Wie geht es Euch? Thread IV

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, danke für die weisen Worte, SchwarzerKater. Mir kam folgender Gedanke beim Lesen: Manchmal entstehen viele neue Perspektiven, wenn wir unsere Ziele von 100% auf 80% verändern oder wie schon oft gesagt: Weniger ist mehr.


    Oft spreche ich diese berühmte 80-20 Regel bei Leitungskräften an. Sie, lieber Sohn83, kennen sie bestimmt: Für 80% braucht man 20% Einsatz, die restlichen 20% benötigen 80%.

    In diesem Sinne möchte ich noch mal den Vorschlag von Frau Sachweh aufgreifen: Der große Vorteil einer gemeinsamen Kur sind auch viele neue Perspektiven im Miteinander und die gegenseitige Unterstützung untereinander. Barbara Romero hat das Konzept in Bad Eibling seinerzeit so aufgebaut und ich habe in den letzten Jahren nichts Negatives gehört.


    Der größere Schritt ist das Heim oder eine Demenz-WG, wo Sie auch die 20% geben können, in Abstimmung mit der Pflege und zu einem vielleicht guten Gemeinwohl aller.

    Wie auch immer Sie sich entscheiden, wünsche ich Ihnen viel Kraft - und Respekt für das was Sie Ihrem Vater so lange geben konnten!

    Ihr Martin Hamborg

  • Ich danke für die Anregungen. Ein Kuraufenthalt kommt leider nicht in Betracht. Wäre ich angestellt wäre das kein Problem, die Selbstständigkeit verhindert aber eine entsprechend lange Abwesenheit.


    Letzte Woche (ab Montag abend) wurde das Tilidin durch Oxycodon (2x 2,5mg) getauscht. Das scheint/schien er deutlich besser zu vertragen. Ich habe gleichzeitig auch das Novaminsulfon ( verordnet bis zu 2000mg/ je 500mg 1-1-1-1 täglich) weggelassen um die Wirkung besser einschätzen zu können. Die Ärztin meinte zwar ich soll dass ruhig so weiter geben aber ich wollte halt auch sehen wie stark das Oxycodon wirkt.


    Dienstag und Mittwoch ging es ihm sehr deutlich besser, keine größeren depressiven Episoden, lückenhafte aber immerhin teils vorhandene Orientierung am Abend. Da die Schmerzen weiterhin vorhanden waren habe ich dann das Novaminsulfon ab Donnerstag wieder langsam hochdosiert.


    Donnerstag ging noch einigermaßen ich merkte aber bereits wieder eine leichte Verschlechterung. Mit dem Novaminsulfon das er ja bereits seit 18 Monaten nimmt habe ich das aber nicht in zusammenhang gebracht sonder an ein übliche Schwankung geglaubt.


    Freitag abend war dann wieder deutlich schwieriger. Keinerlei Orientierung, völlig verwirrt.


    Samstag war dann wirklich ein Tag wie aus der Pflegehölle. Ich konnte ihn keine 2 Minuten allein lassen. Völlig desorient, völlig verwirrt, extrem depressiv. Selbst einfachste Sachverhalte wie z.b. den Zuckerwürfel in den Tee zu schmeißen haben ihn überfordert. Da wurde dann der Tee in die Zuckerdose geleert. Dazu (wie ich meine) Halluzinationen. Am Abend hatte er auch keine Ahnung wer denn ich sein soll. Dazu nachts mehrfach aufgestanden etc...


    Sprich ich war selbst komplett mit den Nerven am Ende. Wirklich total am Ende und verzweifelt. Komischerweise habe ich erst da im Kopf eine Verbindung mit dem Novaminsulfon gesehen.


    Sonntag morgen war er noch verwirrt, er hatte ja auch wenig geschlafen. Das Novaminsulfon habe ich dann ab Sonntag abgesetzt.


    Was soll ich sagen, da konnte man wirklich zusehen wie es ihm von Stunde zu Stunde besser ging. Er war Sonntag und auch gestern am Abend einigermaßen orientiert (mit unsicherheiten) aber kein Vergleich zum Samstag. Gestern haben (durften ...) wir Nachmittags meine Schwester besuchen. Da hat er sich sinnvoll und einigermaßen flüssig an einem Gespräch beteiligt. Erst als mein Schwager dazukam wurde er still. Das hat ihn wohl etwas überfordert wohl auch weil von dieser Seite gar nicht versucht wird ihn irgendwie in ein Gespräch mit einzubeziehen.


    Auch die depressiven Episoden mit denen wir wirklich im Moment jeden Tag zu kämpfen hatten sind seit Sonntag wie weggeblasen.


    Ich will jetzt nicht den falschen Eindruck erwecken, mein Vater ist immer noch dement und extrem hilfebedürftig und unselbstständig bei allem. Ich möchte/kann mich ob dieser Verbesserung auch nicht wirklich freuen. Dazu haben ich zuviele auf und abs miterlebt die letzten Jahre.

    Aber ich hoffe das wir jetzt mit dem Novaminsulfon einen Übeltäter gefunden haben der in der letzter Zeit seinen Zustand so unerträglich (für uns beide) gemacht hat.


    Letzte Woche war ich bei einer Pflegeberatung. Da habe ich zwar nicht wirklich viel neues gehört aber dennoch einige Anregungen bekommen. Es wurde mir empfohlen wenigstens am Wochenende einen Pflegedienst für die Körperpflege mit ins Boot zu holen. So richtig bin ich mir noch nicht klar ob das nicht zu viel Unruhe reinbringt aber ich bin gewillt es auszuprobieren. Tagespflegeangebote für das Wochenende sind bei uns wirklich mit der Lupe zu suchen. Zwei Altenheime im größeren Umkreis bieten das an, hier warte ich auf einen Rückruf. Früher machte es auch ein drittes, dieses aber nicht mehr seit Corona.

    Vom Landratsamt habe ich eine größere Liste bekommen, dort waren die Angaben aber alle falsch, die bieten alle nur Mo-Fr. an. ländliche Region halt.


    Morgen Nachmittag nehme ich an einer Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige teil. Dazu kann ich meinen Papa mitbringen, zeitgleich findet im gleichen Gebäude ein Demenzcafe der Maltester statt. Somit ist für eine Betreuung gesorgt. Mal schauen ob ich da vielleicht ein paar Anregungen und Kontakte mitnehmen kann.


    Die Suche nach psychologischer Hilfe ist da leider nicht so einfach. Hier haben wir halt auch wieder das Problem auf dem Land. Bei einem Arzt konnte ich mich echt überwinden zum Telefonhörer zu greifen. Wie ich dort am Telefon von den Sprechstundenhilfen behandelt wurde hat mir am Telefon wirlich die Sprache verschlagen. Scheint laut Internet aber dort so üblich zu sein. Obwohl der Arzt gut sein soll will ich mich so einem Zusatzstress nicht aussetzen. Also jemand mit aktuer Gefährdung für Leib und Leben sollte dort lieber nicht anrufen .... Von einer Kollegin habe ich aber eine Empfehlung bekommen, diese hat noch eine Woche Urlaub dann werde ich dort mal durchklingeln.

  • Hallo Sohn,


    ich lese auch immer noch hier mit, habe aber selbst nicht so viel zu schreiben, da ich mit meiner Mutter noch am Anfang des Weges stehe.


    Bestätigen kann ich in jedem Fall die zunehmenden Verwirrtheitszustände durch Medikamente. Bei uns war dies der Blutdrucksenker Ramipril gewesen. Normalerweise kam die Demenzkranke mit einer Tablette und einer weiteren Tablette, einem Betablocker, gut zurecht. Der Blutdruck war aber zunehmend schlechter einstellbar. Also verordnete die Ärztin zwei Ramipril am Tag. Das war ein enormer Einschnitt, so dass sich auch hier einige Fähigkeiten plötzlich stark verschlechterten. Sie bekam dann ein anderes Präparat. Das hatte dann andere Nebenwirkungen, aber es ging damit geistig besser. Auch hier musste man ein wenig an der Dosierung feilen, es letztendlich halbieren usw.


    Allgemein hört sich das, was du jetzt unternimmst, für mich aber etwas positiver an, da es hier doch Möglichkeiten gibt, die Dich entlasten könnten. Eine Tagespflege am Wochenende und die Hilfe bei der Körperpflege wären eine Erleichterung. Und ich würde mir für Dich wünschen, dass es dem Vater auch gut tut und du wieder etwas Zeit für Dich haben könntest. Ich drücke fest die Daumen, dass es funktioniert.


    Liebe Grüße an Dich und an alle anderen

  • Ich bin gerade total ratlos.


    Meine Mutter hat vor knapp 2 Wochen Corona bekommen und ist in Quarantäne. Sie war auch ein paar Tage im Krankenhaus, da sie gestürzt war, aber da es keine Anzeichen für Komplikationen gab, wurde sie wieder in das betreute Wohnen entlassen. Aufgrund der Quarantäne darf sie keinen Besuch bekommen. Wir haben ihr aber einige Mal Essen gebracht, da habe ich gesehen, daß sie körperlich total auf den Hund gekommen ist. Sie wird zwar von dem Haus versorgt, lehnt aber leider, wie ich hier schon an anderer Stelle geschrieben habe, das Essen grundsätzlich ab und ist auch noch stolz darauf. Darüber hinaus stelle ich bei Telefonaten mit ihr fest, daß sie ziemlich verwirrt ist.


    Gestern wurde ein PCR-Test genommen, der immer noch positiv ist. Daher geht die Quarantäne weiter. Als ich meiner Sorge Ausdruck verlieh, hieß es nur, ich dürfe sie zwar nicht besuchen (nur in Schutzkleidung), aber ich könne sie zu mir nehmen, um mich zu Hause um sie zu kümmern. Heißt das, ich darf sie nicht besuchen, um mich nicht anzustecken, aber bei mir zu Hause ist das OK?


    Ich werde mich nun in Schutzkleidung zu ihr begeben, um ihr etwas Proviant zu bringen und mir mein eigenes Bild zu machen.


    Ich war immer eine Verfechterin der Corona-Maßnahmen, trage immer noch Maske, bin 4x geimpft, aber sind wir nach 3 Jahren nicht weiter, als die alten Menschen wegzusperren? Mein Mann hatte 10 Tage nach seiner Infektion denselben PCR-Wert wie meine Mutter und durfte wieder arbeiten.


    Am Ende bringt sie nicht Corona um, sondern die Quarantäne.

  • Liebe alle -


    ich habe ein paar Tage nur im Forum gelesen - ich war die letzten beiden Wochen fast komplett unterwegs. Unter anderem war ich auch 4 Tage bei meiner Mutter. Es ging 3 Tage wirklich gut, am Abend bevor ich am 3.10. wieder gefahren bin (nicht mal nach Hause, sondern zu einem Geschäftstermin, den ich früh morgens am nächsten Tag hatte) hat sie dann wohl realisiert, dass ich am nächsten Nachmittag wieder fahren würde. Ab da war es nicht mehr schön. Ich wurde beschimpft, weil ich nicht gesagt hätte, dass ich wieder fahre (habe ich - mehrfach), dass ich unmöglich und niederträchtig bin, eine Hexe, eine arrogante Zicke, ein faules Stück usw. Zum ersten Mal bin ich tatsächlich ganz ruhig geblieben. Die Nacht war allerdings um 3 Uhr ziemlich zu Ende, weil sie zwischen 3 und ca. 5 Uhr immer wieder durch die Wohnung "geisterte": Türen auf und zu, Licht an und aus. Ich bin da natürlich aufgewacht. Sie hat nicht mal realisiert, was sie gemacht hat. Nun gut. Am nächste Morgen / Vormittag wieder das - mittlerweile fast übliche - "Mach, dass Du weg kommst" und "hier brauchst Du nicht mehr hinkommen". Ab dem Mittagessen war das vorbei und sie war wieder normal.

    Seitdem ging's wieder bergab - am Telefon werde ich wieder beschimpft, dass ich abgehauen bin, dass sie den Nachbarn erzählt hat, wie schlecht ich bin und die bestürzt sind, dass ich mir ihren Bekannten aus der Kirche hinter ihrem Rücken gegen sie paktiere usw. Meinen Vater (der tot ist) kommt nachts und bringt fremde Frauen mit. Alle Aussagen haben denselben Wahrheitsgehalt: Null. Aber selbst wenn ich ruhig bleibe, es trifft mich schon. Ich habe nur gelernt, besser damit umzugehen - die ganz viele hier im Forum. Daher: Es ganz liebes Dankeschön! Ihr habt mir dabei geholfen, dass es jetzt besser klappt. Ich weiß, euch geht es auch nicht immer gut. Ich wünsche euch alles, alles Gute! Haltet die Ohren steif!

    Liebe Grüße

    Tanja

  • Liebe Tanja,

    Du hast meinen größten Respekt, dass du so standhaft dabei bleibst. Solche Vorwürfe machen was mit einem, du hast schließlich kein Herz aus Stein, sondern bist und bleibst die Tochter...

    Herzliche Grüße

    Rose 60

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sohn83, Schmerzen sind bei einem Menschen mit Demenz sehr schwer einzustellen, umso besser, wenn Sie nun mit Oxycodon ein Opiat gefunden haben. Wir erleben oft, dass diese auch eine beruhigende Wirkung haben. Gibt es für Sie erreichbar eine Schmerzambulanz in der Sie Ihre Erfahrungen ärztlich auswerten lassen können?

    Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie eine passende ambulante Hilfe finden! Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Zimt, vielleicht können Sie das Dilemma direkt mit dem Gesundheitsamt besprechen, um so einen praktikablen Weg zur Vermeidung des langsamen Hungertodes infolge der Quarantäne zu finden. Der PCR-Test gibt ja auch einen Hinweis auf die Ansteckungsgefahr.

    In mehreren Bundesländern haben sich die Vorschriften gelockert und manche Heime sind besonders vorsichtig.

    Hoffentlich finden Sie einen gangbaren Weg! Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo TanjaS, herzlichen Glückwunsch!

    Wenn Sie jetzt die boshaften Phasen ruhig abwarten können, werden diese vermutlich immer kürzer und Sie können noch mehr beobachten, was mit Ihrer Mutter ist.


    Vielleicht finden Sie irgendwann Zusammenhänge, wann Ihre Mutter besser zu leiten ist und damit vielleicht sogar eine ärztliche Behandlung greifen könnte. Wenn dies gelingt, könnte ein "Depo-Neuroleptikum" eine Option gegen das belastende wahnhafte Erleben sein. Das alles wird sicher noch eine ganze Zeit brauchen, aber es gibt eine kleine Perspektive. Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Kraft die schlimmen Phasen zu ertragen! Ihr Martin Hamborg

  • Liebe Rose60 -


    danke für die aufmunternden Worte. Ja, diese ständigen Beschimpfungen machen etwas mit einem - wie viele in diesem Forum wissen. Immerhin gibt es den kleinen Lichtblick, dass sie mich nicht mehr anruft. Das gibt mir schon etwas Ruhe zurück. :)

    Liebe Grüße & ein schönes Wochenende,

    Tanja

  • Hallo Herr Hamborg -


    meistens redet sich meine Mutter in diesen Phasen momentan so in Rage, dass ein Telefonat nie länger als 5-10 Minuten dauert. Auch wenn es nicht schön ist, das lässt sich aushalten. Was sie Bekannten über mich erzählt, ist mir relativ egal, muss ich sagen. Schauen wir mal, wie es sich weiter entwickelt.

    Viele Grüße & ein schönes Wochenende,

    TanjaS

  • Hallo Zimt,


    das, was du schreibst, das erlebe ich leider auch. Ich kann einerseits verstehen, dass man weiterhin vorsichtig im Umgang mit der Krankheit sein muss, andererseits sind die Nachteile genauso groß.

    Ich finde den Vorschlag gut, beim Gesundheitsamt hier die Lage zu schildern und nachzufragen, wie das dann gehandhabt werden kann.

    Auf der anderen Seite kann man auch die Heime verstehen. Wenn sich noch mehr Menschen anstecken sollten, dann heißt es nachher, dass man hier die Vorschriften nicht einhalten würde. Und dann noch der Personal- und Zeitmangel. Vorsichtig sein, Schutzkleidung tragen, individuelle Vorgehensweisen, brauchen einfach mehr Zeit.

    Ich wünschte wir wären was das angeht schon zwei Jahre weiter. Vielleicht ist die Krankheit dann ein normaler Bestandteil der Gesellschaft und nicht wie jetzt ein teilweises Stigma, bei der manch schlecht informierte meint, dass die Krankheit immer noch ausrottbar sei, wie Masern ect. Habe ich alles leider schon gehört.


    Schreib mal hier, was du erreicht hast.


    Liebe Grüße

  • Hallo in die Runde,


    seit Tablettenumstellung geht es meinem Vater ein gutes Stück besser. Unter der Woche nach der Tagespflege ist er sogar wieder einigermaßen orientiert und deutlich klarer. Auch diese depressiven Episoden sind deutlich abgemildert. Eine negative Entwicklung haben wir aber seit der Umstellung auch, er ist nachts zunehmend inkontinent. Ich habe im Moment die Beruhungsmittel (Baldrian) zum schlafengehen halbiert. Das hat nochmal ein leichte Besserung gebracht.



    Die Schmerzen sind noch nicht optimal eingestellt, nach Rücksprache mit der Schmerzärztin wird die Dosis ab heute erhöht. Ich bin deshalb leicht nervös, ob das wieder zu einer mentalen Verschlechterung führt. Positiv war das sich der Aktionsradius mit den neuen Tabletten doch wieder erhöht hat. Wir sind letzte Woche mehrfach die "größere" Runde mit etwa 500 Meter gegangen, das haben wir seit Mai nicht mehr geschafft.


    Leider setzt sich der positive Wochentags Tagestrend nicht ins Wochenende fort. Zwar war das vergangene Wochenende weniger aufreibend als das zuvor, aber mehr als 10 Minuten allein lassen ist kaum möglich. Zum abend hin verkürzt sich das nochmals .... Auch die Orientierung ist am Wochenende nicht mehr gegeben. Dazu regelmäßig Vorwürfe ich würde ihn ja ständig allein lassen (nach wenigen Minuten) er wäre ja hier (Zuhause, was ihm aber dann nicht klar ist) gefangen. Er bezieht sich dann auch auf "Leute" die sich alle vor ihm verstecken würden. Ich bin mir da nicht sicher ob es sich um Halluzinationen handelt oder ob er sich z.b. auf den Fernseher oder Radio bezieht.


    Nach viel telefonieren habe ich eine Tagespflege am Wochenende mit einem freien Platz gefunden. Leider nur Samstags aber immerhin. Diesen Samstag hat er Schnuppertag und ich hoffe das es funktioniert. Leider ist die Tagespflege einfach 22km entfernt, Fahrdienst wird also nicht angeboten. Das würde mir allerdings nichts ausmachen. Ich überlege ohnehin ob ich in dieser Tagespflege nicht meine Schwester als Hauptkontaktperson angebe, die hat nur 5km und wäre im Notfall schnell dort....

    An dieser Front hat sich leider nichts getan, ich erhalte weiterhin keine Unterstützung und wenn ich etwas entsprechendes werde ich angeschwiegen, da kommen auch dann keine Nachfragen wie es ihm geht ....


    Gut getan hat mir die Selbsthilfegruppe die ich letzten Mittwoch besucht habe. Den Altersschnitt habe ich mit 39 auch sehr gesenkt. Alle anderen Teilnehmer waren 70+. Es war das erste mal also hauptsächlich eine Vorstellungsrunde. Der Austausch hat einerseits sehr gut getan andererseits haben die Teilnehmer Angehörige in verschiedenen Statien der Demenz, ich bin gespannt ob nächsten Monat die Teilnehmerzahl (9) massiv zurückgeht, ich glaube ich und ein paar andere haben die wo die Demenz noch eher einer leichten Vergesslichkeit gleicht etwas verschreckt ... Auch Papa war im gleichzeitg stattfindendem Demenzkaffee gut versorgt.


    Liebe Grüße in die Runde und Danke fürs lesen

  • Hallo Sohn -- ich muss echt den Hut vor Dir ziehen! Unglaublich, was Du für Deinen Vater leistest! Ich habe meinen letzte Woche 5 Tage lang 24/7 betreut und bin fast durchgedreht!


    Das mit "Leuten" haben wir auch ständig. Bei meinem Vater sind es Wahnvorstellungen -- oft Einbrecher, die ihm etwas böses wollen, manchmal aber auch Verwandte oder Freunde. Interessanterweise spricht er die Leute nie an, wenn sie "da" sind, sondern fragt nachher, wo die denn jetzt hin seien. Ganz selten gibt es einen vagen Realitätsbezug, z.B. haben wir letzte Woche mal von Hanne, einer Freundin meiner Mutter gesprochen, und einige Minuten später fragt er dann, wo ist denn jetzt die Hanne hin? Normalerweise ist es aber alles nur in seinem Kopf.

  • Danke OiOcha, ich habe deinen Betrag in deinem Thread gelesen. Viel von dem was du schreibst ist mir nicht unbekannt. Mein Vater ist die meiste Zeit freundlich und nicht aggressiv oft halt ein komplett hilfloses Kind von vielleicht 2 Jahren das Angst hat wenn es 5 Minuten allein ist. Wären da nicht die hellwachen Phasen zwischendrin ....


    Neues zu den Schmerztabletten.   Gestern abend habe ich nach Anweisung der Ärztin das Oxycodon verdoppelt (von 2,5 auf 5mg) . Schmerzen super, mental katastrophe ... Es war ein extrem anstrengender Abend. Nachts ist er dann mehrfach durchs Haus gegeistert. Experiment gescheitert.

    Also bin ich heute morgen zurück auf die alte Dosis. Als wir in die Tagespflege aufbrechen wollten war ihm schwindilch, kalter Schweiß. Blutdruck gemessen 66:42 ..... Also gleich Füße hoch und beim Arzt angerufen. Nach 1 Stunde hatte sich der Blutdruck wieder bei etwa 100:70 stabilisiert. Der Arzt hat ihn durchgescheckt, Herz, EKG, Blutsauerstoff etc. alles in Ordnung.


    Er meinte auch das es das Oxycodon war. Reste von Doppeldosis gestern abend + neue Tablette heute Morgen wären zu viel gewesen. Ich soll es aber weiter geben in der Dosis die er gut vertragen hat. (2,5mg)

  • Liebe OiOcha, lieber Sohn83 -


    das mit den "Leuten" habe ich bei meiner Mutter ebenfalls. Die kommen dann nachts rein, bringen ihre Sachen durcheinander, klauen Geld oder legen auch mal was auf den Tisch usw. Wenn sie tagsüber kommen, spricht meine Mutter sie auch nie an, sondern beschwert sich nachher bei mir, dass sie einfach abgehauen sind, nachdem sie alles durcheinander gebracht haben. Ich höre mir das dann an und bemitleide sie, dass es solche Leute gibt, die bei ihr alles durcheinander bringen. Das ist besser, als zu widersprechen. Da wird sie dann nur aggressiv und schreit mich an.

    Liebe Grüße

    Tanja

  • Hallo Tanja! Das mit den "Leuten" finde ich beinahe interessant! Sie tun oft Böses -- z.B. haben Sie meinen Vater letztlich im Schlafanzug aus der Wohnung ausgesperrt, und er stand dann im Garten. Andererseits tun sie oft auch Dinge, die er selbst will -- z.B. wurde er vor einigen Tagen von jemandem erinnert, dass er sein Auto zum Reifenwechseln bringen muss. Würde mich interessieren, wie das dann läuft, wenn die Erkrankten im Heim sind -- tun die "Leute" dann auch mal was gutes, z.B. kamen vorbei, um zu sagen, der Patient sehe viel zu gut aus fürs Heim und solle wieder nach Hause?

  • Liebe OiOcha -


    ja, das mit den "Leuten" kann manchmal interessant sein. Meine Mutter meint, dass mein Vater und ihre Mutter (beide tot) da waren. Und ganz viele Leute, die sie nicht kennt, die sich unterhalten und sie ignorieren. Ich bin dann irgendwann darauf gekommen, dass sie Nachrichtensprecher oder Schauspieler im TV meint. Aber wie die ihre Zimmer "verwüsten" und ihre Klamotten durcheinanderbringen (bzw. klauen), weiß ich auch nicht. Genau wie Du höre ich es mir an und bemitleide sie - wenn man irgendwas dagegen sagt, dann wird sie aggressiv und schreit rum.

    Liebe Grüße

    Tanja

  • Leute und TV da gibt es bei uns auch eine Verbindung. Er meint oft das die Leute aus dem Fernsehen ja bei ihm in der Wohnung wären. Hilft vielleicht auch nicht das er sich vor ein paar Jahren einen 60Zoll TV gekauft hat .....


    Ich versuche sowieso den TV Konsum so niedrig wie möglich zu halten, aber mir bleibt halt manchmal gar nichts anderes übrig. Gerade jetzt wo die Tage dunkler werden und man gerade am Abend nicht mehr so raus kann wird es nicht einfacher.


    Gestern war mein Vater wieder in der Tagespflege, da ging es ihm gleich ein Stück besser. Er wollte dann unbedingt um 20 Uhr noch im spazieren gehen. Also sind wir im dunkeln mit dem Rollator los ... Hier auf dem Land ist es nicht so ein halbdunkel wie in der Stadt.


    Er war auch recht klar im Kopf. Also haben wir uns nach dem Spaziergang noch etwas draußen hingesetzt und eine verhältnismäßig flüssige Unterhaltung geführt. Er hat gesagt das hier ja nichts los wäre (keine anderen Menschen), etwas was auch am Wochenende immer wieder hoch kommt.

    Da habe ich versucht einzuharken und ihm Optionen wie z.b. ein Seniorenheim aufgezeigt. Da wären dann mehr Menschen. Ab da hat er dann ein paar Sachen durcheinandergebracht. Der Schlußsatz von ihm "Ich solle mir sehr gut überlegen ob ich "das" mache weil er ja sowieso nur noch ein paar Wochen lebt".


    Ob er sich mit "Das" auf einen Heimumzug bezieht kann ich leider nicht sagen, er mir auch nicht. Jedenfalls hat mich das nicht wirklich weitergebracht und eher jede Entscheidung die in den nächsten Monaten ansteht erschwert.

  • Also bei meiner Mutter klauen diese "Leute" auch viel, gerne auch den Telefonhörer, den man dann bestenfalls in der Schublade entleert unter Papier versteckt wiederfinden kann.

    Meine Mutter "erkennt" seit einiger Zeit unter den Bewohnern angeblich viele Verwandte, auch ihr Lieblingspfleger gehört neuerdings zur Familie . Das finde ich angenehmer als zuvor die Ängste.

    Bin gespannt, wie die nächste Phase sich zeigt..

    Liebe Grüße

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!