Geschlossene Abteilung

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  • Hallo,
    meine Mutter ist in die gerontopsychiatrische Abteilung eingewiesen worden (Beschluss vom Amtsgericht). Sie hat Alzheimer Demenz und keine Krankheitseinsicht. Ihre Aggressivität ist mit Medikamenten nicht mehr vorhanden. Sie baut aber extrem ab und leidet unter extremen Schlafstörungen. Sie ist quasi nur noch ein Häufchen Elend.
    Jetzt soll sie entlassen werden, aber da sie nur 1Stunde schläft, weiß ich nicht wie mein Vater und ich das schaffen sollen. Ich bin Vollzeit berufstätig. Wir stehen auf der Warteliste von diversen Heimen.
    Die Ärztin möchte, dass sie per Amtsgericht in eine geschlossene Abteilung kommt. Da ich mittlerweile in der Psychiatrie wirklich aggressive Patienten gesehen habe, sehe ich meine Mutter da nicht. Sie hat extrem Angst vor lauten Personen.
    Weiß jemand wie lange und wie oft das Amtsgericht über den Aufenthaltsort verfügen kann?
    Mein Vater und ich haben eine Vollmacht.
    Ulli

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Nautilus, ein richterlicher Beschluss wird immer nur für eine bestimmte Zeit ausgestellt und muss dann überprüft werden. Bitte schauen Sie sich die Unterlagen genau an. Bestehen Fragen, haben Sie ja alle Vollmachten, sich an das Betreuungsgericht zu wenden. Ein anderer Ansprechpartner wären Betreuungsvereine oder Betreuungsstellen.


    Aus Ihrer Beschreibung kommen mir noch zwei Fragen:
    1. Ein so gravierenden Abbau, wie Sie ihn von Ihrer Mutter beschreiben hat häufig Ursachen. Ist es eine Nebenwirkung der Medikation, sollte dies überprüft werden. Häufig wird durch eine solche "neuroletische Sensibilität" die sogenannte Lewy Körper Demenz erst erkannt, die besonders behandelt werden kann. Sie könnten fragen, ob diese Diagnose ausgeschlossen wurde.


    2. Sie beschreiben Ihre Mutter als ängstlich und wir wissen, dass oft die Angst hinter Verhaltensweisen steht - wissen die Ärzte von Ihrer Beobachtung?


    Sie stehen unter einem großen Entscheidungsdruck und die Wartezeiten der Heime werden immer länger, weil Pflegekräfte fehlen. Deshalb kann es sinnvoll sein, erstmal das von der Klinik vermittelte Heim zu nehmen, sodass Sie mehr Zeit haben, sich um eine Alternative zu kümmern. Ein geschlossenes Heim ist keine Endstation, auch dort muss der Beschluss regelmäßig überprüft werden und das gesetztlich Ziel ist eindeutig, Zwangsmaßnahmen zu begrenzen und zu vermeiden!
    Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,
    Vielen Dank für ihre Antwort. Mittlerweile ist meine Mutter in einer geschützten Einrichtung mittels Gerichtsbeschluss untergebracht. Das Amtsdeutsch und die Bürokratie machen die Sache für mich als Angehörigen nicht leichter. Das Problem ist auch, dass sowohl Ärzte als auch Verfahrenspfleger am längeren Hebel sitzen, wie befürchtet. Mittlerweile haben wir einen schönen Platz gefunden. Das erste Heim haben wir abgelehnt und sind auf Unverständnis gestoßen. Wie wir es wagen könnten einen Platz abzulehnen.
    Ich bin gespannt, was uns noch alles erwartet. Der Pflegeheimplatz liegt nämlich in einem anderen Amtsgerichtsbezirk.
    Des Weiteren sind wir gespannt auf den erneuten Besuch des MDK. Wir haben Widerspruch gegen die Einstufung des Pflegegrades eingelegt .
    Allerdings kämpfen mein Vater und ich gerade mit dem unguten Gefühl meine Mutter ins Pflegeheim „abgeschoben“ zu haben.
    Viele Grüße Ulli

  • Hallo Nautilus,


    gerade dieses Gefühl, was Sie beschreiben, braucht eine genaue Analyse.


    Das Gefühl, dass man jemanden abgeschoben hat, ist nur ein Gefühl von mehreren. Es hat dann seine Berechtigung, wenn man die nötigen psychischen als auch körperlichen Ressourcen besitzt, um das Leben eines Menschen mittragen zu können, der eine "Rundumbetreuung" braucht. Es geht dabei nicht nur darum, dass man für den anderen da sein kann, ihm behilflich sein kann, ihn trösten kann, wenn etwas nicht funktioniert, sondern es geht darum, immer präsent zu sein, sein Leben komplett auf den anderen einzustellen und das nicht nur für acht Stunden am Tag, sondern vielleicht für zwölf bis zwanzig oder mehr Stunden täglich. Und dann stellt sich automatisch die Frage, welche Bedürfnisse hat man selbst, die dringend befriedigt werden müssen, weil man sonst psychisch und körperlich auf der Strecke bleibt.
    Die Gegenüberstellung der Ressourcen, die man tatsächlich besitzt und die man frei geben kann, zu denen, die der Kranke von einem einfordern wird, dürfen nicht allzu weit auseinander liegen. Man macht sich sonst selbst krank, aber auch den anderen, wird man dann nicht nur gut behandeln können, weil man einfach nicht alles ertragen kann, auf Dauer.


    Wenn man nach acht Stunden Arbeit heimgehen kann und man seine Auszeiten finden kann, dann ist das etwas anderes, als wenn es danach noch weiter geht.


    Es ist im Leben wichtig, dass man allen Gefühlen Raum gibt und vor allem auch den Ressourcen, die man tatsächlich besitzt, die nötige Aufmerksamkeit schenkt. Es ist keinem geholfen, wenn man sich hier selbst belügt.


    Liebe Grüße an Sie

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Nautilus, meine Gedanken zum schlechten Gewissen haben Sie sicher schon in den anderen Chats gelesen. Natürlich muss ein Verfahrenspfleger nicht begeistert sein, wenn Sie einen Vorschlag aus guten Gründen ablehnen, aber wenn alle Beteiligten damit professionell umgehen, sollte das eigentlich kein Problem sein.
    Für die neue Pflegebegutachtung noch ein Tipp. Sie haben sich sicher die Fragen aus der Begutachtung angesehen: Es ist nie "selbständig" wenn eine Person für eine Tätigkeit z.B. zur Anleitung oder Aufsicht anwesend ist oder eine regelmäßige Unterstützung in irgendeiner Form erforderlich ist - wie der Batteriewechsel eines Hörgerätes...
    Ihnen viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

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