Ich war es nicht

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  • Ach, das kann ich so gut nachvollziehen! meine Mutter ist zwar im letzten Jahr gestorben, aber die Schwiegermama ist noch da. Sie ist in einem Pflegeheim, aber mein Mann besucht sie oft und die Besuche sind ihr sehr wichtig. Wegen Corona ist das nun nicht möglich. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wir mit Engelszungen ihr das am Telefon erklären mussten - ohne Erfolg. "Ich bin nicht schuld", "die wollen alle nur dran verdienen", "ich habe doch gar nichts getan", "hol mich hier raus, sonst laufe ich weg". Nun sind wir ganz unsicher, ob wir überhaupt noch mit ihr telefonieren sollen, da es das offensichtlich für sie noch schlimmer macht.

  • Liebes Sonnenblümchen,ich habe gerade erst gelesen,dass du auch wieder ganz außer dir bist,ich weiß nicht,was bei dir passiert ist,warum deine Mutter sagt,sie wäre es nicht gewesen usw...Sie schaut dich an und weiß nicht,um was es geht...es ist wie bei mir, sie verstehen gar nicht,was vor sich geht.Mach dich nicht fertig,morgen wissen sie von nichts.Deine Gesundheit geht den Bach runter...Sie leben in ihrer eigenen Welt,wir können sie nicht mehr ändern ,sondern uns nur i n ihre Welt begeben,das habe ich neulich gelesen und das hat mir auch etwas geholfen.Vielleicht helfen dir diese Worte,bleib gesund,ich hoffe mit dir,dass es besser wird.Liebe Grüße Rosina

  • Hallo Sonnenblümchen,


    ich musste Schmunzeln als ich Ihren Text las. "Toastbrot/Italien . . ."


    Ich kanns gut nachvollziehen, obwohl ich nicht zur Wut neige, ganz selten einmal. Aber mein Mann, der ist da wohl ähnlich wie Sie. Auch er kümmert sich liebevoll, wenn er Zeit hat, aber er kann auch wütend werden, wenn die Stecker ständig gezogen werden, das Telefon nicht geht oder sie hundert mal fragt, ob er etwas essen will, obwohl er schon hundertmal nein gesagt hat.


    Seien auch Sie gedrückt . . .

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sonnenblümchen, mit Ihrer Wut bei diesen so offensichtlichen Unwahrheiten sind ganz sicher nicht allein. Aber alles was ich von Ihnen gelesen habe, ist es viel schlimmer als bei "normalen" Menschen mit Demenz.


    Bestimmt wissen Sie es schon: Es gehört es zum Krankheitsbild der Demenz, dass Ihre Mutter das, für das, was sie vergißt, die Verantwortung nicht übernehmen kann und will. Für manche Menschen ist dies schon vor der Demenz ein typischer Selbstschutz, sozusagen als Charaktermerkmal.


    Mit Ihrer Wut und Ihrem Sarkasmus haben Sie ein Ventil für Ihre Gefühle - und es ist gut dass Sie prüfen, wer alles von diesem Ventil etwas mitbekommen darf. Ich vermute, dass Ihre Mutter als eigentlicher Adressat damit nicht positiv zu erreichen ist. Konflikte verstärken häufig das Problemverhalten, da kennen Sie Ihre Mutter am besten. Alles was ich lese, haben Sie eindeutig "Recht" - aber es nützt nichts, Sie werden Ihre Mutter vermutlich damit nicht überzeugen.


    Aber wenn Sie sich selbst glauben, dass Sie Recht haben, können Sie Fakten schaffen.


    Vielleicht besprechen Sie mit dem Arzt, ob eine Einschränkung der Reizangebote durch eine große Wohnung mit Garten sinnvoll ist. Ich habe es etwas kompliziert formuliert: Auf der einen Seite wissen wir, dass geschlossene Türen bei Menschen mit Demenz Angst, Aggressivität oder entschlossenes Durchgreifen auslösen können - andererseits sind zu viele Betätigungsmöglichkeiten eine echte Überforderung. Es kann also sinnvoll sein, einen Hinweis an die Tür zu kleben: Heute geschlossen, bitte nicht betreten, ggf. eine Notlüge Baustelle...


    Da dies von Außen nicht eingeschätzt werden kann, kann Sie der Arzt vielleicht in der Entscheidung unterstützen.


    Und bitte denken Sie daran, die eigenen Eltern können Kinder fast nie ändern, sie ändern sich immer nur von allein oder durch geänderte Rahmenbedingung. Manchmal hilft es, wenn die Kinder die Muster unterbrechen, die gut geübte Teufelskreise auslösen. Ich wünsche Ihnen also sehr, dass irgendwann an die Stelle der heißen Wut die Klarheit im entschlossenen - nicht diskutierbaren, alternativlosen … - Handeln wächst. Ihr Martin Hamborg

  • Liebes Sonnenblümchen,da ich jeden Tag hier im Forum lese,habe ich auch deinen Artikel gelesen,über die Antwort von Herrn Hamborg habe ich lange nachgedacht.Ich habe überlegt,was er damit sagen will,ich weiß es jetzt.Alternativloses Handeln,ich glaube auch es ist Zeit zu handeln,Die letzte Station ist ein Heimplatz,es ist nur die Frage,wielange halten wir noch durch?Und ich sage wir,weil ich in der gleichen Situation bin,ich verstehe ihn,glaube auch,es wäre das Beste,aber ich kriege es nicht hin,und du bekommst es auch nicht hin,weil es noch Tage gibt,wo es wieder etwas besser ist,dann denkt man,vielleicht geht es doch noch.Hanne hat es gemacht es geht ihr jetzt etwas besser,glaube ich.Es ist nur noch eine Frage der Zeit,bis wir an den Punkt kommen,entweder unsere eigene Gesundheit oder unsere Eltern.Ich denke ständig darüber nach.Was wird noch werden?Ich weiß es leider auch nicht.BIS BALD Rosina

  • JA,Hanne,ich weiß,heute war wieder ein verrückter Abend,beide waren wieder vollkommen neben sich,die Fernbedienung vom Fernseher verschwunden ,nicht wissen,wo geht es laut ,wo geht es leise,wir haben wieder Kartoffeln auf der Handreibe gerieben und Puffer gebacken,es war 21.00 Uhr,Mutter hatte Tabletten wieder versteckt,habe 5tück gefunden und war in einem seelischen Tief,volle Depression,Angst und streitsüchtig.Ich habe mich nicht darauf eingelassen,kann aber trotzdem jetzt nicht schlafen,weil ich über alles nachdenke.Ich beneide dich. BEI ALLEM,WAS BEI DIR AUCH NOCH ANSTEHT.LIEBE Grüße Rosina

  • Hallo Sonnenblümchen,
    auch ich stecke in dem Dilemma. Meine Mutter hat nichts mehr mit dem Menschen, denn ich kannte und liebte zu tun. Ich habe immer den Eindruck sie hätte den Verstand verloren, was ja wohl auch der Fall ist.
    Wenn man den Menschen, den man mal kannte in guter Erinnerung behalten will gibt meiner Meinung nach 2 Möglichkeiten. Man kümmert sich auch weiterhin um den Menschen und versucht seine Gefühle, die man dabei hat auszuschalten. Wie ich Dir ja berichtet habe, bin ich ja dabei mir Unterstützung zu holen. Man darf sich dabei auch nicht auf Diskussionen einlassen, sondern sich bewusst sein, dass man selber besser weiß was für die Mutter das beste ist.
    Oder man sucht eine geeignete Einrichtung, die sich um die Mutter kümmert. Ich werde versuchen den erstn Weg zu gehen und meiner Mutter die Möglichkeit geben ihr Leben in den eigenen 4 Wänden weiterzuleben. Sollte es dem Ende entgegen gehen werde ich hoffentlich rechtzeitig den Weg in ein Hospiz zu finden.
    Eine Heimunterbringung hätte vor Jahren ev. noch Sinn gemacht, da damals vielleicht noch die Gelegenheit bestanden hätte an einem geregelten Gemeinschaftsleben teilzunehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Pflegekräfte im Heim die Zeit haben sich gezielt um einige Patienten zu kümmern.
    Man selber müsste den weiteren geistigen Verfall nicht täglich miterleben.
    Entscheidend ist, dass man das alles nicht zusehr an sich ranlässt.
    Wie immer wünsche ich viel Kraft.

  • Hallo Sonnenblümchen,


    ich denke inzwischen auch, wir kennen uns alle hier recht lange, so dass ich mich, dem inzwischen allgemeinen "Du", hier anschließen werde.


    Alles Sch . . ., trifft den Nagel wohl auf den Kopf.


    Wenn jemand, wie deine Mutter, gar nicht mehr mitdenken kann und jedes Gefühl für den Angehörigen verloren gegangen ist, dann kommt man sich irgendwann vor, wie eine lebendige Maschine bei der Fließbandarbeit.


    Du hast in dem einen Post, die Frage nach Liebe gestellt. Ich glaube ohnehin nicht an die Liebe, so wie sie einem weiß gemacht werden soll, aber ich glaube an die Liebe zum Leben. Und ich glaube auch, das Lebensmängel, die man mittragen muss und wo einem schlicht, irgendwann selbst die Ressourcen ausgehen, dass diese auch die Liebe zeitweise verschütten können. Und ich halte das für normal und nicht für etwas, was nicht sein darf. Ein Lebensmangel ist für mich auch kein Schimpfwort, sondern einfach Hilflosigkeit und das halt schöne und wichtige Funktionen im Leben zu kurz kommen können.


    Was du über die Pflege von außerhalb schreibst, das ist wahrscheinlich so. Im Grunde bräuchte man eine Putzfrau und einen Pflegedienst und das fast tagtäglich oder zumindest mehrmals wöchentlich.
    Ein Problem ist ja, dass deine Mutter so oft in die Hose macht und wenn sie alleine ist, dann schmiert sie die Wände im Bad voll.


    Ich weiß auch nicht, was ich tun würde. Ich würde vielleicht eine Annonce in die Zeitung aufgeben und eine Putz- und Pflegehilfe für eine schwer demente Person suchen. Es gibt Menschen, die sehen schwierige Fälle als Herausforderung an. Mehr fällt mir leider im Moment auch nicht ein.


    Es tut mir leid, wie es dir geht.


    Liebe Grüße

  • Hallo Hanne und Sonnenblümchen,
    ichstimme da Hanne zu. Ich wohne zwar mit meiner Mutter in einer großen Wohnung zusammen, so dass ich die Pflege und Betreuung rund um die Uhr leisten könnte, habe aber nun entschieden, dass ich wieder arbeiten gehen möchte. Ich habe daher entschieden, dass ich einen Pflegedienst und eine Alltagshilfe benötige. Hilfreich war hier das Internet und der sozialpsychiatrische Dienst.
    Ich habe das ja jetzt angeleiert und positive Rückmeldungen erhalten. Ich erwarte in den nächsten Tagen einen Anruf einer Alltagshilfe und auch einen Besuch eines Pflegedienstes.
    Wichtig in diesem Zusammenhang ist vielleicht auch der finanzielle Aspekt. Ich würde keine private Haushaltshilfe nehmen, da ich mir sicher sein kann, dass wenn die Alltagshelferin verhindert ist von dem Betreiber umgehnd eine Vertretung geschickt wird. Außerdem kennt sich ein Pflegeunternehmen in den finanziellen Möglichkeiten aus und würde in meinem Falle die finanzielle Abwicklung im vollen Rahmen übernehmen.
    An Sonnenblümche: Du verschenkst jeden Monat viel Geld, das Du für die Pflege Deiner Mutter einsetzen könntest.
    Auch meine Mutter war in der Vergangenheit exrem ablehnend und teilweise aggressiv. Ich werde die Betreuer daher auffordernd nur zu machen was meine Mutter zulässt bis ein Vertrauen entstanden ist. Notfalls kann der Pflgedienst auch wieder wegfahren ohne was getan zu haben.
    Denk mal drüber nach.
    Alles Gute

  • Hallo Sonnenblümchen,
    Du hast natürlich vollkommen Recht. Erst als meine Mutter bettlägerig wurde konnte ich überhaupt daran denken entsprechende Maßnahmen zu treffen. Es ist auch noch lange nicht sicher,ob das klappt.
    Ich habe mir inzwischen angewöhnt einfach nur noch das nötigste zu machen. Es zerreisst einen innerlich, aber alles andere hat einfach keinen Sinn. Ich suche auch nicht mehr das Gespräch mit ihr. Da kommt nicht sinnvolles mehr raus.
    Wenn ich ihre Sch... wegmachen muss schimpfe ich wie ein Berserker. Das brauche ich um damit klar zu kommen. Ich kann nur hoffen, dass sie das vergißt. Mein Rat (falls möglich) versuche Dich emotional von Deiner Mutter zu distanzieren. Diskussionen bringen garnchts. Einfach reden laassen und das notwendige erledigen. Es bringt keinem was, wenn Du Dich zu sehr aufreibst. Ich durfte selber erfahren wie schwer das ist. Das Gewissen drückt, aber wir hier im Forum tun mit Sicherheit mehr als die meisten anderen, die Ihre Eltern ins Heim schieben und das dürfen wir uns getrost anrechnen lassen. Irgendwann wird es vorbei sein und dann will man doch noch was vom Leben haben können.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, einen Gedanken möchte ich aufgreifen: Was passiert in einem Menschen, der die Angehörigen und die eigene Wohnung nicht mehr erkennt? Natürlich wissen wir das nicht, aber unsere Intuition hilft vielleicht ein wenig. Hilfreich ist mir immer die Erfahrung, dass durch den Hirnabbau der Demenz immer frühere Erfahrungen das Handeln und die W