Beschuldigungen

  • Hallo, meine Mutter (78) hat seit einigen Jahren Alzheimer Demenz. Mein Vater (83) kümmert sich um sie, ich wohne zwei Stunden entfernt. In der letzten Zeit häufen sich Beschuldigungen von ihrer Seite. Wenn er aus dem Haus geht beschuldigt sie ihn z.b., andere Frauen zu besuchen. Er kann damit nicht wirklich gut umgehen sondern wird sauer, versucht sie über den Verstand zu erreichen, fragt also, warum sie das meint bzw. sagt, das sei doch Blödsinn. Er ruft mich an, damit ich ihr sage, dass sie falsch liegt - kurz: ein Drama aus Streitereien, Beschuldigungen und Beleidigungen beginnt. Mein Vater hat zwar theoretisch verstanden, was es mit der Demenz auf sich hat, reagiert aber immer wieder so, als würde meine Mutter ihn mit Absicht ärgern - ein Teufelskreis. Wie kann er denn auf Beschuldigungen gut reagieren, so dass beide gar nicht erst in diese Beleidigungs-Beschuldigungs-Spirale gelangen? Danke für eine Info und schöne Grüße, Susanne

  • Guten Abend Alpenliebe,


    vermutlich ist ein radikales Umdenken Ihres Vaters notwendig. Ein Antrainieren einer ganz anderen Verhaltensweise als bisher.
    Es gibt einiges an Informationsmaterial dazu, auch hier im Forum finden Sie / findet er so manches zum Nachdenken.


    Eines dürfte aber klar sein: es wird ein regelrechtes Training nötig, um die gewohnten Pfade zu verlassen. Einfach so mal eben schnell klappt das nicht.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Alpenliebe,
    gibt es eine Alzheimer-Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe? Dort fänden sich vielleicht Anregungen, wie Ihr Vater mit den Beschuldigungen umgehen könnte... und vielleicht könnte er auch durch den Kontakt mit anderen Angehörigen das Wissen verinnerlichen, dass leider nicht wenige Erkrankte phasenweise bestimmte Wahnideen entwickeln, gegen die anzudiskutieren man keine Chance hat.
    Ich würde ihm raten, eine emotionalisierte Standardantwort in solchen Situationen auszuprobieren (Der Inhalt hängt natürlich davon ab, wie Ihre Eltern früher miteinander umgegangen sind, wie offen sie miteinander etwa über Gefühle geredet haben), wie etwa: "Was du sagst, macht mich sehr traurig. Du weißt doch, dass ich dir immer treu gewesen bin und nur dich liebe!" Dann würde ich an seiner Stelle den Raum, bzw. die Situation verlassen (Devise: Vorwurf-Spirale unterbrechen und hoffen, dass das Kurzzeitgedächtnis sie den Ärger vergessen lässt). Es hilft rein gar nichts, sich in eine Diskussion einzulassen, Ihr Vater kann hundertmal Recht haben bzw. gute Argumente und Erklärungen vorbringen - sie werden bei Ihrer Mutter nicht ankommen.
    Oder wie würde Ihre Mutter reagieren, wenn er sagen würde: "Tut mir leid, dass ich dich kurz alleine lassen musste, aber jetzt bin ich wieder da...", und sie dann einfach in den Arm nähme und sich gar nicht auf eine solche Diskussion einlassen würde - sie stattdessen um weibliche, hausfrauliche... Hilfe und Kompetenz bei etwas bitten würde, was sie noch gut kann (er vorgeblich oder tatsächlich aber nicht: einen Kragen richten, einen Knopf annähen, etwas bügeln...)? Die Devise wäre hier Ablenkung, und der Appell an ihre Hilfsbereitschaft, Könnerschaft, Eitelkeit, was auch immer.
    Oder was wäre, wenn er mit ihr einen Walzer improvisieren würde zu gemeinsamer Lieblingsmusik?
    Vielleicht hilft irgendeiner dieser Ansätze?


    Ich drücke Ihnen die Daumen!
    S. Sachweh

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