Wie geht es Euch? Thread IV

  • Barbara: auf jeden Fall Pflegegrad für beide beantragen!! Ohne kommt man nach meiner Erfahrung in keine Kurzzeitpflege oder dauerstationär ins Pflegeheim. Zudem kann damit ein Pflegedienst mit der Pflegekasse abrechnen etc. Der Aufwand des Antrags ist sehr gering, ein Formular kann man sich online herunterladen, alles weitere dann mit dem MDK. Am besten vorher informieren, was wichtig ist anzugeben. Motorische Probleme deines Vaters zählen letztendlich sogar verstärkt als Pflegebedarf!

    In den meisten Städten gibt es mittlerweile eine Pflegeberatung, man liest es meist erst in der Zeitung oder schaut online, wenn es einen betrifft.

    Auch auf der Seite Pflege.de kann man sich gut informieren, vermutlich gibt es auch eine Hotline für Fragen oder per mail.

    Also alles annehmen an Unterstützung, was zu bekommen ist, dafür zahlen wir doch alle in die Pflegekasse. Demenz führt nicht unweigerlich in kurzer Zeit zum Tod, d.h. man muss als Angehörige/r einen langen Atem haben und muss schon sehen, dass einem nicht selbst die Puste ausgeht.


    Also Hilfe annehmen, ist definitiv keine Schwäche, sondern eher Stärke - Situationen adäquat angehen, sich informieren und handlungsfähig bleiben!


    Liebe Grüße an alle,

    Rose

  • Danke für Eure Antworten! !

    Meine Mutter hat seit August 2020 Pflegegrad 3!!

    Jetzt geht es um meinen Vater.

    Ich gehe nicht davon aus,daß mein Vater jemals fremde Hilfe annehmen würde.

    Es wird niemals passieren,daß mein Vater sich vom Pflegedienst baden lassen würde.

    Deshalb weiß ich nicht,wie ich das hinbekomme, daß die Sauberkeit (Körperpflege )richtig funktioniert.

    Es ist auch nicht möglich,sich mit ihm über seine Defizite zu unterhalten und gemeinsam zu überlegen,wo Hilfe nötig ist.

    Wie ich schon geschrieben habe,versteht er uns nicht mehr und wir verstehen ihn nicht mehr.

    Und wenn es ihm zu bunt wird, steht er auf und geht weg.

    Man konnte noch nie sachlich mit ihm reden.

    Er macht stur sein Ding und will auch gar keine Veränderungen.

    Es sieht alles ein wenig aussichtslos für mich aus.

    Aber ich werde den Antrag auf Einstufung gleich bei der BEK anfordern.

    Es ist ein Anfang!

    LG an alle

    Barbara66

  • Liebe Barbara,

    Richtig so! Mein Vater war auch so ein Sturkopf, von männlichen Pflegern des Pflegedienstes hat er sich nachher zweimal pro Woche duschen lassen, später wurde in der Wohnung meiner Eltern auch Hauswirtschaftliche Unterstützung mit gemacht. Meine Mutter hat allerdings immer die Wäsche "vergessen" machen zu lassen, dann ist meine Schwester wieder eingeknickt. Ich wäre da härter gewesen, da muss man teils erzieherisch tätig werden, jedenfalls versuchen.

    Nirgendwo steht ein Gesetz geschrieben, dass du dich als Tochter kaputt machen musst. Es nimmt einen einfach psychisch viel mehr mit als professionelle Kräfte.

    Alles Liebe für dich

    Rose60

  • Hallo in die Runde :)


    Schön, dass ihr von Euch berichtet habt. <3 - Bürokratie und die Eigenheiten vom Heim- (Personalmangel) und die Eigenheiten, der lieben Eltern.


    Hanne, das ist natürlich lang, von August bis jetzt. Das haben wir Gott sei Dank noch nicht gehabt. Aber da du die Betreuung hast, da kann ich mir schon vorstellen, was man da alles zusammentragen muss und was schief gehen kann.


    Barbara


    Danke, für die Beschreibung der Demenz von deiner Mama. Ich denke, du hast Recht, bei meiner Schwiegermama ist es doch anders, als bei ihr.


    Auch ich denke, ein Pflegegrad müsste für den Vater drin sein, so wie du ihn jetzt beschreibst.


    Liebe Grüße an Euch alle


    In eigener Sache kann ich sagen, ich war gestern recht traurig gewesen, sie so zu sehen.


    Das Delir von am Sonntag hat sich in den letzten Tagen nicht wiederholt. Sie war zwar in den Zeiten desorientiert und hat auch sonst einiges durcheinander geworfen, aber ansonsten ging es. Sie hat aber Schmerzen am ganzen Körper, sagt sie. Das hat mir die Seniorenbetreuerin auch bestätigt. Und sie hat Ängste - dass jemand sie umbringen will. Oder sie weiß nicht, wovor sie Angst hat. Aber jedes Mal, wenn sie aufwacht, ist da Angst. Auf Nachfragen hin, kann sie das aber, wie gesagt, meist nicht deuten.


    Gestern habe ich sie im Bett vorgefunden. Vor ihr stand das Essen. Sie hat es, bis auf die Suppe, aber nicht angerührt. Es sah aber ganz gut aus. Die Kartoffeln haben ihr aber nicht geschmeckt. ect.


    Sie war hellwach, hat mich erkannt und ein normales Gespräch angefangen. Sie ist sich voll bewusst, dass sie nicht laufen kann. Ihre Beine tun ihr weh. Sie saß da wie ein kleines Kind und hat geweint. Als die Dame vom Hospiz kam, hat sie auch klar geantwortet, wie es ihr jetzt geht. Und es geht ihr eben nicht gut, weder psychisch noch körperlich. Sie hat über sich selbst nachgedacht und findet ihren Zustand einfach deprimierend und traurig. Der Stationsleiter hat sie frisch gemacht, während ich draußen mit der Hospizbetreuerin noch Einzelheiten zu ihrer Person besprochen habe.

    Wir haben sie anschließend in den Rollstuhl gesetzt. Ihr ist ständig kalt, sie will aber nichts Dickeres anziehen. Decke akzeptiert sie. Die neuen Wärmflaschen, die ich gekauft habe, habe gestern auch ich vergessen. Ich werde sie aber der Seniorenbetreuerin heute ans Herz legen. Ich werde auch schauen, ob ich einen leichten bequemen Rollstuhlsack bekomme, den sie im Haus benutzen kann. Die, für draußen, sind ja so wuchtig ect.


    Egal, was wir dann gemacht haben, im Heim, meine Schwiegermama sah einfach nur unglücklich aus. Sie weiß, dass sie nicht mehr richtig hört, sie Schmerzen hat, sie nicht laufen kann, sie mehr denn je, auf andere angewiesen ist. Nur einmal, als die Sonne schön durchs Fenster geschienen hat, und sie die Dekoration davor wahrgenommen hat, hat sie das auch für schön empfunden und es auch gesagt.

    Als ich sie in den Aufenthaltsraum geschoben habe, hat sie, trotz Gesellschaft, unglücklich dagesessen und ich musste zu meiner eigenen Mama fahren.

    Ehrlich. - Blödes Corona. - Sie hätte gestern noch einen Besuch vertragen können, von einem Enkel oder Sohn. Aber nein, es darf ja immer nur einer ins Heim, wobei das schon absoluter Luxus ist. Ich muss mich an zwei Tagen in der Woche aufteilen, für sie und für meine eigene Mama und es ist einfach nur Mist, wenn es so ist, wie gestern.

    Das Morphium Pflaster ist jetzt von drei Personen bei der Ärztin angefragt worden. Ich hoffe, dass sich dieses Mal etwas tut.

    Die Hospizangestellte meinte, man könne ich die Schmerzen nicht ganz nehmen, sonst müsse man sie regelrecht abschießen. Ich hoffe, dass man entsprechend handeln wird, wenn ihr Gemütszustand sich dauerhaft verschlechtert oder wenn ihr Körper noch weniger zu gebrauchen ist. Wenn das Leben dauerhaft für sie nur noch eine einzige Qual ist, dann wird man doch wohl etwas tun müssen. Morgens soll es ja noch einigermaßen gut gehen, mit ihr und ihrem Gemütszustand.


    Aber vielleicht ist es heute schon wieder anders bei ihr.


    Liebe Grüße an alle

  • Liebe Teuteburger,

    Das ist schwer mit anzusehen, unglücklich, Schmerzen, Angst - schlimm. Ich kann nur wieder sagen alle Möglichkeiten der modernen Medizin nutzen um es soweit wie möglich erträglich zu machen. Ein Schmerzpflaster müsste dann ja sicher so geklebt werden, dass sie nicht drankommt es abzureißen. Mit dem Morphium wird sich nach meiner Erfahrung bei meinem Mann auch vermutlich die Stimmung bessern. Finde ich eine gute Idee 💡

    Liebe Grüße

    Rose

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, nun endlich möchte ich auch wieder meinen Beitrag leisten.

    Ihren Satz, Rose60 "nirgendwo steht im Gesetz geschrieben, dass Du Dich kaputt machen musst" möchte ich bestärken. Das Ziel der Pflegeversicherung ist noch stärker: Alles ist dafür gedacht, dass pflegende Angehörige unterstützt werden und eben nicht kaputt gehen!


    Leider lässt sich nicht alles regeln und es gibt noch ganz viel Luft nach oben in der Versorgung der Menschen, die besonders schwer von den Verhaltenssstörungen betroffen sind. Hier in diesem Forum treffen und unterstützen sich ja nun diese Menschen! Manchmal hilft ein guter Rat, aber leider nicht immer. Dann bleibt oft nur der richtige Zeitpunkt, damit Hilfe zugelassen werden kann und der gegenseitige Trost und die gegenseitige Unterstützung, all das, was ich hier so schätze.


    Wir könnten es uns einfach machen und sagen: Es gibt ein Recht auf Verwahrlosung, auf den persönlichen Wahnsinn, das eigene Drama oder die eigene Hölle. Aber das ist zu kurz gesprungen, wenn psychische Krankheit und eine Demenz die Selbstbestimmung boykottieren. Deshalb raten wir so oft zum sozialpsychiatrischen Dienst als letzte Hilfe...


    Bei Ihrer Mutter, Barbara66, wäre eigentlich eine kompetente psychiatrische Behandlung erfolgversprechend. Rivastigmin ist ein Mittel, was bei einer Lewybody Demenz gut wirken kann. Aber die Behandlung gehört in die Hand eines erfahrenen Spezialisten und leider gibt es kein Allheilmittel!

    Es ist bitter, dass es in Ihrer Region keine richtige Hilfe gibt. Deshalb hatte ich Ihnen letztens Links zur aktuellen Forschung geschickt und gehofft, dass Sie dort ein kompetentes Ohr finden oder den Tipp für die richtige Spezialklinik.


    Ihre Frage "Was triggert den Wahn" möchte ich anders stellen: "Woran liegt es, wenn der Wahn mal weniger wird?"

    So wie Sie Ihrer Mutter beschreiben, ist das gesamte Alltagsleben in den Wahn (nicht korrigierbar) eingebaut.

    Aber es triggert den Wahn zusätzlich, wenn Sie "explodieren". Einen Einfluss haben nach meiner Erfahrung auch Krankheitssymptome oder Körperwahrnehmungen und Diskussion im Sinne von Rechthaben wollen. Solange keine echte psychiatrische Behandlung greift, bleibt uns nichts, als diese ganze ver-rückte Welt auszuhalten. Weil es ein Wahn ist, ist dieser nicht korrigierbar und unseren Realitäten nicht zugänglich. Wir können oft nur sagen: "Du erlebst die Welt anders als ich, das müssen wir beide ertragen".


    Vielleicht ist es aber für Ihren Vater mittelfristig eine Entscheidungshilfe, wenn Sie sich ab und zu mal Luft machen und "explodieren", weil er in seiner sogenannten Alltagsrigidität (früher Altersstarrsinn) keine Hilfe und Einsicht zeigt. Natürlich ist es sinnvoll, wenn Sie einen Pflegegrad beantragen, dann haben Sie zumindest etwas mehr finanziellen Spielraum und im Notfall ist auch eine Kurzzeitpflege möglich.


    Ich habe hier schon manchmal den zynisch klingenden Satz schreiben müssen: Leider muss manchmal etwas Schlimmes, Unwürdiges, Katastrophales ... passieren, damit Hilfe möglich ist. Meine Fragen sind dann: Was müsste passieren, damit Ihr Vater die notwendige Hilfe zulässt? Können Sie das selbstgemachte Elend bis dahin ertragen? Womit erhalten Sie durch Ihre Hilfe den unhaltbaren Zustand vielleicht sogar aufrecht? Haben Sie Vorbereitungen getroffen, damit Sie im Notfall schnell handeln können?


    Von dem was ich alles hier gelesen habe ist das Verhalten Ihrer Schwiegermutter, Teuteburger, vermutlich nicht durch eine Lewybody Demenz bedingt. Ein Delir kann auch Halluzinationen, Wahnerleben und Aggressionen auslösen. Bitte denken Sie immer an die Grundregeln: Selbstschutz vor Fremdschutz! Abwarten vor Kämpfen - Aushalten vor Gewalt. In den Schulungen übe ich mit den Mitarbeiter*innen einen Weg aus der Eskalation und für den richtigen Zeitpunkt, um in diesen Situationen eine kurze schnelle oder palliative Versorgung durchführen zu können.

    Sie wissen um die Persönlichkeitsstörung Ihrer Schwiegermutter, die ihr in solchen Situationen zusätzlich im Weg steht.

    Ich wünsche sehr, dass die Schmerzpflaster auch auf die psychische Situation wirken. Sehr oft habe ich das miterlebt!


    Allen in diesen unendlich langen kaum auszuhaltenden Situationen kann ich nur ganz viel Kraft und möglichst viele kleine positive Lichtblicke wünschen, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo in die Runde,


    danke Rose für Deine Antwort. Auch danke an Herrn Hamborg.


    Inzwischen bekommt sie mehr Morphium. Allerdings nicht als Pflaster, denn sie kommt mit ihren Fingern überall hin. Das haben mir einige Pfleger bestätigt. Sie kommt bis an die Füße und auch die gesamte Wirbelsäule, ist für sie kein Problem. Man müsste noch etwas testen, um sozusagen Siegfrieds Blatt aus der Nibellungesaga ausfindig zu machen. Aber mit einem teuren Mophiumpflaster testet man besser nicht.

    Also hat man die Tablettengabe erhöht. Und siehe da, am Freitag habe ich sie in einem relativ brauchbaren Gemütszustand und mit recht wenig Schmerzen erlebt.

    Aber am Samstag ging es schon los - lallendes Sprechen, aber immer noch körperlich einigermaßen da, zumindest eine halbe Stunde lang. Ich habe sie auch zum ersten Mal auf der Bettkante sitzen sehen. Ich kenne das ja nur vom Hörensagen, dass sie morgens manchmal auf der Bettkante sitzt. Das hat mich richtig gefreut. Also nichts mit Sedieren. Bei ihr ist immer nur das obere Bettgitter oben, so dass sie mit den Beinen rausklettern kann. Aber meist sind die Schmerzen ja zu groß.


    Am Sonntag war sie dann völlig weggetreten, sie hat auch keine Tabletten geschluckt. Ihr Glück einerseits. Sie war total verwirrt, hat nichts gegessen und getrunken, war fast nur am Schlafen. Am späten Nachmittag, war sie dann manchmal wach. Über Stunden habe ich versucht ihr etwas zu trinken und zu Essen zu geben. Anderthalb Becher und eine winzige Portion Essen. Definitiv war das Morphium überdosiert. Der Stationsleiter hat mit mir und meinem Mann zusammen beschlossen weniger Mophium zu geben. Wir haben das dann auf unsere Kappe genommen. Als wir gegangen sind, war sie wieder am schlafen. Am nächsten Vormittag das gleiche Bild. Ich habe überall herumtelefoniert, damit wir einen Arzt finden, der das Morphium reduziert, denn die Pfleger brauchen die ärztliche Anweisung. Ich habe auch mit der Hospizmitarbeiterin telefoniert usw. Gegen Mittag habe ich dann nochmal im Heim angerufen. Und siehe da, sie war wach und hat gegessen und getrunken. Auch die Seniorenbetreuerin hat sie zum teil recht ansprechbar erlebt.

    Die Pflegerin hat mir gesagt, sie würde ihr abends nichts mehr geben, hat aber Gott sei Dank im Gegensatz zu mir den Breitschaftsarzt erreicht und man wird sich wohl auf eine angemessenere Dosierung geeinigt haben.


    Der Wirkstoffspiegel von am Freitag wird wohl optimal gewesen sein. Und ich hoffe, dass man den bald erreichen wird. Anstatt die doppelte Menge Morphium, zweimal am Tag 8 mg, wären vielleicht 6 mg zweimal am Tag besser gewesen.


    Ich werde mal schauen, was mich heute erwartet, wenn ich hingehe. Ein Delir hatten wir seit letztem Sonntag aber nicht mehr gehabt.


    Liebe Grüße an alle. Und wie geht es Euch so . . .

    Einmal editiert, zuletzt von Teuteburger ()

  • Hallo zusammen,

    Teuteburger : das klingt nach Erleichterung durch Morphium. Der Körper muss sich erstmal daran gewöhnen, es kann gut sein, dass deine Schwiegermutter wieder munterer wird. Nach und nach wird man vermutlich die Dosis erhöhen können nach Bedarf. Und schmerzfrei ist die Stimmung natürlich auch besser. Wie gut dass wir in diesem Teil der Welt leben, wo es diese mediz. Möglichkeiten gibt .Sei herzlich gegrüßt ;)


    sonnenblümchen: also an die beschmierten Handtücher etc. könnte ich mich auch nicht gewöhnen. Für die Schubladen sind die Mitarbeiter m.E.zuständig. das mit dem Staubsaugerbeutel ist natürlich heftig....Ich habe auch mal darauf hingewiesen, dass sich geschmierte Brote etc.für schlechte Zeiten bei meiner Mutter im Nachtschränkchen stapeln. Ich durfte nichts wegwerfen davon von meiner Mutter aus. Habe es dann der Pflege mitgeteilt, seitdem scheinen sie in Abständen danach zu schauen, meine Mutter schimpft dann bei mir, dass sie beklaut wird, während sie im Speiseraum ist.

    Was mich aktuell ärgert ist, dass trotz Impfung der Bewohner keine Lockerung bei den Aktivitäten stattfindet, weiterhin keine Feiern, kein Singen etc. Das verstehe ich nicht, es würde meiner Mutter jedenfalls gefallen.

    Ihr kurzzeitgedächtnis wird von mal zu mal schlechter. Sie fragt nun wieder mehr, was sie denn dort soll, zuhause wäre alles besser , dass sie dort nur die Wände anstarren könnte, versteht sie nicht mehr.

    Ich selbst kämpfe mit dem Corona-Blues , zumal wir noch komplett eingeschneit waren.... Nun wird es hoffentlich wieder besser.


    Liebe Grüße an alle

    Rose60 <3

  • Hallo ihr Lieben,

    Wie geht es euch?

    Heute bin ich ziemlich frustriert, war nachmittags bei meiner Mutter und nach langer Zeit mal wieder eine ganz kleine Runde Spaziergang bis zu einem kleinen Park mit neuem Rollator. Danach Videoanruf bei meiner Tochter mit dem Urenkel, der uns seine neuesten Duplobauten vorgeführt hat, also eigentlich eine nette Abwechslung.

    Gleich zu Beginn wurde ich aber angeblafft, siehabe ja gar kein Geld mehr, wenn sie mal in die Stadt gehen will ins Cafe oder so, wo ihr ganzes Geld monatlich hingehe, das komme wohl alles zu mir.... Alles schon mehrfach erklärt, dass ich nichts mit ihrem Geld zu tun habe, alles wie vorher von meiner Schwester verwaltet wird.

    Danach Beschwerden, dass ich nie mit ihr in die Stadt gehe Schaufenster anschauen, ins Café, sie wolle daher wieder nachhause, da sei alles abwechslungsreicher. Alles wieder vergessen, warum man nirgendwo hin kann momentan, dass wir vor Corona mehrmals im Café waren, wenn ich sie mit dem Rollstuhl schieben wollte durch die Stadt, war ihr das peinlich.


    Ich verstehe andererseits, dass die weiterhin bestehende Lethargie und das mangelnde Angebot im Heim sie enttäuscht, trotz zweier Impfungen finden keine Feiern, keine Gottesdienste statt, kein Friseur.

    Mir gehen die - wenn auch wichtigen - Einschränkungen gerade selbst auf die Nerven und ich fühle mich überfordert als einzige hier zuständig zu sein für kleine Highlights. Ca.alle 5 Tage bin ich bei meiner Mutter zu Besuch, habe aber ja eigentlich auch nichts neues zu erzählen... :|

    Ich bemerke den mentalen Rückgang meiner Mutter nun immer mehr, sie war heute auch erstmalig komisch angezogen, darauf hat sie sonst viel Wert gelegt.


    sorry, das musste ich mal loswerden.


    Wie lange sollen denn bloß die Einschränkungen für die alten Menschen noch bestehen, denen ja quasi noch eher die Zeit davonläuft?


    Liebe Grüße an alle

    Rose60

  • Auch von mir ein Hallo in die Runde,


    auch ich schließe mich hier an, wobei bei uns im Heim, dank dessen, dass hier noch kein Coronafall war, tatsächlich am Dienstag eine Karnevallsfeier stattgefunden hat. Ich könnte mir vorstellen, das deine Mama hier besser zu Recht käme Rose, da sie ja noch unternehmungslustig ist. Die Eltern von Hanne sicher auch. Hier ist morgens schon ein Programm. Bälle zuschieben über den Tisch, Quiz raten und auch Gymnastik.

    Das finde ich schön für diejenigen, die noch am Leben etwas teilhaben können.

    Aber für meine Schwiegermama ist auch ins Cafe gehen, kaufen gehen, eigentlich das A und O gewesen. Aber es hat ja alles zu. Und ich befürchte, das geht so weiter. Und wieder schaue ich nach Schweden. Hier kann man das, wenn auch mit Auflagen aber doch. Die andere Mentalität der Schweden, sorgt unter anderem dafür, das trotz weniger strengem Vorgehen, die Zahlen sinken.


    Zu meiner Schwiegermama ist zu sagen, dass sie nach der Überdosierung erst mal kein Morphium bekommen hat. Und siehe da, was hat sie noch für eine Energie, in Sachen sprechen, Wünsche äußern, aber sie hat dann auch mehr Schmerzen und sie ist unglücklicher, weil ihr ihre Situation trotz Demenz voll bewusst ist. Sie will dann nicht mehr leben. Und ich verstehe sie gut. Auch die Verabschiedungsszene von meiner Seniorenbetreuerin war vor einigen Tagen herzzerreißend gewesen.

    Jetzt bekommt sie wieder die Dosis Morphium, die sie vorher bekommen hat. Und am Freitag war sie fast wieder nur am schlafen. Vielleicht muss sie sich erst wieder dran gewöhnen. Vielleicht muss man noch ein bisschen an der Dosierung und an Einnahmezeiten feilen ect.

    Ansonsten hat man ihr ein neues Zimmer, in der Nähe vom Schwesternzimmer angeboten (Todesfall). Aber ich bin mir nicht sicher. Denn die Aussicht ist nicht so schön, eher Hanglage und Mülleimer, Straße, aber keine Menschen. Da wo sie ist, hat sie eine weite Fläche, einen Parkplatz, ein Einkaufzentrum und immer Menschen, die sie sehen kann und dahinter viel Grün.

    Zudem ist das Schwesternzimmer auch nicht so oft besetzt. Man kann ja auch über ein Babyphone nachdenken. Ihr Zimmer liegt auch direkt gegenüber vom Aufenthaltsraum. Und da man mir versichert hat, dass sie eine laute Stimme hat, wird man sie nachts bei geöffneter Türe auch hören können.

    Heute hat sie mich mehrmals gebeten sie zu umarmen, wollte wissen, ob ich sie lieb habe usw. Das waren schöne Momente. Sie ist aber immer wieder eingeschlafen und wenn sie aufgewacht ist, hat sie irgendetwas gesagt und war dann gleich wieder weg. Gegen abend ist sie dann wieder etwas munterer geworden. Sie hat aber mehrmals im völligen ernst gesagt, sie kann ja nichts mehr machen, sie will so nicht mehr leben. Und ehrlich gesagt, ich wollte es so auch nicht mehr, mit den verbundenen Beinen, den Dekubitusstellen, dem schmerzenden Rücken, trotz Morphium und in dem Bewusstsein, sie kann nicht mehr richtig denken. Sie weiß das.


    sonnenblümchen,


    du bist schon streng. ;) Aber die Sache mit den Handtüchern ect. würde mich auch stören, genauso wie die mangelnde Fußpflege ect.


    Heute war man wieder zu zweit auf der Station mit 32 Bewohnern. Und was habe ich gelesen: Es müssten ungefähr fünf Pflegekräfte anwesend sein. Das wäre mal ein Luxus.


    Nachlesen kann man das hier:

    http://www.gesundheitsberater-…er-braucht-ein-gutes-heim


    Zitat:


    "Eine Vollzeitkraft darf in Berlin also vier Bewohner der Stufe I betreuen, für vier Bewohner der Stufe III aber müsste es schon mehr als zwei Vollzeitstellen geben. Ein Durchschnittsheim mit 100 Plätzen dürfte sich wie folgt zusammensetzen: Drei Bewohner befinden sich noch in der Pflegestufe 0, dazu kommen 43 Bewohner der Pflegestufe I, 37 Bewohner der Pflegestufe II und 17 Bewohner der personalintensiven Stufe III. Dieses Beispielheim müsste 42 Pflegekräfte beschäftigen. Die werden auf drei Schichten aufgeteilt, tagsüber sollten etwa 15 Kräfte im Dienst sein."

  • Hallo zusammen,

    Teuteburger: wie schön, dass es bei euch eine karnevalsfeier im Heim gab, im Heim meiner Mutter nichts dergleichen, trotz Impfung und keinerlei coronafall zuvor...


    Heute wird in der Online Presse ganz frisch davon berichtet, dass lt.einer Israel.Studie an 1,7 Millionen der Biontech Impfstoff 90% Ansteckungen verhindert, damit müssten die Bedenken für Lockerungen in Heimen hoffentlich bald vom Tisch sein . Eine mir bekannte Journalistin arbeitet für einen öffentlich rechtlichen Sender am Thema, also seriös.

    Ich hoffe so sehr, dass noch viele Altenheimbewohner bald wieder mehr von Lebensfreude zu spüren bekommen und nicht nur weggesperrt/"geschützt" bleiben um auf den Tod zu warten.

    Man weiß doch, dass gerade auch schwer demente noch Lieder mitsingen oder doch wenigstens empfinden können.

    Alles andere Zuwarten ist unmenschlich!!! (In meinen Augen..)


    Liebe Grüße an Euch alle da draußen

    Rose60 <3

  • Hallo in die Runde,


    ich wollte noch einmal etwas zu gestern und vorgestern schreiben.

    Im Heim sind auch alle, bis auf wenige Ausnahmen zweimal durchgeimpft worden.

    Ein paar sehr wichtige Betreuerinnen und Pfleger konnten wegen einer eigenen Krankheit nicht geimpft werden.

    Auch wenn hier mal eine Feier stattfindet und morgens etwas gemacht wird, so dümpeln die älteren Herrschaften doch über viele Stunden vor sich hin.

    Wegen Personalmangel, werden an nicht wenigen Tagen schon nachmittags ein Großteil der älteren Personen hingelegt.

    Auch wenn es immer mal eine kurze Stippvisite in den Zimmern gibt, viele sind einfach alleine.

    Meine Schwiegermama konnte in den letzten Tagen nicht in den Aufenthaltsraum. Sie wollte entweder nicht in den Rollstuhl, weil das Morphium sie so ausnockt, und wenn sie im Rollstuhl sitzt, dann immer zwischen wachen und schlafen und Selbstgesprächen.

    Bei anderen Heimbewohnern sehe ich auch schwer den Mangel an Personal. Man kann sich zu zweit nicht vierteilen.

    Ein offenes Cafe wäre ein Traum.

    Ich sehe zwar das, was geht, ich sehe aber auch das, was nicht geht.


    Liebe Grüße an alle

  • Hallo zusammen,

    ich wollte mich doch auch einmal wieder melden. Meine Schwiemu ist nun durchgeimpft, aber die Beschränkungen in ihrem Heim bleiben bestehen. Mein Mann muss also vorher einen Test machen und nur er allein darf sie besuchen. Das ist in dem Fall nicht so schlimm, da meine Schwiemu mich ohnehin nicht mehr erkennt und ich zu ihr nie so eine enge Beziehung hatte wie Teuteburger zu ihrer. Die Einrichtung ist ziemlich klein und kuschelig, wenn nun ein neuer ungeimpfter Bewohner einzieht, müssten die das doch leicht gewuppt bekommen. Aber ich denke auch, sie sind so vorsichtig, da es ja im letzten Frühjahr einen Coronafall dort gab und auch etliche Pflegerinnen betroffen waren.

    Zum Thema Besuch von anderen Angehörigen: meine Mutter, die vor 2 Jahren gestorben ist, hatte ich ja an meinen Wohnort geholt und in einem Heim in der Nähe untergebracht. Am Anfang habe ich sie täglich besucht, aber die letzten 3 Jahre nur noch 2-3x pro Woche, da sie mich nicht mehr erkannt hat und manchmal auch ungehalten reagierte. Sie war aber insgesamt 10 Jahre in diesem Heim. Die dementen Bewohner hielten sich tagsüber meistens in der Wohnküche zusammen mit den Alltagsbegleiterinnen auf. Ich als Angehörige wurde immer nett eingebunden, beim Essen, Singen, Späßchen machen. Aber ich war meistens die einzige Angehörige. Es gab noch eine spezielle Angehörigengruppe, aber auch dort war das Interesse eher verhalten. Selten, dass ich dort jemanden mal häufiger gesehen habe. Ich denke, es ist nicht unbedingt selbstverständlich, was ihr, auch wenn die Angehörigen im Heim sind, alles leistet an "Kümmerarbeit". Klopfen wir uns auf die Schultern!

  • Hallo in die Runde,


    heute mal wieder ehrlich und ungeschönt. - Personalmangel - Stress - teilweise schlimme Pflege, obwohl ich dabei war - keine Zeit.


    Schwiegermama war ganz bei sich. Entweder hat sie heute Morgen ihr Morphium nicht bekommen oder sie hat sich dran gewöhnt. Aber da ich die ein oder andere Tablette in ihrem Bett gefunden habe, glaube ich eher, dass sie es heute nicht genommen hat. Dekubitus am Rücken. Ich habs gesehen. Ist der Pflege egal. Keine Zeit. - Ferse tut ihr sehr weh. Auch Dekubitus. Immerhin war hier eine Wundversorgung - Schmerzen überall.


    Sie hat furchtbaren Durst gehabt. Niemand macht ihr den Fernseher an. Sie kann nicht laufen und sie weiß das. Die Inkontinenzartikel schneiden ihr in die Scheide ein. - Sie will nicht mehr. Sie will sterben. Sagte sie heute mehrmals!!!

    Man hört nicht auf sie, wenn sie sagt, man soll langsamer und zarter machen. Man wäscht sie mit einem Duschgel und wäscht die Seife anschließend nicht ab, sondern reinigt sie nur mit einem Handtuch. Man hetzt von einem Zimmer zum anderen. Heute Abend gab es auch keinen Tee. Ich habe den dann gemacht.

    Ich bezweifle auch das sie heute Nachmittagskaffee bekommen hat. Den habe ich gemacht und ihr ein Rosinenbrötchen gegenüber gekauft. Sie hat nur wenig gegessen.

    Sie hat heute richtig in Zusammenhängen gedacht und gesprochen? Sie hat mit mir richtig klar geredet über die Inkontinenzartikel und das ich ihr nicht helfen kann, ich sie nicht alleine heben kann, um sie besser zu platzieren. Sie hat auch gefragt, ob man den Rollstuhl verstellen kann, damit sie besser sitzt. Mich hat das eher erschreckt, weil ich ihr alleine wirklich nicht viel helfen konnte. Und da ich sie mit der Pflegerin kurz vorher frisch gemacht habe und sie in den Rollstuhl gesetzt habe und diese mit fliegenden Fahnen in den Aufenthaltsraum gehetzt ist, habe ich selbst mein bestmögliches versucht, ohne großen Erfolg.


    Ehrlich. Ich empfinde das als Alptraum. Und ehrlich, ich will so nicht enden. Da genügt schon ein Tag, so behandelt zu werden, um sich viele Gedanken zu machen. Nicht jeder ist wie der der Stationsleiter. Der bekommt alles besser hin, trotz Stress. Der ein oder andere Pfleger weiß noch nicht einmal über die Inkontinenzartikel Bescheid, obwohl er sie seit Monaten benutzt. Da könnte ich schreien.


    Zuhause wäre sie wesentlich besser aufgehoben, einerseits, wären da nicht die Nächte. Aber man kann das Wohnzimmer auch nicht lüften, weil das Fenster defekt ist. Die riesige Fensterfront hätte schon vor Jahren ausgetauscht werden müssen.


    Und ganz ehrlich, ich bin mehr denn je für aktive Sterbehilfe. Wenn die Regierung es nicht schafft, dass Heime eine anständige Personalversorgung haben, dann kann sie die Schwächsten der Schwächsten auch nicht anständig versorgen!!! So sieht es aus. Mit knappen Ressourcen große Ergebnisse erzielen wollen, ist nicht möglich. Und diejenigen, die meinen mit dem Sterben dürfe man kein Geld verdienen. - Etwas heuchlerisches gibt es für mich nicht. In Pflegeheimen wird Geld mit den Halbsterbenden natürlicherweise Geld verdient, genauso verdient der Bestatter Geld, die Ärzte. - Wie weltfremd muss man sein, hier etwas anderes zu verlangen, wenn es ums Sterben geht. Wenn es entsprechend gute Auflagen geben würde . . .


    Zudem ist es so, dass wir uns als Angehörige, zwar nicht gänzlich kaputt machen, aber dafür machen dich dann andere kaputt. Ein Pfleger musste direkt nach einer Zahnextraktion zum Dienst kommen. Immer wieder werden Pfleger aus ihrer wohlverdienten Freizeit ins Heim zitiert, so auch heute. Und dann fehlt noch, das heute eventuell der eine Dienst hat, der besser Bauarbeiter geworden wäre. Ohne Worte, was meine Schwiegermama dann wieder erleben muss. Es ist zum heulen.

    Und ich habe auch zu Hause noch Stress.


    Liebe und verzweifelte Grüße an alle

  • Hallo zusammen,


    hanne63 : Meine Mutter war 77 Jahre als sie ins Heim gezogen ist. Es wäre wohl damals noch eine Weile zu Hause gegangen, aber sie wohnte weit entfernt von mir, so dass ich mich nicht kümmern konnte. Außerdem gab es das Problem, dass andere Angehörige, die sogar im selben Haus wie sie lebten, sich nicht kümmerten. Zu mir ins Haus nehmen wollte ich sie nicht, das hätte ich nicht geschafft. Das Heim war aber 5 Minuten entfernt, so dass ich immer nach Dienstschluss bei ihr vorbeigeschaut habe, manchmal nur kurz. Aber ich war dann beruhigt, dass es ihr den Umständen entsprechend gut geht. So schreckliche Erfahrungen wie Teuteburger musste ich zum Glück nicht machen.


    sonnenblümchen : nein, Schuldzuweisungen wollte ich auch nicht machen. Ich wollte nur betonen, dass es für Angehörige immer schwer ist mit der Demenzerkrankung umzugehen. Und für manche besteht dann eben die Lösung darin, dass sie sich distanzieren. Auch diese haben mein Verständnis. Es ist schrecklich, den Verfall mit anzusehen und es verändert einen, auch dann, wenn man die Pflege nicht selbst leistet. Deshalb kann ich gut nachvollziehen, wenn Du Dich nun erstmal wieder selber finden oder auch "erfinden" musst.


    Bei mir war das auch so und das, obwohl ich meine Berufstätigkeit nie aufgegeben und auch nicht eingeschränkt habe. Die Quintessenz aus meiner Selbstfindungsphase war nun, dass ich Mitte des Jahres ein Jahr früher in den Ruhestand gehe als geplant. Viel ist in den letzten Jahren auf der Strecke geblieben: Hobbys, Besuch von Freunden, die weiter weg wohnen und auch mal in den Tag gammeln und nix machen. Dazu kam noch, dass eine gleichaltrige Freundin von mir gestorben ist. Von der Diagnose bis zum Tod hatte es nur 2 Monate gedauert!


    Teuteburger : Es klingt sehr schlimm, was Du da schreibst. Kannst Du vielleicht die Hausärztin mit ins Boot holen? Wenn sie mit der Heimleitung sprechen könnte, hätte das doch vielleicht eine Wirkung? Was sagen denn die anderen Verwandten Deiner Schwiemu dazu, unterstützen sie Dich? Wenn nicht, musst Du das einfordern. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass es besser wird :!::!::!:

  • Hallo in die Runde,


    erstmal Danke an alle, die hier ihre Erfahrungen hier reinschreiben. Das hilft mir immer ein Stück weit weiter, auch beim reflektieren.


    Hanne schreibt, dass die alten Herrschaften zu Hause auch rumdümpeln würden. Das stimmt, leider. 24-Stunden-Unterhaltung gibt es nirgendwo. Im Grunde wiederholt sich das Thema immer wieder. Es könnte besser sein für die älteren Leute, aber auch schlechter.


    Sonnenblümchen schreibt, dass sie erst zu sich selbst finden muss und schauen, wo sie steht. Das kann ich sehr gut nachempfinden. Ich habe das auch schon vor der Demenz meiner Schwiegermama versucht, aufgrund von privaten Umbrüchen, wo nichts mehr vor und zurück ging. Ich befasse mich seit vielen Jahren mit dem Leben selbst und welche Antworten unsere Welt hier bereit hält. Es ist teilweise eine Sumpflandschaft mit Gemeinsamkeiten und Widersprüchen. Vergeblich sucht man oftmals die Verbindungen untereinander, denn da wird es erst interessant. Ich vergleiche das immer mit einem Kuchen, der aus Mehl, Butter, Zucker und Eiern besteht. Das wäre so meine Grundbasis. Der eine meint aber, sein Kuchen sei der einzig wahre, aber es fehlt ihm die Butter. Der andere meint sein Kuchen sei der einzig wahre. Aber es fehlt ihm der Zucker. Und so verhält man sich bei den Lebensfragen, dann einseitig und widersprüchlich. Wie das gegenseitige Verständnis wohl aussehen würde, wenn alles wieder zusammengefügt ist und welchen Einfluss das auf die Welt hätte, das wäre mal interessant. Ich habe da viel gelernt und auch durch die Krankheit meiner Schwiegermama habe ich viel gelernt und ich lerne noch. Naja, mal sehen, was aus all dem wird.

    Ich wünsche dir alle Gute bei der Selbstreflektion, Sonnenblümchen.


    Lulu, was du über das frühe Eintreten ins Heim schreibst, das erlebe auch ich im Heim meiner Schwiegermama. Da ist eine Frau, die ist erst 51, gepflegt, gutaussehend und geistig fit, wie ich sie bisher erlebt habe? Ich habe sie das erste Mal auf der Terrasse getroffen als ich mit meiner Schwiegermama im Rollstuhl unterwegs gewesen bin. Ich dachte, sie sei eine Angehörige, weil sie eine andere Frau im Rollstuhl gefahren hat. Sie hat sich über die Späße meiner Schwiegermama köstlich amüsiert. Und später habe ich sie dann im Gemeinschaftsraum sitzen sehen und mich gefragt, ob es doch Ausnahmen gibt, dass Angehörige hier rein dürfen. Ich habe sie dann auf dem Gang darauf angesprochen und sie sagte, sie wohnt hier. Ich fragte warum. Das ist eine lange Geschichte, sagte sie. Wir hatten aber beide keine Zeit, um weiterzusprechen. Diese Geschichte würde mich aber schon interessieren. Sie ist im Heim auch Seniorenfürsprecherin, so eine Art Klassensprecher für die Belange der älteren Personen. Ich habe sie schon erlebt. Sie kann sehr gut sprechen. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Frau noch zwanzig, dreißig, vierzig Jahre hier leben muss . . . Ich freue mich immer wenn ich sie sehe. Wir winken uns gegenseitig zu und sie hat sich auch schon mal für meine Schwiegermama eingesetzt.


    Zu meiner Schwiegermama ist zu sagen, dass es gestern von der Versorgung her wieder etwas besser gewesen ist. Sie saß auch im Rollstuhl und diesmal gab es auch Kaffee und ein Wurstbrot. Davon hat sie aber nur einen Happen gegessen. Sie ist sehr, sehr dünn geworden. Und sie ist nach anfänglicher Wachheit wieder oft eingeschlafen. Alles in allem, war es besser als vorgestern. Aber trotzdem erlebe ich solche Tage, mit dem gehetzten und nicht gut versorgenden Personal öfters und in meinen Augen zu oft.

    Ich frage mich auch, was ich da tun könnte, außer selbst mit anpacken. Aber wenn das Heim nicht mehr Personal bekommt. Ab und zu sehe ich auch mal neue Gesichter, aber die verschwinden meist so schnell wieder, wie sie gekommen sind. Mehr Geld, mehr Freizeit, mehr Personal, alles andere ist eine Limitversorgung, die bei einer Krankmeldung völlig in sich zusammenbricht. Was für ein Druck . . .


    Liebe Grüße an alle

    2 Mal editiert, zuletzt von Teuteburger ()

  • Hallo Hanne,


    was du über Dich, die Heimbesuche und die Krankheit schreibst, das kann ich gut nachvollziehen. Ich versuche trotzdem einige Schlüsse aus dem Ganzen zu ziehen.


    Nachdem ich mir einiges über die Jahre angesehen habe, halte ich es in meinem Fall für sinnvoll, mir ein gut geführtes Heim rechtzeitig auszusuchen. Nach den ersten Gebrechen, die einen im täglichen Leben vermehrt einschränken können, würde ich den Umzug wagen, zumindest ins betreute Wohnen. Der Zeitpunkt wäre bei meiner Schwiegermama vor zwölf Jahren gewesen. Und hätte sie es dann nicht gemacht, dann allerspätestens mit 89 als sie nicht mehr die Treppen im Haus hochgekommen ist, und als sie so schlecht dran gewesen ist, dass sie es nur noch von der Toilette bis zur Couch und zurück geschafft hat. Ab da wäre ein Pflegeheim richtig gewesen. Und in den Jahren dazwischen, da hätten wir uns zusammen Heime anschauen können. Sie hätte Probewohnen können. Wir hätten evt. auch im europäischen Ausland, in der Schweiz, Luxemburg schauen können, wegen der besseren Arbeitsbedingungen vom Personal ect.


    Zur Demenz kann ich inzwischen sagen, dass ich doch mehr der Nonnenstudie glauben schenken kann und das auch der Stoffwechsel eine Rolle spielt. Bei meiner Schwiegermama habe ich immer wieder, auch vor der Demenz festgestellt, dass sie immer von anderen erwartet hat, dass sie ihr Leben auf die Reihe bringen sollen. Das ist ganz schlimm gewesen, dieser Kampf, - sie will das alles so ist wie in der Kindheit oder in ihrem mittleren Jahren. Sie hat ihr Alter und die Bedürfnisse, die damit einhergehen nie akzeptiert und nie in diesem Bereich denken wollen. Sie hat sich aber wehren wollen, gegen das, was jetzt mit ihr ist. So kenne ich sie, vor der Demenz, die ich schon recht merkwürdig fand. Denn sie hat sich ja Sachen von mir behalten, die sie bei sich selbst gar nicht hat sehen wollen.


    Ich werde für mich da schon einiges rausziehen und das planen, was zu planen ist. Die Gegenwart schätze ich auch und ich hoffe trotzdem, dass man irgendwann zumindest die Wahl hat in Sachen Sterbehilfe.

    Meine Schwiegermama weint auch oft, weil sie sich gefangen in ihrem Körper fühlt und weil sie merkt, dass ihr Denken lahmgelegt ist, vom Morphium und von der Demenz. Die Demenz ist für sie nicht immer eine Flucht.


    Ich bin einmal auf dem Stuhl neben ihr eingeschlafen. Mir ging es an dem Tag auch nicht so gut. Sie hat auch geschlafen. Und als ich wach geworden bin, da habe ich gedacht - und was wäre, wenn ich jetzt nicht aufstehen könnte. Ich hatte auch etwas Bauchweh. Ich habe mich nicht gut mit der Vorstellung gefühlt. Mir hilft es dann tätig werden zu können, zu räumen, zu tun und zu machen. Und als sie wach wurde, da hat sie irgendwann gesagt, sie kann ja gar nichts mehr alleine machen. Ja, genau das . . .


    Ich beobachte einfach weiter und werde schauen, wie es heute ist. Von einem Tag zum nächsten denken. Weiter kann man jetzt nicht denken bei ihr.


    Liebe Grüße an Dich und an alle die hier mitlesen

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, zuerst möchte ich mich dem Vorschlag von Lulu anschließen, sich „auf die Schultern zu klopfen". In diesem Forum geht dies sogar gegenseitig – auch für alle Mitlesenden! Dank Ihnen Lulu, für diesen Vorschlag.


    Vier große Themen der Woche möchte ich gern aufgreifen.


    Die Schmerztherapie und die palliative Pflege Ihrer Schwiegermutter, Teuteburger, läuft offensichtlich noch nicht so rund.


    Die wichtigste Frage für mich ist: Warum ist noch kein „Palliativ Care Team“ und ein Palliativmediziner einbezogen? Die großzügige Finanzierung der zusätzlichen ärztlichen und pflegerischen Maßnahmen würden eine engmaschige Kontrolle der Einstellung mit Morphinen möglich machen. Es liest sich so, als wäre Ihre Schwiegermutter immer wieder am Rande der Somnolenz (kaum erweckbar) und / oder am Rand eines Delirs (akute Verwirrtheit durch behandelbare Faktoren).


    Hinzu kommt die Notwendigkeit einer hochprofessionellen Wundversorgung der Dekubiti. Wie ist der Einsatz dieser zusätzlichen Leistungen im Heim geregelt?


    Vor vielen Wochen schrieben Sie schon, dass diese Diskussion im Heim geführt wurde, insbesondere zwischen einer Fachkraft und der Stationsleitung. Wenn Sie nicht weiterkommen, gibt es Mittel und Wege und nicht die aktive Sterbehilfe!


    Gerührt hat mich die „Liebeserklärung“ Ihrer Schwiegermutter und der offensichtliche Wunsch nach Versöhnung durch das in Arm nehmen.


    Ich kann mir vorstellen, dass Ihre Schwiegermutter tatsächlich irgendwann friedlich einschläft, weil sie bei all der Qual einen inneren Frieden nach dem vielleicht lebenslangen inneren Kampf gefunden hat. Haben Sie schon ein tägliches Abschiedsritual gefunden? Die Umarmung war der tiefe Wunsch in einem Moment der Klarheit, wir können davon ausgehen, dass er auch bei einer Verwirrtheit besteht und es kommt m.E. auf einen Versuch an. Natürlich sollten Sie jede Abwehrsituation sofort respektieren, da Sie ja nicht wissen, wo Ihrer Schwiegermutter gerade im inneren Erleben ist.



    Das zweite Thema ist der Alptraum Pflege oder Albtraum Pflege. Dieses Thema ist so groß, dass es sogar zwei richtige Schreibweisen dafür gibt. Ich möchte dieses Wortspiel zum Anlass nehmen auf zwei Wege aufmerksam zu machen, wenn die Diskussion vor Ort nicht weiterführt und Vernachlässigung und Hygienemängel nicht abgestellt werden.


    Anlassbezogene Prüfungen durch Heimaufsicht und MDK: Durch Corona sind die Regelprüfungen ausgesetzt und MDK-Mitarbeiter*innen helfen kompetent in den Gesundheitsämtern bei der Nachverfolgung. Aber eine anlassbezogene Prüfung ist weiterhin möglich und ich lese hier viele Beispiele, bei denen ich nicht zögern würde! Da es bei der Heimaufsicht nicht flächendeckend kompetente Pflegekräfte in der Verwaltung gibt, würde ich pflegerische Fragen eher mit dem MDK klären. Dies betrifft auch die Notwendigkeit einer palliativen Versorgung, wenn eine Hausärztin z.B. ein Palliativ-Care-Team nicht unterstützt und über eine Beschwerde bei der Krankenkasse der MDK einbezogen werden könnte.


    Selbst aktiv werden – in der Kommunalpolitik als Seniorenvertreter*in oder durch Einbeziehen der öffentlichen Stellen: Der Seniorenbeirat ist ein wichtiges kommunales Gremium, er wird in die sozialpolitischen Entscheidungen einbezogen und sitzt in vielen Gremien, er organisiert Besuchsdienste und nimmt die Verwaltung in die Pflicht. Es gibt landesweite Netzwerke usw.


    Ich schätze diese ehrenamtliche Arbeit sehr und arbeite gerne (natürlich auf Augenhöhe) mit den geschätzten Kolleginnen zusammen. Natürlich ist die Arbeit nur so gut, wie das Engagement und die Erfahrung, die einzelne mitbringen.


    Ist dies als Apell ausreichend oder muss ich noch mehr schreiben?


    Die einzige Voraussetzung ist, dass Sie zum „Club der silver-ager“ gehören, also das 60zigste Lebensjahr erreicht haben und etwas zu den Herausforderungen des demografischen Wandels leisten wollen. Eine offizielle Rolle gibt neue Handlungsräume und sogar gesellschaftliche Anerkennung. Haben Sie noch nicht das gewünschte Alter, warten Pflegeombudsleute und Bürgerbeauftragte bei Stadt und Land aber auch die Presse auf Eingaben, Beschwerden oder Fragen.



    Die Lösungsmöglichkeiten in der Pflegenot durch Personalengpässe ist weiterhin ein Dauerbrenner. Teuteburger, Sie haben eine einfache Faustformel zitiert: Pro Tag müssten anteilig ein Drittel der vereinbarten Vollzeitkräfte vor Ort sein, also bei dem Rechenbeispiel für 42 Bewohner genau 14 Pflegekräfte für 24 Stunden. Tatsächlich wird so ähnlich gerechnet: Allerdings haben wir in der Pflege eine 7-Tage-Woche und keine 5 Tage. Hinzu kommen Auszubildende, die nur zu einem kleinen Teil von der Einrichtung finanziert werden. Zudem müssen „Fehlzeiten“ berücksichtigt werden, der Urlaubsanspruch, Fort- und Weiterbildung und natürlich die überdurchschnittlich hohen Krankheitstage in der Pflege. Berücksichtigt werden auch nicht besetzte Stellen infolge des Fachkräftemangels, die tatsächlich mehr oder weniger in die Rendite eingehen, wenn Heimaufsichten nicht Belegungsstopps verordnen und Pflegekassen Geld zurückfordern, weil die Leistungsvereinbarung nicht erfüllt wurde.


    Ich schreibe Ihnen diese Zusammenhänge, weil Sie in Kürze von jeder Einrichtung die vereinbarten Stellenschlüssel im Netz finden werden. Im Rahmen der neuen Prüfverordnung gibt es erste transparente Daten. Da die Berechnung der Personalstellen abhängig ist von der Anzahl der Menschen in den einzelnen Pflegegraden, ist es aber nur den Heimaufsichten möglich, genau zu prüfen, wie viel Stellen tatsächlich vorgehalten werden müssen oder – diesen Schritt gehen nur wenige Heimaufsichten bei gravierenden Mängeln – wie viel Plätze nicht belegt werden dürfen.



    Ende der Corona-Begrenzungen in Sicht?


    Genauso wie Sie warte ich auf ein Ende der zusätzlichen Freiheitseinschränkungen im Pflegebereich durch eine Neubewertung der Situation. Eine Rückkehr zu den scharfen Maßnahmen des Lockdowns wäre schon ein Erfolg. Für Angehörige hieße dies eine verantwortliche Lockerung der Besuchsregeln, für Pflegekräfte die Rückkehr zu einem professionellen Arbeiten mit persönlicher Fortbildung, Gesundheitsförderung und Unterstützungsangeboten und eine direkte Begegnung und Berührung ohne FFP2-Maskenpflicht in der Versorgung und Betreuung, für externe Therapeuten, Ehrenamt usw. wäre es die konsequente Wiederaufnahme der professionellen Gesundheitsversorgung.


    Die aktuellen Zahlen aus Israel dürfen nicht ignoriert werden. Von714.425 geimpften Menschen erkrankten 317 (0,04%) nur 16 davon mussten im Krankenhaus behandelt werden. Der volle Impfschutz wird mit 7 Tagen nach der zweiten Impfung angegeben.


    Es sind also zügig ethische und juristische Fragen zu klären, z.B.


    Wie hoch muss die Impfquote im Heim bei Pflegekräften und Bewohnern sein, damit die verschärften Freiheitseinschränkung zurückgenommen werden? Recht die sogenannte Herdenimmunität, die in der Gesellschaft angestrebt wird oder machen 1 bis 5-10-15-20-25-30-35% der ungeschützte Menschen die einen verschärften Lockdown im Heim notwendig? Wohlgemerkt, es geht hier nicht um den Urlaub nach Mallorca oder den Besuch im Theater wie derzeit für Geimpfte diskutiert, sondern um das, was alle anderen schon im Lockdown erlaubt war: beschränkte Besuche und professionelle Arbeit!


    Mit diesem Plädoyer möchte ich meinen Beitrag heute enden – im Wissen: Land ist in Sicht und die Tage des geduldigen Ertragens der Pandemie sind gezählt.


    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg und alle anderen.


    Hanne, das was du schreibst, das hat mir geholfen, mich selbst besser ausdrücken zu können.


    sonnenblümchen ich muss nachher auch frei Schnauze schreiben. Ich habe eine kurze Nacht hinter mir.


    @Herr Hamborg, danke, für Ihre Vorschläge und die Fakten über den Personalschlüssel.


    Die Ärztin hält ein Palliativ-Care-Team bei meiner Schwiegermama noch nicht für nötig. ????


    Sie bekommt jetzt 4 mg Palladon Retard morgens und abends. Dazwischen 1,3 mg nach Bedarf.

    Am Freitag und heute war sie wacher, hat auch klare Antworten gegeben. Ich denke mir, es spielt sich vielleicht doch langsam ein.

    Aber sie sagt seit vorgestern, sie habe Angst. Angst vor dem Alleine sein spielt vermehrt wieder eine Rolle, genauso wie die Angst vor Männern, die mit der Medizinflasche dastehen. Und sie fühlt sich nicht gut.

    Was mich heute aber am meisten beunruhigt hat, war der Umstand, dass sie seit vorgestern über eine wehe Blase klagt. Die Schmerzen würden bis in die Nieren aufsteigen. Gut, das kann vom Rücken herkommen. Sie hat das aber im wachen Zustand gesagt. Ich habe das der Fachkraft mitgeteilt. Diese ist auch nett und hat sie sich angeschaut. Ihre Diagnose war aber sofort, nein, das ist keine Blasenentzündung. Demenzkranke verhalten sich dann anders. Gestern sagt die Fachkraft wieder das gleiche, auf meine Besorgnis hin, weil meine Schwiegermama sich wieder entsprechend geäußert hat. Als die Fachkraft draußen war, hat meine Schwiegermama mich an ihr Bett zitiert. Ich solle sie nicht alleine lassen. Sie wollte ihre Einlagen wieder loswerden. Diese waren aber wirklich nicht groß ect. Sie müsse Wasser lassen. Ich sage ihr, dass kann sie ruhig machen. Und was passiert beim Wasserlassen: Das brennt, sagt sie spontan und tut weh. Aha . . . Für mich ist das im Grunde eindeutig und keine Demenztaktik.

    Ich wusste, dass der Stationsleiter heute noch Dienst hat. Er hat Frühdienst und teilweise Spätdienst. Ich habe ihm das gesagt und er bemüht sich sofort, um entsprechende Untersuchungen zu veranlassen, mit Teststreifen.

    Meine Schwiegermama hat sich sehr alleine gefühlt. Sie dürfe nicht schlafen, ich solle nicht weggehen. ect. Das war nicht schön. Sie hat sich so gefühlt, nachdem man sie gepflegt hat. Ohne Worte hat man sie aus dem Schlaf geholt und sie gewaschen, frisch gemacht. Meine Schwiegermama hat sich nur vergewaltigt gefühlt. Die Pflege war korrekt, denke ich, aber da meine Schwiegermama ohnehin keine Worte versteht, hat man auch nichts gesagt und gehandelt. Sie lag danach verstört im Bett. Man agiert langsam wie ein Roboter. Zudem wieder neue Vorschriften im Heim. Man darf nicht mehr auf den Gang, um etwas zu holen oder zu fragen. Man muss auf den Zimmern bleiben. Das wurde bis jetzt ganz human gehandhabt, bis auf wenige Ausnahmen.


    Ich bin noch keine sechzig Jahre alt. Das dauert noch ein paar Jahre. Also fällt dieses Engagement leider weg. Zeit hätte ich aber auch keine, weil ich in eine andere Sache viel Energie reinstecke und das seit über vierzehn Jahren, wegen einer schlimmen eigenen Erfahrung. Und hier recherchiere ich, ich sammle Daten, Erfahrungsberichte und ich werde schauen, was dann daraus wird. Vielleicht ein Buch. Ich werde sehen. Das kostet mich viel Zeit und Energie. Hier geht es auch um Missbrauch (falschen Gebrauch), Geschädigte und vieles, was noch nicht in Ordnung ist. Entsprechend meiner Art, will ich nicht Anklagen, sondern mit Verständnis für die einzelnen Positionen, Lösungen aufzeigen.


    An entsprechende Stellen kann ich aber mal schreiben. Allerdings frage ich mich, wer denn noch alles berichten muss, wie schlecht es in der Pflege läuft. Es kostet keine Mühe zu lesen, was Pfleger über die entsprechenden Einrichtungen schreiben. Wenn da kein offensichtlicher Handlungsbedarf besteht, dann weiß ich auch nicht. Hätte ich nicht meine eigenen Arbeiten, sowohl Privat, als auch meine Herzensangelegenheit, dann würde ich das aber gerne machen, wenn ich irgendwann die Kraft hätte. Deshalb Hanne, alles gute von mir, vielleicht in einer fernen Zukunft. Du hast ja sogar die entsprechenden Vorraussetzungen, um da irgendwann etwas zu bewirken.



    Eine Pflegerin sagte mir, dass sie bis 2012 meist zu fünft auf der Station gewesen seien, im Früh- und Spätdienst. Aber es fehlen seitdem einfach Arbeitskräfte.


    Und eine Bemerkung von mir zum Schluss. Ich habe festgestellt, dass man alte Menschen doch sehr gut leiden sehen kann, vor allem auch religiös eingestellte Personen. Auch wenn man so einiges nicht verändern kann, mit den heutigen Mitteln und die Umstände einfach schlecht sind, dann wird sich einfach damit abgefunden. Ich finde mich auch ab, aber ich will auch verstehen. Denn was Unversehrtheit, Selbstständigkeit, Vollständigkeit und Handlungsfähigkeit angeht, alles seelische starke Aspekte, so erlebt man in Heimen oftmals das krasse Gegenteil. Ich habe früher deshalb solche Orte gemieden. Heute will ich helfen, wenn ich kann, aber ich lasse deshalb trotzdem keine fünf gerade sein, was die von mir genannten seelischen Eigenschaften angeht. Ich weiß nur, dass keiner es wirklich hinbekommt, dies wirklich zu berücksichtigen, auch nicht im sogenannten normalen Leben. Das geht immer nur für eine bestimmte Zeit gut. Man schaue nur nach Spanien und zur Armutsprostitution, dank Corona usw. Mit viel Ignoranz kann man das eigene Seelenheil irgendwie aufrecht erhalten, um nicht mit den großen seelischen Ansprüchen konfrontiert zu werden. - Dann heißt es, es geht nicht, also lassen wir alles, so wie es ist. Und es stimmt sogar, was man hier sagt. Aber befriedigt ist die Seele dann noch lange nicht. Meine nicht. Aber ich kann es zumindest verstehen und werde akzeptieren, was nicht zu ändern ist.

    Im Grunde genommen, geht es auch darum, von einem großen Kuchen, genügend für sich selbst und den Bereich abzuknapsen, der einem selbst wichtig ist. Andere haben dann halt andere Bereiche, die ihnen wichtig sind. Und nicht selten kollidiert man miteinander. Und vieles geschieht auch aus Unachtsamkeit, Unwissenheit oder weil man gar keine Zeit mehr hat und man einfach funktionieren will . . .



    Liebe Grüße an alle

    4 Mal editiert, zuletzt von Teuteburger ()

  • Hallo Teuteburger,

    Ich möchte nur kurz auf die aktuellen Beschwerden deiner Schwiegermutter eingehen, für mich klingt das definitiv nach Blasenentz. Da würde ich Druck machen, dass ein Arzt eingeschaltet wird. Vllt bringt ja der Teststreifen des Pflegers schon eine Erkenntnis.

    Ja, man muss immer wieder am Ball bleiben, immer wieder neue Baustellen.

    Bei uns läuft es aktuell, ich konnte nach Monaten diese Woche meine Mutter nochmal zum Kaffee abholen, dank Impfung bei ihr wenigstens. Es ging besser als befürchtet, nur wusste sie trotz meines Anrufes drei Std.vorher nicht, dass ich komme und sie war sauer, dass ich es nicht mit ihr abgesprochen habe:(( alles vergessen...


    Liebe Grüße

    Rose

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