Autofahren mit über 90

  • Hallo zusammen.
    Mein Vater ist über 90 und will nicht einsehen, dass er sein Auto nicht mehr sicher fahren kann.
    In dem letzten 5 Jahren gab es insgesamt 3 Kollisionen, davon eine mit Totalschaden und dabei einem Verletzten. Immer war es seine Mitschuld. Zusätzlich noch die Parkplatzschäden mit zerschrammter Stoßstange.
    Seit Corona konnte ich seine Autofahrten mit dem Argument "Ansteckungsgefahr" verhindern und seine ( bzw ihre , mit meiner dementen Mutter als Beifahrerin) Besorgungen übernehmen.
    Ein Appell an seine Vernunft, jetzt ganz das Autofahren einzustellen, läuft ins Leere.
    In den letzten Wochen ist er dreimal Auto gefahren und hatte zuletzt eine Radlerin aus der Nachbarschaft beim Vorbeifahren gefährdet. Zum Glück kein Unfall.
    Vor 4 Tagen erlangte ich Zugriff auf seine beiden Autoschlüssel und nahm sie an mich, um weitere Fahrten zu verhindern.
    Seit dem macht er mir das Leben zur Hölle. Beschimpfungen Drohungen ...
    Es gibt keine Betreungsvollmacht oder dergleichen für meine Eltern.
    Beide Eltern wohnen zusammen im Reihenhaus und sind eigentlich sehr stark auf meine Unterstützung angewiesen. Die Medikamentenversorgung für meine Mutter bekommen sie nicht alleine hin.
    (Hierbei hilft meine Schwester telefonisch mit regelmäßogen Erinnerungen)
    Es wird leider zur Tortur und ich bin ratlos wie es weitergehen soll.
    Viele Grüße aus Berlin

    • Offizieller Beitrag

    Hallo BeeGee56,


    Demenz & Autofahren ist ein häufiges und schwieriges Thema.
    Sie finden dazu auch hier schon Threads und im Wegweiser Informationen.


    https://www.wegweiser-demenz.d…ngsrechtlicher-sicht.html


    Auch hier finden Sie eine informative Zusammenstellung: https://www.demenz-sh.de/demenz/autofahren-und-demenz/


    Allerdings schreiben Sie nicht, dass Ihr Herr Vater eine Demenz hat. Würde er auf eine behördliche Untersagung "besser" reagieren? Über die örtl. Zulassungsstelle kann die Überprüfung der Fahreignung angeregt werden. Auch Hausärzte stellen häufig noch eine Autorität / Instanz dar, deren Rat eher akzeptiert wird.


    Vom Autofahren abzulassen wird häufig als schwerer Eingriff in die eigene Autonomie empfunden (was es vielfach ja auch ist). Wenn es vor allem um die sorge der Selbstversorgung geht, kann es hilfreich sein Alternativen anzubieten (Fahrdienste).
    Wenn es Ihrem Vater mehr um die Abwehr von "Fremdbestimmung" geht, helfen vielleicht die o.g. Instanzen. Es ist vielleicht einfacher sich von Autoritäten das Autofahren untersagen zu lassen, als von seinem eigenen Kind. Gibt es ggfs. noch eine weitere Bezugsperson, auf deren Rat sonst gehört wird und die mit ins Boot geholt werden könnte? Oder könnten Sie ihn zu einer verkehrsmedizinischen Untersuchung überreden hinsichtlich seiner Fahreignung?


    Es grüßt Sie



    Jochen Gust

  • Hallo Herr Gust


    Vielen Dank für Ihre Antwort.


    An eine freiwillige Prüfung der Fahrtauglichkeit meines "nicht dementen" Vaters ist nicht zu denken.


    Es sind alles Verleumdungen und die Beurteilungen sind nicht objektiv.
    Er kann angeblich alles beim Autofahren durch seine langjährige Routine ausgleichen.


    Meine Aktion des Schlüsselentzugs vom Auto endete mit einem von ihm beauftragten Abschleppdienst zur Werkstatt, die neue Schlüssel anfertigen sollte. Das konnten wir durch einen Telefonanruf verhindern und das Auto wieder abholen.
    Mittlerweile musste ich ihm das Auto mit Schlüsseln wieder aushändigen, da er telefonisch soviel Druck auf die ganze Familie ausübte, dass ich um seine und meiner Mutters Gesundheit (Herzinfarkt...) bangen musste.
    Wir haben jetzt eine behördliche Fahrtauglichkeitsprüfung beantragt.


    Viele Grüße

  • Hallo BeeGee56,
    das Autofahrproblem hatte ich auch bei meinem demenzerkrankten Vater...
    weder ich noch der rechtliche Berufsbetreuer hatte ein Möglichkeit, das Autofahren zu unterbinden...
    Als die Schlüssel weggenommen/verlegt wurden...ließ er sich einfach neue nachmachen...
    die Polizei und andere Behörden sagten mir..er sei noch nicht auffällig geworden...
    das Auto hatte ringsum Beulen von verschiedenen Blechschäden, woher auch immer...
    letztlich war ein Rotlichtverstoß mit Unfall, der durch die Polizei aufgenommen wurde, die Erlösung...
    mit Trick 17 konnte ich das Auto in die Werkstatt bringen..und dort gegen teure Standzeitgebühren stehen lassen...Begründung gegenüber Vater war, dass erst Ersatzteile bestellt werden müssen und das dauern kann...
    zeitgleich wurde endlich eine Fahreignungstauglichkeitüberprüfung angeordnet von den Behörden...die mein Vater nur umgehen konnte, wenn er den Führerschein "freiwillig" abgibt..was er dann auch tat...
    und ich sandte dann ein hallejuha zum Himmel, obwohl ich Atheistin bin.


    Also: bevor kein Unfall passiert: keine Chance..es sei denn..es gibt ein ärztliches Attest zur Fahruntauglichkeit...und das gab uns der Hausarzt nicht...tatsächlich konnte ich ja auch selbst sehen, dass mein Vater manchmal erstaunlich gut noch Auto fuhr..bis zuletzt.


    viele Grüße
    hanne63

    • Offizieller Beitrag

    Hallo BeeGee56,


    sollte "amtlich" festgestellt werden, dass Ihr Herr Vater nicht mehr zum Führen eines KFZ in der Lage ist, hoffe ich, dass er einsichtig ist. Zumindest aber, dass sich seine Verärgerung gegen die Behörde richtet und Ihre Familie so zur Ruhe kommen kann.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

  • Hallo Herr Gust, Hallo Forum


    Es scheint von Seiten der Behörde eine positive Wendung zu geben. (Das Schreiben habe ich persönlich noch nicht gelesen.) Die geschilderte Sehschwäche (zumindest auf einer Seite) und Lichtempfindlichkeit meines Vaters hat jetzt zu einer Aufforderung zu einem Sehtest geführt.
    Mit dieser Anordnung kann er sich "emotional abfinden" und sachlich damit umgehen.
    Er will diesen Test aber nicht machen und daher seinen Führerschein abgeben. Dazu will er dann auch das Auto verkaufen.
    Ab dann sind endlich die Gefährdung anderer und ihrer selbst duch Autofahren verhindert.
    Als Ersatz möchte er sich jetzt allerdings ein Dreirad-ebike anschaffen und damit seine Besorgungen und Einkäufe erledigen.
    Viele Grüße

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