Pflegeheim überfordert mit Vater

  • Hallo zusammen,


    ich bin neu hier und dieses Thema wurde sicherlich schon mehrmals angesprochen. Dennoch möchte ich meine Situation schildern: mein Vater lebt seit zwei Jahren im Pflegeheim. Er wurde aufgenommen mit Korsakow Syndrom, einer bipolar affektiven Störung und einer beginnenden Demenz, was sich zum Zeitpunkt seines Einzugs im Pflegeheim darin äußerte, dass er vergesslich, verwirrt und vor allem Harn- und Stuhlinkontonent war. Bis Anfang dieses Jahres lief alles noch recht gut, zwar konnte man eine Verschlechterung seines Zustands bemerken, allerdings war mein Vater in seinem Verhalten friedlich und freundlich (was er sein ganzes Leben bislang auch war, trotz Alkoholabusus). Seit Anfang diesen Jahres geht es allerdings rapide abwärts- er wurde auf einmal aggressiv, wurde Pflegern gegenüber handgreiflich (Pfleger, mit denen er sich vorher gut verstanden hatte), er behauptet sein Essen wird vergiftet (isst es aber dennoch), er bewegt sich gar nicht mehr aus dem Bett, nässt und kotet sich ein, verweigert aber die Pflege, sobald ein Pfleger in einer Schicht ist, "den er auf dem Kieker hat". Ich besuche meinen Vater 3 mal die Woche, und nur wenn ich auf ihn einrede, scheint es zumindest für ein paar Stunden besser zu werden mit der Kommunikation zwischen ihm und den Pflegern. Ich komme nun zum eigentlichen Problem: ich bekomme seit ca 3 Monaten wöchentlich Anrufe Seitens der Pflegeleitung, teilweise zu den unmöglichsten Zeiten. Mein Vater würde wieder stress machen, ich soll mal mit ihm reden. Dann wird das Telefon weitergereicht und ich versuche meinem Vater zu erklären, warum er die Pflegerin nicht hauen soll etc. Anfänglich habe ich da auch gerne mitgeholfen, ich weiß, was die Pfleger alles leisten müssen und wie unglaublich schwer der Job ist. Nur kam es mir irgendwann so vor wie "reich den kleinen Finger und lass dir den Arm abreißen ". Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich mir am Telefon anhören muss, wie schlimm mein Vater zu pflegen sei, dass er den Ablauf im ganzen Haus störe, dass es so nicht weitergehen kann , dass ich eine Lösung finden muss. Es gipfelte in einem Anruf der Pflegeheim Leiterin letzte Woche. Man sagte mir, mein Vater sei ein Störfaktor für das ganze Haus. Es wurde mit Fachausdrücken um sich geworfen, die meiner Ansicht nach schlicht auswendig gelernt wurden, um dem Dialog Herr zu werden. Meine anfängliche Freundlichkeit und Verständnis schwinden dahin. Ich verstehe nicht, warum ICH dem Pfegeheim erklären muss, dass mein Vater krank ist und das zum Krankheitsbild gehört? Ich habe sehr viel über den Umgang mit dementen Menschen gelesen und versuche diese Tipps auch an die Pfleger weiterzugeben - aber ist das eigentlich nicht deren Job? Ich bin verwirrt, wo kann ich denn meinen Vater in diesem Zustand sonst unterbringen? Darf das Pflegeheim meinem Vater kündigen? Wie soll ich mit den Telefonaten umgehen? Ich hatte ausdrücklich gesagt, man solle mich nur im Notfall anrufen - jetzt kriege ich jedesmal wenn das Pflegeheim anruft einen halben Herzinfarkt. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich fühle mich einem enormen Druck ausgesetzt, zumal ich Vollzeit arbeite und mich um meine 76 Jahre alte Mutter kümmere, die nicht mehr laufen kann. Kann mir jemand ein Pflegeheim in der Umgebung Rhein Main Gebiet empfehlen, dass geeignet ist für Menschen mit Demenz?
    Ich weiß nicht mehr weiter.
    Ich bin dankbar für alle, die mir einen Rat geben können.

  • Hallo Ajas,
    Das ist ja wirklich eine sehr unbefriedigende Situation.... Für Demenz geeignet sollte doch wohl jedes Pflegeheim sein, denn davon ist ja üblicherweise der Großteil der Bewohner betroffen. Wenn Ihr Vater allerdings solch einen besonderen Pflegebedarf hat, der über das Übliche hinausgeht, gibt es dafür Heime für Demente besonders herausforderndem Verhalten mit besserem Personalschlüssel. Bekannt ist mit das Haus "die Brücke" in der Nähe von Dillenburg, meine ich.
    Im Heim Vertrag müsste stehen, wann und ob das Heim den Platz Ihres Vaters kündigen kann . Der städtische sozialpsychiatrische Dienst müsste Ihnen Auskunft geben können über Alternativen. Die stationäre Unterbringung in Psychiatrie gibt es ebenfalls noch, doch das ist eigentlich Sache des Heimes, denke ich.
    Viel Erfolg wünsche ich Ihnen
    Rose60

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Ajas711, so wie Sie schreiben, gehört Ihr Vater zu den pflegebedürftigen Menschen, die durch unser Angebotsnetz fallen und für die eigene Lösungen erarbeitet werden müssen.


    Eine beginnende Demenz kann eine psychische Erkrankung verändern. Aber aus meiner Erfahrung stehen für den Umgang und für die Behandlung die Bipolare Störung und das Korsakow-Syndrom im Vordergrund und das zusätzlich beobachte möglicherweise wahnhafte Erleben... Das „Validieren“ so wie bei einer „einfachen“ Demenz kann da sogar schädlich sein.


    Wenn das Heim Sie dafür in das Betreuungskonzept einbezieht, ist das eigentlich fachlich gut.
    Aber das was Sie berichten, hört sich wie eine absolute Überforderung an, insofern ist eine Beratung durch einen Nervenarzt oder den sozialpsychiatrischen Dienst - wie Rose60 schreibt - notwendig. Vielleicht machen Sie sich auch einen Eindruck von der Gerontopsychiatrie in Ihrer Nähe und fragen nach dem Behandlungskonzept für diese schwierige Mehrfachdiagnose.


    Ziel wäre m.E., an das anzuknüpfen, was und wie Ihr Vater früher mit seiner Erkrankung umgegangen ist und zu erkennen, wie dies auf das alte oder ein neues Heim übertragen werden könnte. Das fachliche Stichwort dazu ist „Psychoedukation“ also das Lernen mit den Krankheiten umzugehen – und meine Position: Je stärker die Demenz zunimmt, umso mehr muss das Umfeld diese Erkenntnisse beachten.


    Berichten Sie gern von den nächsten Schritten, dann können wir hier vielleicht gemeinsam weiterdenken, Ihnen viel Kraft und Klarheit, Ihr Martin Hamborg

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