Wie geht es Euch? Thread IV

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Zebulon, dank Ihnen für das große Vertrauen und die Offenheit. Wissen Sie, dass in Ihren Zeilen ganz viel Klarheit und innere Stärke steckt?


    Auf der anderen Seite scheint es schier aussichtslos und da kann ich mich der Anteilnahme hier in unserem Kreis nur anschließen.


    Den Suzid Ihrer Großmutter liest sich wie ein klassischer "Bilanzsuizid", bei dem nicht eine Depression im Vordergrund steht. Auch das macht es den Hinterbliebenen gefühlsmäßig nicht viel einfacher, aber wir können der Trauer eine sinnvolle Erklärung geben. Die öffentliche Meinung hat sich diesbezüglich bin hin in das oberster Gericht verändert. Ich persönlich werde alles tun, um den Menschen in ihrem Lebenswillen zu unterstützen, denn eigenlich will er oder sie sich das Leben "nehmen" und nicht verlieren. Dies klappt ganz oft, aber nicht immer, manchmal ist das Leid, der Druck oder die Depression stärker und dann werde ich voll und ganz diese letzte Entscheidung respektieren.


    Die Depression Ihres Vaters ist leider nicht gut behandelbar, das wird sich vermutlich auch nicht ändern, wenn Sie das Haus umbauen und dort einziehen.


    Ihre Stärke für Ihren Vater liegt auf eine anderen Ebene, wenn Sie sich dafür therapeutische Unterstützung finden, würde mich das sehr freuen. Wir können hier Anregungen und Beistand geben, aber diese vielschichtigen Themen sind kaum allein lösbar, es sind einfach viel zu viele Aspekte zu bedenken. Vielleicht können Sie mit einigen meiner Gedanken etwas anfangen.


    Es freut mich, dass Sie zum alten Familiengeheimnis eine gute Position gefunden haben und Ihr Versprechen und Ihre Verschwiegenheit auf dieses eine mal begrenzen. Wenn Ihre Mutter diese Verletzungen jetzt zunehmend vergisst, können Sie auch - so wie Hanne so schön schreibt - das Loslassen und Verzeihen üben. Damit bekommen Sie neue Kraft. Vielleicht ist es schon ein guter Schritt, wenn Sie jetzt vieles von den persönlichen Gedanken symobisch loslassen, indem Sie Passagen hier löschen. Ihre Idee finde ich da sehr gut!


    Ihre Eltern brauchen Sie, darin besteht kein Zweifel. Aber wo und was brauchen Sie von Ihren Eltern? Zwischen den Zeilen gelesen, kommen mir da viele Vermutungen. Mit zunehmender Demenz werden Sie Ihre Mutter neu kennenlernen und in die alten guten Erinnerungen eintauchen.


    Mit Ihrem Vater ist es schwieriger. Da wünsche ich Ihnen viel Klarheit in den notwendigen "Aushandlungen" - wir könnten sagen, den professionell notwendigen Streit, um die Macht der Depresssion zu begrenzen.

    Das Beispiel mit der Überweisungen an Ihren Bruder zeigt, wie erfolgreich Sie damit schon sind. Ihr Vater konnte so erleben, dass sein Sohn ihn braucht, ein kleines Bollwerk gegen die Sinnlosigkeitsspirale seiner Depression.


    Und wo können Sie ein Vorbild sein, seine Hilfe anzunehmen? Können Sie es zulassen, dass er großzügig zu Ihnen ist?

    Ich kann mir vorstellen, dass es ihm dann auch leichter fällt, seiner Tochter zu glauben, dass Sie seine Schuld an ihrem Unfall verziehen hat. Trotzdem werden Sie es ihm wahrscheinlich immer wieder sagen ... Würde er sich unter dieser Bedingung auf mehr Hilfe einlassen? Würde er die Hilfe erstmal nur für seine Frau zulassen können, weil es immer wieder diese "Aushandlungen" gibt?

    Was können Sie Schönes zusammen plannen und erleben?


    Sie wissen, dass viele hier im Forum die Erfahrung gemacht haben, dass es manchmal notwendig ist, pathogene Strukturen zu verändern. Vielleicht können Sie folgendes Gedankenexperiment machen: Sie stellen sich den PlanB vor ... wie Ihre Mutter glücklich im Heim ist und Ihr Vater, Ihr Bruder und Sie eine gute Form gefunden hat, damit umzugehen ...

    Vielleicht kommen Ihnen danach Ideen, wie das gelingen könnte. Möglicherweise helfen diese Ideen sogar, dass es mit beiden zuhause besser klappt - ?


    Das Wichtigste ist, machen Sie weiter so, Sie haben schon ganz viel geschafft! Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Schwarzerkater, Ihr Plädoyer für die richtigen und notwendigen Grenzen möchte ich gern bestätigen. Bedenken Sie dabei, dass Sie das BestMÖGLICHE nur dann schaffen, wenn Sie auch sich selbst "pflegen" und fürsorglich sind?


    Hallo Gobis, über Ihre Aussage in dem Chaos "Wut, ich arbeitet dran" musste ich schmunzeln. So wie Sie schreiben, gibt es viele gute Gründe, sich zu ärgern und wenn dann einige der Sammelleidenschaftsobjekte durch die Gegend fliegen, weil der Ärger zur Wut wird, dann kann das gut und und es schadet das niemandem oder?

    Ihnen beiden viel Kraft und alles Gute in die Runde, Ihr Martin Hamborg

  • Ich kann mich Deinem Rat nur anschließen, Hanne.


    Ich habe auch Etiketten zum Einnähen gehabt, aber auch welche, die auf die Dusch- und Pflegeartikel, auf Scheren, auf alles, habe aufkleben können. Und, was soll ich sagen, die Dinger halten bombenfest. Hätte ich nicht gedacht.


    Ich weiß jetzt nicht, was Sonnenblümchen dir geraten hat, aber es wird wohl gut gewesen sein, denke ich mal so blind.


    Dem schließe ich mich dann an :)

  • Liebe Hanne,


    Sonnenblümchen hat das so gut ausgedrückt, da muss ich nicht mehr viel zu schreiben.

    Ich würde auch immer auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Eltern schauen und wie gut sie beiden Seiten tun.


    Ich kann vielleicht etwas zu den Inhalten an sich etwas sagen und wie ich damit umgegangen bin. :)


    Was der Vater gesagt hat, dass würde ich so interpretieren: Ich glaube, ihm fällt auf, dass er selbst immer weniger tun kann. Er empfindet sich selbst als Belastung. Er denkt wahrscheinlich in dem Zusammenhang an seinen Tod und er projiziert dies dann auf Dich, als nahestehenden Angehörigen.

    Ich selbst beschäftige mich ja mit so einigen jenseitigen Fragen.

    ich würde in dem Falle zu ihm sagen, dass es nicht um mich gehen würde, sondern darum, dass er in seinem Leben noch etwas Freude finden kann. Und ich würde ihm sagen, dass ich gerne bei ihm bin, in der Zeit in der ich ihn besuchen komme. Und ich würde ihm sagen, dass ich mit seiner eigenen Haltung einverstanden bin. Wenn er sein Leben als noch lebenswert ansieht, dann ist es auch genau richtig für alle Beteiligten und wenn er es nicht mehr kann, dann wirst du ihn auch dabei begleiten, so wie du kannst.


    Ich habe solches auch erlebt und ich habe dann ehrlich geantwortet. Man kann mit Demenzkranken ehrlich sein. Und vom Gefühl her wissen sie oftmals wie das gemeint ist. Ich wollte nie, dass meine Schwiegermama stirbt, ich wollte immer das sie wieder das Leben haben kann, welches sie einst selbst zu schätzen gewusst hat. Aber all das Leid, was sie körperlich und geistig hat tragen müssen, dass hat sie verändert. Und da habe ich ihr irgendwann einfach nur noch Erlösung gewünscht. Mit dieser Haltung habe ich auf solche Aussagen geantwortet und es kam von Herzen.

    Und meist hat sie das auch verstanden und entsprechend reagiert.


    Und was die Mama angeht. Solche Sachen habe ich auch erlebt. Solche Erscheinungen sind ja auch nichts Ungewöhnliches, einerseits. Wenn man einen Menschen zum Beispiel in einen vollkommen dunkeln und in einen vollkommen stillen Raum setzt, dann sieht er mit der Zeit auch Dinge, die er sonst nicht sehen würde oder hört Dinge, die er sonst nicht hören würde. Das ist eine spannende Sache. Bei Demenzkranken sind einige Bereiche sozusagen inaktiviert und auf der anderen Seite bilden sie eigene Lebensumstände. Solange die Mutter das nicht als bedrohlich ansieht, solange würde ich da mitgehen. Habe ich auch immer gemacht. Anstrengend fand ich das nur, wenn eine Bedrohung gesehen worden ist. Oftmals habe ich es aber geschafft, diese Kleinzureden und hier Sicherheit zu geben. Manchmal aber auch nicht. Und dann musste ich auch gehen, weil ich alles nur noch schlimmer gemacht hätte, vor allem dann, wenn ich selbst als Bedrohung wahrgenommen wurde.


    Ich würde hier auch nach eigenem Befinden entscheiden. Man muss die eigenen Grenzen immer wieder neu in sich selbst finden. Und wo eine eigene Grenze vorhanden ist, da sollte man nicht drüber hinausgehen. Manches kann sich mit der Zeit verschieben, manches aber auch nicht.


    Liebe Grüße an Dich und fühle dich gedrückt

  • Liebe Hanne,

    leider kann ich nichts Nützliches beitragen, möchte dir aber sagen, dass es mir so ähnlich wie dir geht. Ich fahr einmal pro Woche zu meiner Mutter und es ist immer schwierig. Und wie du so schön sagst, alles validieren und wertschätzen nützt nichts... Gern hätte ich die offenbar nützlichen Hinweise von Sonnenblümchen gelesen, aber leider kann ich die nicht mehr finden.

    Ich war heute wieder im Pflegeheim und hatte mal einen guten Tag erwischt. Wir konnten uns richtig gut unterhalten. Ich könnte zwar nicht wirklich sagen über was , es ging über das Haus in dem sie als Mädchen gewohnt hat, zu lange verstorbenen Leuten..., ist aber egal, ich glaube, meiner Mutter ging es damit ganz gut und mir auch. Nächstes Mal ist das vermutlich wieder anders, langsam lerne ich aber, damit umzugehen

    LG never20

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne, über Ihre Erfahrungen habe ich länger nachgedacht und möchte zu den einzelnen Aspekten etwas schreiben:


    1. Die Coronabesuchsregeln werden sich mit der vierten Welle bestimmt wieder einspielen und die Einrichtungen werden die Vorgaben des Landes umsezten müssen. Ich finde ein pragmatisches Vorgehen sinnvoll, denn müssen Mitarbeiter*innen Angehörige kontrollieren, wenn sie wissen und dokumentiert haben, wer geimpft ist? Die kümmernden Angehörigen sind ja nach der schweren gemeinsamen Zeit bekannt.


    2. Je mehr die Demenz zunimmt, desto eher wird ein langer Besuch zur Überforderung. Vielleicht ist es eine Möglichkeit, wenn Sie Ihre Eltern an einem Tag zweimal kürzer besuchen. Ich bin gespannt, ob der zweite Besuch dann anders ist. Diesen "Trick" empfehle ich übrigens auch Mitarbeiter*innen, wenn Angst oder Schmerzen hinter einer Abwehr der Versorgung stehen. Den zweiten Aspekt hat Ihr Vater auf den Punkt gebracht: Welche Erwartungen haben Sie selbst bei den Besuchen. Oft empfehle ich Angehörigen gemeinsam etwas Schönes zu tun, Musik zu hören, etwas vorlesen und nicht die Kraft in Anforderungen, tiefe Gespräch, Gedächtnistraining oder Ausfragen zu legen. Es kann zu sehr innigen gegenseitigen Erleben kommen, wenn Sie einfach nur zusammen sind.


    3. Bei Ihrem Vater suchen Sie nach Verständnis und Teuteberger hat schon das geschrieben, an das ich auch dachte. Wenn unklare oder provozierende Formulierungen zum Thema Tod und Sterben kommen, verstehe ich sie oft als "Nebelkerze" nach dem Motto: Ist meine Tochter bereit, mit mir über das Thema zu sprechen oder meine Gedanken dazu auszuhalten? Ich würde dann eher allgemein fragen, ob er häufiger an das Sterben denken würde.


    4. Bei Ihrer Mutter ist alles durch die Halluzinationen und mögliches diffuses Wahnerleben bestimmt. Psychotisches Erleben ist bei der Demenz häufig, aber aus meiner Erfahrungen gibt es oft auslösende oder verstärkende Faktoren, besonders oft bei einer Schilddrüsen oder Parkinsonmedikation.


    Ich suche dann nach der "Symbolsprache der Verwirrtheit" und versuche das "verrückte" aber als echt wahrgenommene innere Erleben zu verstehen, ohne es zu bestätigen. Ich lege die Worte sozusagen anders auf die "Goldwage", suche nach der geheimen Botschaft , den versteckten Bedürfnissen und weniger nach der Beziehungsaussage. Können Sie dem folgen und bekommen Sie eine Idee, wie Sie Ihrer Mutter begegnen können?


    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, wenn Sie Ihre Eltern jetzt neu kennenlernen, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo in die Runde

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, wenn Sie Ihre Eltern jetzt neu kennenlernen

    trifft voll zu und das noch bei jedem Besuch.


    Ich habe versucht meinen letzten Eindruck vom Besuch in meinem Kopf zu löschen, so viel es mir leichter mit den "verrückten" Veränderungen umzugehen.

    Ich hatte nur noch drei Dinge dabei, ein Farbfoto von mir und meiner Mutter, ein Namensschild zum Anstecken und Traubenzuckerdrops. Habe versucht immer die gleichen Sachen zu tragen, wie auf dem Foto. Die Drops habe ich auf den Tisch gelegt und selber einen gegessen.

    Meine Mutter brauchte nicht lange und war immer überrascht vom (gleichen) Geschmack. So sind wir ins Gespräch gekommen. Es kahm der Tag, da fragte Sie, wer auf dem Foto zu sehen ist? Wir stellten uns vor den Spiegel im Zimmer. Die ersten Monate war dann klar wer das war. Später war ich eben der Besuch, der auf dem Foto zu sehen war. Auch das Namensschild brachte dann keine Verbindung zu Stande aber sie redete mich mit dem Namen an, das half mir sehr.

    Eine Bekannte trug immer das selbe Parfüm, es war gräßlich, aber ihre Mutter erinnerte sich immer über den Geruch an Sie.

    Einfach ausprobieren und neugierig zu Besuch gehen, eben etwas Neues kennenlernen.

    Ich hatte auch großes Glück mit dem Pflegeheim, es war wie eine Wohngruppe mit großer Küche und Wohnzimmer (Gemeinschaftsraum). Nur max. 10 Bewohner pro Ebene. So, wie in einem großen Mehrfamilienhaus.

    Ich habe keinen Tag bereut, dass ich den Schritt gegangen bin.

    Meine Mutter hatte noch sehr schöne Jahre dort.

  • Hallo zusammen,

    Es freut mich, wenn noch einige andere gute Erfahrungen im Pflegeheim machen. Da kann ich mich zum Glück auch nicht beschweren. Es gibt zwar keine Rezeption grundsätzlich, doch nun seit corona sitzt jemand am Eingang und ohne Kontrolle des impfausweises oder negativtest kommt man nicht rein. Dafür müssen sie vermutlich ein paar junge Leute finanzieren, wenn nicht immer jemand abgezogen wird vom üblichen Personal...


    Ich selbst brauche nun auch wieder ein paar Tage Abstand um meinen letzten Besuch bei meiner Mutter zu verarbeiten. Ich hatte mich drauf gefreut, war kurz in Urlaub und froh über 2 Wochen Abstand. Im Gespräch war ich dann phasenweise entsetzt, welche Begriffe sie mehrmals verwendete, um andere Leute zu beschreiben, so abwertend " die hat sie nicht mehr alle", war noch harmlos. Schlimm finde ich die Zuschreibung auf Männer, wozu diese Frauen nur benutzen ( Wortwahl wiederhole ich hier nicht). Es macht mich sehr traurig, wird auchihre Lebenserfahrungen spiegeln, nun vllt unkontrollierter durch Demenz? Neulich sprach mich schon ihre jüngere Freundin dort auf dem Flur an "Also deine Mutter benutzt ja manchmal Wörter, da sind immer alle entsetzt"..

    Ich versuche es mit der Demenz zu erklären, aber es befremdet mich zunehmend und eigentlich mag ich meist gar nicht mehr hingehen. :/ Seit mehreren Jahren sagt meine Mutter ja schon, sie spüre, dass sie nicht mehr lange lebt und ist aber nun gesundheitlich stabiler als vor dem Heim. Wenn ich länger als ne halbe Stunde da bin, will sie auch wieder nachhause, damit sie im Heim nicht einsam sterben müsse. Dabei ist niemand in ihrem Haus und sie ist nicht davon abzubringen, dass meine Schwester nun dort wohne, die würde sie dann begleiten... bin gerade echt entnervt und unglücklich.

    Als ich beim letzten Besuch ankam, meinte meine Mutter, sie sei nun wieder völlig klar im Kopf, das habe sich sehr gebessert, dann hat sie mich mindestens 10mal gefragt, wie alt sie nun sei, ob ihr Bruder noch lebe (seit 16 Jahren verstorben) etc...

    Sch....Demenz..


    Liebe Grüße an alle und danke fürs Lesen

    Rose60

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Rose60,


    bei vielen Erkrankten ist eine weitestgehende Enthemmung Teil der Krankheit, eben auch im Lästern und öffentlichen und lautstarken Empören über andere. Sie haben vergessen, was sich gehört. Dazu kommt, dass auch das emotional gefärbte "Schimpfwort-Lexikon" im Kopf leider länger durchhält als das Wissen über die Bedeutung der normalen Wörter, bzw. der Zugang zu diesem sachlicheren oder neutraleren Wortschatz. Den Deckel über die Tabu-Wörter und schlimme Beleidigungen kriegen sie aber sinnbildlich gesprochen immer schlechter zu, da muss was raus, was sie sich an Frechheiten oder Unhöflichkeiten oder auch Gemeinheiten vielleicht ihr Leben lang verkneifen konnten - nur jetzt nicht mehr. Zudem macht ihnen das Verhalten von Menschen, die schon schlimmer betroffen sind als sie selbst, Angst, sie müssen sich davon abgrenzen, komme, was da wolle - schon aus der Angst heraus, selber später so zu werden... Will sagen, sie können ihre unfreundlichen Impulse nicht mehr steuern. Vielleicht macht es Ihnen das leichter, auch dieses Verhalten als Teil der Erkrankung zu sehen?


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

  • Hallo Rose,


    das kann alles so kommen. Und wenn man selbst ehrlich ist, das, was man denkt, ist nicht immer das, was man sagt, wenn man hier selbst noch Wunden hat.

    Ich sehe seelische Wunden erst dann als geheilt an, wenn man hier wirklich neutral sein kann und nicht, wenn da einfach nur ein Deckel draufliegt.


    In der Demenz kann solches extrem schwanken, so ist meine Erfahrung. ich habe hier die Erfahrung gemacht, dass manch einer sehr abfällig und sogar sexistisch geschimpft hat und ein anderes Mal ist es dann ganz anders gewesen. Es kann sich aber auch verändern von einer Stunde zur anderen.


    Liebe Rose, ich würde das, wenn du kannst, nicht so ernst nehmen. Ich habe schon so viele Wandlungen in der Demenz erlebt, so dass ich da guter Hoffnung bin - es kommt auch wieder eine andere Phase.


    Ich weiß aber auch, wie das einen belasten kann, weil man selbst doch will, dass der Besuch harmonisch und bereichernd wird, für beide Seiten, wenn möglich.


    Fühle Dich gedrückt, Rose

  • Liebe Frau Sachweh,

    vielen Dank für Ihre informative Antwort. Vermutet habe ich diese Art von Kontrollverlust schon, wenn es von der eigenen Mutter kommt, ist es dann doch etwas schockierend. Sie hat sich verändert, manches ist auch nur krasser geworden als zuvor. Vor 1 Jahr hat sie sich noch über das Verhalten anderer aufgeregt, das sie nun selbst zeigt. Ja, Angst vor dem, was noch kommen mag, könnte ich schon sehr gut nachvollziehen.


    Auch dir, Teuteburger, danke fürs Mitfühlen und Erklären.

    Ich brauche immer ein paar Tage, so wie - glaube ich - Hanne es auch schon berichtet hat.

    Liebe Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von Rose60 ()

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Frase, Ihre Erkenntnis möchte ich gern noch einmal herausstellen: Es kann sehr hilfreich sein, den "Eindruck des letzten Besuches im Kopf zu löschen". Je offener und unbelasteter wir uns auf den geliebten Menschen mit Demenz einstellen, um so besser. Auch wenn es so schwer fällt, diese Krankheit und ihre Folgen anzunehmen!

    Gerüche haben tatsächlich einen direkteren Zugang in das Gehirn und lösen lange noch bestimmte Emotionen aus. Aber so wie ich es lese, haben Sie gute Ideen, mit denen Sie immer wieder neu den Zugang bei allen Veränderungen suchen.

    Alles Gute Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sonnenblümchen, Danke für die Differenzierung, Sie haben Recht, in einem großen unpersönlichem Heim sind vielleicht keine so vertrauensvollen Beziehungen gewachsen, in denen sich Mitarbeiter*innen und Angehörige über die Impfnebenwirkungen ausgetauscht und in 1 1/2 Jahren Corona viel gemeinsam durchgemacht haben. An diesem Vertrauensprinzip möchte ich gern so lange es geht festhalten, bis mit der vierten Welle die neuen Einschränkungen auf uns zu kommen.


    Die Einrichtungen sind weitgehend autonom, ob sie nach einer gründlichen Risikoabwägung strengere Regeln umsetzen. Unter diesem Gedanken läge es nahe, bei der Leitung nachzufragen, ob der aktuelle Umgang Ausdruck von Vertrauen zu den Angehörigen ist oder eines nach dem Motto "Es wird schon gut gehen".

    In den ersten Einrichtungen starten schon die Drittimpfungen und damit noch mehr zu erwartender Schutz, da sollten die Freiheitsrechte vielleicht noch nicht gleich präventiv eingeschränkt werden.

    Oder, was meinen Sie?

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo, in die Runde,


    Wenn ich das so lese, dann bin ich froh, das ich in der letzten Zeit kein Krankenhaus von innen gesehen habe. Das hört sich an, als sei ein verbaler Bürgerkrieg ausgebrochen.


    Von merkwürdigem und nicht nachvollziehbarem Verhalten ist leider keiner mehr sicher. Es gibt viel Überlastung und Unsicherheit, auch von Seiten der Ärzte im Krankenhaus. Aber es gibt auch die Wutbürger, die sich weder mit den guten Seiten der Impfung auseinandergesetzt haben, noch mit den Argumenten, die durchaus dagegen sprechen könnten, je nach eigenem Krankheitsstatus und je nach eigenen Glaubenssätzen.

    Trotzdem kann man sich gegenseitig verstehen, Rücksicht nehmen. Jede Prahlerei und sich als was Besseres fühlen, weil man nicht geimpft ist, ist einfach nur unsozial, dumm.


    Liebe Grüße in die Runde

  • Hallo in die Runde,


    nach ein paar Wochen möchte ich heute auch mal wieder ein Update geben.


    Die abgebrochene Kurzzeitpflege ist jetzt knapp 3 Wochen her, und bei meinem Vater hat sich nochmals vieles ein gutes Stück nach vorne bewegt.


    Ich habe für mich ganz klar festgelegt das sich etwas ändern muss und ich keinesfalls in den ständigen Ausnahmezustand den ich vor der Kurzzeitpflege verspürte zurück gehen werde. Ich habe es geschafft mich innerlich weiter etwas abzugrenzen und mir wieder mehr Freiräume zu nehmen. Der erste war z.b. gleich das er seither (Nachmittags) mit dem Fahrdienst der Tagespflege heimfahren muss. Morgens bringe ich ihn hin (3km) das ist für mich einfacher weil ich morgens keine Hektik habe wenn wir mal 10 Minuten zu spät dran sind.


    Die ersten Tage nach der Kurzzeitpflege waren etwas schwierig. Er war mental nicht im besten Zustand und wir hatten war ein paar unschöne Diskussionen weil ich ihn öfter alleine in seiner Wohnung gelassen habe.

    Das ging dann z.b. nach dem Schema was ich denn so wichtiges unten (ich wohne 1 Stockwerk tiefer) zu tun hätte und was ich dort gegen ihn aushecken würde oder ob ich da sein Geld verprasse …


    Ich habe entsprechende Diskussionen einfach nicht mehr geführt oder entsprechend kontra gegeben. Ich merke es immer wieder mein Vater weiß im Bezug auf mich ganz genau welche „Knöpfe“ er drücken muss damit ich nach seiner Pfeife tanze. In diesem Punkt ist keine Demenz zu erkennen. Ich habe es tatsächlich bei mir geschafft die meisten dieser „Knöpfe“ still zu legen. Das alles hat sich mittlerweile gut eingespielt.


    Ich muss sagen der große GameChanger bei uns war Baldrian, er bekommt zwischen 21 – 21:30 Uhr eine Baldrian Tablette und ich bringe etwa 30 später ins Bett, damit schläft er dann durch bis morgens 6-7 Uhr (am Wochenende auch mal bis 8:30 Uhr). Vorher war er mehrfach nachts stundenweise auf und geisterte durch das Haus. Das ist jetzt alles komplett weg und auch mental macht sich der ausreichende und unterbrechungsfreie Schlaf ganz ganz deutlich bemerkbar.


    Vor ein paar Wochen wusste er nicht mehr wo die Küche ist, letzte Woche kam ich kurz nach sieben zum Frühstücken in seine Wohnung hoch und er war gewaschen, angezogen, Kaffee eingeschaltet (Ich decke abends den Tisch und bereite die Kaffeemaschine vor), Zeitung rein geholt, Toast getoastet. Da war ich wirklich baff.


    Die Tagesform schwankt natürlich, wir haben auch schlechte Tage. Die Tagespflege besucht er weiterhin 4x wöchentlich und mittlerweile höre ich nur noch selten Unwillen darüber. Das essen schmeckt ihm nicht so richtig und er isst nicht viel, fragt man in der Tagespflege nach isst er seinen Teller fast immer auf und holt auch manchmal Nachschlag… .


    Mittlerweile erzählt er mir sogar ab und zu etwas (manchmal fehlt mir der Kontext :-)) was sie in der Tagespflege gemacht haben, teil sogar ein paar Tage später.


    Spazierengehen ist dank Tilidin und trotz kaputter Hüfte wieder möglich (hier hatte seine Kondition im Heim recht schnell abgebaut) die 1km Grenze ist letzte Woche gefallen.


    Alles in allem bekomme ich das alles im Moment etwas besser hin als zuvor und ich bin zuversichtlich.


    Da gibt es aber natürlich auch Schattenseiten, von meiner engeren Familie wo ich eigentlich dachte zwischen uns passt kein Blatt Papier erfahre ich meiner Ansicht nach kein Übermaß an Unterstützung. Meine Schwester sieht meinen Vater i.d.R. 1x wöchtl. (an dem Tag arbeitet sie in meinem Betrieb und wird von mir bezahlt), an diesem Tag ist mein Vater auch, wie früher, mit im Betrieb und arbeitet Vormittags leicht mit. Gegen 15 Uhr hat sie Feierabend und ist dann bald weg. Während der Schulzeit verständlich hat ihr Jüngster (12) auch um 16 Uhr Schulschluss.


    Das war es dann auch in den meisten Wochen. Früher konnte ich meine diesbezügliche Frustration wohl schlechter verbergen was mir natürlich sofort vorgehalten wurde. Aber klar ich bin kinderlos und alleinstehend, muss also kein eigene Familie versorgen … Trotzdem ist es nicht schön zu hören was man am Wochenende alles unternommen hat und mit wem man sich getroffen hat gleichwohl wissend das man selbst entsprechende Optionen gar nicht hat. Ich glaube nicht das ihr dass bewusst ist und ich möchte keinen entsprechenden Streit provozieren. Trotzdem sitzt die Enttäuschung tief.



    Ich habe mich damit abgefunden das ich alleine da stehe. Zum Glück hat sich bei Papa viel verbessert das es viel einfacher geworden ist.


  • Hallo Sohn,


    ich habe mich schon gefragt, wie es jetzt weitergegangen ist.


    Alles in allem klingt das ganz gut, nachdem Du einiges verändern konntest. Die eigene Grenze wahrgenommen, das Baldrian gefunden. Ich staune immer wieder, wie gut manche Personen darauf ansprechen. Bei mir hat das vor Prüfungen und sonstigen stressigen Situationen null Wirkung gezeigt. Umso erfreulicher, wie das bei anderen wirken kann.

    Wenn jemand noch so regenerationsfähig ist, wie Dein Vater, dann ist eine Heimunterbringung oftmals noch zu früh.

    Ruhige Nächte halte ich aber trotzdem für extrem wichtig. Da kann man wieder Kraft tanken. Da das zur Zeit gegeben ist, - wie schön. Und wenn der Vater wieder so gut, für seine Verhältnisse, gehen kann, dann ist das sicher ein Gewinn.

    Ich hoffe, das die relativ gute Phase noch eine Weile anhält, was weniger Stress für beide Seiten bedeutet.


    Ja, die Familienangehörigen. Es ist oftmals so, dass diese selbst stark eingespannt sind. Und oftmals denkt derjenige, wenn jemand gefühlt weniger um die Ohren hat, dass dieser auch mehr Zeit zum Kümmern hat. Das stimmt nicht immer und an Wochenenden wäre eine Auszeit von ein paar Stunden mehr, schon schön.


    Ich wünsche Dir eine gute Zeit, Sohn

  • Das ist einfach nur schlimm.


    Meiner Meinung nach reicht die Impfung nicht immer aus, vor allem, wenn die Wirkung nach einigen Monaten bereits nachlässt. Moderna soll da etwas besser sein.

    Und von mir wieder der Apell nach dem Selen und Zinkspiegel zu schauen. Mein Arzt sagt, dass der bei vielen Personen zu niedrig ist, vor allem im Alter. B12 wäre auch wichtig, genauso wie Vitamin D für das Immunsystem, sowie Mangan an dem hunderte von Enzymen mit dranhängen. Bei manchen Frauen ist der Eisenspiegel auch zu niedrig.

    Die Werte müssen etwa zehn Prozent über dem Mittelwert liegen, sonst funktionieren die körpereigenen Prozesse nicht richtig, der Motor stottert sozusagen.

    Ich kann das bestätigen. So hat eine Bekannte von mir eine Milchintoleranz und andere Intoleranzen gehabt. Warum, das hat man nicht herausgefunden. Wegen der Intoleranzen hat sie auch öfters mal Durchfälle gehabt. Bis dann mal ein Arzt nach den Werten geschaut hat, das hat Jahre gedauert. Letztendlich hat das doch mal einer getan. Und siehe da, nach dem Auffüllen der Vitamine und Mineralstoffe, war die Milchintoleranz Geschichte und auch alles andere hat sich verbessert. Erkältungen seitdem nicht länger wie drei Tage, vorher zwei Wochen. Und das habe ich schon öfters mal nachlesen können. Natürlich sollte man auch hier wieder nicht den Fehler machen und alles darauf schieben. Das wäre genauso wieder zu kurz gedacht.

    Wenn man häufiger Durchfälle hat, wenn man viel psychischen Stress hat, wenn man sich aus irgendwelchen Gründen, wie bei Intoleranzen nur einseitig ernähren kann, dann ist wichtig hier mal nachzusehen.

    Und dann hat man auch mal gerne das Problem, dass Ärzte die Werte nicht richtig deuten können. Auch das ist keine Seltenheit, wenn man hier keine entsprechende Fortbildung belegt hat. Das habe ich mehrmals bei einem Hausarzt/Internisten erlebt. Ich habe katastrophale Eisen- und B-12-Werte gehabt. Laut ihm noch alles im grünen Bereich. Nichts wurde getan, obwohl ich Probleme gehabt habe. Leider habe ich damals selbst noch keine Ahnung gehabt, was für eine Rolle entsprechende Vitamine/Mineralstoffe im Organismus spielen. Auch ich habe nach Jahren erst erfahren, was da nicht gestimmt hat.

    Ein anderer Bekannter von mir ist sogar ins Krankenhaus gekommen. Vorher hat er eine Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich gehabt. Ergebnis - B12-Mangel kurz vor einer bösartigen Anämie.


    Und wenn ich das lese, was Sonnenblümchen geschrieben hat, dann sehe ich schon wieder die Panik in Krankenhäusern und Pflegeheimen aufkommen, leider einerseits zu Recht.


    Ich ärgere mich trotzdem über die Einseitigkeit mit der Krankheiten betrachtet werden.


    Mir tut das Ehepaar jedenfalls sehr leid.

    2 Mal editiert, zuletzt von Teuteburger ()

  • Das sehe ich genauso.


    Man kann weiterhin Abstand halten und sich an die Regeln halten. Für die normalen Menschen ist das in meinen Augen ein Pflichtprogramm.


    Allerdings weiß ich aus Erfahrung, dass das bei vielen Demenzkranken und dann auch noch bei Schwerhörigkeit nicht funktioniert.

    Ein solches Abstandsverhalten können weder die Pflegekräfte noch die Besucher einhalten, ohne das man dem Kranken extrem damit schadet auf Dauer. Ab und zu muss man die Maske runterziehen. Ich habe das, wenn es gar nicht anders ging, für einen kurzen Moment bei offenem Fenster und mit Abstand gemacht und erneut erklärt, warum man diese braucht. Meinen Mann hat sie erstmal gar nicht erkannt.

    Das gleiche beim pflegendem Personal. Vor und nach dem Impfen mussten die manchmal die Maske runterziehen für einen Moment, weil sonst nichts mehr gegangen ist, vor Hitze und Anstrengung.

    Und wie kommt sich jemand vor, der von Maskierten gewaschen wird, der das oftmals nicht versteht und wie kommt sich jemand vor, der diese vom Gehör her noch nicht einmal versteht und der Hörgeräte kategorisch verweigert.

    Oftmals reichen hier kleinste Gesten zur Beruhigung aus. Die Pflegekräfte haben es oftmals nicht hinbekommen permanent acht Stunden oder eher länger, die Masken zu tragen. Wenn Pausen rar sind, dann hat man diese schon mal im Bad vom Gesicht gezerrt, wenn man nicht gerade beim Patienten gewesen ist.

    Als dann endlich die Tests Einzug gehalten haben und auch endlich die Impfungen, da war man dann auch meist mit Maske unterwegs, aber im Schwesternzimmer dann nicht mehr.


    Es ist alles noch sehr schwierig, denke ich. Aber Ottonormalverbraucher hat sich ganz einfach an die Regeln zu halten.

    Und wie gesagt, ein Lockdown hat bei uns kaum etwas gebracht, aber die Ausgangssperre enorm viel. Wenn diejenigen, denen eh alles egal ist, endlich mal alle infiziert gewesen sind, dann wird es wohl mit der Pandemie besser werden. Leider kann man hier auf null Vernunft hoffen, weder mit Lockdown, noch ohne. Und leider gefährden diejenigen die anderen mit.


    Bei uns steigen die Zahlen stark, auch bei Schulkindern, aber wohl auch bei Erwachsenen mittleren Alters.


    Liebe Grüße in die Runde

    Einmal editiert, zuletzt von Teuteburger ()

  • Hallo Hanne63,

    bei manchen Ärzten und Arzthelferinnen fragt man sich wirklich, was die im Gesundheitswesen zu tun haben?!?

    Sonnenblümchen hat da vollkommen Recht, es ändert sich nur was, wenn man was sagt. Und alles gefallen lassen muss man sich auch nicht.

    Wieso aber wollen Sie bis Ende vom Quartal mit dem Wechsel warten. Meiner Meinung nach ist in Ihrem Fall das Vertrauensverhältnis derart gestört, dass auch ein Wechsel innerhalb eines Quartals möglich sein sollte. Falls noch nicht geschehen, würde ich das an Ihrer Stelle mal mit der Krankenkasse absprechen.

    Gute Besserung und viel Glück mit dem neuen Hausarzt

    Hühnchen

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