Wie geht es Euch? Thread IV

    • Offizieller Beitrag

    Hallo TanjaS, Respekt, wie Sie trotz allem so souverän mit der erneuten Verschlecherung umgehen!


    Es dauert lange, bis die Demenz die negativen Phasen verkürzt und wir ganz entspannt mit der "Effektlabilität" umgehen lernen, weil wir wissen, dass die negativen Gefühle mit all den Vorwürfen und Beschuldigungen schnell verpuffen.

    Sie könnten zwischendurch immer mal eine wissenschaftliche Auswertung der Anrufe machen: Verkürzen sich die negativen Zeiten? Gibt es Veränderungen im Verhaltensmuster? Gibt es Phasen, in den sich die wahnhaften Gedanken länger halten?


    Ich möchte Sie sehr darin stärken, entspannt auf die Vorwürfe zu reagieren. Es kommt mir so vor, als wenn Ihre Mutter sie braucht, um ihren inneren Druck loszuwerden. Damit wird das Telefonat zu einem Ventil und hat damit schon eine gute Wirkung. Sie müssen dann eigentlich gar nichts tun!


    Natürlich tut es weh, wenn wir Mülleimer oder Projektionsfläche für unsere Eltern werden Aber diese Muster lösen sich auf, wenn wir sie nicht verstärken und darauf anspringen. Wir dürfen das Alles mit dem besten Gewissen ignorieren, wenn wir das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen und selbst anrufen. Gibt es wieder Vorwürfe, wissen Sie ja, dass es überhaupt nichts mir Ihnen zu tun hat und dass Ihre Mutter ursächlich etwas dagegen machen kann. Noch hat sie sich dagegen entschieden.


    Vielleicht finden Sie ein ähnliches Aha-Erlebnis wie Rose60. Die Erkenntnis der Mutter "Ich habe ja nur noch Dich" (für alle guten und schlechten inneren Prozesse, die ich mit Dir teile...) kann helfen, die innere Grenze zu stärken. Hier hilft tatsächlich das Krankheitsbild gegen das schlechte Gewissen: Ihr Mutter vergisst es schnell wieder, wenn Sie klarer, härter oder verärgerter reagierten, als Sie es eigentlich wollten.


    Wie bei Rose60 kann das aber auch ein echter Durchbruch sein - oft sogar mit langfristiger Wirkung. Trotz aller Demenz ist ein Lernen möglich - auf zwei Ebenen:


    Manchmal kommt tatsächlich etwas trotz der kognitiven Einschränkung tief im Inneren an. Ich kann mir vorstellen, dass unser wichtigstes Lernprinzip, das Lernen durch Aha-Erlebnisse auch manchmal noch bei einer Demenz wirkt - das wäre eine These, die die Neurowissenschaftler prüfen könnten. Durch die Demenz ist Hippocampus geschädigt, der u.a. für die Neustrukturierung infolge positiver Erfahrungen zuständig ist.

    Aha-Erlebnisse folgen einem anderen Prinzip. In diesem Zusammenhang kann die alte Psychiatrie-Weisheit unterstützen: Wahn bindet Angst! Die wahnhaften Vorwürfe Ihrer Mutter haben eine Schutzwirkung, d.h. Ihre Mutter hilft sich selbst - leider auf Kosten der Menschen, die es gut mit Ihr meinen.


    Der zweite eindeutig wirksame Faktor für eine langfristige Veränderung liegt in unserem Verhalten, wie der bekannte Spruch schon sagt: Ist der Ruf erst ruiniert, ...

    So wie ein Therapeut darf auch eine Tochter mal ganz Mensch sein. Anscheinend ungenierte Fehler oder Unverschämtheiten können Beziehungen positiv ändern, wenn sie uns auf das zurückführen, was wir wirklich wollen.

    Zumeist geht die Welt nicht unter, wenn wir Unaussprechliches aussprechen und bei einer Demenz ist das Risiko noch geringer.


    Manchmal habe ich den Eindruck, das bösartig erlebte Verhalten eines Elternteils hat den Sinn, die Kinder so lange herauszufordern, bis sie die "filale Reife" übernehmen und damit ganz aus der Rolle des Kindes herausgehen. Sie üben die Rolle des fürsorglichen souveränen Angehörigen, der oder die genau das übernimmt oder kompensiert, was dem Menschen mit Demenz an Selbstkontrolle verloren gegangen ist. Damit wird das deutlich, was wir eigentlich schon lange wissen: Wenn ich mich ändere, ändert sich meisten auch der oder die Andere. Je stärker die Demenz, desto wichtiger wird dieses Prinzip.


    Oft habe ich den Eindruck, dass diese Verhaltensmuster durch einem fast kindlichen Trotz verstärkt werden. Manchmal helfen dann fast paradoxe Botschaften. Bei Ihren Diskussionen um das betreute Wohnen wäre das z.B. die Aussage: "Als Du mir neulich sagtest, dass Du Dir das Betreute Wohnen vorstellen kannst, weil es Deinen Bekannten so gut tut ... habe ich mich riesig gefreut. Aber das wird bestimmt nichts, dafür bis Du zu stolz. Du brauchst keine Hilfe, und wenn es nicht klappt liegt es nicht an Dir. Ich bewundere Dich für Deine Autonomie. Du hältst sie durch, obwohl es alles immer schwieriger wird"

    Wie würde Ihre Mutter darauf reagieren?


    Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel psychologisiert, deshalb abschließend noch ein kleiner Tipp: Sie könnten für die Anrufe Ihrer Mutter ein Extrahandy nehmen mit einer passenden Ansage - denn eine Erklärung für die Anrufe ist auch, dass Ihr Mutter etwas loswerden will oder einfach nur Ihre Stimme hören möchte, um sich (trotz oder gerade durch die wahnhaften Entwicklung) mit Ihnen vertraut und verbunden fühlen möchte. Vielleicht sind Ihr Handys ja schon so lernfähig, dass eine individualisierte Mailbox angeht?

    Ihnen eine gute Woche, Ihr Martin Hamborg

  • Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel psychologisiert, deshalb abschließend noch ein kleiner Tipp: Sie könnten für die Anrufe Ihrer Mutter ein Extrahandy nehmen mit einer passenden Ansage - denn eine Erklärung für die Anrufe ist auch, dass Ihr Mutter etwas loswerden will oder einfach nur Ihre Stimme hören möchte, um sich (trotz oder gerade durch die wahnhaften Entwicklung) mit Ihnen vertraut und verbunden fühlen möchte. Vielleicht sind Ihr Handys ja schon so lernfähig, dass eine individualisierte Mailbox angeht?

    TanjaS, ich habe leider auch keine perfekte Antwort zum Thema Telefonterror. So schlimm wie bei Dir mit Dutzenden Anrufen in Friedenszeiten hatte ich es noch nie (klopf auf Holz!). Aber letzte Woche drehte mein Vater abends durch, weil meine Mutter ihn 2 Stunden alleingelassen hat. Das ging bis zu dem Tag immer noch recht gut mit Zettelschreiben, aber an dem Abend ist er völlig in Panik gewesen und hat mich alle 3-5 Minuten angerufen. NICHTS mehr gewusst, dass er Minuten vorher mit mir telefoniert hatte und ich ihn beruhigt hatte. Nach 14 Anrufen, die ich persönlich annahm, musste ich in eine Videokonferenz. Ich habe dann kurzerhand meine Handy-Mailbox neu besprochen, "Hallo lieber (Vater), du musst Dir keine Sorgen machen. Ich komme heute nicht mehr vorbei. Ich bin hier in meiner Wohnung bei der Arbeit. (Mutter) ist beim Stammtisch und kommt so gegen 9 Uhr wieder. Sie wird also bald wieder da sein. Mach Dir keine Sorgen und schau doch mal ins Fernsehen, da laufen doch jetzt die Nachrichten." Er hat dann noch X Mal angerufen, aber keine Nachrichten hinterlassen. Als meine Mutter heimkam, war er froh und hatte keinerlei Erinnerung and die durchgemachte Panik. Ich denke also, dass die Empfehlung von Herrn Hamborg sehr gut ist; vielleicht kannst Du eine eigene Mailbox für Deine Mutter einrichten, mit einer beruhigenden Nachricht.

  • Hallo Herr Hamborg -


    die Entwicklung bzw. Verschlechterung ist gerade schwierig für mich. Ich bin seit Freitag bei ihr, bin direkt nach einem Planungstreffen mit Kollegen zu ihr gefahren. Bei dem Treffen ging es nicht ohne eingeschalteten Flugmodus, zwei meiner Kollegen habe ein Telefonat bzw. auch die Anrufversuche / Voicemail Nachrichten mitbekommen, die sie hinterlassen hat und waren etwas erschüttert. Seitdem ich jetzt da bin, bin ich nur der Blitzableiter für ihre schlechte Laune. Manchmal bin ich da auch nicht souverän. Aber wie Sie schon schreiben: Sie vergisst es dann auch wieder. Ich habe gestern etwas "Unaussprechliches" ausgesprochen: Ich habe ihr gesagt, dass sie zumindest auf einem Ohr schlecht hört. Ich muss viele Dinge wiederholt und immer lauter sagen - daher sicherlich auch ihr "Du schreist mich an". Ich finde ein Hörgerät nicht schlimm, ich trage seit Jahrzehnten Kontaktlinsen & Brille. Aber meine Mutter ist einfach zu eitel dafür (auch wenn man Hörgeräte heute nicht einmal mehr sieht).

    Das Thema betreutes Wohnen ist sicherlich keins, dass sie verfolgen möchte. Ich habe mal ähnlich wie Sie es schreiben formuliert, da kam dann nur ein "da hast Du recht, da will ich nicht wohnen. Ich bin ja noch nicht gebrechlich." Und physisch ist sie das ja auch nicht.

    Und nein: Sie haben nicht zu viel psychologisiert. Logische Erklärungen helfen zumindest mir weiter, um Dinge zu verstehen.

    Mal sehen, wie es weitergeht. Ich fahre morgen wieder nach Hause und wollte eigentlich am 13.5. wieder zu ihr fahren. Aber vielleicht fahre ich erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder. Diese persönlichen Angriffe "schlauchen" mehr als Anschreien am Telefon, einfach, weil keine Barriere dazwischen ist.

    Viele Grüße & eine schöne Woche,

    TanjaS

  • Liebe OiOcha -


    eine personalisierte Voicemail Ansage könnte eine Idee sein - auch Dank an martinhamborg dafür. Ich schaue mal, ob mein Handy das hergibt.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass es sich nicht so entwickelt wie bei meiner Mutter. Ich höre ihre Nachrichten nicht mehr ab, sondern lösche direkt. Das ist für mein Seelenheil tatsächlich besser.

    Bei meiner Mutter ist es tatsächlich so, dass sie auch nach 2 Minuten nicht mehr weiß, was sie gesagt hat - auch nicht, wenn wir persönlich sprechen. Gestern und heute hat sie mir Sachen an den Kopf geworfen (anders kann man es nicht nennen), an die sie sich ein paar Minuten nicht erinnert hat. Ein Gespräch dazu war absolut nicht möglich. Im Gegenteil: Sie hat mir gesagt, ich rede Unsinn und sollte mal zum Arzt gehen.

    ich werde dann ab Mittwoch, wenn ich wieder zuhause bin, sehen, ob das Thema Telefon weitergeht oder ob etwas Ruhe einkehrt.

    Liebe Grüße & gutes Durchhaltvermögen!
    TanjaS

    • Offizieller Beitrag

    Hallo TanjaS, was halten Sie von der Frage: was braucht meine Mutter wenn sie alles nach zwei Minuten vergisst?

    Gelassenheit und Geduld aller Beteiligten ist bestimmt richtig, da haben Sie schon viel erreicht!

    Welche Rolle spielt die Sicherheit, wo ist meine Tochter oder der Wunsch, einen Blitzableiter für die Sorgen, Vorwürfen und schlechten Stimmungen zu finden?


    Was müsste Ihre Mutter dann hören, damit sie für die nächsten 2 Minuten ruhiger wird?


    Ein wichtiges Prinzip sollten Sie dabei beachten: Oiocha hat ja schon eine super Vorlage gegeben - mit einem kleinen Fehler: Wir sollten nicht sagen "mach Dir keine Sorgen". Kleine Kinder und Menschen mit Demenz reagieren zunächst auf das Wort "Sorgen" und haben die Verneinung noch nicht gelernt bzw. wieder verlernt. Die wichtige Botschaft ist ja: Es ist alles in Ordnung - ich höre Dich und nehme es auf - ich bin für Dich da - hab bitte noch etwas Geduld, bis wir uns sehen usw.


    Es freut mich sehr, dass das Unaussprechliche nicht gefährlich war. Wenn Sie gerade sowieso nichts verändern können, ist es besser, wenn Sie Verständnis für die optimistische Selbstsicht Ihrer Mutter haben. "Ich würde aber immer anhängen, ... wenn es schlechter wird, versprichst Du mir, dass ...?

    Auch wenn sie nein sagt, können Sie das letzte Wort "Du weißt, dass ich mir das von Dir wünsche..."

    Weiter so und viel Kraft für den nächsten "Rückfall" Ihrer Mutter!
    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg -

    Momentan kann man nichts verändern. Seit Beginn der Woche ist ihr einziges Thema (neben den mobbenden Nachbarn) der Friseurbesuch. Sie sagt allerdings nicht, dass sie sich darauf freut, sondern ich muss ihr mindestens 30 Minuten lang sagen, wann der Termin ist, zu welcher Uhrzeit er ist, welcher Tag ist, an welchem Tag sie hin muss und wie lange das noch dauert - und das bei jedem Telefonat. Ich gebe zu, wenn das täglich 4x passiert über mindestens 2 Wochen. Und ich gebe zu, das geht mir etwas an die Nerven, weil es nicht anderes mehr gibt. Das Thema ist wirklich obsessiv bei ihr.

    Ich habe mir lange Gedanken gemacht, was ich sagen müsste, damit sie ruhiger wird, ich habe auch verschiedene Sätze ausprobiert wie "wie kann ich Dir helfen, auch wenn ich nicht da bin?" oder "ich kümmere darum und erledige das für Dich". Aber da bringt sie gerade noch mehr auf die Palme.

    Ihre Bekannten, die sie immer mit zur Kirche nehmen, haben auch schon gesagt, dass sie abbaut. Aber zum Arzt will sie nicht, das Thema ist ein rotes Tuch. Einem Bekannten hat sie gesagt, dass sie nicht mehr zur Kirche geht, wenn er das Thema noch einmal anschneidet. Generell ist sie in einer Phase, in der sie immer recht haben will. Wenn man ihr nicht sofort recht gibt oder etwas erklären möchte, fängt sie an zu schreien und hängt auf. Sie fühlt sich permanent angegriffen. Auch das verschlimmert sich, es passiert mittlerweile alle 2 Tage oder öfter. Das ist auch der Grund, warum ich mich entschieden hatte, nicht nach 10 Tagen wieder zu ihr zu fahren, sondern jetzt erst wieder zu Himmelfahrt und dann zu Pfingsten. Ich kann damit leichter umgehen, am Telefon beschimpft zu werden, als wenn ich persönlich bei ihr bin.

    Jetzt ist aber erst einmal Wochenende und ich habe fest vor, etwas für mich zu tun.

    Liebe Grüße & ein schönes Wochenende für alle.

    TanjaS

  • Liebe TanjaS, ich kann eigentlich nicht viel mehr tun, als dir mein Mitgefühl aussprechen. Beim Lesen deiner Beiträge allein wird deutlich, wie viel liebevolles Bemühen von deiner Seite zu deiner Mutter fließt und welches Leid aufgrund ihrer Krankheit zu dir zurück fließt.

    Ich habe vieles davon auch erlebt. Es begann vor ca. 10 Jahren ..., leider wusste ich nicht, dass sich eine Demenz anbahnte. Die ganze Wut, der Ärger und die Ungerechtigkeit meiner Mutter entlud sich auf mir. Und der Satz "Du musst mal zum Arzt gehen ..." hätte auch von meiner Mutter kommen können. Meine Tochter und mein Mann waren oft fassungslos darüber, wie meine Mutter mit mir umging. Dabei haben wir sie buchstäblich auf Händen getragen. Schlimm ist eben auch, wenn die Demenz die Person nicht klar sichtbar verändert, sondern ihre (negativen) Merkmale nur vergröbert und verstärkt. (Wir haben ja alle mehr oder weniger Plus- oder Minus-Eigenschaften). Dann wertet man das alles nicht auf Krankheitsebene, sondern fühlt sich persönlich angegriffen.

    Letztlich hat meine Mutter eben auch alles an Pflege und auch die netten Pflegekräfte wütend angelehnt. So blieb nichts anderes als das Pflegeheim. Dort erlebe ich jetzt meine Mutter recht gelassen und regelrecht schaumgebremst (abgesehen davon, dass sie auch immer mal "nach Hause" will). Aber die Pflegekräfte kommen anscheinend mit ihr klar und ich denke, sie schonen mich, indem sie mich nicht über alles informieren (sie kennen ja mein schlechtes Gewissen).

    Was ich dir sagen möchte: Es kann nach einer gewissen Zeit eine Besserung eintreten und die Aggressivität kann sich abmildern. Rückblickend würde ich meinen, dass wir die Jahre vielleicht gerade deshalb so gut überstanden haben, weil wir meine Mutter einfach als hochempfindliche Person mit recht kurzer Zündschnur (und nicht als demenzkrank) betrachtet und behandelt haben. Aber leicht war es nicht.

    Die Beschuldigung der Nachbarn haben wir auch erlebt. Ich bin da immer mit Erstaunen darauf eingegangen ("Was es nicht alles gibt ... ",, "Das ist ja ein starkes Stück ...", "da muss man ja mal was sagen ..."), weil ich es WIRKLICH damals erstaunlich fand. Am Ende hat das geholfen, denn meiner Mutter brauchte jemanden, der mit ihr schimpft. Das hat gereicht.

    Aber man muss sehr stark sein und viel, viel aushalten ...sowie seine Grenzen erkennen und dann eventuell andere Möglichkeiten in Betracht ziehen, mit denen man halbwegs leben kann (also die kranke Person und man selbst).

    Zum Schluss ein Buchtipp. Ich bin auf ein Buch von 2000 gestoßen ("Abschied vom Ich -Stationen der Alzheimer Krankkeit"). Ich lese es gerade und finde in den Fallbeispielen und Erläuterungen so viele Antworten auf meine Fragen, wie selten vorher.

    Es ist sicher gut, TanjaS, nicht so oft zu deiner Mutter zu fahren ... ihr wird das wirklich konkret gar nicht auffallen.

    Ich habe mir immer gewünscht, weiter weg zu wohnen, doch wir wohnten Haus an Haus ...


    Ich wünsche dir viel Kraft und bald einen Lichtblick und eine gute Idee, wie es weitergehen kann.

  • Hallo Tanja ,

    Ich finde toll, wie geduldig du mit deiner Mutter bist, wo du soviel einstecken musst... Mir wird jetzt erst klar, dass meine Mutter mich wohl schon vor einigen Jahren Dinge von eigentlich Freundinnen berichtet hat, die sich in ihre Telefonleitung eingehackt hätten und ihre teuren Telefonrechnungen verursacht haben, wo sie nicht von abzubringen war und.ä. eine Freundin ist deswegen sogar schwer depressiv geworden, das tut mir sooo leid. Meine Mutter war zuvor für viele Ansprechpartner bei kleinen und großen Problemen, dann diese WesensVeränderung, die ja anfangs nicht greifbar wird. Schlimm!

    Die Wendung kam erst durch Heimaufenthalt nach mehreren Stürzen und dort Gabe von leichten Antidepressiva über den wöchentlich im Heim aufsuchenden Neurologen, meine Mutter merkt nun nicht mehr, was sie alles nimmt, sagt auch öfter, sie bekomme dort nun keine Tabletten mehr- was natürlich nicht stimmt.

    Aber sie ist nun auch mit dem stark nachlassenden Gedächtnis, dem regelmäßig getakteten Leben und Essen im Heim deutlich ausgeglichener. Momentan sagt sie wieder fast jedesmal, sie könne ja nun wieder alles allein und damit wieder nachhause. Manchmal wechsle ich einfach das Thema oder wenn es gar nicht davon weggeht, sage ich, wir fragen mal den Arzt o.ä. Anfangs kam ich mir richtig schlecht vor, so unehrlich, doch mit dagegen reden kommt sie nicht vom Thema weg.

    Und wenn sie mir aus dem Heim etwas erzählt, was definitiv nicht sein kann (Pfleger machen sich ein "schönes Wochenende " auf Kosten der Krankenkassenkarte meiner Mutter..), dann sage ich eher "also das geht aber nicht, da beschwere ich mich bei den Pflegern"o.ä. - dann beruhigt sie sich und fühlt sich ernst genommen.

    Mit diesen Tricks kommen wir nun gut klar. Mal schauen, wie lange das alles noch geht..


    Liebe Grüße und allen Lesern ein schönes Wochenende;)

  • Seit Beginn der Woche ist ihr einziges Thema (neben den mobbenden Nachbarn) der Friseurbesuch. Sie sagt allerdings nicht, dass sie sich darauf freut, sondern ich muss ihr mindestens 30 Minuten lang sagen, wann der Termin ist, zu welcher Uhrzeit er ist, welcher Tag ist, an welchem Tag sie hin muss und wie lange das noch dauert - und das bei jedem Telefonat. Ich gebe zu, wenn das täglich 4x passiert über mindestens 2 Wochen. Und ich gebe zu, das geht mir etwas an die Nerven, weil es nicht anderes mehr gibt. Das Thema ist wirklich obsessiv bei ihr.


    Generell ist sie in einer Phase, in der sie immer recht haben will. Wenn man ihr nicht sofort recht gibt oder etwas erklären möchte, fängt sie an zu schreien und hängt auf. Sie fühlt sich permanent angegriffen.

    Hallo TanjaS -- wir haben bei meinem Vater das gleiche Problem. Termine werden zum alles bestimmenden Thema. Leider hat er keinerlei Erinnerung, und fragt das Gleiche immer wieder, alle Paar Minuten. Oft ist es auch so, dass er bei irgendwas zustimmt (z.B. Zahnarztbesuch), dann ständig fragt, wann der Termin ist, und dann plötzlich nicht mehr will. Oder er will Stunden vorher schon los und ist fürchterlich ungeduldig. Wir machen es daher jetzt so, wir sagen ihm nichts mehr vorher, wenn jemand vorbeikommt oder er wohin muss. Er wird einfach ins Auto geladen und hingebracht. Mit dem ständigen Fragen, Widerspruch, und/oder Drängeln ist das sonst nicht auszuhalten. Natürlich für Dich schwieriger, weil Du nicht vor Ort bist, und es doch irgendwie vorher organisieren musst.


    Auch mit dem Thema Recht haben und angegriffen fühlen haben wir große Probleme. Er erzählt ständig irgendwelche Sachen, die nicht stimmen (falsches Wetter, politisiert Blödsinn, der Nachbar war bei der Stasi). Ich kann es recht gut handhaben und widerspreche einfach nicht und lenke ihn auf ein anderes Thema ab, aber meine Mutter kann das offenbar nicht, und gerät ständig mit ihm in Streit. Sie hat mittlerweile einen Angehörigen-Kurs absolviert, und ich hatte gehofft, dass sie es lernt, wenigstens bei Diskussionen beizugeben und ihn Recht haben lässt, aber offenbar kriegt sie das nicht in den Kopf. Schlimmer ist's wenn irgendwelche Sachthemen zur Obsession werden -- der Rasenmäher muss repariert werden, Dutzende Anrufe, große Panik, gaaaaaanz wichtig und muss sofort gemacht werden. Das ist manchmal einige Stunden oder einen Tag lang schlimm, und dann (zum Glück, klopf auf Holz, am nächsten Tag meist vergessen).


    Euch allen einen schönen Sonntag!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo TanjaS, als ich die Beiträge von Ihnen, Rose60 und Schwarzerkater las, kam mir die Frage, ob die Obzession oder Fixierung auf ein Thema häufiger bei einem Umzug in ein Heim oder ein betreutes Wohnen besser wird oder ob sich nur die Themen ändern.


    Je stärker die Geborgenheit und je besser die Ablenkung durch Angebote, um so eher hört das Kreisen der Gedanken auf - manchmal bleiben nur eine stereotype Sätze wie bei einem Sprung in der Schallplatte ohne sichtbare Emotionen übrig. Uns bleibt wohl nichts anderes, als damit zu leben, dass sich die Aufmerksamkeit an bestimmten Themen in der Dauerschleife verhakt.

    Die richtige Antwort - 1000mal wiederholt - ist dabei die eine Herausforderung. Viel schwerer ist die Einsicht, dass es nicht besser wird und wir eigentlich nichts daran machen können, - außer vielleicht unsere Haltung zu korrigieren und zu trauern.


    Der so einfach gesagte Satz - den anderen so nehmen wie er oder sie ist - bekommt damit eine neue Dimension. Bei Kindern, Freunden oder Partnern ist es schon schwer genug, weil sie lernen können. Ihre Mutter kann dies nicht mehr, es sei denn, es gibt ein Wunder.

    Viele dieser Wunder habe ich miterleben dürfen, eine Randbedingung war häufig, dass sich die Pflegenden geändert haben und keine Energie, auch kein Frust mehr in das Verhaltensmuster gesteckt haben. Das ist keine Garantie und wir haben uns hier im Forum immer wieder Mut gemacht, auf dem langen Weg.

    Ihre Mutter macht es Ihnen besonders schwer, denn die Einnahme der richtigen Medikamente könnte den Teufelskreis entschleunigen. Aber Ihre Mutter hat den anderen Weg gewählt - immer wieder über Los, immer mehr Leidensdruck, Wut, Stolz und bröckelnde Fassade.

    In dieser schweren Phase übernehmen Sie und Ihr helfendes Netzwerk eine ganz wichtige Aufgabe. Ich kann da nur sagen: Ein Glück, dass Ihre Mutter Sie hat!! Sie leisten einen starken Beitrag, dass sich das System so lange stabilisieren konnte!


    Vielleicht gibt es ein bisschen Hoffnung, dass irgendwann der Punkt kommt, wo Ihre Mutter den Weg in das Betreute Wohnen oder in ein Heim zulassen wird, weil es plötzlich nicht mehr geht.


    Ihnen wünsche ich viel Kraft in Geduld und Gelassenheit und die Gewissheit, dass Ihnen Ihre Mutter irgendwann einmal sehr dankbar sein wird - auch wenn sie es dann vielleicht nicht mehr richtig zeigen kann.

    Ihr Martin Hamborg

  • Auch mit dem Thema Recht haben und angegriffen fühlen haben wir große Probleme. Er erzählt ständig irgendwelche Sachen, die nicht stimmen (falsches Wetter, politisiert Blödsinn, der Nachbar war bei der Stasi). Ich kann es recht gut handhaben und widerspreche einfach nicht und lenke ihn auf ein anderes Thema ab, aber meine Mutter kann das offenbar nicht, und gerät ständig mit ihm in Streit. Sie hat mittlerweile einen Angehörigen-Kurs absolviert, und ich hatte gehofft, dass sie es lernt, wenigstens bei Diskussionen beizugeben und ihn Recht haben lässt, aber offenbar kriegt sie das nicht in den Kopf. Schlimmer ist's wenn irgendwelche Sachthemen zur Obsession werden -- der Rasenmäher muss repariert werden, Dutzende Anrufe, große Panik, gaaaaaanz wichtig und muss sofort gemacht werden. Das ist manchmal einige Stunden oder einen Tag lang schlimm, und dann (zum Glück, klopf auf Holz, am nächsten Tag meist vergessen).

    Liebe OiOcha -

    genauso ist es bei meiner Mutter. Ich versuche auch, meine Mutter auf andere Themen zu schieben, manchmal klappt das auch, manchmal nicht. Friseur ist so ein Evergreen-Thema bei ihr, wahrscheinlich, weil ihr ihre Haare / Frisur / Aussehen wichtig sind. Ich empfinde die räumliche Distanz gerade als gut für mich, ich höre zwar mittlerweile bei fast jedem Telefonat, dass sie alleine ist und keiner mit ihr redet usw. Aber wenn ich mal sage, dass eine Bekannte Sport macht und dort Leute trifft, werde ich eher abgekanzelt. Wenigstens habe ich es versucht.

    Ich wünsche allen gute Nerven und Geduld!!

    Liebe Grüße

    TanjaS

  • Mir wird jetzt erst klar, dass meine Mutter mich wohl schon vor einigen Jahren Dinge von eigentlich Freundinnen berichtet hat, die sich in ihre Telefonleitung eingehackt hätten und ihre teuren Telefonrechnungen verursacht haben, wo sie nicht von abzubringen war und.ä. eine Freundin ist deswegen sogar schwer depressiv geworden, das tut mir sooo leid.

    Liebe Rose60 -


    dieser Aspekt wird bei meiner Mutter kontinuierlich schlimmer. "Die" verstecken Dinge, weil sie sie ärgern wollen. Und ich halte natürlich immer zu "denen". Aber zumindest ist keine Bekannte durch solche Anschuldigungen depressiv geworden - es tut mir so leid, das zu lesen. Meine Mutter beschuldigt niemanden direkt, sie sagt es nur mir. Das beruhigt mich ein wenig. Häufig sage ich mittlerweile auch, wie schlimm ich es finde, dass "die" schlecht über sie reden und ich verstehe, dass wie weh das tun muss. Das beruhigt sie zumindest kurzzeitig. Momentan geht es mir darum, dass sie sich nicht schlimm aufregt und es ihr möglichst gut geht bzw. sie weniger gestresst ist. Ich hoffe, Deine Mutter wird auch wieder etwas ruhiger und wünsche Dir gute Nerven und Gelassenheit. Ich belohne mich jetzt öfter mal selbst nach einem schlimmen Tag oder am Wochenende - das kann ein Eis sein oder ein leckeres Essen oder ein gutes Buch. Und es hilft ein wenig.

    Liebe Grüße

    TanjaS

  • Ich bin auf ein Buch von 2000 gestoßen ("Abschied vom Ich -Stationen der Alzheimer Krankkeit"). Ich lese es gerade und finde in den Fallbeispielen und Erläuterungen so viele Antworten auf meine Fragen, wie selten vorher.

    Es ist sicher gut, TanjaS, nicht so oft zu deiner Mutter zu fahren ... ihr wird das wirklich konkret gar nicht auffallen.

    Liebe schwarzerkater -


    nachdem ich jetzt 2 Wochen nicht da war: Du hast wirklich recht, es fällt ihr nicht auf. Ich fahre nächste Woche am Feiertag hin und dann zu Pfingsten. Im Juni habe ich einige Geschäftsreisen, da kann ich nicht so oft zu ihr. Ich merke aber auch, dass es mir dadurch besser geht. Das ist natürlich nicht möglich, wenn man Haus an Haus wohnt - ich bewundere Dich dafür, dass Du das durchgehalten hast!

    Lieben Dank für den Buchtipp. Ich schaue mal, ob ich das bekommen kann. Es hört sich nach einer guten Hilfe an.

    Liebe Grüße & einen schönen Abend!
    TanjaS

    • Offizieller Beitrag

    Hallo TanjaS, zwei Sätze haben mir sehr gut gefallen:

    "Das beruhigt sie zumindest kurzzeitig", weil Sie Ihrer Mutter zeigen, dass sich sich von "denen" beinträchtigt fühlt - dies ist ein schönes Beispielt für Validation bei einer wahnhaften Entwicklung: Sie zeigen kurz und neutral Ihr Verständnis, ohne in den Film einzusteigen und es wirkt - zumindest solange, wie die innere Anspannung wieder ein Ventil sucht.

    Ich belohne mich jetzt öfter mal selbst

    Bitte vergessen Sie diese Erkenntnis nicht!

    Allen eine schöne Woche, Ihr Martin Hamborg

  • Ich habe gestern von einer Freundin meiner Mutter zugetragen bekommen, dass meine Mutter sich am Ende ihrer Kräfte fühlt, dem Zusammenbruch nah, einfach nicht mehr kann.


    Was ich auch verstehe, denn es wird immer schlimmer mit meinem Vater, die Kurzzeit-Erinnerung ist fast völlig weg, er fragt das gleiche immer und immer wieder, jeden Tag werden stundenlang verlegte Schlüssel gesucht, meine Mutter wird beschuldigt, an allem Schuld zu sein, er ist ständig um sie rum, unheimlich anhänglich und ängstlich -- letzteres ist neu; er irrt oft durchs Haus und sucht sie (wenn sie z.B. Mittagsschlaf hält), und gerät völlig in Panik, wenn sie mal kurz weg ist (z.B. einkaufen) und ruft mich dann alle 2 Minuten an.


    Wir hatten ein halbes Dutzend Mal eine Freiwillige zu Besuch, sehr nette Dame, die sich seit Jahren um Demenzpatienten kümmert. Man darf es meinem Vater nicht ankündigen, dass sie kommt, weil dann will er es nicht, bzw. nur 5 Minuten vorher, dass jemand kommt, um meiner Mutter zu helfen (er denkt dann wohl: Putzfrau). Die Dame kommt, er erkennt sie nicht, keinerlei Erinnerung, dass er sie schon X-Mal gesehen hat. Meine Eltern setzen sich mit ihr auf die Couch, und es geht leidlich gut, solange meine Mutter dabei ist. Wenn sie sich dann kurz hinlegen will, weil sie "Kopfweh" hat, dann sitzt mein Vater kurz mit der Dame, fragt ein Dutzend Mal das Gleiche ("wo haben Sie geparkt"), und will dann nach Kurzem wieder zu meiner Mutter. Wir hatten gehofft, dass man ihn mit ihr alleine lassen kann, oder vielleicht sogar mal einen Spaziergang o.ä., aber das scheint unmöglich.


    Was für Tips habt ihr, damit meine Mutter nicht völlig zusammenklappt?

  • Hallo OiOcha,


    das hört sich alles sehr schlimm an, du und deine Mutter haben hier mein aufrichtiges Mitgefühl. Auch bei dir möchte ich die Frage stellen, schläft dein Vater nachts durch? Oder ist er auch des Nachts aktiv?

    Sollte er Nachts aktiv sein könnte evtl eine medikamentöse Hilfe zum durchschlafen (bei meinem Vater reichen hier bereits freiverkäufliche Baldrian Tabletten) Tagsüber etwas zur Beruhigung beitragen. Bei meinem Vater macht das einen großen Unterschied.


    Auch das Klammern, diese ständige Ängstlichkeit, das Gefühl das einem im warsten Sinne als Betreuungsperson keine Luft mehr zum atmen bleibt das kenne ich. Auch hier "behandle" ich bei Bedarf mit Baldrian Tropfen, die kommen ins Wasser und bringen etwas Linderung ohne den entsprechenden komplett ruhig zu stellen. Mein Vater ist da mittlerweile auch dankbar wenn er eine seiner depressiven Phasen hat und ich ihm so etwas helfen kann.

    Zusätzlich erhält er täglich Passionsblume (Lioran) das ist ebenfalls für innere Unruhe.


    Bei uns ist das alles inkl Dosierung mit dem Hausarzt abgesprochen und auch auf dem Medikamentenplan, nicht das es zu Wechselwirkungen kommt.


    Ich wünsche dir alles Gute.

  • Vielen Dank für die Antwort, Sohn83! Meine Eltern schlafen getrennt, in einem riesengroßen Haus, er im Keller (Einliegerwohnung), sie im Obergeschoss. Sie schauen auch getrennt Fernsehen. Er geht meistens nach dem Abendessen so gegen 19 Uhr runter, und kommt dann gelegentlich noch mal rauf. Er geistert nachts nicht im großen Stil durchs Haus, aber ob er durchschläft, weiss man nicht. Er trinkt sehr viel, und ich denke, er wird wahrscheinlich am frühen Abend schon besoffen vor dem Fernseher einschlafen, und dann wahrscheinlich nachts verkatert einige Male aufwachen. Der Tip mit Baldrian ist super, das werden wir probieren, obwohl man es ihm unterjubeln muss, er will ja nichts nehmen.

  • Auch hier noch ein paar Sätze von mir: Meine Mutter hat in ihrer aggressiven (und angsterfüllten Phase) ebenso von pflanzlichen Beruhigungsmitteln profitiert (v.a. Passiflora oder andere Mittel mit Passionsblume), ebenso kann man es (falls man keine Widerstände dagegen hat ) mit Globuli versuchen. Da lasse ich mich immer von einer Bekannten beraten. Baldrian haben wir aber auch gegeben.

    Übrigens (ich schrieb es schon an anderer Stelle), jetzt im Pflegeheim ist meine Mutter die Ruhe selbst. Ich frage ehrlich gesagt nicht viel bei den Pflegerinnen nach, aber diese scheinen mit meiner Mutter zufrieden zu sein. Nach wie vor meine ich, dass es besser wird, wenn durch das Vergessen der Faden zum früheren Leben für die Demenzkranken fast abgerissen ist. Dann wird ihre Not kleiner und für uns Angehörige ist das todtraurig, aber dennoch ein Segen. Ich weiß nicht, ob Herr Hamborg dafür auch Anhaltspunkte sieht. Für uns alle aber kann es ein Trost sein.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo OiOcha, in meinem anderen Beitrag habe ich ja schon auf das ethische Dilemma in der sich zuspitzenden Situation hingewiesen. Es ist furchtbar, was Ihre Eltern gemeinsam aushalten. Wegen der pflanzlichen Mittel fragen Sie am besten "Ihren Arzt oder Apotheker" - eben habe ich kurz nachgesehen: Bei Baldrian werden bei schweren Alkoholikern mögliche Wechselwirkungen beschrieben, bei Präparaten der Passionsblume ist dies noch nicht bekannt. Aber mein schneller Blick ins Internet ersetzt keine fachliche Beratung - haben Sie schon Anregungen aus dem Forum von Dr. Kaiser bekommen?

    Immerhin ist es ein gutes Zeichen, dass die Betreuerin zumindest kurzfristig Entlastung gibt!

    Ihnen noch mal viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo in die Runde,


    Bei meinem Vater geht es auf und ab, er hat starke Schmerzen in der Hüfte und wir scheinen mit der aktuellen Medikation langsam an die Grenzen zu stoßen. Die letzten drei Tage konnte er kaum noch selbstständig gehen (trotz Rollator). Heute ist es zum Glück wieder deutlich besser.


    In drei Wochen haben wir einen Termin in einer speziellen Schmerzsprechstunde. Mal gucken ob das etwas bringt, der Hausartz meinte die entspechende Ärzting (auch Orthopädin) wäre sehr gut. Ich bin da unserem Hausarzt unglaublich dankbar das er entgegen allen typischen Arztgepflogenheiten mir so eine Auskunft erteilt.

    Der Bewegungsradius wird immer kleiner und er ist selbst nach kleinsten Anstrengungen sehr erschöpft. Hauptgrund dafür sind wohl die Nieren, deren Leistung nimmt stetig ab. Im Moment bewegen wir uns mit einem eGfr. von 23 wieder Richtung Nierenversagen.


    Kann mir jemand eine Einschätzung/ Erfahrung bzgl. Demenz und Dialyse geben? So ziemlich alles was ich dazu lese finde ich eigentlich ziemlich abschreckend. Vorallem wenn er schon nach einer Stunde beim Zahnarzt total verwirrt und für den Rest des Tages kaum mehr ansprechbar ist.


    Ich bin da im Moment sehr fatalistisch und denke viel nach. Meine Gefühl sagt mir wir bewegen uns jetzt in Richtung letzter Phase und das die nächsten Monate nochmals deutlich schwieriger werden.


    Dazu kommen im Moment wieder viele depressive Episoden. Am Samstag hatten wir (wie aktuell so oft am Wochenende) einen Tiefpunkt. Ich habe falsch reagiert als er direkt nach dem Aufwachen nach seiner Frau fragte. Meine Mutter ist bereits vor 27 Jahren verstorben was ich auch sagte. Danach hat er für Stunden getrauert aber nicht nur um seine Frau sondern auch um seine Mutter, das war wild gemixt. Das war auch für mich extrem belastend.


    Die Wochenenden sind weiterhin unsere schlimmen Tage. Gerade bei der aktuellen Hitze wird es noch belastender. In zwei Wochen hat er Geburtstag, da versuche ich wieder ein wenig Familie zusammenzutrommeln. Vielleicht gibt das wieder etwas Auftrieb.


    Gestern habe ich einen Artikel gelesen das gemäß einer Studie eine Covidinfektion das Demenzrisiko deutlich erhöht. Was da auf unsere Gesellschaft evtl. noch zukommt ist wohl nur jenen Bewusst die das in erster Reihe bereits mitmachen müssen/mussten.


    Ich wünsche euch allen viel Kraft.

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