Falsche Dinge erzählen

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  • Ich bin neu hier-unsere Mutter (71) wird dement.Es gibt Tage da ist es echt belastend.Sie wohnt noch allein vergisst aber zu essen .Nun hat sie seit halben Jahr den Essensevice in der Woche und an den WE isst sie bei einen der Kinder und bleibt dann den Tag über dort.
    Sie kauft ein als ob sie zehn Leute zu hause hat .Es wird aber nicht gegessen.
    Den Verwanten erzählt sie es würde keiner kommen und sie hätte schon Wochen lang keinen gesehen.
    Gewaschen hat sie vor kurzem ihre Unterwäsche mit Meister Propper das wäre richtig.Manchmal ruft sie in der Nacht an und fragt -du schläfst wohl schon -und wenn man fragt ist was passiert legt sie einfach auf.Man macht sich Sorgen und fährt zu ihr .wenn man dann dort ist fragt sie was ich will und sagt ich hätte einen Vogel sie hätte garnicht angérufen.
    Wie soll das weiter gehen?

  • Davon kann sicher jeder, der einen an Altersdemenz erkrankten Angehörigen pflegt, ein Lied singen. Auch mir und meinem Vati ist es mit meiner Mutti so gegangen. Sie erzählte die stärksten Sachen - der Opa gibt mir nichts zu essen, der Opa hat mich gehauen - um nur einige Beispiele zu geben. Anrufe haben auch mich nachts erreicht; wenn ich zurückgerufen habe, hat sie nicht mehr gewusst,dass sie bei mir angerufen hat. Das heisst es nur, einen kühlen Kopf zu bewahren. Ich musste auch erst lernen, nicht auf alles zu reagieren, wobei ich den Vorteil hatte, dass der Opa noch mit daheim war. Inzwischen ist unsere Oma im Pflegeheim sehr gut untergebracht, da eine Betreuung daheim nicht mehr möglich war.
    Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die nächste Zeit.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Lupine,


    das, was Sie derzeit erleben, ist leider wegen des immer miserabler arbeitenden Kurzzeitgedächtnisses ausgesprochen krankheitstypisch: Die Betroffenen verleugnen vor sich und anderen ihre Defizite und machen die Familie für all das verantwortlich, was ihnen nicht gelingt oder gefällt. Dabei "lügen" sie im eigentlichen Sinne nicht, sie glauben wirklich an das, was sie in dem Moment erzählen. Das aber ist leider für die Umwelt oft sehr nervenaufreibend und auch schmerzhaft, vor allem der Vorwurf, kein Mensch würde sich um sie kümmern.
    Ich würde Ihnen raten, möglichst bald mit Ihrer Mutter (und natürlich den Geschwistern) solche Dinge wie (rechtliche und finanzielle) Betreuung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung zu besprechen und andere Hilfs- (Tagespflege, Ambulante Pflegedienste) und Wohnformen (z.B. Demenz-WG) vorzuschlagen, auch wenn sie auf diese Empfehlungen sicher noch mit Unverständnis und Wut reagieren dürfte. Dass sie es zu Hause alleine tatsächlich nicht mehr schaffen, oder sich und andere gefährden, sehen die an Demenz Erkrankten leider Gottes meist erst ein, wenn etwas geschehen ist - ein Feuer, ein Sturz, nachts aus der Wohnung laufen und nicht mehr nach Hause finden etc.


    Überdies: Widersprechen Sie Ihrer Mutter nicht, auch wenn Sie wissen, dass das von ihr Behauptete nicht sein kann. Rationalen Argumenten sind die Betroffenen kaum noch zugänglich, deshalb ist es Energieverschwendung, ihnen "beweisen" zu wollen, dass sie nicht Recht haben. Gehen Sie stattdessen emotional darauf ein: "Es muss schlimm sein, wenn man sich so allein gelassen fühlt..."


    Manchmal ist es auch einen Versuch wert, deutlich zu machen, dass Ihnen die Vorwürfe weh tun und Sie traurig machen, und dass Sie sich große Sorgen machen... aber nicht immer kommt das in den Köpfen der Betroffenen an.


    Das Wichtigste für Sie ist sicher, nicht nur möglichst viel über die Krankheit in Erfahrung zu bringen, sondern auch aktiv daran zu arbeiten, dass Sie selber Auszeiten haben - dass Sie nicht rund um die Uhr verfügbar sein können, sondern auch ausspannen und Zeit für sich haben müssen. Ferner auch, dass Sie vielleicht in einer Selbsthilfegruppe den Austausch mit anderen Angehörigen suchen - die erleben nämlich genau dasselbe wie Sie, die mussten auch durch Verständnislosigkeit, Wut und Verzweiflung durch, und haben oftmals kreative und mutige Wege entwickelt, mit diesem Schicksal fertig zu werden.


    In diesem Sinne: Alles Gute für Sie!


    S. Sachweh

  • auf dieses forum bin ich durch zufall gestossen, (super klasse) weil mich aus aktuellen anlass die thematik der demenz beschäftigt. meine mutter 78 jährig ist seit ca. 2 jahren dement und es wird immer schlimmer. am anfang sagten die ärzte noch es wäre eine normale altersverwirrtheit hätte aber nichts mit alzheimer zu tun... so unterstellt sie mir (tochter) z.b. ich würde sie bestehlen, weil sie ihre brille, kamm, telefon oder geld nicht mehr wieder findet. im september 2011 sah ich mich gezwungen einen rettungswagen zu rufen, weil meine mutter sich von etwas bedroht gefühlt hatte. daraufhin kam sie in die psychiatrie und wurde ausschließlich mit haldol 1 mg behandelt, was die wahnvorstellungen etwas weniger werden aber nicht gänzlich verschwinden ließ. (außerdem wurde dort wahrscheinlich aus bequemlichkeit beschlossen, meiner mutter windeln umzubinden, weil sie durch einnahme von diuretika sonst viel zu häufig zur toilette begleitet hätte werden müssen, was zur folge hatte das sie es selbst auch als eher praktisch empfand gleich in die hose zu machen als den langen weg zur evtl. geschlossenen toilette (oft geschlossen weil defekt) in kauf zu nehmen. weil sie in der psychiatrie sehr oft liegen sollte befand sich am rücken nach ca. 3 tagen aufenthalt ein dekubitus (druckgeschwür) der mit behandlung aber noch im griff zu bekommen war. weil ich als laie davon ausging, dass nur ein dekubitus am rücken vorhanden ist, schaute ich nicht weiter. als sie dann aber entlassen wurde stellte ich beim duschen fest das am steißbein ein weiterer dekubitus ist der von mir als extrem schlimm bewertet wurde (arzt sagte das sehe nach stufe II aus)).
    als nette nebenwirkung von haldol hat sie jetzt auch noch so ein parkison syndorm dazu bekommen. nachdem mir ein arzt der als gutachter bestellt wurde, gesagt hat das die haldol scheichend schleppend überlappend besser wieder abgesetzt werden sollten, weil haldol ein hoch potenziertes mittel ist, was demenz kranken besser nicht verabreicht werden sollte tat ich das nach rücksprache mit dem behandelnden hausarzt.. nach 2 tagen ohne haldol musste ich erneut den rettungswagen holen, wegen des verdachts auf einen schlaganfall - was sich glücklicher weise nicht bestätigte nach weiteren 3 tagen (28.12.2011) erlitt sie aber während eines aufenthalts in einer tagespflege einrichtung einen akuten herzinfarkt und wurde zunächst erstmal wieder zurück in ihre wohnung gebracht, wo ich dann sofort den rettungswagen verständigte worauf sie umgehend ins krankenhaus gebracht wurde. der dortige arzt teilte mit, dass nun der zeitpunkt gekommen sei besser abschied zu nehmen weil alles darauf hindeutet dass meine mutter keine kraft mehr hat das zu überstehen. mutter ist aber zäh und ist jetzt zur "reha" im ida wolff haus berlin mit noch stolzen 36 kg körpergewicht aufgenommen worden. sie verweigert beharrlich essen und trinken weil sie glaubt jeder will sie nur vergiften. am 19.01.2012 soll sie in einer augenklinik eine op bekommen, weil sie an beiden augen den grauen star hat, darauf besteht sie. dadurch das sie aber weder ausreichend trinkt noch nahrung zu sich nimmt, gehe ich stark davon aus das eine solche op gar nicht mehr machbar ist, auch wenn der derzeitige arzt keinen einwand hat... meine sorge ist jetzt die, dass ich nicht weiß wie es mit meiner mutter weiter gehen soll, sie wollte nie in einem alten- oder pflegeheim untergebracht sein, aber ich habe keine kraft mehr meine mutter zu pflegen zumindest nicht alleine. weil sie aber nur eine sehr kleine rente hat, kann ich wahrscheinlich nicht mal fremdhilfe in anspruch nehmen, weil das richtig was kostet. ich wäre schwer dankbar, wenn der eine oder andere einen brauchbaren rat für mich hat?!
    lg glasgarten

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Glasgarten,


    was Ihre Mutter (und damit Sie) durchmachen mussten, ist wirklich verstörend. Meines Wissens ist vom Einsatz von Haldol bei Menschen mit Demenz in vielen Fällen wirklich abzuraten - aber ich bin keine Ärztin und kann nicht beurteilen, wie groß ihre Angstzustände und Wahnideen zum Zeitpunkt der Einlierferung in die Klinik waren. War sie denn zuvor bei einem Facharzt? Und: Wollte sie dort immer von sich aus liegen, oder wurde sie dazu "verdonnert"?
    Zu den von Ihnen beschriebenen medizinischen Problemen der Mutter und der Machbarkeit der Staroperation können sicher unsere Kollegen im Bereich "Prävention, Diagnose und Therapie" etwas sagen. Prinzipiell kann besseres Sehen aber dazu beitragen, dass die Wahnhaftigkeit Ihrer Mutter sich legt oder wenigstens mindert, insofern wäre der Plan, wenn umsetzbar, sehr zu unterstützen.


    Und wie Sie die Pflege Ihrer Mutter finanziell (besser) gestemmt bekommen erfahren Sie sicher von den Kolleginnen im Bereich "Gesetzliche Leistungen".


    Schließlich zu Wohnformen oder Unterbringung (auch hier haben wir kompetente Ansprechpartner im Forum "Wohnen, Betreuung und Pflege"): So, wie Sie das Verhalten und die körperliche Verfassung Ihrer Mutter schildern, wird es nach der Reha wohl nicht ohne ständige Hilfe gehen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie in einer kleinen Demenz-WG aufgepäppelt werden und Vertrauen fassen könnte...


    ich wünsche Ihnen, dass Sie bald eine befriedigende und bezahlbare Lösung finden!


    S. Sachweh

  • hallo frau sachweh,
    vielen dank für die rasche beantwortung meines beitrags. ein neurologe hatte bei meiner mutter KEINE demenz festgestellt lediglich eine "normale" altersverwirrtheit. in der psychiatrie war das problem, das wie fast überall zu wenig personal vorhanden ist, um den hohen anforderungen dort zu entsprechen. meine mutter ist schon immer eine sehr aktive frau gewesen, die nicht gerne lange liegt oder einfach nur rumsitzt, sie hat sich immer zu beschäftigen gewusst. aber irgendwie wurde sie dort umgebaut, so dass nach der entlassung nach hause zu beobachten war, dass sie sich oft hinlegen wollte. das hat wohl auch was mit der medikation (haldol) zu tun die nicht nur gegen wahnvorstellungen sind sondern auch gleichzeitig ruhig stellend wirken. nachdem sie keine haldol mehr bekommt, schläft sie auch wesentlich seltener zwischendurch ein. sie hatte nach dem abgesetzten haldol auch keine wahnvorstellungen mehr, zumindest hat sie keine mehr geäußert. sie hält hin und wieder mal irgendwelche krümel für fliegen oder käfer, aber das ist meiner meinung nach eher auf ihre schwindende sehfähigkeit (fortgeschrittener grauer star auf beiden augen) zurück zu führen. lg glasgarten

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Glasgarten,


    <<ein neurologe hatte bei meiner mutter KEINE demenz festgestellt lediglich eine "normale" altersverwirrtheit>>


    Ich finde es sehr, sehr befremdlich eine solche Aussage zu lesen. Was soll eine "normale" Altersverwirrtheit denn sein? Verwirrtheit hat stets eine Ursache, sie ist auch im Alter nicht normal.
    (Ansonsten müssten ja alle alten Menschen irgendwann Altersverwirrt sein).
    Sollten Sie den Arzt nicht vielleicht missverstanden haben, würde ich zur weiteren Klärung einen anderen Facharzt aufsuchen, denn Verwirrtheit kann viele Ursachen - beheb- und behandelbare Ursachen, haben. Zuvor kann es vielleicht lohnen, Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu halten. Möglicherweise ist bekannt, was die Verwirrtheit ausgelöst hat. Das Alter an und für sich genommen, war es jedenfalls nicht. Das Alter an und für sich löst auch keine Wahnvorstellungen o.ä. aus - wäre mir jedenfalls neu.


    <<sie hält hin und wieder mal irgendwelche krümel für fliegen oder käfer, aber das ist meiner meinung nach eher auf ihre schwindende sehfähigkeit (fortgeschrittener grauer star auf beiden augen) zurück zu führen. >>


    Das wird sehr wahrscheinlich zusammenhängen, das sehe ich wie Sie. Vielleicht kann man die Sehfähigkeit noch irgendwie unterstützen? Hat sich die OP-Frage zwischenzeitlich erledigt?


    Sie haben schon eine ganz schöne Strecke hinter sich mit vielerlei Problemen. Eine Frage noch: haben Sie zwischenzeitlich die rechtliche Seite (Vorsorgevollmacht / Betreuung) geregelt? Entschuldigen Sie, falls ich den Punkt überlesen haben sollte.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Glasgarten und Herr Gust,


    den Kommentar von Herrn Gust kann ich nur unterstützen. Einen Begriff wie "normale Altersverwirrtheit" aus dem Mund eines Neurologen zu hören wirft schon ziemlich viele Fragen auf. Insofern würde ich an Ihrer Stelle auch nochmal beim vorherigen Arzt nachfragen, oder aber gleich mit Ihrer Mutter einen Gedächtnis-Spezialisten aufsuchen.


    Nochmalige Grüße
    S. Sachweh

  • hallo herr gust,
    auch ihnen vorab vielen dank für die beantwortung meines anliegens. das mit der alterverwirrtheit sehe ich ähnlich wie sie, aber letztlich habe ich doch keine alternative mich auf das zu verlassen was der arzt feststellt außer ggf. einen arzt nach dem anderen zu konsultieren und jeder sagt oder macht etwas anderes... die verantwortung liegt letztlich doch beim arzt?!
    die angelegenheit mit der op wird sich voraussichtlich erst am 19.01.12 klären, weil an diesem tag nach vorheriger untersuchung die op auch gleich durchgeführt werden soll. zu ihrer letzten frage der amtlichen betreuung/vorsorgevollmacht kann ich leider noch nichts abschließendes sagen. der antrag auf einrichtung einer betreuung wurde von mir am 17.10.2011 gestellt, das verfahren dazu läuft noch. inzwischen habe ich aber die info erhalten das so etwas auch mal 5-6 monate dauern kann. leider konnte mir bisher niemand sagen ob es eine möglichkeit gibt, so ein verfahren zu beschleunigen. gruß glasgarten

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Glasgarten,


    <<aber letztlich habe ich doch keine alternative mich auf das zu verlassen was der arzt feststellt außer ggf. einen arzt nach dem anderen zu konsultieren und jeder sagt oder macht etwas anderes>>


    Sicher haben Sie recht - letztlich muss man sich auf das ärztlich Tun und Erkennen verlassen können. Jedoch wäre es für mich, je nach Konstitution, Umständen und Zustand des betroffenen Menschen, nicht hinnehmbar, eine solche "Diagnose" stehen zu lassen. Eben weil Verwirrtheit auch Ursachen haben kann, die behandelbar sind.


    <<leider konnte mir bisher niemand sagen ob es eine möglichkeit gibt, so ein verfahren zu beschleunigen. >>


    Eventuell könnten Sie den zuständigen Rechtspfleger aufsuchen / anrufen und vielleicht auf die Dringlichkeit hinweisen, gerade im Bezug auf eine möglicherweise notwendig werden Operation, sofern ihre Mutter nicht mehr in der Lage ist wirksam einzuwilligen bzw. die tragweite ihrer Entscheidung zu überblicken. Vielleicht beschleunigt dies die Sache etwas.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

  • Hallo. Ich bin durch facebook auf dieses Forum aufmerksam geworden.
    Bei meiner Schwiegermutter ( 79 J )wurde vor 2 Jahren Demenz festgestellt. Im Großen und Ganzen klappt alles noch ganz gut. Sie lebt mit Schwiegervater in ihrem Haus, nur 3 Min. von mir entfernt. 2 mal die Woche geht sie in die Tagespflege . Nun zu meinem eigentlichem Problem. Mein Schwiegervater konnte die Krankheit lange Zeit nicht akzeptieren. " Sie ist nur vergesslich geworden u.s.w. " Es war auch ein 2 jähriger Kampf, bis er es erlaubte , dass Schwiegermutter in die Tagespflege durfte denn :Er ist die beste Pflegekraft überhaupt. und er weiß was für sie gut ist.( Inzwischen merkt er, wie gut es ihm tut, wenn er 2 mal in der Woche mal entspannen kann. Er ist auch fast 82 Jahre alt.) Allerdings ist er stur. Z.B. erlaubt er es nicht, dass eine Putzfrau ins Haus kommt. Dabei wäre das wirklich notwendig. Auch bei der Wäsche läßt er sich nicht helfen. Zu allem Übel redet er pausenlos auf Schwiegermutter ein. Er muß alles kommentieren. Egal was sie sagt, er redet. Wenn sie etwas erzählen möchte unterbricht er sie und er redet weiter. Schwiegermutter schaut ärgerlich und dann ins Leere. Sie schaut TV und er erklärt. Nun ist uns aufgefallen, dass Schwiegermutter sehr lärmempfindlich geworden ist. Sie hat den Fernseher sehr sehr leise gestellt und wenn Werbung kommt, hält sie sich die Ohren zu. Oder sie sagt wenn Besuch da ist: Nicht so laut! Im Prinzip müße man flüstern, dass sie sich wohl fühlt.Hat jemand Erfahrung bei Demenzkranken mit Lärmempfindlichkeit? Wir sind ratlos. Ich habe heute mit ihr einen Termin beim Neurologen. Bin gespannt was er sagt. Aber vielleicht hat ja hier ebenfalls jemand diese "Probleme" wie ich und kann mir Tipps geben. Liebe Grüße aus Moers.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Schwiegertochter1964,


    der Ausprägungsgrad, den Sie beschreiben, ist zwar selten, aber in der Tat geht ein fortgeschrittenes Demenzstadium häufig mit Formen der Abwehr von Reizen einher, die den betroffenen Menschen überfluten, und denen er sich hilflos ausgesetzt fühlt. Öfter noch als von Lärm fühlen sich Menschen mit Demenz allerdings vom vielen Reden anderer überfordert, oder genauer gesagt, vom Durcheinanderreden in größeren Gruppen: Sprache verstehen und selber sprechen ist ungeheuer anstrengend für sie. Anders als kognitiv gesunde Menschen können sie störende, ablenkende Reize nicht ausblenden, und auch nicht gleichzeitig mehreren Sprechern folgen, verstehen, was die sagen UND auch noch eigene Gedanken beisteuern. Lärm führt mit anderen Worten also zu einer zunehmenden Überforderung, zu Stress, und kann in Katastrophensituationen und "totalen Ausrastern" enden (muss es aber natürlich nicht).
    Insofern wäre es gut, wenn der Neurologe Ihren Vater beiseite nimmt und ihm genau erklärt ("verschreibt", wenn Sie so wollen), dass er seiner Gattin nichts Gutes tut, wenn er ständig spricht, erklärt, kommentiert. Der größte Liebesdienst an einem fortgeschritten demenzkranken Menschen ist es manchmal, freundliche Zuwendung SCHWEIGEND anzubieten.


    In diesem Sinne alles Gute für Sie und Ihre Familie!


    S. Sachweh

  • Hallo Frau Sachweh.
    Danke für ihre schnelle Antwort. Ich versuche noch einmal ein Gespräch mit meinem Schwiegervater zu führen. Mein Mann hat es aufgegeben. Es ist halt immer das Selbe mit ihm. Er gibt uns Recht und macht dann doch das was er will.
    Nun zu gestern beim Neurologen. Ich war schon sehr überrascht. Meine Schwiegermutter wußte beim Arzt nicht den Namen meines Schwagers ( Zwillingsbruder meines Mannes) Dabei wohnt er im selben Haus und sie sehen sich täglich. Auch war sie fest davon überzeugt nur eine Enkelin zu haben ( meine Tochter) Dabei hat sie noch zwei Enkelkinder und die jüngste Enkelin geht die Großeltern mindestens 1 mal in der Woche besuchen. Auch motorisch klappte nicht viel. Der Neurologe will nun beim nächsten Termin ein EEG und eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader machen. Könnte es sein, dass er diese Ultraschalluntersuchung machen will, weil sie vor 4 Jahren einen Schlaganfall hatte?
    Liebe Grüße aus Moers

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Schwiegertochter1964,


    das Nicht-Benennen-Können von Namen, auch naher Angehöriger und von Menschen, die einen täglich umgeben, ist leider krankheitstypisch.
    Ich könnte mir vorstellen, dass Ihr Vermutung bezüglich der Halsschlagader stimmt - wenn ein Schlaganfall vorlag, wird wohl sicherheitshalber auch mal der Durchfluss der wichtigsten Adern überprüft, vor allem, wenn sie den Eindruck haben, dass eine plötzliche Verschlechterung eingetreten ist/sein könnte. Aber dazu können Ihnen unsere Ärzte im Forum "Prävention, Diagnose und Therapie" sicher Genaueres sagen...


    Freundliche Grüße
    S. Sachweh

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