Wie geht es Euch? Thread IV

  • Danke nochmal an alle, die mir geantwortet haben!!

    Die Solidarität hier ist schon sehr hilfreich :)

    Immerhin schaffe ich mittlerweile mich nicht auf eine Diskussion so emotional einzulassen, mit den übrigen Familienmitgliedern vorher war meine Mutter viele Auseinandersetzungen gewohnt, von daher habe ich mich lieber dort fern gehalten.. nun versucht sie es bei mir. Nervig und wie Rosina richtig feststellt, unvorstellbar (für mich) das täglich zu haben..

    Liebe Grüße

  • Ich glaube, Sonnenblümchen, es kommt auch oftmals auf die individuellen Umstände an. Wenn Demenzkranke einen im Moment als Vergifter, als Berauber ansehen und wenn eine Ablenkung vom Personal ihnen mehr gibt als man selbst, da muss man manchmal einfach gehen, um denjenigen nicht noch mehr aufzuregen.

    Meine Erfahrung ist, dass man es nach Gefühl tun kann. Mal kann man sich verabschieden und ein andermal auf gar keinen Fall. Ich habe das oft nicht getan und das Personal hat die demenzkranke Person dann mitgenommen in den Aufenthaltsraum oder zum Essen. Eine Verabschiedung kann denjenigen so sehr triggern, dass gar nichts mehr geht. Das ist dann wie ein inneres Sterben für denjenigen. Das muss nicht sein. Da ist jeder anders, so meine Erfahrung.

    Ich freue mich eher, wenn derjenige, dann im Aufenthaltsraum eine gewisse Zufriedenheit ausstrahlt. Das reicht mir dann als Verabschiedung.

    Man kann sich dann aber auch innerlich verabschieden mit lieben Worten, die man an denjenigen trotzdem richtet, während man geht. Man kann es sogar noch machen, wenn derjenige gestorben ist.

    Ich glaube, dass das trotzdem irgendwie ankommt.


    Liebe Grüße

  • Sonnenblümchen,


    ich habe auch schon vermutet, dass du es so meinen könntest. :) Ich wollte diesen speziellen Umstand herausarbeiten, weil ich den für wichtig halte. Man kann leider immer mal was missverstehen. 8)


    Schön von den anderen zu lesen, wie es bei ihnen funktioniert.


    Liebe Grüße in die Runde

    Einmal editiert, zuletzt von Teuteburger ()

  • Montags kam im BR ein interessanter Bericht im Zuge der Themenwoche "Stadt.Land.Wandel" -> Bauernhof wird Seniorentagesstätte.



    Mit hat das sehr imponiert, vor allem das das praktisch zu einem Familienbetrieb geworden ist.
    Ich kann mir gut vorstellen das hier auf dem Land einige Bauernhöfe ohne Zukunft nach diesem Bericht ins grübeln kommen. Weil die haben vor allem eines, viel viel Platz. Zu wünschen wäre es weil der Bedarf die nächsten 20-40 Jahre wohl keinesfalls sinken wird.


    Die Tagespflege meines Papas ist aktuell wieder auf Maximalbesetzung inkl. Warteliste.


    Video (8min) gibt es hier.

    Bayern erleben - Das Magazin : Stadt.Land.Wandel - Bauernhof wird Seniorentagesstätte
    Familie Zanklmaier aus Poppenberg im Bayerwald sah keine Zukunft für ihren Bauernhof. Und hat komplett umgestellt. Der Stall ist jetzt Seniorentagesstätte,…
    www.br.de

  • Hallo zusammen,

    Ich habe aktuell das Problem, dass meine Mutter immer mehr Druck macht mit dem Thema "nach Hause ". Heute hat sie schon wieder angerufen, wie wir es dann nun machen, dass sie nachhause kommt. Hier im Heim habe sie ja keinen zum Unterhalten, sie wisse nicht, welcher Tag sei u.v.m. Ich habe ihr etwas Lustiges von ihrem Urenkel erzählt zur Ablenkung und gesagt,dass ich in den nächsten Tagen komme und wir uns dann wieder unterhalten.. mich macht das wirklich sehr traurig. Ich merke ja, egal was ich an Zeitschriften hinbringe oder anrege, den Fernseher einzuschalten, sie macht nichts davon.

    Die Zeit, die sie noch Zuhause war, kam meine Schwester täglich, teils mehrere Stunden, so stellt meine Mutter sich das nun wieder vor, doch daran ist meine Schwester und auch ihre Ehe fast zerbrochen.. dass meine Mutter dies auch noch selbstverständlich ansah, hat mich damals schon wütend gemacht.

    Nun fällt es mir selbst schwer mich da abzugrenzen. Wenn ich sie besuche, fühle ich mich anschließend auch ziemlich ausgelutscht, denn irgendwo spazieren gehen, schafft meine Mutter nicht mehr, irgendwo hin, wo man eine Maske bräuchte, da streikt sie auch komplett.

    Also ich weiß gerade nicht, wie ich damit umgehen soll...

    Traurige Grüße

  • Schwarzerkater, Rose, ich möchte Euch auch darinnen bestärken, dass der Aufenthalt im Heim, eine amtliche Grundlage hat. Man könnte das auch Rehamaßnahme nennen, die befristet ist. Das beruhigt einerseits, auf der anderen Seite ist man dann selbst nicht mehr "verantwortlich".


    Liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, gut dass Sie in der Diskussion das Verabschiedungsthema noch einmal aufgreifen. Den kleinen, stilleren oder inneren Abschied finde ich sehr wertvoll. Genau wie Sonnenblümchen schreibt, wir wissen ja nicht, ob wir uns wiedersehen. Aber es ist unser Abschied und wir sollten so wenig wie möglich erwarten, dass unsere Angehörige diese kognitive und emotionale Leistung auch noch können. Der große Abschied überfordert auch aus diesem Grund.


    Überforderung, (heimliche) Erwartungen und zu viele Reize sind oft auch der Grund für die Schwierigkeiten, die Sie Rose60 ansprechen. Oft habe ich hier schon geschrieben: Weniger ist mehr und je selbstverständlicher wir die Begegnung gestalten, desto besser. Es geht ja darum einen guten und glücklichen Moment gemeinsam zu erleben, eine nachhaltige Wirkung können wir durch die Krankheit bei unseren Angehörigen nicht erwarten. Aber bei uns selbst!


    Deshalb hilft es sehr, wenn wir die Besuche für uns gut gestalten, gemeinsam entspannen, gemeinsam mit Mitbewohnern plaudern oder einen Besuch in viele kürzere Kontakte aufzuteilen, die immer dann enden, wenn es zu anstrengend wird und der Mensch mit Demenz deshalb mit "herausforderndem" Verhalten reagiert. Was der oder die Einzelne braucht ist natürlich individuell unterschiedlich und vom Grad der Erkrankung abhängig.


    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ganz viele glückliche und entspannte Momente bei den nächsten Besuchen, Ihr Martin Hamborg

  • Danke für die unterschiedlichen Ideen!!

    Ich fühle mich hier tatsächlich etwas aufgefangen und heute ärgere ich mich schon wieder über mich selbst, dass ich mich von meiner Mutter immer noch so manipulieren lassen kann.

    Mein Gefühl ist, dass es nun mit den kürzeren Tagen für sie wieder schlechter aushaltbar ist im Heim, zumal sie ja nichts mit sich anzufangen weiß - dachte ich jedenfalls. Soeben habe ich mit einem leitenden Pfleger ihrer Station gesprochen, der mir wieder überzeugend versicherte, dass meine Mutter im Haus fast ständig unterwegs ist - sie spricht mit anderen Bewohnern, besucht täglich eine jüngere Bewohnerin, mit der sie definitiv noch "normal" sprechen kann, was ihr ja angeblich fehlt.

    Ich habe für mich entschieden, dass ich vor allem abends - wenn bei ihr offensichtlich die emotional "dunkleren" Momente kommen, in denen sie möglichst sofort nachhause will - nicht mehr zurückrufe. Denn das TElefonat hat sie vermutlich heute schon wieder vergessen, während ich den ganzen Abend deprimiert vor Mitleid war....

    Meiner Schwester hat meine Mutter telefonisch nun erzählt, dass ich offensichtlich gar nicht mehr zu Besuch komme, ich sei schon lange nicht mehr dagewesen, dabei war ich letzten Samstag da. Bislang gehe ich 1mal/Woche und öfter schaffe ich aus verschiedenen Gründen nicht, auch um mich selbst zu schützen, was ja meine Mutter früher schon nicht geschafft hat... Doch auch dieser Besuch war schnell vergessen, von daher muss ich mich tatsächlich nicht unter Druck setzen.

    Ich komme mir selbst schon blöd vor, weil ich das Gleiche bestimmt schon öfter hier geschrieben habe, doch manches braucht dann wohl die Wiederholung.

    Die Pfleger bestätigen mir, dass meine Mutter einen fröhlichen Eindruck macht, einer hat ihr letztes Wochenende täglich die Haare toupiert - was ich mega nett finde - damit sie sich nach dem Friseur noch länger schön findet. Das scheint dann immerhin für den Moment zu reichen und ich hoffe immer, dass die Stimmung im Herzen etwas gespeichert bleibt.

    Und viele von diesen Möglichkeiten wären "zuhause" definitiv nicht gegeben, ich weiß es ganz sicher, meine Mutter vergisst es leider immer.

    Das Aushalten ist MEINE Challenge....


    Zwischenzeitlich überlegte ich schon, ob ich meine Mutter gelegentlich mal zum Mittagessen zu mir hole, weil sie sich oft nun über das Essen beschwert, doch sie hatte auch im September sofort nach ihrem Geburtstag vergessen, dass sie zusammen mit meiner Schwester hier bei mir war. Also muss ich mir auch da wohl keinen Stress machen, denn gerne würde ich es mittlerweile nicht mehr machen.


    Herzliche Grüße an alle,

    Rose60 <3

  • Liebe Rose60 und schwarzer Kater,


    ich habe überlegt ob ich was schreiben soll, weil ich selbst ja im Sommer dem Nach Hause wollen nachgegeben habe. Trotzdem spielt da ja eine persönliche psychologische Komponente stark mit rein. Gerade bei dir Rose60 wenn du schreibst das nach so einem Anruf den ganzen Abend deprimiert bist.


    Ich denke das kennen wir alle hier in der ein oder anderen Form. Mir hilft hier mein Achtsamkeitstraining ungemein (bei mir war es ein MBSR Kurs im letzten Jahr)
    Bin ich wieder so total am Boden mache ich eine 20 oder 30 min Meditation (das lernt man z.b. in so einem Kurs) extra und es geht mir danach wirklich deutlich besser. Der innere Abstand baut sich wieder auf und ich kann die Gedankenspirale besser loslassen.


    Meine MBSR Lehrerin verdeutlichtes uns das an einem Beispiel das mir sehr gut im Gedächtnis blieb. Auf die Frage warum wir so viel üben (meditieren) müssen erklärte sie uns folgendes Beispiel:


    Wir fahren den ganzen Tag gedanklich auf der Autobahn und reagieren auf bestimmte Trigger (Reize) immer wieder ganz automatisch ohne darüber nachzudenken. Unsere Gedankenautobahn haben wir über viele Jahre gut ausgebaut, da gibt es keine Hindernisse und praktisch alles geht per Autopilot.


    Beim üben (meditieren) lernen wir auf der Autobahn erst langsamer zu fahren und dann ein Stoppschild einzubauen. Kommt dann der Trigger stehen wir am Stoppschild und haben die Freiheit uns zu entscheiden ob wir die ausgefahrene Autobahn (unser übliches Verhaltensmuster) nehmen oder ob wir vielleicht doch links oder rechts abbiegen



    Das ist kein Wundermittel und auch ein großer Zeitaufwand um das zu erlernen. Ich habe es aber nie bereut und wüsste ehrlich gesagt nicht wie ich das letzte Jahr ohne überstanden hätte.

  • Danke, Sohn 83, in der Richtung kann ich tatsächlich versuchen zu üben, das habe ich in letzter Zeit schleifen lassen.. zum Thema "Autobahn" fällt mir ein mega interessantes Buch ein: Gerald Hüther- Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn.

    Dort ist das mit den "Autobahnen" im Gehirn auch gut erklärt, warum man immer wieder auf die gleichen Muster reinfällt etc. Auch zum Thema Angst sehr interessant

    Liebe Grüße

  • Liebe Rose60 und schwarzer Kater,


    ja ich denke das "nach Hause"-Problem kennen wir hier fast alle. Bei uns war es so, dass meine Mutter, selbst als sie noch zu Hause war, bei mir angerufen hat und meinte sie will jetzt nach Hause!!!!... und natürlich muss ich den Umzug bezahlen, ich bin ja schuld und habe sie ja dahin gebracht. Das halte ich mir immer wieder vor Augen, wenn sie jetzt anfängt mich zu beschimpfen und nach Hause möchte. Und natürlich, dass es jetzt auf gar keinen Fall mehr zu Hause funktionieren würde.

    Meine Mutter ist jetzt seit eineinhalb Jahren im Heim und ich glaube inzwischen, sie wird sich damit nie abfinden. Ich kann meine Mutter inzwischen ganz gut ablenken, z.B. mache ich, wenn ich bei ihr bin, den Fernseher (ohne Ton) an und wenn sie wieder anfängt böse zu werden stelle ich laut und frage sie, was sie von dem Kleid der Moderatorin hält oder irgendetwas anderes. Meist vergisst sie dann für ein Weile ihren Frust. Notfalls verlasse ich auch für eine Weile das Zimmer.

    Meine Mutter lehnt leider inzwischen fast alle Freizeitangebote im Pflegeheim ab, weil: das sind ja nur Uralte, alle doof und das ist alles nicht "ihr Stil". Sie zeigt den anderen Bewohnern zum Teil auch sehr deutlich ihre Ablehnung, sie lästert über die anderen, so das diese das hören u.s.w. Das ist ja auch ein Problem, das hier einige kennen. Aber durch diese unangenehme Art, wird sie natürlich von den anderen Bewohnern zunehmend gemieden und hat kaum noch Kontakte.


    Mich hat das alles vor einiger Zeit krank gemacht, ich war irgendwann nervlich und körperlich am Ende, konnte nicht mehr schlafen und hatte Panikattacken. Dann habe ich mir psychologische Hilfe geholt. Inzwischen kann ich sagen, dass mir vieles leichter fällt und dass ich langsam den nötigen Abstand finde (das hat sieben Jahre gedauert). Ich tue das was ich kann, damit sie gut versorgt ist, versuche ihr das Leben ein bisschen angenehmer zu machen und besuche sie einmal pro Woche. Das schlechte Gewissen ist nicht weg, ich hab es aber meist ganz gut im Griff. Meine Psychologin hat mal gesagt: es ist nicht meine Aufgabe, meine Mutter glücklich zu machen!


    Liebe Rose, so richtige Tipps habe ich zwar nicht, aber ich glaube du hast hier im Forum irgendwann mal den Spruch geäußert, an den ich mich oft erinnert habe und den ich toll finde: "Manchmal soll man sich lieber Nudeln statt Sorgen machen!"


    Lg never20

  • :)) stimmt, gut dass du mich an den Spruch erinnerst!!

    Da sind wir dann nun schon einige mit nahezu "kollektivem schlechten Gewissen". Und helfen tut es letztlich niemandem. Und dass deine Mutter, never 20, sich vorher ihre Wohnung auch schon nicht als Zuhause erkannte, finde ich interessant. Vielleicht ginge es meiner Mutter mittlerweile auch so, denn oft spricht sie von dem Ort ihrer Kindheit als Zuhause und driftet in eine Art Phantasiewelt ab.ich erkenne das aber oft erst mit Abstand, z.B. wenn ich hier schreibe und es dann mehr von außen betrachten kann. Wenn ich vor ihr sitze, ist es dann eher die gewohnte "Mama"..

    Danke auch dir für den Austausch!!

    Liebe Grüße

    Rose60

  • Liebe Hanne,

    meine Beratungen waren anders und offensichtlich besser. Seitdem ich Hilfe gesucht habe, wurde mir gesagt: suchen sie Abstand, sie können die Situation nicht ändern, das ist die Demenz, ihre Mutter braucht professionelle Hilfe rund um die Uhr. Alle Beteiligten, egal ob Hausärztin, behandelnde Ärzte in der Psychiatrie, der Physiotherapeut und auch die Freundin meiner Mutter haben mir (und meiner Mutter) vor der Unterbringung im Heim zum Teil sehr nachdrücklich kommuniziert, dass es so nicht weitergehen, sie nicht mehr alleine leben kann und eine professionelle, Hilfe rund um die Uhr braucht. Was hat es mir genützt? Nichts!!! - ich habe trotz alledem Jahre gebraucht, die Entscheidung pro Pflegeheim zu treffen und umzusetzen, habe mich dabei aufgerieben und jetzt hat es nochmal fast zwei Jahre gebraucht, damit ich irgendwie mit dieser Entscheidung zurechtkomme. Und dass alles, obwohl meine Mutter für mich niemals eine gute Mutter war und wir immer ein sehr distanziertes Verhältnis hatten. Ich mag mir nicht vorstellen, wie schwer so eine Entscheidung erst sein muss, wenn man zu seiner Mutter (oder auch dem Vater) eine enge und liebevolle Beziehung hatte!

    LG never20

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, danke für die vielen wertvollen Gedanken!

    Beim Lesen kam mir drei Sätze:

    • Gegen ein schlechtes Gewissen ist noch kein Kraut gewachsen
    • Oft ist das schlechte Gewissen stärker als alle Ratschläge - egal wie kompetent die Berater sind
    • Oft sind die Glaubenssätze des schlechten Gewissens stärker als der Glaube - an sich oder eine höhere Gewalt

    Aber wenn ich zurückdenke, wie wir hier noch vor einem Jahr darüber nachgedacht haben, freue ich mich sehr über so viele Schätze:

    • Es gibt kaum noch Zweifel daran, dass das schlechte Gewissen ein schlechter Ratgeber ist und die Entscheidungen richtig sind und waren!
    • Sie gehen innerlich in die Beobachterposition und schauen sich alles authentisch interessiert von außen an und bekommen die ein oder anderen Erkenntnis
    • Dazu gehört Ihr wunderbarer Satz, never20 "Es ist nicht die Aufgabe der Kinder, ihre Eltern glücklich zu machen". Es ist heute kein Tabu mehr, wenn wir dann von emotionalem Missbrauch der (jungen) Eltern sprechen. Ein starkes schlechtes Gewissen kommt eigentlich immer aus der Zeit, als Ihre Eltern jung waren.
    • Sie können sich über sich selbst ärgern, wenn Sie wieder auf die alten schädlichen Manipulationen hereinfallen und ziehen wie Rose60 Konsequenzen, abends in der dunklen Zeit nicht mehr anzurufen
    • Sie sprechen offen von alten Mustern, Manipulationen oder "Spielchen", die sich nun mal infolge der Demenz aufrechterhalten, wenn wir sie nicht unterbrechen oder ablenken. Tolle Idee, never20, wenn Sie dann einfach das Fernsehen laut stellen und so das Muster unterbrechen
    • Sie finden starke Bilder für das was Sie Jahrzehnte lang geübt haben: Ihre Gedankenautobahn, Sohn63, in der die Prozesse automatisch ablaufen. Das ist kein persönliches Versagen, sondern eine gesicherte Erkenntnis der Hirnforschung - ohne dieses Prinzip hätten die Menschheit nicht überlebt.
    • Danke für die Anregung, in als starke selbst-therapeutische Technik, die Achtsamkeit zu üben!
    • Sie nehmen nicht eifersüchtig sondern wertschätzend wahr, wie liebevoll manche Pflegekräfte sind, wenn z.B. Pflegekräfte die Haare Ihrer Mutter toupieren, Rose60
    • Sie haben erkannt, dass es niemandem hilft, wenn Sie sich Stress machen
    • und Sie trösten sich, dass die "Stimmung im Herz gespeichert ist", auch wenn der Besuch sofort wieder vergessen wird. Und Sie glauben (hoffentlich) daran, dass dieser Glaube langfristig Realität wird, wenn Sie es sich gemeinsam so schön wie möglich machen (denn Sie werden das nicht vergessen!)
    • Sie wissen, dass Zuhause da ist, wo sich ein Mensch geborgen fühlt und haben die persönliche Stärke anzunehmen, dass Mitarbeiter*innen im Heim das bei Ihren Eltern gerade besser erreichen können.
    • Sie können sich sicher sein, dass viele Pflegekräfte Ihren Schmerz, Ihre Stärke und Ihr Engagement wahrnehmen und Ihre Eltern daran erinnern, wann sie besucht wurden. Fragen Sie bitte nach, wie dann validiert wird? Ich empfehle Sätze wie: "Ich weiß wie schön es für Sie ist, wenn Ihre Tochter kommt ... Sie haben Glück, dass Ihre Tochter einmal in der Woche kommt ... darf ich Sie erinnern, ..."
    • Sie erinnern sich, wie wir hier schon bewährte Sinnsprüche zu diesem Thema ausgetauscht haben?
      Danke für die "Nudeln gegen Sorgen!" So was gehört an die Kühlschrank, um die Erkenntnisse wach zu halten. Übrigens, wenn Sie in unsere Diskussion vor über einem Jahr zurückgehen, finden Sie wunderbare Gedanken von Teuteburger, ich habe sie damals ein Glaubensbekenntnis gegen ein schlechtes Gewissen überschrieben.

    Einen weiteren Gedanken möchte ich noch aufgreifen: Wenn Sie erkannt haben, dass es ein Leben lang aussichtslos war, die Mutter glücklich zu machen, auch wenn Sie alles richtig machen wollen - und selbst Ihr Vater daran gescheitert ist ... und Sie trotzdem noch immer wieder mit dem schlechten Gewissen kämpfen und innerlich ärgerlich werden ... dann lohnt sich folgender Gedanke:


    Hinter starken und manchmal herrschsüchtigen Menschen, verbirgt sich oft eine unerkannte Depression mit ewiger unstillbarer Unzufriedenheit und der negativen sogar aggressiven Abwertung der Menschen, die es (eigentlich) so gut meinen. Es ist bekannt, dass bei Männern eine möglicherweise dahinterliegende Depression zu selten erkannt und behandelt wird. Aber diese Bewältigungsstrategie ist nicht an das Geschlecht gebunden.


    Oft helfen dann die modernen Antidepressiva, weil sie endlich den inneren Druck nehmen. Aber viele Aspekte von eben entfaltet als antidepressives Milieu eine Wirkung!

    Ich hoffe, meine kleine Zusammenfassung ist ein hilfreich in der Lebensaufgabe, ein gutes Gewissen zu lernen.

    Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne63, zu Ihrer Frage, wie alt Menschen mit Demenz werden, kann ich nur aus meiner Erfahrung sagen:

    Je besser die Betreuung und die Fürsorge der Kinder und je stärker die Persönlichkeit, desto länger leben Menschen mit der Krankheit Demenz.

    Früher hieß es ca. 8 Jahre, das stimmt sicher nicht.

    Ich war oft erstaunt, dass selbst eine palliative Versorgung noch Jahre möglich ist.

    Ihr Martin Hamborg

  • Danke, Herr Hamborg, für Ihre Zusammenstellung "unserer" Erkenntnisse und Fortschritte. Manchmal vergisst man es doch, wieviel belastender es - jedenfalls bei mir - vor 1-2 Jahren noch war. Über lange Zeit war ich getrieben und völlig erdrückt von den permanenten Gedanken um meine Mutter, habe viel öfter als jetzt bei den Pflegern angerufen etc., war sehr angespannt - ohne dass es irgend jemandem weiter geholfen hätte.. auch der Austausch hier hat mir immer wieder geholfen, mich/die Situation von außen zu betrachten, zu relativieren, zu akzeptieren.

    Vieles ist mir im Laufe der Zeit noch klar geworden und hat mir etwas Abstand zu eigentlich alten, aber eben unverarbeitetem gebracht. Es ist doch eigentlich unglaublich, dass man mit ü60 noch in solchen Dingen/Gefühlen verstrickt sein kann.

    Ich würde von meinen nun erwachsenen Kindern niemals wollen, dass sie sich so wegen mir grämen und dieser Gedanke macht mir deutlich, dass viele Ansprüche meiner Mutter/Eltern von jeher jedenfalls nach heutigem Maßstab falsch sind, z.B. als Kind/besonders Tochter hat man immer alles für die Sorge/Pflege um die Eltern zurückzustellen, sollte sie auf jeden Fall selbst pflegen, aufopfern ist "normal" und muss man aushalten...


    So wurde es jedenfalls mir "eingepflanzt " , doch spätestens nach eigenen Schicksalsschlägen und gesundheitlichen Problemen ist das, was ich nun tue das mir persönlich bestmögliche und aushaltbare.. Mir wurde mal von einer psychol. Beraterin empfohlen, meine Energie für die Menschen einzusetzen, die mir guttun und das ist für mich ein guter Weg weiter zu Kräften zu kommen, die lange sehr verschüttet und verbraucht waren. Ich freue mich z.b. bald Oma von Zwillingen zu werden und dort mich etwas einbringen zu können soweit möglich.


    ❤ liche Grüße an alle

  • Rose, ich finde es nicht merkwürdig, dass man sich auch mit über 60 noch viele Gedanken macht. Ich sehe das eher als normal an, bei solch komplexen Lebensthemen.

    Schön ist, wenn man dann zu einem einigermaßen stimmigen Ergebnis kommt. <3

  • Hey teuteburger,

    Gedanken machen ist ja OK, aber dass es einen emotional noch so belastet und von Lebensfreude abbringt, das nervt und ärgert mich dann selbst. Ich bin immerhin schon weiter gekommen ;)

    Liebe Grüße

  • Ach Rose, ich bin ja inzwischen deutlich näher an 70, als an 60. Aber auch mich konnte meine Mutter mit einigem Verhalten doch sehr belasten und aus der Fassung bringen, was ich vor zwei Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte. Da wirken Emotionen mit, die halt schon möglicherweise seit der frühesten Kindheit aufgebaut und genährt wurden, die man für überwunden gehalten hatte und auf einmal werden sie wieder hochgetriggert.

    Da kommen vielleicht Situationen auf, in denen man sich einfach nur genauso verunsichert und fehlerhaft fühlt, wie als kleines Kind im Verhältnis zu den Eltern und das hebelt die bisher erworbene innere Stabilität plötzlich aus.

    Mich wurmt das dann auch gewaltig und als meine Schwester kürzlich meinte: ich verstehe gar nicht, dass du von unserer Mutter noch so emotional abhängig bist, dass dich das so aus dem Konzept bringen kann - da hätte ich ihr glatt an die Gurgel gehen können.

    Zumal sie zwar mehr Zeit mit Mutter verbringt, aber dafür auch alle paar Wochen bei sich zu Hause alkoholisiert abstürzt - als ob sie da nicht auch ihre Probleme mit Muttern mit sich trüge, nur gibt sie es nicht zu.

    Ich finde jeden und jede stark, die schon alleine vor sich selbst, aber erst recht vor anderen zugibt, dass da alte Probleme und Einpflanzungen wieder aufbrechen können, denn dann kann man dran arbeiten und wie wir hier verschiedenlich lesen können, offenbar sehr fruchtbar und erfolgreich.


    liebe Grüße an alle

    • Offizieller Beitrag

    Danke für die Offenheit hier in dieser Runde und danke für die so verbindliche Unterstützung miteinander hier in diesem Forum.


    Es gibt keine Altergrenze für Lebenserfahrung, Lernen und Neuorientierung. Leider gehören Krisen zur menschlichen Entwicklung, auch die Entwicklungskrisen wie die Pubertät oder die Anforderung als Kind die Eltern versorgen zu müsssen. Ich habe schon häufiger von der filialen Reife gesprochen und der Weg dahin ist unterschiedlich schmerzhaft. Aber weil es eine normale Entwicklungskrise ist, verbietet sich jede Selbstgerechtigkeit oder Arroganz. Oder sie entlarvt sich, wenn dahinter ganz andere Abgründe stehen.


    Wir könnten uns ja mal die Frage stellen: Wie gelingt es uns, dass wir mit Stolz und nicht mit Scham von unseren Herausforderungen, Erkenntnissen, Lösungsversuchen und Entwicklungen sprechen? Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, da war es kurz vor dem Tod zu spät oder besser sehr kurz, um aus diesen Erkenntnissen neue Erfahrungen machen zu können.

    Da ist es doch viel besser, schon mit 60zig diesen Weg zu gehen und mit Stolz auf bewältigte Umwege zurückzuschauen.

    In diesem Sinn, Ihr Martin Hamborg

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