Mein Vater hat Angst vor seiner demenzkranken Frau

  • Hallo,
    Ich habe hier ja auch schon des öfteren geschrieben.
    Wir haben bei meiner Mutter alles:Vergiftungswahn, Bestehlungswahn und Eifersuchtswahn.
    Am Sonntag ist die Situation zu Hause eskaliert.
    Sie hat meinem Vater vorgeworfen,daß er im Wohnzimmer abends andere Frauen hätte, wenn sie um 19 Uhr ins Bett geht.
    Des weiteren hat sie behauptet, man hätte ihr Geld gestohlen.
    Da ist mein Vater explodiert und hat ihr gesagt, daß sie aufhören soll,solchen Unsinn zu reden.
    Daraufhin ist sie auf meinen Vater los und wollte ihn schlagen.
    Der hat sich ins Auto gesetzt und ist zu mir gekommen.
    Er hatte Angst und meinte,daß er unter diesen Umständen nicht mehr dort leben könne.
    Für ihn bricht eine Welt zusammen und irgendwie begreift er die Krankheit und die Auswirkungen dieser immer noch nicht.
    Mein Mann und ich werden am 28.2. für 10 Tage in Urlaub fliegen.
    Ich habe heute mit dem Pflegedienst telefoniert und die haben mir versichert, im Falle einer Eskalation zu kommen und zu helfen.
    Sollte das nicht funktionieren,wird der Weg sicherlich in Kürze in die Gerontopsychiatrie gehen.
    Welche Vorkehrungen treffe ich während meiner Abwesenheit?
    Mein Vater ist total überfordert und mein Bruder wohnt 300 km weit weg und ist als Diplom Psychologe in einem Internat für Koerperbehinderte an die Ferien gebunden und kann nicht eben mal kommen.
    Das ganz große Problem ist,daß sie sich weigert in die Psychiatrie zu gehen,da sie auch dort angeblich beim letzten Aufenthalt vergiftet worden ist.
    Vielleicht können mir Jutta,Hanne oder Sonnenbluemchen hier weiterhelfen.
    Vielen lieben Dank im voraus
    Barbara

  • Hallo Sonnenbluemchen,
    Danke für Deine Worte.
    Beide zu trennen, wäre für meinen Vater aber auch für meine Mutter unerträglich.
    Mein Vater baut auch immer mehr ab.
    Er ist im Januar 80 geworden und ich merke den Abbau ganz deutlich.
    Das Problem ist,daß mein Vater die Krankheit nicht begreift oder versteht,zu was dieser Abbau führt und auslöst, ganz besonders bei der Lewykoerperchendemenz mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen.
    Er erkennt seine Frau nicht wieder,genau so wie mir meine Mutter immer fremder wird.
    UND wie weh das tut,wissen alle Betroffenen hier im Forum.
    Im Moment bin ich an einem Punkt,wo ich spüre, daß ich langsam daran zerbreche und tatsächlich Suizid Gedanken habe.
    Oft denke ich:Lieber beende ich mein Leben,als meiner Mutter beim Sterben zuzuschauen.
    Ich schaffe das nicht und kämpfe mit schweren Depressionen.
    Ob mich der Coronavirus befällt oder die Maschine morgen abstürzt -es käme mir ganz gelegen-davor habe ich keine Angst mehr.
    Deshalb auch jetzt eine Auszeit in die Sonne über meinen Geburtstag -es ist natürlich eine FLUCHT!!!!
    Wie geht es denn bei Dir und Deiner Mutter?
    Du klingst immer so stark und oft schmunzele ich bei Deinen Beiträgen, die mich auch manchmal zum Lachen bringen.
    Man sagt ja,daß eine wenig Humor bei Demenz nötig ist,um das ganze besser zu ertragen.
    Bei jedem anderen Demenzkranken könnte ich das-bei meiner Mutter nicht.
    Es zerreißt mich innerlich nicht mehr den gewohnten Austausch mit ihr haben zu können.
    Morgen geht's erst mal los .
    Alles Gute für Dich
    Barbara

  • Hallo Barbara,
    auch ich schließe mich den Gedanken von Hanne an uns glaube auch, dass die Angehörigen die Hauptleidenden sind. Ich betreue meine Mutter, deren Demenz immer schlimmer wird. Wir wohnen in einer gemeinsamen Wohnung und eine Heimunterbringung ist vorerst aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Ich finde es auch unerträglich meiner Mutter beim sterben zusehen zu müssen, aber ich finde Trost in dem Gedanken, dass ich die Trauerzeit, die normalerweise nach dem Ableben eines Angehörigen einsetzt jetzt schon bereits intensiv erlebe. Ich glaube, dass wenn meine Mutter sterben wird es für sie eine Erlösung und für mixh eine Befreiung sein wird. Ich habe also die Gelegenheit meine Mutter mit aller Kraft im Rahmen meiner Möglichkeiten zu helfen und werde zu gegebener Zeit die richtige Entscheidung treffen. Die Person, die ich pflege hat mit meiner Mutter nicht mehr viel gemein, aber die gemeinsamen Erinnerungen schweissen uns zusammen.
    Halten Sie durch. Es gibt auch noch ein Leben danach.

  • Was würde ich nur ohne Euch machen!!!!
    Wir sind gestern erst in Ägypten angekommen und das mit dem Abschalten klappt noch nicht so richtig.
    Aber das Meer und die Sonne tun schon verdammt gut.
    Ich werde auch so gut wie gar nicht mit meiner Mutter telefonieren.
    Als ich ihr gestern morgen vom Frankfurter Flughafen Guten Morgen sagen wollte,glaubte sie ,ich sei zu Hause.
    Sie hätte gehört, daß das mit unserer Reise nur ein Spaß gewesen sei????
    Ich werde mir wohl therapeutische Hilfe holen müssen.
    Nochmal vielen lieben Dank an Euch und sonnige Grüsse aus Hurghada
    Barbara

  • Liebe Barbara66,
    ich hoffe, Du erholst Dich im Urlaub?
    Ich kenne diese Gedanken, vielleicht löst sich alles von selbst, und es rafft mich dahin, sehr gut.
    Ich habe vor Mutters Krankheit auch den besten Kontakt zu ihr gehabt, wir waren sozusagen ein Herz und eine Seele, obwohl wir früher übliche Mutter-Tochter-Probleme hatten und zeitweise sogar keinen Kontakt, da alles immer nach ihrer Nase gehen sollte und auch ging.
    Mein Vater sieht seine Ehefrau, für die er alles tat, in diesem Zustand und weiß nicht weiter. Ich soll das Instrument sein, welches alles tut, was er nicht mehr kann aus dem Bett heraus.
    Ich sitze an ihren Betten und er schläft erschöpft, wenn ich meine Mutter ein wenig ablenke. Sie wollen aber auch beide nicht ins Heim. Ich habe schon eins ausgesucht, welches gut in Frage käme. Die Mutter einer Freundin ist dort seit Januar 19, sie scheint dort wirklich sehr zufrieden zu sein und hat sich eine Freundin gesucht, die jetzt sogar in einem Zimmer schlafen dürfen. Die Freundin sagte mir, es wäre das Beste auch für meine Eltern. Doch vor allem mein Vater will nicht. Und eben die Heimkosten. Einmal vermittelt er mir den Eindruck, sie sollte besser ins Heim, dann nimmt er ihre Hand und sagt, es ist alles ok, Du kommst nicht ins Heim, wir bleiben zusammen. Wenn ich sie besuche, pennt mein Vater oft, sie sitzt auf ihrer Bettkante ihm gegenüber und starrt ihn mit großen Augen erwartungsvoll an. Mal erkennt sie ihn, mal nicht. Mal fragt sie, wer die "Frau" in dem Bett sei. Dann fragt sie mich, wo sie sich befänden. Ich sage, in ihrer Wohnung. Es ist ein ewiges Hin und Her. Mein Mann hält sich ganz raus, was er hört, reicht ihm. Er will sie nicht besuchen.
    Sorry, jetzt habe ich wieder nur von mir und meinen Problemen geredet, ich weiß, wie es Dir geht, liebe Barbara, ich hoffe, du meldest Dich bald gut erholt.
    LG Gebby

  • Hallo Sonnenbluemchen, Hanne und Gebby,
    bin am 9.3. aus Ägypten zurück (im Urlaub schon Husten und Schnupfen)und bin immer noch krank (mein Mann auch )
    Habe letzte Woche den Hausarzt und anschließend das Gesundheitsamt angerufen,um uns testen zu lassen.
    Antwort:sie hatten wissentlich keinen Kontakt mit einem Infizierten und kommen aus keinem Risikogebiet (1 Deutscher ist in Hurghada am 8.3. Gestorben? ???!!).
    Also Krankmeldung holen und in Quarantäne.
    Leider kommen wir nicht wieder auf die Beine.
    Wir sind körperlich ganz gut dran,haben aber immer wieder Husten und Schnupfen,aber kein Fieber.
    Ich habe natürlich Angst,meine Eltern anzustecken,aber sie brauchen ja meine Hilfe.
    Der Zustand meiner Mutter hat sich in den letzten Wochen drastisch verschlechtert.
    Vorgestern hat sie eine Tasche gepackt ,da sie ja ins Krankenhaus muss zur Voruntersuchung für die Todesspritze! !????.
    Da ich nun nach 2 Jahren endlich gelernt habe ,nicht dagegen zu reden,weil das ja nur zu Streit und Anspannung bei mir und Verwirrung bei ihr führt, habe ich gesagt, daß der Termin abgesagt wurde, weil sich momentan alles um die Corona Krise dreht.
    Hat sie so akzeptiert.
    Eben kommt sie mit meinem Vater zu uns und meint,sie hätte die Tasche gepackt,sie wolle ja sterben und müsse ja jetzt ins Krankenhaus zur Besprechung! !!????.
    Ich sagte ihr,daß die Ärzte überhaupt keine Zeit für solche Dinge hätten, sondern die oberste Priorität darin liegen würde, infizierte Menschen zu retten (Risikopatienten ).
    Langsam wird sie misstrauisch und fragte, warum der Termin wieder abgesagt wurde und warum man ihr nicht auch telefonisch Bescheid gegeben hätte.
    Sie ist völlig verwirrt und möchte sterben,da sie ja tagtäglich vergiftet wird und dies nicht mehr erträgt.
    Ich weiß irgendwie nicht, was ich machen soll.
    Habe gestern telefoniert um sie evtl.mal in die Kurzzeitpflege zu geben.
    Das ist natürlich jetzt mit Corona alles so gut wie nicht machbar.
    Es werden nur Patienten aufgenommen,die nachweislich nicht Corona infiziert sind.
    Aber da ja kein Verdacht besteht,wird auch keine Untersuchung gemacht.
    Bleibt also bei Eskalation nur der Weg in die Psychiatrie.
    Vielleicht könnt ihr mir ja nochmal ein bisschen Hilfestellung geben.
    Schon jetzt vielen Dank und bleibt gesund
    Barbara

  • Hallo liebe Barbara,
    das war ein beklemmender Beitrag, den Sie geschrieben haben. Leider kann ich Ihnen auch nicht wirklich etwas raten, was Sie nicht schon gehört haben. Aber ich kann Ihnen erzählen, wie mein Vater starb, nicht an Demenz sondern an einem Tumorleiden. Er war klar im Kopf. Als er sich entschieden hatte, alle Behandlungen abzubrechen da habe ich ihn gefragt, ob er keine Angst vor dem Tod hätte. Er sagte: ich habe keine Angst und damit es schneller geht sagst du jetzt Bescheid, dass sie mir die Todesspritze geben sollen.
    Auch meine Eltern haben die Nazizeit erlebt und wie man dort aussortiert hat. Das Denken ist ganz ganz tief in manchen Menschen drinnen. Bitte nehmen Sie sich so etwas nicht zu sehr zu Herzen und bleiben Sie gesund!

  • Hallo Sonnenbluemchen, Hallo Jutta60,
    Danke für Eure Antworten.
    Im Moment ist die Situation unerträglich.
    Meine Mutter packt jeden Tag die Tasche und will zum Sterben gefahren werden.
    Angeblich hat sie das alles schon mit ihrem Hausarzt geregelt und kann sich jetzt die Todesspritze ,die sie "heiße Nadel"nennt,abholen.
    Es dauert aber ein paar Tage bis man tot ist.??
    Sterben will sie aber nur,weil die "Leute"sie ja tagtäglich vergiften und sie das nicht mehr aushalten kann.
    Wie kann ein Mensch nur so viel wirres Zeug reden??
    Ich denke an Deine Worte Jutta,bzgl.Deiner Mutter (LBD)-irgendwann konnte ich ihr nicht mehr folgen-das ist die Krankheit.
    An dem Punkt bin ich nun.
    Ich kann ihr nicht mehr folgen!!!!!
    Ich kann mit den wirren Wahngeschichten nicht umgehen.
    Ich glaube,es gibt keine andere Möglichkeit, als die Dosis der Neuroleptika zu erhöhen und sie zuzudroehnen mit Tabletten.
    Auch wenn sie dann völlig apathisch ist-vielleicht wird die Angst/der Wahn dann ein bißchen weniger.
    Da mein Vater ja immer noch nichts versteht und begreift, greift er bei jedem Piep zum Telefon und stört uns.
    Wir kommen nicht mehr zur Ruhe.
    Momentan ist ein Krankenhaus Aufenthalt zwar möglich, aber durch die Besuchsverbote natürlich ein riesengroßes Desaster.
    Meine Mutter wird nicht begreifen,daß sie niemand besuchen darf.
    Hätte gerne von Euch eine Einschätzung, in welchem Stadium sich Eurer Meinung nach meine Mutter befindet.
    Für mich ist das schon das mittlere Stadium,oder?
    LG
    Barbara

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