Unbedingt wieder nachhause...

  • Guten Tag,
    zunächst herzlichen Dank , dass ich in diesem Forum um Rat fragen darf! Ich habe schon einiges versucht aus den Themen für mich zu finden, würde aber gerne mein persönliches Problem schildern mit Hoffnung auf Antworten:


    Meine Mutter (89) ist seit einigen Jahren pflegebedürftig aufgrund körperlicher und psych.Beschwerden wie Schultergelenksarthrose, ANtriebsarmut, depr. Phasen Herzinsuffizienz und nun nachlassende geistige Fähigkeiten. Sie wurde von ambulanten Maßnahmen wie Pflegedienst 2mal/täglich betreut sowie ganz viel Einsatz meiner Schwester im gleichen Wohnort. Nun gab es innerhalb von 6 Mon. drei Vorfälle mit KKH (Herzprobl., zwei Stürze mit heftigen Verletzungen der Arme, zuletzt Gipsarm rechts für 6 Wochen), immer wieder viel Aufregung und zusätzlicher Pflegebedarf. Nach der 1. Verletzung war sie nahe meiner Heimat in einem guten Pflegeheim für 6 Wochen, fand es toll dort und sagte, wenn sie jemals ins Pflegeheim müsse, dann dorthin, hatte gute Kontakte und es war wie Urlaub für sie. Nun gab es 2,5 Mon.nach ihrer Rückkehr nachhause den nächsten Sturz mit Gipsarm (s.o.) und wir waren froh, dass sie im gleichen Heim einen Platz bekommen konnte, heimatnah war nichts zu machen. Gleichzeitig haben sich bei meiner Schwester große gesundheitliche und nun auch familiäre Probleme ergeben, sie kann und soll verständlicherweise die Betreuung nicht mehr weiter übernehmen. Dies kann meine Mutter jedoch nicht akzeptieren und ist überzeugt, sie komme auch allein klar. Immer häufiger merken wir falsche Selbsteinschätzung, von den Pflegern nun so bestätigt, sie fand nach drei Mon.ihr Zimmer noch nicht selbstständig, ist zeitlich nicht immer richtig orientiert und hat heftige Stimmungsschwankungen. Im Heim wirkt sie zufrieden und gut integriert, uns Fam.angehörigen gegenüber ist sie nun vorwiegend aggressiv und gereizt, hat nur 1 Thema, wie sie am schnellsten nachhause kommt, sagt sie weine viel wegen Heimweh.
    Leider ist sie bei diesem Aufenthalt auch auf einer anderen Etage, wo weniger noch orientierte Bewohner sind, ein Etagenwechsel in die Gruppe vom Sommer war nach den ersten Wochen möglich, lehnte sie aber vehement ab. Auch die meisten Angebote des Hauses, wo sie die Bekannten vom Sommer treffen könnte, lehnt sie konsequent ab, dort seien nur Verrückte...


    Ich selbst wohne fast 2 Std. Autofahrt vom Heimatort entfernt und bin nur sehr eingeschränkt belastbar, habe meinen krebskranken Mann mehrere Jahre gepflegt bis zum Tod, selbst chron.Erkrankung.
    Nun habe ich mich erkundigt nach 24Std.Pflege, die meine Mutter bislang noch ablehnt, weil sie eben zunehmend meint allein klarzukommen. Dafür müsse jedoch auch ein Angehöriger für gemeinsame Einkäufe u.ä. greifbar sein, wurde mir gesagt. Auch für einen evtl. erneuten Sturz muss ja gesorgt sein - es gab schon etliche bei zunehmender Gangunsicherheit - und ich schaffe dies nicht aus der Entfernung.


    Nun ist es so, dass meine Mutter bei jedem Anruf oder Besuch meinerseits Diskussionen und Vorwürfe beginnt, auf die ich versuche, nicht einzusteigen. Habe ihr die Situation mehrfach erklärt, jedesmal hat sie sich bedankt, dann wisse sie jetzt, wie sie dran ist, um zwei Tage später erneut damit anzufangen.
    Mich belastet dies sehr und ich bin zum einen unsicher, ob ich sie weiterhin 1-2mal/Woche besuchen soll oder mich mehr zurückziehen? Zum anderen weiß ich, dass wir meine Mutter eigentlich nicht gegen ihren Willen im Heim belassen können, allein macht sie sich aber nicht auf den Weg, kann eh nur max. 100m am Stück laufen wegen der Herzbeschwerden.
    Meine Schwester kriegt Panik bei dem Gedanken, dass meine Mutter zurückkehrt, in welcher Form auch immer, da sie bereits meinen Vater (2018 verst.) mit Alzheimer vor wenigen Jahren sehr aggressiv erlebt hat, er wurde auf richterlichen Beschluss nach stat.Psychiatrie in ein geschl. (sehr gutes) Heim verbracht. Meine Schwester ist damit seit über 10 Jahren sehr belastet und nun wird eben bei meiner Mutter ebenfalls von Demenz ausgegangen. Da sie bereits zweimal den Neurologen abgelehnt hat, des Zimmers verwiesen, konnte er keine klare Diagnose stellen. Zuvor war meine Mutter ein liebevoller Mensch.
    Sowohl meine Schwester als auch ich haben die Vorsorgevollmacht für meine Mutter.


    Ich wäre sehr dankbar für Hinweise.
    Herzliche Grüße
    Rose

  • Hallo Rose60,
    nach allem, was Sie geschildert haben, kann ich Ihren Entschluss, die Mutter in ein - offensichtlich gutes - Heim zu geben, nur unterstützen.
    Sie haben damit die Verantwortung übernommen, die Ihnen aufgrund der Vorsorgevollmacht auch obliegt.
    Haben Sie denn eine Idee, was den "Sinneswandel" der Mutter gegenüber dem Heim ausgelöst haben könnte? Es wäre ja schön, wenn man an die ersten Erfahrungen dort anknüpfen könnte.
    Versuchen Sie doch einmal, vieleicht mit Unterstützung des Pflegepersonals, zu rekonstruieren, was denn zur guten Resonanz der Mutter beim ersten Aufenthalt geführt hat - und was nun anders ist.


    Gut möglich, dass die Ursache auch gar nicht in äußeren Umständen zu finden ist. In diesem Falle gilt es heraus zu finden, was die Akzeptanz des neuen Wohnortes denn steigern könnte.
    Sie sollten sich jedenfalls nicht "erpressen" lassen, Ihren Entschluss rückgängig zu machen. Da sollten sich beide Schwestern einig sein.
    Signalisieren Sie der Mutter, dass Sie auch zukünftig für sie da sein werden und dass Ihre Besuche nicht weniger werden.


    Viel Kraft dafür wünscht Ihnen


    Klaus-W. Pawletko

  • Guten Tag, Herr Pawletko,
    zunächst herzlichen Dank für Ihre Antwort. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass Sie meine Handlungsweise mit der Unterbringung im Pflegeheim als Annahme meiner Verantwortung positiv sehen. Ich bin da selbst sehr im Konflikt, da meine Mutter momentan sich uns gegenüber so unglücklich zeigt.


    Der Unterschied zum Sommer ist m.E. darin zu sehen, dass fast immer sommerliches Wetter war und meine Mutter nach draußen in den Garten gehen konnte und einige gut orientierte Bewohner kontaktieren konnte, sie konnte offensichtlich noch besser auf diese zugehen. Doch es war eben auch zeitlich absehbar mit 6 Wochen und nun ist sie seit 1. Okt. wieder dort, auf der anderen Etage wie gesagt.
    Meine Mutter könnte jedoch jederzeit auf die vorherige Etage gehen um die Bewohner zu besuchen, auch hatten die Mitarbeiter angeboten mitzugehen als Erleichterung. Doch ihre vorherrschende Angst ist, dass sie nicht mehr in die vertraute Umgebung zuhause zurückkann und es lohne sich nicht, im Heim mehr "anzukommen", da sie eh nicht bleiben will. Auf Außenstehende wirkt sie allerdings nicht dement, ist in Gesprächen oft noch sehr präsent, doch man kann sich überhaupt nicht darauf verlassen, dass sie am nächsten Tag noch etwas davon weiß oder hat vieles ganz falsch verstanden.
    Da meine Mutter die Demenz meines Vaters sehr hautnah mitbekommen hat, hat sie offensichtlich noch verstärkt Angst vor der Diagnose und meint nun, die anderen "Verrückten" im Heim würden sie anstecken.
    Mir persönlich macht diese Entwicklung jedoch auch tatsächlich Angst, da ich mit den (bislang verbal) aggressiven Reaktionen nicht gut klarkomme . Mir wurde gesagt Diskussionen führen zu nichts, es gebe keine Einsicht, doch andere Gesprächsthemen gibt es bei Besuchen oder Anrufen fast gar nicht mehr. So traue ich mich immer öfter nicht mehr dorthin.
    Traurige Grüße
    Rose

  • Hallo Rose, gut dass Sie wissen, dass die Diskussionen und Rechtfertigungen nichts bringen und sich die Unzufriedenheit Ihrer Mutter eher in den Gesprächen mit Ihnen und weniger im Heim "entladen" oder eben (nur) ein Zeichen der Trauer sind, wenn Ihre Mutter sie hört oder sieht.
    Auch ich möchte Sie in Ihrer Entscheidung bestärken. Wenn Sie Vertrauen zu den Beobachtungen aus dem guten Heim haben, kann es auch richtig sein, für den neuen Übergang mit den Besuchen zu warten, bis Sie es ganz ohne schlechtes Gewissen machen können. Manchmal erleben wir, dass Menschen mit Demenz dann in eine aggressiv-depressiv gestimmte Lage kommen, wenn sie ein schlechtes Gewissen wahrnehmen.
    Ein gutes Zeichen ist, wenn Ihre Mutter tatsächlich in den Telefonaten einsieht, dass alles gut ist, je schneller desto besser. Da hilft es oft, wenn Sie erst den Ärger anhören, trösten und dann erklären, warum es so ist. Wegen der Demenz ist es doch normal, dass dies alle paar Tage nötig wird.


    Zuerst ist jetzt Ihre Gesundheit und die Ihrer Schwester wichtig, denn wenn Sie wieder Kraft haben, tut das Ihrer Mutter viel besser, als die jetzigen Diskussionen oder?
    In diesem Sinne gute Erholung und viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Guten Tag, Herr Hamborg,
    vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen mir zu antworten!
    Ich habe vor ein paar Tagen auch gemerkt, dass mein Besuch bei meiner Mutter leichter verläuft, wenn es mir gut geht. Die Emotionen scheinen sich zu übertragen, so dass wir ein lockeres Gespräch mit Spaziergang und sogar nach langer Zeit mal wieder gemeinsamem Lachen hatten. Ich muss da wohl selbst noch einiges dazu lernen, auch wenn es mir manchmal noch schwerfällt, nicht alles persönlich zu nehmen.
    Trotz dieses lockeren Nachmittags habe ich nun erfahren, dass meine Mutter rumerzählt, ich hätte sie unter Vorspielung falscher Tatsachen ins Heim gebracht - obwohl ich alles genau erklärt hatte bei Abholung... Im Heim sagte man mir, es sei nun eine für die Angehörigen oft sehr belastende Demenzphase. Ich versuche weiter zu lernen ;)


    Mit herzlichen Grüßen
    Rose

  • Art Demenz ( starke stamhirn Blutung)
    Habe ein Problem.
    Ich pflege meine frau zeit 3 Jahren habe seit 9.6.019 keine Einkünfte habe mich so über Wasser gehalten bis Dezember da habe ich Hartz 4 beantragt und die wollen das unser haus verkauft werden soll, weil wir 11 qwardrat Meter Wohnfläche zu viel haben
    Ich habe irgendwo gelesen das mann Demenz kranke nicht aus seiner gewohnten Umgebung raus nehmen sollte, da sich das kranken bild verschlechtern kann?
    Bräuchte darüber schrift Stücke oder Texte, internet seiten wo ich mir sachen ausdrucken oder kopieren kann was ich dem sosial Gericht vorlegen kann.
    Ich bedanke mich bei allen die mir Hinweise geben können
    Mit freundlichen Grüßen Renate & H. W. KLINGEL

  • Hallo Rose, es freut mich sehr, dass es Ihnen gelungen ist, so schnell positive Erfahrungen zu sammeln und dass die Mitarbeiter im Heim sie bestärken, die Äußerungen nicht persönlich zu nehmen!!


    Hallo HWK, Ihren Wunsch nach gerichtstauglichen Schriftstücken als Beweismittel kann ich gut nachvollziehen. Sie werden viele Anregungen bekommen, wenn Sie sich in dieses Forum einlesen.
    Aber einen wissenschaftlichen Beweis werden Sie nicht finden, denn jede Herausforderung, jeder Mensch ist anders. Deshalb suchen Sie sich bitte persönliche Unterstützer vor Ort, die Ihnen beistehen. Fragen Sie z.B. bei dem Seniorenbeirat nach, bei einer Beratungsstelle oder einem Betreuungsverein.
    Rechtliche Auskünfte und Ratschläge können, wollen und dürfen wir auf diesem Forum nicht leisten. Aber da können Sie sich im zweiten Schritt an die Fachleute in Ihrer Gegend richten.
    Aber wenn Sie den Eindruck haben, dass wir Ihnen in diesem Forum auf andere Art beistehen können, schreiben Sie uns gern, am besten in dem Sie ein neues Thema einbringen.
    Ihnen viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

  • Hwk
    Googlen Sie doch mal mit den Begriffen "Behinderungsbedingter Mehrbedarf Wohnraum". Vllt finden Sie dort etwas, was auf Ihre Situation passt. Abgesehen davon kann ich Ihnen auch nur raten, sich unbedingt rechtlichen Beistand zu suchen.
    Viel Erfolg und alles Gute.

  • Hallo Herr Hamborg,
    Ich habe Ihren Bericht gelesen,den Sie an frankenfischkopp gesendet haben.
    In diesem schreiben Sie,daß die Schilderungen über den Krankheitsverlauf des Vaters Ihrer Meinung nach nicht in Richtung Demenz gehen,sondern eher nach einem Delir oder einer organischen Wahnerkrankung klingen.
    Wo bitte ist hier der Unterschied?
    Ist nicht beider Ursache eine Degeneration der Nerven?
    Es gibt doch die Lewykoerperchendemenz mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen! !!
    Ich möchte Ihnen kurz ein paar Anekdoten meiner Mutter erzählen und hätte gerne eine Antwort von Ihnen☺.
    Letzten Montag bin ich beim joggen bei ihr vorbeigelaufen und habe mich kurz mit ihr unterhalten.
    Zu Hause angekommen klingelt das Telefon.
    Am Apparat meine Mutter ,die mich fragt,warum ich eben zu ihr gesagt hätte, sie sei ein Arschloch (ein Wort, welches meine Mutter noch nie in den Mund genommen hat).
    Ich sage zu ihr,daß ich so etwas noch nie gesagt habe und auch nie zu ihr sagen würde.
    Darauf sie:aber ich habe das doch gehört. !!??
    Vor Weihnachten wollte ich ihr die Haare färben-hat sonst immer problemlos geklappt.
    Es War nicht möglich -die Haare wären beim letzten färben viel zu dunkel geworden (stimmt natürlich nicht!!),und jeder hätte das zu ihr gesagt,ihre Haare seien viel zu dunkel??
    Wer ist jeder?
    Meine Mutter geht so gut wie gar nicht mehr vor die Tür und hat überhaupt keinen Kontakt mehr zu Nachbarn.
    Wenn ich sie frage,was ihr Zittern (LBD?!)macht,dann sagt sie:wenn "DIE"mich in Ruhe lassen und mir nichts tun,dann zittere ich gar nicht!!??
    Was ist das für eine Krankheit! ??
    Für mich ganz klar Demenz -sehen Sie das anders?
    Bin Ihnen für eine Rückmeldung sehr dankbar.
    LG
    Barbara

  • Hallo Barbara66, zunächst zu Ihrer Frage: Demenz und Delir sind völlig unterschiedlicher Erkrankungen. Früher hat man das Delir als "akute Verwirrtheit" oder "Durchgangssyndrom" bezeichnen, diese beiden Begriffe machen den Unterschied ganz gut deutlich. Bei einem Delir gibt es immer eine Ursache, durch die das Gehirn auf "verwirrt" schaltet. Nach einem Alptraum brauchen wir auch etwas Zeit um Wirklichkeit und Traum zu unterscheiden - beim Delir gelingt dies nicht, weil die Biochemie im Hirn gestört ist. Verständnis, Ruhe und Zuwendung sind wichtig, aber je schwerer die Symtome - die wie eine plötzliche Demenz oder eine plötzliche Psychose (Wahn oder Schizophrenie) aussehen - desto mehr sind die Medikamente notwendig, die auch gegen eine (nicht organische) Psychose gegeben werden. Aber es ist ein vorübergehender Zustand an den sich die Menschen z.B. nach einer Operation erinnern können und sich für den "Durchgang" oft sehr schämen.
    Auf jeden Fall muss die Ursache erkannt und behandelt werden!


    Aber das Risisko eines Delirs steigt mit dem Fortschreiten einer Demenz: "Kleine" Einflüsse können eine verstärkte Verwirrtheit auslösen: Zu wenig oder zu viel trinken, Krankheiten wie Harnwegsinfektionen oder eine (zunächst nur durch die Verwirrtheit zu erkennende) Lungenentzündung. Bestimmte Medikamente können im Alter ein Delir auslösen und stehen deshalb auf einer "schwarzen" Liste, der Priscus-Liste, die Sie auch im Internet finden. Nicht immer halten sich die Ärzte daran!


    Nun zu dem Beispiel Ihrer Mutter: Eine Diagnose zu "seltenen Demenzformen" gehört in die Hand eines Facharztes. Sie sprechen von einer "Lewy-Körper-Demenz", bei der - so wie bei Ihrer Mutter - ausgeprägte optische Halluzinationen und Wahnsymptome auftreten. Es ist eine chronische Erkrankung und kein akutes Delir und es fehlen andere typische Demenzanzeichen. Eine ausführliche Diagnostik ist ganz wichtig, denn Mittel gegen die Demenz wirken oft sehr gut, während die Mittel gegen ein Delir oder einen Wahn gravierende Nebenwirkungen haben!
    Im Forum Prävention Diagnose und Therapie finden Sie zu diesem Krankheitsbild viele Beiträge, die Sie mit meinen etwas vereinfachten Erklärungen vielleicht besser einordnen können.
    Deshalb hoffe ich, dass Ihrer Mutter sehr schnell ärztlich geholfen wird und Sie Tipps beikommen, wie Sie am besten mit ihr umgehen können. Ihr Martin Hamborg

  • Hallo zusammen,
    ich möchte gerne mein Thema vom Januar nochmals aufnehmen, da mir der Austausch und das Lesen hier im Forum gut getan hatten.
    Ab Februar hatte ich mit meiner Mutter bei meinen Besuchen im Heim eine leichtere Zeit, vermutlich weil ein vom Neurologen verordnetes minimales Antidepr. sich positiv auswirkte. Sie sagte öfter vorsichtig "aber irgendwann will ich wieder nachhause" und ich antwortete dann immer "ich weiß, Mama", dann Themenwechsel bei guter Stimmung.


    Meine Mutter hatte dann einzelne gute Kontakte im Heim und schien sich wohler zu fühlen. Meiner Schwester hat sie es allerdings deutlich schwerer gemacht, sie aus der Verantwortung zu entlassen, doch das ist deren Thema.


    Nun ist es aktuell wieder ein größeres Thema, vermutlich durch die Corona-Einschränkungen, die Bewohner dürfen ja nicht mehr aus dem Haus, also keine Cafe-Besuche mit mir oder Besuche bei mir zuhause, keine Gottesdienste im Haus, Friseur etc.
    Und vllt kommen so wieder die gefühlt schöneren Erinnerungen an "zuhause".
    Gestern sagte meine Mutter, sie merke doch selbst, dass sie vergesslicher wird, das sei durch das Einerlei im Heim - sie mag aber weder am Singen noch an Spielen teilnehmen, einzige Aktion ist mit anderen reden und im Zimmer vor sich hin dösen. Das Gedächtnis ist nun regelmäßig deutlich schlechter, die Pfleger sagen, ohne Aktivierung und Vorgaben hätte meine Mutter keinerlei Tagesstruktur.
    Nun konnte ich in einem etwas längeren, aber sehr ruhigen und sachlichen Gespräch gestern mit ihr erklären, dass man nun durch Corona noch schlechter ausländ.Pflegekräfte für zuhause bekomme und meine Schwester wird keine Betreuung wieder aufnehmen wie zuvor lange Jahre. Im Heim hier hat sie täglich mehrere Gesprächspartner, sie ist sehr gesellig, kann aber die Konsequenzen überhaupt nicht mehr übersehen.


    Trotzdem fällt es mir auch nun wieder schwer, mich über ihren Wunsch hinwegzusetzen, heute geht es mir schlecht damit. Andererseits bin ich mir nun noch sicherer, dass die Art der Betreuung aus meinen Augen die richtige ist. Schade ist, dass ihre Freundin sie aufgrund der Entfernung hier nicht besucht.
    Ich gehe regelmäßig 1mal/Wo. hin, konnte auch die letzten Wochen zum Glück über den Gartenzaun mit ihr sprechen und Kontakt halten.
    Was ist das bloß, dass mein Gewissen so zermürbt??
    Auf den ersten Blick wirkt meine Mutter (fast 90J.) weiterhin orientiert auf andere, hat aber nun nahezu keinerlei Antrieb mehr, würde zuhause, wie schon zuvor, absolut nichts mehr machen - nur eben in ihren Gedanken... Da macht sie noch ganz viel und fühlt sich ungerecht behandelt.


    Ich wäre dankbar, wenn mir jemand etwas dazu sagen könnte.
    Lieben Gruß
    Rose

  • Hallo Rose,


    ich kann Ihr schlechtes Gewissen gut nachempfinden.
    Gerade was die Bedürfnisse eines älteren Menschen oder die eines Kindes angeht, man fühlt, als nahe stehender Verwandter, mit, weil diese hier auf Hilfe angewiesen sind. Und gerne sieht man die Bedürfnisse seiner Liebsten erfüllt.


    Es freut mich zu lesen, dass sich ihre Mutter im Heim doch recht gut eingelebt hat. Die Corona-Sache erschwert natürlich alles wieder.
    Es ist jetzt nicht mehr optimal, sondern langweiliger für Ihre Mutter. Aber Zuhause wäre es noch langweiliger. Leider trifft es auch die älteren Personen, dass sie Einschränkungen erleben. Ich erlebe das auch in meinem Umfeld, dass dies einigen schwerer fällt als anderen. Je nachdem, wie man das Leben vorher gelebt hat, fallen bei dem einen, die Einschränkungen kaum auf und andere wiederum, leiden stärker darunter.


    Auch das Gespräch, welches Sie mit Ihrer Mutter geführt haben, hat schon geholfen, damit mehr Verständnis da ist. Trotzdem erlebt sie jeden Tag ihre Einschränkungen. Ich würde sie vertrösten, dass es auch bald zu mehr Lockerungen kommen wird. Auch meine Schwiegermutter weiß, dass sie wegen Corona, nicht mehr schwimmen gehen kann. Sie kann das schon seit zwei Jahren nicht mehr, aber sie glaubt, dass sie erst jetzt nicht mehr kann, weil die Hallenbäder zu sind. Und das versteht sie durchaus. Deshalb auch ihr Rückenweh.


    Vielleicht helfen Vertröstungen. Es gibt Heime, in denen es zwar keine Gruppenstunden mehr gibt, dafür aber eine individuelle Betreuung. Macht Ihre Mutter irgendetwas gerne, wie Musik hören, Handarbeit, Landschaftbilder schauen? Kann man hier etwas machen?


    Leider kann ich nicht mehr dazu beitragen, aber ich würde das schlechte Gewissen etwas eindämmen, denn die äußeren Umstände entscheiden viel mit, ob Bedürfnisse erfüllt werden können oder ob man erst einmal Vertröstungen und einen Ersatz für eine gewisse Zeit hernehmen muss. Und das kann man nicht so einfach verändern. Und das schlechte Gewissen hilft dann auch nicht weiter, denn jedes Bedürfnis braucht eine reale Ressourcenquelle. Das gibt es im Moment nicht in ausreichendem Maße und früher hat es das für Ihre Mutter auch nicht mehr gegeben in Ihrer Wohnung.


    Sind ehrenamtliche oder bezahlte Seniorenhelferinnen im Heim auch nicht gestattet? Kann Ihre Mutter noch gut telefonieren? Würde ein tägliches Telefongespräch ihr vielleicht helfen? Bei manchen älteren Menschen hilft das oftmals noch. Die Freundin kann ja auch anrufen.


    Liebe Grüße an Sie und an alle, die hier mitlesen

  • Hallo Teuteburger,
    herzlichen Dank für Ihre lieben Worte und ihr Verständnis.
    Mir ging es ein paar Tage recht schlecht mit meiner deutlichen Ansage, dass es nun noch bestimmt 1 weiteres Jahr mit den Corona-Einschränkungen auf und ab gehen kann und wir keine ausl.Pflegekraft und damit keine Rückkehr für meine Mutter erwirken können. Nun scheint es eher so zu sein, dass ihr dies sogar gut getan hat. Vllt muss sie jetzt nicht dauernd überlegen, ob sie es zuhause noch schafft, wann es nachhause geht etc.
    Als ich sie heute anrief, war sie auffallend gut gelaunt und sagte, ihr gehe es im Heim ja wirklich gut, das könne sie nicht anders sagen - puh, da war ich nun sehr froh.
    Dann war sie in einem anderen Zusammenhang erstaunt, dass "die Krankheit" immer noch nicht weg ist - mir wird in den letzten Wochen der geistige Rückgang immer deutlicher. Auch fragte sie mich, wie so oft in den letzten Monaten, wie alt ich nun eigentlich sei. Also im direkten Gespräch noch sehr präsent und deutlich jünger aussehend, daher konnte sie auch Pfleger lange etwas blenden.
    Doch damit ist unsere Entscheidung unnachgiebig zu bleiben, doch bestätigt. Ich finde es für mich selbst oft schwierig, den gleichen Menschen vor mir zu haben und dann oft so verändertes Verhalten etc.


    Bzgl. Ihrer Anregungen zu Beschäftigung muss ich sagen, dass meine Mutter bestenfalls zu hausinternen Konzerten geht(findet ja momentan kaum statt) und gerne redet, über ihr Leben, ihre Familie etc. Kein Musikhören mehr, kaum mal in einer Zeitschrift blättern, abends ein bisschen fernsehen, döst aber viel auf dem Stuhl ein und viel Bedarf nach Ruhe. Die ehrenamtl. Besucher dürfen noch nicht wieder ins Haus.
    Ich habe ihr ein Fotoalbum von mir als Kind und Jugendl. übergeben, das hat sie gefreut. Ich denke, in dieser Richtung werde ich weitermachen.


    Telefonieren kann sie grundsätzlich, doch keine längeren Gespräche mehr aufrechterhalten, keine Themen mehr.
    Jedenfalls sieht meine Mutter nun auch entspannter und gesünder aus also noch in der Zeit zuhause.
    Ich hoffe nun sehr, dass die Zufriedenheit weiterhin überwiegt.


    Sie haben schon recht, dass man es mittlerweile mit kindl. Verhalten vergleichen kann. Das fällt mir teilweise noch schwer anzuerkennen, ein Lernprozess irgendwie.


    Ich grüße Sie herzlich, wie auch andere Leser!
    Rose

  • Hallo Rose,


    danke Ihnen für die Rückmeldung. Dann geht es Ihrer Mutter doch recht gut im Heim und sie kommt trotz Corona auf ihre Art und Weise zurecht.
    Das entlastet Sie ein bisschen und das macht es leichter. Ich hoffe auch, dass es bei uns auch einmal so sein wird.


    Sie haben Recht, es ist nicht leicht die Veränderungen in einem Menschen wahrzunehmen. Ich tue mich da auch schwer.
    Auf der anderen Seite frage ich mich zusätzlich, was hat derjenige, der dement wird, vorher für Lebensinteressen gehabt und wie ist er tatsächlich mit Konflikten umgegangen und wie hat er sich selbst darinnen erlebt. Und ich frage mich, wie sehr hat derjenige seine eigenen Bedürfnisse gekannt und sie gelebt. Und was bleibt davon übrig, wenn alles äußere sich verändert und weg fällt. Und wie würde es einem dann selbst gehen. Woran hält man fest, was würde man am liebsten loswerden. Es besteht hier noch viel Forschungsbedarf.


    Liebe Grüße an Sie und ich wünsche Ihnen, dass es weiterhin so positiv bleibt

  • Hallo zusammen,
    irgendwie komme ich mit "diesem" Thema nicht so recht weiter, meine Mutter macht besonders bei mir in den letzten Wochen wieder immer mehr Druck mit dem Thema "nachhause wollen".
    Heute hat sie mir am Telefon erzählt, dass eine Angestellte des Heimes ihr gesagt habe, sie sei dement und es würde auch zunehmen in letzter Zeit. Ich war ehrlich gesagt erstaunt über diese Aussage, weiß auch nichts von einer offiziellen Diagnose, nur eben unsere Beobachtungen der letzten Monate zeigen eine wenn auch langsame, aber doch stetige Zunahme des Gedächtnisverlustes, häufiger unlogische Gedanken, veränderter Tag-Nacht-Rhythmus, vergessen von emotional bedeutenden Besuchen wenige Tage zuvor... Doch bislang hat sie keine neurologische Untersuchung zugelassen.


    Meine Mutter war jedenfalls total entrüstet, sie könne schließlich noch bis zu 1 Million rechnen, wisse ihr Alter etc. Ich habe aber ehrlich geantwortet, dass ich die Einschätzung teile und wir sicher seien, dass sie allein zuhause nicht mehr leben könne, es unverantwortlich sei sie zurückzubringen. Je mehr die kognitiven Veränderungen zunehmen, desto mehr ist meine Mutter der festen Überzeugung allein klarzukommen.... Es macht mich alles so mürbe, ich mag eigentlich am liebsten nicht mehr hingehen und versuche bei meinen wöchentlichen Besuchen, schöne Dinge zu berichten von ihren Enkeln, Witziges vom Urenkel etc.
    Nun steht der 90. Geburtstag an und ich möchte eine Kaffeetafel bei mir zuhause machen. Vielleicht ist dies auch ein wichtiges Datum, wann sie zurück sein wollte.


    Ich weiß, so viele hier haben so heftige Belastungen mit den dementen Angehörigen noch zuhause und wir sind so froh über den Pflegeplatz, doch wir haben eine sehr belastende Familiengeschichte und waren von klein an darauf aus, unsere Mutter zu beschützen und aufzuheitern (Gewalt in der Familie...), da fällt es ungemein schwer nun dieses Aufbegehren und die Unzufriedenheit trotz eines wirklich sehr schönen und vorbildlich geführten Heimes auszuhalten.


    Kennt das jemand?
    Wie kann ich mich gegen diese fehlende Einsicht, die Unzufriedenheit meiner Mutter besser abgrenzen?
    Seit Jahren hat meine Schwester plus Pflegedienst am Heimatort alles gewuppt und meine Mutter hat überall erzählt, dass sie noch alles allein kann, nun geht es für uns beide nicht mehr wegen gesundheitlicher Einschränkungen.


    Es gibt einfach keine Akzeptanz unserer Grenzen und das macht abwechselnd traurig und wütend.


    Traurige Grüße
    Rose60

  • Hallo Rose60,
    ich kann Dir nur von meinen beiden betroffenen Eltern, jetzt gegen ihren Willen im Heim (getrennt) untergebracht, berichten und auch bei uns war Gewalt in der Familie ein Thema.


    Sie wollen immer noch nach Hause....manchmal akzeptieren sie das Heim als neues Zuhause...manchmal kommt starker Protest..manchmal kommt wirres Zeug...
    Es ist an mir, das auszuhalten...


    Es geht nicht anders...sie müssen dort im Heim jetzt bleiben.


    Liebe Grüße

  • Liebe Hanne,
    Ich danke dir für dein Verständnis und die lieben Worte! Ja, aushalten der Situation und der negativen Gefühle ist vermutlich das einzig mögliche und fällt mir in diesem Fall schwer. Meine Mutter schafft es auch immer noch mich zu verunsichern, wenn sie am Telefon so vehement vertritt, dass es ihr doch nun besser gehe und sie prima allein zuhause klar kommt - bis vor 1 Std.als sie mir am Telefon ihr Leid über Schmerzen klagte und erstaunt war, dass sie im Zimmer eine Klingel betätigen kann nach einer Pflegerin, das nach 11 Monaten..... heute handzahm.
    Sei herzlich gegrüßt
    Rose60

  • Hallo Rose60, ich kann so gut nachvollziehen, dass Sie Ihrer Mutter einen wunderschönen 90zigsten Geburtstag bereiten wollen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, dass Sie diesen Tag im Heim begehen, kann das aus vielen Gründen sinnvoller sein. Viele Beiträge hier im Forum zeigen, wie oft ein so schöner Tag im Fiasko endete...
    Es hat mich übrigens sehr gefreut, zu lesen, wie selbstverständlich Sie das Gespräch auf andere interessante Dinge lenken. Der Wunsch "nach Hause zu dürfen" ist ja verständlich und es ist traurig im hohen Alter abhängig zu sein. Neben dem Trost ist die Neuorientierung und Teilhabe an der Familie auch im Heim das Ziel.


    Aber all das stellt die Entscheidung nicht in Frage, die Sie so lange und sorgsam getroffen haben. Insofern könnte es nächster Schritt sein, wenn Ihre Mutter die Familie zu sich in das Heim einladen kann.
    Viel Kraft und Geduld (auf dem richtigen Weg) Ihr Martin Hamborg

  • Lieber Herr Hamborg,
    Danke für Ihre wertschätzenden Worte!
    Leider ist aufgrund der coronasituation keine Feier im Heim möglich. Das wäre mir sonst auch lieber, da unser letzter Hl.Abend schon zum gen. Fiasko wurde... Ich hoffe nun, dass wir es zusammen hinkriegen und zum Glück ist es ja nicht MEIN Geburtstag, der vermiest werden könnte.
    Ihre Außenansicht in Ihren Antworten finde ich immer hilfreich!
    Mit herzlichen Grüßen
    Rose60

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