Aussicht auf einen Rest Lebensqualität?

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  • @Herrn Hamborg:
    Danke für Ihre bedenkswerte Stellungsnahme! Das ist sicher von Fall zu Fall anders handhabbar, auch je nach Vorerfahrung.
    Ich stimme da "Sonnenblümchen" zu, dass es nach Gewalttätigkeiten besonders schwer ist mit der Vergebung. Mir ist es in vielen Jahren Psychotherapie versch.Form bei einem Elternteil nicht wirklich von Herzen gelungen. Nach dessen Tod kam über Monate nochmals vieles hoch und wollte betrachtet werden, obwohl ich nach dem Antrag auf rechtl. Betreuung den Kontakt abgebrochen hatte, allerdings von seiner Seite auch "verstoßen" wurde. Es kann schon schreckliche Auswüchse in einer Familie geben, die über jegliche Kraft hinausgehen.. Ich möchte mich auch nicht rechtfertigen, schreibe dies jedoch auch, weil vllt andere Leser sich angesprochen fühlen könnten, für die es auch besonders schlimme Zeiten gab, die dann im Alter der Eltern/des Elternteils nochmal sehr hochkommen können.
    ca. 1 Jahr nach dem Tod meines Vaters habe ich erst weitgehend damit meinen inneren Frieden gefunden, ich denke auch, weil ich nun keine Angst mehr vor ihm haben muss...
    Somit finde ich einfach nichts "ehrenhaftes".
    Und nun habe ich mir mit der Verbringung und Versorgung meiner Mutter in einem Pflegeheim deren Ärger zugezogen, auch hier ein großes Übungsfeld, mich erwachsen zu zeigen im direkten Kontakt. Emotional reagiere ich wieder oft wie ein Kind. Nunja, ich versuche zu lernen...


    Ich bin dankbar über die untersch. Erfahrungen und Ideen an dieser Stelle.
    Liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo an die Runde, es berührt mich, was die Zeilen bewegt haben. Ich glaube Bert Hellinger hat diese Gedanken am konsequentesten formuliert, aber er ist sonst in seinen Methoden und Ansichten umstritten.
    Dies betrifft auch das gehörte "ich muss Ehre geben" ... trotz der schlimmen Erfahrungen. Diesem Muss kann und will ich nicht zustimmen. Ich denke nur, dass es für unsere Psyche oder unsere seelische Entwicklung leichter ist, zumindest über eine schmale Brücke zu gehen. Leider fällt mir da kein besserer Begriff ein als das alte und oft missbrauchte Wort der Ehrung. Am ehesten noch die Dankbarkeit für kleine gute Momente.
    Aber geben nicht die "betroffenen" pflegenden Kinder Ihren Eltern allein durch ihr Handeln "die Ehre" für das wenige Gute was sie empfangen haben? Und vielleicht noch ein Gedanke: "Lassen Sie das schlechte Gewissen in der schlechten Kinderstube" - Außenstehende können das überhaupt nicht beurteilen und haben dazu auch kein Recht!
    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo in die Runde,


    ich habe hier auch mit Interesse weiter mitgelesen und auch ich stolpere über das Wort "Ehre geben." Ich finde das auch denkbar schlecht ausgedrückt, denn es kommt dem inneren Bedürfnis/Gefühl nicht gerade nahe, sondern klingt, wie Herr Martinhamborg, es passend ausdrückt, nach einem gewissen Zwang, aber nicht nach gefühltem echten Verständnis.
    Es existieren so einige Bücher, um den inneren verletzten Gefühlen einen Namen geben zu können und um vielleicht eine Akzeptanz zu ihnen aufbauen zu können.
    Ich denke, sie können ein bisschen helfen, aber auf der anderen Seite können sie einen auch wieder im Stich lassen. Es lässt sich hier nichts verallgemeinern. Die umstrittene Seite von Herrn Hellinger ist mir nicht nur bei ihm, in der Friss oder Stirbfassung, begegnet.


    Für mich trägt zum Beispiel jeder Mensch verschiedene Lebensanteile in sich, die er mehr oder weniger stimmig versucht, zu bedienen. Man lernt hier den Umgang in der Kindheit, über die Eltern und über Versuch und Irrtum. Zudem glaubt man erst einmal, die Eltern seien perfekt, bis dann eine Verletzung stattfindet und ein völliges Unverständnis dem Kind gegenüber auftaucht. Die meisten Eltern bräuchten selbst eine Ausbildung/Führerschein fürs Kinderbekommen. Und das meine ich ernst. Und dann ist die Frage, woran macht man eine gute Erziehung fest. Heutzutage gibt es zum Beispiel die bedürfnisorientierte Erziehung, was ein völlig anderer Ansatz ist, als die antiautoritäre Erziehung oder die Erziehung mit Bestrafen, Druck, halt eine Art Dressur, um richtig zu funktionieren in der Gesellschaft.
    Die Lebensanteile, die im Menschen angelegt sind, haben etwas mit verstehen wollen, bedienen wollen, kreativem Gestalten und Freude am Entdecken des Lebens zu tun. Aber die meisten Eltern haben das selbst nie erfahren. Auch sie haben oftmals nur funktionieren müssen, genauso wie wir Angehörige es in der Pflege auch erfahren können. Und deshalb können sie dies auch in so einigen Lebensbereichen nicht weitergeben, dafür aber Druck, übergriffige, zur Funktion antreibende Gewalt, usw. Und trotzdem hat ein jeder Elternteil auch Anteile, die er trotz der negativen Seite, mit Verständnis bedienen kann und das ihm hier etwas gelingt, was dann auch eine Bereicherung, im ansonsten mistigen Alltag angesehen werden kann. Diese Anteile würde ich nicht mit "Ehren wollen" vergleichen. Sondern mit einem Selbsterkennen. Denn auch als Kind trage ich diese Anteile in mir, die der anderen im positiven Sinne bedienen kann. Und dafür kann man vielleicht auch dankbar sein, wenn man diesen geerbt hat. Das kann zum Beispiel eine handwerkliche Tätigkeit sein oder vielleicht die Freude am Gesang, Kochen, etwas Helfendes, auch wenn es selten ist usw.


    Liebe Grüße in die Runde

  • Hallo Herr Hamborg,
    Ihr Satz "Lassen Sie das schlechte Gewissen in der schlechten Kinderstube" ist für mich sehr prägnant und hilfreich!! Danke dafür ;)
    Liebe Grüße

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