Wie geht es Euch? Thread IV

  • Hallo Rosina,


    schön von dir zu hören. Ein bisschen kenne ich das auch, dass der Demenzkranke behauptet, etwas Schlimmes gemacht zu haben.


    Ich bin dann auch mit eingestiegen. Habe dann gesagt: So schlimm ist das gar nicht mit dem Einbruch. Du kennst die Leute, die hier wohnen. Du warst schon öfters hier. Sie freuen sich bestimmt, wenn du mal wieder da bist. Mach dir keine Gedanken, es wird alles gut.


    So, oder so ähnlich, habe ich auf solche oder ähnliche Situationen reagiert. Das hat oftmals geholfen. Da aber jeder anders ist, kann man an der Reaktion merken, wie man weiter vorgehen kann.


    Barbara


    das zu lesen freut mich wirklich sehr, dass es jetzt auf diese Art und Weise funktioniert. Und egal wie lange es dauert, es macht Mut, dass man selbst etwas verändern kann.


    Liebe Grüße an Euch beide

  • Liebe Rosina,


    konfabulieren nennt man das wohl....und so ähnlich, mit anderen Inhalten ist das bei meiner Mutter auch..mal schlimmer, mal besser....es ist für mich auch schwer, dann zuzuhören.....

    ich versuche manchmal von Thema abzulenken...was dann manchmal gelingt.....

    manchmal versuche ich, meine Ohren auf Durchzug zu stellen.....was selten gelingt.....

    manchmal steige ich auf das Thema ein und "spiele mit".....


    durchhalten, aushalten....evtl vielleicht etwas mehr Abstand gewinnen und nicht mehr so oft hingehen....wären meine Ideen.....


    Es ist einfach sehr sehr schwer, auch für mich, über Jahre hinweg...die ständigen Verschlechterungen auszuhalten und miterleben zu müssen.....


    Liebe Grüße

  • Hallo,Hanne und Teuteburger,Dank für die schnelle Antwort.Ich weiß,dass es euch und auch Rose nicht besser geht als mir.Manchmal muss ich dann einfach mal schreiben,um euren Trost zu hören.Es tut mir so leid,dass es ihr im Alter so ergeht,meine Mutter war immer so gut,sie hat es einfach nicht verdient,so zu enden.Und sie bittet mich immer um Hilfe,das geht mir durch und durch,ich kann nicht helfen,kann die Pflege nicht übernehmen und habe immernoch ein schlechtes Gewissen..Ich mache ,ir Gedanken,weil ich nur noch einmal die Woche hingehe,ansonsten telefoniere ich,aber es klappt nur noch über die Nachbarin.Nun ja,ich habe wieder einmal etwas von euch gehört.HANNE,WAS MACHEN DEINE Eltern,haben sie sich im Heim eingelebt?Bei Rose ist es wie bei mir,wenn ich es lese,ich könnte es geschrieben haben.Teuteburger hat auch immer gute Ideen,auch dir Hanne vielen Dank.Was macht deine eigene Gesundheit?Gruß Rosina

  • Hallo Rosina,

    meine Eltern haben sich beide inzwischen sehr gut im Heim eingelebt...das hätte ich nie erwartet...mein Vater sagt sogar, das sei jetzt sein neues Zuhause...meine Mutter sagt zwar manchmal, sie möchte wieder heim...aber dann vergißt sie es gleich wieder....soweit ich selbst beobachten kann, fühlen sie sich beide dort wohl. Telefonieren klappt gar nicht mehr, zumal mein Vater ja auch fast taub ist.


    Ich gehe übrigens nur ca alle 8 Wochen zu Besuch dorthin. Meine Mutter möchte, dass ich öfter komme, aber vergißt auch gleich wieder, dass ich dort war....und mein Vater möchte mir keine Umstände machen und meint, ich bräuchte gar nicht so oft zu kommen...das wäre wirklich nicht nötig....ich wohne ja auch ca 100 km entfernt. Wenn ich näher wohnen würde,würde ich mich sicher verpflichtet fühlen, öfters hin zu gehen...aber so sind diese Zeitabstände auch für mein psychisches Erleben ganz gut...mehr täte mir nicht gut. Ich bin sowieso nach jedem Besuch ein paar Tage lang mental erschöpft.




    Meine eigene Gesundheit ist so lala.....weil ich erst jetzt,nachdem beide Eltern im Heim untergebracht sind, die Baustellen bei mir überhaupt bemerkt habe und eine nach der anderen jetzt abarbeite(n) (lasse).....denmächst steht noch eine Fuß-Op an (Ballenzeh)...alles ist wegen Corona nur sehr schwierig und zeitverzögert möglich...weil viele OPs auf Halde stehen, also in Warteposition und andere deshalb früher dran sind und außerdem offenbar Betten vorsorglich immer noch freigehalten werden, falls es wieder zu einem Corona-Anstieg kommen sollte......immerhin hat mein Hautkrebs (am Augenlid) kein Rezidiv entwickelt...nach all diesen Erfahrungen...versuche ich jeden Tag zu genießen und schwimme derzeit soviel und so oft es nur geht....das tut mir gut und heitert mein Gemüt auf :)


    Danke dass Du gefragt hast....das bin ich schon gar nicht mehr gewohnt :-).....


    liebe Grüße

    Hanne

  • Hallo,Hanne,hallo,Sonnenblümchen,es ist alles so schwierig geworden,wir sind immernoch nicht viel weiter mit dem Haus,wir wollten es jetzt taxen lassen,damit wir erst einmal eine Vorstellung bekommen,was es überhaupt wert ist.Dabei stellte sich heraus,dass es Überbauungen gibt.Jetzt müssen wir einen Antrag auf Landkauf stellen,sonst wird ei n Verkauf nicht möglich.Das habe ich jetzt gemacht und die Bearbeitung läuft.Ansonsten habe ich begonnen,die einzelnen Zimmer schon zu beräumen,das heißt Schränke auf Boden und Keller ,Scheune,Garagen aufgeräumt.Sperrmüll bestellt usw.Aber es ist soviel Zeit von Nöten,ich komme nur stückchenweise voran.Soweit zum Haus.Ich werde dann gesetzlichen Beistand beim Gericht beantragen.Meine Mutter darf nichts wissen,ich muss es heimlich tun.Es steht jetzt 1 Jahr leer.Meine Mutter will immer nach Hause,ich habe Angst,dass sie es vielleicht schafft,irgendjemanden zu überzeugen,dass sie mal hingefahren wird.Das wäre das Ende.Und liebe Hanne,mir geht es genau so,wenn ich im Heim war,bin ich kein Mensch,ich brauche 2 bis 3 Tage,um meine Gedanken zu ordnen und meine Stimmung wieder auf ein normales Maß zu bringen.Es depremiert mich total,was da so abgeht in ihrem Kopf..SIE FLEHT MICH um Hilfe an und ich soll ihr helfen,aber ich kann es nicht.Meine Mutter so zu sehen,macht mich fertig.Sie erwartet meine Hilfe.Ich kann sie nicht zu mir nehmen,da würde ich verrückt,also keine Lösung.Hilflos steh ich da .Diese ungelösten Probleme schaffen mich.Ich versuche schon cool zu bleiben,mir geht es genau so ,um die eigene Gesundheit kann man sich kaum kümmern.Ich habe Angst ,dass ich depressiv werde,meine Gedanken drehen sich nur im Kreis.Ich denke oft an euch,lese auch mit,weiß,dass es euch auch so ging oder noch geht.Es tut schon gut,von euch zu hören,wem soll man das alles erzählen?Mit solchen Problemen will keiner etwas zu tun haben.Dann noch die Geschwister,die sagen,mach du das mal.Du bist auch immer bevorzugt worden.So geht es mir.Manchmal könnte man schreien.Ich hoffe,dass ich mein Tief wieder in den Griff bekomme,es ist wie Sonnenblümchen sagt,die Erlösung kommt erst wenn ich diese Aufgaben abgeschlossen habe.Und dann diese Wut und Verzweiflung wie bei dir Sonnenblümchen....Ich danke euch,es grüßt euch Rosina

  • Liebe Rosina,


    ich schließe mich Sonnenblümchen hier an.


    Genau diese Gefühle kenne ich auch. Man kann ab einem gewissen Punkte nicht mehr helfen, auch wenn der Demenzkranke das flehentlich von einem verlangt. Das war auch für mich das Alllerschlimmste.

    Aber man ist ja nicht immer zugegen. Manchmal kann es auch helfen mit dem Betreuungspersonal mal zu sprechen usw. Und dann hört man auch mal positive Seiten, wo mal was lustig war, wo mal was geklappt hat. Und das hilft einem selbst dann wieder ein Stück weiter, nicht alles so schwarz zu sehen.


    Ich glaube das es uns allen so geht, nur viele geben es nicht gerne zu, dass es in diesem Leben Grenzen des machbaren gibt. Diese Grenzen kenne ich, egal was die dauerhaft positiven Denker sagen wollen. Das Positive sehe ich natürlich auch, auch wenn es noch so klein und gering ist.


    Rosina, fühle Dich gedrückt


    Hanne


    in diesem Thread kannst du jederzeit schreiben, wie es dir geht. Hier steht für mich immer die stumme Frage, wie es Euch allen geht.


    Liebe Grüße an Dich

  • Liebe Rosina und alle anderen,

    es tut mir so gut, hier immer wieder lesen zu können, wie andere sich fühlen oder die Situation erleben....so kann ich meine Gefühle selbst besser einordnen....und fühle mich nicht so allein.....es tut mir sogar gut lesen zu können,das andere genauso oder ähnlich fühlen...weil ich manchmal dachte, dass es nur mir allein so geht....

    Deshalb bin ich froh, dass Du Rosina geschrieben hast, dass Du nach einem Heimbesuch auch 2-3 Tage brauchst, um wieder zu Dir selbst zu kommen...mir geht es ja genauso und ich zweifelte deshalb schon "an meinem Verstand"....weil die Allgemeinheit ja denkt/verlangt....dass man fröhlichen Gemüts seine Eltern im Heim besucht.....


    Inzwischen vermute ich auch, dass viele Heimbewohner so selten besucht werden, weil die Angehörigen es einfach mental nicht mehr aushalten können....


    liebe Grüße

  • Hallo alle,

    obwohl ich ja noch lange nicht so heftig betroffen bin wie die meisten, die hier schreiben, so ist mir das Mitlesen auch heute wieder eine große Hilfe.

    z.B. Thema Wut: die hat mich auch (für mich) überraschend erwischt, mir alle Ohnmacht und Hilflosigkeit gezeigt und ich dachte fast, ich müsste mich ob dieser Wut schämen.

    Oder Thema 2-3 Tage Erholung nach Besuchen: die sind bei mir zwar aus verschiedenen Gründen nur sehr selten möglich, aber die fast täglichen abendlichen Telefonate haben mich auch so sehr aufgewühlt, dass ich es lange nach dem Telefonat verdauen musste und dann aber am nächsten Tag schon wieder in Bange war, wie es heute werden würde.

    Momentan ruft meine Mutter nicht täglich an, ist relativ aufgeräumt beim Telefonieren und ich mach mir schon wieder Gedanken, wie das plötzlich möglich ist. Vielleicht haben ihr die Besuche von Enkeln mit den Urenkeln (verteilt über ein paar Wochen immer wieder eine kleine Gruppe) so gut getan, Auftrieb gegeben?

    Aber es verunsichert mich einfach, dass es ihr plötzlich wieder so viel besser zu gehen scheint. Medikamente nimmt sie ja nicht, hat sie noch nie, will sie nie, daran kann es also nicht liegen.

    Und dann tut es einfach gut, zu lesen, dass es auch anderen ähnlich geht, ich mit meinen Gefühlen kein Alien bin.

    Danke fürs offene, ehrliche Schreiben "in der Öffentlichkeit"

  • Liebe Rosina,

    ich wollte zum evtl. anstehenden Hausverkauf noch eigene Erfahrung beisteuern:


    Ich habe bereits eine Woche nachdem dann schließlich auch das zweite Elternteil im Heim untergebracht war, mit der Räumung und dem Hausverkauf begonnen....in Absprache mit damals noch involvierten Berufsbetreuer...der das übrigens auch für die bessere Lösung hielt...und in Absprache mit dem Betreuungsgericht natürlich ebenfalls.....anderenfalls wären monatliche Verwaltungs- und Hauspflegekosten angefallen....und Heizkosten...und evtl anstehende Reparaturen...alles aus der Entferung zu regeln ist dann schwierig...ein Haus wird auch nicht besser, wenn es lange Zeit leersteht...und mögliche Käufer zögern dann vielleicht, weil sie sich fragen, was mit dem Haus etwa nicht stimmen könnte....


    ....den Eltern habe ich zunächst nichts davon erzählt.....vor dem endgültigen Verkauf dann schon....aber der Berufsbetreuer sagte auch zu mir: Würden Sie denn nicht verkaufen, wenn die Eltern nicht einverstanden wären?....Die Entscheidung müssen doch jetzt andere treffen....und das war genau richtig.....also ich war mir bewußt und klar darüber, dass ich auch ohne "Erlaubnis" der Eltern verkaufen würde......


    Ich habe alle Kraft und Energie zusammen genommen und das Haus zügig geräumt.....und auch den Verkauf dann zügig durchgezogen.....hätte ich mir länger Zeit gelassen, hätte es vermutlich viel viel länger gedauert.......Obwohl alle Beteiligten schnell gehandelt haben und eine enorme Nachfrage auf dem Immobilienmarkt herrscht....hat es doch fast über 1/2 Jahr gedauert, bis alles abgewickelt war.....


    Vorher wurde natürlich auch der Marktwert geschätzt...das ist unbedingt nötig...es kann aber auch ein Makler vor Ort machen...das ist dann etwas kostengünstiger.....


    Liebe ecia25,

    Du sagst es treffend mit dem sich als Alien fühlend ;) ......da die Gefühle der Angehörigen offenbar in der Öffentlichkeit eine Art Tabu-Thema sind.....kommt man sich selbst tatsächlich manchmal so vor....überall herrscht irgendwie eine "geschönte" Berichterstattung vor....selbst in einer Angehörigengruppe, wo ich kurze Zeit dabei war.....hörte ich wenig Wahrheit und was ich hörte, war mit meinem Erleben und meinen Gefühlen überhaupt nicht zu vergleichen....


    Deshalb bin ich dankbar für die Gruppe hier.....auch wenn mir natürlich bewußt ist...dass ich häufig mein Innerstes vor der gesamten Internet-Öffentlichkeit ausbreite....andereseits habe ich gar keine andere Wahl....und zudem finde ich es inzwischen auch nicht mehr so tragisch, offen davon zu berichten.


    Liebe Grüße

  • Hallo,an alle,Liebes Sonnenblümchen,du hast vollkommen recht,das Haus wird nicht besser,nur Kosten,jetzt auch Garten mähen 800 Quadratmeter mit Steilhang,ich bin überzeugt,dass meine Mutter nicht zurück kommt,das schafft sie körperlich und geistig auch nicht.Aber sie will in ihrem Haus sterben...Gestern rief mich ihre Nachbarin vom Heim an und teilte mir mit,dass meine Mutter zu mir will,alles gepackt hat.Ich habe ihr dann wieder am Telefon erklärt,dass ich sie nicht bei mir aufnehmen

    kann.Sie will ins Haus.Ich,...das geht nicht,es ist keiner da,du fällst die Treppe runter usw....SIE sieht schon,sie kommt mit mir nicht weiter und hat aufgelegt.Das ungute Gefühl wieder bei mir....Ja,man muss abschalten,wie gesagt,ich wäre froh,wenn alles geschafft wäre,habe aber gut begonnen,es wird sich hinziehen.Ich bin selbst gespannt,wie es weitergeht.Es ist ja ein uraltes Haus,hoffentlich will es überhaupt jemand haben.Interessant ist das Grundstück.Ich werde weiter gut ausräumen und alles vorbereiten.Will mal zum Antiquitätenhändler,auch zum Dienst für arme Leute,vielleicht brauchen die Möbel und holen sie ab.

    Liebe Hanne,ich glaube,du hast alles richtig gemacht,deine Gedanken mit dem Betreuungsgericht haben mich auch dazu ermutigt so vorzugehen,ich werde mich im nächsten Schritt auch dorthin wenden,ich komme sonst nicht weiter,ich muss immer nach dem ganzen Besitztümern schauen,wie du auch,der einzige Vorteil,ich wohne nur 10 km weg.Im PRINZIP IST ES EINE Entmündigung.Ich wollte so etwas nie tun,aber ich habe keine Wahl,deshalb darf sie es nicht erfahren.Leider brauche ich auch das Geld,um den Heimplatz bezahlen zu können.Sozialhilfe greift nicht,da ja ein Haus mit Grundstück da ist.Und bei all dem habe ich Bauchschmerzen,ob ich das richtig mache.Ihr habt mir sehr geholfen,Danke Rosina

  • Schön von Euch allen zu lesen.


    ecia25


    Die Verbesserungen treten oftmals dann auf, wenn der Demenzkranke das Gefühl von Heimat bei Besuchen entwickeln kann. Wenn Demenzkranke noch zu Hause wohnen und es findet zum Beispiel eine Geburtstagsfeier statt, bei der einige Verwandte dabei sind, die derjenige mag, dann bemerkt man oft eine Verbesserung aller Funktionen.

    Meist findet eine Verbesserung im Heim statt, wenn mehrere Verwandte sich bei Besuchen abwechseln können. Wenn man nur alleine zu Besuch kommt und man gehört quasi schon zum Inventar, dann ist das leider nicht in dem Ausmaß der Fall. So ist zumindest meine Beobachtung.

    Corona hat hier auch einiges kaputt gemacht in den Heimen, mit der starken Besuchseinschränkung.


    Liebe Grüße an Dich und an alle, die hier mitlesen

    Einmal editiert, zuletzt von Teuteburger () aus folgendem Grund: Viele Fehlerteufel

  • Hallo Rosina ,

    ich kann deinen inneren Konflikt bzgl. deiner Mutter sehr gut verstehen. Genauso ging es mir auch mind. 1 Jahr lang, meine Mutter wollte immer nachhause und ich war mir unsicher, ob ich ihr unrecht tue. Da hat es Corona erleichtert zu sagen, es wird kaum möglich mit Betreuung etc. Sie meinte ja oft, sie kann noch alles alleine - bis ich mir sicher war, dass das alles nur in ihrem Geiste stattfindet, hat es gedauert. Das Wichtigste fand ich, wie sie sich im Heim selbst gibt und da wurde mir von allen SEiten berichtet, dass sie meistenteils guter Stimmung ist und Kontakte hat. Nur bei mir hat sie Terror gemacht. Anfangs war sie auch phasenweise traurig, dafür bekam sie ein Antidepressivum vom Neurologen, zumal sie zuhause eben auch schon antriebslos war.

    Nun bin ich froh, dass ich konsequent geblieben bin. Mittlerweile gab es schon wieder mehrere Stürze, so dass es zuhause gar nicht funktioniert hätte. Man kann den Verlauf ja nicht aufhalten.

    Alles Liebe für dich und alle anderen Leser,

    Rose

  • Liebe Alle,

    ich bin heute vom Heimbesuch etwas weniger "erschlagen" als sonst....ich erkläre mir das auch damit, dass ich innerlich gewappnet hinging und auch, dass ich ein offenes Gespräch mit Pflegekräften suchte und auch, dass die unsäglichen Corona-Besuchs-Regualien derzeit nicht gelten und ich so keine unfreundlichen überforderten Empfangspersonen zu Gesicht oder zu hören bekam....


    Allerdings schafft mich, jedesmal mehr, die Zustandsverschlechterung..also den normalen Verlauf der Demenz bei den Eltern zu sehen.....da ich nur ca alle 8 Wochen dort bin, fällt es mir natürlich mehr auf, als wenn ich täglich oder in kürzeren Abständen dort wäre.....belastend ist auch immer der Gedanke für mich, am Ende selbst einmal so zu enden und bei mir wäre niemand da, der mich besuchen würde oder nach "dem Rechten sehen würde".


    Die ganze Besuchszeit über schrie aus irgendeinem weiter entferntem Zimmer eine Person lautstark und aggressiv gleichzeitig um Hilfe....oder schrie schimpfend vor sich hin.....das war ein schwieriger Begleitumstand für mich....meine Mutter schien das weniger zu stören und mein Vater hört es ja nicht.....


    Ach...Demenz ist einfach eine Sch....krankheit.


    Liebe Grüße

  • Heute bekam ich einen Anruf von einer lieben Freundin (nenne sie meine kleine Schwester, weil meine Mutter sich nach dem frühen Tod der Freundinmutter um sie gekümmert hatte). Sie erzählte mir, wie toll sie es findet, dass Mutter immer noch so gut ihren Alltag bewältigt (obwohl die Freundin ihr regelmäßig hilft, aber vieles offenbar doch nicht wahrnimmt) und dass sie zu ihr wegen dem Gitarrenthema noch nie ein Wort gesagt hat.

    Da fiel mir auf: zuerst sprach Mutter nur mich deshalb an, was ich darauf zurückführte, dass es ja um meine Enkeltochter ging. Mutter ging auch mich immer an, immer schärfer, immer ekelhafter, immer beschimpfender. Hatte zu diesem Zeitpunkt noch nichts zu meiner Schwester und nicht zu meiner Tochter (ihrer Lieblingsenkelin) wegen diesem Thema gesagt, aber ich durchlitt allmählich jeden Abend Angst vor dem Telefnat. Lernte auch hier damit umgehen.

    Dann sprach sie endlich auch bei meiner Schwester drüber, die ihr aber sehr schnell den Mund verbot, zuerst mit Tatsachen zurechtrücken kam, was natürlich keinen Erfolg hatte, dann eben ankündigte, immer wenn das zum Thema würde, aus dem Raum zu gehen oder das Telefon aufzulegen. Das funktionierte. Bei mir nicht. Immer "tobte sich Mutter an mir aus".

    Und nun, auch mit den Erfahrungen und Kontakten hier, kann ich es so sehen, dass sie mir einfach am meisten vertraut, dass ich sie trotzdem nicht "verstoße" Schon früher hat sie oft zu mir gesagt, wenn es um Seelisches ging, dass sie so frei nur bei mir reden kann und meine Schwester da gar nicht mit umgehen kann, sie es also nur mir sagt.

    So kann ich jetzt das, was ich auch an Vorwürfen abbekomme allmählich als riesigen Vertrauensbeweis betrachten. Es tut trotzdem weh, lässt sich aber so viel leichter ertragen.

    Liebe Grüße an alle

  • Den Verdacht, dass meine Schwester auch davor Angst hat, habe ich, denn auch sie hat sich weitab von jeglicher Familie ihr Zuhause eingerichtet, Zufall, dass meine Tochter inzwischen in ihrer Nähe lebt, aber auch nicht so, dass sie sich täglich sehen könnten.

    Ja, Hanne, dieses Schreien mitzuerleben ist grausam. Ich habe es regelmäßig zu unseren Orchesterproben, die wir in Räumen eines Altenheimes abhalten dürfen. Und auch wenn es nur kurze Zeit ist auf dem Weg vom und zum Parkplatz, so finde ich diese Schreie immer furchtbar und das Wissen drum, dass die nur kurz enden, solange jemand nachsehen kann und danach sofort wieder losgehen. Ich kenne da keine einzige Person und doch empfinde ich es als Belastung. Kann also wirklich mit Dir fühlen.

    Dein letzter Satz ... stimmt einfach uneingeschränkt ...

  • Hallo nochmals an Alle hier,

    ich möchte noch etwas nachtragen....es wurde schon öfters mal hier geschrieben, wie befreiend "gemeinsames Schimpfen" über eine dritte Person sein kann und wie verbindend auch zwischen einem selbst und dem demenzkranken Angehörigen....


    Genau das habe ich zu meiner Überraschung heute erlebt und war wirklich erstaunt....


    Der Hintergrund war der, dass ich zufälligim www ein Foto meiner Nonnen-Kindergärtnerin gefunden habe und sich darüber eine kleine Kommunikation entspann mit anderen "Betroffenen"...also gleichaltrigen Leidensgenossen...das Ganze ist ca 63 (!! ) Jahre her...diese Nonne war sadistisch und hat mich unbegründet als 4 Jährige gnadenlos aus nichtigem bzw. überhaupt keinem Anlaß geprügelt...Prügelorgie..ich war grad mal ein paar Tage neu in dem Kindergarten....und nun stellte sich heraus...dass es da mehrere Leute gab...die damals von ihr...teilweise täglich (!!!) oder sogar mehrmals täglich geprügelt wurden....ich habe diese Nonne sofort auf dem Foto wiedererkannt, obwohl ich sie zwischenzeitlich weder lebendig noch auf Fotos gesehen habe...ich war immer noch sehr aufgewühlt....weil das erst ein paar Tage vor meinem Besuch bei meiner Mutter im Heim aufkam.....


    Ich wollte das natürlich meiner Mutter erzählen und sehen, wie sie reagiert...ich erzählte also...in ganz normalem Tonfall....und nach ein paar Worten, sagte sie sofort: "Das war ein Biest!"...ich war wirklich sehr überrascht über ihre Reaktion...sie hat sicher gleich gemerkt, dass ich innerlich sehr emotional bei der Geschichtenerzählung war....und in der Folge schimpften wir beide über diese Nonne...und das war richtig gut....meine Mutter hat sich übrigens tatsächlich an diese unsägliche Person erinnert....wenn so etwas über so lange haften bleibt und noch in der Demenz vorhanden ist...ich sagte dann zum Schluß....die soll in der Hölle braten..und brät hoffentlich immer noch...da grinste meine Mutter richtig gut und freute sich...schon allein deshalb lohnen sich solche Versuche....des gemeinsamen Schimpfens...


    Liebe Grüße und versucht es einfach....es befreit einen auch selbst.

  • Wie es mir geht ist aktuell gar nicht so leicht zu beantworten.

    Bei meinem Vater stellt sich akutell eine Besserung ein, schlägt das Memantin jetzt bei 20mg an? die Tagespflege? regeneriert sich etwas das durch die Herzsaussetzer beschädigt wurde? Ein Mix aus alledem? Ich weiß es nicht recht.


    Ich freue mich wirklich für ihn, heute z.b. war er als ich in seine Wohnung hochging bereits (sinnvoll) angekleidet und hatte bereits die Kaffemaschine eingeschaltet (die bereite ich Abends vor so dass nur noch ein markierter Knopf gedrückt werden muss). Das gab es seit Monaten nicht mehr. Auch viele Erinnerungen sind wieder zurück gekommen. Ich bin manchmal erstaut an was er sich plötzlich alles erinnert.


    Gleichzeitig habe ich eine ganz ganz laute Stimme im Kopf die mir sagt "Freu dich nicht weil das kann morgen schon wieder alles weg sein". In der Tat machen die aktuellen Fortschritte die er macht die ganze Entscheidungsfindung z.b. bzgl. Heim nicht leichter. Paradox ...


    Ich bin da meinen eigenen Gefühlen gegenüber total unsicher. Treibe ich das Heimthema voran weil ich will das es für mich leichter ist oder weil ich das beste für ihn will? Ich finde halt ständig Argumente für beide Seiten.


    Aktuell z.b. suche ich nach einem Ergotherapeuten für ihn. Eigentlich ist ein Hausbesuch verordnet. In unserer Gegend hier absolut aussichtslos, eine Praxis nach der anderen in einem etwas 20-30km Umkreis abtelefoniert - Personalmangel, keine neuen Klienten, allesamt keine Hausbesuche. Bei einem (größere Reha Einrichtung) hätte ich einen Termin bekommen aber erst in 4 Monaten und kein Hausbesuch.
    In einem der Heime das wir in kürze anschauen wäre es aber alles für Bewohner kein Problem, Ergotherapeut, Physiotherapeut etc.

    Die arbeiten mit einer Ergotherapiepraxis etwa 80 km entfernt zusammen. Die kommen ins Heim und machen dort viele Patienten an einem Tag, da ist das kein Problem.

  • Hallo Sohn83,

    das spricht doch für das Heim, wenn dort die Versorgung so viel besser geregelt ist....die Demenz wird schlechter...da beißt die Maus kein Faden ab...es nichts Verwerfliches dabei, rechtzeitig einen Heimplatz zu suchen und dann auch den Umzug dorthin in die Wege zu leiten...es wird für einen selbst dann auf der einen Seite leichter...aber auf der anderen Seite kommen dann andere Probleme auf einen zu...


    Liebe Grüße

  • Guten Morgen,


    heute habe ich mir den Luxus geleistet, bis 6.45 Uhr in meinem Bettchen liegen zu bleiben. War zwar schon eine Weile wach und hüpfe sonst auch immer direkt aus den Federn, sobald ich die Augen aufschlage, heute konnte ich es aber genießen. Dann zwei Stunden gewalkt. Auch das etwas, das mir gut tut.


    Im morgendlichen WhatsApp Austausch mit meiner Mutter erfahren, dass Ihre Nacht wieder anstrengend war mit einem unruhigen Ehemann. Das macht mich traurig und besorgt.


    Dennoch versuche ich mir zu sagen, dass ich für mich sorgen darf, wenn nicht sogar soll. Denn es bringt nichts, wenn ich jetzt meine Ressourcen nicht schone. Ich werde sie noch brauchen.


    Gleichzeitig habe ich eine ganz ganz laute Stimme im Kopf die mir sagt "Freu dich nicht weil das kann morgen schon wieder alles weg sein".


    Ähnliche Gedanken kenne und hege ich auch oft, Sohn83. Zukunftsängste und Co.


    Ich versuche trotzdem, im Hier-und-Jetzt zu genießen und mich zu erfreuen, an dem, was in dem Moment gerade gut ist. ...und davon hatte ich heute schon viel :)


    Euch auch einen guten Tag!

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