Wie geht es Euch? Thread IV

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  • Guten Morgen,


    heute war meine Nacht wieder um 3 Uhr vorbei. Anruf vom Heim er ist mehrfach gestürzt. Es geht ihm aber gut, sie würden ihn aber gerne in Krankenhaus zur Überprüfung geben, es wäre aber auch möglich bis zum morgen zu warten ob er Schmerzen hat.

    Da Krankenhaus bei meinem Papa so extremst schwierig ist (die letzten zwei mal praktisch unmittelbar ein hyperaktives Delir) habe ich gesagt sie sollen warten und ihm aus seiner Bedarfsmedikation Paracetamol geben. Das hilft recht gut gegen seine Hüftschmerzen.


    Heute morgen habe ich wieder telefoniert, es geht ihm soweit gut. Er läuft auch ist aber sehr unruhig und hat nicht mehr geschlafen. Die Pflegerin will heute mal mit dem Hausarzt telefonieren ob man an der Medikation noch was ändern kann.


    Natürlich habe ich seit drei Uhr auch nicht mehr geschlafen ... ich bin total ratlos, habe Angst um ihn und bin gleichzeitig total wütend (warum auch immer). Er ist jede Nacht total unruhig und schläft trotz Schlafmittel nicht. Ich weiß echt nicht weiter

  • Hallo Sohn83,

    Ich verstehe deine Sorge gut. Mir wurde vom Hausarzt meiner Mutter gesagt, dass die eigentlich schlaffördernden Medikamente bei alten Menschen oft gegenteilig wirken können, also mehr Unruhe und/oder Sturzgefahr bewirken können. Besser sei da sowas wie Pipamperon (niedrig dosiert). Es ist schon wichtig, dass ein Arzt sich geriatrisch auskennt, weiß nicht, wie das bei eurem Hausarzt ist. Die Pflegeheime haben ja in der Regel Ärzte mit entsprechender Erfahrung als Ansprechpartner, also bei uns jedenfalls.

    Die derzeitige Unruhe deines Vaters mag ja auch noch der Umstellung geschuldet sein.


    Alles Gute,

    Rose

  • Ich kann mich hier nur anschließen.


    Die Medikation muss gut überlegt und typgerecht sein. Ich habe das leider auch erlebt, dass Demenzkranke gerade im Heim ect. anfänglich gestürzt sind.


    Wütend hat mich vor allem immer die Hilflosigkeit gemacht. Man hat selbst nicht mehr alles in der Hand und es läuft bei anderen auch nicht immer alles glatt und vor allem, dass man nicht jedes Leid auffangen, beschönigen und besser machen kann. Ich war dann traurig, hilflos, wütend zugleich.

  • Ich hätte mir da auch so vieles gerne anders gewünscht. Letztendlich ist es gut, wenn irgendwann eine Konstanz eintritt und wenn man mitbekommt, der Demenzkranke kann trotz allem noch seine kleinen Freuden hin und wieder finden.

    Die Anfänge sind oftmals schwer. Gut ist, dass der Vater beweglich ist und alles andere müsste dann nach und nach machbar sein.


    Da möchte ich auch ein wenig Hoffnung geben. :)

  • Ich danke Euch. Es tut manchmal einfach nur gut wenn die eigenen Nöte verstanden werden.


    Ich sitze jetzt ein wenig auf heißen Kohlen, nach der Arbeit habe ich einen Besuchstermin. Mal schauen wie es ihm da geht.

  • Schwarzer Kater,


    Das Heim, indem Deine Mutter liegt, ist tatsächlich wie ein sechser im Lotto. Im Grunde gehört Dieses Heim ins Fernsehen und als Anregung zu Herrn Lauterbach, wie man vielleicht gewisse Standards einführen kann. :)


    ich lese da gerne und erstaunt mit.


    Aber auch Rose hat es anscheinend gut getroffen.


    Wenn auch vieles schwer fällt und wenn man immer wieder etwas runtergezogen wird und so manche Veränderung einem weh tut, so ist es doch ein großer Trost, wenn der Mensch, der eine Demenz hat, gut versorgt wird.


    Ich will mir für meine Mutter noch einige ansehen und hoffe, dass da auch eine Perle zu finden ist. :)

  • Hallo teuteburger,

    Schön wieder mal von dir zu lesen :)

    Ein bisschen hängt es sicher auch davon ab, wie der demente Angehörige so drauf ist. Meine Mutter hat zwar die ersten beiden Jahre MIR das Leben schwer gemacht, aber zum Personal war sie fast durchgängig liebenswürdig und angeblich zufrieden. Dann gehen sie auch gerne mit ihr um, bei einer Auszubildenden sogar als Vorzeige Patientin.

    Bei meinem Vater war es angeblich auch ein Heim , das eine bundesweite Auszeichnung bekommen hat (für dementen mit herausfordernden Verhalten, auf richterliche Anordnung), er hat sich da aber wohl furchtbar verhalten, so wie für mein Empfinden sein Leben lang, ist nachts durch seine eigenen Ausscheidungen gerutscht u.v.m. Also da habe ich die größte Hochachtung vor dem Pflegepersonal, ich könnte (und wollte) das Alles nicht.

    Liebe Grüße

    Rose

  • Liebe Schwarzer kater,

    Das tut mir alles leid. Gerade so engagierte Menschen zu verlieren, ist ein harter Schlag. So ging es mir im Sommer, als ganz unerwartet die junge pflegebedürftige Freundin meiner Mutter aus dem Heim verstorben war.

    Ach, und der Schub deiner Mutter natürlich auch traurig, da möchte man doch am liebsten, dass die alten Menschen einfach mal im Schlaf "gehen" , aber man wird einfach nicht gefragt, sondern muss wieder irgendwie einen Umgang damit finden..

    Herzliche Grüße

  • Das tut mir sehr Leid.

    Ich hoffe sehr für dich das es in diesem tollen Heim weiter so gut läuft.


    Ich fühle mich fast schon schuldig das ich diesen Thread aktuell fast wie einen Blog kapere, aber es hilft mir im Moment.


    Gestern abend habe ich Papa wieder besucht. Er war eigentlich in einem besseren Zustand als ich erwartet habe. Jedenfalls gut genug um zu klagen wie schlecht es ihm doch im Heim gehe und das er da weg will. Er hat viele blaue Flecken von seinen Stürzen (mittlerweile 5). Ich habe gesagt sie sollen ihm bitte aus einer Bedarfsmedikation mit Paracetamol versorgen, jedenfalls bis Montag dann haben wir einen Termin in der Schmerzsprechstunde.
    Heute Nacht habe ich nichts gehört und praktisch wie im Koma geschlafen. Das tat gut.


    Ich mache mir aber Gedanken ob die Heimwahl richtig war. Eigentlich hat sich das alles so toll angehört. Auf Papas Station ist auch die untergemischte Tagespflege untergebracht. Tagsüber also Tagespflege Betreuung. Leider muss ich sehen das es einen großen Unterschied zwischen unserer bisherigen externen Tagespflege und der Tagespflege im Heim gibt.

    Ich habe in der Tagespflege immer ein Monatsprogramm bekommen, da stand dann jeweils für Vormittag und Nachmittag die geplanten Aktivitäten. Singen, Malen, Kirchgang, Erinngerungsthema zb. Winter etc.. min. 2x wöchentlich MAKS (motorisch, alltagspraktisch, kognitiv, sozial, Mehrkomponententherapie), min 2x wöchentl. Sturzprophylaxe. Dazu einbinden in Aktivitäten wie kochen.

    So etwas habe ich ihm Heim noch nicht gesehen. Vielleicht war unsere bisherige Tagespflege auch einfach eine große Ausnahme oder ich bin immer zu den flaschen Zeiten vor Ort.


    Die Pflegerinnen die ich bisher kennengelernt habe sind sehr nett und auch sehr hilfsbereit (auch mir gegenüber), mit einem der männlichen Pfleger werde ich wohl nicht mehr grün. Der strahlt einfach eine Kälte aus.

    Gestern abend habe ich Papa in den Gemeinschaftsraum zum essen gebracht, dort sitzen immer die gleichen vier Leute und schweigen sich an, der rest bekommt das Essen aufs Zimmer. Der Pfleger hat mich wohl nicht gesehen (ich kniete neben meinem Papa auf dem Boden) und so hat er mit seiner Kollegin über eine Patientin geschimpft weil die wohl meint sie wäre hier in einem Hotel und er nur dafür da ihr das Essen zu bringen. Das gefällt mir alles irgendwie gar nicht.

  • Hallo Rose,


    vielen Dank für Deine Erfahrungen. Es ist wirklich alles sehr individuell. Da das Richtige zu finden, das ist manchmal wie russisches Roulette. :)


    @Schwarzer Kater,


    das macht mich auch Betroffen. Gerade in einem so gut geführten Heim. Ich hoffe und wünsche, dass es ein guter Nachfolger gefunden wird. In unserem damaligen Heim, hat nach einer Kündigung eine Frau die Heimleitung übernommen, die bereits im Heim gearbeitet hatte. :)

    Die Demenzkranken haben immer wieder neue Verhaltensweisen, was man vorher kaum hätte glauben können. Manches ist dann vielleicht nur eine Phase.


    sohn,


    lese ich das richtig. Ist Dein Vater fünf Mal gestürzt? Das kommt mir doch ein bisschen viel vor. Kann natürlich auch anfangs die ungewohnte Umgebung sein. Die Medikamente muss man hier im Auge behalten. Ich weiß jetzt gar nicht mehr - hat er einen Rollator?


    Die Tagespflege ist immer recht individuell. Das Unterhaltungsprogramm bei meiner lieben Schwiegermama war recht gut vormittags. Gemeinsames Frühstücken im kleinen intimen Kreise, dann Tischgymnastik, evt. etwas backen usw. Ich hätte mir gewünscht, dass die Damen den ganzen Tag über dagewesen wären. Die waren wirklich gut. Ich würde mich an Deiner Stelle mal erkundigen, wie da der Ablauf ist, damit Du dir ein genaues Bild machen kannst.


    Im Heim bei meiner Schwiegermama ging es im Gemeinschaftsraum auch lebhafter zu, als Du das beschreibst. Da waren aber auch Schweigende dabei. Es war gemischt. Es wäre mal interessant zu wissen, ob das immer so ist. Manchmal ist der Gemeinschaftsraum mit unterschiedlichen Personen besetzt, so dass es mal lauter oder mal leiser zugehen kann. Es ist die Frage, wie ist der Durchschnitt allgemein. :)


    Was die Pfleger angeht. Da hat die letzte Heimleiterin zu mir gesagt, dass es schwer ist jemanden Passendes zu finden und manchmal muss man auch jemanden einstellen, den man normalerweise menschlich gesehen, nicht einstellen würde. Diese Ehrlichkeit hat mir gefallen, aber es hinterlässt auch einen Beigeschmack. Das Pfleger auch mal genervt sein können, das kann ich durchaus verstehen. Aber sie sollten das nicht an den Patienten auslassen.


    Gerade wenn mir ein Pfleger unsympatisch gewesen ist, bin ich auf diesen zugegangen und habe freundlich das ein oder andere gefragt und habe auch Verständnis für die Lage gezeigt.

    Ich würde so jemanden aber auch im Auge behalten und schauen, wie er im tatsächlichen Umgang mit den Patienten ist.


    Ich kann Deine Zweifel verstehen, was die Heimwahl angeht. Trotzdem würde ich dem Ganzen noch etwas Zeit geben. Umsehen würde ich mich aber weiterhin. Das habe ich auch gemacht. Hätte meine Schwiegermama noch länger gelebt, dann hätte ich sie auch lieber woanders gesehen. Aber der Stationsleiter war eine wahre Perle, genauso wie zwei Pfleger und in der Sterbephase hatte meine Schwiegermama wirklich Glück gehabt. Die zwei Damen, die die Nachtschicht hatten, waren ein Schatz. Es gab aber auch zwei, die hätte ich auf keinen Fall dann dahaben wollen - nicht wegen Sympathie oder Antipathie, sondern weil sie auch sonst grenzwertige Verhaltensweisen am Patienten verübt haben.


    Liebe Grüße an alle

  • Hallo Teuteburger und schwarzerkater,


    ja Papa ist mittlerweile 5x gestürzt. Sehr bedrückend weil das bisher (zu Hause) nicht vorkam. Rollator hat er, auch Rollstuhl, Krücke, Stock ..... Heute Nacht ging es wohl besser und sturzfrei, ich habe heute morgen mit einer Pflegerin telefoniert. Sie haben jetzt nachts eine Kontaktmatte installiert so bekommen sie Nachricht wenn er aufsteht. Das scheint gut funktioniert zu haben. Die Pflegerin hatte nur zwei Einsätze einmal um 0:30 Uhr und um 4 Uhr. Die Pflegerin hat aber vermerkt das er nachts sehr schlecht gehen kann, also auch von der Koordination her.

    Da spielen halt viele Sachen rein, die Arthrose, die nachlassenden Kräfte, die Medikamentenumstellung. Dazu meinte der Neurologe ja auch es gäbe neurologische Schäden (durch viele lange Herzaussetzer) die vorallem das schmerzende rechte Bein betreffen.


    Fast musste ich lachen, auch ich bin heute nacht zwei mal wach geworden und hab auf die Uhr geschaut, 0:30 Uhr und ein paar Minuten nach 4 Uhr .....


    Erschüttert war ich das es tatsächlich nur zwei Nachtpfleger das gesamte Haus versorgen (88 Betten auf 4 Stockwerken). Ich musste tatsächlich im Internet nachlesen das daß ganz normal ist. Das stimmt mich traurig, ich weiß wie viele Nächte ich mich massiv um Papa kümmern musste und wie anstrengend das ist. Den Job würde ich wirklich nicht machen wollen ...


    Alles liebe an Euch.

  • Hallo Sohn83, dass Du heute Nacht genau zu den Zeiten wach geworden bist, als auch Dein Papa wach war, zeigt, dass Du einen sehr guten Draht zu ihm hast.

    So etwas sehe ich nicht als Zufall, sondern als deutliche Verbindung, die sich (ähnlich wie die diversen Wellen magnetisch, elektronisch oder wie sie alle heißen) auch über Entfernung zwischen Menschen bemerkbar macht - man sagt ja auch: die haben einen Draht zueinander. Das dürfen wir viel wörtlicher nehmen, als es gemeinhin gemeint wird.

    Genau diese Nähe darfst Du aber auch als Sicherheit nehmen, dass Du Dich bisher wirklich um Deinen Vater gekümmert hast, so wie es für Dich optimal möglich war - und Du auch rechtzeitig erkannt hast, wann es Zeit ist, professionelle Hilfe in steigendem Maß anzunehmen.

    Wie schon andere schrieben, die damit eindeutig mehr Erfahrung haben als ich: lass Euch noch Zeit für die Eingewöhnung, aber auch ich würde ein paar Augen offen haben, ob sich die Möglichkeit eines besser zu Euch passenden Hauses bietet, falls nach der Eingewöhnung noch zu viele Fragen offen sind.

    Alles Gute Euch


    aber auch allen anderen hier.

  • Lieber Sohn, ich lese immer mit, lerne mit und wollte auch nur sagen: Du missbrauchst da garnichts sondern wir helfen uns ja alle gegenseitig.

    Freu Dich darüber dass Du Dich langsam entspannst, dass im Heim auf Deinen Vater eingegangen wird:

    Schau mal selbst wenn man gesund ist und in einem 5-Sterne Hotel Urlaub ist klappt oft nicht alles: per Saldo geht es ihm gut! Und Dir auch!

    Lg Alfi

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sohn83, zunächst finde ich es richtig, dass Sie im Heim Ihrem Ärger Luft machen und das Forum nutzen, sich alles von der Seele zu schreiben, auch von meiner Seite: Bitte keine Hemmungen in solch schwierigen Situationen.


    Schade, dass ich Anfang der Woche keine Zeit für`s Lesen hatte. Die Stürze, die Schmerzen und die Erfahrung der hypoaktiven Delire im Krankenhaus hätten den Hausarzt und die Fachpfleger*innen aufhorchen lassen müssen!

    Alles was Sie geschrieben haben, kann auch unter der Überschrift "Delir oder Prädelir" stehen. Dies betrifft auch die verletzenden Anschuldigungen Ihres Vaters, bei denen Sie zum Glück "professionell" geblieben sind.

    Sprechen Sie dies bitte bei der Schmerzambulanz und im Heim an. Die übliche Behandlung erfolgt dann über ein stark wirkendes Neuroleptika, dass für den Übergang gegeben wird. Hinzu kommt die ursächliche Behandlung, so wie durch den Kardiologen und die Schmerzambulanz. Die andere Alternative ist möglicherweise die 1:1 Betreuung, die Sie so oft zuhause weit über Ihre persönlichen Grenzen geleistet haben. Das Heim wäre also gut beraten, wenn Sie aus "gesundheitlichen und sozialethischen Gründen" eine Ausnahme bei den Besuchsregelungen machen - so wie es die mir bekannten Landesverordnungen vorsehen. In diesem Fall könnten sie Ihrem Vater beistehen, so wie es Ihre Zeit und Kraft erlaubt!


    Wenn Sie also heute oder morgen Nacht angerufen werden sollten, würde ich empfehlen, mindestens einen Bereitschaftsarzt hinzuzuziehen, der die Schmerzen ggf. effektiver als mit einem Paracetamolbedarf behandelt und die Delirhypothese abklärt!


    Vom nächsten Jahr an ist es mir möglich zweimal in der Woche in das Forum zu gehen, sodass ich dann etwas schneller auf eine mögliche "Notbremse" hinweisen kann.

    Bleiben Sie bitte in Ihrer Kraft und bei Ihrer Entscheidung! Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SchwarzerKater, den Mitarbeitenden, Angehörigen und Bewoher*innen des so guten Heimes wünsche ich sehr, dass es jemand gibt, der oder die diese gute Tradition der Milieutherapie weiterführt.

    Das was Sie geschrieben haben entspricht genau dem, was ich in unserem IQM Demenz und dem Qualitätsbündnis Demenz unterstütze. Leider sind diese Strukturen durch die lange Pandemie, den Fachkräftemangel und die Pflegenot noch nicht wieder mit Leben gefüllt.


    Sicher gibt es einen Heimbeirat oder eine Angehörigenvertretung, die in einer solchen Situation darin unterstützen kann, des es nicht zum Verlust der Werte durch die Übernahme in einen der Pflegekonzerne kommt. Für engagierte Pflegekräfte sind jetzt die Rückmeldungen der Angehörigen besonders wichtig!

    Bitte schrieben Sie uns, wie es weitergeht.


    Wenn sich Ihre Mutter so zuhause fühlt, dass auch mal wieder (kurzfristig) andere Seiten zum Vorschein kommen, ist das nicht ungewöhnlich - gute demenzerfahrene Pflegekräfte bleiben da ganz gelassen und fallen nicht auf die alten Muster rein und die Demenz hilft beim Vergessen und verstärkt den inneren Frieden, den Sie nun schon so oft wahrnehmen durften.

    Es freut mich, dass Sie Teutoburger wieder Zeit zum mitschreiben gefunden haben, Sie wissen ja dass ich Ihre Beiträge immer sehr geschätzt habe!

    Ihnen alle eine ruhige und besinnliche Weihnachtswoche - auch und gerade in diesen stürmischen Zeiten, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Hr. Hamborg,


    ich danke Ihnen für Ihren ausführlichen Beitrag. Ich werde das bei den Stellen ansprechen.

    Gestern als ich meinen Vater besuchte wirkte er deutlich besser, wir hatten jetzt auch mehrere Tage keinen Sturz mehr. Er beklagt jetzt eher die Langeweile und ist nur die ersten paar Minuten unzufrieden. Die Taktik das ich mich auf die "medizinischen Vorteile" stütze funktioniert da weiter ganz gut.


    Aber dieses Problem mit der Langeweile hatten wir ja auch zu Hause permanent. Versuche meinerseits ihn mit anderen Bewohnern in Kontakt zu bringen haben bisher nicht gefruchtet. Leider scheinen die (etwas fitteren) permanenten Bewohner der Station alle recht zurückgezogen zu leben.

  • Angehörigen und Bewoher*innen des so guten Heimes wünsche ich sehr, dass es jemand gibt, der oder die diese gute Tradition der Milieutherapie weiterführt.

    Das was Sie geschrieben haben entspricht genau dem, was ich in unserem IQM Demenz und dem Qualitätsbündnis Demenz unterstütze.

    Lieber Herr Hamborg, danke, dass Sie benannt haben, was wahrscheinlich der Grundsatz dieses Heimes ist: Mir gefällt das wahnsinnig gut. Obwohl das Heim, in dem meine Mutter zur Kurzzeitpflege war, auch gut gewesen ist, fühle ich mich hier viel wohler. Im Grunde passiert gar nicht so viel, aber das stimmt ja nicht. Es geht halt genauso zu, wie es zu Hause auch wäre. Zudem hat meine Mutter ein schönes Zimmer (eigentlich Appartment) mit Ausblick und man holt sie da immer wieder raus, so dass sie das normale Leben mitkriegt. Es wird auch auf Kleinigkeiten geachtet.


    Ich hoffe, dass ihre "Verhaltensweisen" ihr nicht so sehr im Wege stehen. Bis zum gewissen Punkt lässt man sie "machen", aber um die Adventsgestecke ist es halt wirklich schade. Danke nochmals und liebe Grüße!

  • Hallo,


    gestern beim Besuch war mein Papa sehr depressiv, er hat geradezu schluchzend geweint, er weiß nicht wie er hier (also Heim) weiterleben soll und warum ich ihn dahin gebracht habe.

    Er tat mir so leid. Ich bin dann länger geblieben und konnte ihn wieder etwas aufrichten. Nachdem er Samstag realtiv fit wirkte war das gestern wieder komplett umgekehrt.


    Heute hatten wir einen Termin in der Schmerzsprechstunde, er macht weiter keinen guten Eindruck und war sehr trattrig. Die Stimme ein leises flüstern. Er bekommt ab heute Abend Schmerzpflaster (Buprenorphin). Ich hoffe wirklich das dies etwas Linderung bringt und wir von den Nebenwirkungen etwas verschont bleiben. Zusätzlich bleibt es bei der Bedarfsmedikation von Paracetamol.


    Ich konnte heute auch mit der Pflegeleitung ein gutes Gespräch führen (das erste). Diese ist mit mir den Medikamentenplan durchgegangen und konnte etwas über Papas "Besonderheiten" und wie man damit gut umgehen kann sprechen.


    Auch den Verdacht bzgl. Delir (Danke martinhamborg ) habe ich ansprochen. Wir sind jetzt so verblieben das heute abend beim Hausarzt vorspreche (weil ich diesen kenne) um evtl. eine Medikation zu bekommen. Auch soll ich eine Überweisung zum Neurologen bringen, der Neurologe ist alle 4-6 Wochen im Haus. Sie versucht aber einen früheren Termin für Papa (Hausbesuch) zu bekommen. Das neurologische Versorgungszentrum ist dem Krankenhaus angegliedert und keine 100 Meter vom Heim entfernt. Die Aussage der Pflegeleiterin "Sie brauchen sich keine Sorgen machen, wir kümmern uns gut um Ihren Vater" hat mich dann tatsächlich etwas beruhigter gehen lassen.


    Leider ist halt gerade Weihnachten und viele Ärzte verabschieden sich im Urlaub das macht es nicht einfacher.

  • Ein Suizidrisiko würde ich auch gering einschätzen, mit zunehmender Demenz und körperlicher Kraft wird dies immer kleiner. Das Selbstbestimmungsrecht wurde ja höchstrichterlich bestätigt und der dieser Gedanke stärkt das Gefühl von Autonomie, dass Ihrer Mutter offensichtlich so wichtig ist und Sie deshalb den Begriff "Sturheit" verwenden.

    Sehr geehrter Herr Hamborg, mit Ihrer Antwort haben Sie mir sehr viel weiter geholfen und auch eine völlig neue Perspektive zu diesen scheinbar suizidalen Äußerungen meiner Mutter zu finden.

    Sie erzählte gestern wieder davon, dass sie "geträumt" hat, auf der Burgmauer zu stehen und aber nicht gesprungen ist. Da kam mir in den Sinn, zu fragen, ob sie denn da wirklich springen und unten aufkommen wolle oder nicht vielleicht lieber fliegen möchte und so ihre Freiheit finden und genau damit traf ich ins Schwarze. Sie musste schon eine Weile überlegen und erst in einer weiteren Runde dieses Themas kamen wir dann drauf, dass sie sich vorstellte, wie sie fliegt, zuerst zu den Türmen der Sebalduskirche und die umrundet, dann weiter über die Altstadt zur Lorenzkirche. Dort wollte sie dann landen und in die Kirche gehen, meinen Einwurf: "Da ist dann vielleicht gerade ein schönes Konzert" griff sie hörbar strahlend auf: "1945 war dort an Weihnachten das erste Konzert nach dem Krieg, wo wir mit der Singgemeinschaft mitwirkten und es war die große Freiheit". Es war für mich aufschlussreich und eigentlich aufmunternd, dass sie dazu in die Stadt ihrer Kindheit und ihres meisten Lebens zurückkehrte, positive Erinnerungen aufgriff und v.a. die Freiheit (vielleicht auch ein gewisses Loslassen?) zum Tragen kam - und sie kann nun diese Träume oder Gedanken, je nachdem, wie sie sie grade nennt - jetzt auch mit einem positiven Gefühl wahrnehmen und muss nicht mehr rätseln, was ihr die sagen wollen.

    Sicher wird sie das noch öfter mit mir durchspielen und dabei vielleicht immer mehr das Loslassen üben, das ihr im ganzen Leben extrem schwer fiel.


    Natürlich sind das in gewisser Weise auch Todesgedanken, dieses Fliegen in die endgültige Freiheit, die Leichtigkeit - aber es sind keine verzweifelten Gedanken und das macht es mir auch wesentlich leichter.

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