Wie geht es Euch? Thread IV

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  • Hallo ihr Lieben,


    vielen Dank für Euren weiteren Zuspruch. Ich sehe es ja auch so, es ist sicherlich langfristig das richtige.


    Die Medikamente haben auch bereits angeschlagen (es ist warlich erstaunlich wie schnell er auf Medikamente reagiert), er hat gestern Nachmittag/Abend sehr viel geschlafen und dann nochmal die ganze Nacht durch bis auf zwei Toilettengänge. Sogar die Windelhose war heute morgen noch trocken und die Schmerzen sind zurückgegangen. Er wirkt auch wieder deutlich fitter und wollte heute auch in die Tagespflege.


    Wir lassen das jetzt mal auf uns zukommen. Im Heim habe ich heute Bescheid gesagt bzg. der Blasenentzündung, die sagen auch kein Problem.


    Das schlechte Gewissen wird mich noch einige Zeit begleiten, aber damit werde ich zurecht kommen.

    Es kommt mir so vor wie letztes Jahr April als er praktisch innerhalb eines Tages zum echten Pflegefall wurde. Da musste ich von heute auf morgen mein komplettes Leben umstellen. Die Dinge die mich da anfänglich so belastet haben sind mittlerweile Normalität und werden wenn sie wegfallen vermisst. Wir beide müssen dann erstmal wieder unseren neuen Rythmus finden und zur Normalität werden lassen. Dann wird es besser gehen. Mit Veränderungen tue ich mich halt schwer.

  • du sagst, dass deine Mutter nicht die Treppen bewältigt - aber kannst du wirklich sicher sein???

    Stellvertretend an alle, nehme ich dieses Zitat aus den Antworten auf meine Anfrage zum Anlass, allen Danke zu sagen, für Ideen, Anregungen, Tipps.

    Direkte Antwort auf obenstehende Frage: Ja ich kann ganz sicher sein, dass meine Mutter die Treppe nicht bewältigt, sie kann nicht einmal mehr zwei Stufen ohne Stütze von zwei Menschen schaffen. Sie ist nahezu blind, sieht also auch nicht, wo sie geht und inzwischen so unbeweglich (früher hat sie Gymnastikgruppen geleitet), dass der Weg zwischen Tisch und Sofa nur noch mit Stock, besser noch Rollator, bewältigt wird.


    Ob deine Mamma sich, so wie du sie beschreibst, darauf einlassen würde ist halt eine andere Geschichte.

    Das kann ich mit einem klaren Nein beantworten. Sie fühlt sich derzeit sogar stärker und eigenständiger, als seit Jahren (natürlich ist sie es nicht im Geringsten) und mit 97 Jahren ist es halt auch die Frage, wie weit wir einer blinden und sehr egomanischen Eigenbrötlerin überhaupt andere Menschen zumuten können. Zumal ihr durch die Blindheit eben das vertraut Fühlbare in ihrem zu Hause viel Orientierung gibt. Ihr Haupthobby ist auch heute noch, über die anderen zu lästern und aufzuzeigen, dass ihr niemand das Wasser reichen kann und die anderen ihr nur lästig sind.

    dachte ich mir ebenfalls: Lass sie machen ..., sie ist alt genug ..., sie darf das! Und wenn was passiert, dann ist das eben so. War oftmals schwierig, weil ich es mit ansehen musste (und auch ausgleichen musste), aber nun ja.

    Ja, wir haben uns entschieden, gerade in Anbetracht ihrer Sturheit, sie so zu lassen - die nötigen täglichen Hilfen sind da, auch wenn sie abstreitet, Hilfe zu brauchen und sogar abstreitet, manche Hilfe zu bekommen.


    Und wenn ich das dann so denke, erinnere ich mich immer dran, wie sie mit 60 Jahren, fünf Jahre nach dem Tod ihres gleichaltrigen Ehemanns (mein Vater) in einer Gegend weitab von jeglicher Familie (es trennten sie von jedem von uns Kindern, von ihren Geschwistern, ihrer Mutter einige hundert Kilometer und sie hatte auch vorher keinen Bezug zu der Gegend) ein eigenes Haus baute, weitab vom Ort, damit sie laut musizieren konnte, wenn sie wollte - auf niemandes Angebote einging, doch in der Nähe etwas zu suchen, bzw. zu beziehen, was greifbar war. Alle Hinweise in den Wind schlug, dass sie dann wenn sie krank würde, Hilfe brauche, gar Pflege brauche niemanden aus der Familie haben würde: das hat sie mit ihrem Eigensinn, ihrem Unabhängigkeitsdrang (durchaus verständlich, wenn man ihre Mutter und ihren Ehemann kannte) alles weit von sich gewiesen und in meinen Augen ist der jetzige Zustand durchaus eine Folge davon, die sie zwar nicht in voller Tragweite aushalten muss, aber eben doch tragen muss aus ihrem Starrsinn.

    Daher sind wir jetzt Beteiligten uns auch einig, sie einfach weiter wursteln zu lassen, solange sie weder sich noch andere gefährdet (die Sache mit dem Herd ist lösbar und andere Gefahren müssen wir wohl erst noch entdecken).


    Danke Euch allen einfach noch einmal, es hilft trotzdem, hier so offen schreiben zu dürfen und Anregungen zu bekommen (und manchmal ist sogar das Verwerfen-Können derer hilfreich).

  • Hallo ihr lieben,


    gestern war Umzugstag und der ist eigentlich besser gelaufen als ich dachte (von meinem innernen Gefühlschaos mal abgesehen).

    Heute morgen habe ich mich erkundigt wie es ihm geht. Er läuft viel durch die Gegend und sucht mich. Fragt wo ich bin etc. Nachts war er auch mehrfach auf und wurde auf sein Zimmer zurückgebracht. Morgens war er bereits ab halb 7 wach. Er ist wohl recht verwirrt, aber nicht aggressiv und lässt sich gut "führen".


    Ich habe so ziemlich jeden Pfleger auf der Station gebeten ihn so viel als möglich aus einem Zimmer zu holen und unter Leute zu bringen. Bitte kein Essen aufs Zimmer bringen, lieber in der Gruppe. Ich hoffe die machen das.


    Besuchstermine muss man vorher anmelden (geht bis Freitag 12 Uhr) und es muss ein "Termin" frei sein. Die möchten halt nur eine begrenzte Anzahl Personen "von Außen" im Heim zwecks Kontaknachverfolgung. Die Besuche sind auf 90 Minuten begrenzt, Coronaschnelltest wird benötigt.

    Für heute war sowieso kein Termin mehr frei, also darf ich heute nicht hin. Morgen um 14 Uhr habe ich meinen ersten Besuch und ich hoffe es läuft einigermaßen gut.


    Ich mache mir im Moment viel Sorgen und weiß nicht recht etwas mit mir anzufangen. Ich habe plötzlich so viel Zeit und das Haus ist so still.


    Sorgen bereitet mir im Moment am der Arztbesuch am Montag, da muss ich ihn abholen und wieder hinbringen. Leider kann ich den Termin beim Kardiologen praktisch nicht verschieben. Auf Neutermine wartet man aktuell 1 Jahr.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sohn83, ich wünsche Ihnen sehr, dass sich Ihr Vater schnell in das Heim einlebt - die Chancen stehen gut, in der Tagespflege ist dies schon gelungen und die Ursache der akuten Verwirrtheit haben Sie schnell behoben können


    Ein akute Blasenentzündung kann eine massive Verwirrtheit so wie bei Ihrem Vater auslösen, manchmal werden die Schmerzen nicht einmal geäußert, sodass ohne richtige Diagnostik wertvolle Zeit vergeht. Gerade als Psychologe schaue ich mir zunächst mögliche körperliche Faktoren oder Auslöser an, psychische Prozesse spielen immer eine Rolle, aber die Ursache müssen sie nicht sein. Gegen die Unruhe und Angst kann Zuwendung, Trost und Validation helfen, aber eher nicht Entzündungsherde! Selbst wenn es psychogene Mechanismen der Heilung gibt, wäre der Verzicht auf medizinische Hilfe fahrlässig. Wenn wir uns jetzt gegenübersitzen könnten, würde ich Ihnen mit einem leichten Schmunzeln 100 Punkte auf das Konto gegen das Schlechte Gewissen gutschreiben für so viel schnelle und kompetente Hilfe!

    Einen guten Start in den neuen Lebensabschnitt für Sie und Ihren Vater!!

    Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Ecia, viele Ihrer Fragen wurden schon beantwortet, sodass ich wieder nur einige grundsätzliche Gedanken äußern möchte.


    Ein Suizidrisiko würde ich auch gering einschätzen, mit zunehmender Demenz und körperlicher Kraft wird dies immer kleiner. Das Selbstbestimmungsrecht wurde ja höchstrichterlich bestätigt und der dieser Gedanke stärkt das Gefühl von Autonomie, dass Ihrer Mutter offensichtlich so wichtig ist und Sie deshalb den Begriff "Sturheit" verwenden. Wenn Sie sich in der Lage sehen, mit Ihrer Mutter über den Todeswunsch zu sprechen, ist es gut möglich, dass sie Ihnen viele Gründen nennen wird, warum sie dies nicht tut.

    Ich nehme in den Gesprächen oft das Bild einer Wippe: Was spricht für den Sterbewunsch, was dagegen.

    Je ernster ich die Sorgen und Verzweiflung nehme, desto häufiger geht die Wippe dann in die andere Richtung. Wenn dies nicht passiert, kläre ich ab, inwieweit diese Gedanken Zeichen einer Depression oder Psychose sein können.


    Bei einem fast blinden Menschen prüfe ich auch inwieweit echte Halluzinationen als "normale" Selbststimulation des Gehirns eine Rolle spielen können. Also: diese lebendigen traumhaften Bilder produziert das Gehirn in der Augenrinde ggf. selbst und nur wenn die Ich-Stärke nicht ausreicht, kann dies psychotische - meist wahnhafte - Erklärungen auslösen. Ihre Mutter beschreiben Sie als (eher zu) Ich-stark.


    Aus diesem Grund ist es nicht klug, Formen des Zwanges zum trinken zu wählen, auch wenn sie kreativ sind... Ich erzähle dann von Pflegebedürftigen, die dachten, wenn sie wenig trinken, müssten sie weniger zu Toilette und sich so eine Blasenentzündung und schwerste Schmerzen eingehandelt haben.

    Oder ich informiere über die 80km Blutgefäße in unserem zentralen Nervensystem, die bei diesen Menschen unterversorgt sind, sodass sie ganz verwirrt wurden oder zu sät erkannten, dass sie "dummes Zeug" gemacht haben.

    Gerade bei Menschen, die (es nötig haben), sich als etwas Besserer zu fühlen, können solche Informationen helfen - je nach Grad der Demenz auch mal häufiger...

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo, vielen Dank für Antworten. Wir werden sehen wie sich alles entwickelt. Ich werde heute wieder mit meinen Meditationen aus dem Achtsamkeitslehrgang anfangen, die habe ich die letzten Monate nicht mehr gemacht, haben mir aber bereits einmal sehr geholfen.


    Zu den Zufällen.

    Da kann ich auch etwas beisteuern. Ich habe ja ein Geschäft und da seit über 10 Jahren eine (sehr nette) Kundin die mit ihrer Geschichte sehr gut in dieses Forum passen würde. Sie kommt etwa 1 bis 2 mal ihm Jahr im Geschäft vorbei und immer reden wir recht lang. Biographien ähneln sich, sie ist ebenfalls Selbstständig musste aber den Betrieb von heute auf morgen übernehmen als ihr Vater mit anfang 60 von einer Leiter viel und davon u.a. schwere kognitive Einschränkungen zurückbehalten hat. Das ist einer schweren Demenz sehr ähnlich. Aber ich schweife ab. Diese Frau sehe ich immer an den schwersten Tagen.

    Sie War im Laden als mein Papa meine Schwester vor 8 Jahren vom Frauenarzt mit der diagnose Brustkrebs heimgefahren hat. Sie war im Laden als bei mir eine schwere Augenerkrankung diagnostiziert wurde. sie war im Laden als bei Papa ein Leistenbruch diagnostiziert wurde und als Papa seinen Lebensverändernden Herzanfall hatte lag in Laden etwas zur Abholung bereit. Drei mal dürft ihr raten wer gestern als ich Kisten reingetragen habe, vor dem Altersheim wartete um seine Mutter zum Zahnarztbesuch abzuholen

  • Lieber Sohn,

    Diese Frau ist DEIN Engel und irgendwer passt von oben auf dich auf!! Es gibt solche Phänomene ;) und wie gut, dass du es wahrnimmst.

    Die Reaktion von deinem Vater klingt sehr vielversprechend und dass du nun erstmal ein Loch in deinem Leben empfindest, ist sehr verständlich.

    Ich habe anfangs, als meine Mutter hier im Heim war, jeden Morgen befürchtet, dass ein aufregender Anruf von dort kommt. Es ist nicht einfach einen lieben Menschen in andere Obhut zu geben, doch es haben ja soooo viele vor dir hinbekommen, wenn's einen selbst trifft, ist es eben immer besonders.

    Mich wundert, dass es feste Termine gibt, aber ist wohl das sogenannte Hausrecht.. bei uns muss man "nur" einen negativen Test vorweisen.

    Liebe Grüße

  • Aus diesem Grund ist es nicht klug, Formen des Zwanges zum trinken zu wählen, auch wenn sie kreativ sind

    Herzlichen Dank für diese Darstellung, denn in diesem Punkt bin ich mir mit meiner Schwester und der Betreuerin eindeutig uneins, weil ich mich weigere, diesen Zwang zu erzeugen und auch nicht bei jedem Telefonat nachfrage, ob sie jetzt trinkt oder nicht. Mit ihrer Hilfe habe ich ein gutes Argument gefunden.

    Auch ansonsten Danke für Ihre Antwort, sie stärkt mich auch wieder auf meinem Weg mit der Mutter und den anderen Beteiligten.

  • Hallo in die Runde,


    meinen ersten Besuch bei Papa habe ich hinter mir. Ich war innerlich eigentlich auf alles vorbereitet und so konnten mich seine Vorwürfe nicht aus der Fassung bringen. Er ist in keinem gutem Zustand, sehr verbittert droht mit Anwalt, ich würde nichts für ihn tun etc. und will natürlich sofort nach Hause.
    Ich wäre ein Lügner und Betrüger ...


    Auf all das war ich aber vorbereitet. Worauf ich nicht vorbereitet war, war die (Stations?)Pflegerin. Die hat mir gleichmal aufgetischt wie schwierig mein Vater ist. Er schläft nicht, versucht dauernd auszubüchsen(kenne ich zuhause von ihm nicht), die pflanzlichen Beruhigungsmittel wirken nicht, er braucht da was stärkeres.

    Er braucht dringend einen Signalgeber damit die auf Station wissen wenn er aus dem Zimmer geht. Er wurde wohl auch schonmal ein einem anderen Stockwerk gefunden. Außerdem wäre das aktuelle Zimmer für ihn ungeeignet weil es einen Ausgang nach draußen hat. Wegen meinem Vater könnten Sie die Stationstür nicht mehr schließen (sein Zimmer ist außerhalb gegenüber den Aufzügen). Außerdem agiert er als "Fluchthelfer" und hält anderen Bewohnern noch die Tür nach draußen auf.

    Als dann der Satz kam "er ist wohl noch nicht so weit das er ins Heim gehört" gefallen ist wusste ich schon was sie mir sagen will.

    Er war ordentlich angezogen, aber die Toilette roch wie ein Bahnhofsklo. Er trägt noch das Unterhemd und Pullover von Freitag. Geduscht wurde er wohl noch nicht, das war jedenfalls alles noch unangerührt.


    So was mache ich jetzt mit dieser Aussage? Ich muss sagen meine Stimmung hat sich im Moment total gedreht. Ich bin nicht mehr total verängstigt sondern eher sauer. Ich verstehe da die Erwartungshaltung nicht, ich bringe ja keinen gesunden und rüstigen Mann ins Heim sondern einen Demezkranken mit Pflegestufe 4.

    Morgen muss ich ihn ja sowieso hin weil es zum Kardiologen geht, da werde ich versuchen mit der Heimleitung ein Gespräch zu bekommen.

  • Lieber Sohn,

    Auch ich finde es richtig gut, dass Du sauer bist!!! Weißt Du, was man so sich merkt? Dass Du wieder zu Kräften kommst!!! Super.


    Vielleicht klärt ein Gespräch mit der Heimleitung alles.


    Weitermachen!

    Und zwar genau so!

    Lg Alfi

  • Hallo Sohn,


    ich habe hier immer mitgelesen. Ich freue mich über jeden, bei dem die Heimunterbringung im Großen und Ganzen gut funktioniert hat.

    Sehr gefreut habe ich mich auch über die Beschreibung des Zimmers mit Terrasse, die Du hier beschrieben hast. Aber für einen Demenzkranken ist das nichts, wenn man die Terassentür nicht absperren kann.


    Ich kann verstehen, dass du sauer bist. So gut sich das Heim anfangs präsentiert hat, so sehr hätte man doch daran denken müssen, dass der Vater dement ist und natürlicherweise anfangs daran denkt, zu flüchten. Auch die coronabedingten Besuchseinschränkungen finde ich nicht gut, wenn es bei demenzkranken mal brennt. Ich habe einiges erledigen müssen, wozu das Personal keinen Zeit gehabt hat.


    Ich stelle mir das nie einfach vor, wenn jemand, wie Dein Vater, der manchmal noch recht munter mitagieren kann und der einen eigenen Willen hat, in einem Heim ist. Es dürfte aber trotzdem machbar sein, denke ich mir. Der Vater hat immer wieder Einbrüche, die es zunehmend schwerer machen, weiter auf Dauer das zu leisten, was Du geleistet hast.


    Ein Mittel, was anfangs hilft, vor allem abends, fände ich jetzt nicht so verkehrt, wenn es gut eingestellt wird. Ich kenne hier zum Beispiel Melperon.


    Wenn nachts die halbe Station wachgehalten wird und wenn Fluchtgefahr besteht, dann ist das Personal überfordert, verständlich.


    Ich finde es immer noch ein Versäumnis, dass wir nicht mehr Demenzdörfer haben. Vor kurzem war dazu eine Sendung auf Arte. Wir brauchen auch mehr Personal, so wie in Luxemburg. Die haben doppelt so viel, wie wir hier.


    Ich würde an Deiner Stelle noch einmal mit der Heimleitung sprechen. Ein anderes Zimmer wäre vielleicht nicht verkehrt.


    Ich würde hier genau beobachten und ich würde mich auch, so wie Schwarzer Kater es beschreibt, weiter anderweitig umschauen.


    Wenn der Vater nicht gepflegt aussah, dann kann es einerseits daran liegen, dass er die Pflege verweigert hat. Andererseits kommt es auf die Pflegekräfte und die Zeit an, die darauf verwendet werden kann. Unsere Demenzkranke hat dann vieles mitgemacht, wenn der Ton und die Zuwendung gestimmt haben.


    Ich hoffe, für Dich, dass jetzt Zwischenlösungen gefunden werden, die dem Vater helfen und dass das Heim sich auf die Situation einstellen kann.


    Ich drücke fest die Daumen.


    Liebe Grüße

  • Hallo Sohn83 ... das tut mir echt leid, dass Du nach der eigentlich erfolgreichen Einlieferung dann heute gleich so eine schlechte Erfahrung hattest!


    Das mit dem Klagen des Personals finde ich auch komisch. Ich habe wirklich Verständnis für den Stress wegen Pflegekräftemangel, und ich würde den Job nicht machen wollen. Aber die Patienten sind halt einfach alt und gebrechlich, deshalb ist es etwas unverständlich, wenn einem erzählt wird, wie "schwierig" der Vater ist. Meiner ist ja derzeit in der Psychiatrie, und selbst dort haben sie ihre Schwierigkeiten mit ihm. Am Freitag hat mir eine der Älteren (und eigentlich recht netten) Pflegerinnen erzählt, dass mein Vater, wenn man ihn in einem Heim verlegen würde, nach wenigen Tagen wieder in die Psychiatrie zurückgeschickt würde. Bei uns kommt von Ärzten bzw. Pflegepersonal oft ein "überraschend/bewundernswert, dass Sie es so lange mit ihm zuhause ausgehalten haben" dazu (Korsakow Patienten sind wohl extrem schwierig zu handeln), weshalb ich schon Sorgen habe, wie es dann mit einem beschützten Heimplatz mal laufen soll.


    Mit dem Duschen und Anziehen haben wir auch unsere Probleme. Er will einfach nicht, und eh sie sich angreifen oder beschimpfen lassen, macht das Personal lieber gar nichts. Und das mit dem Bahnhofsklo-Geruch im Badezimmer kenne ich auch, wobei ich sagen muss, dass die Pfleger da ständig hinterherputzen. Merkwürdigerweise hat mein Vater jetzt in der Psychiatrie angefangen, stehend zu pinkeln, was er lt. meiner Mutter zuhause nie gemacht hat.


    Diesen Mist mit Anwalt, Vollmacht widerrufen usw. hatten wir zum Glück noch nicht, wobei er da wahrscheinlich einfach zuviel Pillen bekommt und völlig weggetreten ist. Weiss nicht, ob man da mal zum Anwalt sollte und sich beraten lassen; was ich in den letzten Wochen mit Gerichten und Verfahrenspflegern erlebt habe ist erschütternd, und obwohl bei meinem Vater keine Betreuung angeordnet wurde (und ich alles weiter mit meiner notariellen Vorsorgevollmacht machen kann), habe ich keine Ahnung was passieren würde, wenn er sagt, er will mir die Vollmacht entziehen.


    Na ja, mach Dir nicht zu viele Sorgen! Du hast das Richtige getan, egal was Dein Vater und das Heim sagen! Drücke die Daumen, dass er sich einlebt!

  • Hallo sohn83,

    Unmöglich von der Pflegerin, wie weit muss man denn bitte sein für die Heimreife? Was einzelne Pfleger/innen von sich geben, zählt letztendlich nicht, von daher drücke ich die Daumen für das Gespräch mit Heimleitung!

    Und kann ja gut sein, dass dein Vater die Pflege verweigert hat.

    Allerdings können sie ihn tatsächlich nicht gegen seinen Willen dahalten, falls er wirklich abhaut. Es kann dich andererseits niemand verpflichten, dich weiterhin aufzuopfern. Notfalls hart auf hart mit Beantragung von rechtl. Betreuung, alternativ GerontoPsychiatrie.

    Ich wünsche dir von Herzen die nötige Nervenkraft.

    Notwendige Medikamente mus/kann ein Arzt verordnen. Also neu sollte diese Situation für die Pflege wahrlich nicht sein.

    Liebe Grüße

  • Hallo,


    danke für die hilfreichen und bestärkenden Beiträge. Ich muss nachher wieder hin wegen dem Kardiologen Termin. Ich werde dann das Gespräch mit der Heimleitung suchen und dann berichten.

  • kleines Update.


    Papa war heute etwas gefasster, hat aber große Schmerzen im Bein. Das verwundert nicht wenn er ständig herum läuft.
    Aber er war realtiv ruhig, erst ihm Auto nach dem Arzttermin wurde ich wieder etwas geschimpft, weil das alles so lange gedauert hat und er solche Schmerzen hat und ich ihm sowas nie wieder antun darf. Der Weg zurück zum Heim war aber zum Glück sehr kurz (300 Meter).

    Ich habe VIELLEICHT?? einen Weg gefunden wenigstens im Moment zu ihm durchzudringen und zur Kooperation zu bewegen. Ich konzentriere mich voll auf die medizinische Seite:

    "Papa du bist im Moment hier weil es dir nicht gut geht, es müssen Medikamente geändert werden und das ist bei mir zu Hause zu gefährlich. Da brauchen wir eine ständige fachliche Bereitsschaft falls es Probleme gibt. Wir wollen doch alle das es dir wieder besser geht."


    Das scheint (mit einigem Gegrummel seinerseits) einigermaßen zu ihm druchzudringen....


    Der Kariologen Termin (2,5 Stunden mit Wartezeit ...) war entsprechend antrengend für ihn, mit Rollstuhl ging es aber. Während EKG etc hat er praktisch die ganze Zeit auf der Behandlungsliege geschlafen. Die Werte sind nicht berauschend und der Herzschrittmacher im Dauereinsatz (Vergleich 32x angeschlagen in der vorletzen Messperiode, in der aktuellen (9 Monate) über 1000 mal). Der Kardiologe hat jetzt Aspirin und Gingko abgesetzt dafür gibt es jetzt Eliquis. In dem was er nicht laut ausgesprochen hat war er aber sehr eindeutig. ....


    Zum Heim.

    Ich habe den gestrigen Vorfall auf Station sowie mit der Heimleiterin besprochen.

    Ich habe auch auf Station im Stationszimmer gesagt das ich dieses Verhalten nicht in Ordnung finde, als dann so ein junger Pfleger gelächelt hat bin ich etwas pampiger geworden und habe klargestellt das sie in Zukunft solche Äußerungen gefälligst für sich behalten dürfen.


    Danach ging es zur Heimleitung, da hatte ich in der Verwaltung bevor wir zum Doktor mussten bereits Bescheid gesagt und das Problem beschrieben.

    Die Heimleiterin hat dann alles notiert, sich vielmals entschuldigt das so ein Verhalten in keinster Weise gerechtfertigt ist.

    Die betreffende Pflegerin ist jetzt im Urlaub aber sie wird das ansprechen. Vorallem bei der Aussage "noch nicht so weit das er ins Heim gehört" musste sie schlucken. Ich habe da nochmal deutlich gemacht das ich mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht habe und das so eine Aussage wohl das letzte ist was man beim Erstbesuch hören will.
    Die Probleme werden jetzt (hoffentlich) gelöst. Sie installieren einen Signalgeber damit sie mitbekommen wenn er sein Zimmer verlässt. Ich meinerseits schaue heute abend beim Hausarzt vorbei und lasse wenigstens für die Nacht ein Mittel verschreiben.

    Ich habe dann nochmals darauf hingewiesen das sie in mir einen sehr kooperativen Angehörigen haben werden und ich nicht die Absicht habe zum Problemfall zu werden, trotzdem werde ich Probleme wenn sie auftreten ansprechen. Dafür hat Sie sich bedankt und ich bin dann gefahren.

  • Ich möchte auch mal ein allgemeines Update geben. Gerade komme ich wieder von meiner Mutter, die ich im Pflegeheim besucht habe.


    Ich finde, dass dieses Heim einen Orden verdient hat. Man geht mit einer Selbstverständlichkeit an alles heran, die ich zuvor noch nie erlebt habe. Meine Mutter strahlt dadurch eine Zufriedenheit aus, die schon beinahe mystisch ist ... (so war sie früher nie oder nur selten).

    Die Pflegerin nahm mich heute beiseite und erklärte mir mit einem fröhlichen Lachen, dass meine Mutter ständig die Adventsgestecke wegräumen will, um für Ordnung zu sorgen ... man lässt sie dann gewähren und räumt es halt wieder hin. Wenn sie Kügelchen aus Brot bastelt, kriegt sie dafür eine Scheibe Brot extra. Vorsichthalber wird sie aber gewogen, damit das Gewicht auch unter Kontrolle bleibt. Sie isst ansonsten mit Appetit (kriegt ja auch, was ihr schmeckt).


    Aber nicht nur meine Mutter, alle Bewohner sind ähnlich gelassen drauf. Doch eben nicht ruhig gestellt, sondern wie gemütlich "zu Hause".


    Ich wollte das nur mal berichten, weil es zeigt, wie gut es auch gehen kann.

    Auf jeden Fall kriegen die Mitarbeiter im Heim von uns ein richtig großes Weihnachtrsgeschenk (Nikolausgeschenke gab es schon).

    Liebe Grüße

  • Hallo Sohn83, Du hast meine ganze Hochachtung, wie strukturiert, überlegt und sinnvoll und dabei immer noch sehr einfühlsam Du mit Eurer Situation umgehst, obwohl sie Dich ja auch immer wieder mehr als nur ein bisschen belastet.

    Ich wünsche Dir weiterhin die Energie und auch den Erfolg dabei.


    Schwarzerkater, wie schön, dass Ihr so ein Heim für die Mutter gefunden habt.

    Ich bin sicher, wenn viel mehr Angehörige von solchen vorbildlichen Heimen berichten könnten, fiele es anderen Angehörigen auch deutlich leichter, ihre zu Betreuenden im Heim ihr weiteres Leben verbringen zu lassen.

    Vielleicht würden aber auch deutlich weniger Betreuungskräfte ausbrennen, wenn ihre Arbeitsbedingungen so gut wären, dass eine solch hervorragende Atmosphäre für alle möglich ist.


    Danke für Eure Berichte.

  • Vielleicht würden aber auch deutlich weniger Betreuungskräfte ausbrennen, wenn ihre Arbeitsbedingungen so gut wären, dass eine solch hervorragende Atmosphäre für alle möglich ist.

    Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung, wie die Pflegekräfte DAS hinkriegen. Das Heim steht auf einem Dorf in idyllischer Umgebung, die Pflegekräfte machen einen total entspannten Eindruck (obwohl sie schon auch mal hin und herrennen. Man ist einfach total freundschaftlich miteinander, alle sprechen sich mit Du an, das fand ich erst befremdlich, macht aber absolut Sinn. So sind alle wie eine Familie. Vorher war meine Mutter in einem normalen Pflegeheim (Kurzzeitpflege). Das war eigentlich auch nett, aber es wirkte halt wie ein Pflegeheim.


    Ich glaub (ich hoffe!!!!), diesmal haben wir Glück im Leben und den Sechser im Lotto bekommen. Meine Mutter hatte früher genau einen Wunsch: NIE IN EIM HEIM! Und jetzt ist auch dieser Wunsch vergessen ...

  • Gestern abend habe ich über den Hausarzt noch ein Schlafmittel bekommen (Zolpidem) damit ging die Nacht wohl sehr viel besser.
    ABER heute morgen kam der Anruf er ist vor der Toilettentür gestürzt. Es gehe ihm aber gut, nichts gebrochen. Davor hatte ich aber große Angst.

    Heute abend gehe ich wieder hin und schaue mir an wie es ihm geht. Vielleicht rede ich mal ob man die Toilettentür aushängen kann, damit dieses Hinderniss weg ist.

    Aber die Ängste und Zweifel sind da natürlich nicht weniger geworden.

    Trotzdem, aktuell werden Medikamente umgestellt und nächste Woche Montag geht es wieder zur Schmerzsprechstunde. Das letzte mal hat eine Erhöhung des Oxykodons ja sofort den Blutdruck sehr bedenklich abstürzen lassen. Da möchte ich ihn sowieso nicht zu Hause haben, da ist mir eine fachliche Überwachung wichtiger.

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