dass meine Bekannten dies nicht mehr hören können,sie sind alle weit weg,alle sagen ,du kannst das nicht leisten,suche dir etwas zum Ablenken.Ja,das ist alles richtig,ich versuche es ja auch,aber manchmal ist die Situation noch viel schlimmer ,als ich denke und sage.Seit ein paar Tagen denkt meine Mutter,dass jemand ihr Geld wegnimmt,es fehlen ständig Beträge, die angeblich in ihrem Portmonee waren und ich habe das Gefühl,dass sie mich verdächtigt,Es fehlen ständig Sachen,sie haben eine Kamera anbringen lassen,jetzt sagt mein Vater,nur ich wäre im Haus gewesen.Wenn ich sage,verdächtigt ihr etwa mich,sagen sie zwar nein,nein,wie kannst du nur so etwas denken. Ich kann gar nicht alles schreiben,was da passiert,es ist wie in einem schlechten Film.Obwohl ich so viel mache,sagt meine Mutter zur Nachbarin,ich würde ihr doch nicht helfen.Ich habe vorgeschlagen Essen auf Rädern auch für Samstag und Sonntag zu bestellen,aber das geht nicht,sie wollen selber kochen,Problem ist,sie können es gar nicht mehr.Sie erwarten eigentlich,dass ich jeden Sonnabend und Sonntag für sie koche,ich möchte dies nicht,aber da sie nichts zu essen haben,mache ich es nun doch.Sie sagen immer lass mich nicht im Stich.Ich weiß nicht,ob ich keine gute Tochter bin,müsste ich das leisten?Heute war wieder die Krankenkassenkarte weg.Nun muss ich wieder suchen.Aber es ist ja nicht so schlimm,man kann ja eine Neue machen lassen.Und so ist es jetzt jeden Tag,ich weiß auch,dass mir niemand wirklich helfen kann.Aber heute ist wieder so ein Tag,wo ich mir alles von der Seele schreiben muss.Ich kann nicht schlafen,vielleicht wird morgen ein besserer Tag. Danke für deine Antwort

  • Doch, Rosina,
    es gibt jemanden, der/die Ihnen helfen kann: Sie selber!


    Indem Sie Ihren Verstand gebrauchen und abwägen, was Sie selber tun oder lassen und was Sie zu delegieren versuchen. Und danach handeln bzw. es lassen!!!


    Sie sind keine schlechte Tochter, wenn Sie nicht täglich für Ihre Eltern kochen. Dafür gibt es z. B. Essen auf Rädern und wenn Ihe Eltern permanent alles ablehnen außer dem, was Sie tun (sollen), sind es eher schlechte Eltern. Jedenfalls solange da noch so etwas wie ein Begreifen ihrerseits stattfindet. Und selbst wenn das weg ist, gilt immer noch: wer nicht rechtzeitig die Weichen in die richtige Richtung seines Altwerdens gestellt hat, trägt erhebliche Mitschuld an der Situation!


    Ich will Ihnen ein Beispiel geben: für gestern (Allerheiligen) hatte ich mir viele Gedanken gemacht, wie ich meine Mutter zur Messe bekommen könnte, wo sie gerne hingeht (was sie mir vorab auch telefonisch bestätigte). Mit viel Überredungskunst habe ich schließlich eine Nachbarin dazu bewegt bekommen, sie mit hinzunehmen, obwohl sie (die Nachbarin) das eigentlich nicht wollte. Als ich später telefonisch nachfragte, hieß es, meine Mutter habe dankend abgelehnt, weil ihr nicht danach gewesen sei. Stattdessen wollte sie, daß ich bei ihr vorbeikomme. So geht das grundsätzlich. Sie ist total auf mich fixiert und würde wie ein Säugling am liebsten vierundzwanzig Stunden täglich mich um sich rum haben, was natürlich unvereinbar ist mit einem eigenen Leben von mir.

  • Guten Morgen Rosina,


    Ich muss mich dem anschliessen, was "Angehoeriger" geschrieben hat. Sie schreiben von Schlafstoerungen. Auch die hatte ich ewig und bin nicht zum Arzt gekommen, weil sich alles um meine Mutter drehte. Habe dann beruhigende und schlaffoerdernde Mittel bekommen, die gut helfen und mit mehr Schlaf hat man auch wieder einen klareren Kopf.


    Fuer jeden hier im Forum ist die Lage anders schwierig. Aus der Reihe bekloppte Tipps habe ich zu bieten: 1) Einmischen von Nachbarn/Bekannten (ihre Mutter ist nicht krank, Polizeianruf als sie eingewiesen werden musste!); 2) Schon mal an einen anderen Arzt/Heim gedacht (nein, noch nie, der Artztmarathon am Anfgang war fantastisch, jede einzelne unklare Diagnose hab ich genossen ... grrrrrrr); 3) du musst auch an dich denken (klar, nachdem ich Stunden zu meiner Mutter geflogen bin mache ich noch schnell ein Wellnesswochenende mit meiner Familie, und wenn meine Mutter mal wieder denkt dass sie vergast wird, dann zucke ich mit den Schultern und lese weiter mein Buch .... grrrr).


    Also, wenn niemand in ihrer Familie Ihnen hilft, dann klappern Sie bitte die lokalen Organisationen selbst ab. Ich weiss nicht wo Sie wohnen, vielleicht gibt es da Selbsthilfegruppen? Was Sie beschreiben ist ja nicht so selten.


    Viel Kraft!!

  • Lieber Angehöriger,sie schreiben immer sehr gute aufmunternde Zeilen und haben auch vollkommen Recht.Ich muss einfach auch ein dickeres Fell bekommen,bin leider zu sensibel und denke zu viel nach.Vorgestern war wieder ein schlimmer Tag,würde zu meiner Mutter gerufen,weil sich mein Vater im Keller verschanzt,hatte und nicht mehr hochkam in die Stube,er hatte sich im Keller Kerzen angezündet und wollte meine Mutter nicht mehr sehen.Es war wieder Geld verschwunden.Da hat meine Mutter wieder vollkommen durchgedreht,sie waren wieder da und in der Wohnung und Vater hätte die Tür offen gehabt.Ich habe dann alle beruhigt,wir suchen morgen,es ist nicht so schlimm usw.Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen,am nächsten Tag meine Mutter wohl auf ,als wäre nichts gewesen.Ich kann diese Krankheit nicht verstehen.Furchtbar!Ich werde auch den Rat befolgen,nur noch das zu tun,was ich gut leisten kann.Der Rat von Sarah Selbsthilfegruppe ist auch nicht schlecht.Es ist ja schon gut,wenn man mal darüber reden kann mit Gleichgesinnten.Sie schreiben ja auch,dass ihre Mutter sehr auf sie fixiert ist.Am besten den ganzen Tag bei ihr sein wäre gut. So ist es bei mir auch,ich hatte wirklich liebe Eltern und ein gutes Verhältnis zu ihnen,jetzt klammern sie sich sehr an mich,halten mich am Arm fest,wenn ich gehen will.Es ist alles nicht geht, was ich tue.Aber ihnen geht es ja auch so.Nun ,heute ist Sonntag,also Zeit abzuschalten.Schönen Tag,Rosine.

  • Guten Abend Rosina,


    schön, daß Sie das so sehen - manche anderen sind da ganz anderer Meinung :-).


    Ich schreibe Ihnen einfach, was mir geholfen hat; vielleicht können Sie daraus Nutzen für sich und Ihre Eltern ziehen:


    Ein dickeres Fell bekommen in dem Sinne, daß Sie sich nicht mehr alles so zu Herzen nehmen, ist schon mal sehr gut. Verstehen müssen Sie die Krankheit gar nicht; es genügt, wenn Sie wissen, wie Sie es schaffen, eine Hilfe und eine Bereicherung für Ihre Eltern darzustellen und dabei trotzdem selber bei guter Gesundheit zu bleiben.


    "Zu viel " nachdenken können Sie eigentlich nicht; versuchen Sie aber, KONSTRUKTIV, also lösungsorientiert zu denken. Nicht verzweifeln, nicht hadern, sondern darüber nachdenken, wie Sie die Situation für sich und die Eltern VERBESSERN. Und wenn Sie genug gedacht haben, dann sagen Sie sich ganz bewußt und entschieden "Schluß für heute" und machen etwas, was Ihnen gut tut. Disziplin ist wichtig!


    Dabei muß man bescheiden sein. Die Eltern werden nicht mehr wie neu und je eher Sie akzeptiert bekommen, daß es ist, wie es ist, und nur noch schlechter wird, um so besser wird es Ihnen damit gehen.


    Achten Sie darauf, daß Sie selbst nicht mehr als unvermeidlich in das "Chaos" hineingezogen werden, so daß Sie sich innerlich genügend (emotionalen) Abstand bewahren, um immer noch gelassen, freundlich und deeskalierend Ihren Eltern gegenübertreten zu können. Im Idealfall haben Sie immer noch ein echtes Lächeln für Ihre Eltern auf den Lippen und können freundlich und humorvoll mit ihnen umgehen. Das hilft meiner Meinung nach tausend mal mehr, selbst wenn Sie nur relativ wenig Zeit vor Ort verbringen, als wenn Sie ständig bei ihnen sind und das aber zu Tode genervt, wodurch zwangsläufig Konflikte entstehen. Rational verstehen die Eltern Sie nicht mehr, wohl aber merken Sie, wenn Sie entspannt, fröhlich und freundlich sind. Das sollte auch auf die Eltern abfärben (wie Sie umgekehrt die Situation erschweren würden mit Genervtheit, Angespanntsein, Zeitdruck usw.).


    Mir scheint das ziemlich dramatisch bei Ihnen zu sein bei gleich zwei schwierigen Personen, die sich gegenseitig in ihrem Wahn verstärken; um so wichtiger ist es, daß Sie als einzig normal Funktionierende die nötige Gelassenheit aufgebracht bekommen. Muten Sie sich also immer nur solche Portionen an Anwesenheit und Belastung zu, die Ihnen im notwendigen Maß erholsamen Schlaf und Ablenkung und Gelassenheit ermöglichen.


    Denn Ihre Beobachtung "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen,am nächsten Tag war meine Mutter wohl auf ,als wäre nichts gewesen." habe ich auch schon gemacht und das zeigt doch sehr deutlich, daß wir, egal wie sehr wir uns einsetzen, nicht mehr bewirkt bekommen bei den Dementen als wenn wir es entspannter und dafür erholter angehen.


    Ich bin höchstens einmal pro Woche und dann auch nur für vielleicht zwei Stunden bei meiner Mutter, dafür aber dann tiefenentspannt, umgänglich, fröhlich, konfliktvermeidend. So ist es für sie immer eine Bereicherung, wenn ich sie besuche. Den Rest mache ich über's Telefon und versuche zu delegieren, was geht. Es gibt schließlich noch andere Menschen auf dieser Welt, die sich zum Teil sogar gerne im sozialen Berufsfeld betätigen und daher ganz gut geeignet sind für die anstehenden Aufgaben. Meine Aufgaben sind andere und solange man das den jeweiligen Fähigkeiten und Neigungen entsprechend aufgeteilt bekommt, ist es das beste für alle Beteiligten.


    Wie Sie zum Schluß schreiben:"Heute ist Sonntag, Zeit abzuschalten" ist genau der richtige Ansatz! Achten Sie auf Ihr Wohlergehen, damit tun Sie das Beste für Ihre Eltern!!

  • Guten Tag,Angehöriger,ich habe den kleinen Streit im Internet verfolgt und wollte schon gar nicht mehr schreiben,es kann ja nicht sein,dass wir uns jetzt noch mehr Probleme schaffen,indem wir jetzt im Internet uns anfeinden. Man sollte jede Meinung akzeptieren.Wir können ja nicht alle die gleiche Meinung haben,es sollte doch ein Erfahrungsaustausch sein,ich möchte erfahren,wie andere damit umgehen oder wie sie es besser machen.Auf Streitereien habe ich keine Lust.Denn ich schreibe ja nur,weil ich selbst manchmal ratlos bin.

  • Ich bin leider unterbrochen worden.Jetzt zum Thema,sie haben ja Recht,die Arbeit verteilen,wäre eine Option.Ich gege alle zwei Tage zu meinen Eltern,muss Einkaufen,da es im Ort keine Einkaufsmöglichkeit gibt.Auf einem Dorf ticken die Uhren anders,keine Kaufhalle ,kein Arzt,keine Apotheke,kein Friseur,keine Ansprechpartner,Augenarzt,Urologe ,alles muss gefahren werden,und fahren kann nur noch ich.Vieles habe ich schon organisiert,weil ich einfach überfordert war und es nur noch Streit gab,z.B.meinen Vater rasieren und baden,das setzt aber voraus,dass dies auch gewollt wird.Tablettengabe wurde auch übernommen und trotzdem bleiben noch genügend Arbeiten übrig.Mit 2 Stunden ist da nichts.Ich will ja auch,dass es ihnen gut geht.Aber ich verstehe schon,was sie mir sagen wollen,man darf dabei nicht selbst auf der Strecke bleiben. Und da haben sie Recht.Ich werde mich bemühen,noch weitere Überzeugungsarbeit leisten ,um noch weitere Aufgaben an soziale Dienste abzugeben.Vielen Dank für die gutgemeinten Ratschläge.Rosina

  • Hallo Rosina,


    auch wenn Ihre Situation schwieriger ist als meine, schreibe ich Ihnen noch etwas von meinen Erfahrungen; vielleicht können Sie ja daraus Nutzen ziehen.


    Aus Ihren Schilderungen geht hervor, daß Sie entgegen Ihrer Gewohnheit, sich täglich um die Eltern zu kümmern, mal drei Tage weg waren bei ihrem Sohn. Offensichtlich haben Ihre Eltern auch das überlebt, womit bewiesen ist, daß Sie gar nicht ständig da sein und sich kümmern müssen. Damit hätten Sie schon mal etwas mehr Freiraum für sich und würden hoffentlich aus der Gedankenspirale ausbrechen können.


    Ich renne ja auch seit eh und je gegen Widerstände bei meinen Eltern an und habe irgendwann die Konsequenz daraus gezogen, mir das nicht mehr anzutun. Worauf es mir prompt wesentlich besser ging.


    Außerdem habe ich keinerlei Streit oder Disput mehr, anders als was Sie schildern. Unser Verhältnis ist (mit zunehmendem geistigem Abbau meiner Mutter) besser denn je!


    Vor vielleicht einem halben Jahr habe ich mit manngifaltiger Unterstützung versucht, eine 24h-Kraft bei ihr zu installieren. Aber das hat sie genauso blockiert wie Teilzeit-Hilfskräfte.
    Mittlerweile hat sie so weit abgebaut, daß auch die Essensversorgung kaum noch klappt und sie fast nicht mehr aus dem Haus kommt, weil die Orientierung immer eingeschränkter ist. Nun habe ich über Inserate drei Damen gefunden, die bereit sind, sich gelegentlich um sie zu kümmern, sie zum Friedhof und in die Kirche zu begleiten, mal mit ihr zu kochen, im Haushalt zu helfen etc. . Das versuchen wir ab nächster Woche als Dauerlösung zu etablieren. Denn mit zunehmender Unfähigkeit reduziert sich der Widerstand bei meiner Mutter, so daß ich zuversichtlich bin, dieses mal mehr Erfolg zu haben als bei all den vergeblichen Versuchen in der Vergangenheit.


    Fazit für Sie: mit weniger idealen Ergebnissen bei Ihren Eltern zufrieden sein und darauf vertrauen, daß mit der Zeit Veränderungen möglich werden. Derweil Ihre Kräfte schonen. Bei dem Alter Ihres Vaters kann natürlich auch der Tod ein Ausweg aus dem Dilemma sein; mitunter geht das ganz schnell, wie ich bei einigen Leuten (u. a. bei meinem Vater und Schwiegervater) gesehen habe.


    Versuchen Sie jedenfalls den Spagat zwischen genug Distanz und trotzdem für-sie-da-sein, so daß Sie selber einsatzfähig bleiben. Möglicherweise können Sie ja für die von Ihnen erwähnten Fahrten, Einkäufe usw. ja doch Unterstützung bekommen, sei es von Ihren Kindern oder Ihrem Ehemann oder Nachbarn oder Ehrenamtlern der Kirche oder Leuten, die sich ein Taschengeld dazuverdienen wollen oder .... . Auch wenn die Rente Ihrer Eltern klein ist, wie Sie schrieben, werden sie ja vermutlich so wie meine Eltern Pflegegelder erhalten und damit läßt sich schon was anfangen, solange kein Heimplatz bezahlt werden muß.

  • Hallo an alle ,ich habe viele Beiträge gelesen und weiß auch,dass mir niemand wirklich helfen kann,Hilfe habe ich mir geholt,der Pflegedienst übernimmt jetzt 2 mal inder Woche das Rasieren und 1 mal das Duschen,mehr ist da im Moment nicht zu machen, und die Tablettengabe früh und abends ist auch organisiert,das ist schon eine enorme Hilfe,ohne Frage.
    Eigentlich dachte ich die Lage wieder besser im Griff zu haben, ich lasse mich nicht mehr auf Streitgespräche ein.Gebe immer nach und versuche alles der Krankheit zuzuschreiben.Mein Bruder hat jetzt einen Besuch beim Neurologen zu bekommen und wir haben auch einen Termin.Heute war die Hausärztin da,ich habe mir nicht getraut zu sagen,dass wir einen Neurologen aufsuchen wollen,da meine Mutter heute total freundlich die Ärztin empfangen hat und richtig gute Gespräche führte.Alles war in Ordnung.Nun ist mein Bruder sauer,weil ich nichts gesagt habe ,In der vergangenen Woche ging es meiner Mutter schlecht,sie rief früh um sieben an ,ich müsse kommen. Sie könne nicht aufstehen.Scheinbar hatte sie Tabletten von meinem Vater genommen ?Ich habe Tee gekocht,Süppchen gemacht, Mittag war alles wieder fast in Ordnung.Dann war der Nachteimer umgefallen. Ich musste alles wischen. Ich weiß nicht,ob ich das aushalte.Heute meinte einer meiner Angehörigen,dass sie zu wenig isst,sie ist so dünn geworden,ja beide essen wenig,bei dem Essen auf Rädern essen sie zusammen eine Portion,jeder Versuch zwei Essen zu bestellen ,schlug fehl. Nun bin ich vielleicht auch noch daran schuld? ICH MUSSTE MIR DAS HEUTE von der Seele schreiben,morgen werde ich es bestimmt löschen.

  • Liebe Rosina,
    ich kann Sie gut verstehen.....und manchmal tut es einfach gut, sich hier etwas von der Seele schreiben zu können.....und auch ich habe hinterher dann Beträge wieder gelöscht ;-)....


    Inzwischen glaube und erlebe ich: Demenz ist vor allen Dingen das Leid der Angehörigen.......und um die kümmert sich leider niemand.


    Viele liebe Grüße

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