Wie geht es Euch? Thread IV

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo Nelly, herzliches Beileid auch von meiner Seite! Ihre Entscheidung für die Trauerfeier haben Sie ja getroffen - mein Gedanke ist nur, es kann sein, dass sich Ihre Mutter kurzfristig um-entscheidet und nicht mitkommt - auch das ist dann hoffentlich auch in Ordnung.


    Die Wechsel zwischen Wut und Tränen wundern mich nach dieser besonderen Beziehung Ihrer Eltern nicht und beides gehört zur Trauer. Deshalb wünsche ich Ihnen sehr, dass Sie mit diesen emotionalen Wechselbädern umgehen lernen und sie nicht vermeiden, sondern eher trösten, ablenken und begrenzen.

    In der Trauerphase ist es völlig normal, den Tod des Partners zu "vergessen" - bei einer Demenz passiert das häufiger, auch mit den beschriebenen Verwechslungen, Vater oder Ehemann. Vermutlich werden Sie bald die die richtigen tröstenden Worte oder "Floskeln" finden. Die Demenz hilft Ihrer Mutter, dass sie sich vielleicht nicht in einer depressiven Stimmung verliert.


    So wie Sie Ihre Mutter bisher beschrieben haben, kann eine neue Mitbewohnerin in dem Doppelzimmer sehr positiv sein, gerade in der akuten Trauerphase, d.h. der Wechsel in ein Einzelzimmer ist vielleicht nicht so dringlich(?).

    Ihnen weiterhin viel Standfestigkeit und Kraft - die "Marmorsäule" ist da nicht der schlechteste Ratgeber... Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sohn83, aus Ihrem Bericht wird deutlich, wie sehr Ihr Vater Sie jetzt zusätzlich zum Personal im Heim braucht und es ist auch ein Liebesdienst an Ihrem Vater, wenn Sie selbstverständlich einen Teil der Pflege übernehmen.

    Die nächtliche Unruhe sollte sich (eigentlich) bald geben - ich vermute, dass im Heim abends Zwischenmahlzeiten gegeben werden und ein gezieltes Kontinenztraining durchgeführt wird, am besten die Begleitung zur Toilette -bevor er unruhig wird. Ich gehe davon aus, dass eine Blasenentzündung ausgeschlossen wurde und der Blutdruck nachts kontrolliert wird, da ein zu niedrige Werte diese Unruhe auslösen können, genau wie schwankenden Blutzuckerwert.... Ist das alles abgeklärt?


    Haben Sie eine Idee, was Ihr Vater sucht oder was er braucht, wenn er mittags aus dem Zimmer will?


    Die Praxis des zeitweisen Abschließens des Zimmers ist nach fachlichem Kenntnisstand eine freiheitsentziehende Maßnahmen, bei der bestimmte Regeln zu befolgen sind - so wie die regelmäßigen Besuche. Haben Sie im Heim nachgefragt, was die örtliche Heimaufsicht oder der Medizinische Dienst dazu sagt? Regional gibt es da große Unterschiede aber die meisten Heime nutzen optische Hilfen (Schilder, Vorhänge, Licht im WC...) oder ermöglichen Bewegung und Kontakt in den Ruhezeiten, manchmal sitzen unruhige Mitbewohner mit in der Übergabe, wenn datenschutzrechtliche Anforderungen sichergestellt sind.

    Ich wünsche Ihnen sehr, dass sich Ihr Vater bald so eingelebt hat, wie in der Tagespflege, Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Tascha, hoffentlich konnten Sie in dem Forum zur Diagnostik und Therapie einige grundsätzliche Fragen klären, Information sind gerade bei seltenen Demenzen wie die Lewybody Demenz wichtig und hilfreich. Wenn Sie konkrete Fragen zum Umgang haben, oder an der gegenseitigen Unterstützung teilhaben möchten, melden Sie sich gern wieder hier! Ihr Martin Hamborg

  • Hallo @schwarzerkater


    Dir möchte ich für deinen Beitrag zum Heim besonders danken. Der hat mich wieder ein wenig geerdet. Es ist immer wieder verblüffend wie sich doch alles gleicht. Es ist so wie du sagst, es dauert bis man die neue Situation akzeptieren kann, aber man muss einfach hinnehmen das es anders läuft als zu Hause.


    Hallo Teuteburger,

    ich kann dich, deine Reaktion sowie deinen Unmut sehr gut verstehen. Das es bei deiner Mamma schlechter wird tut mir sehr leid.
    Gut das jetzt der Familie auch ein Licht aufgegangen ist und du dich durchgesetzt hast. Idealerweise wird jetzt auch die Katze behandelt um den Infektionsherd einzudämmen. Eine Katze meiner Schwester hatte vor ein paar Jahren einen Pilz, da ging das über Monate ....


    martinhamborg

    Danke für Ihre Einschätzung. Der medizinische Bereich wird aktuell abgeklärt. Was man Papa am Mittag sucht das kann leider wohl nicht mal er beantworten. Dieses Verhalten hatten wir auch zu Hause. Die einzige mögliche Erklärung meinerseits ist das es noch immer die frühere über jahrzehnte geübte Tagesstruktur ist.

    Mein Papa zog mit 13 von zu Hause aus um in die Lehre zu gehen und hat von da an immer gearbeitet. Selbst mit 80 arbeitete er noch 4-5 Stunden am Tag mit ihm Betrieb. 12-13 Uhr war bei uns Mittagspause dann ging es zurück in die Arbeit. Ich glaube da kommt bei ihm das Gefühl hoch, jetzt gehen alle arbeiten und ich lieg hier faul rum. Das würde gut zu seinem (alten) Charakter passen.


    Ich möchte jetzt einfach mal glauben das es sich wirklich mit dem Einschluß um ein versehen resultierend aus einer falschen Übergabe handelte. Gestern war ich kurz nach 14 Uhr im Heim und das er im Gemeinschaftsraum und hatte bereits Kaffee getrunken. Meine Schwester war heute bereits um 13:30 vor Ort und das Zimmer war unverschlossen. Aber unser Papa hat seelenruhig seinen Mittagsschlaf gemacht und sich davon das meine Schwester und ihre Kinder im Zimmer waren gar nicht wecken lassen. ich selbst bin gegen 14:15 dazugestoßen da wurde er langsam wach.

    In der Tat waren die Besuche an den letzten zwei Tagen recht entspannt. Eine große Freude war als ich mich heute verabschiedet habe und von ihm ein total unaufgeregtes "Tschüß bis Morgen" gekommen ist.

  • Hallo schwarzerkater,


    danke für deine lieben Worte. Du schreibst mir aus der Seele. Im Moment bin ich noch täglich bei meinem Papa, möchte das aber in ein paar Wochen etwas reduzieren.
    Im Moment bin ich tatsächlich schon so weit das ich darüber nachdenke wie man sein Zimmer etwas anders einrichten und noch gemütlicher gestalten könnte.
    Wir sind da bis auf wenige Ausnahmen (Pflegebett, Nachttisch, Tisch) völlig frei. Verständlicherweiße möchte das Heim aber das während der Kurzzeitpflege die vorhandenen Möbel bleiben.


    Obwohl es jetzt besser läuft ertappe ich mich trotzdem wie ich bereits Stunden vor dem Besuch anfange nervös zu werden, aber auch das wird langsam etwas besser. Da ist immer die Erwartung "heute wirds bestimmt wieder schlimm".


    Trotzdem sehe ich langsam einen Silberstreif am Horizont und werde auch selbst zuhause deutlich ruhiger. Ein bisschen komme ich mir vor wie im Winterschlaf, mein Körper scheint aktuell den verlorenen Schlaf von mehreren Jahren nachholen zu wollen.



    An alle

    Euch allen wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr. Euch allen viel viel Kraft sowie Glück und vor allem Gesundheit.

    Ihr habt mir im letzten Jahr so viel geholfen und dafür bin ich euch unendlich dankbar. Ohne die hilfreiche Unterstützung, das Zuhören und manchmal auch Kopf waschen in diesem Forum wäre das alles noch viel viel schwieriger gewesen.

  • Danke, Herr Hamborg für Ihre Einschätzung.


    Ich habe echte Bedenken gehabt, dass Heime im Falle eines solchen Pilzes, den Aufenthalt dort ablehnen könnten. Bei einer normalen Person wäre das kein Problem, weil diese ein Krankheitsverständnis haben. Aber anscheinend ist dieser Pilz sehr ansteckend für Kinder und ältere Personen. Und ohne Krankheitsverständnis ist das dann ein echtes Risiko.

    Ich denke, wir sind jetzt auf einem guten Weg in der Familie. Ich habe einige wertvolle Infos finden können. Man muss halt den Mittelweg finden und konsequent sein in der Behandlung.


    sohn,


    danke für Deinen Zuspruch. Ich reagiere da leider auch leicht panisch, wenn ich das alles lese und verarbeiten muss. Ich hoffe, dass aber jetzt ein gemeinsamer Weg gefunden wird.


    Zudem freut mich sehr, was ich von Dir und Deinem Vater lese. Das macht auch mir wieder etwas Mut für die Zukunft.


    Auch ich wünsche allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr und hoffe sehr, dass einiges besser wird in der Welt, im Gesundheitswesen und im Privaten. :)

  • Hallo zusammen,

    Sohn83: deine Rückmeldung freut mich auch,ich bin oft unsicher zu schreiben/antworten, aber mir hilft der "virtuelle Zusammenhalt" auch sehr. Sonst käme ich mir vor wie ein Alien.. und die Entwicklung deines Vaters liest sich gut und zeigt, dass es für euch beide nun der richtige Schritt ist.


    Ich bin nun selbst noch leicht schockiert von meinem gestrigen Besuch bei meiner Mutter, so verwirrt und in ihrer Welt habe ich sie bislang nicht erlebt. Als ich kam, saß sie allein in der Gemeinschaftsküche und schluchzte bitterlichst mit roter Serviette vor dem Gesicht. Sie habe gerade erfahren, dass ihre Mama gestorben sei, gestern Nachmittag, als sie kurz spazieren war und keiner sei dabei gewesen.u.v.m. völlig aufgelöst. Es passte immerhin, dass ich sie trösten konnte soweit möglich. Gestern habe ich tatsächlich versucht zu überzeugen, dass sie doch selbst schon ü90 ist, Urenkel hat und man dann keine Mama mehr hat, keine Chance, ablenken nur für Sekunden. Zum Schluss wusste sie schon nicht mehr, dass sie noch eine weitere Tochter hat, zwischendurch mit ihrer Enkelin telefoniert, sich über den Unsinn ihrer Urenkel amüsiert, danach wieder tiefe Trauer.

    Ich finde es so krass, wie angemessene Reaktionen und Halluzinationen (vom Besuch der Mama) nebeneinander möglich sind.

    Habe dann versprochen "mich um die weitere Organisation" zu kümmern. Eben habe ich nochmal angerufen, ihre Mama ist immer noch tot und sie total traurig, sie habe noch keine schwarze Kleidung an und ich sagte, das mache man heute nicht mehr, "achso"..

    Die Mitarbeiter wollten sich nun kümmern, habe ihnen vom "Todesfall" berichtet, diese Situationen seien sie gewohnt..

    Für mich ist es halt neu und ich habe mich etwas aufgeregt meine Mutter so zu erleben und immer wieder thematisch passend zu reagieren. Es ist schwer zu sehen, wie sich ein zuvor intelligenter Mensch so verlieren kann.

    Zum Glück erkennt sie mich bislang, wobei mir eine Mitarbeiterin gestern sagte, sie seien etwas erstaunt, dass meine Mutter niemals über meine Schwester oder mich sprechen, nur über ihre Eltern und Brüder.


    Danke fürs Lesen, war heute etwas mehr.und für viele von euch vermutlich nichts Besonderes.

    Ich wünsche euch allen von Herzen einen guten Start ins neue Jahr mit möglichst viel Freude und Gesundheit,

    Rose60

  • Hallo Rose,


    ich kann sehr gut nachempfinden wie es Dir damit gegangen ist. Jemanden verzweifelt und weinen zu sehen, ist das eine, das andere ist, dass es für uns nicht real ist. Es wird aber von den Demenzkranken als real empfunden. Das ist traurig.

    Ich habe in dem Falle Gott sei Dank immer nur zu hören bekommen, dass die Mutter eben noch im Speisesaal gesessen hat usw.

    Dafür gab es andere Themen, die viele Tränen gekostet haben. Das ist nicht leicht für einen selbst.

    Ich sehe das auch nicht als selbstverständlich an, dass das so ist. Denn es tut immer auch weh. Ein Trost ist, dass sich diese Phasen in der Regel immer wieder verändern.

    Ich habe dann getröstet und versucht, etwas Positives für sie zu finden.

    Das ging dann meist über Versuch und evt. auch Irrtum.


    Ich hoffe für Dich, dass sich diese Phase bald verändert. :)


    Liebe Grüße

  • Teuteburger: danke fürs Mitgefühl. Ich denke nun auch, es ist wieder eine von vielen Phasen..


    schwarzerkater: bzgl. Medikamente ist das ein guter Punkt, danke für die Erinnerung! Ich hatte letzte Woche schon mit einem Pfleger gesprochen, der von zunehmender Unruhe nachts bei meiner Mutter berichtete. Sie stand eigentlich auf der Liste für den Besuch des Neurologen, da werde ich spätestens Montag nochmal nachhaken. Zwischen den Jahren sind natürlich auch die Ärzte mal in Urlaub.


    Und dass sie sich wundern bzgl.der Gesprächsinhalte stärkt mein Gefühl, dass die meisten dort meine Mutter noch lange überschatzt haben vom kognitiven Stand her.

    Die Inhalte kreisten seit Jahren um Themen von vor 40-50 Jahren..

    Sie hat Weihnachten noch mühelos meine Kinder erkannt glücklicherweise.


    Alle Liebe für euch!!

  • Ein gutes neues Jahr für Euch alle hier!

    Wie gut, dass es Euch gibt.


    Und herzlichen Dank für Eure Anteilnahme, das hilft sehr.

    Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht dazu gekommen, um meinen Vater zu trauern, das wird noch kommen, das weiß ich. Die ganze Woche war ich nur mit Organisation der Bestattung und was da alles dranhängt, beschäftigt. Ich war jeden Tag bei meiner Mutter, ihre Verfassung ist unverändert.

  • Liebe Nelly,

    Das beruhigt mich wieder, dass diese verschiedenen Reaktionen und Ebenen nebeneinander auch deiner Erfahrung entsprechen.. ich wünsche dir nun die nötige Energie für alles, was gerade ansteht. Pass auf dich auf!


    schwarzerkater : Ich habe heute schon bei der Pflege nachgefragt wegen der Medikamente. Sie bekommt wegen der Unruhe und Halluzinationen eine Dosis Pip.(Neuroleptikum), man beobachtet und dokumentiert weiter .. die Pflegerin war sehr nett und verständnisvoll, sprach von einem Demenzschub mit hoffentlich bald besserer Phase.. heute sei meine Mutter besser drauf. Der Tipp war eher, den Kontakt nicht häufiger(täglich) zu suchen, weil sie dann wohl noch mehr Drang nachhause habe.. ist auch mein Gefühl dazu.

    Gestern war meine Mutter verzweifelt, weil sie keine schwarze Kleidung nach dem Tod ihrer Mama anhabe - habe gesagt, das mache man heute nicht mehr - und ich bin gespannt, wie wir uns rausreden, wenn sie zur "Beerdigung" will. Heute sage ich mir, dass sie mir auch nicht durch schwerste Lebensphasen helfen konnte und sie immerhin sehr liebevoll versorgt ist, auch wenn das Personal natürlich nicht alles mitbekommt..


    Ich wünsche allen hier Gesundheit, Freude und Zuversicht für 2023!!

  • Hallo zusammen, meine Mutter ist 95 und seit mind 10 Jahren dement. Sie lebt im Pflegeheim, die Betreuung ist dort sehr dürftig. Ich besuche meine Mutter quasi in jeder freien Minute, meist täglich, für mehrere Stunden damit sie nicht nur die Wand anguckt. Wir hören Musik, gehen spazieren, machen Beauty Seasons, wir kochen Tee und ich bringe Kuchen mit....aber meine Mutter schimpft in Dauerschleife, dass sie nie Besuch bekommt, auch ihr Mann kommt nicht (mein Vater ist vor 25 Jahren verstorben) alle seien gemein zu ihr, alle wären hinter ihrem Haus her (dass sie vor 30 Jahren verkauft hat). Oft weint, schluchzt sie nur und klammert sich an mir fest, ich solle sie mit in unser zu Hause nehmen, nach diesen Besuchen bin ich selber immer total aufgelöst...sie stürzt immer wieder, 2022 war sie 5 mal im Krankenhaus...das ist dann der absolute Horror...da sie dort völlig durchdreht....ich war seit Jahren nicht mehr im Urlaub, im Büro bin ich immer nur auf dem Sprung, ich schlafe schlecht, wenn mein Telefon klingelt kriege ich Herzrasen...ich werde bald 60 und frage mich immer häufiger, lebe ich nur für meine Mutter? Ich liebe meine Mutter sehr aber ich habe keine Kraft mehr, diese ständige Sorge, dieser ständige Kampf mit dem Pflegeheim und der Bürokratie....was beneide ich all die, die sich mit ihren Geschwistern die Pflege teilen...ich habe eine gehörlose Schwester in München und eine weitere Schwester, die meine Mutter in ihrem Zustand nicht sehen kann und daher seit Jahren nicht mehr im Pflegeheim war.

    Ich erhoffe mir von diesem Forum Tipps, wie ich mich selbst schützen kann... Ich wünsche allen für 2023 viel Kraft und Energie

  • Liebe TonTon,

    Also…da komme ich mir gegen Dich so richtig egoistisch vor! Und alles in mir schreit, wenn ich Deinen Bericht lese: Grenze Dich ab!

    Du hast Dein Leben ja völlig aufgegeben…und merkst ja auch, dass Deine Mutter das garnicht realisiert.

    Und das Heim gewöhnt sich natürlich auch dran, wenn Du dauernd da bist und Deine Mutter umsorgst.

    Könnte Dir ein Therapeut helfen, Dich abzugrenzen?

    Das Heim macht die Pflege, dazu ist es da.

    Ich bin Einzelkind, mit eigener Firma und 3 Teenagern- Du ich bewundere Deine Kraft, ich wäre schon … durch. Alles Gute Alfi

  • Hallo Alfi

    Danke für Deine Nachricht. Das mit dem abgrenzen ist leichter gesagt als getan. Ich habe eben immer das schlechte Gewissen. Vor allem die Angst, dass sie mich vergisst, wenn ich seltener hingehe. Jedes Mal wenn ich ankomme, liegt irgendetwas im Argen und ich bin froh, dass ich rechtzeitig da bin. Da liegen die Tabletten auf dem Boden, oder die schwere Glasflasche ist zerbrochen, oder Gebiss, Brille zerbrochen, oder meine Mutter sitzt um 11h noch weinend beim Frühstück weil sie nicht in ihr Zimmer findet. Dementkranke werden da einfach nur in die Ecke geschoben. Nach vielen Beschwerden wurde mir nahegelegt, für meine Mutter ein anderes Pflegeheim zu suchen. Meine Mutter ist vor 5 Jahren wegen der Nähe zu mir in dieses Heim gezogen und der Umzug war mega stressig. Einen weiteren Umzug will ich ihr und mir nicht antun. Ich hatte bereits eine Überweisung für eine Therapie, aber hier gibt es gerade keine freien Plätze, es heißt auch immer "ach unsere Mütter, das Thema kennen wir ja alle, hihi". Ich hatte auch zwei Selbsthilfegruppen angeschrieben, ohne Resonance. Dann hatte ich eine Dame beauftragt, die meine Mutter regelmäßig besuchen sollte. Das hat viel Geld gekostet und verlassen konnte ich mich auf diese Besuche nicht. Aber Du hast Recht, ich brauche Hilfe ;-). DANKE allen fürs Zuhören (Lesen)

  • Liebe TonTon, ich brauchte auch SOFORT Hilfe weil sonst Angst hatte, durchzudrehen.


    Habe dann aus eigener Tasche eine online-Therapeutin bezahlt, die auf Demenz & Narzissmus spezialisiert ist: sie hat mich so schnell wieder „auf die Spur“ gebracht dass ich echt erstaunt war. Und dieses Forum hilft mir sehr sehr sehr, auch wenn ich oft denke „weiha das war jetzt wieder viel zu persönlich autsch“.


    Also ich bin ja noch relative Anfängerin mit meiner dementen Mutter aber ich habe kapiert, dass wir die Demenz nicht aufhalten können. Und dass unsere dementen Eltern in einem Demenzelfenturm gefangen sind, aus dem wir sie nicht retten können. Wir können uns nur selbst retten.

    Wenn sie weint, wird sie auch in ihrem Zimmer weinen: der Elfenturm ist ein undurchdringliches Betonrohr.

    Vieleicht stresst Du nicht nur Dich mit Deiner ständigen Präsenz im Heim?


    Diesen Impuls kenne ich sehr gut: so wenn ich jetzt hingehe/ anrufe usw. wird sie es mir danken und es wird besser: vergiss es.


    Was habe ich gemacht (und mich total schlecht dabei gefühlt?) Du glaubst es nicht: die Nummer meiner Mutter gesperrt: sie rief immer wegen irgendwelcher Drohungen an: sie bringt sich um, ruft die Polizei an, ich bin böse, ungeeignet… ich hatte bis dato nie einen hohen Blutdruck und wurde vergesslicher als zur Babyzeit unserer Drillinge.


    Ich fahre nun 1x wöchentlich hin.


    Lebe und ersticke nicht an Deinem selbstgewählten Märtyrum.


    Demenz der Mütter und schlechtes Gewissen der Töchter sind eine teuflische Symbiose. Du bist da echt nicht die einzige.❤️

    Lg Alfi

  • Hallo Alfi, hallo schwarzerkater,

    ich danke Euch für Eure Meinungen. Und die haben mir schon geholfen. Für mich ist es neu, mich mit Menschen auszutauschen, denen es genau so geht wie mir....und das hilft wirklich ungemein, einmal die Augen geöffnet zu bekommen... Ja, kann sein dass sich mein Stress auf meine Mutter überträgt. Ganz bestimmt sogar. Sie soll ruhig wissen, was ich alles für sie tue ;-)...bei dem Gedanken ertappe ich mich oft selbst....ja, und vielleicht nehme ich die Idee einer Demenz WG noch einmal auf...da hatte ich schon öfter drüber nachgedacht....LG Heidi

  • Hallo Tonton,


    das klingt sehr belastend und ich kann Einiges davon aus Erfahrung nachvollziehen. Auch ich war täglich im Heim. Dies wurde mittelgut geführt, aber es gab auch einige Szenen wie du sie beschrieben hast und Pflegefehler fast täglich.


    Ich würde tatsächlich ein anderes Pflegeheim in Betracht ziehen, auch auf die Gefahr hin eine Erstverschlechterung zu erleben. Da würde ich meine Energie reinstecken. Die Grundversorgung und eine gewisse Grundunterhaltung oder wie Schwarzer Kater dies beschreibt, das sollte einfach gegeben sein, damit man selbst auch mal einige Tage guten Gewissens nicht hingehen muss.


    Viele Geschwister, wo man sich einiges teilen kann, das kann hilfreich sein, muss aber nicht zwingend so sein. Es kommt ganz auf das eigene Lebensverständnis an.


    Ich habe einige Geschwister und doch habe ich dadurch zur Zeit mehr Probleme, als würde ich es alleine machen, bis auf eine Schwester, die wirklich etwas helfen kann.


    Liebe Grüße

  • Hallo Tonton,

    Ich finde die von dir geschilderten Zustände im Pflegeheim deiner Mutter auch nicht so, dass ich sie beruhigt da lassen könnte.. dass nicht immer alles 1a ist, ist ja klar bei dem Personalschlüssel, aber ein liebevoller Umgangston und regelmäßige Versorgung sollten schon "normal" sein.

    Die Nummer mit dem schlechten Gewissen kennen wir hier ALLE. Viele zuständige Erw.Kinder von Demenzkranken scheinen da nochmal "endlich" die ein Leben lang erhoffte Anerkennung der Eltern finden zu wollen und machen und tun bis buchstäblich "der Arzt kommt" - und dann gibt's stattdessen nur Beschwerden, oft Beschimpfungen... Also wir hier können dir versichern, dass man trainieren kann sich abzugrenzen, auch ich durch eine Psychotherapeutin. Es geht nicht von heute auf morgen, aber es geht.

    Das für heute.

    Liebe Grüße

    Rose 60

  • Liebe TonTon -


    ich schließe mich den anderen an: bitte grenz Dich mehr ab. Das ist schwer - weiß ich aus eigener Erfahrung. Meine Mutter hat mich monatelang 60x angerufen, manchmal fing das um kurz nach 3 Uhr morgens an. Es war ein langer Weg, bis ich das Handy nachts ausstellte und ein weiterer Weg, bis ich sie blockiert habe. Aber mir ging es danach wieder etwas besser. Irgendwann klappen wir auch zusammen.

    In Deinem Fall hört sich das Pflegeheim nicht gut für Deine Mutter an. Vielleicht wäre ein Umzug trotz des ganzen Stresses am Ende weniger aufreibend?

  • Hallo TonTon, auch ich sehe es wie meine Vorschreiberinnen, dass vielleicht die nochmalige Unruhe eines Umzugs im Endeffekt dann doch mehr Ruhe und Entlastung bringen kann, als den jetzigen Zustand lange weiter auszuhalten.


    Ach ja, Telefonterror kann meine Mutter auch, aber mein Mann hatte glücklicherweise keinen so langen Atem wie ich ihn gehabt hätte und sorgte für nächtliche Ruhe bei unserem Telefon. Tagsüber ist es meist nicht so heftig, da kann ich es einfach ignorieren.


    Und stimmt, eine Therapeutin, die mich begleitet, hat mir sehr geholfen, die Kraft zur Abgrenzung zu finden, obwohl ich gar kein so inniges Verhältnis zur Mutter habe und hatte. Das schlechte Gewissen hatte ich eher gegenüber meiner Schwester, die es mehrmals im Jahr schafft, eine Woche bei Mutter zu verbringen, für mich ist das höchste, was mir möglich ist, alle paar Monate mal ein Nachmittag - dafür die täglichen Telefonate, die durchaus eine Stunde und mehr dauern können mit Endlosschleifen an Wiederholungen. Die bekommt meine Schwester nicht ab und auch nicht den Telefonterror.

    Es trägt einfach jede*r sein Päckchen und niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, weil er/sie meint, das eigene Päckchen sei zu klein - kleine Päckchen können manchmal schwerer sein als riesige Pakete!

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