Wie geht es Euch? Thread IV

  • Hallo Teuteburger,


    das irritiert mich jetzt wirklich auch.

    In Niedersachsen waren in der Örtlichkeit nur max. 12 Gäste geduldet. Das Ganze hat im engsten Familienkreis stattgefunden. Ursprünglich sollten noch zwei Nachbarn dazu kommen, die aber aus Vorsichtsmassnahme abgesagt haben ( mein Neffe und meine Nichte sind aus einem Hochrisikogebiet angereist) Alles war sehr kurz gehalten, für die musikalische Untermalung durfte ich drei Kompositionen aussuchen ( die leider falsch und zu laut eingespielt wurden) Eine anschl. Kaffeetafel gab es nicht.

    Beigesetzt wurde meine Mutter noch nicht, hier habe ich eine ansprechende Lösung in den Niederlanden gefunden ( in den Niederlanden gibt es im Übrigen zur Zeit auch nur Trauerfeiern im kleinen Kreis)

    Ehrlich gesagt hätte ich mir eine Trauerfeier mit 50 Leuten schon aus psychischen Gründen gar nicht vorstellen können. Während der langen und intensiven Pflege bin ich im Verwandten und Bekanntenkreis kaum auf Unterstützung gestoßen - warum dann auf lieb Kind machen?!


    Gruß Merle

  • Ich danke Euch, für Eure Antworten,

    Merle, Hanne und Sonnenblümchen :)


    Meine Schwiegermama hat immer gerne viele Menschen um sich gehabt. Geburtstage und auch Beerdigungen waren für sie ein Familientreffen.


    Das Bestattungsunternehmen hat die 50 Personen als Standard bei uns genannt.


    Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn manche das größer haben wollen. Ich habe schon Beerdigungen mit mehreren hundert Menschen erlebt, weil der oder diejenige so beliebt gewesen ist.


    Aber in Coronazeiten, da finde ich das nicht so gut. Wir haben hier keine so hohen Coronazahlen, naja noch unter hundert, aber trotzdem kann ich es nicht verstehen.


    Das bewirten ect. würde mir nichts ausmachen, mache ich, wenn ich Zeit habe, sogar gerne, aber wie gesagt, wieso hier die große Ausnahme im Gegensatz zu den ansonsten strengen Coronaregeln. Wenn ich da an das Altenheim denke und auch an die Lebensmittelläden. Kaum zu glauben.

    Und ehrlich gesagt, fühle ich mich auch irgendwie erschöpft, einerseits, weil ich ja noch andere Sachen habe, die auch nicht leicht händelbar sind.

    Ich erlebe auch so viele schwere Lebensverläufe zur Zeit in meinem Umfeld, so dass ich einfach mal etwas Ruhe finden möchte, bevor es weiter geht.


    Sonnenblümchen, deine Trauerfeier wäre ganz in meinem Sinne. So hätte ich mir das vorstellen können und auch mein Mann.


    Liebe Grüße an alle

  • Gelöscht weil die bezüglichen Beiträge von den betreffenden Personen auch gelöscht worden sind.


    Liebe Grüße

    9 Mal editiert, zuletzt von Teuteburger () aus folgendem Grund: Ich finde immer Fehlerteufel, nun denn

  • Liebe Teuteburger und alle anderen interessierten,

    Ich bin sehr erstaunt über erlaubte 50 Personen in dieser aktuellen Situation.... da wären mir die Regeln gleich und der Anlass. Wir müssen uns alle schützen, so gut es geht und wir lassen kaum mal eines unserer erw. Kinder übernachten, und wenn nur nach Schnelltest negativ. Ich habe nun mehrmals von kompletten Familien gehört, wo sich alt und jungbei besuchen angesteckt haben, das geht bei der aktuellen corona Variante flott. Von daher großes Kaffeetrinken nach Beerdigung indoor - never!!

    Wir sind in einer noch recht niedrigen Inzidenz in NRW, aber hier liest man seit Monaten in allen Traueranzeigen "im Familienkreis, im kleinen Kreis, in aller Stille " o.ä. gesungen wird eh nicht. Klar muss man sich den engsten anverwandten anpassen, doch eine klare Position ist auch schon mal was. Und in Trauer ist man lt. Studien definitiv immungeschwächt, von daher bitte aufs Bauchgefühl achten!

    Alles Liebe

    Rose :)

  • Hallo Teuteburger nochmal,

    Habe im anderen Forum von den Träumen deiner Schwester gelesen, für mich klingt das normal, in meiner Familie haben mehrere solche vorausschauenden Träume, meine Oma, meine Mutter,meine Schwester u.a. Ich selbst nicht, aber von daher denke ich auch, dass vieles vorherbestimmt ist und nun deine Schwiegermutter frei von Angst und Schmerz ist. Wie schön, dass du es berichtet hast :love:

    Liebe Grüße

  • Das ist interessant, Rose, was du da schreibst.

    Es ist wirklich schön, dass es solche Menschen gibt, die etwas sehen können, was einem hinterher etwas Trost spenden kann.


    Zu der Beerdigung. Ich habe gestern die Nachrichten gesehen. Hunderte Menschen, ohne Maske, auf einem Platze, Demonstrationen ect. *Ironie an* Da macht so eine Beerdigung, mit ein paar Menschen mehr, den Kohl auch nicht mehr fett. *Ironie aus*


    Liebe Grüße an alle

  • Liebe Teuteburger,

    auch von mir mein herzliches Beileid. Du hast viel getan und wenn sie friedlich eingeschlafen ist, finde auch du jetzt Ruhe.

    Als mein Vater starb hatte ich anfangs gedacht, so jetzt noch die Beerdigung und dann wird es irgendwie wieder. Aber auch Trauer ist wichtig und braucht Zeit. Gönne dir dafür die Zeit.

    50 Leute bei der Beerdigung in diesen Zeiten, finde ich auch etwas viel. Manchmal spiele ich den Gedanken durch, wie ich es dann mal machen werde. Für mich habe ich entschieden, es nur in einem kleinen Kreis haben zu wollen. Ich will auch keine Leute mehr sehen, die sich seit mehreren Jahren nicht mal per Telefon bei meiner Mutter gemeldet haben.

    Finde eine Ruhestätte mit der IHR gut leben könnt.

    Ich bin immer sehr traurig, das meine Freundin kein Grab hat, wo man auch mal hingehen könnte. Aber sie hat sicher mit ihrer Familie besprochen, wie sie es gerne wollte.

    Mach die Trauerfeier für Euch schön und würdevoll, und was andere Menschen davon halten, sollte egal sein.

    Viel Kraft für diesen Tag.

    Liebe Grüße Gobis

  • Liebe Teuteburger,


    auch ich möchte Dir mein herzliches Beileid aussprechen. Ich habe gerade erst vom Tod deiner Schwiemu gelesen, da ich längere Zeit nicht im Forum war. Ihr habt es übrigens richtig gemacht, die Kochsalzinfusionen abzulehnen! Das ist am Lebensende ganz unnötig und kann zu einer erhöhten Schleimproduktion führen, der dann nicht mehr abgehustet werden kann. Als mein Vater starb, war das so: die dumme Hausärztin hatte ihm noch 3 Tage vor seinem Tod eine Nasensonde gelegt, um ihn mit Flüssigkeit zu versorgen (????). Ich war leider nicht vor Ort, um mein Veto einzulegen.


    Meiner Schwiemu geht es den Umständen entsprechend. Sie hat gerade ihren 90. Geburtstag gehabt, es war aber nur mein Mann bei ihr. Ich denke, alles andere hätte sie ohnehin überfordert.


    Einerseits schafft sie es kaum noch aus dem Sessel oder dem Rolli aufzustehen. Andererseits sagten verschiedene Pflegekräfte unabhängig voneinander, dass sie immer auf dem Flur rumgeistert, auch nachts und man Angst hat, dass sie, wie schon so oft, stürzen könnte. Ihr Zustand ist sehr wechselnd, manchmal reagiert sie noch auf meinen Mann, lächelt und erzählt auch was. Dann guckt sie wieder völlig abwesend vor sich hin. Sie scheint aber Appetit zu haben, sie ist zwar dünn, hält aber ihr Gewicht. Sie ist ja in einem kleineren Pflegeheim auf dem Lande. Bisher haben wir im Großen und Ganzen nichts an der Pflege auszusetzen. Nun wurde das heim von einem großen Investor gekauft und wir werden genau beobachten, ob das so bleibt.


    Auch an alle anderen meine herzlichsten Grüße. Ich finde es schön, wie sich hier alle unterstützen und auch dann noch den Kontakt halten, wenn die Lieben es hinter sich haben. Vielleicht sitzen sie wirklich auf einem rosa Wölkchen und lächeln zu uns herab.

  • Hallo in die Runde,


    ich danke euch, Lulu, Gobis und Grünes Licht. Und danke für Eure Erfahrungsberichte. Ich bin immer froh solches zu lesen, denn ich lerne hier immer noch dazu.


    Die Vorstellung mit der rosa Wolke ist nicht schlecht. Sonnenblümchens Mama und meine Schwiegermama. 8)


    Ich versuche es mit der würdevollen Beerdigung. Wir haben einen guten Pfarrer. Mal sehen.


    Lulu, da wäre ich auch wachsam, bei einem Investorwechsel. Du kannst hier ja mal berichten, wie es bei Euch weitergeht.


    Hanne, der Anfang liest sich abenteuerlich mit den Unfällen.


    Es freut mich aber zu lesen, was du über die besseren Bedingungen im Heim selbst schreibst. Anderes wiederum . . .


    Liebe Grüße an alle

  • Hallo Hanne,


    das, was du beschreibst, das kenne ich ja auch. Was ich aber festgestellt habe, ist, dass die Demenzkranken sich gegenseitig besuchen und das die da auch schon mal was mitgehen lassen und das ist gar nicht so selten.


    Wenn aber Bilder von der Wand verschwunden sind, dann würde ich mir jedoch ernsthaft Gedanken machen, zumindest in die Richtung, dass da wohl doch nicht nur die Demenzkranken unterwegs gewesen sind.


    Bei mir ist am Anfang eine neu gekaufte Mütze verschwunden, die ich noch nicht gekennzeichnet habe, weil ich dachte, die nimmt ohnehin keiner mit und die ziehe auch nur ich meiner Schwiegermama an, wenn ich mit ihr rausgehe. Die wird auch nicht groß dreckig, so dass sie in Wäsche müsste. Eine Woche später war die Mütze weg, genauso wie neu gekaufte Handschuhe. Dann war so ein kleines Kissen verschwunden. Dieses fand ich dann im Rollator einer anderen. Und so hat meine Schwiegermama auch mal einen fremden Schal angehabt. Den hat sie aber bei der Betreuuung eingefordert, weil ihr dieser so gut gefallen hat. In der Wäscherei sind anfangs einige Teile verschwunden. Warum, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht, weil der Wäschestift mehrere sechzig Grad Wäschen nicht überstanden hat.

    Ich wollte das mit den gegenseitigen Besuchen erst nicht so recht glauben. Aber ich habe es schon mehrmals erlebt, als ich bei meiner Schwiegermama gewesen bin. Vor allem als die Toilette verschissen gewesen ist, obwohl sie gar nicht mehr auf die Toilette gehen konnte, auch nicht mit Hilfe.

    Standbilder, die für die eigene Verwandtschaft gehalten werden, wären durchaus wegnehmbar.


    Brillen sind bei uns auch verschwunden. Eine hat man dann wiedergefunden. Wo weiß ich jetzt nicht genau.


    Liebe Grüße an Dich

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, zu einigen Themen möchte ich wieder meine Gedanken mitteilen.


    Der würdige Abschied, die angemessene Trauerfeier in Coronazeiten ist eine weitere große Herausforderung. Jede Planung ist nur vorläufig und es kann sein, dass der Kreis plötzlich begrenzt werden muss. Es dann noch allen rechtmachenzuwollen, werden vielleicht nicht mal die Menschen erwarten, die ihre eigene Insuffizienz mit schlechtem Reden über andere kompensieren – dies ist keine Krankheit sondern Ausdruck einer schwachen Persönlichkeit.


    Die Fragen, die ich mir als Plan B für einen würdigen Abschied stelle:


    • Ist Abschied auch im Abstand möglich?
    • Welchen Sinn haben die persönlichen Treffen bei der Trauerfeier?
    • Lässt sich dieser Sinn auch anders füllen?
    • Gibt es die Möglichkeit, die Trauerfeier im kleinen Kreis zu streamen, sodass alle teilnehmen können – die Zahl der Beteiligten würde ja erfasst und damit auch die Gemeinschaft der Beteiligten?
    • Kann eine Videoaufnahme alle in der gemeinsamen Trauer stärken?
    • Gibt es ein starkes Bild für den Abschied?
    • Können sich alle in der Familie mit einem Ritual beteiligen, z.B. durch Handyaufnahmen, die dann in eine so würdige Form gebracht werden, sodass auch die Familie gestärkt wird?


    Ich kann mir vorstellen, dass es noch andere Fragen gibt, mit denen wir starke Ideen und Alternativen hier zusammentragen können.


    Es freut mich Hanne63, dass Sie nun endlich wieder einen Besuch direkt bei Ihren Eltern genießen konnten – für die bevorstehende Impfung wünsche ich einen schnellen Erfolg – es wird uns ja so viel Hoffnung mit ganz vielen Impfdosen bis Ende des Monats gemacht, dass es eigentlich klappen müsste.


    Kurz noch ein Gedanke zum Verschwinden von Kleidung und persönlichen Gegenständen im Heim: Viele Heime bitten aus guten Gründen eindringlich darum, keine wertvollen Gegenstände mitzubringen:


    Ich sage gern: Für manche ist Demenz die Krankheit des Sozialismus, das Privateigentum ist aufgehoben. Ich habe viele Jäger und Sammlerinnen kennengelernt und nicht immer gelingt es den Pflegekräften alles Persönliche wieder zurückzubringen.


    In allen Heime gibt es mehr oder weniger Schwierigkeiten im der Wäsche, dies liegt an kaum kontrollierbaren Abläufen im Niedriglohnbereich Wäscherei.


    Oft genug sind wir bei Hilfskräften oder jungen Pflegekräften erstaunt, wie wenig alltagspraktische Fähigkeiten und Verantwortungsgefühlt sie mitbringen. Ob dies die Y oder Z-Genration ist oder schon immer so war, sei dahingestellt.


    Letztlich gibt es nicht nur im großen Geschäft schwarze Schafe, Kriminalität und Betrug, sondern auch im Niedriglohnbereich der Pflege. Ich habe ja schon darauf hingewiesen, dass sich die wenigen überführten oder verdächtigten gewalttätigen Pflegekräfte oft vor dem Arbeitsgericht ein gutes Zeugnis erstreiten.

    Deshalb immer wieder mein Appell, die Erwartungen zumindest an die Realitäten anzupassen.


    Ihnen allen eine schöne Woche und allen bald ein Impfmöglichkeit und alle alten notwendigen Freiheiten, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo an alle


    Wir haben auch gerade große Schwierigkeiten, uns an die Realitäten im Pflegeheim zu gewöhnen. Unsere Mum hat schon keinen Anteil mehr am Leben ihrer Familie (sie kann das alles nicht mehr einordnen) und jetzt verschwinden auch ihre persönlichen Sachen und ihre Privatsphäre aus ihrem Leben, also alles an Rahmen, was sie kannte ...


    Schreibe später noch mehr, viele Grüße schonmal

  • Ich nochmal


    Wir hätten bis zu diesem Frühjahr nicht gedacht und sind unglücklich darüber, auf wie wenig Eigenes und Individuelles, wie ewenig "Zuhause" sich das Leben eines Menschen aus unserer Mitte auf einmal reduzieren kann, zum Teil auch nur deswegen, weil die Pflegeökonomie das nicht anders zulässt (wie oben zu lesen war: Niedriglohnbereich Wäschepflege, Überlastung der Pflegekräfte usw.).


    Und das ist noch der "normale" Übergang zum Heimleben, wenn es "gut" läuft, bei uns ist es leider nicht so. Unsere Mum wehrt sich wie vorher zu Hause mit einer Mischung aus Angst und Arroganz gegen fast jede Unterstützungvon anderen. Sie empfindet alles als existentielle Konfrontation, dabei braucht sie sogar besonders Hilfe, weil sie nicht mehr selbständig mit den Füßen gehen kann. Welche Geister sie da umtreiben -- sie war schon immer eine auffällige Eigenbrötlerin -- können wir nur ahnen. Das Pflegeteam kommt alles andere als gut damit zurecht, was ich einerseits individuell verstehen kann, aber trotzdem verwunderlich finde: Für das System kann das doch kein Einzelfall sein. Die Pflegeärzte wollen jetzt in Absprache mit uns etwas mit stärkeren Beruhigungsmitteln versuchen. Nicht toll, aber sie soll sich nicht mehr gefährdet fühlen.


    Unsere Verwandten am Ort, die beim "Anwachsen" helfen wollten, erkennt unsere Mum nicht, sie hat richtigen Kontakt nur mit uns vier Kindern. Ein kleiner Lichtblick ist, dass sie selbst offenbar die täglichen Tiefpunkte zumindest sofort wieder vergisst, Martin Hamborg hat mir dazu mal etwas geschrieben, 'mit der Demenz und dem Vergessen arbeiten', was ich damals übertrieben düster fand, jetzt aber einfach auch als ein Stück Realität akzeptieren muss.


    Ich schreibe das alles, um einmal festzuhalten, wie schwer ich diese Auseinandersetzung mit der Realität finde, und meine Geschwister auch, jeder auf seine Art. Was können wir uns eigentlich noch für unsere Mum wünschen und uns als Ziele setzen?


    Ich danke euch fürs Lesen!

  • Hallo Grünes Licht,


    solches haben wir auch teilweise erlebt. Das Nichtmehrerkennen von anderen Verwandten, erschwert die Lage bei Euch aber noch einmal. Denn auch Verwandte außerhalb der Kernfamilie, können ein Stück Heimat ins Pflegeheim bringen. So ist es für deine Mama schwerer. Und es kann leider dauern, bis sie hier eine Struktur gefunden hat und bis sie so manche Pflegekraft als hilfreich und gut einzuschätzen weiß. Das wiederum wird durch den enormen Zeitdruck erschwert. Das habe ich auch von den Pflegekräften selbst immer wieder zu hören bekommen.

    Und auch das Zimmer ist für normale Verhältnisse einfach noch zu klein bemessen in den Heimen. Klar, kann man sich daran gewöhnen. Und wenn es nett eingerichtet ist, was bei uns der Fall gewesen ist, dann gewöhnt man sich irgendwann besser, wenn einige persönliche Gegenstände wie ein schönes Bild an der Wand hängen.

    Ja, eine Demenz kann hilfreich sein, aber es kann auch dauern, bis die stärker auftritt. Und manches verschwindet nie ganz.


    Die Beruhigungsmittel müssen gut dosiert sein. Da würde ich genau beobachten. Risperidon soll die Eigenständigkeit und Beweglichkeit ein Stück weit mehr erhalten als Haldol.


    Nimmt deine Mama denn an den Betreuungsaktivitäten teilweise teil. Oder finden die gar nicht erst statt? Betreuungsaktivitäten in der Gemeinschaft oder alleine können helfen, dass sie sich hin und wieder heimischer fühlen kann. Auf keinen Fall sollte ihre Mama abgeschossen werden. Bei meiner Schwiegermama hat man sämtliche Beruhigungsmittel, die es im Krankenhaus noch gegeben hat, abgesetzt. Nur das Melperon hat man ihr abends zum besseren schlafen gegeben, weil sie auch gerne nachts aktiv gewesen ist.

    Risperidon war für meine Schwiegermama zu viel, morgens und abends. Man hat auch das rasch ganz weglassen müssen. Manche kommen aber mit einer Einmalgabe am Tag gut zurecht.


    Ich würde hier unbedingt am Ball bleiben und mir den Medikamentenplan ausdrucken lassen und immer in Kontakt zu den Ärzten halten, wenn du positive, aber vor allem auch negative Wirkungen feststellst.

    Ich habe immer mit Fingerspitzengefühl mich in die Pflege mit eingebracht. Angerufen habe ich meistens gegen 11.00 Uhr vormittags, wenn ich etwas Dringendes wissen musste. Da ist die Morgentoillette vorbei und der Mittagsbetrieb hat noch nicht angefangen. Nachmittags habe ich immer nach der Dienstübergabe wichtige Fragen gestellt und auch bei der Pflege geholfen. Wenn man die Pflegekräfte kennenlernt, wird man vielleicht irgendwann feststellen, dass es welche gibt, die auch unter größtem Zeitdruck, die Ruhe bewahren und das diese ganz bei einem selbst und beim Patienten sind. Und da ist dann auch so etwas wie Zeit und ein persönliches Gespräch möglich. Das habe ich bei jungen Menschen häufig festgestellt. Diese kamen auch oft auf mich zu. Das fand ich sehr schön. Bei den Älteren habe ich oftmals Resignation und eher ein roboterhaftes Handeln festgestellt, nicht immer aber doch öfters. Diejenigen waren froh, wenn mal ein Hauch mehr Zeit vorhanden gewesen ist. Aber im allgemeinen war das Pflegeheim noch einigermaßen gut besetzt, aber es war halt immer ein spürbares Defizit vorhanden, mal mehr, mal weniger. Positiv waren wirklich die Betreuungsarbeiten und im Sterbeprozess hat man sie gut begleitet.


    Ich hoffe, dass sich bei Euch noch Einiges einspielen wird.


    Sei mal gedrückt und liebe Grüße an Dich

  • Liebe Teuteburger, herzlichen Dank


    Meine Schwester ist mit den Ärzten in ganz gutem Kontakt, um das mit dem Risperidon im Auge zu behalten, Unsicherheit kommt derzeit weniger daher, was die verordnen, sondern weil es schwankt, wie gut die Medikamentengabe wirklich klappt.


    Das Zimmer ist schon sehr klein, wir experimentieren mit Bildern, die ein bisschen Vertrautheit und Stimmung bringen, und mit Dingen, die wir mit unserer Mum machen können. Ob und wie das Heim es schafft, sie in Gemeinschaftsaktivitäten zu integrieren, müssen wir sehen.


    Mit "vertrauten" Eindrücken quasi aus ihrem alten Leben ist das aber wieder so eine Sache: Es macht ihr für einige Augenblicke Freude, hilft aber nicht so wie erhofft, dass sie am neuen Ort anwächst, und macht sie vielleicht sogar etwas weniger offen dafür. Gerade ist z. B. das Gefühl, dass wir besser nicht mit Kurzbesuchen ihren neuen Alltag unterbrechen, sondern das lieber nur in Kauf nehmen, wenn wir länger in den Garten oder die Umgebung gehen können.


    Wieder mal komme ich ins Staunen, wie man immer denkt, man hat so viel im Leben gesehen und steht dann so wenig vorbereitet diesen Fragen gegenüber!


    Viele Grüße an alle Mitlesenden

  • Hallo grünes Licht,


    Wieder mal komme ich ins Staunen, wie man immer denkt, man hat so viel im Leben gesehen und steht dann so wenig vorbereitet diesen Fragen gegenüber!

    So war auch mein Empfinden. Und ich hätte so gerne einiges besser gehabt. Jeder Demenzkranke ist so individuell. Mir hat es teilweise geholfen, zu verstehen, dass manche Wünsche einfach nicht zu realisieren gewesen sind, weil sie an der Realität vorbeigegangen sind. Das Bestmögliche kann man probieren.


    Liebe Grüße

  • Und dann ist doch nicht alles trübe: Meine zweite Schwester meldet, Mum saß heute nachmittag bei ihrem Anruf im Gemeinschaftsraum und hat munter mit der Tischnachbarin geklönt (wohl in der Vorstellung, das ganze wäre eine Vereinsveranstaltung von früher ...).

  • Hallo Hanne,


    den Schwund, den du da beschreibst, der ist schon nicht mehr verhältnismäßig.

    Wenn man alles dem überlasteten Personal überlassen muss, weil man so gut wie gar nicht ins Heim darf oder man nicht auf die Zimmer darf, dann ist das einfach Mist. Anders kann ich es nicht ausdrücken.

    Ich habe auch einige Tassen opfern müssen, bis ich gemerkt habe, selbst die bunten Tassen landen irgendwann alle in der Küche, obwohl es hier nur weiße oder schwarze Tassen gibt. Nach dem Benutzen habe ich sie deshalb immer sofort abgewaschen und im Schrank verstaut.

    Und auch sonst, habe ich aufpassen können, im Gegensatz zu dir. Deshalb ist der Schwund einerseits noch gering gewesen. Andererseits warte ich jetzt auf das, was noch zurückkommt an Wäsche. Sollte die nicht mehr zurückkommen, darunter sind noch Decken und Schlafanzüge, dann wäre das im gesamten ein Verlust von circa 300 bis 350 Euro, inklusive den bereits vermissten Artikeln. Ich warte jetzt mal ab.


    Ich sage mir immer, es geht alles bis zu dem Punkt, wo die absolute Hilflosigkeit anfängt, man ein richtiger Pflegefall wird. In unserem Heim, da können auch die Demenzkranken ihre Zimmer abschließen. Das machen aber nur wenige, weil die meisten auf mehr Hilfe angewiesen sind.

    Ich wollte auch nicht in einem solchen Heim leben, wie deine Eltern, wo, dank Corona keine Besuche auf den Zimmern erlaubt sind und das über Monate. Da wird einem dann zu viel aus der Hand genommen. Und das kann nicht jeder ertragen. Ich könnte das auch nicht. Vor allem ist meiner Schwiegermama in den letzten Monaten oft kalt gewesen. Ich habe dann lange Unterhemden gekauft, für jeden Tag ein Hemd usw. Wenn so etwas verschwinden würde, dann wäre das einfach auch schlecht für den Angehörigen.

    Das deine Mama noch einiges in ihrer Demenz weiß, das wundert mich nicht. Denn wirklich wichtige Sachen, die einem auffallen, werden registriert und gespeichert. War bei meiner Schwiegermama auch so. Bei ihr war es unter anderem eine Decke, die schön leicht und flauschig gewesen ist. Noch vor wenigen Wochen hat sie genau nach dieser verlangt und sie auch genau beschrieben. Diese hätte ich im Sterbeprozess gebraucht, aber sie waren beide in der Wäsche. Ich habe zwei gekauft, für den Wechsel. Aber wir haben dann eine andere Lösung gefunden, denn sie konnte nichts Schweres auf ihrem Körper mehr ertragen.


    Liebe Hanne, auch ich mache mir viele Gedanken, wie ich das später mal haben möchte und vor allem, wie man das dann auch realisieren kann, denn wie gesagt, jeder hat seine persönliche Grenze und die sollte man auch verstehen und kennen. Meine Mama kommt zudem vielleicht auch einmal in diese Situation.


    @ Zur Lösung mit den Wäscheetiketten. Ich habe mir immer Nähzeug mit ins Heim genommen und habe die Wäscheetiketten, die ich mir selbst bestellt habe, in die Wäsche eingenäht. Wenn ich meine Arbeit getan habe im Zimmer und wir uns gegenüber gesessen haben, meine Schwiegermama und ich, dann habe ich genäht. Und die lassen sich dann auch ganz leicht wieder entfernen. Ich habe im Grunde nur die ersten Wäschestücke zum Etikettieren gegeben, alles andere, was ich neu gekauft habe, habe ich dann selbst eingenäht. Zuhause wäre mir das zu viel Arbeit gewesen. Da ich aber an mehrerenTagen in der Woche im Heim gewesen bin, Wochenends mit meinem Mann, da habe ich auch die Zeit zum Nähen gefunden.


    Liebe Grüße an Dich Hanne und an alle anderen

  • Das ist ja interessant, Sonnenblümchen. Ich konnte, wenn ich wollte, die Wäsche etikettieren lassen oder es auch lassen. :) Am Anfang habe ich erst einmal mit einem Wäschestift alles auszeichnen müssen, was aber nicht so lange gehalten hat. Heute bin ich froh, dass ich die Schildchen einfach abschneiden kann. 8)


    Liebe Grüße

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