Heimproblematik..ich bin geplättet..

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  • Hallo Hanne und Basti,
    Sie berichten beide über schlimme Zustände in den Pflegeheimen.
    Ich betreue ja bekanntlich meine stark demente Mutter mit Hinlauftendenz seit langer Zeit. Auch ich bin der einzige Angehörige und wir wohnen seit Jahren in einer großzügigen Wohnung.
    Vor ca. einem helben Jahr hatte ich mir 3 Einrichtungen angesehen, da ich der Meinung war es ginge nicht mehr. Außerdem hatte ich diverse Einrichtungen telefonisch kontaktiert und Absagen erhalten, da man sie nicht betreuen konnte.
    Ich habe sehr unterschiedliche Eindrücke bei den 3 Einrichtungen gewonnen.
    Aber auch nie wieder was von denen gehört.
    Mein erster Gedanke in diesem Zusammenhang war, dass ich das Gefühl habe, dass diese Heime so überladen sind, weil dort sehr viele ältere Personen leben, die da eigentlich noch gar nicht hingehören. Mir ist bekannt, dass ca 70 % der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland zu Hause von Angehörigen gepflegt werden. Trotzdem gibt es wohl offensichtlich auch so einige, die sich dieser Aufgabe entziehen. Nicht falsch verstehen. Ich weiss natürlich schon, was es bedeutet sich um jemanden zu kümmern und viele der im Heim lebenden Menschen habeb keine andere Möglichkeit, aber eben doch nicht alle.
    Was mich noch stutzig macht, dass viele der Einrichtungen richtige Wirtschaftsunternehmen sind, die gewinnorientiert arbeiten.
    Man könnte seitens der Politik doch mal an die Verstaatlichung zumindest einiger Einrichtungen nachdenken, die für die besonders betroffenen Menschen zuständig wären. Dort würde man eben nich gewinnorientiert arbeiten.
    Bedenklich fand ich außerdem, dass bei den von mir angesehenen Einrichtungen jeweils 120 bis 150 Plätze vorhanden waren, wovon aber nur max 15 Plätze für die Problemfälle waren. Da scheint mir das Verhältnis doch sehr bedenklich.
    Nun zu Ihrem Problem mit den Heimen.
    Ich habe für meine Mutter 2 Überwachungskameras installiert, da ich so von der Arbeit aus eine gewisse Kontrolle über meine Mutter hatte.
    Diese Kameras hatte ich bei einem Telefonanbieter gekauft. Sie werden über eine App gesteuert und ich muss dafür eine monatliche Gebühr von 6 Euro entrichten.
    Die Anschaffungskosten betrugen insg. etwa 100 Euro.
    Wäre es nicht einen Versuch wert diese Kameras auch in dem Zimmer Ihrer Angehörigen zu installieren ?
    Natürlich müsste vorher eine Genehmigeun bei der Heimleitung eingeholt werden. Es wäre doch aber bedenklich, wenn diese abgelehnt würde. Man hat ja schliesslich nichts zu verbergen. Es gibt 2 Arten von Kameras. Eine nur per Livestream und eine mit der man auch Aufnahmen machen kann. Außerdem kann man über diese Kameras auch mit den Angehörigen kommunizieren, da sie mit einem Mikro versehen sind. Das könnte ggf. auch das Problem mit dem Telefon lösen.
    Anmerken möchte ich noch, dass die geäußerten Angaben lediglich meine Meinung widerspiegeln. Man daf durchaus anderer Meinung sien.
    Vielen Dank.

  • Hallo Hanne,


    für mich ist das keine Entweder/Oder/Sache, sondern sie ist zweischneidig und den Umständen entsprechend, in der heutigen Zeit, einfach vorhanden.


    Wenn ich von meiner Schwiegermutter ausgehe und sie wäre in einem Heim, dann würde sie sich mit Sicherheit über Ihren Vater aufregen, denn sie will auch nur jüngere und gesunde Menschen um sich haben. Und wenn Ihre Mutter eine Form von Demenz hat, die man schneller merkt als bei anderen, dann wäre sie auch darüber nicht froh. Sie hätte die Befürchtung, dann auch ganz schnell so zu enden. Das ist bei ihr Fakt. Durch ihr nicht vorhandenes Ich, hat sie innerlich kaum ein eigenes Leben und sie erwartet von anderen, die sie umgeben dann die Perfektion, die sie innerlich nicht finden und leben kann. Und damit steht meine Schwiegermutter nicht alleine da. Die Befürchtung man endet dann genauso, ist weit verbreitet und der Wunsch nach Schönheit und gut Funktionieren ist dann halt gestört.


    Aber leider können wir daran nichts ändern. In einem Heim werden zunehmend mehr schwere Pflegefälle und Demenzen auftauchen. Das Zweischneidige an der Geschichte bekommen wir auch mit viel gutem Willen nicht gelöst, und entsprechend kann man dann innerlich die Position beziehen, das es nicht veränderbar ist. Den Heimbewohnern, die mich darauf ansprechen würden, würde ich mit Verständnis begegnen, aber ich würde auch sagen, wie die Lage in Deutschland und zu Hause leider ist.


    Liebe Grüße an Sie

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne36,
    auch ich kann Ihre Gedanken und Gefühle angesichts Ihrer Beobachtungen gut nachvollziehen.
    In Bezug auf Ihren Vater gibt es wahrscheinlich keine Alternativen, weil sein Speichel in jeder anderen Umgebung auch laufen würde. Manchmal kann man - auch auf einer "Dementen-Station" - Bewohner finden, die sich um andere kümmern. Vielleicht schauen Sie beim nächsten Besuch einmal in dieser Richtung.
    Was die Unterringung Ihrer Mutter in einem "normalen" Pflegebereich anbelangt, so gibt es viele Gründe, dies nicht zu tun, weil es häufig zu Agressionen der gesunden Bewohner gegenüber den demenzkranken kommt. Vereinzelt kann man aber auch hier erleben, dass sich diese "gesunden" Bewohner um die dmenzkranken kümmern. Trotzdem halte ich grundsätzlich eine getrennte Betreuung für die bessere Variante. das scheint in Ihrem Falle aber wohl schwierig zu sein, weil dann ein Aufeinandertreffen der Ehepartner gegeben wäre. Oder gibt es mehrere Wohnbereiche für Menschen mit Demenz?
    Eine radikale Lösung wäre eine Unterbringung der Eltern an Ihrem Wohnort - falls das möglich ist. Darüber haben Sie sich wahrscheinlich auch schon Gedanken gemacht.
    Ansonsten möchte ich Sonnenblümchen zustimmen: Die Versorgung in einer Pflegeeinrichtung kann in der Regel nicht die Qualität bieten, die man sich für seinen Angehörigen wünscht. Es gibt zwar mittlerweile Ausnahmen von dieser Regel (sowohl im Heimbereich als auch bei den sog. Demenz-WGs); solche Angebote stehen allerdings nicht an jedem Ort zur Verfügung und sind dann auch ausgelastet.
    Hatten Sie schon die Gelegenheit mit anderen Angehörigen zu sprechen? Vielleicht ergibt sich dabei die Möglichkeit, selbst organisiert die Versorgung/Betreuung zumindest punktuell zu verbessern. Bei den MitarbeiterInnen muss man davon ausgehen, dass diese ihr Bestes tun - was niemals genug sein kann.


    Viel Kraft weiterhin wünscht Ihnen


    Klaus-W. Pawletko

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne63, auch von meiner Seite noch zwei Gedanken:
    Wir sollten immer daran denken, dass orientierte Menschen über 24 Stunden in einer manchmal kaum auszuhaltenden Situation sind. Deshalb habe ich erstmal immer Verständnis, wenn z.B. Ekel geäußert wird, manchmal frage ich, ob er denkt, es sei absichtlich. Und dann geben mir die Mitbewohner die Aussage selbst, die ich mir wünsche: "er ist doch krank". Und ich zeige meinen Respekt, wie dies die Mitbewohner durch Wissen und Verständnis aushalten.
    Der Speichelfluss ist aber auch eine typische Nebenwirkung von Psychopharmaka und eigentlich suchen Ärzte dann nach Alternativen, wenn eine Nebenwirkung so viel zusätzlichen Leidensdruck macht.
    Bleiben Sie sich treu, Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne63, es freut mich sehr, dass sich der Speichelfluss und die Bewegungsbeeinträchtigung und Versteifung durch die Medikationsänderung verbessert haben. Es sind typische Nebenwirkungen von Neuroleptika, die gegen innere Unruhe und Aggressivität verordnet werden - zumeist ohne diese belastenden Nebenwirkungen. Deshalb sollten man immer den Arzt informieren und ggf. Konsequenzen ziehen und einen Wechsel bedenken.
    Bleiben Sie dran, Ihr Martin Hamborg

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