Wie geht es Euch? Thread IV

    • Offizieller Beitrag

    Hallo,

    da ich berufsbedingt sehr viel Kontakt zu Krankenhäusern und auch deren Sozialdiensten habe, kann ich das bestätigen. Vielerorts sind die Zeiten längst vorbei, an dem (die Angehörigen) die Wahl hatten. Wenn nicht bereits länger vorbereitet, auf der Warteliste stehend und / oder Kollege Zufall hilft, haben Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen leider oft keine Wahl mehr.

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialdienste telefonieren sich die Finger wund um Angehörige bei der Platzfindung zu unterstützen - erhalten aber reihenweise Absagen.
    Schwierig wird es vor allen Dingen immer dann, wenn es schnell gehen muss, z.B. weil "plötzlich" die Entlassung aus der Klinik ansteht. Ich kann nur raten, sich frühzeitig ums Thema zu kümmern, selbst wenn es eigentlich nicht aktuell ist. MEn ist auch nicht in Sicht, dass sich das bessert.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Das sind ja Aussichten, die zwar real sind, aber schön ist das nicht.


    Wenn meine Schwiegermama nur etwas mehr Verständnis für ihre Situation gehabt hätte. Im sogenannten Wunschheim, welches sie zumindest gekannt hat, war schon dreimal ein Platz innerhalb eines Jahres für sie frei gewesen.


    Jemand. der noch recht rüstig den Umzug wagt, wie ein älterer Herr, der einmal unter uns gewohnt hat, der hat hier keine Probleme gehabt. Derjenige kannte das Heim, weil sein Bruder Jahre vorher dort eingezogen ist. Besagter ältere Herr, war jeden Tag zum Essen dagewesen.


    Es ist im Heim auch recht alt geworden, über hundert.


    Das Wirtschaftliche spielt immer eine große Rolle, aber auch die Demenz an sich. Man kann auch mit Bettlägerigkeit in in die eigene Wohnung wieder einziehen, wenn man mehrere Personen hat, die sich um einen kümmern können. Vorrausetzung ist aber, dass man selbstständig mitdenken kann.

    Meine Bekannte, die einen Seniorenservice hat, hat das einmal gemacht. Die über neunzigjährige Frau hat auch wieder laufen gelernt. Die Frau, die über meiner Mama wohnt auch. Sie ist 94 und hat nach einem Oberschenkelhalsbruch wieder das Laufen gelernt, zwar am Rollator, aber immerhin.

    Und dann hat man auch Zeit, sich ein Heim noch auszusuchen.

    Die Demenz killt jede Selbstständigkeit im Keim, leider.


    Meiner Schwiegermama ging es gestern ziemlich schlecht. Sie hat Angst und weint. Sie kann nicht mehr denken. - Mophium. Abmagerung - Sie will nicht mehr. Sie ist nur noch ein Wrack, gefangen in einem Körper, der nicht mehr funktioniert, genauso wie alles andere an ihr. Gegessen und Getrunken hat sie gestern, laut meiner Seniorenbetreuerin, nichts.


    Ich will hier auch nichts beschönigen, genauso wie man die Sache mit den Heimen auch nicht beschönigt. Ausnahmen, wie am Freitag werden, so erlebe ich das, immer seltener.


    Liebe Grüße an alle

  • Hallo Teuteburger,

    wenn deine Schwiegermama eh schon Morphium bekommt, kann man ihr nicht noch zusätzlich etwas angstlösendes geben? Tavor z.B.? So wenig leiden wie möglich, ist doch jetzt die Devise, da gehört die Psyche auch dazu...

    Ach Mensch, es ist schwer dies mitanzusehen. Ich schicke dir ganz liebe Grüße <3

    Rose

  • Danke Rose,


    es geht wirklich nur noch darum Leiden zu verringern. Tavor hat sie letzte Woche als Bedarfsmedikation aufgeschrieben bekommen. Aber anscheinend hat man es ihr gestern noch nicht gegeben. Ich werde das weiter beobachten. Wenn ihre Angst länger anhält, sollen sie ihr was geben.


    Ja, es ist nicht so leicht zu sehen, wie es ihr jetzt geht. Ich bin da in der letzten Zeit oftmals hin- und hergerissen, zwischen: Sie tut mir so leid. Dieses Leiden hat sie nicht verdient. Manchmal bin ich auch tief berührt von ihr, so wie heute, aber soll so bald wie möglich friedlich gehen dürfen.


    Liebe Grüße an Dich <3


    Heute lag sie im Bett und sie war nur selten wach, vielleicht zweimal fünf Minuten. Als ich an ihr Bett getreten bin, ist sie kurz wach geworden. Ich habe sie in den Arm genommen, das Häufchen Haut und Knochen mit den großen blauen Augen.

    Sie hat ein wenig reagiert und gemeint, sie wäre noch nicht ganz fit, sie wolle noch eine weile schlafen und ob das in Ordnung wäre. Ich habe ihr versichert, dass alles in Ordnung sei. Das hilft ihr immer gut. Sie ist dann direkt wieder eingeschlafen. Gegen Abend hat sie vier/fünf Schlucke Brühe getrunken. Ich habe sie dann ein wenig im Bett hochgesetzt, weil es Abendessen gab. Aber sie konnte nichts essen. Sie hat mir nur gesagt, dass ihre Unterarme, die auf beiden Seiten große Hämatome haben, auf denen jetzt Pflaster kleben, weil sie nässen, ihr so weh tun, sobald da Luft drankommt. Aber sie könne das ja nicht ändern. Ich solle sie warm zudecken. Ihr sei immer so kalt. Das war auch meine erste Amtshandlung als ich in ihr Zimmer gekommen bin. Es lag zwar das Plümo auf ihr, aber das Fenster stand auf Kipp und sie hatte einen Pullover mit V-Ausschnitt an. Ich weiß wie kalt ihr dann ist. Ich habe mir sofort eine wollene Decke geschnappt und sie bis zum Hals zugedeckt, so wie sie es gerne hat.

    Sie hat sich heute sehr oft bei mir bedankt, wenn ich etwas für sie gemacht habe, halt in den fünf Minuten, die sie wach gewesen ist. Sie war so lieb und zugewandt . . .


    Was mich aber umtreibt, sind die Pflegefehler, die vom Pflegepersonal gemacht werden. Ich habe ja eine Intimpflegelotion gekauft, weil man zu großzügig mit der normalen Duschlotion im Intimbereich umgegangen ist. Anstatt die Intimpflegelotion zu verwenden, hat eine Pflegerin das Shampoo für den Po benutzt. Und wenn man wäscht, dann reibt man manchmal auch von hinten nach vorne. Auch die Creme wird genauso hin und her verteilt. Ich weiß dann nicht, was ich sagen soll. Genauso, wie man die Intimwaschlotion verwendet und man sie dann nicht abwäscht, sondern nur mit dem Handtuch abreibt. Ihr Po sieht zwar noch recht gut aus. Eine leichte Blasenentzündung hat man damals schon im Krankenhaus festgestellt. War aber nicht behandlungsbedürftig.

    Die Frauen sind nett, sie arbeiten viel. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass hier sogar Grundkenntnisse teilweise fehlen :?::?::?:


    Ich kann es nicht verstehen. Sobald diejenige wieder Dienst hat, werde ich helfend versuchen, so beiläufig wie möglich, etwas Grundwissen einzuschleusen.

    Aber ehrlich, ich wollte untenrum nicht so behandelt werden. Manche werden sicher einen Po haben, wie ein Pavian, bei so einer Behandlung. Meine Schwiegermama ist da etwas robuster bis jetzt. Ich glaube, sie hat trotz Energiemangel hier einige Abwehrstoffe, weil sie sich selbst ja auch schon die versch . . . Windel nach Vorne hin gezogen hat.


    Ich frage mich auch, wo die Hämatome herkommen. Da manch einer nicht mit ihr spricht, wenn man sie frischmachen will oder man sie ins Bett legen will, - da geht meine Phantasie mit mir durch. Wenn man alleine mit ihr ist, weil wieder viel Stress auf der Station ist, dann wird sie vielleicht auch mal kratzen und pitschen. Zu zweit kann man dann noch ihre Hände halten und ihr erklären, was jetzt mit ihr passiert und warum. Wenn man aber alleine mit ihr ist und wenn man ein stummer Fisch ist oder sie gerade mal wieder nichts hört, was auch sein kann, dann wird man sie bei Handgreiflichkeiten vielleicht mal an den Armen festhalten.

    Ich werde, sobald der Stationsleiter wieder mal da ist, dies ansprechen.


    Ansonsten glaube ich, dass wir wohl in die letzte Lebensphase von ihr langsam kommen. Ich hoffe sie schläft friedlich ein.


    Liebe Grüße an alle <3

    3 Mal editiert, zuletzt von Teuteburger () aus folgendem Grund: Fehlerteufel

  • Hallo Sonnenblümchen,

    bei mir war es ähnlich. Ich hatte die meiste Zeit die Frau vor Augen, die sie zuletzt war. Da war nur noch wenig menschliches und sie hatte nichts mehr von der Person, die mir fast mein ganzes Leben hilfreich zur Seite stand und mich immer unterstützt hat. Daher konnte ich ihren Tod als Erlösung betrachten und mir selber sagen, dass es für uns beide das Beste war. Ich habe dann auch sofort versucht mein "neues Leben" zu beginnen. Ich habe mich auf dem Wohnungsmarkt umgesehen, da ich ja jetzt diese riesige und auch sehr teure Wohnung nicht mehr brauchte und war auch kurz vor dem Abschluss eines Mietvertrages als ich merkte, dass ich noch lange nicht so weit war. Ich habe dann die Notbremse gezogen und beschlossen erst mal alles auf Eis zu legen. Ich sah mich auch nicht in der Lage mich ihre Angelegenheiten zu kümmern. Ich habe mal von den sogenannten Trauerphasen gelesen. Da muss man durch. Die letzten Monate verschwinden so langsam und der Mensch, der sie mal war kommt so langsam zurück. Das dauert seine Zeit. Ich schrieb ja schon mal , dass das ein halbes Jahr bei mir brauchte. Etwas tröstend ist vielleicht die Tatsache, dass wir beide uns wirklich kein schlechtes Gewissen machen müssen, denn wir haben viel mehr für unsere Mütter getan, als die meisten anderen.

    Ich habe dazu so meine ganz eigene Meinung.

    Also lass Dir Zeit und lass sacken.


    Viele Grüße

    Andreas

  • Hallo Sonnenblümchen,


    ich denke, es geht jeder anders damit um und doch gibt es auch Gemeinsamkeiten.

    Ich habe schon oft um meine Schwiegermama getrauert, im Grunde als sie mit 83 das erste Mal gestürzt ist und sie die Welt nicht mehr verstanden hat. Da hat ein tiefer Einschnitt in ihrem Leben stattgefunden, aber auch in meinem. Da habe ich seit Jahren mal wieder geweint und mir gedacht, ich unterstütze sie und helfe ihr. Ich lasse sie nicht im Stich.

    Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, wie sehr sie sich selbst im Stich gelassen hat, bis dann die Demenz gekommen ist.

    Und auch da habe ich oft um sie getrauert, aber auch das erfahren, was mich selbst teilweise schlaflose Nächte gekostet hat und was mich immer wieder an meine Grenzen gebracht hat und was mich fertig gemacht hat, bis ich wieder eine Lösung gefunden habe, um dann einigermaßen damit umgehen zu können.

    Ich habe dann innerlich die zwei Seiten gesehen und diese lasse ich auch zu. Auch bei meinem Vater habe ich nicht Monate später geheult, weil er tot gewesen ist. Auch bei meinem Geschwistern ist die Trauer sehr unterschiedlich. Nicht weinen hat für mich nichts mit Gefühlskälte oder sonstigem zu tun. Es ist halt anders. Meine Schwester weint anfangs oft wie ein Schlosshund, mein Bruder ist da eher anders, mal ein Tränchen, mehr nicht usw. Auch meine Mama hat kaum geweint. Aber sie bezeichnet meinen Vater als das größte Glück, was sie im Leben hat erfahren dürfen. Erst wenn Freunde von meinem Vater weinen, dann weint sie manchmal ein paar Tränen mit, aber mehr ist bei ihr nicht. Sie glaubt aber auch daran, dass es ihm gut geht, da wo er jetzt ist.


    Ich glaube, dass du, so wie Andydreas es sagt, deine Zeit brauchst, um selbst deine Schlüsse aus all dem ziehen zu können. Und was dann an Gefühlen auftaucht oder nicht auftaucht, das entspricht dann ganz dir und das ist dann auch richtig.


    In diesem Sinne Sonnenblümchen, sei gedrückt und danke für deine lieben Worte

  • Hallo in die Runde,

    Ja unsere Dementen, und wenn man noch Sonderformen hat, sterben als Persönlichkeit sehr lange und schleichend.

    Der Punkt hier heißt ja, wie gehts uns.

    Mir geht es zur Zeit richtig schlecht. Mein ganzer Körper sagt, mach DAS nicht mehr. Der psychosoziale Dienst und auch ein mich behandelnder Facharzt haben mir letzte Woche eindringlich erklärt, gehen sie so selten wie möglich hin. Sie haben ALLES gut organisiert.

    Vom Betreuungsgericht kam gestern der Bescheid, es reicht nicht für eine geschlossene Unterbringung, aber ich könnte ja die Betreuung abgeben und einen Notknopf der Johanniter bestellten. Die Betreuung gebe ich aus verschiedenen Gründen nicht aus der Hand.

    Da ich ganz viele Antworten auf - Nichts essen wollen- bekommen habe, sehe ich zumindest diesen Punkt klarer. Das Mittagessen ist nun nach 6 Wochen des Wegwerfend abbestellt. Wenn Joghurt, Kuchen, Obst, Smoothies und am Abend die belegten Brötchen ihr ausreichen, dann sei es so.

    Die Laborwerte waren auch nicht übermäßig besorgniserregend. Der Knaller von Hausarzt hat jetzt das Risperidon am Abend gegen einen Cholesterinsenker eingetauscht, das wäre gut für die Demenz. Da fällt mir ein, im Hirn geht kein Licht mehr an, aber der Patient hat einen optimalen Blutdruck und Cholesterin wie ein junger Sportler. Ich weiß nicht was man sich als Arzt dabei denkt.

    Ich werde das noch mit dem Neurologen besprechen.


    Ansonsten heißt es wohl warten auf Volumenmangel oder Sturz, damit man endlich handeln kann. Die Gutachterin hat ja ein Pflegeheim empfohlen, aber meine Mutter ist ja in ihrer Wahrnehmung nicht krank.


    Ihr seht, aus Wut und Verzweiflung entsteht Sarkasmus.


    Euch ein schönes Wochenende

  • Hallo Gobis,


    schön von dir zu hören.

    Ja, man muss sich immer wieder sagen, dass man auf sich selbst achten muss. Wenn die anderen das schon bemerken, dann wird es langsam Zeit etwas zu verändern, wenn man denn kann. Ich höre auch in der letzten Zeit, dass man mir die vergangenen Monate ansieht. Aber ich habe ja nicht nur meine Schwiegermama.

    Das du beim Essen jetzt etwas entspannter sein kannst, das freut mich deshalb umso mehr. Das Warten bis etwas passiert, das ist einfach nicht schön. Aber von Seite des Dementen auch wiederum verständlich.

    Ich wünsche dir noch weitere Ideen, damit du deinen Mittelweg finden kannst, zwischen Fürsorge und dem Wissen, wo man einfach nicht helfen kann und wo die Eigenverantwortung der Mama liegt, trotz ihrer Demenz. Der eigene Wille geht nicht verloren. Den Abstand immer wieder in sich zu finden, damit man nicht immer in Habachtstellung durch den Tag läuft, das ist schon fast Überlebenswichtig. Schwierig, ich weiß, auch für mich immer noch.


    Liebe Grüße an Dich und sei mal gedrückt


    Zu mir ist zu sagen - Es sieht so aus, als ob sie nicht mehr lange leben wird. Am Donnerstag rief man mich deshalb an und man hat mir gesagt, dass ihr Allgemeinzustand in diese Richtig geht.

    Als ich sie heute gesehen habe, konnte ich das nur bestätigen. Sie hatte einen sehr flachen Atem, sah sehr eingefallen aus und sie konnte nicht sprechen, sondern nur leise hauchen. Ich konnte sie nicht verstehen, obwohl ich mich nahe zu ihr runtergebeugt habe. Ich habe dann ihre Hände gehalten und ihr was nettes gesagt. Sie war die ganze Zeit wach und hat mich angesehen, wollte immer wieder etwas sagen, aber es ging nicht.

    Ich bin dann noch losgefahren, habe ihre Ärztin aufgesucht, damit sie ein Morphiumpflaster bekommt. Irgendwie ist da etwas schiefgegangen bei der Kommunikation. Das Pflaster hätte schon da sein müssen.

    Jetzt ist es erst Morgenabend da. Heute Morgen konnte sie aber noch ihre Tabletten schlucken.

    Als ich dann zurück kam, war sie tief und fest am Schlafen. Sie ist auch anders gelagert gewesen. Man hat sehr oft nach ihr geschaut. Man hat ihr die Lippen befeuchtet, den Mund gepflegt, nach ihren Wunden gesehen.

    Wenn das so bleibt, dann habe ich einige Sorgen weniger.

    Meine Schwiegermama hat gestern auch ein Küsschen der Pflegerin gegeben, das hat meine Seniorenbetreuerin mir gesagt.

    Heute früh saß sie trotzdem im Rollstuhl eine gewisse Zeit und hat Schokolade gelutscht.

    Morgens ist sie immer noch etwas wacher und sie trinkt auch ganz gut. Essen geht aber nicht mehr. Trinken nachmittags auch nicht mehr.

    Ich habe dann noch telefoniert und den zwei Enkelkindern gesagt, dass sie doch in den nächsten Tagen kommen können, um sie ein letztes Mal zu sehen, mit Test versteht sich.

    Ich bin trotzdem irgendwie aufgeregt. Ich hoffe, sie bekommt das ganz gut hin, am besten im Schlaf.


    Liebe Grüße an alle

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, es war wieder schön zu lesen, wie Sie sich gegenseitig Mut geben und stützen! Teuteburger, Ihre Schilderungen zu den Pflegefehlern sind unerträglich, gut dass Sie daran nicht verzweifeln und immer wieder den Stationsleiter informieren, er hat noch so viel zu tun und er braucht Ihre Rückmeldung!


    In der letzten Phase nimmt das Ruhe- und Schlafbedürfnis immer mehr zu. Bestimmt haben Sie die Enkel auf den Besuch eingestimmt, denn wir können davon ausgehen, dass auch bei fest geschlossenen Augen eine hohe Wahrnehmungsfähigkeit besteht. Das Erzählen von gemeinsamen Erinnerungen oder allein die ruhige Anwesenheit kommen an. Oft wollen Angehörige in ihrer Hilflosigkeit viel zu viel machen. Zu den regelmäßigen Abschiedsritual hatte ich ja schon geschrieben, ich sage manchmal „falls wir uns nicht mehr wiedersehen, wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Kraft für den letzten Weg“.


    Es wundert mich nicht, dass sich Ihre Schwiegermutter immer wieder mal aufbäumt und sich nicht versorgen lassen möchte. Fachlich sinnvoll ist dann ein zweiter Versuch - nach einer angemessenen Zeit.


    Ich komme bei Besuchen Sterbender (auch wenn Sie noch kämpfen) ganz oft in eine tiefe meditative Ruhe, wie ist es bei Ihnen? In jedem Fall wünsche ich Ihnen einen gelingenden Abschied, wie es im Fachdeutsch so schön heißt!



    Hallo Barbara66, so wie schreiben, erlebe ich bei Ihrer Mutter einen erheblichen Leidendruck und kann die Entscheidungen nicht ganz nachvollziehen. Einen so schweren Verlauf habe ich nur sehr selten miterlebt. Bei einer Dame wurde furchtbare Wahnvorstellungen erst besser, als sie in den letzten Lebensmonaten viel Zeit in der Gruppe verbrachte. Es bleibt mir nur der schwache Trost, dass manchmal nur die abnehmende Lebenskraft das leistet, wo eigentlich Medikamente helfen sollten. Meinen zweiten Gedanken setzen Sie offensichtlich schon gut um: Bleiben Sie und Ihr Bruder so gelassen wie möglich, lassen Sie sich nicht frustrieren oder von einem schlechten Gewissen plagen. Manchmal hilft auch die gesunde Portion Sarkasmus, von der Gobis schreibt.


    Vielleicht hilft dies sogar ein wenig therapeutisch, wenn Ihre Mutter ein Verständnis mitbekommt, weil so so schwer erkrankt ist, sie nichts dafür kann und auch niemandem beweisen muss, wie sehr sie innerlich leidet. Schön, dass auch sich Ihr Bruder nicht provozieren ließ und das lange Schweigen ausgehalten hat.


    Ich glaube, es gibt kaum ein schwierigeres Lebenslernfeld, um die nötige Gelassenheit, Achtsamkeit, Geduld und distanzierte Empathie zu lernen! Das wünsche ich Ihnen (allen) sehr, Ihr Martin Hamborg

  • Ich danke Euch allen, Sonnenblümchen, Herr Hamborg und Hanne


    für Eure geistige Begleitung. <3


    Sonnenblümchen, zeitlich haben wir tatsächlich einige Parallelen. :)

    Hanne, ich kann dich gut verstehen. :) Im Grunde ist das bei mir teilweise auch so. Du bist damit nicht alleine. Im Grunde fürchte ich nicht das Sterben selbst, aber die Umstände drumherum.


    Ich habe heute das Morphiumpflaster aus der Apotheke abgeholt und es ins Heim gebracht. Gestern hat das mit der zeitnahen Bestellung nicht mehr funktioniert, da an irgendeiner Stelle ein kommunikatives Missverständnis zwischen Heim, Ärztin und Hospiz gewesen ist.

    Man hat das Pflaster auch direkt benutzt.


    Herr Hamborg, ich werde wohl erst später auf das ein oder andere eine Antwort haben.

    In einer meditativen Ruhe bin ich leider noch nicht. Die Anforderungen drumherum, die nicht meine Schwiegermama betreffen, sind leider auch ein Thema zur Zeit. Aber wenn ich bei ihr bin, bin ich meist ruhig und ich kann einfach bei ihr sein und auf sie eingehen, wenn sie etwas benötigt.


    Liebe Grüße an alle

  • Hallo in Runde,


    ich schreibe mal wieder frei, so wie ich es empfinde.


    Die Pflege macht das alles gut. Man ist wirklich bemüht und man tut, was man kann für sie. Da gibt es nichts zu bemängeln, trotz der Arbeit, die sonst auf der Station herrscht. Es sind heute zwei gut geschulte Frauen da. Das ist die positive Seite.


    Sie war wach, als wir kamen. Sie wurde dann noch frisch gemacht. Und danach lag sie auf dem Rücken, war gelagert ect. Ich sage zu ihr, dass ich sie lieb habe und sie sagt hell wach, ich dich auch, leise gehaucht. Irgendwann wurde sie dann unruhig, zerrt und nestelt an sich herum. Ich frage, ob sie Schmerzen hat. Sie haucht, ja. Ich gehe die einzelnen Körperteile durch und bin schnell beim Rücken. Sie hat schlimme Schmerzen im Rücken, sagt sie. Ich klingle. Man bettet sie wie in ein Nest. Sie will etwas trinken. Mit einer kleinen Spritze befeuchtet man ihr die Zunge. Ihr Atem rasselt etwas, aber sie kluckst auch etwas. Man hat die Befürchtung, dass sie Wasser in der Lunge haben könnte.

    Was würde man denn im Fall der Fälle machen? Sie isst und trinkt zwar nichts mehr, aber was ist, wenn doch Wasser in die Lunge käme und/ oder sie starke Atemnot bekommt, denn sie äußerte sich öfters, dass sie schlecht Luft bekommt.

    Da weiß keiner, was man genau tun kann. Da auch die Pfleger etwas unsicher sind, rufen wir gemeinsam den Bereitschaftsarzt. Dieser empfiehlt eine Spritze mit Morphium, von einem anderen Patienten, da keine Apotheke Morphium vorrätig hat.

    Und ich frage mich besorgt: Und was ist, wenn ihre Leber das gar nicht mehr verstoffwechseln kann, was durchaus sein kann.


    Da sie ja kein Palliative-Care-Team hat, sondern nur die Hausärztin und die Beratung einer Hospizhelferin, ist das alles nicht befriedigend. Vor einigen Wochen wurde das Team, was hier oft angesprochen wurde, noch abgelehnt. Und in dieser Woche geht es Schlag auf Schlag.


    Es ging ihr nach einem längeren Schlaf in der neuen Lage etwas besser, was sie mir auch gesagt hat. Leider hat der Arzt auch noch einen halben Liter Flüssigkeit als Infusion verordnet. Das haben mein Mann und ich entschieden abgelehnt, wegen der Lunge ect. Ich glaube über Altersmedizin wissen viele noch nicht gut bescheid.


    Wenn sie schläft, dann schläft sie einigermaßen gut. Wenn sie wach ist, verlangt sie zwar nach trinken, ist aber voll und ganz zufrieden, wenn der Mund befeuchtet wird. Im Zimmer riecht es nach ihren Stoffwechselprodukten, da die Niere diese wegen Flüssigkeitsmangel nicht mehr herausfiltern kann.


    Ich hoffe einfach, dass das Morphiumpflaster noch wirkt, trotz ihres schlechten Allgemeinzustandes. Aber wenn ich lese, was hier steht.


    https://www.con-nexi.de/articl…iativbetreuung__y0pi.html


    Damit ein Morphinpflaster wirkt, dafür braucht es zwei wichtige Voraussetzungen. Das Unterhautfettgewebe ist bei ihr aber nicht mehr vorhanden. :?::?::?:


    Zitat:


    Levomethadon gehört zu den stärksten µ-Agonisten die ambulant zur Verfügung stehen, nur Fentanyl (Morphium) ist potenter, aber wegen der kurzen Wirkdauer nur als transdermales Retardsystem (Pflaster) verfügbar, welches ein vorhandenes Unterhautfettgewebe und eine funktionierende kapilläre Perfusion der Haut erfordert. Beides sind Voraussetzungen, die der Palliativpatient im Laufe der Zeit immer weniger bietet, was vor allem in der Terminalphase zu sicherlich nicht mehr ausreichender Analgesie führt.


    Ich hoffe für sie, dass sie mit dem, was jetzt zur Verfügung steht zurecht kommt. Aber es kann auch sein das nicht . . .


    Mein Mann ist auch nicht wirklich beruhigt, von dem, was er da sieht. In diesem Zustand, der sich jetzt schon mehrere Tage hinzieht, völlig unfähig noch irgendetwas mitgestalten zu können, kann sie zwar Bitten, wenn etwas benötigt wird, aber man versteht sie oftmals nicht. Hat mir die Pflegerin auch gesagt. Ich verstehe sie auch nicht immer, aber hin und wieder schon. Sie hat heute Nachmittag auch im Beisein der Pflegerin stille Tränen geweint. Sie hat überall Wunden am Arm, an den Beinen. Das ist unter anderem auch Leid. Ich wollte so nicht sein.

    Die Mutter meiner Freundin hat nur über etwas Unwohlsein am Telefon geklagt und ist kurze Zeit später eingeschlafen und gestorben. Das ist für mich ein würdevoller Tod.

    Am Berührentsten sind die Gespräche zwischen ihr und mir, weil ich sie oftmals doch noch verstehe. Aber das wiegt nicht alles auf, was jetzt ist.


    Liebe Grüße an alle

  • Liebe Teuteburger,

    Auch aus meiner Erfahrung mit meinem verst. Mann die Bestärkung, um regelmäßige morphinspritzen zu bitten. Er hat sich so lange mit Pflastern gequält, die geben unterschiedlich lange den Wirkstoff ab, jenachdem ob Wärme dran kommt (dann schneller) oder nicht, dann kann die Wirkung eher nachlassen. Mit den Spritzen dreimal täglich gleichmäßig wurde es soviel angenehmer. Man kann dafür auch einen Dauerzugang legen, um nicht jedesmal pieksen zu müssen, je nach Wunsch des Patienten.

    Ich wünsche euch allen die nötige Energie und deiner Schwiegermutter, dass ihr Leiden bald auf der anderen Seite ein Ende hat.

    Vielleicht machst du mit ihr noch ein Zeichen aus, das sie dir dann von ihrem Stern bald schicken kann?

    Alles Liebe

    Rose <3


    Liebe Grüße auch an euch andere :love: Es werden bald immer weniger in dieser Runde, fürchte ich :|

    Ich bin momentan etwas erleichtert, dass meine Mutter viel zufriedener scheint. Sie hat sich mit einem netten Mann in ihrer Gruppe angefreundet, mit dem sie täglich zusammensetzt und versucht immer zu verteidigen, dass sie kein "Verhältnis " mehr anfängt.... da muss ich immer so schmunzeln und ich freue mich so sehr über diese Wertschätzung, nachdem sie mit meinem Erzeuger so ein furchtbares Leben hatte.

    Es scheint tatsächlich nie zu spät für positive Wendungen ( wenn Auch im sehr Kleinen) zu sein.


    Liebe Grüße an alle :)

  • Hallo ihr Lieben, die ihr mir so oft beiseite gestanden habt.


    Meine Schwiegermama ist heute verstorben.

    Sie war nicht alleine.

    Sie hat die letzte Nacht recht ruhig verbracht, so wurde mir gesagt. Ich habe heute Morgen noch bei ihr angerufen und man hat mir gesagt, dass sie keine Schmerzen geäußert hätte. Die Spritze lag aber bereit. Ich hoffe, dass stimmt alles so. Sie soll friedlich eingeschlafen sein.

    Ich wollte heute noch zu ihr fahren, aber sie ist dann schon gegangen. Dafür bin ich gestern bis halb neun abends bei ihr geblieben und wir haben uns miteinander verständigt. Das fand ich sehr schön und so will ich sie auch in Erinnerung behalten.

    Ich danke Euch allen trotzdem für Eure Informationen zu der Morphiumspritze und dem Pflaster. Das werde ich mir alles gut merken, falls in meinem Umfeld jemand solches brauchen sollte.


    Liebe Grüße an alle

  • Hallo Teuteberger,


    auch von mir natürlich mein herzliches Beileid. Diese Erfahrung liegt bei mir ja schon etwas zurück, aber das Gefühl des Mitleids, der Trauer, aber auch der Erlösung und Erleichterung sind immer noch vorhanden und wird bleiben.


    Alles Gute

    Andreas

  • Liebe Teuteburger,

    herzliche Anteilnahme <3 Gelitten hat deine Schwiegermutter ja nun genug, nun hat das Leiden, Angst und Schmerzen ein Ende. Daran glaube ich ganz fest.

    Ich wünsche euch viel Energie für die nun anstehenden Ereignisse und Erledigungen.

    Liebe Grüße

    Rose

  • Hallo in die Runde,


    ich danke Euch ganz herzlich für Eure lieben Worte. Meine Schwiegermama wird ihren Weg jetzt sicher finden. Und ich denke, sie ist nicht alleine.


    Rose, ich denke schon, dass sie mich noch erkannt hat. Vor ein paar Tagen hatte sie da eine gewisse Unsicherheit, aber dann war es wieder da. Ich hatte zumindest am Sonntag den Eindruck als wüsste sie wer ich bin. Und selbst wenn nicht, wir haben beide gefühlt, dass wir uns irgendwie nahe sind. <3


    Ich werde hier sicher noch eine zeitlang reinschauen, um zu wissen, wie es Euch geht.



    Liebe Grüße an Euch alle

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!