Wie geht es Euch? Thread IV

  • Danke, für die Info, Sonnenblümchen.


    Ich werde in Sachen Rentenversicherung dann auch mal nachschauen.

    Alles andere ist bei uns korrekt abgerechnet worden, soweit ich das bisher gesehen habe.


    Liebe Grüße

  • Hallo ihr Lieben,


    jetzt hab ich mich ja schon eine ganze Weile nicht mehr gemeldet, aber jetzt nehm ich mir mal wieder die Zeit dazu.


    Viel passiert.

    Begonnen hat dieses Jahr damit, dass meine Mutter sich mal wieder aus dem Haus schlicht und prompt dort fiel. Im Nachhinein erfuhren wir, dass sie sich auf allen Vieren ins Haus schleppte. Unsere Nachbarin, die sich, nebenbei bemerkt, ganz rührend um meine Mutter kümmert, hat sie 'gefunden' und reingebracht. Bei diesem Sturz brach sie sich den Oberarm und bekam in einer OP eine Platte rein.


    Sturz: Dienstag; OP: Mittwoch; Telefonat mit der Station: Donnerstag. Hier wurde mir gesagt, dass sie sie noch übers Wochenende behalten und sie voraussichtlich am Montag nach Hause kann. Ich dachte mir noch, das ist jetzt eine gute Gelegenheit für meinen Vater, mal a bisserl zur Ruhe zu kommen, bevor das Drama dann am Montag wieder weitergeht. Keine Stunde später stand sie vor der Tür.


    Bedingt durch ihre starken Schmerzen riefen wir noch am selben Abend den Hausärztlichen Notdienst, der rief den RTW und der wiederum empfahl uns, sie erneut ins KH zu bringen. Wir stimmten dem zu, unter der Voraussetzung, sie auf keinen Fall in die vorige Klinik zu bringen. Also brachten sie sie ins nächstgelegene Klinikum. Auch von dort wurde sie am Freitagnachmittag wieder kommentarlos nach Hause gebracht.


    Nachdem ich schon auf 180 war, bat ich meinen Bruder mit der Klinik zu telefonieren, ich wäre vermutlich durch die Decke gegangen. Das tat er auch und er telefonierte über eine Stunde mit dem Oberarzt. Der erklärte ihm die Situation ausführlich und eben auch, warum auch sie unsere Mutter schon wieder nach Hause schickten - sie könnten nichts tun. Alles, was möglich war, wurde getan und in Anbetracht der Corona-Situation ist sie einfach Zuhause besser aufgehoben. All das leuchtete uns ein. Man muss doch nur mit den Leuten reden...


    Natürlich hatte sie mit ihrem Bruch und dem ruhiggestellten Arm massive Probleme mit dem Toilettengang und mit dem Bett ein- und aussteigen. Also bestellte ich einen Toilettenstuhl und von der Hausärztin wurde uns ein Bettgalgen verschrieben, der noch am selben Tag geliefert wurde.


    Endlich (!!!) stimmten beide einer Pflegeperson zu. Die Ärztin sprach von mind. 2x/tgl. wenn nicht sogar einer 24-Std.-Kraft, aber ich war ja schon froh, dass sie 1x/tgl. zuließen. Seitdem kommt die Caritas täglich und ich werde einen Teufel tun, sie wieder abzubestellen. Endlich kommt sie halbwegs regelmäßig in die Badewanne.


    Erschwerend hinzu kommt, dass mein 'kleiner' Bruder (51) vor zwei Monaten einen Herzinfarkt hatte und fünf Bypässe eingesetzt bekam. Das war für uns alle ein riesiger Schock. In den sechs Stunden der OP konnte ich keinen anderen Gedanken fassen, vor allem, weil ich ja weiß, wie es ist, wenn einem der Brustkorb 'geöffnet' wird. Bei mir zwar nicht in der gleichen Weise wie bei ihm, aber sehr ähnlich. Wenn die Wirbelsäule von vorne operiert wird, geht's ähnlich zu.


    Bis dahin waren wir gut verknotet, ich übernahm die Anwesenheiten bei unseren Eltern, Arzttermine und alles Organisatorische, er übernahm alle 'Lauf- und Besorgungswege' und alle technischen Hilfen im und ums Haus unserer Eltern. Im Moment ist er noch so geschwächt, dass er innerhalb kürzester Zeit schweißgebadet pausieren muss. So bleibt im Moment der Großteil an mir hängen. Egal, Hauptsache, mein Bruder kommt wieder auf die Beine!


    Da offenbar bei uns keine Ruhe einkehren darf/kann, ging's am Samstag weiter. Mein Vater fiel zum 4. Mal in dieser Wochen wg. Schwindel um, kam ins Krankenhaus und ich siedelte wieder zu meinen Eltern. Diesmal ist die Situation noch schwerer, ich habe wieder zwei Katzen, die auch versorgt werden wollen. Also fuhr ich jeden Morgen um 5:30 Uhr zu mir, versorgte die beiden und versuchte, wieder zurück zu sein, bevor meine Mutter aufwachte. Abends nahm ich sie mit, gab ihr bei mir kleinere Aufgaben und auf dem Rückweg holten wir uns was beim McD. Das war zwar nicht neu für sie, konnte sich aber an die letzten Male nicht erinnern. Es schmeckte ihr jedenfalls richtig gut.


    Die Option eines Pflegeheimes rückt auch bei uns immer näher, aber wir blenden das gekonnt aus. Keiner von beiden will ohne den anderen: "Dann geh'n wir halt zusammen!" - gemeint ist damit keine Pflegestelle.


    Ich könnte jetzt abendfüllend weiterschreiben, von den verbalen Attacken meiner Mutter gegen ihre Freundin, gegen meinen Vater ("Jetzt wird's Zeit, dass'd dich aufhängst. Dann hab ich wenigstens meine Ruhe!" - nach 60 Jahren Ehe). Beide riefen mich danach bitterlichst weinend an und ich versuchte, die Wogen zu glätten. Bei beiden hat sie sich anschließend ehrlich entschuldigt, aber weitere Aussetzer sind vorgezeichnet...


    Euch schon mal ein ruhiges, sonniges Wochenende. Bleibt stark ;*


    LG KoDo

  • Hallo KoDo,


    schön von dir zu hören.


    Du klingst so taff, obwohl ich mir denken kann, dass das alles sehr anstrengend gewesen ist und auch noch ist.

    Es freut mich, dass etwas Hilfe angenommen wird. Wie lange es jetzt in dieser Konstellation gut geht, dass kann man nicht wissen.


    Der letzte Abschnitt ist fast zum schmunzeln, aber . . .

    Alles Gute auch für deinen Bruder


    Liebe Grüße und halte Du auch die Ohren steif

  • Mir geht es heute nicht gut.


    Mein Vater hat die Kurzzeitpflege nach 9 Tagen abgebrochen keine Chance ihm zum weiteren bleiben zu bewegen. Heute morgen stand er laut Aussage der Pflegerin um 5 Uhr mit gepackten Koffern da. Das gleiche hatten wir bereits gestern wo auf mein nein gleich ein Schwächeanfall folgte. Er hat in den 9 Tagen auch wieder sichtlich abgenommen. Ich kenne ihn ja, er verhält sich wie ein bockiges Kind und hat gar nicht erst versucht sich irgendwie zu integrieren.


    So jetzt ist er wieder bei mir zu Hause und geht ab Montag wieder in die Tagespflege. Im Augenblick spüre ich viel Verbitterung und weiß nicht so recht wie es langfristig weiter gehen soll. Bzw. wissen tue ich es schon, ich soll mich kaputt arbeiten während andere jammern wieviel Stress sie doch haben weil sie ihn einmal die Woche sehen ....


    Nichts destro trotz haben mir die paar Tage gut getan, ich konnte viel nachdenken und hoffe das ich es schaffe mehr Grenzen zu setzen. Ich werde auf jedenfall versuchen wieder mehr auf mich zu schauen und ihn mehr allein zu lassen. Wenigstens muss ich mich nicht schuldig fühlen ihm nicht alle Alternativen aufgezeigt zu haben.


    Gefühlt erklärt mir jeder das eine osteuropäische 24 Stunden Pflegekraft die Lösung meiner Probleme wäre. Ob es so ist bezweifle ich stark werde es aber wohl mal probieren müssen, auf die 4 Tage Tagespflege möchte ich aber nicht verzichten, das würde ihm nicht gut tun. Ganz ehrlich ich wohne ja im selben Haus, die Wohnungen sind offen über ein Treppenhaus miteinander verbunden. Ich glaube ich sperre mich selbst innerlich gegen die Vorstellung ständig jemand Fremden im Haus zu haben.

  • Hallo Sohn,


    genauso kenne ich das auch. Es zerreißt einen oftmals innerlich. - Was kann man frei geben, ohne selbst unterzugehen, dass ist die Frage, der man sich in jeder neuen Situation wiederholt stellen musss.


    Solange jemand noch so agil und fit ist und solange stärkere Erholungsphasen stattfinden, solange wird derjenige in seiner vertrauten Umgebung bleiben wollen, bis es irgendwann nicht mehr geht. Das habe ich auch so erlebt.


    Ich würde feste Besuchszeiten beim Vater einhalten und dann konsequent gehen, mit dem Hinweis, dass du so viel arbeitet und so vieles tun musst, dass du dringend deine Auszeiten brauchst, um selbst auftanken zu können. Ich würde auch betonen, dass du gerne zum Vater kommst, weil du ihn als Person schätzt und magst, aber du braucht trotzdem Zeit für deine eigenen Belange. Ich würde hier auch eine echte Emotion reinpacken.


    Es ist in dem Falle egal, wie das ankommt. Es kann gut sein, das der Vater das für einen Moment versteht. Es kann aber auch sein, dass er mit dem Hinweis auf die eigene Bedürftigkeit, dies abblockt. Beides sollte einen nicht davon abhalten, konsequent zu sein.


    Erkenntnisse, die das Leben des anderen betreffen, bleiben meist nicht lange bestehen, weil die eigene Bedürftigkeit so groß ist. Die Demenzkranken haben gefühlt keinen Lebenssinn mehr und deshalb fehlen ihnen die Ideen, sei es durch eine Gehirndegeneration, sei es durch kleinere Schlaganfälle usw. Man weiß vieles noch nicht über die Demenz. Was der Demenzkranke aber in jedem Falle oftmals versucht, ist ein eigenes Leben über andere zu führen und das zu jeder Tages- und Nachtzeit irgendwann. Und das kann man nicht leisten, wenn man selbst arbeiten muss und wenn man selbst nicht untergehen will. Der Demenzkranke möchte zudem, dass alles beim Alten bleibt und er möchte nichts Neues im Umfeld annehmen, weil ihm das Alte Sicherheit gibt und weil die eigene Bedürftigkeit nicht so präsent ist, wenn wegen der Bedürftigkeit Änderungen stattfinden.


    Es ist leider oft so, dass nahe Verwandte sich in ihrer Freizeit massiv schon belastet fühlen, wenn sie nur einen Tag mit dem Kranken verbringen müssen. Wenn aber die gesammte Verwandtschaft sich hier aufteilen würde, dann wären die Tage, die man mit dem Demenzkranken verbringen muss selten. Und ehrlich gesagt, es kann auch schöne Momente geben, vor allem, wenn derjenige noch einiges selbst kann und er auf seine Art und Weise noch am Leben teilnimmt. Ein Cafebesuch, der Besuch eines Sees, Tiere beobachten oder kleine Kinder usw.


    Ich kann verstehen, dass man nicht unbedingt jemand im eigenen Hause haben will. Deshalb ist es so wichtig, sich vorher genau zu erkundigen und eine gute Organisation ausfindig zu machen, wo die Frauen selbstständig Geld verdienen, man also den Betrag auf deren Konto überweist und wo man vorab Gespräche führt, so dass man auch die richtige Person finden kann, die zum Vater und zu einem selbst passt. Man kann auch sagen, was man auf keinen Fall haben will.


    Diesen Schritt würde ich auch als letzte Option sehen.

    Denn man muss auch sagen, dass man selbst doch eine zeitlang auch hier sehr eingespannt ist. Die Damen brauchen auch ihre Nachtruhe, wenigstens fünf Stunden am Stück. Wenn ein Demenzkranker die Nacht zum Tage macht, dann wird man auch hier zu Beruhigungsmitteln, wie Melperon greifen müssen, so traurig das ist. Zudem brauchen auch sie einen Rückzugsort, wo sie Fernsehen schauen und schlafen können und wo sie über das Internet oder Telefon mit der Familie kommunizieren können. usw.


    Jedenfalls halte ich es für richtig, dass du für dich sorgen willst. Wie gesagt, ich würde feste Besuchszeiten einhalten. Ansonsten darf der Vater selbst zurecht kommen, wenn du nicht da bist, denn er will ja weiter selbstständig in seinem Rahmen sein. Ansonsten würde ich vielleicht noch an eine Seniorenbetreuerin denken, die ihn am Wochenende stundenweise unterhält, so dass du einfach mal frei hast, wenn das für euch bezahlbar ist.


    Wäre eine Kamera vielleicht eine Option, die man nur in Notfällen benutzt?


    Ich weiß jetzt nicht mehr, ob ein Pflegedienst nach dem Vater schaut. Zur Tablettengabe kann zum Beispiel morgens und abends jemand vorbei kommen. Das wäre schon eine Entlastung, zu wissen, dass jemand nach dem Vater schaut. Sollte etwas nicht stimmen, dann wird man selbst informiert.


    Das wäre das, was mir so einfällt.


    Liebe Grüße an Dich, Sohn

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sohn83, schade, dass es mit der Kurzzeitpflege nicht geklappt hat, eben habe ich ja noch einige Gedanken beigesteuert, in der Hoffnung, dass es klappen könnte. Es freut mich, wie gelassen Sie darauf reagieren. Ich sehe noch drei Aspekte, wie Sie Ihre innere Grenzen stärken können:


    - Sie haben den PlanB, Sie haben eine gute Einrichtung gefunden und Sie wissen, es kann klappen!

    - Sie haben erlebt, dass sich Ihr Vater schnell wieder erholen kann, sodass nicht alles "so heiß gegessen werden muss"

    - Sie haben den eisernen Willen und die unbedingte Selbstbestimmung Ihres Vaters immer und immer wieder erlebt und ausgehalten. Das können Sie wertschätzen und entlastet Sie definitiv in Ihrer Verantwortung!


    In diesem Sinne, bleiben Sie gelassen, wenn es irgend geht, Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo KoDo, schön, dass Sie wieder ein "update" geben, auch wenn der Anlass traurig ist.


    Nehmen Ihre Eltern die Situation Ihres Bruders wahr oder drehen sich beide so sehr um sich selbst, dass das alles nicht mehr durchdringt?


    Es freut mich, dass Sie keinen Zweifel zulassen, dass die begonnene ambulante Pflege richtig ist, das ist die beste Voraussetzung für den Erfolg.


    Ein schwieriges Thema muss ich doch aufgreifen: Gibt es ernsthafte Sorgen, dass sich Ihre Eltern etwas antun?

    Oft ist es ein Hilferuf und Sie haben ein Argument mehr, dass Hilfe notwendig ist. Manchmal fühlt es sich wie ein hilfloser Erpressungsversuch an.


    In meinen Gesprächen nehme ich diese Aussagen immer sehr ernst. Wir wissen, dass in kritischen Lebensereignissen im Alter Suizidversuche häufiger sind und sich viele darüber Gedanken machen. Für mich ist immer eine wichtige Frage: "Was hält sie davon ab, was gibt Ihnen Kraft weiterzuleben?"


    Eine der häufigsten Botschaften ist: "Für mich wäre der Freitod eine Möglichkeit, aber ich würde es nie meinen Kindern antun. Ich weiß ja, dass sie damit nie glücklich werden können." Und damit sind wir wieder bei dem Perspektivenwechsel, ob das durchdringt, was mit Ihnen, den Kindern ist.


    Ganz tief im Inneren wissen alle Eltern, dass Sie auch für Ihre Kinder da sein müssen, wenn es ihnen selbst nicht gut geht und die Kinder sie unterstützen - egal wie sehr dieser 100tausende Jahre alte Familienvertrag durch Verleugnung, Krankheit oder Persönlichkeitsveränderungen überlagert ist.


    Ich hoffe, diese Gedanken helfen Ihnen, dass Sie stark bleiben können und die Sonne genießen! Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Sohn83, ich habe in den letzten Tagen oft an Sie mit Ihrem Vater gedacht ... und gehofft, dass Sie über eine positive Entwicklung berichten. Wir haben ein ähnliches Problem. Meine Mutter (die nichts mehr allein machen kann, sich teilweise selbst gefährdet und null Empathie besitzt, von Krankheitseinsicht nicht zu reden) schickt nach Lust und Laune die Pflegekräfte weg. In ein Heim will sie natürlich NIE! Nur wir (selbst schon nicht mehr jung) dürfen "ran". Es ist eine grausame Krankheit, vor allem für die Angehörigen. Den Tipp mit der 24h_Pflege höre ich ebenfalls IMMER und ich kann das nicht mehr hören. Das kann gar nicht in jedem Fall funktionieren, das sagt einem der klare Verstand. Was wir inzwischen machen: Wir arbeiten daran, das schlechte Gewissen auszuschalten. Natürlich müsste die demente Person rund um die Uhr einbezogen werden. Aber das können wir gar nicht leisten. Für das eigene Leben trägt man ja auch noch Verantwortung. Insofern ist "Grenzen setzen" der richtige Ansatz. Das ist schwer: auf der einen Seite sind die moralischen Werte, auf der anderen Seite die demente Person, die natürlich nur noch an sich selbst denken KANN. Das wird nie mehr anders, also muss man an sich selbst arbeiten, und das BestMÖGLICHE tun und mehr geht nicht. Alles Liebe!

  • Hallo in die Runde,

    da hab ich bisher ja noch Glück gehabt, dass meine Mutter nicht die Tasche packt und nach Hause will. Bisher waren ja immer nur mein Mann und Sohn bei ihr. Aber nächste Woche muss ich hin, da wird es sicher Diskussionen geben. Aber ich bleibe dabei, dass es ihr im Heim besser geht als zu Hause.

    Seit meine Mutter im Heim ist kämpfen wir mit Haus und Grundstück. Ich bin so wütend über all den Müll den mein Vater angesammelt hat. Als gelernter DDR Bürger konnte er nichts wegschmeißen. Nun muss ich 4 Jahre nach seinem Tod seine Sachen entsorgen und das tut weh und bringt die unverarbeitete Trauer hoch. Und das meine Mutter vor 4 Jahren, ja da hatte sie auch schon FTD- nur wussten wir das nicht, zu einer Entscheidung fähig war, dass sie weder das Haus noch das Grundstück beherrschen konnte. Ich weiß Wut ist da nicht angebracht, aber irgendwie hab ich das Gefühl ich arbeite nur noch. Aber wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass wir das nicht allein schaffen und es gibt ja Entrümpelungsdienste (das Geld dafür 🙄🙄🙄 Ohmmmm).

    Mal schauen, wann ich das Gefühl habe, dass es mir mal wieder besser geht.

    Liebe Grüße Gobis

  • Hallo ihr Lieben,

    Hallo Herr Hamborg,


    kurz vorweg: wegen einer evtl. Wiedererkennung habe ich meinen Benutzernamen geändert (vorm. KoDo). Der heutige Eintrag gibt doch viel unserer persönlichen, familiären Situation preis. Möglicherweise werde ich einzelne Stellen nachträglich wieder entfernen.


    Vielen Dank für eure/Ihre lieben Worte.


    Die Wahrnehmung der Situation meines Bruders ist gemischt, ganz besonders von meinem Vater. Er ist in vielen Punkten unheimlich in sich zerrissen. Das liegt aber primär in der Vergangenheit.


    <Textabschnitt entfernt>


    Allein eine detaillierte Beschreibung dieser Ereignisse wären abendfüllend, hier aber nur mal im Steno-Format.


    Persönlich komme ich sehr gut mit ihr klar, muss aber dazu sagen, dass ich ausgesprochen harmoniebedürftig bin. Vermutlich auch, weil wir grundsätzlich ein sehr harmonisches Elternhaus hatten - wobei in den 60ern eine 'Watschn' noch nicht unter Gewalt lief. Meiner Mutter 'rutschte gelegentlich die Hand aus', wie's bei uns so schön heißt, das war aber alles andere als an der Tagesordnung. Mein Vater dagegen hätte und hat niemals auch nur die Hand gegen uns erhoben. Bei ihm reichte es, wenn er die Stimme erhob.


    Sorry für die Abschweifung - zurück zur Wahrnehmung meiner Eltern: Ich habe kürzlich mit meiner Cousine genau darüber gesprochen. Sie hat auch (wie ich) den Eindruck, dass mein Vater die Brisanz der Situation nicht vollständig erfasst.

    <Textteile entfernt>


    Anders natürlich die Wahrnehmung meiner Mutter. Sie staunt jedes Mal wieder über die etlichen Narben meines Bruders an Armen und Beinen. Jedes Mal wieder erklären wir ihr die Situation und jedes Mal wieder sagt sie: "Ach ja, genau!".


    Nun zum tatsächlich wirklich schwierigen Thema: eindeutig jein. Diesbezüglich ist unsere Familie schon vorbelastet. Ich habe irgendwann schon mal geschrieben, dass sich die Mutter meines Vaters im Alter von 88 Jahren mit einem Sturz aus dem Fenster das Leben genommen hat. Damit hat sie die 'Hemmschwelle' ziemlich herabgesetzt.


    Ja deshalb, weil die Verzweiflung meines Vaters über die Lage meiner Mutter so riesig ist, dass ich es grundsätzlich durchaus für möglich halten würde. Er sieht einfach keine Lösung, keinen Ausweg und keine Zukunft mehr, nicht den kleinsten Lichtblick. Auch seine eigene körperliche Verfassung wird immer schlechter. Als ehem. Bayerischer Vize-Meister im Radsport war seine Fitness bis weit in seine 70er unglaublich. Mit über 70 fuhr er 12.000-15.000 km/Jahr, darüber hat er täglich Buch geführt - aber durch div. Stürze und Brüche gings mit seiner Fitness dahin. Er hat keinen Auftrieb, etwas daran zu ändern. Seine (behandelten) Depressionen tun ein Übriges. Aber, …


    Nein deshalb, weil ich ihm immer wieder die Situation meiner Mutter vor Augen halte "Was passiert denn dann mit Mutti? Bruder und ich haben dann endgültig verloren und Mutti müsste dann unweigerlich in eine Pflegeeinrichtung!". Ich habe den Eindruck, dass allein das ihn von einem evtl. Vorhaben abhält, er will sie nicht alleine zurücklassen. Auch hier ist er innerlich zerrissen.


    Sie haben recht, je nach seiner mentalen Verfassung kommt es mir tatsächlich oft wie ein 'hilfloser Erpressungsversuch' vor, wovon er dann aber sofort wieder zurückrudert, weil er mich/uns ja nicht so sehr belasten will. Am liebsten wäre es ihm, wenn ich wieder zu Hause einziehen würde, aber das Haus ist nun mal nicht barrierefrei. Evtl. Umbauten würden an die halbe Million € grenzen.


    Ich versichere ihm dann immer wieder, dass das für uns weder eine Belastung noch eine Verpflichtung ist, sondern eine Selbstverständlichkeit. Früher waren sie beide für uns da und heute ist es eben andersrum. Das Einzige, was uns an den Rand der Verzweiflung bringt, ist, wenn beide alles, was wir anstrengen, um ihnen (aber in erster Linie ihm) das Leben zu erleichtern und Verantwortung von seinen Schultern nehmen, boykottieren oder ablehnen.

    • Das Essen, das 2x/Wo. geliefert wird, schmeckt nicht (stimmt nicht, fantastische Hausmannskost, genau wie Muttern immer gekocht hat);
    • Tante Caritas soll nicht mehr kommen, das können wir selber (No way! Keine Option!);
    • Nachbarn bieten sich zum Rasen mähen an: "Könn'ma selber." (Kann er eben nicht, er hat schon Probleme ohne Krücken auf die Toilette zu kommen),
    • und… und… und…

    Sie haben beide ein Problem, Hilfe anzunehmen. Sie waren es schließlich immer, die geholfen haben - nicht umgekehrt. Nun ist es aber mal anders und das wird sich nicht ändern. Aber auch damit haben Sie völlig recht, sie denken sie, müssten für uns da sein. Hinzu kommt ja auch noch seine selbst auferlegte Schuld an meinem Unfall (hab ich auch irgendwann schon mal beschrieben).


    Mit dem Suizid meiner Großmutter habe ich mit der Zeit Frieden geschlossen, das hatte ich glaube ich schon mal erwähnt. Sie hat ihren eigenen körperlichen und geistigen Verfall nicht mehr ertragen und wollte niemandem zur Last fallen. Im Nachhinein erkannten wir, dass sie schon vorher Versuche unternahm, wie z.B. waren alle Fenster und Türen geschlossen und alle Herdplatten inkl. des Bratrohrs liefen auf voller Leistung. Zufällig kam mein Vater vorbei und erstickte fast an der Hitze im Raum. Er schaltete alles ab und öffnete die Fenster. Erst später erkannten wir, dass sie dachte, es wäre ein Gasofen. Auch hat sie Jahre zuvor zu mir gesagt: "Mei, Mädle, wenn ich ned so feig wär, wär alles schon vorbei!". In ihren letzten Jahren hat sie immer gesagt, sie sei 'über der Zeit', sie gehöre nicht mehr hierher.


    Meine Erkenntnis daraus ist, dass ein Mensch in diesem Alter ein Recht darauf hat, selbst zu entscheiden, wann und wie er dieses Leben verlassen möchte. Und auch wenn ich damit evtl. bei dem einen oder der anderen Leserin Unmut hervorrufe, dieses Recht möchte ich auch meinen Eltern zugestehen.


    Selbstverständlich ermuntere ich sie nicht dazu (als Kind war ich in psychotherapeutischer Behandlung, weil ich Panik und Albträume davor hatte, dass meine Eltern/meine Oma sterben könnten), ich hänge an ihnen, wir hätten uns keine besseren Eltern wünschen können.


    Ich hab mir sogar schon mal überlegt, hier einen Thread mit den Erinnerungen an meine (immer mehr schwindende) Mutter zu eröffnen. Andererseits, sowas zu ihren Lebzeiten zu tun, scheint mir dann doch etwas … merkwürdig. Ob sowas gewünscht ist, weiß ich nicht. In mir kommen immer wieder fast schon verschollene Erinnerungen an Ereignisse, Erlebnisse, die uns unsere Eltern mit ihren geringen Mitteln geboten haben.


    Vielen Dank nochmal für Ihren Zuspruch und Ihre sehr wertvollen Einschätzungen.

    @Alle: Danke fürs Lesen und vor allem fürs Durchhalten :*


    LG Zebulon

    Einmal editiert, zuletzt von Zebulon () aus folgendem Grund: Textteile gelöscht

  • Danke, liebe Zebulon, für Ihre anrührende Schilderung der Situation. Sie zeigt, dass wir Angehörigen von Demenzkranken (sowie die Demenzkranken selbst) nicht nur diese schreckliche persönlichkeitsfressende Krankheit, sondern auch unser aller riesiges Lebenspäckchen mit schultern müssen. So hat jeder seine eigene Geschichte, die mit der Krankheit eng verwoben ist. Ich möchte übrigens (weil sie ja deswegen Unmut einiger Mitlesenden befürchteten) betonen, dass ich es genauso sehe wie Sie. Den letzten Weg im Leben geht jede/r ganz allein, das ist unumstüßliches Recht. So schmerzhaft es für die Zutrückbleibenden manchmal sein mag ... Mir ist auch klar, dass damit bewusst oder unbewusst eine letzte Botschaft an die noch Lebenden gerichtet wird. Aber dabei von allen (auch von sich selbst) am Ende selbstlose Größe zu erwarten, das ist zwar menschlich, aber vielleicht auch eine zu hohe Erwartung. Liebe Grüße und weiterhin gutes Durchhalten (dieser herausfordernden Zeiten).

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Zebulon, dank Ihnen für das große Vertrauen und die Offenheit. Wissen Sie, dass in Ihren Zeilen ganz viel Klarheit und innere Stärke steckt?


    Auf der anderen Seite scheint es schier aussichtslos und da kann ich mich der Anteilnahme hier in unserem Kreis nur anschließen.


    Den Suzid Ihrer Großmutter liest sich wie ein klassischer "Bilanzsuizid", bei dem nicht eine Depression im Vordergrund steht. Auch das macht es den Hinterbliebenen gefühlsmäßig nicht viel einfacher, aber wir können der Trauer eine sinnvolle Erklärung geben. Die öffentliche Meinung hat sich diesbezüglich bin hin in das oberster Gericht verändert. Ich persönlich werde alles tun, um den Menschen in ihrem Lebenswillen zu unterstützen, denn eigenlich will er oder sie sich das Leben "nehmen" und nicht verlieren. Dies klappt ganz oft, aber nicht immer, manchmal ist das Leid, der Druck oder die Depression stärker und dann werde ich voll und ganz diese letzte Entscheidung respektieren.


    Die Depression Ihres Vaters ist leider nicht gut behandelbar, das wird sich vermutlich auch nicht ändern, wenn Sie das Haus umbauen und dort einziehen.


    Ihre Stärke für Ihren Vater liegt auf eine anderen Ebene, wenn Sie sich dafür therapeutische Unterstützung finden, würde mich das sehr freuen. Wir können hier Anregungen und Beistand geben, aber diese vielschichtigen Themen sind kaum allein lösbar, es sind einfach viel zu viele Aspekte zu bedenken. Vielleicht können Sie mit einigen meiner Gedanken etwas anfangen.


    Es freut mich, dass Sie zum alten Familiengeheimnis eine gute Position gefunden haben und Ihr Versprechen und Ihre Verschwiegenheit auf dieses eine mal begrenzen. Wenn Ihre Mutter diese Verletzungen jetzt zunehmend vergisst, können Sie auch - so wie Hanne so schön schreibt - das Loslassen und Verzeihen üben. Damit bekommen Sie neue Kraft. Vielleicht ist es schon ein guter Schritt, wenn Sie jetzt vieles von den persönlichen Gedanken symobisch loslassen, indem Sie Passagen hier löschen. Ihre Idee finde ich da sehr gut!


    Ihre Eltern brauchen Sie, darin besteht kein Zweifel. Aber wo und was brauchen Sie von Ihren Eltern? Zwischen den Zeilen gelesen, kommen mir da viele Vermutungen. Mit zunehmender Demenz werden Sie Ihre Mutter neu kennenlernen und in die alten guten Erinnerungen eintauchen.


    Mit Ihrem Vater ist es schwieriger. Da wünsche ich Ihnen viel Klarheit in den notwendigen "Aushandlungen" - wir könnten sagen, den professionell notwendigen Streit, um die Macht der Depresssion zu begrenzen.

    Das Beispiel mit der Überweisungen an Ihren Bruder zeigt, wie erfolgreich Sie damit schon sind. Ihr Vater konnte so erleben, dass sein Sohn ihn braucht, ein kleines Bollwerk gegen die Sinnlosigkeitsspirale seiner Depression.


    Und wo können Sie ein Vorbild sein, seine Hilfe anzunehmen? Können Sie es zulassen, dass er großzügig zu Ihnen ist?

    Ich kann mir vorstellen, dass es ihm dann auch leichter fällt, seiner Tochter zu glauben, dass Sie seine Schuld an ihrem Unfall verziehen hat. Trotzdem werden Sie es ihm wahrscheinlich immer wieder sagen ... Würde er sich unter dieser Bedingung auf mehr Hilfe einlassen? Würde er die Hilfe erstmal nur für seine Frau zulassen können, weil es immer wieder diese "Aushandlungen" gibt?

    Was können Sie Schönes zusammen plannen und erleben?


    Sie wissen, dass viele hier im Forum die Erfahrung gemacht haben, dass es manchmal notwendig ist, pathogene Strukturen zu verändern. Vielleicht können Sie folgendes Gedankenexperiment machen: Sie stellen sich den PlanB vor ... wie Ihre Mutter glücklich im Heim ist und Ihr Vater, Ihr Bruder und Sie eine gute Form gefunden hat, damit umzugehen ...

    Vielleicht kommen Ihnen danach Ideen, wie das gelingen könnte. Möglicherweise helfen diese Ideen sogar, dass es mit beiden zuhause besser klappt - ?


    Das Wichtigste ist, machen Sie weiter so, Sie haben schon ganz viel geschafft! Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Schwarzerkater, Ihr Plädoyer für die richtigen und notwendigen Grenzen möchte ich gern bestätigen. Bedenken Sie dabei, dass Sie das BestMÖGLICHE nur dann schaffen, wenn Sie auch sich selbst "pflegen" und fürsorglich sind?


    Hallo Gobis, über Ihre Aussage in dem Chaos "Wut, ich arbeitet dran" musste ich schmunzeln. So wie Sie schreiben, gibt es viele gute Gründe, sich zu ärgern und wenn dann einige der Sammelleidenschaftsobjekte durch die Gegend fliegen, weil der Ärger zur Wut wird, dann kann das gut und und es schadet das niemandem oder?

    Ihnen beiden viel Kraft und alles Gute in die Runde, Ihr Martin Hamborg

  • Ich kann mich Deinem Rat nur anschließen, Hanne.


    Ich habe auch Etiketten zum Einnähen gehabt, aber auch welche, die auf die Dusch- und Pflegeartikel, auf Scheren, auf alles, habe aufkleben können. Und, was soll ich sagen, die Dinger halten bombenfest. Hätte ich nicht gedacht.


    Ich weiß jetzt nicht, was Sonnenblümchen dir geraten hat, aber es wird wohl gut gewesen sein, denke ich mal so blind.


    Dem schließe ich mich dann an :)

  • Liebe Hanne,


    Sonnenblümchen hat das so gut ausgedrückt, da muss ich nicht mehr viel zu schreiben.

    Ich würde auch immer auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Eltern schauen und wie gut sie beiden Seiten tun.


    Ich kann vielleicht etwas zu den Inhalten an sich etwas sagen und wie ich damit umgegangen bin. :)


    Was der Vater gesagt hat, dass würde ich so interpretieren: Ich glaube, ihm fällt auf, dass er selbst immer weniger tun kann. Er empfindet sich selbst als Belastung. Er denkt wahrscheinlich in dem Zusammenhang an seinen Tod und er projiziert dies dann auf Dich, als nahestehenden Angehörigen.

    Ich selbst beschäftige mich ja mit so einigen jenseitigen Fragen.

    ich würde in dem Falle zu ihm sagen, dass es nicht um mich gehen würde, sondern darum, dass er in seinem Leben noch etwas Freude finden kann. Und ich würde ihm sagen, dass ich gerne bei ihm bin, in der Zeit in der ich ihn besuchen komme. Und ich würde ihm sagen, dass ich mit seiner eigenen Haltung einverstanden bin. Wenn er sein Leben als noch lebenswert ansieht, dann ist es auch genau richtig für alle Beteiligten und wenn er es nicht mehr kann, dann wirst du ihn auch dabei begleiten, so wie du kannst.


    Ich habe solches auch erlebt und ich habe dann ehrlich geantwortet. Man kann mit Demenzkranken ehrlich sein. Und vom Gefühl her wissen sie oftmals wie das gemeint ist. Ich wollte nie, dass meine Schwiegermama stirbt, ich wollte immer das sie wieder das Leben haben kann, welches sie einst selbst zu schätzen gewusst hat. Aber all das Leid, was sie körperlich und geistig hat tragen müssen, dass hat sie verändert. Und da habe ich ihr irgendwann einfach nur noch Erlösung gewünscht. Mit dieser Haltung habe ich auf solche Aussagen geantwortet und es kam von Herzen.

    Und meist hat sie das auch verstanden und entsprechend reagiert.


    Und was die Mama angeht. Solche Sachen habe ich auch erlebt. Solche Erscheinungen sind ja auch nichts Ungewöhnliches, einerseits. Wenn man einen Menschen zum Beispiel in einen vollkommen dunkeln und in einen vollkommen stillen Raum setzt, dann sieht er mit der Zeit auch Dinge, die er sonst nicht sehen würde oder hört Dinge, die er sonst nicht hören würde. Das ist eine spannende Sache. Bei Demenzkranken sind einige Bereiche sozusagen inaktiviert und auf der anderen Seite bilden sie eigene Lebensumstände. Solange die Mutter das nicht als bedrohlich ansieht, solange würde ich da mitgehen. Habe ich auch immer gemacht. Anstrengend fand ich das nur, wenn eine Bedrohung gesehen worden ist. Oftmals habe ich es aber geschafft, diese Kleinzureden und hier Sicherheit zu geben. Manchmal aber auch nicht. Und dann musste ich auch gehen, weil ich alles nur noch schlimmer gemacht hätte, vor allem dann, wenn ich selbst als Bedrohung wahrgenommen wurde.


    Ich würde hier auch nach eigenem Befinden entscheiden. Man muss die eigenen Grenzen immer wieder neu in sich selbst finden. Und wo eine eigene Grenze vorhanden ist, da sollte man nicht drüber hinausgehen. Manches kann sich mit der Zeit verschieben, manches aber auch nicht.


    Liebe Grüße an Dich und fühle dich gedrückt

  • Liebe Hanne,

    leider kann ich nichts Nützliches beitragen, möchte dir aber sagen, dass es mir so ähnlich wie dir geht. Ich fahr einmal pro Woche zu meiner Mutter und es ist immer schwierig. Und wie du so schön sagst, alles validieren und wertschätzen nützt nichts... Gern hätte ich die offenbar nützlichen Hinweise von Sonnenblümchen gelesen, aber leider kann ich die nicht mehr finden.

    Ich war heute wieder im Pflegeheim und hatte mal einen guten Tag erwischt. Wir konnten uns richtig gut unterhalten. Ich könnte zwar nicht wirklich sagen über was , es ging über das Haus in dem sie als Mädchen gewohnt hat, zu lange verstorbenen Leuten..., ist aber egal, ich glaube, meiner Mutter ging es damit ganz gut und mir auch. Nächstes Mal ist das vermutlich wieder anders, langsam lerne ich aber, damit umzugehen

    LG never20

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne, über Ihre Erfahrungen habe ich länger nachgedacht und möchte zu den einzelnen Aspekten etwas schreiben:


    1. Die Coronabesuchsregeln werden sich mit der vierten Welle bestimmt wieder einspielen und die Einrichtungen werden die Vorgaben des Landes umsezten müssen. Ich finde ein pragmatisches Vorgehen sinnvoll, denn müssen Mitarbeiter*innen Angehörige kontrollieren, wenn sie wissen und dokumentiert haben, wer geimpft ist? Die kümmernden Angehörigen sind ja nach der schweren gemeinsamen Zeit bekannt.


    2. Je mehr die Demenz zunimmt, desto eher wird ein langer Besuch zur Überforderung. Vielleicht ist es eine Möglichkeit, wenn Sie Ihre Eltern an einem Tag zweimal kürzer besuchen. Ich bin gespannt, ob der zweite Besuch dann anders ist. Diesen "Trick" empfehle ich übrigens auch Mitarbeiter*innen, wenn Angst oder Schmerzen hinter einer Abwehr der Versorgung stehen. Den zweiten Aspekt hat Ihr Vater auf den Punkt gebracht: Welche Erwartungen haben Sie selbst bei den Besuchen. Oft empfehle ich Angehörigen gemeinsam etwas Schönes zu tun, Musik zu hören, etwas vorlesen und nicht die Kraft in Anforderungen, tiefe Gespräch, Gedächtnistraining oder Ausfragen zu legen. Es kann zu sehr innigen gegenseitigen Erleben kommen, wenn Sie einfach nur zusammen sind.


    3. Bei Ihrem Vater suchen Sie nach Verständnis und Teuteberger hat schon das geschrieben, an das ich auch dachte. Wenn unklare oder provozierende Formulierungen zum Thema Tod und Sterben kommen, verstehe ich sie oft als "Nebelkerze" nach dem Motto: Ist meine Tochter bereit, mit mir über das Thema zu sprechen oder meine Gedanken dazu auszuhalten? Ich würde dann eher allgemein fragen, ob er häufiger an das Sterben denken würde.


    4. Bei Ihrer Mutter ist alles durch die Halluzinationen und mögliches diffuses Wahnerleben bestimmt. Psychotisches Erleben ist bei der Demenz häufig, aber aus meiner Erfahrungen gibt es oft auslösende oder verstärkende Faktoren, besonders oft bei einer Schilddrüsen oder Parkinsonmedikation.


    Ich suche dann nach der "Symbolsprache der Verwirrtheit" und versuche das "verrückte" aber als echt wahrgenommene innere Erleben zu verstehen, ohne es zu bestätigen. Ich lege die Worte sozusagen anders auf die "Goldwage", suche nach der geheimen Botschaft , den versteckten Bedürfnissen und weniger nach der Beziehungsaussage. Können Sie dem folgen und bekommen Sie eine Idee, wie Sie Ihrer Mutter begegnen können?


    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, wenn Sie Ihre Eltern jetzt neu kennenlernen, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo in die Runde

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, wenn Sie Ihre Eltern jetzt neu kennenlernen

    trifft voll zu und das noch bei jedem Besuch.


    Ich habe versucht meinen letzten Eindruck vom Besuch in meinem Kopf zu löschen, so viel es mir leichter mit den "verrückten" Veränderungen umzugehen.

    Ich hatte nur noch drei Dinge dabei, ein Farbfoto von mir und meiner Mutter, ein Namensschild zum Anstecken und Traubenzuckerdrops. Habe versucht immer die gleichen Sachen zu tragen, wie auf dem Foto. Die Drops habe ich auf den Tisch gelegt und selber einen gegessen.

    Meine Mutter brauchte nicht lange und war immer überrascht vom (gleichen) Geschmack. So sind wir ins Gespräch gekommen. Es kahm der Tag, da fragte Sie, wer auf dem Foto zu sehen ist? Wir stellten uns vor den Spiegel im Zimmer. Die ersten Monate war dann klar wer das war. Später war ich eben der Besuch, der auf dem Foto zu sehen war. Auch das Namensschild brachte dann keine Verbindung zu Stande aber sie redete mich mit dem Namen an, das half mir sehr.

    Eine Bekannte trug immer das selbe Parfüm, es war gräßlich, aber ihre Mutter erinnerte sich immer über den Geruch an Sie.

    Einfach ausprobieren und neugierig zu Besuch gehen, eben etwas Neues kennenlernen.

    Ich hatte auch großes Glück mit dem Pflegeheim, es war wie eine Wohngruppe mit großer Küche und Wohnzimmer (Gemeinschaftsraum). Nur max. 10 Bewohner pro Ebene. So, wie in einem großen Mehrfamilienhaus.

    Ich habe keinen Tag bereut, dass ich den Schritt gegangen bin.

    Meine Mutter hatte noch sehr schöne Jahre dort.

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