Haldol oder Risperidon?

  • Hallo an alle


    Wie, in dem anderen Forum beschrieben, liegt meine Schwiegermutter nach einem operierbaren Oberschenkelhalsbruch in der Geriatrie.


    Es ist für sie natürlich eine sehr schwere Zeit. Sie hat wahnhafte Phasen, da reißt sie sich sämtliche Schläuche ect. raus. und sie schreit die Söhne an, sie kenne diese nicht.


    Ich habe hinterher oft einen Zugang zu ihr finden können mit oftmals erstaunlich klaren Momenten.


    Sie bekommt jetzt abends niedrig dosiert, Haldol. Aber irgendwie scheint es mir, ist das vielleicht doch nicht das richtige Mittel. Gestern hatte sie Wahnvorstellungen ich wolle sie vergiften, ect. Sie schreit mich dann auch an und stellt immer wieder Vergiftungs- und Tötungsfragen.


    Vor allem ist es so, dass sie manchmal, die dringend erforderliche Bewegungstherapie nicht mit macht und ein andermal macht sie diese mit. Jetzt habe ich gelesen und auch von einer, an Psychose erkrankten Bekannten, gehört, das Risperidon dem ein oder anderen Patienten wieder mehr Eigeninitiative gewährt, als das bei Haldol der Fall ist.


    Gibt es hierzu eigene Erfahrungswerte. Ich werde in jedem Falle den Arzt noch einmal darauf ansprechen, denn letztendlich wird es für alle Beteiligten ein Wettlauf gegen die Zeit, wenn sie zu schnell entlassen wird. Wir brauchen dann einen guten Kurzzeitpflegeplatz. Aber letztendlich kann es ja auch an dem Mittel selbst liegen, was ich hin und wieder auch so gelesen habe. Ich hoffe, der Arzt zeigt sich hier offen, denn jeder Mensch ist individuell in seinen Verträglichkeiten und Reaktionen.


    Liebe Grüße an alle

  • Hallo Teuteburger,
    ist die Schwiegermutter bereits operiert worden?
    Wenn ja,klingt das alles nach einem postoperativen Delir. (Durchgangssyndrom nach OP)
    Ein Delir geht einher mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen und kann Tage/Wochen/Monate dauern.
    Gerade bei Menschen,die schon Vorerkrankungen haben (Demenz),bedeutet jeder Eingriff ein Risiko-für Verwirrtheit (Delir).
    Du schreibst ja,daß die Symptome fluktuieren-die Verwirrtheit tritt 1 Stunde auf und dann kann es in der nächsten Stunde viel besser sein (hier ähnelt alles der Lewykörper Demenz meiner Mutter-morgens guter Zustand-am Mittag völlige Verwirrtheit ).
    Haloperidol und Risperidon sind beide starke Neuroleptika mit massivsten Nebenwirkungen bezogen auf die Beweglichkeit.
    Meine Mutter hat nach Risperdal so sehr gezittert (Grund die bereits bestehenden Parkinsonsymptome der LBD),daß wir das Mittel sofort absetzen mussten.
    Ich würde beide Mittel wenn möglich vermeiden und würde nach Rücksprache mit dem Arzt zu Seroquel (Quetiapin)tendieren,da hier extrapyramidalmotorische(Zittern,Muskelsteifheit usw.) Störungen noch am seltensten auftreten.
    Besonders abends hilft dieses Mittel ausgezeichnet zum schlafen.
    Viel Kraft und schreib mal,wie Ihr jetzt vorgeht.
    Danke
    LG aus Rheinland Pfalz
    Barbara66

  • Danke, Barbara


    für deine Einschätzung. Ja, sie ist bereits operiert. Ich kenne sie vor der OP als sehr schwierig, was das Annehmen von Hilfeleistungen angeht. Vieles dauert Monate oder gar Jahre, bis sie etwas zulassen kann und dann auch nur sehr unregelmäßig. Ihr Wille ist sehr stark und ihre Ablehnung auch. Deshalb haben wir auch den Pflegegrad bekommen, weil man sie viel animieren muss und es halt täglich nicht einfach ist. Sie hat ja auch Depressionen.


    Das mit dem Delir wäre einerseits fast eine Erleichterung. Wir hatten schon einmal ein Delir, beim vorletzten Krankenhausbesuch. Da waren das aber nur Halluzinationen. Sie hat Personen gesehen, die nicht da waren usw.. Neu ist jetzt das, was der Demenz deiner Mutter ähnelt. Ich hoffe, dass sich das wieder bessert im Laufe der Zeit. Ich habe auch mit dem Arzt gesprochen. Man möchte das Mittel, sobald es nicht mehr gebraucht wird, absetzen.


    Quetiapin hat leider auch damals nichts gegen die schon damals vorhandenen Aggressionen ausrichten können. Aber diese waren für mich auch nachvollziehbar, wenn auch für uns sehr schwer auszuhalten in Sachen Beschuldigungen, Selbstentlassen, obwohl ihr Gesundheitszustand, das noch gar nicht zugelassen hat.


    Wir haben aber ein, wie ich meine, vernünftiges Antidepressivum von der Ärztin verschrieben bekommen, welches wir aber noch nicht benutzt haben. Ich hoffe, man kann in Zukunft bald einen Wechsel anstreben, denn das Haldol ist für ihre zukünftige Beweglichkeit nicht wirklich gut. Ich möchte dass das Antidepressivum in einer Kurzzeitpflege getestet wird und dass sie gut eingestellt werden kann.


    Es ist einfach Mist, dass sie nicht irgendwo in liebevoller Betreuung bleiben kann, bis sie wieder auf dem Damm ist. Der Personalmangel wird außerhalb der Privatstation wieder richtig deutlich. Einfach nur traurig.


    Liebe Grüße an dich

  • Guten Tag an Alle,


    auch meine Mama ist mit Risperidon behandelt worden, 3 Monate. Vor dieser Zeit war sie eine aktive, fröhliche, lebenslustige Person und scherzte gern trotz mittelschwerer Demenz.

    Jetzt ist sie ein Pflegefall, kann vielerlei Gründe haben, doch Risperidon ist wahnsinnig gefährlich wenn es länger als 6 Wochen gegeben wird. Hier sollten Angehörige gut das Nebenwirkungsprofil beobachten, Schläfrigkeit, Gangunsicherheit (Trippelschritte), Tremor (Hände zittern), entgleisende Gesichtszüge, Inkontinenz, verschiedene Blutwerte - wenn die Ärzte diese überhaupt überprüfen.

    Wenngleich fast alle Medikamente für Demente Nebenwirkungen haben, gilt immer die genau Beobachtung.


    Liebe Grüße

  • Danke für deine Rückmeldung, Fee Dlf,


    ich habe auch schon unterschiedliches von Risperidon gelesen. Die einen vertragen es gut, über einen längeren Zeitraum, wenn sie gut eingestellt sind, bei den anderen treten rasch stärkere Nebenwirkungen auf.


    Meine Schwiegermama hat es letztendlich nicht länger als anderthalb Wochen bekommen. Zusammen mit dem Stationsarzt, der auch nichts von dem Medikament gewusst hat, haben wir es dann in Rücksprache mit der Ärztin, sofort abgesetzt.


    Auch meine Schwiegermama hat gerne mal gescherzt usw. und auch sonst was sie morgens im Heim oftmals recht munter gewesen. Und das sollte unbedingt erhalten bleiben.


    Kann man bei deiner Mama nichts mehr umkehren. Weist du, was sie sonst noch für Mittel bekommt? Ich habe mir immer den Medikamentenplan in bestimmten Abständen ausdrucken lassen.


    Ich bin froh, dass man im Heim meiner Schwiegermama, wenn möglich immer auf Beruhigungsmittel verzichtet hat. Der Stationsvorsteher hat hier sehr darauf geachtet, dass die Mobilität der Personen erhalten bleibt. Er war noch jung und wirklich eine Ausnahmeerscheinung in seiner Ruhe, Empathie und Fürsorge für die älteren Menschen. Aber nicht jeder kann so sein wie er.


    Oftmals haben ältere Menschen ja auch Vitamin- und Mineralstoffmängel. Wenn diese aufgefüllt sind, kann so manches wieder verbessert werden. Gerade B12, Vit. D, aber auch Zink, Selen, Mangan, Ferretin, Folsäure spielen hier eine große Rolle, neben anderen B-Vitaminen, die aber in der Testung sehr teuer sind. Der Nervenstoffwechsel hängt maßgeblich von den B-Vitaminen ab.


    Vielleicht kann man hier was machen.


    Liebe Grüße an Dich

  • Meine Mutter bekam aufgrund eines Durchgangssyndrom ebenfalls Risperidon und abends zusätzlich Pipamperon. Risperidon wurde inzwischen abgesetzt, weil es sie völlig weggeschossen hatte. Sie kam wegen eines Sturzes ins Krankenhaus (Hämatom musste geschnitten werden), war zwar verwirrt, aber konnte sich artikulieren, selbstständig essen etc. Zurück in ihrer Einrichtung hat sich ihr Leben urplötzlich geändert. Seit einer Woche heißt es jetzt sie habe Demenz, was vorher immer verneint wurde. Meine Hoffnung ist, ihr mit etwas Physiotherapie und Ergotherapie noch etwas Lebensqualität zu schenken. Natürlich sind die Halluzinationen schwierig, sie sieht Menschen, die nicht da sind, aber sie kann nach Absetzen des Risperidon zumindest ihre Umgebung wieder erleben. Wie reagiert Ihr, wenn Eure Angehörigen halluzinieren?

  • Hallo BaerbelK,


    ich glaube fast, dass Dein Beitrag in dieser Rubrik fast untergeht. Besser ist es, wenn du für solches einen neuen Thread eröffnest. :)


    Zu Deiner Frage.


    Ich bin sehr unterschiedlich mit den Halluzinationen umgegangen. Wenn sie sich selbst damit wohlgefühlt hat, dann habe ich sie auch dahingehend unterstützt.

    Gerade nach einem Delir trat das häufig auf. Und da sagte ich ihr, dass das völlig normal sei. Es gibt da auch das Beispiel, dass man in einem abgedunkelten und völlig schalldichten Raum auch als sogenannter normaler Mensch Halluzinationen entwickeln kann.

    Im Grunde waren bei uns selten beunruhigende Halluzinationen vorhanden gewesen. Es gab auch so etwas wie ein Tier, was sie in den Abendstunden gesehen hat und welches auch Geräusche gemacht hat. Auch da musste ich das als normal ansehen, weil es sie sonst zu sehr beunruhigt hätte.

    Mir war immer wichtig, dass sie damit zurecht kommt und dass, das was sieht, im normalen Leben einen Platz finden konnte.

    Auf diese Weise hat es dann meist funktioniert.


    Liebe Grüße

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