Antrag auf Unterbringung

  • Guten Tag,
    ich habe ja hier bereits mehr über die Probleme mit meiner an FTD. Demenz erkrankten Mutter berichtet. Wir sind jetzt soweit, dass wir es nicht weiter verantworten können, dass meine Mutter allein lebt. In ihrer Wahrnehmung ist meine Mutter nicht krank, so dass wir über eine friedliche Lösung mit Pflegeheim nicht durchsetzen können. Daher haben wir jetzt beschlossen, die Unterbringung über das Betreuungsgericht zu beantragen.
    Hat in unserer Runde jemand Erfahrung damit.
    Danke für Hinweise

  • Hallo Gobis,
    ja ich habe gleich 2 x (bei beiden Eltern) die Erfahrung damit..allerdings war ich nicht federführend, sondern der rechtliche Berufsbetreuer, der sich aber mit mir abgesprochen hat.
    Der Ablauf war so: der Rechtliche Betreuer stellte beim Betreuungsgericht einen Antrag auf zwangsweise Unterbringung (natürlich mit Begründung...ärztlichen Stellungnahmen, die bereits vorliegen evtl..und auch Stellungnahmen der Angehörigen oder/und Nachbarn, die den Antrag untermauern können).
    Das Gericht beauftragt dann entweder den Amtsarzt oder einen anderen Gutachter...dieser begutachtet dann den Erkrankten, in der Regel bei demjenigen zu Hause (hoffentlich wird dann auch die Türe geöffnet und der Gutachter reingelassen, sonst gibt es weiteren zeitlichen Verzug)...
    der Gutachter oder der Amtsarzt schreibt dann sein Gutachten an das Gericht...
    und dann entscheidet das Gericht, ob eine zwangsweise Unterbringung erfolgen kann/muß oder nicht...


    alle Verfahrensschritte können jeweils ein paar Wochen dauern.


    Im Notfall...Extremsituation..kann es dann auch mal schneller gehen...was aber relativ ist.


    Nachtrag:
    Voraussetzung für eine zwangsweise Unterbringung mit richterlicher Genehmigung ist erhebliche Fremd- oder Selbstgefährdung...wobei die Betonung auf "erheblich" liegt. Es müssen also in der Regel bereits mehrere Polizeieinsätze vorgelegen haben...oder Zeugenaussagen von familienfremden Personen etc....
    nur die eigene Einschätzung, dass es daheim nicht mehr so geht und fehlende Krankheitseinsicht des Betroffen reichen nicht aus.


    Alles Gute..und viele Grüße
    hanne63

  • Hallo Hanne,
    Nein, bei uns liegt keine Fremdgefährdung vor. Ich weiß, dass es nur mit Eigengefährdung recht schwierig wird. Aber die Hoffnung ....
    Ich habe an den Antrag ganz viele Unterlagen gehängt. Außerdem hoffe ich, dass wenn ein Richter mit ihr spricht, falls der überhaupt ins Haus gelassen wird, es ähnlich abgeht, wie wenn wir das ansprechen.
    Mal schauen, wie es läuft, aber ich muss einfach diesen Versuch unternehmen.

  • Hallo Gobis,
    dann drücke ich die Daumen.
    Für den Fall , dass das Gericht einen Unterbringungsbeschluß faßt.....ist es sinnvoll, sich im Vorfeld Gedanken zu machen....wie die erkrankte Person dann in das betreffende Heim oder in die Geriapsychiatrie zuvor zwecks Medikamenteneinstellung verbracht werden soll.....wenn sie nämlich nicht freiwillig mitgeht...muß/kann die Hilfe der Polizei in Anspruch genommen werden...oder man wendet einen Trick an.....und die Person geht freiwillig mit....
    in meiner Familie gab es beide Varianten.....beide sind sehr belastend und nervenaufreibend...


    Und: es mußt trotzdem vorher erst einmal ein freier Heimplatz gesucht werden, bei richterlichem Beschluß ist das in der Regel ein Heimplatz auf einer sog. beschützten Station...die sind noch seltener zu bekommen....
    Leichter ist der Weg von Geriapsychiatrie ins Heim, weil dann der Sozialdienst des Krankenhauses evtl bei der Suche des Heimplatzes mithilft....


    Ich würde auf jeden Fall, jetzt schon einmal einen Heimplatz suchen.....oder auf Wartelisten setzen lassen.....


    Der richterliche Beschluß muß nicht sofort umgesetzt werden, er gilt dann einige Zeit.


    Viele liebe Grüße

  • Hallo Gobis, inhaltlich kann ich mich den guten Vorschlägen von Hanne63 voll anschließen und es bleibt mir nur, Ihnen viel Erfolg wünschen. Bitte informieren Sie uns und teilen Ihre Erfahrungen auf diesem schwierigen Weg. Alles Gute Ihr Martin Hamborg

  • Hallo in die Runde,
    ich wollte mal eine Zwischeninfo geben.
    Vom Gericht wurde ein psychatr. Gutachter beauftrag, der vor Ort meine Mutter besuchte.
    Vom Gericht wurden 7 Fragen formuliert, die den Zustand meiner Mutter einschätzen sollen. Es wurde in Kurzform festgestellt, dass sie Psych. Krank ist, diese Erkrankung auf Grund der FTD Diagnose nicht erkennen kann und in ihrer Willensbildung eingeschränkt ist. Besteht Gefahr, dass sie wegläuft und um Straßenverkehr überfahren wird oder erfriert. Mit diesem Ergebnis hat der Richter vor, den Antrag abzulehnen.
    Man hat ja die Möglichkeit der Stellungnahme, die ich auch wahr genommen habe, und nun bleibt das Ergebnis abzuwarten.
    Insgesamt ist es völlig sinnlos, bei FTD der apathischen Form - Mutti sitzt den ganzen Tag auf der Couch, davon auszugehen, dass keine Gefahr für sich selbst vorliegt, wenn sie Nichts trinkt oder kaum isst.
    Fast zum Glück muss man sagen, hatten sie in der Zeit einen erheblichen Brechdurchfalls, so dass der Pflegedienst den Notarzt holen musste, mal schauen ob dies reicht, um die Gefahr für sich selber zu bestätigen. Hilfe hätte sie sich selber nicht einfordern können.
    Als Angehöriger bin ich am Verzweifeln, dass man in aller Ruhe zuschauen darf, wie Jemand, der krankheitsbedingt keine Möglichkeit der Krankheitserkennung hat, weiterhin alleine Leben kann. Der Satz in ein Heim geh ich nicht, klappt immer noch.


    Ich will doch die notwendige Hilfe für meine Mutter, die ganztägig da ist und das Gefühl sie gut versorgt zu wissen. Die bisherigen Hilfe sind aus meiner Sicht nur eine Notlösung, auch weil jegliche Hilfe abgelehnt wird, nur ich darf alles machen.


    Liebe Grüße aus Leipzig

  • Hallo Gobis,
    Ja...jetzt heißt es erst einmal abzuwarten...aber selbst wenn der Richter nicht gleich beim ersten Mal einen Unterbringungsbeschluß fällt...ist es doch ein weiterer Schritt in diese Richtung....
    Bei meinem Vater war ausschlaggebend, dass er mehrfach ins Krankenhaus gebracht werden mußte...wegen Stürzen oder zuletzt wegen eines epileptischen Krampfanfalls aufgrund der Demenz und der Pflegedienst kam zum Glück dazu und rief den Notdienst an...also nur diese ganzen Notfälle...wo mein Vater selbst für sich keine Hilfe mehr hätte holen können...haben letztlich die Unterbringung gegen seinen Willen bewirkt....
    Der Satz: ich will nicht ins Heim, ich komme allein sehr zurecht...kam bis zuletzt....das war wie einstudiert...


    Dann nach der Eingewöhnungszeit im Heim sagte er, das sei jetzt sein neues Zuhause und alles sei ok so...


    und dann die Überraschung: bei meinem kürzlichen Besuch im heim sagte er: er geht überall allein hin und kann alles allein regeln und kommt sehr gut allein zurecht...er weiß überhaupt nicht, wieso er überhaupt hier in diesem Heim ist...


    ich war total perplex...und habe dann einfach laut losgelacht...und gesagt: also Vati...das geht doch nicht...du bist doch überhaupt gar nicht mehr daheim zurecht gekommen...und dann: hat er auch laut losgelacht...und die Angelegenheit war erst mal wieder erledigt...


    Also Sachen gibt's....


    Ich denke, schwer Demenzerkrankte wissen sehr wohl, dass ihnen die Heimunterbringung "droht"...und sie sagen immer wieder den Satz, dass sie nicht ins Heim wollen und auch, dass sie allein zurecht kommen...auch bei meiner Mutter war das so.


    Also warte erst mal ab...wie jetzt der Richter entscheidet...und dann ist wichtig,,,dass jeder neuer Vorfall neu dokumentiert wird...es bleibt leider nichts anders..als auf solche Notfälle zu warten.


    liebe Grüße

  • Hallo Gobis, mit einigen Gedanken möchte ich noch die Informationen und Einschätzungen von Hanne63 ergänzen:


    Wenn der Neurologe oder Psychiater Ihrer Mutter noch eine aktuelle Prognose schreibt, könnte das hilfreich sein. Zudem könnten Sie abstimmen, was in welchem Fall zu tun ist und eine Einweisung könnte zügig - auch bei körperlichen Problemen - erfolgen.
    Es kann auch sinnvoll sein mit der Betreuungsstelle (zumeist bei der Stadt angesiedelt) oder einem Betreuungsverein Kontakt aufzunehmen und sich beraten zu lassen. Diese Institutionen kooperieren direkt mit dem Betreuungsgericht und kennen die Gewohnheiten der Richter. Es ist gut möglich, dass die Informationslage über das vielschichtige Krankheitsbild der frontotemporalen Demenz nicht so optimal ist.


    Leider kann ich immer wieder nur an Verständnis und Geduld appellieren: Die Freiheit ist ein sehr hohes Gut und es ist (eigentlich) gut, wenn Richter nicht vorschnell entscheiden und das persönliche Risiko höher bewerten.
    Das Betreuungsrecht hat in Deutschland aus guten Gründen sehr enge Grenzen gesetzt -


    Aber: Wenn eine neue Gefahr in Verzug ist, können und müssen Sie sofort handeln und die Polizei oder den Notarzt einschalten und der "Plan B" beginnt.
    Viel Kraft für den Einsatz zum Wohle Ihrer Mutter, Ihr Martin Hamborg

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