Wie geht es Euch? Thread IV

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Liebe Carolina89 -


    das hört sich wirklich schlimm an. Ich muss sagen, dass meine Mutter in ihrem Heim gut versorgt wird - eigentlich schon eher betüddelt. Man kümmert sich sehr gut um sie, sie läuft mit anderen Bewohnerinnen durch die Gänge,

    Liebe Tanja.

    Meine Mutter ist noch nicht im Heim, sondern erstmal im Krankenhaus, nachdem sie wieder mal vor dem Klo sitzend in der Wohnung aufgefunden wurde.

    Aber wenn sie nicht bald da weg kommt, schafft sie es erst gar nicht ins Heim.

    Mutter braucht Gesellschaft.

    Im KH gibts Frühstück, Mittag, Abendbrot, Toilettenstuhl, Arztbesuch und ein paar Schwestern, die vorbei rauschen.

    Meine Mutter hat es so "gewollt".

    Ich hatte aber immer ein Auge auf sie, trotzdem wurde sie in einem erbärmlichhen Zustand ins KH gebracht, weil sie davor in ihrem Kot/Urin gesessen hat.

    Weißt du wie die Wohnung roch (und Mutter erst), und wer hat das wohl weg gemacht?

    Aber solche Vorfälle sind jetzt vorbei.

    Diese Woche sollte sich laut Gericht ein Betreuer finden, denn das mache ich nicht. Nerven schonen! Ich verliere mittlerweile Haare.


    Daran muss ich mich auch erstmal gewöhnen, dass die Wohnung bald leer gemacht wird, dass mich niemand mehr von dieser Telefonnummer anruft, dass ich sie nie wieder beim Einkaufen treffe usw.

    LG

  • Hallo schwarzer Kater,


    ich bin vollkommen bei Dir, dass ein Ausgleich durch schöne Unternehmungen sehr wichtig ist. Es ist bewundernswert, wie es Deiner Tochter trotz ihrer persönlichen Herausforderung gelingt, Dich mit ihrer positiven Energie mitzureißen. Eine wirklich starke junge Frau und Mutter, beeindruckend.


    Ich habe ca. 2 Jahre in einer Beziehung mit einem Partner gelebt, ohne zu ahnen, dass ich dem klasschischen Werben eines Narzissten erlegen war. Dass er an Schizophrenie litt erfuhr ich erst nach meiner Trennung. Auf meine Rückfragen in seinem Freundeskreis auf gewisse Verhaltensweise bekam ich nur zur Antwort: "Geh, solange Du noch kannst!" Natürlich konnte ich damit absolut nichts anfangen.

    Nun gab es nach dem Tod meines geliebten Vaters (eine symbiotische Vater-Tochter-Beziehung), jemanden der mich so annahm wie ich und es auch noch wagte, meiner Mutter die Stirn zu bieten. Ich fühlte mich unendlich geliebt und verstanden. So bin ich mit blinder Verliebheit in die nächste Falle getappt.


    Wer hoch fliegt, fällt tief. Das kann ich an dieser Stelle bestätigen. Das hat mich auch meine berufliche Existenz gekostet (wir waren Kollegen). Nachdem ich den Mut hatte, mich von ihm zu trennen war ich übelsten Verleumdungen ausgesetzt. Er hatte dafür gesorgt, dass ich bein unserem Arbeitgeber, einem sehr großen Unternehmen, deutschlandweit keinen Fuß mehr auf den Boden zu bekommen. Er hatte langjährige Kontakte und Einfluss auf meine Personalakte. Aber ich habe mich wieder aufgerappelt (das hat 10 Jahre gedauert).


    An dieses Kapitel meines Lebens habe ich jahrelang nicht mehr gedacht. Dass ich nicht den Verstand verloren habe, grenzt wirklich an ein Wunder. Es ist schon bezeichnend, dass durch unseren Austausch in der Gemeinschaft auch andere wichtige Themen berührt werden. Es ist wohljetzt an der Zeit zu sein, sich damit auseinander zu setzen. Es ist vergleichbar mit einer Reha, Deine Tischnachbarn spiegeln exakt Deine eigenen Themen. Das ist gerade ein Dejavu für mich.Es ist mir bewusst, dass diese Geschichte eigentlich nicht hierher gehört. Deine immer wieder kehrenden Hinweise auf den schwer narzisstischen/psychopathischen Vater Deines Enkelsohns zeigen mir, wie sehr sein Verhalten Euer Leben beeinflusst. Daher habe ich mich ermutigt gefühlt, meine Geschichte zu erzählen.


    Die Distanz zu meiner Mutter bekommt mir gut. Ich werde klarer und entspannter. Im Rückblick erkenne ich, dass diese Verstrickung zu ihr in der Kindheit begann und sich über langen Zeitraum im meinem System manifestiert hat. Spaß haben, unbeschwert sein, ein gute Zeit haben, das möchte ich wieder in mein Leben einladen. Ich darf mich nur nicht zu sehr in dem Analysieren und Aufdröseln meiner Vergangenheit verlieren.


    Danke für Dein Verständnis und Deine Unterstützung. Ich werde Deine Empfehlung gerne beherzigen.


    Alles Liebe!


    Elisabetha

  • Hallo Elisabetha, auch wenn es hier ein Demenz-Forum ist, so sehe ich doch auch einen großen Sinn darin, wenn sich die betroffenen Angehörigen über ihre Begleitumstände austauschen, die nicht unmittelbar mit der Demenz zusammenhängen. Denn vieles, was die Beziehungen zu unseren dementen Angehörigen ausmacht, wurde in der Vergangenheit geprägt, dazu gehören auch solche Geschichten, wie Du sie hinter Dir hast.

    Außerdem finde ich es durchaus auch stärkend, nicht allein mit dem Gefühl sein zu müssen, dass außer der Demenz unseres jeweiligen Angehörigen auch noch andere teils dramatische Ereignisse das Leben der hier Schreibenden beeinflussen. Insofern, zumindest aus meiner Sicht ist es völlig in Ordnung, dass Du darüber so ausführlich schreibst.

  • Also seien wir weiter mutig, klug, tapfer und manchmal hoffentlich auch wieder fröhlich.

    Da schließe ich mich gerne an, auch derzeit wieder in einer äußerst schwierigen Lage, über die ich aber aktuell noch nicht mehr schreiben kann. Jedenfalls so viel: die Demenz meiner Mutter ist da momentan die geringste Belastung.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SchwarzerKater, danke, dass Sie trotz dieser riesigen privaten Last hier so sehr unterstützen. Merkt Ihnen Ihre Mutter an, wie sehr schwer es gerade ist? Sie müssen sich da nicht verstecken, zumindest nicht, wenn Ihre Mutter in Ihrer Demenz auch wieder mehr Empathie oder Schwingungsfähigkeit zulassen kann, auch wenn es nur Minuten sein können


    Ich wünsche Ihnen sehr, dass es im Jugendamt oder bei Kinderarzt einen verantwortlichen Menschen gibt, der den Zusammenhang erkennt und Ihren Enkel schützt... Diese Hoffnung kann Ihnen niemand nehmen!

    Genau da müssen wir manchmal bewusst gegensteuern. So meinte ich das. Also seien wir weiter mutig, klug, tapfer und manchmal hoffentlich auch wieder fröhlich.

    Ihr hoffnungsvoller Satz ist dabei noch einen Erinnerung wert, Ihr Martin Hamborg

  • Ich selbst versuche trotz vieler trauriger Momente einfach immer weiter zu gehen. Das ist das Beste, was ich tun kann.

    Auch Deine Worte gehen mir gerade sehr nahe und zeigen eine wichtige Gangart auf. Immer weiter, Schritt für Schritt ohne den Blick auf den gesamten Berg zu erheben, sondern nur den unmittelbar bevorstehenden kleinen Abschnitt der Strecke vor Augen zu haben, der bewältigbar aussieht.

    Ständig das gesamte Elend zu betrachten schwächt nur, dass es da ist, wissen wir ohnehin.

    Auch von mir liebe Grüße in die Runde.

  • Liebe Elisabetha -


    ich kann das mit dem Raubbau an der eigenen Person nachvollziehen, mir geht es genauso. ich habe so viel abgenommen, dass meine Freunde sich Sorgen machen. Ich esse ganz normal, aber der Stress zehrt. Jetzt steht die Wohnungsauflösung an und das wird nochmal sehr stressig. Andererseits habe ich am Wochenende schon Schränke auseinandergenommen und ihre sämtliche Kleidung & Schuhe aussortiert und an die Altkleidersammlung gegeben - ein großer Schritt bei 4,5 m Kleiderschrank. Aber ich merke auch, wie das an die Substanz geht (zusammen mit den momentanen Geschäftsreisen). Pass also auf Dich auf, nicht, dass Du zusammenklappst.


    Liebe Alfi -


    wir werden unsere Mütter nicht mehr ändern können. Mein Highlight: Am Wochenende hat sie gefragt, warum ich denn immer arbeiten muss. Tja, Lebensunterhalt verdienen. Von einer Sekunde zur anderen wurde sie aggressiv und meinte: Ja, wenn man zu blöd ist, sich einen Mann zu suchen, der einen ernährt. Danke - aber stand irgendwie nie auf meinem Lebensplan. Seit sie im Heim ist, habe ich aber eine Option: Ich kann einfach gehen. Und wenn das heißt 30 Minuten im Regen auf den Bus zu warten, dann ist das angenehmer als sich beschimpfen zu lassen.


    Liebe Carolina89 -

    nach dem Sturz meiner Mutter sah das Wohnzimmer wahrscheinlich ähnlich schlimm aus wie bei Deiner Mutter. Ich hoffe, dass es bei Dir auch "voran" geht und es Dir wieder besser geht.


    LG

    Tanja

  • Liebe Tanja,

    Da stehen einem wirklich schnell die Nackenhaare zu Berge, wenn ich das lese, was deine Mutter dir antut. Sie weiß offensichtlich genau wo es weh tut, dafür reicht die Intelligenz noch . Richtig gemein!

    Weißt du, dass man z.B.über CHECK24 nach Unternehmen zur Entrümpelung suchen kann? Gar nicht so teuer geht sowas auch. Meine Eltern haben Jahrzehnte NICHTS weggeworfen, das war unüberwindlich. Wenn es andere für einen tun, ist es nach meiner Erfahrung einfacher und sehr erleichternd im Nachhinein.

    LG

  • Wir hatten für das Ausräumen des elterlichen Wohnhauses ein Arbeitslosenkollektiv beauftragt. Eigentlich sollte die Entrümpelung nichts kosten, denn solche Unternehmen können manches Überbleibsel noch zu Geld machen.

  • Hallo.

    Ich habe mich heute mit der Betreuung getroffen.

    Mutter soll von Kurzzeitpflege per Gerichtsbeschluss im Heim bleiben.

    Wenn sie den dann hat, kann ich mir das beste aus der Wohnung holen, den Rest wird geräumt.

    Betreuung war erstaunt wie gut die Wohnung meiner Mutter aussah.

    Keine Omibude.

    Dann ging die Kinnlade runter als sie das Vermögen von Mutter sah.

    Ich erzählte ihr vom Erbbeschiss, dass eigentlich mir ein Teil davon gehört, und dass Mutter und Bruder sich Vaters Erbe aufgeteilt haben.

    Ausserdem sahen wir auf dem Februar Kontoauszug, dass sich Bruder schon wieder Geld von Mutters Konto geholt hat.

    Der besitzt ja ne zweite Girocard, die ihm jetzt gesperrt wird.

    Ich will diesen Typen im Leben nicht mehr sehen, sonst gehe ich ihm an die Gurgel.


    Meine Haare brechen im Moment ab wie verrückt.

    Das passiert nur, wenn ich extrem Stress habe. Und mein ansonsten guter Schlaf ist Geschichte......

    Ich sah immer viel jünger aus als ich wirklich bin, aber dieser Mist hat Spuren hinterlassen.

    Und dann nach so langer Zeit die weise Erkenntnis, dass ich in einer Narzisstensippe aufgewachsen bin.

    Mann, habe ich 'ne Ader 😡

  • Hi Zusammen,


    @Carolina89 ich hoffe wirklich, dass für dich nun früher oder später etwas Ruhe einkehrt. Du hast alles bzw. eigentlich viel viel viel mehr gemacht, als das was man bzw deine Mutter von dir hätte erwarten dürfen. Wichtig ist: du hast nichts falsch gemacht. Ich drücke dir weiter die Daumen!


    Ich würde auch gerne mal von dem Thread Gebrauch machen und mitteilen, dass es mir heute echt mies geht. Bereits heute morgen erfuhr ich über die Überwachungskamera (die Opa komischerweise problemlos akzeptiert), dass er mal eben der Putzhilfe seine PIN + EC-Karte fürs Kontoauszüge holen (!) gegeben hat. Diese war zwar bisher immer ehrlich, misstrauisch macht es mich schon. Als ich vormittags ankam, brütete er mal wieder über seinem Buch der Kontoauszüge. Dass die Barmer über 1000 € nachgezahlt hat verbucht er wohl als eigenen Erfolg (kam durch meine Widersprüche zu stande), wer aber dann und wann für 5,45 beim Bäcker war, ja, das gilt es herauszufinden. Zumal es auch noch mit ihm gemeinsam war.


    Aber gut, aufgrund diverser Eskapaden sind diverse Telefonnummern wie Sparkasse, Taxi, Rezepthotline vom Hausarzt etc. gesperrt. Da ich mitbekam wie er bei der Sparkasse anrief und die Mitteilung über die gesperrte Rufnummer bekam, war mir klar, dass ich handeln muss, wenn ich nicht den restlichen Tag erbittert über dieses Thema streiten wollte.


    Also: Meine Anruferkennung unterdrückt und angerufen und mich in exaktem Wortlaut als Mitarbeiter der Spasskasse (ja, so gesagt) ausgegeben. Er freute sich, sprach sodann leiser und berichtete flüsternd, dass er von mir aufs übelste betrogen werden würde. Nun gut, ich spielte das Spiel mit und fragte worum es ging: 1.200 € wären abgehoben worden und er geht nicht mehr aus dem Haus. Ich wusste dass er mit seiner Putzhilfe letzten Dienstag aufgebrochen war und Papa und ich den Ort und den vorhandene Wert des Geldes entsprechend protokolliert haben.


    Ich saugte mir Sachen aus den Fingern wie "Sie waren in der Filiale XY und haben sich mit EC-Karte und Ausweis legitimiert" > "Ja, der nimmt auch Ausweise aus der Geldbörse, so einer ist das. Arbeiten tut er auch nicht.... Kurz: Er wäre ja wohl nicht da gewesen. Um Fassung bemüht zog ich mir die Bilder der Kamera (natürlich alles ausgedacht - inkl. Warteschleife). Langsam beschrieb ich die "Dame" mit der er da war entsprechend den Merkmalen seiner Putzhilfe und da schien es ihm zu dämmern. Ich ermahnte ihn sogar, dass er mit solchen Verdächtigungen vorsichtig sein müsse. "ja, ja, aber sonst ist da überall was gedreht", sagte er und nach einem Vortrag über den Aufwand von angehörigen Pflege legte er auf. 10 Min später als ich in seiner Sichtweite war, war das alles kein Thema mehr.


    Es war nicht das erste mal, dass er solche Anrufe getätig hat, aber eben das erste Mal, dass ich live mitbekam was er da so vom Stapel lässt. Mein Vater thematisierte das ganze dann gegen meinen Willen. Opa wirkte durchaus betroffen, das sah man ihm auch an. Kurz vor meiner Abfahrt schüttelte er mir immerhin mit kräftigem Händedruck die Hand und sagte immerhin mit mehr als dem Wort "Entschuldigung" dass er sich entschuldigen möchte. Natürlich nahm ich sie an, aber dennoch viel es mir heute sehr sehr schwer das alles nicht an mich heran zu lassen.


    Ich weiß dass es nicht der Opa ist den ich kenne und er es wohl kaum absichtlich macht, dennoch hielt ich mich heute bewusst im Hintergrund, denn hätte ich heute nochmal mit ihm über die Kontoauszüge sprechen müssen, dann hätte ich dieses Büchlein mit einigem Tam-Tam öffentlichkeitswirksam zerstört.

    Auf dem Weg nach Hause drehte ich nochmal um und ging trotz ekeligstem Schneeregen kurz bei Oma auf dem Friedhof (leider vor 2,5 Wochen verstorben) vorbei. Ich vermisse sie wirklich sehr und auch wenn ihre Anwesenheit eine solche Situation mitnichten verbessert hätte (er glaubt in den Momenten das was er sagt), so hätte ich doch eine Verbündete gehabt, die mir vertraut und ihn notfalls auch in seine Schranken verwiesen hätte.

    Nun ja, wieder Zuhause bin ich direkt ins Bett gefallen (da hatte ich schon wieder drei freundliche Telefonate mit ihm geführt; jeweils nach dem Schema da ist dieses und jenes, kommst du morgen? wir haben uns aber jetzt wieder vertragen?). Nun bin ich wieder wach und schreibe hier diese Zeilen, was aber auch gut getan hat. Nach dem Absenden, werde ich es dann nochmal mit etwas Schlaf versuchen.


    Ich sehne mich wirklich nach einem oder auch zwei oder drei normalen freien Tagen (offizielle Angebote kenne ich, an der in die Wege-Leitung hakt es aber noch). Derzeit sind meine freien Tage idR durch extremes Schlafbedürfnis gekennzeichnet, dies genieße ich in gewisser Weise auch, allerdings haben sich bei mir so viele to dos aufgestaut, die dann natürlich weiter liegen bleiben. Egal wie sehr ich mir auch vornehme produktiv zu sein, ich und mein Bett sind ein eingespieltes elektromagnetisches Team.


    Gute Nacht :)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo enh2292, danke für die eindrückliche Schilderung. Die Entschuldigung Ihres Großvaters ist sehr viel wert, denn es zeigt, dass er noch nicht in einem Wahn gefangen ist.

    Ihr Abenteuer kann eine Sternstunde für den Aufbau einer neuen Beziehung sein, Sie nehmen es nicht persönlich und die guten Erfahrungen zu ihrem geliebten Opa werden lesen sich so stark, dass Sie noch manche Krisen überstehen können. Ihm wird es eine Hilfe sein, wenn Sie trotz der schlechten Erfahrung zu ihm halten!.

    Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SchwarzerKater, vielleicht gelingt es mir, Ihre starke Entscheidung, trotz des Kummers immer weiter zu gehen, noch mit zwei Gedanken zu stärken:

    1. Es ist und bleibt für ein Kind sehr wertvoll, wenn es bei allem Unglück eine sehr starke Familie hat. Eine solche Ressource kann auch ein schlechter Vater nicht zerstören und m.E. hat die Großmutter eine ganz wichtige Funktion für die kindliche Stärke.

    2. So wie sie über Ihre eigene Mutter schreiben hatte ich ein vielleicht tröstliches Bild: Ihre Mutter strahlt in Ihrer demenzbedingten Gelassenheit ein mächtiges Vertrauen aus: Alle wird und alles ist gut, trotz der schweren Verluste.

    Viel Kraft auf dem Weg voran, Ihr Martin Hamborg

  • Liebe Rose60, lieber Buchenberg -


    vielen Dank für die Tipps, das hilft mir sehr weiter.


    Liebe Rose60 - wenn ich den Nachbarn glauben darf, die bei meinen Eltern wohnen, dann hat meine Mutter ein Händchen dafür, den wunden Punkt zu treffen. Sie haben mir das ein oder andere erzählt, was meine Mutter meinem Dad an den Kopf geworfen hat (die Wohnungen sind sehr hellhörig). Ich bin nächste Woche unterwegs und verbringe die Woche arbeitend, aber mit lieben Kollegen, das hilft mir sicherlich. Und dann geht's weiter mit der Wohnung. Ich bekomme das hin, habe ich mir vorgenommen. Und lieben Dank für die Unterstützung von allen hier im Forum.

    Liebe Grüße

    Tanja

  • Ich wollte mich auch mal wieder melden und ein Update geben.


    Mein Vater ist jetzt seit dreieinhalb Wochen in einem Heim. Wunderbares Personal, super freundlich, engagiert, haben da jahrzehntelang gearbeitet. Mein Vater ißt wieder gut, fragt immer nach Nachschlag. Ist in den 3 Monaten in der Psychiatrie von BMI 29 auf BMI 24 abgemagert, aber hoffentlich geht's jetzt wieder aufwärts. War mittlerweile beim Friseur (der kommt monatlich vorbei), wird vom Personal gut gepflegt, und sieht wieder recht präsentierbar aus. Er hatte einige Wochen lang Probleme mit unsicherem Gang und musste einen Helm tragen. Deshalb haben wir ihn erst diese Woche besucht, weil ich nicht wollte, dass meine Mutter ausflippt, wenn sie ihn so sieht.


    Beim Besuch war er eigentlich ganz gut drauf, nuschelte zwar etwas, erkannte uns aber, aß 200g Plätzchen und trank sogar ein wenig Wasser zum Kaffee. Zwischendrin kommandierte er mich rum wie in alten Tagen -- "rufst morgen die 6 Namen an, die ich dir gegeben habe und sann sags't mir Bescheid" (konnte aber nicht artikulieren, was ich mit den 6 Leuten besprechen sollte). Dann wollte er immer wieder wissen, wann er mich abholen sollte. Irgendwann kam er natürlich auf die Schiene, dass er abgeholt wird/mit will. Verabschiedete sich dann von allen usw usf. Am Ende war es dann schlimm, weil wir die Pflegerin baten, ihn abzulenken, während wir dann heimlich gegangen sind.


    In der Summe natürlich alles deutlich besser als in der Psychiatrie. Das mit dem Gehen wird sicherlich noch lange schwierig sein, solange er noch halbwegs da ist. Immerhin ist meiner Mutter klar geworden, dass Sachen wie mal mit nach Hause nehmen, in die Berge fahren, oder sogar nur in der Nähe essen gehen auf absehbare Zeit zu riskant sein werden.

  • Hallo OiOcha,


    es freut mich sehr für Dich/Euch das es so gut läuft. Das klingt doch sehr gut und viel besser wie vorher.

    Ich sehe da mal wieder viele Parallelen zu meinem Papa.


    Das mit dem "wieder gehen" ist bei uns auch mit das schwierigste. Sehr gut funktioniert den Besuch so zu timen das dieser zum Essen hin (Mittag/Abend) ausläuft. Er sitzt mit den anderen beim Essen und ich gehe. So hängt er nicht in der Luft.

    Geht das nicht verabschiede ich mich nie auf seinem Zimmer, ich bringe ihn immer in die Gruppe in den Gemeinschaftsraum. Funktioniert bei uns so besser.

  • vielleicht gelingt es mir, Ihre starke Entscheidung, trotz des Kummers immer weiter zu gehen, noch mit zwei Gedanken zu stärken:

    1. Es ist und bleibt für ein Kind sehr wertvoll, wenn es bei allem Unglück eine sehr starke Familie hat. Eine solche Ressource kann auch ein schlechter Vater nicht zerstören und m.E. hat die Großmutter eine ganz wichtige Funktion für die kindliche Stärke.

    2. So wie sie über Ihre eigene Mutter schreiben hatte ich ein vielleicht tröstliches Bild: Ihre Mutter strahlt in Ihrer demenzbedingten Gelassenheit ein mächtiges Vertrauen aus: Alle wird und alles ist gut, trotz der schweren Verluste.

    Lieber Herr Hamborg, vielen Dank für Ihre stärkenden Worte. Sie unterstützen meine Hoffnung in diesen beiden meist so düster und hoffnungslos ausschauenden Prozessen. Ich weiß, dass ich nicht mehr viel tun kann - meine Möglichkeiten sind ausgeschöpft, die eigene Kraft ist endlich. Dies zu begreifen ist eine meiner größten Lernaufgaben der letzten Jahre. Leider versinkt man mit dieser Erkenntnis zuweilen in einer beleiernen Traurigkeit und Müdigkeit. Aber dafür ist es noch nicht an der Zeit. Ich muss noch ein bisschen weitergehen - mit einem Restchen Hoffnung im Gepäck, dass für diese beiden Menschen (meine Mutter, mein Enkel, meine Tochter) alles so gut wie nur möglich ist bzw. wird.

    Also nochmals Danke, Ihre Worte haben mir sehr gut getan.

  • Ich weiß, dass ich nicht mehr viel tun kann - meine Möglichkeiten sind ausgeschöpft, die eigene Kraft ist endlich. Dies zu begreifen ist eine meiner größten Lernaufgaben der letzten Jahre.

    Diese Erkenntnis, an den eigenen Grenzen angelangt zu sein, ist sehr schmerzlich. Und ich fühle mit Dir, kenne ich es doch gerade jetzt auch genauso.

    Allerdings entwickele ich in momentaner ziemlicher Ausweglosigkeit doch wieder eine Hoffnung: So wie aus einem wie tot umgefallenen Baum, wenn der Mensch ihn einfach liegen lässt, verrotten lässt, wieder völlig neues Leben entsteht, es aus und um den Baum grünt, neue Pflanzen entstehen, neue Tiere Heimat finden, so hoffe ich, dass aus dem, was jetzt zerstört wird - wie tot umfällt - auch wieder neue Entwicklungen hervorgehen können, die sowohl mir als auch den Meinen noch gute Möglichkeiten bieten.

    So kann ich mich auf die scheinbar unaufhaltbare Zerstörung einlassen und doch dahinter wieder Hoffnung und Mut erkennen.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!