Pipamperon-Saft

  • Moin,
    ich betreue auch weiterhin meine stark demente Mutter, die auch eine ausgeprägte Hinlauftendenz entwickelt hatte.
    Auch weiterhin bekomme ich keine Unterstützung von dritter Seite, da ich keine weiteren Verwandten habe und jeglich Unterstützung von Außenstehenden von meiner Mutter strikt abgelehnt wird.
    Nachdem meine Mutter aufgrund ihrer Demenz vor einigen Wochen handgreiflich gegen mich werden wollte hat ihr unser Hausarzt einen Saft namens Pipamperon verordnet. Die Dosierung war morgen 5 ml, mittags 5 ml und abends 10 ml.


    Nun hatte sie vor ca. 6 Wochen stark angeschwollene Füsse bekommen, die ich mit Hilfe von Wassertabletten inzwischen wieder einigermassen hinbekommen habe.
    Allerdings verlässt sie ihr Bett nicht mehr. Ich schaffe es gerdemal sie für eine kurze Zeit aus dem Bett in einen Stuhl zu setzen um die Bettwäsche und die Auflagen zu wechseln.
    Ich habe daher vor einer Woche den Saft für einige
    2 Tage abgesetzt und plötzlich konnte sie wieder aufstehen und wir konnten sogar einen kurzen Spaziergang machen. Ihr Geisteszustan war jedoch sehr bedenklich, so dass ich ihr dann wieder den Saft gegeben habe, denn sie wurde wieder sehr aggressiv.
    Nun meine Frage: ich beabsichtige den Saft jeweils am Wochenende abzusetzen, damin sie für 1-2 Tage wieder aufstehen kann und ihr unter der Woche den Saft zu geben.
    Wie ist ihre Einschätzung ?
    Ich habe inzwischen einen Rollstuhl und ein Toilettenstuhl besorgt, aber beides findet noch keine Anwendung, da sie natürlich auch das ablehnt.
    Sie isst, aber vor allem trinkt auch zu wenig, aber das Problem haben wir hier ja alle.
    Danke sehr.

  • Hallo Andydreas,
    Habe vor ein paar Tagen noch an Dich gedacht und finde es bewundernswert, wie Du das alles alleine bewältigst .
    Da es sich bei Pipamperon um ein Neuroleptikum handelt und nicht um ein Antidepressivum, ist es nicht ganz so tragisch,am Wochenende damit auszusetzen.
    Neuroleptika senken den Dopaminspiegel (Dopamin ist ganz wichtig für die Bewegung ),der bei älteren Menschen ohnehin niedrig ist.Somit besteht die Gefahr von Bewegungsstoerungen (Muskelsteifheit, unsicheres Gehen,Zittern,genau wie bei der Parkinson Krankheit). Allerdings plädiere ich für die ständige Gabe der Tropfen,damit ein gewisser "Spiegel"erreicht wird,besonders in dem Stadium Deiner Mutter.
    Bei uns ist heute die Situation eskaliert.
    Meine Mutter hat behauptet, ich würde sie nicht mehr baden (stimmt natürlich nicht)und ist mit Hilfe meines Vaters in die Badewanne.
    Als mein Vater ihr wieder raushelfen wollte,hat sie ihn beschimpft und nach ihm geschlagen, er solle verschwinden! !!!
    Am Montag wird der behandelnde Psychiater einen Hausbesuch (trotz Corona,da sehr dringend )machen und dann führt der Weg erstmal in die Psychiatrie.
    Mein Vater hat Angst vor ihr und ich muss ihn auch schützen.
    Ich zerbreche daran,meine Mutter nicht wiederzuerkennen und halte das ganze bald nicht mehr aus.
    Sie hat,wie auch bei Dir,nichts mehr von der Mutter,die wir gesund erlebt haben.
    Alles Gute für Dich
    LG Barbara

  • Hallo Barbara,


    vielen Dank für die Infos. Ich habe den Eindruck Du weisst mehr als mein Hausarzt, den ich nicht zu einem Hausbesuch überrden kann. Vielleicht wäre das einfacher wenn meine Mutter privat versichert wäre.
    Zum Glück kommt jetzt der Ftühling und die Tage werde wieder länger und wärmer.
    Mein Hauptproblem ist nach wie vor die Sturheit meiner Mutter, aber ich habe es aufgegeben dagegen anzukämpfen. Mein Eindruck ist, dass ich durch meine sändigen Bemühungen ihre Lage zu verbessern quasi bei ihr verbrannt bin. Sie erkennt verständlicherweise nicht, dass ich nur das Beste für uns beide erreichen will und lehnt von vornherein alles ab ohne die Vorteile sehen zu können. Nun isr es ja zur Zeit auch garnicht möglich sie in einer Einrichtung unterzubringen und so habe ich meine Bemühungen diesbezüglich eingestellt. Bauchschmerzen bekomme ich, wenn ich daran denke sie in ein Krankenhaus einliefern zu müssen, denn ich sehe dort eine grosse Ansteckungsgefahr.
    Sie soll möglichst friedlich hier zu Hause sterben. Egal wie lange das dauert.
    Ich habe inzwischen die Aufgaben eines Pflegedienstes vollständig übernehmen müssen, was mir erstaunlicherweise relativ leicht fällt. Die Körperhygiene bleibt zwar weitestgehends auf der Strecke, aber wenn es sein muss kriege ich das auch irgendwie hin.
    Ein kleiner Tipp. Wenn meine Mutter mal wieder ihre Spinnereien absondert diskutiere ich nur kurz mit ihr und wenn es eskaliert verlasse ich den Raum für ein paar Minuten. Wenn ich dann wieder ins Zimmer komme rede ich mit ihr mit einer sanften Stimme und sage ihr sinngemäß, dass wir doch nicht streiten dürfen und doch zusammenhalten müssen weil wir ja sonst niemanden haben etc.
    Das klappt ganz gut.
    Ich lebe im Moment immer mit dem Gedanken an die Zeit danach. Der Tod wird für sie eine Erlösung sein und für mich neben der Trauer auch eine Befreiung. Ich werde dann mein weiteres Leben komplett neu organisieren müssen, aber darin liegt ja auch ein gewisser Reiz. Dann kann ich auch an mich selber denken. Natürlich muss ich auch an meine Zukunft denken, denn ich befürchte, dass mich irgendwann die Demenz auch ereilen wird, aber bis dahin könnennoch 10-20 Jahre liegen, die ich dann ein wenig für mich nutzen kann.
    Also Kopf hoch, es gibt ein Leben danach.

  • Hallo Andydreas,
    eben waren meine Eltern hier und meine Mutter fragte,ob ich angerufen hätte und sie zu uns bestellt hätte.
    Ich sage nein-da meinte sie wie so oft:dann hat uns wieder jemand reingelegt? ??
    Immer wieder Halluzinationen und Wahnvorstellungen.
    Und man sieht ihr den Verfall richtig an.
    Und jeden Tag ist IHR Tag zum Sterben.
    Wir sollten heute Abend kommen zu Ihrer Abschiedsfeier? ????
    Ich habe gerade das Buch"Wie sich Alzheimer anfühlt "gelesen.
    Dort spricht eine Ärztin mit Betroffenen über ihre Krankheit.
    Da kann man ganz deutlich den gravierenden Unterschied zwischen der Lewykörper Demenz (meiner Mutter)und der Alzheimer erkennen.
    Menschen mit Alzheimer spüren in einem frühen Stadium ,daß etwas nicht mit Ihnen stimmt.
    Sie haben eine Krankheitseinsicht, die es bei meiner Mutter NIE gegeben hat,was sicherlich auch durch die Wahnvorstellungen (an denen der Betroffene festhält und nicht abzubringen ist)kommt.
    Selbst zu Beginn ,als Sie auf eine Psychose behandelt wurde und wir ihr erklärt haben,daß die Stimmen,die sie gehört hat,gar nicht existiert haben,hat sie gemeint,sie sei doch nicht verrückt! !
    Ich weiß und spüre ganz deutlich, daß der Abschied schon begonnen hat.
    Ich kann Sie nicht mehr um Rat fragen-sie wird nie mehr herzhaft über die Späße meines Mannes lachen-ich kann mich nicht mehr täglich mit ihr über das Tagesgeschehen unterhalten.
    Jetzt ist es so,daß ich erschrecke ,wenn das Telefon klingelt und ich Ihre Nummer sehe.
    Sie ruft nicht an,weil sie fragen will ,ob alles ok ist oder mir eine gute Nacht wünschen will-nein, es wartet wieder irgendeine Wahngeschichte auf mich,mit denen ich ganz schlecht umgehen kann.
    Einerseits sehe ich Ihre Hilflosigkeit und Ihren Verfall,andererseits habe ich totale Berührungs Ängste mit dieser Krankheit, besonders dem Wahn.
    Ein Leben danach?
    Mein Blick auf das Leben und meine Lebensfreude sind sehr verblasst und die Lust am Leben hält sich in Grenzen.
    Es hat sich eine Depression entwickelt.
    Du kannst Dich immer gerne melden.
    Ich habe auch alle Ärzte in den Wind geschossen und bin nun wieder bei dem Psychiater, der sie vor 2 Jahren,als alles begann,behandelt hat.
    Dem kann ich in Sachen Lewykoerperchendemenz allerdings auch was vormachen.
    Er ist empathisch und kann zuhören -ein sehr freundlicher Mensch.
    Zu ihm kommen halt die Patienten, die in der angrenzenden Psychiatrie gelegen haben,und von ihm weiterbehandelt werden (Schizophrene usw.)
    Alles Gute
    Barbara

  • Am späten Nachmittag erfolgte bei meiner Mutter die Reaktionauf das Weglassens des Saftes. Sie konnte wieder selbständig aufstehen und hat mich innerhalb von Minuten aus der Fassung gebracht. Sie wurde wieder agressiv und ichaber auch. Wider besseren Wissens konnte ich nicht ruhig bleiben. Es folgten 3 Spaziergänge. Zum Glück fehlte die Kraft zu mehr. Ich habe ihr ein leckeres Abendessen zubereitet, das ich dann selber essen durfte. Ich habe ihr dann zu den abendlichen Tabletten auch wieder den Saft gegeben, so dass ich spätestens ab Dienstag wieder eine bettlägerige Mutter haben dürfte, aber ich bin mit meinen Nerven auch fertig.
    Mich erhält tatsächlich der Gedanke an das danach aufrecht. Bedingt durch die gegenwärtige Corona-Krise könnte ich zur Zeit ohnehin wenig machen.
    Ich habe ja den Vorteil mit ihr zusammen in einer Wohnung zu wohnen und kann später, wenn die Bettlägerig schlimmer wird noch reagieren. Pflegebett, Pflegedienst usw.
    Für mich ist es wichtig von Tag zu Tag zu denken und mir Freiräume zu schaffen.
    Das eigentlich schwierige ist und bleibt das Gewissen. Das wird mir bleiben. Der Zweifel genug und das Richtige zu tun drücken gewaltig, aber ich versuche seit Monaten mal jemand geschultes in die Wohnung zu bekommen, aber es werden mir nur telefonische Auskünfte erteilt.
    Selbst mein Hausarzt duckt sich weg.
    Wir werden mit unseren dementen Angehörigen mächtig im Stich gelassen. Durch meine Freistellung für 6 Monate verzichte ich auf ca, 15000 Euro. Nur gut dass wir für schlechte Zeiten was angespart haben. Jetzt weiss ich wofür. Ab Oktober werden die Karte neu gemischt.

  • Man kann einfach nicht immer ruhig bleiben-ich schaffe das auch nicht.
    Als mein Vater gestern Abend anrief und mir sagte,daß meine Mutter ihn beschimpft hätte und er solle verschwinden, hatte ich eine unglaubliche Wut gegen meine Mutter in mir und hätte sie am liebsten sofort in die Psychiatrie gesteckt.
    Sicherlich ist es die Reaktion bei ihr auf irgendwas Wahnhaftes in ihrem Kopf und mein Vater muss dran glauben.
    Oder es gibt einfach keine Erklärung für Ihr Verhalten -Demenz eben.
    Dann möchte ich am liebsten zu ihr sagen,was sie für eine demente, grantige alte Frau geworden ist.
    Es tobt dann in meinem Kopf und als sie dann eben wie ein Häufchen Elend bei mir am Tisch saß, bricht es mir das Herz,solche Gedanken gehabt zu haben.
    Ich versuche immer noch ihre falschen Behauptungen zu korrigieren, obwohl das ja alles gar nichts bringt.
    Aber was soll ich sagen wenn sie behauptet, mein Vater würde sie belügen?
    Ich habe zu ihr gesagt,daß er das ganz sicher nicht tut!!!!
    Dann sagt sie:tut er doch und wie
    Wie soll ich damit umgehen???
    Im Moment ist wieder ein Punkt erreicht, an dem ich mich mut-und kraftlos fühle und sehr viel weine.
    Liebe Grüße
    Barbara

  • Hallo Andydreas,


    das ist ein Kraftakt, den Sie täglich leisten. Zu dem Saft kann ich sagen, dass er zur ersten Generation der Neuroeleptika gehört. Die Nebenwirkungen sind entsprechend höher als in der Folgegeneration.


    Interessant finde ich den Umstand, dass Sie auf diese Weise mit der entsprechenden Dosis das Verhalten ihrer Mutter steuern können.


    Was innere Wut angeht, so kann ich aus Erfahrung sagen, dass ich die nur selten habe. Aber ich muss auch sagen, dass meine Schwiegermutter, was ihre emotional erpresserischen Forderungen angeht, mich schwer belasten. Wenn sie eine bestimmte Grenze überschreitet, dann spiegle ich ihr ihr Verhalten und sage, dass ich alles für sie tue, was ich kann, dass aber auch andere das Recht auf meine Hilfe haben. Und dann werde ich auch schon mal bestimmender. Ich verlasse dann auch meist den Raum. Und wenn ich zurück komme, dann ist sie wesentlich sortierter. Aber mit zunehmendem körperlichem und geistigem Verfall, trotz viel Energie, wird es zunehmend schwieriger mit ihr.


    Barbara,


    das, was Sie beschreiben, ist einfach nur erschlagend, weil man hier überhaupt keinen Anpack hat und ihr Vater zunehmend mit seiner Frau nicht mehr zurecht kommt.
    Ich sehe hier auch keine Möglichkeit, außer der Psychiatrie. Leider erfahre ich auch bei meiner Schwiegermutter zunehmend Halluzinationen und auch Behauptungen, die sie als Opfer hinstellen und alle anderen schlecht aussehen lassen. Aber es ist auch noch ein Stück Verständnis vorhanden. Das ist der Unterschied zu der Demenz, die Ihre Mutter hat. Trotzdem wird es auch für mich zunehmend belastender, denn meine Schwiegermutter kann immer weniger alleine leben, obwohl täglich jemand bei ihr ist. Auch sie ist ein Häufchen Elend und auch mir bricht es das Herz. Aber ich habe nun mal drei Personen, um die ich mich kümmern muss. Und sie lehnt vehement immer noch vieles ab, was ihr jetzt weiterhelfen könnte.


    Liebe Grüße an alle, die hier mitlesen und mitschreiben

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Andydreas, bitte experimentieren Sie nicht mit einem zwischenzeitigen Absetzen von Neuroleptika. Genau das kann zu gravierenden Nebenwirkungen führen! Die Nebenwirkungen, die Kraftlosigkeit und die geschwollenen Beine können Sie auch telefonisch mit dem Arzt besprechen, er wird vielleicht die Dosierung verändern.


    Die Tatsache, dass das Medikament wirkt ist sehr wichtig, es weist darauf hin, dass die Ursache der Aggression in einem psychotischen Erleben liegen kann. Niemand kann sagen, ob und welche schweren Erschütterungen oder Traumata Ihre Mutter gerade überwältigen. Es ist eine schwere ethische Abwägung, wie die Behandlung der innere Hölle Ihrer Mutter, die Sie beide an den Abgrund des Erträglichen bringt - mit den Nebenwirkungen abgewogen werden muss.


    Sie haben sich entschieden, Ihrer Mutter ein würdiges Ende zu ermöglichen, haben Sie schon mit dem SAPV-Dienst Kontakt aufgenommen? Ich hatte ja an anderer Stelle empfohlen, dass es diesen spezialisierten Beistand für ambulante palliative Versorgung gibt.




    Hallo Barbara66,
    Sie stecken wirklich in einer absolut schwierigen Situation. Durch die Coronakrise ist Ihr Hilfesystem zusammengebrochen und die Neuroleptika, die eigentlich bei Wahnsymptomen gut helfen, sind für Ihrer Mutter mit einer Lewykörperchen Demenz verboten. Das ist eine fast ausweglos und Ihre Möglichkeiten sind absolut begrenzt, denn gegen den Wahn können Sie nichts machen, außer zu beruhigen und das wahnsinnige Erleben Ihrer Mutter nicht persönlich zu nehmen.


    Sie können sich ein bisschen schützen, wenn Sie von sich aus Ihre Eltern anrufen, dann sind Sie aktiv und nicht in der ständigen Anspannung, was als nächstes kommt. So können Sie ein klein wenig beruhigen. Das was so wenig klingt, ist ganz viel, es ist vielleicht alles was Sie tun können. Und es ist sehr wertvoll, besonders, wenn es Ihnen gelingt, selbst ein bisschen entspannter zu werden.
    Das schreibe ich, falls das schlechte Gewissen ein Antreiber für die enorme Belastung ist.


    Vielleicht können noch Sie die Verantwortung mit dem sozialpsychiatrischen Dienst teilen: Natürlich wäre die Einweisung in die Gerontopsychiatrie eine Möglichkeit, zumal wenn das Problem in (häusliche) Gewalt eskalieren könnte.
    Aber die Kollegen könnten auch dafür Sorge tragen, dass relevante Personen aus dem Hilfesystem von dem Kontaktverbot ausgenommen werden - sie sitzen "Tür an Tür" mit den Kollegen, die über die Maßnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz entscheiden und Ihre Eltern werden die Ausgangsbeschränkungen nicht verstehen können - dann wären vielleicht begrenzte Kontakte, die dies ermöglichen besser als eine gravierende Entscheidung einer klinischen Behandlung mit einem ungewissen Ausgang.


    Ich wünsche Ihnen Beiden sehr, dass Sie in der extremen Situation stark bleiben! Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,
    ich gebe ihr jetzt wieder den Saft. Allerdings etwas weniger als vom Arzt verordnet. Ich werde ihn auch nicht noch einmal absetzen, weil ich nun verstanden habe, dass es wichtiger ist sie auf einem möglichst gleichbleibenden Level zu halten.
    Über den SAPV habe ich auch mit der hiesigen Demenzberatung des Landkreises gesprochen. Die Dame war sichnoch unsicher ob meine Mutter schon so weit wäre und konnte oder wollte mir keinen Ansprechpartner nennen. Ich konnte die Zweifel insoweit verstehen, als dass meine Mutter nach dem Absetzen des Saftes wieder deutlich lebhafter und mobiler wurde. Ich werde die nächsten Tage abwarten wie sie auf den Saft reagiert. Sollte sie wieder bettlägerig werden besorge ich das Pflegebett und nehme mit dem SAPV Kontakt auf.
    Vielen Dank für Ihre Mühe.

  • Hallo Herr Hamborg,
    Vielen Dank für Ihre Antwort.
    Verboten sind Neuroleptika bei LBD ja nicht,sie werden nur sehr schlecht vertragen und können in eine Parkinson Krise führen (was ja im Oktober 2018 bei meiner Mutter passiert ist).
    Clozapin und Quetiapin duerfen gegeben werden,da hier die Gefahr von EPMS doch viel geringer ist als bei anderen Neuroleptika.
    Clozapin wäre das wirksamste und macht so gut wie gar keine extrapyramidalen Störungen.
    Leider ist die wöchentliche Blutuntersuchung zu stressig für meine Mutter und sie bekommt ja schon sehr lange Quetiapin, allerdings nur 25-50 mg am Abend,was für Ärzte ja eher eine "homöopathische Dosis"ist.
    Deshalb denke ich auch,daß es wichtig wäre, sie in der Psychiatrie neu einzustellen und dort die Dosis auf bestimmt 200 mg zu erhöhen.
    Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.
    Aber dort will sie ja nicht hin!!
    Barbara

  • Hallo Andydreas,
    bzgl. des SAPV würde ich gar nicht lange warten und den Weg über die Demenzberatung des Landkreises gehen. Wenn Sie mit Ihren Wohnsitz und SAPV googlen müssten Sie eigentlich einen Ansprechpartner finden. Sie können auch im nächsten Hospiz oder bei der Caritas/Diakonie anrufen, die wissen auch, wer für Ihren Wohnsitz zuständig ist. Es ist wichtig, solche Dienstleistung frühzeitig mit ins Boot zu holen. Zumindest sollte das Aufnahmegespräch schon mal stattfinden. Die SAPV entscheidet selbst, wie oft sie am Anfang bei Ihrer Mutter vorbei kommen werden. Die Dame von der hiesigen SAPV war zum Aufnahmegespräch bei uns, hat sich die Krankenakte meiner Mutter angesehen und sich mit meiner Mutter unterhalten. Zu der Zeit bestand auch noch kein akuter Bedarf, trotzdem war geplant, dass sie erstmal einmal in der Woche vorbeikommen, bis das dann tägl. Bedarf besteht (meine Mutter war auch noch Krebskrank). Einen Tag später ist meine Mutter plötzlich verstorben.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und viel Kraft

  • Hallo,
    heute hatte ich mit dem MDK mein Gespräch bzgl. der Erhöhung des Pflegegrades auf 5. Ich habe die gegenwärtige Situation geschildertt und etliche Fragen beantwortet. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass das klappt. Zur Not kann ich ja wieder einen Widerspruch einlegen.
    Dann habe ich den Rat befolgt und mit dem hiesigen SAPV Kontakt aufgenommen. Erst lief alles auf ein Beratungsgespräch hinaus. Dann aber wurde mir erklärt, dass ich bei einem normalen Pflegedienst besser aufgehoben wäre, da der SAPV in erster Linie Krebspatienten betreut. Außerdem wäre es lediglich eine Unterstützung in Notfällen.
    Ich hatte es so verstanden, dass eine Art verbesserten Pflegedienst mit regelmäßiger Kontaktaufnahme erfolgen würde. Man kümmert sich jetzt um einen Pflegedienst für uns. Vielleicht lässt sie es dieses Mal zu.
    Jetzt werde ich mich nach Ostern un ein Pflegebett bemühen. Vom MDK wurde mir Zustimmung signalisiert.
    Es bleibt also schwierig.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Andydreas, ich wünsche Ihnen sehr, dass die
    Kolleg*innen vom SAPV Ihre Not ernst nehmen. Neben dem Allgemeinzustand Ihrer Mutter ist es ja vor allem die ethische Zwickmühle in der Sie Unterstützung brauchen. Ganz vereinfacht könnte es so aussehen: Ihre Mutter kämpft massiv gegen jede Hilfe zum Leben und Sie kämpfen verzweifelt auf der anderen Seite. Wenn Ihre Mutter innerlich bereit zum Loslassen ist, dann ist es geraten, wenn Sie in diesem möglichen Teufelskreis von außen unterstützt werden. Zumindest kann dies über einen engagierten Hospizhelfer versucht werden, wenn es mit SAPV noch nocht möglich ist.


    Hallo Barbara66, bezüglich der Neuroleptikagabe bei Menschen mit einer Lewybody Demenz habe ich mich nur allgemein äußern wollen, weil es zu sehr auf den individuellen Einzelfall ankommt und die Klinik der richtige Ort für die Einstellung ist. Wenn Ihre Mutter dort schon bekannt ist, kann vielleicht der Hausarzt dort nach Rat fragen, manche Ärzt*innen in der Gerontopschiatrie sind da sehr aufgeschlossen. Aber in Wirklichkeit wünsche ich Ihnen, dass es mit der Klinik klappt!
    Ihnen Beiden viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Andydreas und alle anderen,


    kommt ihr euch manchmal auch wie Seiltänzer vor? Neuroleptika und andere Psychopharmaka sind meistens bei Demenzerkrankungen kontraindiziert, da die Sterblichkeit steigt - einerseits. Sie sind aber hilfreich und ermöglichen oft überhaupt erst die Pflege, wenn die Kranken unter Wahnvorstellungen leiden, aggressiv sind, schreien oder unruhig sind - andererseits.
    Das Besuchsverbot während der Corona-Pandemie in Pflegeheimen schützt die oft Hochbetagten vor Ansteckung und Erkrankung - einerseits. Die dementen Bewohner verstehen aber den Sinn des Kontaktverbotes nicht, keiner kann ermessen, was das für deren seelisches Wohlbefinden bedeutet, wenn sie ihre Liebsten nicht sehen - andererseits.
    Meine Schwiegermutter steht immer auf und stürzt dann oft (derzeit: Armbruch!). Sie kann nicht einschätzen, dass sie unsicher auf den Beinen ist und verweigert Rollator, Rollstuhl und alle anderen Hilfen - einerseits. Es ist aber unethisch, einen kranken Menschen in seiner Freiheit durch Bettgitter, Fixiergurt oder sonstiges zu behindern - andererseits.
    So sind wir Angehörigen und auch die Pflegekräfte dauernd zwischen Baum und Borke!

  • Hallo Lulu,
    sie sprechen mir aus dem Herzen. Auch ich fühle mich hin und hergerissen. Mich belastet die Verantwortung, die ich da übernommen habe. Ich bin inzwischen nicht mehr ganz so gnädig mit meiner Mutter, da ich meine, das wenn sie vor einiger Zeit andere Entscheidungen in ihrem Leben getroffen hätte der Verlauf der Krankheit vielleicht anders gewesen wäre. Aber das ist jetzt narürlich müssig, da jetzt da nichts mehr zu machen ist.
    Ich ziehe das jetzt routinemäßig durch und kämpfe meinen Kampf alleine weiter. Heute habe ich ein Pflegebett im Sanitätshaus geordert. Das wird sie vorerst natürlich auch wieder ablehnen,aber da denke ich an die nahe Zukunft.
    Irgenwann werde ich vielleicht auch einen Pflegedienst finden und irgenwann kommt dann auch wieder der SAPV oder ein Hospiz ins Spiel.
    Jeder Tag bleibt eine neue Herausforderung.
    Man fühlt sich wirklich im Stich gelassen.


    Alles Gute

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