Wie geht es Euch? Thread IV

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Hallo Sohn,

    Mensch was Du alles geleistet hast und leistest!!! Hab Eure Korrespondenz vorhin ein bisschen gelesen und gratuliere Dir zu der Entscheidung, für Deinen Vater einen Heimplatz zu bekommen. Dieser Windmühlenkampf um Anerkennung können wir nur unterbrechen, indem wir es bewusst tun.

    Lg 🍄🌸🍀👍

    Hallo Sohn,

    das kann ich nur bestätigen. Mann o Mann.

    Viele Grüße

  • Heute morgen kam der Anruf das ein Platz im Heim frei ist. Wir können das Zimmer heute Abend anschauen.


    Jetzt wird es real und meine mühsam aufgebaute Fassung ist wieder am bröckeln.
    Wie üblich stehe ich ohne Unterstützung da, meine Gedanken kreisen gerade in alle Richtungen.

    Ich habe gigantische Angst das es wieder so wird wie bei der Kurzzeitpflege und fühle mich einfach nur schäbig.

  • Lieber Sohn83,


    ein virtuelles dickes fettes StärkStärk!

    Ich kann körperlich nachfühlen wie es Dir geht, ich hatte es vor einem halben Jahr mit den Eltern. Du machst das Richtige.

    Viele mitfühlende Grüße

    Nelly

  • Lieber Sohn,

    Nun stehst Du nicht mehr alleine dar: das Heim wird Dir helfen, Du gibst nun eine riesengroße Menge Stress und Ärger ab.


    Mir persönlich hilft eine Therapeutin, nicht mehr so ein Kopfgeratter und Herzklopfen und Gelähmtheit zu haben.


    Lg 🍄🌸🕯️🕯️🌞Ute

  • Lieber Sohn83, ich kann mich den Worten meiner Vorschreiberinnen nur noch anschließen und Dir die nötige Kraft wünschen.

    Zudem lies Dir im Zweifelsfall Deine früheren Beiträge hier durch, das weckt dann die Erinnerung, warum die Entscheidung so gefallen ist.

    Heim ist ja nicht per se schlecht, sondern in dem Wort schwingt immer ein da-heim mit, das es werden kann, wenn es ein gut geführtes Heim ist.

    Viel Standkraft, Durchhaltekraft und weiterhin die Wärme von Dir für Deinen Vater, die Du hier ausstrahlst.

  • Hallo Sohn,

    deinen inneren Konflikt kann ich total gut nachvollziehen. Wenn man sich so lange so intensiv um einen Menschen gekümmert hat, wird die innere Bindung nochmal stärker.

    Wichtig: du gibst deinen Vater nicht an einer Haustür ab und kümmerst dich nie wieder, sondern du kannst dann nach einem Besuch wieder für dich auftanken und dich ihm noch liebevoller zuwenden ohne den Alltagsstress.

    Im Heim meiner Mutter gibt es sehr nette Menschen vom Sozialen Dienst, die immer gut gelaunt zu ihr hingehen, sie zum Lachen bringen, einen Heimseelsorger, dem ich meine Gewissensbisse "beichten" kann und ein bisschen Verantwortung auch spirituell o.ä. abgeben kann.

    Du bekommst den Platz aus guten Gründen und weil es nicht von allein wieder besser wird. Ich würde versuchen es als Weihnachtsgeschenk (zur Entlastung) zu betrachten.

    Alles Liebe für dich, du bist ein toller Sohn!! und entscheidest sehr verantwortungsbewusst, nicht weil du zu faul bist!!

  • Lieber Sohn!

    Alles Liebe fuer dich und auch von mir "stärkende Gedanken". Wie Rose schreibt: du gibst deinen Vater nicht "nur ab" - sondern dann kommt noch recht viel danach. Auch ich erlebe, dass es meiner Mutter sehr gut geht im Heim und hatte auch mit mir vorher "gehadert".

    Alles Gute fuer dich und deinen Vater!!!!

    Weg Weg

    Liebe Gruesse

    Weit Weg

  • Hallo ihr lieben,


    Unser Termin verlief erfolgreich. Es handelt sich um ein wirklich schönes Zimmer sogar mit Terasse und Sitzplatz draußen. Blick nach links direkt auf die riesige Baustelle wo die nächsten Jahre der Neubau des Heimes entsteht. Blick geradeaus liegt die Polizei, Blick nach rechts der Stadtpark. Da dürfte zumindest die Aussicht abwechslungsreich sein. Die Heimleiterin versteht ihr Handwerk und konnte meinem Papa wie auch mir viele Ängste nehmen. Er hat zugesagt, Freitag um 11 uhr ist Einzug. Wir starten wieder mit der kurzzeitpflege und sehen dann weiter.


    So kann er sich auch noch schön in der Tagespflege verabschieden.

  • Lieber Sohn -


    ich drücke Dir und Deinem Vater die Daumen. Du hast wirklich so viel geschafft und Dich so liebevoll gekümmert. Ich wünsche Dir alles Gute. Bitte haben kein schlechtes Gewissen.

    Alles, alles Gute

    TanjaS

  • Hallo Sohn83! Das hört sich vielversprechend an! Ich wünsche Euch, dass alles klappt! Und mache Dir bitte keine Vorwürfe ... ich weiss es ist schwer mit unseren Vätern, aber Du tust das Richtige!

  • Danke für euren Zuspruch.


    Gestern hatten wir einen wirklichen Tiefpunkt. Das erste mal seit einem Jahr kam mein Papa schon in der Ersatzhose von der Tagespflege heim. Er war komplett durcheinander und der ganze Abend war anstrengend. Er hat anscheinend unglaublich starke Schmerzen in der Hüfte, da hat selbst das Oxycodon nichts mehr gebracht. In diesem Zustand war ihm auch nicht klar wie man ein Toilette benutzt aber wenn man sie vorher runterzieht bringt auch die Windelhose nichts. Dazu ziemlich apatisch und wirre zusammenhanglose Sprache.

    Halb 10 ging es ins Bett, 10 Minuten später wanderte er schon wieder herum, das ging ein paar mal im 10 Minutentakt, dann wieder um 1 Uhr, 4 Uhr .....

    Entsprechend war auch mein Nacht.

    Heute morgen hatte er dann richtig das Bett auseinander genommen, Topper, Urinmatte, Bettdecke, Kopfkissen, alles wild im Schlafzimmer verteilt zwischendrin die Nasse Windelhose, Schlafanzug. Matratze und Topper auch voller Urin.


    Ganz ehrlich, ich hatte mich so wie er gestern Abend/Nacht war wirklich auf der schlimmste vorbereitet.


    Sind das bei ihm bereits die Unterbewussten vorboten auf den Heimumzug? Ich will es nicht hoffen. Das wäre wieder genau das Verhalten wie bei der Kurzzeitpflege. Einerseits macht es das für mich sogar komischerweise leichter, ich dachte gestern öfter "in ein paar Tagen kannst du das abgeben" andererseits mache ich mir noch mehr Sorgen wie es wohl laufen wird.

  • Heute komme ich mit einem eigenen Problem daher, das vermutlich für die Erfahreneren hier kein wirklich großes ist. Der Einfachheit halber stelle ich einfach meine E-Mail hier ein, die ich an meine Schwester und meine ältere Tochter geschrieben habe, die beide am meisten in die Fernbetreuung meiner Mutter eingebunden sind:

    "Mir machen die letzten Gespräche mit Mutter Gedanken.

    Sie wirkt auf mich allmählich, wie ein trotziges Kind, das nicht einschätzen kann, welchen Gefahren es sich aussetzt und sich nur der Kontrolle entziehen will.

    Mehrfach erzählte und betonte sie inzwischen von ihren „Träumen“ – mir scheinen es doch eher Gedanken zu sein – dass sie die Treppe hinaufgeht und sich zum Fenster am Speicher hinausfallen lässt. Immer wieder überträgt sie das gedanklich auf die Burgmauer, wobei ihr wohl noch klar ist, dass sie die nicht erreichen kann. Aber ihre Treppe zum Speicher scheint ihr kein unüberwindbares Hindernis zu sein.

    Gestern versuchte sie mich auch in aller Ausführlichkeit davon zu überzeugen, dass sie genug trinkt, erzählte mir dazu tausend Einzelsituationen, in denen sie trinkt. Stellte auch fest, dass ihr P. an ihren Telefonplatz ein Glas Wasser gestellt hat, trank aber, allem akustischen Anschein nach, nichts davon. Sie fühlt sich wegen des Trinkens von allen Seiten kontrolliert (da lässt sie den Gedanken der Fürsorge überhaupt nicht an sich ran) und schließt nicht aus, dass sie irgendwann mal jemandem, der sie zum Trinken nötigt, das Glas über den Kopf kippt. (Die technische Machbarkeit lassen wir mal dahingestellt)

    Zwar zieht sie alles sofort ins Lächerliche, wenn ich fragend reagiere, aber diese Gedanken beherrschen sie offenbar massiv.

    Wegen des eingekochten Wassertopfes regte sie sich mir gegenüber maßlos auf, dass P. das (an meine Schwester) weitererzählt hat, von wegen: „Wem ist noch nie ein Wassertopf eingekocht“ u.ä. Auch da passt ihr der Gedanke an Für-Sorge überhaupt nicht, auch das empfindet sie nur als ungerechtfertigte Kontrolle.

    Ich für mich stehe vor der Frage, ob wir ihr zu weniges Trinken nicht einfach hinnehmen sollten, weil das ständige Ermahnen in ihr immer mehr Widerstand erweckt und möglicherweise zur Verweigerung aus Trotz führt.

    Ich stehe persönlich auch vor der Frage, weil sie mir fast täglich erzählt: „Ich stehe morgens aus einem trockenen Bett auf, ich mache mir mein Frühstück, ich mache mir mein Mittagessen“, ob sich da was geändert hat und P. ihr wirklich nur noch ganz ab und zu etwas bringt, wie Mutter sagt?

    Andernteils weiß ich, dass eben die Gehirnveränderungen auch eine Phase der totalen Realitätsverzerrung mit sich bringen können und die Betroffenen dann wirklich glauben, all diese Dinge zu können und auch zu tun, von denen sie reden. Wie seht Ihr das? Was können wir aus der Ferne überhaupt tun?"


    Vielleicht hat hier jemand von der Erfahreneren Ideen und Anregungen, ich für mich sehe im Grunde schon, die Mutter nach ihren Vorstellungen gewähren zu lassen, wenn sie nur widerständig wird, denn bisher schließen alle Beteiligten aus, dass sie aus ihrem zu Hause raus muss und die bisherige Betreuung - die ihr tatsächlich immer wieder sehr lästig ist, die sie wohl manchmal nur zu unserer Beruhigung duldet - ausreichen kann.

    Natürlich hab ich schon dran gedacht, wenn solche Kochaktivitäten mit leerem Topf sich häufen (möglicherweise ist sie auch nur zwischenrein eingeschlafen), die Sicherungen vom Herd rauszunehmen u.ä. Aber nun bin ich auf Tipps gespannt.


    Sohn83, ich habe voller Mitempfinden Deinen Bericht gelesen, weiß aber im Moment keine sinnvolle Antwort, bin vielleicht mit eigenen Gedanken zu sehr belegt, will Dich dennoch nicht ignorieren.

  • Hallo liebe Ecia25,

    das tut mir für dich alles sehr Leid. Aus der Ferne irgendwas zu tun ist natürlich ganz schwierig. Deine Mamma würde wahrscheinlich zumindest von einer Tagespflege profitieren, in der Gruppe geht das mit dem Trinken und Essen oft einfacher.

    Ich habe an manchen (Nicht Tagespflege) Tagen wirklich Probleme das mein Papa auf seine Kcal kommt. Währen da nicht die Süßigkeiten ...

    In der Tagespflege ißt er fast immer 2 Teller Suppe (mag er einfach gerne) und dann noch etwas vom eigentlichen Mittagessen. Nachmittag gibt nochmal Kuchen und Kaffee. Zuhause brauche ich sowas zu Nachmittag gar nicht anbieten da kommt nur ich habe keinen Hunger.


    Ob deine Mamma sich, so wie du sie beschreibst, darauf einlassen würde ist halt eine andere Geschichte. Bei meinem Papa hat es anfänglich jedenfalls gut geholfen das wort "Tagespflege" zu umschiffen. Pflege ist ja leider immer so negativ besetzt. Ich habe es mit Seniorengesellschaft u.ä. umschrieben.

    Irgendwann war er ja sowieso der Meinung das wäre die Bundeswehr und er würde dort zum arbeiten hingehen.
    Ich wünsche die viel Kraft.




    Auch ich habe ein Update.

    Vielleicht habe ich heute die Nacht falsch beurteilt und machmal hat man auch Glück im Unglück. Heute morgen war ich beim Arzt um Papas Laborwerte abzuholen. Da wurde mir ein Urinbecher für morgen früh mitgegeben zwecks Diabetes Kontrolle bei Papa. Dann habe ich Vormittag mit meiner Schwester telefoniert. Die hat gerade eine sehr schmerzhafte Blasenentzündung und ist krankgeschrieben. Von ihr kam aber gleich der Denkanstoß Blasenentzündung. Kurz gegoogelt Symtome passen. (vorallem die Schmerzen im Leistenbereich die wir natürlich automatisch mit der Hüftarthose in Verbindung bringen)


    Schnell beim Hausarzt angerufen und 11:45 Uhr mit dem Auto in die Tagespflege (Urinbecher hatte ich ja schon), Papa Urinprobe machen lassen (da war die Windelhose schon wieder gut mit Urin voll) und ab damit zum Doc bevor der um 12 Uhr für heute zu macht. Zum Glück ist die Artzpraxis nur 50 Meter von der Tagespflege entfernt.

    Es ist zwar kein Eiter aber deutlich Blut im Urin, Rezept bekommen, die paar Kilometer in die Stadt zur Apotheke, wieder zurück in die Tagespflege und dort das Medikament abgegeben damit er es Mittag gleich bekommt.

    Was man in 40 Minuten alles schafft....

    5 Mal editiert, zuletzt von Sohn83 ()

  • Lieber Sohn 83!

    Versuche, die Ruhe zu bewahren - ich weiss, nicht so leicht, vor allem nach so einer Nacht - und vor allem zeige deine Unruhe nicht deinem Vater! Seltsamerweise haben Demente offenbar ein unvergleichliches Gespuer dafuer, wenn man ängstlich, unruhig ist usw. Vertrau auf das Heim, die werden deinen Vater sicherlich gut entgegennehmen und versorgen. Ich halte die Daumen, dass alles klappt - wuerde auch nicht den bevorstehenden Umzug erwähnen!

    Schwarzerkater hat da vollkommen Recht - vor allem wenn man einsieht, wie es wirklich um Vater/Mutter steht!

    ecia 25: mir ist ein derartiger "Zugzwang" gott sei dank erspart geblieben (habe mir nächtelang ueberlegt, wie ich es anstellen soll, meine Mutter in ein Heim zu krigen) aber ehrlich gesagt, ich glaube, dir bleibt der Weg zum Amtsgericht (die sind wohl zuständig fuer eine Betruerverfuegung - oder?) nicht erspart. Okay, du sagst, dass deine Mutter nicht die Treppen bewältigt - aber kannst du wirklich sicher sein??? Ich glaube, das ist der einzige richtige Weg - fuer dich und deine Mutter!

    Alles Liebe

    Weit Weg

    Liebe Gruesse

    Weit Weg

  • Lieber Sohn 83!

    Ich noch mal - habe erst jetzt deine letzte Nachricht gelesen. Du scheinst wirklich Wunderwerke erreichen zu können - ich bewundere dich und wuensche dir weiterhin viel Kraft!

    Weit weg!

    Liebe Gruesse

    Weit Weg

  • Hallo ecia25, ich hab jetzt überlegt, was ich dir wohl antworten kann ...


    Weißt du, obwohl ich ja nebenan wohnte, war meine Mutter ebenso wie deine wie ein aufrechter (alter) Baum, völlig autark, eher dominant (ich schrieb es mehrmals). Und bei all dem "Unsinn", den sie anstellte (und bestritt), dachte ich mir ebenfalls: Lass sie machen ..., sie ist alt genug ..., sie darf das! Und wenn was passiert, dann ist das eben so. War oftmals schwierig, weil ich es mit ansehen musste (und auch ausgleichen musste), aber nun ja.


    Jetzt mit entsprechender Hilfe scheint mir, hat sie ein wesentlich besseres Leben - ihre Bedürfnisse und Vorlieben haben sich auch teilweise verändert. Allerdings habe ich bei meiner Mutter wesentlich länger abgewartet als viele andere, bevor wir den Schritt ins Pflegeheim gemacht haben. Eigentlich war das - von außen betrachtet - fast zu spät (erst unlängst sagte einer meiner Coaches: "eine Minute vor Zwölf"), aber vielleicht ist es für jede demente Person unterschiedlich, wann dieser Schritt gegangen werden sollte. Das kann man aus der Ferne schlecht beurteilen. Aber du wirst wahrscheinlich mit feinen Antennen erspüren können, wie es um deine Mutter steht. Bei allem Zweifel und Hin und Her ist es mir schlussendlich bei meiner Mutter gelungen, den Zeitpunkt abzupassen (mit entsprechender Hilfe von außen) und so war der Schritt ins Pflegeheim für meine Mutter beinahe ohne Widerstände zu machen. So bekommt es vielleicht auch deiner Mutter (so wie du sie beschreibst) am besten ...

    Alles Liebe

  • Hallo Sohn,

    Nur kurz zu dir: du siehst, wie schnell alles richtig doll kippen kann, und nun hast du zum Glück eine Erklärung und hoffentlich lösung. Aber es kann eben noch Jahre so weitergehen, was dich irgendwann allein auch unweigerlich überfordert.

    Von daher bleibe bitte bei der Entscheidung, eie schon die anderen schreiben, besser nicht thematisieren. Und ohne schlechtes Gewissen, das bringt deinen Vater nur durcheinander, er braucht nun deine Sicherheit.

    Du kannst uns am Freitag ja informieren, wie es lief ;) du bringst deinen Vater nicht zum Schafott, sondern in eine regelmäßige Versorgung, wenn medizinisch ein Problem auftritt, wirst du ja auch in Zukunft informiert, so ist es jedenfalls in "unserem" Heim.


    Liebe Grüße

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!