Wie wähle ich das richtige Heim?

  • Hallo alle!
    Unsere Mutti ist seit dem Tod meines Vaters vor gut vier Jahren an Demenz bzw. Alzheimer erkrankt.
    Meine Schwester und ich betreuen sie seit dem. Sie wohnt abwechselnd bei ihr und bei mir. Letztes Jahr im Sommer haben wir sie in ein Heim gegeben, das uns jedoch nicht gefallen hat. Vermutlich waren wir zu gluckenhaft, sind jeden Tag hin. Irgendwie war es eine schreckliche Atmosphäre, Vlt. Waren wir auch etwas zu schnell unterwegs. Nach sechs Wochen haben wir sie wieder raus geholt, weil sie völlig übermüdet war.
    Jetzt ist die Situation so, dass meine Schwester beruflich die Stadt verlässt und ich im homeoffice meine Mutti betreue. Ich bin mittlerweile am Ende. Morgen geht sie für eine Woche in ein Heim in eine Kurzzeitpflege für eine Woche. Dieses Heim ist ein ganz normales Heim, allerdings hat mich die Leiterin derartig überzeugt und beruhigt auf meine Frage, ob meine Mutti dort überhaupt richtig betreut werden kann, weil es kein spezielles Demenz Heim ist. Jetzt sitze ich hier und werde fast verrückt vor Angst bei dem Gedanken dass meine Mutti evtl. Irgendwie das Heim ungesehen verlässt (aus Neugier oder so) und auf der Straße landet. Wir sind von Berlin ins Brandenburgische gezogen, sie kennt sich hier überhaupt nicht aus. Selbst an unserem ursprünglichen Wohnort in Berlin, erkennt sie keine Straßen mehr und würde nie einen Weg irgendwohin finden, geschweige zurück nach Hause. Wir haben dort 40 Jahre gewohnt. Ich beruhige mich zwar, dass ich auf die Kompetenz und Verantwortung der Heimleute vertraue und hoffe, dass ich die Zeit irgendwie überstehe. Das nächste Ziel ist dann ein richtiges Heim zu finden. Im Fernsehen habe ich kürzlich Bericht gesehen über ein Heim für Demenzkranke und werde mich dahin wenden. Was nur wenn man keinen Platz bekommt. Wie finde ich eine Alternative? Wie erkenne ich bloß ein gutes Heim. Das Heim, über das berichtet wurde hat in mir ein derartiges Vertrauen geweckt. . Ich denke, dass diese Heim gut ist. Wo erfährt man welche Heime wie funktionieren? Ich suche schon seit Wochen, ach Monaten im Internet, bin aber unsicher. Auch WG‘s kommen in Frage. Aber wie sind diese einzuschätzen. Grund meines Misstrauen ist dass ich auch, wie die meisten Angehörigen, meine geliebte kleine Mama nicht einfach irgendwelchen Leuten überlassen möchte. Eigentlich kann ich es mir gar nicht vorstellen, dass sie nicht bei mir lebt, aber ich bin so dermaßen am Ende. Ich arbeite eigentlich rund um die Uhr und betreue sie.
    Meine Mutti ist auch so, dass sie ihr Krankheit nicht akzeptiert. Sie meint immer, dass sie nichts hat. Manchmal denke ich, ob es überhaupt Alzheimer ist oder ob sie nicht etwas verrückt ist. Sie küsst die Jungen Männer im Fernsehen an der Mattscheibe, geht auf jeden Mann auf der Straße zu, Frauen will sie dagegen nicht sehen und findet alle „bescheuert“. Am Samstag ist sie aus dem Bett gefallen, mein Schwager ist gekommen um sie aufzuheben, ist dann jedoch zusammengebrochen, weil er irgendwie einen Hexenschuss oder gar einen Bandscheibenvorfall erlitten hat. Da habe ich die Feuerwehr geholt. Als die Rettungskräfte kamen hat sie gleich mit denen geflirtet. Mein Schwager unterdessen ist fast gestorben vor Schmerzen. Ich weiß gar nicht, ob das der Alzheimer Krankheit geschuldet ist oder ob es nicht etwas anderes ist. Aber was?
    Mein Alltag sieht so aus, dass ich Zwischendurch irgendwie meine Arbeit mache (im Homeoffice) was nicht mehr so weitergehen kann. Ich erfülle meine Aufgaben gar nicht mehr. Ich habe überhaupt keine freie Minute mehr. Selbst nachts! Sie steht andauernd auf, macht überall Licht, findet keine Toilette.... ich weiß nicht mehr weiter.
    Meine konkrete Frage ist: wie wähle ich ein gutes Heim aus?
    Beim Schreiben dieser Frage kommt es mir verrückt vor, dass ich das hier frage. Es gibt so viele Informationen im Internet. Man kann alles nachlesen wie man dies bewerten kann. Aber ich bin einfach am Ende. Irgendwie brauche ich Unterstützung aber welche eigentlich? Ich war in einer Angehörigengruppe. Anfangs war das ganz nett und gemütlich. Nach drei Besuchen habe ich festgestellt, dass es zwar sehr lieb gemeint ist, aber sehr wenig hilfreich und letztlich zeitraubend. Eigentlich kann man sich auf meinenden verlassen. Wer hilft einem denn? Vielleicht hat kenne einen Rat für mich. Ich wäre etwas glücklich, wenn mir jemand einen Rat geben könnte. Liebe Grüße Sabine

  • Liebe SabineH,
    ich habe Ihre 3 Beiträge (verschiedene Threads) gelesen und spüre direkt Ihre Verzweiflung.
    Deshalb möchte ich wenigstens ein paar Ratschläge gleich geben:
    eine sehr gute Anlaufstelle ist der örtlich zuständige sogenannte sozialpsychiatrische Dienst (meist beim Gesundheitsamt oder Landratsamt angesiedelt). Dort können Sie ihre Situation schildern und um Rat fragen. In meinem Fall (beide Eltern betroffen) war diese Stelle sehr hilfreich.


    Bei der Angehörigenberatung verschiedener caritativer Organisationen, also wo auch diese Angehörigengruppen angeboten werden) gibt es oft auch Einzelberatungsstunden....das habe ich ein paar Mal in Anspruch genommen....als ich feststellte, dass mit meinen Problemen die Gruppe einfach überfordert war. Aber ich mußte ebenfalls wie Sie feststellen, dass bei zunehmender Schwierigkeit des eigenen Falles....nicht mehr so gut geholfen werden kann...der gute Wille ist zwar da.....aber...
    Unbedingt, falls noch nicht geschehen bei der Pflegekasse(Krankenkasse) einen Pflegegrad beantragen.
    Dann unbedingt versuchen einen örtlichen Pflegedienst zumindest für Stunden (Medikamentengabe, die kann sogar schon vom Hausarzt verordnet werden) und für Hauswirtschaftliche Hilfe etc....zu bekommen....vorher bei einem Pflegestützpunkt beraten lassen, was alles möglich ist......


    Ein gutes Heim zu finden, ist sehr schwierig und dann muß es ja auch noch einen freien Platz geben......nicht alles was im Fernsehen so toll berichtet wird, ist in der Realtität dann auch wahr....und nicht alles was in Hochglanzbroschüren steht ist tatsächlich so.....oft helfen Erfahrungen von Angehörigen vor Ort, die Menschen in den Heimen haben viel weiter......die haben direkt und persönliche gemachte Erfahrungen.


    Achten Sie vor allen Dingen auf sich selbst!!!!!!!!


    Sicher erhalten Sie von den anderen und von den Fachleuten hier noch weitere Antworten.


    Liebe Grüße

  • Hallo SabineH,
    ein gutes Heim ist immer das, in dem sich Ihre Mutter wohl fühlt.
    Und natürlich ist es nie wie zu Hause. Das kann aber - abhängig vom Krankheitsbild - auch gut sein. Wenn Ihre Mutter Kontakte schätzt (offenbar vor allem zu Männern), dann können Sie ihr das zu Hause nicht bieten. Für Demenz kranke ist 'zu Hause' immer dort, wo man sich geborgen fühlt.
    Das kann auch ein Heim oder eine Wohngemeinschaft sein.
    Haben Sie denn eine Diagnose eines Facharztes oder einer Gedächtnis-Sprechstunde?
    Wie geht es Ihrer Mutter denn in der Kurzzeitpflege? Das könnte Auskunft darüber geben, ob das eine Umgebung ist, die ihr behagt.
    Können Sie selbst denn schon loslassen? Manchmal sind es die Angehörigen selbst, die mehr Ängste und Sorgen haben als die Erkrankten selbst.
    Die Tipps von Hanne bezüglich der Beratung sind gut. Lassen Sie sich beraten.
    Alles Gute dabei wünscht Ihnen
    Klaus-W. Pawletko

  • Liebe Hanne63,
    Lieber Klaus Pawletko,


    Ganz lieben Dank für Ihre Antworten und die Informationen.
    Heute habe ich sie in der kurzzeitpflege abgegeben. Ich bin gespannt, wie sie dort zurecht kommt oder besser gesagt, wie man mit ihr zurecht kommt. Allerdings war ich sehr beeindruckt. Es hat mir sehr gefallen. Das Personal war sehr nett zu uns. Jeder hat uns begrüßt und einen kleinen Plausch begonnen. Wir waren ganz gerührt. Ich bin doch zuversichtlich. Meine einzige Sorge ist, dass sie aus versehen ins Freie gelangt und verloren geht. Sie läuft dann und läuft... das macht mir etwas Angst. Aber ich hoffe, dass das nicht passiert.
    Eigentlich möchte ich ihr und dem Heim die Zeit geben sich aneinander zu gewöhnen und sie nicht besuchen. Letztlich ist es eine einzige Woche, die sie dort bleibt. Ich werde mich schon daran gewöhnen.
    Liebe Hanne63: vielen Dank für die Tipps. Ich habe mir heute gleich eine Adresse des sozialpsychologischen Dienstes rausgesucht und werde morgen Kontakt aufnehmen.
    Eine häusliche Pflege kann ich mir irgendwie nicht vorstellen. Das wäre ein zusätzlicher Termin und ich tue mich schwer damit.
    Ich lasse mich beraten.
    Was für eine Krankheit!
    Lieber klauspawletko:
    auch ganz lieben Dank für den Kommentar bzw. Ratschlag. Unser Neurologe hat die Alzheimer Krankheit festgestellt. Daran zweifele ich auch nicht, da sie ohne Orientierung ist und alles vergisst. Aber dieses komische Wesen gibt mir zu denken. Dass sie wie eine andere Person ist, sobald sie einen Mann sieht. Sie flirtet dann regelrecht. Auch mit den Leuten im TV redet sie und sie meint tatsächlich, dass die Leute gegenwärtig sind. Sie redet mit Ihnen und fühlt sich angesprochen. Ist das Alzheimer?
    Wie es ihr in der kurzzeitpflege geht... kann ich nicht sagen. Ich weiß auch nicht, ob ich nachfragen soll? Am liebsten würde ich natürlich kurz hingehen und kurz mit ihr reden. Aber das verkneife ich mir. Ich kann zwar schlecht loslassen ( ich habe mich eigentlich schon immer um meine Eltern gekümmert, habe sie irgendwie immer seelisch betreut, da sie auch viele Probleme miteinander hatten. Ich war immer der Gesellschafter zwischen den beiden- alles verrückt, das ist mir klar-aber so ist es)
    Trotzdem bin ich mir bewusst, dass ein Heim notwendig ist. Sie vermisst ihr Leben in dem sie mit Leuten spricht. Bestimmt. Und ich weiß nicht wie ich ihr das ermöglichen kann außer sie in ein Heim zu stecken. Evtl. Überbrücke ich die Zeit mit einer tagespflege. Die habe ich gefunden. Ich werde nach dem Aufenthalt in der kurzzeitpflege berichten.
    Ich danke Ihnen für die Antwort auf meinen Beitrag. Das hilft sehr!
    Liebe Grüße
    Sabine

  • Hallo SabineH, zunächst hoffe ich, dass Sie Unterstützung finden und Sie das Vertrauen in die Kurzzeitpflege behalten. Ihre Mutter ist offensichtlich kontaktfreudig und findet im Heim das, was sie braucht. Vielleicht verändert sich dann auch das Gespräch mit dem Fernseher. Die Alzheimer Demenz hat viele Gesichter und manchmal gibt es auch dieses Symptom. Da ich keinen Leidensdruck bei Ihrer Mutter heraushöre, können Sie sich diesbezüglich hoffentlich etwas entspannen.


    Wegen des Verlaufens können Sie durch einfache Mittel Gefahren vorbeugen: Das Wichtigste ist, dass sie die Adresse des Heimes bei sich hat, sodass die Polizei oder andere freundliche Menschen schnell handeln können. Alles weitere sollten Sie mit dem Heim besprechen, denn es macht keinen Sinn aus Sorge zu stark zu reagieren und so Fluchttendenzen sogar zu verstärken. Insofern möchte ich Sie darin unterstützen, dass Sie Ihrer Mutter die Möglichkeit geben, allein im Heim neue Kontakte zu finden - Ihre Sorgen könnten - im Bild gesprochen - "ansteckend" sein: Es wirkt sich aus, wenn die Kinder unruhig oder misstrauisch sind.
    Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie einen guten Weg für Ihre Mutter finden und sich dann wieder ganz auf ihre anderen Aufgaben konzentrieren und Zeit für sich bekommen. Je besser Sie selbst entlastet sind, desto besser ist das auch für Ihre Mutter. Alles Gute Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Sabine,
    ergänzend zu den bisherigen Ratschlägen empfehle ich Ihnen die sogenannte Notfallkarte.
    Es werden alle Daten eingetragen und in die Handtasche gesteckt. Die Karte hat ein handliches Format. Ich habe meine beim SOVD bekommen. Gibt es bestimmt auch bei anderen Stellen (Pflegekasse, Apotheke Internet)..
    Gibt eine gewisse Beruhigung.
    Das Fernsehverhalten kannte ich bei meiner Mutter auch. Allerdings fing sie sehr bald damit an sich vor den Personen im Fernsehen zu fürchten.
    Also aufüpassen was man sie sehen lässt. Für das Weglaufen hatte ich einen GPS-Tracker und für zu Hause Überwachungskameras. Gints u.a. bei der Telekom. Ohne diese Hilfsmittel hätte ich sie kau, so lange betreuen und pflegen können,
    Alles Gute

  • Lieber Martin Hamborg,
    Danke für den Hinweis, dass ich meine Sorge des Verlaufens nicht allzu vertiefen soll, damit sich das nicht auf meine Mutti überträgt.
    Ich bin jetzt seit einer Woche allein zu Hause. Ich habe die ganze Woche keine einzige traurige Minute verspürt. Obwohl ich davon ausgegangen, bin dass ich vor Sehnsucht eingehe.
    Grund dafür ist, dass ich ein so super gutes Gefühl bei den Mitarbeitern dieses Heimes habe. Es ist sehr klein und ländlich gelegen.
    Die Gesellschaft tut meiner Mutti bestimmt sehr gut und diese kann ich ihr gar nicht bieten.
    Ich bin so gespannt wie sie mir morgen entgegen kommen wird.
    Es ist richtig, dass sich meine Sorgen auf sie übertragen. Und das will bzw. Muss ich verhindern.
    Ich glaube, dass ich durch die letzten vier Jahre so angespannt bin. Das überträgt sich mit Sicherheit auf sie.


    Nun hoffe ich, dass sie meine Mutti dort bald gänzlich aufnehmen. Telefonisch hatte ich vorige Woche schon nachgefragt. Es besteht eine lange Wartezeit. Dass sie jedoch jetzt schon in der kurzzeitpflege dort ist, wirkt sich positiv aus.
    Geduld ist mal wieder angesagt.


    Jedenfalls lieben Dank für die Nachricht und liebe Grüße



    Lieber Andydreas!
    Auch ganz lieben Dank für den konkreten Hinweis der Ü-Kamera und dem GPS Tracker. Klar, dass ich darauf noch nicht gekommen bin.
    Was ist der SOVD?


    Ganz lieben Dank allen, die mir hier geschrieben haben.


    Morgen kommt sie wieder nach Hause und das Chaos geht weiter.
    Eine Woche hatte ich Pause. Ich wollte soviel erledigen, auch für die Arbeit. Nichts geschafft. Nichts.
    Ich verstehe irgendwie nichts mehr.


    Liebe Grüße
    Sabine

  • Hallo SabineH, ich wünsche Ihnen sehr, dass Ihre Mutter schnell einen Platz im Heim findet. In jedem Fall hilft die Sicherheit ein wenig gegen die innere Anspannung, - die sich auf Ihre Mutter übertragen hat und damit vielleicht die Fluchttendenz verstärkte. Aber denken Sie bitte daran, es ist Glück, wenn alles gut läuft und es liegt nur ein ganz klein bisschen in Ihren Möglichkeiten!
    Der SOVD ist der "Sozialverband", bei dem Sie auch Menschen treffen können, die Sie untersstützen.
    Ihr Martin Hamborg

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