Verweigerung Arztbesuch u Diagnostik

  • Hallo,
    es liegt auf der Hand: mein Vater (80) entwickelt seit einigen Jahren eine Demenz, die bereits zu sehr komplizierten und dramatischen Szenen in meinem Elternhaus geführt hat. Er braucht dringend Hilfe, denn er ist oft verzweifelt, weil er selbst merkt, dass irgendetwas "mit seinem Kopf nicht mehr stimmt". Meine Mutter macht die Hölle durch und auch sie braucht dringend Unterstützung. Aber... mein Vater verweigert zum Arzt zu gehen, was er mit aggressiven Wutausbrüchen ausdrückt und auch vor körperlichen Übergriffen nicht zurückscheut. Alle Überredungskunst, Versuche ihm vorsichtig zu erklären, nichts hilft!
    Was kann ich nur tun, damit die beiden Hilfe bekommen? Ohne ärztliche Begutachtung kommen wir keinen Schritt weiter.

  • Hallo NicoTinchen,
    Sie haben es ja schon richtig beschrieben: Ihr Vater hat große Angst, weil er spürt, dass etwas nicht mehr stimmt. Eine Diagnose wäre sehr hilfreich, auch für Ihren Vater, denn vielleicht liegt zusätzlich eine Depression vor oder man kann durch geeignete Medikamente die Entwicklung etwas verzögern. Für die nahen Angehörigen ist es oft schwer, sich durchzusetzen und durch die entstehenden Streitereien wird das Verhältnis zusätzlich getrübt.
    Haben Sie nicht einen Freund oder anderen Verwandten, der mit Ihrem Vater auf einer anderen Ebene sprechen kann? Vielleicht jemand, dessen Meinung er früher respektiert hat und der die Aufgabe übernehmen kann? Und nicht zu lange Anlauf nehmen, also den Arztbesuch nicht ewig vorher ankündigen, die Kranken haben oft kein Zeitgefühl mehr (was ist eine Woche?). Sondern einfach dann tun.
    Ich wünsche Ihnen und Ihren Eltern alles Gute!

  • Hallo,Tina,was ihre Eltern durchmachen ist die Hölle,bei uns war es ebenso,als sie merkte,dass sie alles vergisst,dachte sie ,sie wird verrückt,sie entwickelte auch Halluzinationen und verdächtigte ständig andere,ihr die Sachen gestohlen zu haben,auch u ns ,ihre Kinder. SCHLÜSSEL VERSCHWANDEN,WIR waren SCHULD,ICH WAR SO VERZWEIFELT,HABE unserem Hausarzt alles erzählt.Als die Diagnose Demenz angesprochen wurde,dachte ich ,meine Mutter wird wahnsinnig,sie wollte dies nicht wahrhaben.Sie bekam Tabletten,die sie dann nicht nahm,ihr Zustand wurde immer schlimmer,mein Vater begriff das Ganze gar nicht,glaubte meiner Mutter alles.Sie war in einem ganz schlechten Zustand,bevor sie begriff und bereit war ,die Tabletten vom Hausarzt zu nehmen.Ihr Zustand besserte sich etwas .
    Unsere Nachbarin und die Schwester meiner Mutter haben dann auch häufig mit ihr gesprochen,dass sie zum Neurologen muss.Es hat ein halbes Jahr gedauert,bis sie dazu bereit war.Auch nur,weil viele Menschen gesagt haben,du musst dahin,nur die können helfen.Im Vorfeld habe ich mit der Ärztin gesprochen,dass sie Demenz nicht erwähnen soll,sie hat dann auch von Alterserscheinungen gesprochen und ,die Ärztin machte einen Test,der eine leichte Demenz bestätigte,aber auch feststellte,das vieles durch eine starke Depression ausgelöst wird.Nun bekommt meine Mutter auch Tabletten noch dagegen und auch noch andere gegen die Wahnvorstellungen.Ich weiß nicht,ob ich darüber glücklich sein soll,denn sie hat jetzt ständigen Brechreiz,muss sich immerzu hinlegen,macht nichts mehr,sitzt nur noch traurig rum,macht ein.Ich weiß nicht,ob das besser ist.Die Angstzustände sind immer noch da,kommen meist erst gegen Abend.Ich würde Ihnen sagen,gehen Sie zum Hausarzt,sagen sie ihm alles,ohne dass es ihr Vater merkt.Man verkraftet wahrscheinlich sehr schlecht,dass man Demenz hat.Es ist auch eine furchtbare Nachricht.Wenn man weiß,was die Eltern haben und sie Tabletten bekommen,ist es auch egal,wie die Krankheit heißt.Sie wird nur eingedämmt,sie wird nicht wieder weggehen.Ich habe lange gebraucht,man lernt nur sehr langsam,damit umzugehen.Weil man einfach nicht begreift,wie geliebte gute Menschen sich so verändern können.Bin auch oft verzweifelt,weil es Streit gibt,weil man ständig ungerecht behandelt wird,weil man helfen will,aber vieles nicht geht.Also der Hausarzt weiß auch ohne Diagnostik,was los ist,wenn Sie ihm erzählen,wie sich Ihre Eltern verhalten.Vielleicht hilft ja das auch schon.Bleiben Sie stark.Es grüßt Rosina

    • Offizieller Beitrag

    Hallo NicoTinchen,


    hat sich zwischenzeitlich die Möglichkeit zu einem Arztbesuch ergeben?
    Die Schwierigkeiten vom Arztbesuch zu überzeugen sind nicht so selten. Sie finden dazu auch einige Beiträge im Forum. Zum Beispiel hier:
    https://www.wegweiser-demenz.d…tx_mmforum_pi1%5Bfid%5D=3


    oder hier:
    https://www.wegweiser-demenz.d…tx_mmforum_pi1%5Bfid%5D=3


    und z.B. hier: https://www.wegweiser-demenz.d…tx_mmforum_pi1%5Bfid%5D=2


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

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