Wie geht es Euch? Thread IV

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  • Hallo, ich bin erst seit heute Mitglied im Forum. Ich habe mit der Hausärztin meiner Lebensgefährtin und dem Heim, in dem sie mit vaskulärer Demenz gelebt hat, sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Gestern ist meine Lebensgefährtin wegen Fehlbehandlung gestorben.

    Ich möchte hier kurz berichten, was geschehen ist.

    Wie es bei Demenz erkrankten Menschen öfter vorkommt, können sie aggressiv werden, so auch meine Lebensgefährtin Anfang Januar 2023. Die Schwestern haben die Hausärztin informiert und die hat ohne uns zu fragen, Pipamperon in der höchsten Dosis für alte Menschen (1 - 1/2) verschrieben. Das hat zu einem geistigen und körperlichen Desaster bei meiner Lebensgefährtin geführt. Wir, die Tochter und ich, haben im Verlaufe eines Monats mit großer Mühe durchsetzen können, dass die Dosis vermindert wurde und schließlich ganz abgesetzt wurde. 28 Tage später wurde meine LG bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert, musste 3 Infusionen bekommen, um wieder ansprechbar zu sein. Eine von mir veranlasste Blutuntersuchung hat ergeben, dass Pipamperon (Halbwertzeit 17 - 22 Stunden) auch 28 Tage nach Absetzung nachgewiesen wurde. Offensichtlich wurde das Medikament trotz Absetzung weiter verabreicht, wie uns ein Laborarzt bestätigt hat. Es hat mehrere Gespräche mit der Ärztin gegeben, die sich aber wie Gott im weißen Kittel fühlt. Sie hat es auch nicht für notwendig erachtet, meine LG nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu besuchen. All das, was man in den Nebenwirkungen lesen kann, hat meine LG erfahren müssen. Inzwischen weiß ich, was Pipamperon alles bei Menschen mit Demenz anrichten kann. U. a. erhöht sich die Sterbewahrscheinlichkeit um 70 %. In einem weiteren Beitrag von mir findet Ihr eine Zusammenfassung von Studien hierzu. Ich kann nur jedem raten zu verlangen, dass dieses Medikament bei Angehörigen mit Demenz sofort abgesetzt wird.

    Ich habe gegen die Ärztin und das Heim Strafanzeige gestellt.

  • Hallo,

    hier den versprochenen Artikel:


    Demenz-Studie


    Einsatz von Psychopharmaka ist hochbedenklich


    vonAnna Nymbach­-Dietrich (Projektleiterin hkk-Gesundheitsreport, hkk Krankenkasse)


    Veröffentlicht am23.02.2021Erschienen in Ausgabe1. Ausgabe 2021

    Die Ergebnisse des Demenzreports 2020, insbesondere der häufige Einsatz von Psychopharmaka bei Menschen mit Demenz, muss aus Sicht des Arzneimittelexperten und Studienleiters, Prof. Dr. Gerd Glaeske, dringend überdacht werden. Das Motto „sauber, satt und ruhig“ darf auf keinen Fall Handlungsleitbild bei der Versorgung von Menschen mit Demenz sein. Die Studie wurde von der hkk Krankenkasse gefördert, auf deren Datenbasis das SOCIUM der Universität Bremen den Report erstellt hat.



    Deutschland gehört zu den zehn Ländern mit dem höchsten Anteil an Demenzerkrankten weltweit. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft lebten in Deutschland im Jahr 2020 rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz – die meisten von ihnen mit einer Alzheimerdemenz. Wegen der steigenden Lebenserwartung wird diese Zahl weiter steigen: um 900 pro Tag, das heißt, um mehr als 300.000 im Jahr. Somit werden im Jahr 2050 voraussichtlich 2,4 bis 2,8 Millionen Menschen betroffen sein.


    Demenziell Erkrankte adäquat zu versorgen, ist heute und in Zukunft nicht zuletzt wegen der angesprochenen hohen Erkrankungshäufigkeit und damit auch der gesundheitsökonomischen Bedeutung eine besondere Herausforderung. Die Versorgung von Demenzerkrankten ist zudem sehr komplex und fordert multimodale Behandlungsansätze. Demenzerkrankungen treten für gewöhnlich im höheren Lebensalter auf und werden oftmals von weiteren Krankheiten begleitet. Die Therapie der vaskulären Demenz (Durchblutungsstörungen im Gehirn) und der Alzheimerdemenz muss also fast immer im Kontext einer Multimorbidität erfolgen. Der demenzspezifische Abbau der kognitiven Fähigkeiten mit dem damit einhergehenden Verlust von Sprache und damit auch der Fähigkeit sich auszudrücken, macht deutlich, dass Demenz eine Erkrankung mit hoher Krankheitslast und mit einem großen Verlust an Lebensqualität einhergeht. Hinzu kommen die abnehmenden Möglichkeiten, am sozialen Leben teilzunehmen, und körperliche Beeinträchtigungen.


    Die Behandlung des demenziellen Syndroms setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Neben pharmakologischen Maßnahmen kommen auch psychosoziale Interventionen für die Erkrankten und ihre Angehörigen zum Einsatz. Das Ziel der pharmakologischen Therapie einer Alzheimerdemenz mit Antidementiva ist derzeit, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.


    Fehlversorgung mit Neuroleptika


    Im Rahmen der Analyse von hkk-Daten für den Demenzreport 2020 richtete sich das Interesse vor allem auf zwei Arzneimittelgruppen: einerseits auf Antidementiva, anderseits auf Wirkstoffe, von denen bekannt ist, dass sie für Menschen mit Demenz nutzlos sind und ihnen sogar schaden können, wie Neuroleptika, Arzneistoffe aus der Gruppe der Psychopharmaka.


    Für Antidementiva ist ein gewisser Nutzen bei leichten bis mittelschweren Demenzen nachgewiesen. Eine Verlangsamung des Verlusts der kognitiven Leistungsfähigkeit und die positive Beeinflussung bei der Verrichtung von Alltagsaktivitäten konnten beobachtet werden. Keine ausreichend belastbaren Daten liegen hingegen vor, die belegen, dass die krankheitsbezogene Lebensqualität gesteigert und eine vollstationäre Pflege verhindert werden kann. Bei schwerer Demenz können memantinhaltige Mittel den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.


    Für den Einsatz von Neuroleptika zur Behandlung von Demenzerkrankten mit Verhaltensstörungen wird dagegen generell keine Indikation gesehen. Die pharmazeutischen Unternehmen, die solche Mittel herstellen, wurden verpflichtet, sogenannte Rote-HandBriefe an Ärztinnen und Ärzte zu verschicken, in denen auf das Risiko der sogenannten Übersterblichkeit und des höheren Sterberisikos hingewiesen wird.


    Verordnung von Neuroleptika


    Das Ergebnis der Datenanalyse ist im Hinblick auf die Arzneimitteltherapie bei Menschen mit Demenz dramatisch: Rund 34 Prozent aller an Demenz Erkrankten erhielten im Jahr 2019 mindestens einmal Neuroleptika verordnet – Psychopharmaka, die üblicherweise zur Therapie von Schizophrenien und Psychosen Anwendung finden. Antidementiva erhielten hingegen nur 22,3 Prozent.


    Und das, obwohl ein risikobehafteter Einsatz von Neuroleptika bei Demenzerkrankten seit Jahren bekannt ist. Eine Analyse von 17 placebokontrollierten, teils unveröffentlichten Studien ergab, dass sich beim Einsatz derart stark beruhigend wirkenden Neuroleptika bei Demenzpatientinnen und -patienten das Mortalitätsrisiko um den Faktor 1,6 bis 1,7 erhöht. Die Haupttodesursachen waren dabei akute Herzerkrankungen und überwiegend pulmonale Infekte. Inzwischen liegen zudem Hinweise vor, dass vermehrt ischämische Hirninfarkte auftreten können.


    Ferner ist zu bedenken, dass der Einsatz von Neuroleptika, wie auch von bestimmten anderen Schlaf- und Beruhigungsmitteln, bei agitiertem und sogenanntem herausfordernden aggressiven Verhalten von Demenzpatientinnen und -patienten möglicherweise zu einem rascheren Verfall der kognitiven Leistungsfähigkeit beiträgt. Eine kurzfristige Anwendung ist nur dann vertretbar, wenn eine nicht beherrschbare Gefährdung der Betroffenen oder ihrer Umgebung besteht.


    Dementsprechend ist die Verordnung von ruhigstellenden Mitteln bei älteren Menschen, insbesondere aber bei Menschen mit Demenz, keine akzeptable Strategie, um den Mangel an Pflege- oder Betreuungspersonal auszugleichen. Es muss vielmehr das Ziel sein, eine aktivierende Pflege anzubieten, welche die vorhandenen Kompetenzen älterer Menschen fördert, damit sie so lange wie möglich ihre Würde und die Alltagsfähigkeiten aufrechterhalten und Erinnerungen aus der früheren Lebenszeit bewahren können.


    Prävention als Schlüssel


    Hinweise aus der Präventionsforschung zeigen, dass mentale und körperliche Beschäftigungen sowie Anforderungen, beispielsweise Tanzen, sowie Lebensstilveränderungen, etwa entlastende Ernährung, dazu beitragen, den Beginn einer möglichen Alzheimerdemenz zu verzögern. Besonders wichtig ist dabei auch eine regelmäßige Kommunikation, ggf. mit Unterstützung eines Hörgeräts.


    Ein Schlüssel zu wirksamer Prävention könnte auch die dauerhafte Senkung eines zu hohen Blutdrucks sein. Mehrere Studien legen nahe, dass Bluthochdruck in jüngeren Jahren ein wesentlicher Risikofaktor für eine spätere vaskuläre Demenz sein kann. Da Bluthochdruck auch die häufigste Ursache für einen Schlaganfall ist, schützt diese Form der Prävention das Gehirn in zweierlei Hinsicht.


    Dies alles ist zwar keine Garantie dafür, dass eine Alzheimerdemenz vermieden werden kann. Die Berücksichtigung dieser Handlungsempfehlungen und Erkenntnisse können aber offenbar, wie in manchen Ländern zu beobachten ist, die Häufigkeit von Alzheimerdemenz im höheren Alter senken.

  • Hallo HorWo, hallo euch in diesem Forum,


    es lässt mich nicht die rechten Worte finden , die euch in den belasteten Situationen trösten können...


    Ich möchte mich bei euch bedanken, dir ihr mich im Januar diesen Jahres so freundlich und empathisch in diesem Forum begrüßt habt.


    Bis heute ist vieles passiert und durch eure Schilderungen und Hilfestellungen habt ihr mich und meinen Mann in unserem Handeln bestärkt.


    Die Demenz meiner Schwiegermama nahm im Spätsommer des vergangenen Jahres richtig Fahrt auf und das von uns installierte Versorgungsnetz (ambulanter Pflegedienst, Essen auf Rädern, Besuchsdienst etc) konnte ihre häusliche Situation nicht mehr kompensieren.

    Wir wohnen 360 km entfernt in einem anderen Bundesland und kamen monatlich für eine Woche zu ihr....


    Während eines Klinikaufenthalt in einem Landeskrankenhaus (Corona inkl. ) begann die unendliche Suche nach einem Platz für Muttern.

    Als wir einen Platz in einer Demenz-WG fanden, konnten wir unser Glück kaum fassen...wir ahnten zu diesem Zeitpunkt ja nicht, was da passieren wird...

    Keine Pflegefachkraft vor Ort, sondern angelernte Hilfskräfte, welche vom Umgang mit Menschen mit Demenz keinerlei Kenntnisse, geschweige den Wissen vorweisen konnten.

    Und ja, das wurde uns im Vorgespräch anders vorgestellt...

    Innerhalb von drei Monaten verschlechterte sich der Allgemeinzustand meiner Schwiegermama und sie zeigte Symptome einer Hospitalisierung, ihr Gangbild wurde unsicherer und sie baute weitere Ressourcen ab.


    Wir sprachen immer wieder die Medikation an und unsere Sorge, dass sie überdosiert wird mit Psychopharmaka und es wohl ausschließlich um den Tenor geht, sie ruhigzustellen. Gespräche mit der behandelnden Ärztin , dem ambulanten Pflegedienst und den Betreuungskräften verliefen überaus unbefriedigend, auch im Hinblick auf einen fachlichen Austausch.

    Im WhatsApp Chat der WG kursierten Äußerungen über Mutters Verhalten etc...

    Ich schildere hier die "Spitze des Eisberges".


    Mitte Februar zogen wir die Notbremse. Wir erhielten einen Platz für sie in einer Pflegeeinrichtung hier bei uns in Niedersachsen. Dort lebt sie auf einem beschützen Wohnbereich für Menschen mit Demenz und blüht auf und wir sind unendlich dankbar für diese Möglichkeit.

    Personal mit Fachwissen, Empathie und Gesprächbeteitschaft mögen bei Angehörigen viel Gutes und vor allem Erleichterung auf dem Weg dieser Krankheit bewirken.


    Ihre jetzige Hausärztin mit dem Schwerpunkt Geriatrie reduzierte Mutters Medikation und stellte einiges um... sie war überdosiert!!!

    Auch der Neurologe ist mit im Boot und es klappt.


    Lasst euch bitte nicht beirren, wenn ihr Beobachtungen bei euern Angehörigen wahrnehmt und Betreuungspersonen euch dieses ausreden wollen.


    Auch wenn mir das Konzept einer Demenz-WG einst zusagte, würde ich heute keinen Angehörigen mit einer fortgeschrittenen Demenz so unterbringen.


    Buchenberg, Schwarzerkater, Rose, Alfi

    euch verdanke ich so einiges..


    Es grüßt euch

    Harzhexi

  • Hey ich bin ja gelobt worden Dankeschön Harzhexi❤️

  • Hallo ich habe Deinen traurigen Bericht gelesen HorWo und werde wegen felgender Fachkenntnis meinen Mund halten aber dem Austausch folgen.


    Ich kann nur sagen dass die Antidepressiva bei meiner Mutter ihr eine gewisse Ruhe zurückgebracht haben und damit mehr Kraft🤷‍♀️.


    Alles Gute Alfi🌸

  • Auch ich lese einfach mit, kann aber überhaupt nichts zu dieser Thematik beitragen, finde den Bericht auch einfach traurig und auch tragisch.

  • Hallo ,

    Ja, man muss schon ein bisschen mit ein Auge auf die Entwicklung haben, was bei weiter Entfernung nicht so einfach ist.

    Ich hatte anfangs mir einen Termin beim neuen Hausarzt meiner Mutter gemacht und gemerkt, dass er Ahnung zu haben schien, wie unterschiedlich Medikamente bei jungen gegenüber alten Menschen wirken können, dass am besten nur spezielle Neuroleptika - wenn nötig - in möglichst geringer Dosis angewendet werden sollten etc.

    Auch die Pfleger rieten zu Vorsicht bei Neuroleptika. Meine Mutter bekommt nun eine in recht geringer Dosis, seitdem sie mehr Halluzinationen hat und oft so verwirrt durch die Gegend lief, nach kurzer Zeit war sie tatsächlich entspannter , es wird ja dokumentiert und läuft unter Aufsicht, wenn mir eine Veränderung auffällt, gebe ich es auch den Pflegern zum besten.

    Auch durch ein Antidepressivum zu Anfang schon wurde es etwas leichter .

    Also die Mittel sind wirklich nicht per se zu verteufeln, "die Dosis macht das Gift".


    Nur: wenn jemand wirklich sehr aggressiv ist und die ganze Gruppe aufmischt, bin ich auch für beruhigende Medikamente. Ich habe es zu Anfang bei meiner Mutter in der Gruppe mitbekommen, dass sie vor einem Mann Angst hatte, der gelegentlich komplett ausrastete oder bei einer Familienangehörigen, die mit Messern und Scheren vor anderen stand - also da hört "der Spaß" auf - dazu stehe ich!

    Wenn im Gehirn einiges durcheinander gerät, muss man manchmal chemisch nachhelfen, dafür wurden die Mittel entwickelt.

  • Hallo Alfi,

    es ist schön zu hören, dass es Deiner Mutter nach den Antidepressiva besser geht. Das Problem sind nicht die Antidepressiva, sondern die Neuroleptika. Die können sehr schwere Veränderungen im Gehirn und auch in der Motorik (ähnlich wie bei Spastikern) verursachen. All das ist bei meiner Lebensgefährtin aufgetreten. Ich habe am Beginn der Behandlung noch nicht so vielgewusst, hatte mit über 80 Jahren auch einige gesundheitliche Probleme und war mehrere Male im Krankenhaus. Wenn eine Ärztin während ihres Studiums und bei der Promotion nicht wissenschaftlich denken gelernt hat und nach dem Motto handelt, "was für Fritz gut ist, ist auch für Emma gut", dann verursacht sie großes Leid nicht nur bei der betroffenen Person, sondern auch bei den Angehörigen.

    Ich habe mehrfach versucht die Ärztin dazu zu bringen, mit uns zusammenzuarbeiten , insbesondere mit mir. Ich kann durch meine Ausbildung und berufliche Tätigkeit ein wenig medizinische Entscheidungen beurteilen.

    Habe die Ärztin aufgefordert, zukünftig irgendwelche Änderungen an der Medikation mit mir zu besprechen. Hat sie nicht getan. Als meine LG 1 1/2 Monate nach Behandlungsbeginn bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wurde und nach 3 Wochen wieder entlassen wurde, hat sie sie bis zum Ableben nicht einmal besucht, auch davor ist sie nur einmal bei ihr gewesen. Dazu mussten wir sie auch noch bitten. Heute, wo ich viel mehr weiß, würde ich dieser Ärztin nicht einmal meinen Hund oder meine Katze anvertrauen.

    Meiner LG wurde offensichtlich nach dem Absetzen das Neuroleptikum (Pipamperon) durch Schwestern des Heims weiter gegeben um sie ruhig zu stellen. In diesem Heim leben 75 alte Menschen, 70 % mit Demenz. Was passiert mit denen, wenn die Angehörigen über keine Kenntnisse verfügen und alles hinnehmen?

    Ich hab in meinem 2 Beitrag Ergebnisse einer Studie dargelegt. Antidepressiva und Neuroleptika sind 2 ganz verschiedene Dinge und die Schäden, die Neuroleptika anrichten können, sind schon lange bekannt. Ich kann nur jedem raten, den Artikel zu lesen und nicht zuzulassen, dass Demenz kranken Angehörigen solche Mittel verabreicht werden. Meine LG hat das mit ihrem frühzeitigen Tod unter starken Schmerzen bezahlt.

    -

  • "Dementsprechend ist die Verordnung von ruhigstellenden Mitteln bei älteren Menschen, insbesondere aber bei Menschen mit Demenz, keine akzeptable Strategie, um den Mangel an Pflege- oder Betreuungspersonal auszugleichen. Es muss vielmehr das Ziel sein, eine aktivierende Pflege anzubieten, welche die vorhandenen Kompetenzen älterer Menschen fördert, damit sie so lange wie möglich ihre Würde und die Alltagsfähigkeiten aufrechterhalten und Erinnerungen aus der früheren Lebenszeit bewahren können."

    Hallo HorWo,

    mein Beileid und meine Anteilnahme für den Verlust deiner Lebensgefährtin!

    Den von dir bereitgestellten Artikel habe ich gerne studiert, auch wenn meine Frau und ich ihre dementen Eltern mit viel Unterstützung durch ambulante Pflege bei uns zu Hause pflegen und bisher ohne Psychopharmaka ausgekommen sind.
    Mindestens in diesem Forum ist die allgemeine Aufmerksamkeit für "Ruhigstellung" sehr hoch - und ja: Wer direkt oder indirekt Verantwortung trägt für demente Menschen - egal ob sie zu Hause oder im Heim gepflegt werden -, muss sich wohl oder übel auch einiges medizinisches Fachwissen aneignen.

    Lieben Gruß Buchenberg

  • Guten Morgen in die Runde,


    ich nehme Bezug auf den von HorWo eingestellten Artikel zur Thematik über den Einsatz von Psychopharmaka und Neuroleptika bei Menschen mit Demenz.


    Auch bei meiner Schwiegermama gab es eine nicht angepasste Dosis; sie erlitt einen ischämischen Hirninfarkt, der durchaus damit in Verbindung gebracht werden kann.


    Diese Vorgehensweisen sind bedenklich und müssen thematisiert werden.

    Angehörige erleben immer wieder eine ablehnende Haltung von Seiten der behandelnden Ärzte und werden eher als Störfaktor gesehen ...kennen mein Mann (chronischer Schmerzpatient) und ich bestens....damit auch gleich implementiert, dass sie keine Kenntnisse über Fachwissen haben....(blöder Fehler).


    Wir sprechen oft darüber, dass wir das Sprachrohr für Schwiegermama sind, sie kann es ja nicht mehr.


    Und sind dankbar für all die Menschen eines therapeutischenTeams, die in der Lage sind aufmerksam zuzuhören und fachlich kompetent zu agieren. Es gibt sie!!!


    HorWo und ihr, die ihr soviel Leid erfahren habt ....möge es genug Kraft für euch geben und Menschen, die für euch in diesen Zeiten da sind....

    In diesem Forum gibt es sie.


    Harzgex

  • Hallo Harzhexi,

    da hat deine Mutter und ihr beide eine schwere Zeit durchgemacht, aber mit einem guten Ende.

    Herzliche Glückwünsche an dich und deinen Mann!

  • Hallo Buchenberg,

    mein Mann und ich bedanken uns.


    Muttern sah ihren Sohn gestern herzlich an, nahm seine Hand und sagte, dass sie nun ihrer beider Hochzeit vorbereitet will.....

    (Er sieht seinem vor langer Zeit verstorbenen Vater sehr ähnlich).

    Und dann spazierten wir zusammen durch den Lichthof und sangen das Steigerlied, Mutters interne Nationalhymne....immer wieder die erste Strophe..

    Diese besonderen Momente ....

  • Hallo Harzhexi! Ich bin relativ neu hier.

    Lese bei euch mit:)

    Meine Mutter hat Mittel bis starke Demenz, ist jetzt auch im Heim- vorher gleiche WG-Erfahrungen wie Du. Davor Jahrelang Zuhause.

    Es freut mich sehr zu hören, dass es auch gute Heime gibt. Ich bin weiter am Suchen. ( Stecknadel i. Heuhaufen) - scheint endlos.


    Zu Neuroleptica kann ich auch nur sagen, dass ich die Überdosierung bei den Leidensgenossen meiner Mutter sehe. Da die Einrichtung weiß, dass ich weiß, dass Sie sich strafbar machen ohne meine Einwilligung (FEM ohne richterlichen Beschluss: bis 5Jahre Haft) haben Sie es bei ihr abgesetzt - aber jetzt auch ein Auge auf mich😬.


    Was ich nicht verstehe : wie kann es sein, dass die Hälfte der demenziell veränderten Senioren mit diesem Teufelszeug ruhiggestellt wird ohne dass die Ärzte/Neurologen/PDLs und Pfleger belangt werden. Diese Leute sind in gewisser Weise Kriminelle die sich über geltendes Recht hinwegsetzen. Sie sind verantwortlich für schreckliches Leid - Sie sind diejenigen die dies das beenden könnten - und rechtlich sogar müssten.

    Die Richter die in die geschlossene Abteilung kommen müssen, um eine Unterbringung Vorort in Augenschein zu nehmen, müssten die Medikationspläne nach den Mitteln die off-Label missbraucht werden durchschauen. Die schauen aber weg - sodass - ich sag’s nicht gern, auch die Richter und Verfahrenspfleger irgendwie kriminell handeln. Rein logisch gesehen.


    Tatsächlich wird im Heim weiter ohne meine Einwilligung jetzt Tavor anstatt Quetiapin verabreicht - wie ich hoffe, nur ab und zu. Ich habe inzwischen Angst mich (erneut) zu wehren da ich völlig auf den Platz im Heim angewiesen bin.


    Meine Gesundheit ist durch die Pflege mehr als angegriffen. Der Heimvertrag beinhaltet, dass die Heimleitung unter bestimmten Umständen(die Sie herbeiführen können) der Vertrag gekündigt werden kann. Hier in der Umgebung gibt es praktisch keine Alternative (geschlossene). Ich suche weiter… eben weiters weg - die warten aber auch nicht direkt auf uns, alles recht voll.

    Schlaflose Grüße

    Holly

  • Hallo Holly, Holly,


    du setzt bereits viele Hebel in Bewegung, um eine Veränderung zu schaffen.
    Das kostet Kraft und Nerven (und Geld) und ein positives Ergebnis scheint nicht in Sicht.
    Du hast einen Anstoß gegeben und das ist überaus wichtig!


    Uns wurde in Bezug auf das Geschehen in der Demenz-WG dringend geraten, sich mit der -Task Force- der entsprechenden Krankenkasse in Verbindung zu setzen, um dort unsere Aufzeichnungen, Kopien der Dokumentation etc vorzulegen.
    Dieses würde viel zu selten von Angehörigen in Anspruch genommen.


    Für ein Heim gibt es andere Ansprechpartner im Bezug auf ein Beschwerdeverfahren.
    Vielleicht ist es eine Möglichkeit für dich, sich mit der zuständigen Heimaufsicht in Verbindung zu setzen.
    Hier im Forum gibt es sicher wertvolle Hinweise für ein weiteres Vorgehen.


    Es grüßt
    Harzhexi

    • Offizieller Beitrag

    Hallo HorWo, danke, dass Sie Ihre Erfahrungen hier geschildert haben und trotz all dem Schmerz über den Verlust Ihrer Lebensgefährtin den mutmaßlichen Behandlungsfehler staatsanwaltlich haben überprüfen lassen. Bitte berichten Sie uns, wie es ausgegangen ist.


    Die medizinische Diskussion sollte besser in dem Forum Prävention, Diagnostik, Therapie geführt werden. Vielleicht kann der Beitrag entsprechend verschoben werden, denn die Kollegen dort können sicher noch wertvolle Anregungen geben.


    In unseren Fachkreisen führen wir die Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Neuroleptika schon seit Jahrzehnten.

    Immer wieder wird aus guten Gründen vor einem leichtfertigen und unsachgemäßen Umgang gemahnt aber auch darauf hingewiesen, dass Aggressionen und schwere Unruhe- und Angstzustände diese Medikamente erforderlich machen, besonders wenn ein psychotisches (z.B. wahnhaftes) Erleben eine mögliche Ursache ist. Bevor die neueren Neuroleptika zugelassen wurden, waren wir für die Möglichkeit eines "Heilversuchs" dankbar, mit den Mitteln, die offensichtlich wirksam aber noch zugelassen sind. Dies verbirgt sich hinter dem Begriff "off label".

    Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Neuroleptika "ausgeschlichen" also nicht plötzlich abgesetzt werden, weil dann gravierende Nebenwirkungen besonders häufig auftreten.


    Ihnen allen eine gute Woche, und Ihnen HorWo viel Kraft in Ihrer Trauer und in der Klärung der Lage.

    Ihr Martin Hamborg

  • Liebe Schwarzerkater oh wie schön von Dir zu lesen!!!!!

    Ich wollte schon öfter mal fragen „Schwarzerkater wo bist Du“ aber auch das ist ja das schöne in unserem Raum: man kann sich auch mal auf die Ruhewiese zurückziehen.

    Mach weiter so!


    Ich hab schon meine „Sauerstoffmaske“ gepackt, das leicht mulmige Gefühl ist schon partiell da und ich freu mich schon auf anschließend McDonalds und vorher mit der weißen Schäferhündin spazieren zu gehen.


    Lg Alfi❤️

  • Liebe schwarzerkater ,

    ich habe ebenfalls sehr gefreut von dir zu lesen. Den Ansatz des Heimes finde ich gut, wie du es beschreibst, man begleitet die alten Menschen auf ihrem Weg - an ihre individuellen Bedürfnisse angepasst. So verstehe ich das.

    Bzgl deiner andauernden Traurigkeit würde ich sagen, es ist ein Prozess, der Zeit erfordert anzunehmen, was ist und was man nicht ändern kann. Meine Mutter ist nun seit fast vier Jahren hier im Heim, wenn man die erste Kurzzeitpflege mitrechnet, nach der sie nochmal sechs Wochen zuhause war bis zum nächsten Knochenbruch durch Sturz.

    Bei mir ist die Traurigkeit im letzten Jahr deutlich weniger geworden, ich setze mich der Situation dort aber i.A.nicht mehr als 1mal/Woche aus, vllt würde dir also wirklich Abstand helfen. Akzeptanz ist tatsächlich ein großes Wort hier, das man sich immer wieder vorsagen kann. Wenn man ansonsten eher Macher/in und Planer/in ist, fällt das vermutlich besonders schwer .

    Aber ich kann auch noch nicht sagen, wie es ist, wenn meine Mutter mich nicht mehr erkennt, nicht mehr spricht ...

    Es ist und bleibt ein Abschied auf Raten und das ist schwer.

    Mich tröstet tatsächlich gerade noch der Vergleich zum Abschiedsweg meines Mannes mit monatelangen massiven Schmerzen etc.durch Krebs im kompletten Bauchraum. Und selbst da gab es einen Punkt, an dem ich mental umschalten konnte, als mir der Seelsorger sagte, unsere Wege gehen nun auseinander, in verschiedene Richtungen. Den habe ich dann noch täglich begleitet - keine Ahnung, wie ich die Kraft mobilisieren konnte, danach fehlte sie mir nachhaltig.. er war Mitte 50, meine Mutter nun 92 J. - daher fällt es mir im Vergleich vllt leichter, wobei ich ja noch lange den Anspruch hatte, für einen Ausgleich ihres in anderer Hinsicht schweren lebens zu schaffen. Und das war MEINE Challenge, zu akzeptieren, dass ich es auch jetzt nicht mehr schaffe.

    Aber wer weiß, so ein ruhiges Leben in schöner Umgebung mit liebevoller Begleitung, viel Licht in ihrem Zimmer , mit Blick in einen schönen Garten hatte sie zuvor nicht - und doch will sie oft noch "nachhause"..


    Herzliche Grüße

    Rose60

  • Ich denke, die Aufgabe besteht darin, die Balance zwischen Leiden und einem guten Leben zu finden

    Lieber schwarzerkater,

    ich freue mich auch sehr, wieder von dir zu hören. Deine Beiträge sind immer sehr ermutigend und bereichernd. Sie haben mir gefehlt.


    Die Einrichtung, in der deine Mutter wohnt, hört sich sehr schön an und es ist tröstlich zu wissen, dass sich deine Mutter dort nun gut aufgehoben fühlt. Und trotzdem ist diese Krankheit ein langer Abschied, der uns weh tut und uns im Alltag stets begleitet.


    Ich komme im Moment gar nicht mit zurecht und ich bin ständig traurig. Der Alltag kostet mich sehr viel Kraft und ich empfinde grad keine Freude für irgendwas.

    Deshalb habe ich auch dein Zitat gewählt.

  • Eine Pflegerin meinte einmal sinngemäß: "Sehen Sie es doch mal so ... Wir alle müssen wieder "von der Welt" und da ist doch diese Art des Abschiedes nicht die Schlechteste. Der demente Mensch lebt im Moment und hat keinerlei Sorgen mehr."


    ..genauso sehe ich das auch, meine Mutter weiß nichts von Krieg im Osten und nichts von Corona o.ä., besser hat sie es mental selten gehabt.


    Liebe schwarzerkater : danke für deine Wertschätzung, mittlerweile kann ich es so sehen, nachdem ich lange Zeit Komplexe hatte, weil ich nicht mehr arbeiten kann. Ein Zitat habe ich mal letztens als sehr hilfreich gefunden: "Und, was haben Sie in Ihrem Leben so auf die Beine gestellt?" - "Mich selbst - immer wieder"

    :)

    Anette K : Manchmal hilft es "einfach" nur anzunehmen, was ist, also auch gerade deine Traurigkeit. Abschiede von geliebten Menschen tun unweigerlich weh - und Demenz ist Abschied in Raten.. - und solange man nicht komplett handlungsunfähig ist, kann man warten bis diese Phase sich bessert bzw. vorüber geht. Sich immer mal erinneren, dass man tief durchatmen muss, raus in die Natur sich bewegen, kann auch helfen.

    Liebe Grüße

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