Wie geht es Euch? Thread IV

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo Teutoburger, in Ihrem Beitrag wird deutlich, wie sehr Sie die Würde Ihrer Mutter beachten und wie viele goldene Brücken Sie bauen!

    Aber Sie beschreiben auch die doppelten Botschaften, die Sie m.E. nicht "brauchen".

    Ihre Mutter nimmt wahr, dass Sie in Ihren Kühlschrank gucken und soll Ihnen glauben, dass alles so ordentlich und sauber ist?

    Sie könnten schlagfertig sagen: Du ich helfe Dir auch, wenn es mal richtig unangemessen ist, aber ich kann mir vorstellen, dass die authentische Rückmeldung hilfreicher ist und die gemeinsame Trauer über nachlassende Fähigkeiten fördert - auch mal über den Umweg mit einem Konflikt oder einer Enttäuschung.

    Oder gibt es einen Grund, warum Sie Ihre Mutter so sehr vor der Realität schützen müssen?

    Ihr Martin Hamborg

  • Danke, Herr Hamborg, für Ihre Einschätzung.


    Ich denke, mir fällt es einfach schwer, das Unangenehme anzusprechen, weil es meiner Mama auch sichtlich schwer fällt, wenn ich was mache. Ich brauche da einfach Zeit mich dran zu gewöhnen. Und ich fürchte da tatsächlich auch selbst etwas die Konflikte.


    Aber, ich muss sagen, ich habe es jetzt ein wenig anders gemacht, auch mal erzählt, dass ich auch das ein oder andere im Kühlschrank vergesse usw. Ich habe sie auch direkt gefragt, ob es ihr was ausmacht, wenn ich bei ihr auch was entdecke. Nein, alles gut. ;)


    Ich schaue in ihren Kühlschrank im Grunde nicht zur Kontrolle, sondern, weil ich selbst etwas hineinstelle, was ich gekauft habe und was ich später wieder mitnehme. Oder wir schauen gemeinsam, was sie noch kaufen kann, schreiben also einen Zettel gemeinsam - manchmal. Da bleibt es nicht aus, dass das ein oder andere auffällt.


    Zur Zeit ist ihr Gedächtnis aber wieder etwas besser. Ich freue mich darüber und hoffe, dies hält wieder etwas an. Es war bisher bei ihr immer sehr wechselhaft. Demnächst hat sie auch einen Rundumcheck bei ihrem Arzt.


    Liebe Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von Teuteburger ()

  • Guten Tag in die Runde,


    auch bei mir gibt es dezente positive Veränderungen. Ich habe bei den letzten beiden Besuchen meine Mutter im Gemeinschaftsraum erlebt. Sie hat Kontakt geknüpft mit ein paar Bewohnerinnen, die noch etwas mobiler sind und sie ansprechen und da sie immer sehr auf Außenwirkung bedacht ist, ist sie sehr freundlich - auch wenn sie leise und hinter vorgehaltener Hand über alles und jeden meckert. Sobald sie alleine ist, stürzt ihre Stimmung ab, dann ruft sie x-mal an, in immer schlimmer werdenden Zuständen. Sie braucht also definitiv Ablenkung, zu der man sie aber immer überreden muss. Und je nach Tageszeit und Besetzung gibt es die halt nicht. Sie war ihr komplettes Leben niemals alleine. Sie vergisst nach wie vor, dass mein Vater gestorben ist und fragt immer, ob ich wüsste, wo er sei. Wenn ich dazu nichts sage, fällt es ihr oft von alleine ein und dann wird es furchtbar. Auch vergisst sie ständig, dass es eine Frau in ihrem Zimmer gibt und erschrickt sich jedes Mal, wenn sie sie sieht. Aber zum Glück ist sie da und auch noch mobil, so konnte sie Hilfe holen als meine Mutter wieder gestürzt ist, sie hätte warten müssen, bis jemand zufällig reinkommt.

    Ich komme mittlerweile mit einer sehr defensiven Verhaltensweise ganz gut klar und fühle mich auch nicht mehr so 100% von ihr belegt.

    Ganz neue Perspektive in Sachen Self-Care …

    Die Träume, dass ich bei ihr wohnen muss oder sie zu mir abgehauen ist, reichen vollkommen …


    Viele herzliche Grüße an Euch, haltet alle gut durch

    Nelly

  • Teuteburger


    Ich kann Dich sehr gut verstehen, ich hatte das Kühlschrankproblem auch, als meine Eltern noch zu Hause lebten. Wenn ich etwas weggeworfen habe, wurde mein Vater sauer, wenn ich etwas sauber gemacht habe, empörte sich meine Mutter, ob ich denken würde, sie sei dreckig!? Dabei fand ich da Dinge im Gemüsefach, bei denen konnte man nicht mehr erkennen, was sie mal gewesen sein wollten … Mir war das auch extrem unangenehm, meine Mutter war immer die perfekte Superhausfrau. Ich habe oft versucht, heimlich zu regeln, wenn sie gerade wieder dabei waren, irgendwas zu suchen und somit abgelenkt.

  • Hallo Nelly,

    Unsere Träume zeigen uns wohl, wo wir unbewusst noch stehen, aber sie helfen ja angeblich auch bei der Verarbeitung und wenn du wach wirst und der Schrecken nur ein Traum war , kannst du sicher peu a peu bewusst locker lassen ;) so läuft das bei mir auch immer.

    Liebe Grüße

  • Hallo Nelly,


    es ist immer gut zu hören, dass man nicht alleine mit solchen Problemen ist, auch wenn dieses jetzt nicht das Schlimmste ist, was die Demenz ausmacht. Trotzdem braucht man auch hier Lösungen, so wie du sagst, etwas heimlich machen oder eine andere Strategie. Mit Lockerheit und einem guten Spruch geht manches besser. Klappt aber nicht immer.

    Wie es scheint, bin ich vorerst mal auf einem guten Weg.


    Es freut mich, dass Du auch etwas Abstand gewinnen konntest. Ich glaube, bei einer Demenz kommen alle Versäumnisse und alle Schwächen zu Tage, ob man will oder nicht. Beschäftigung ist ganz wichtig, aber das kann man nicht rund um die Uhr leisten, in keinem Heim und zu Hause hat man auch noch andere Verpflichtungen. Das ist ein trauriges Demenzkapitel: Die Frage, die dann oftmals im Raume steht, lautet: Was mache ich jetzt.


    Meine Mutter ist glaube ich etwas anders, als ich das bei Demenzen bisher erlebt habe. Sie fühlt sich alleine wohl in ihrer Wohnung. Das ist schon mal gut für sie. Sie langweilt sich bisher auch nicht.


    Liebe Grüße in die Runde

  • Liebe Rose Ha! das ist ja wirklich n Ding deckungsgleich! Lg Ute ❤️

  • Hallo in die Runde,


    ich stelle immer mehr fest, daß eine Kommunikation mit meiner Mutter kaum noch möglich ist. Sie versteht einfachste Dinge nicht mehr, ich könnte auch Chinesisch sprechen, das Ergebnis wäre dasselbe. Ich besuche sie ja täglich, versuche, irgendein Gespräch in Gang zu bringen, aber ich komme mir vor, als würde ich Selbstgespräche führen. Meistens schweigen wir uns an, weil jeder Gesprächsfaden ins Leere führt. Es ist so zäh und mühsam, ich bin danach immer richtig fertig.


    Ich vermute, manchen wird es hier ähnlich gehen. Wie geht Ihr damit um?


    LG Zimt

  • Liebe Zimt -


    ich kann schwarzerkater nur beipflichten: Einfach nur zusammensitzen und ab und an etwas sagen oder kommentieren ist meistens schon genug. Die Pfleger und Pflegerinnen kommen regelmäßig und schauen bei meiner Mutter ins Zimmer, reden ein paar liebe Worte oder Sätze und gehen dann weiter. Ich mache viele Interview-Trainings und einer meiner Standardsätze: Stille muss man aushalten können. Nach dem Motto gehe ich auch bei meiner Mutter vor. Nach 5 Minuten oder so kommt dann häufig ein Satz von ihr und wir sprechen 2 Minuten miteinander. Ich gebe auch zu, dass es anstrengend ist - hauptsächlich deshalb, weil ich bei vielen Aussagen nicht mehr weiß, worauf sie hinaus will. Ihr fehlen dann die Worte. Ich nicke dann meistens und sage etwas in Richtung "ach wirklich".

    LG

    Tanja

  • Genau so wie es Tanja beschreibt ist es bei uns auch. Das mit der Kommunikation wird immer schwieriger. Mir tut mein Papa da manchmal so Leid. Er versucht manchmal wirklich mit mir zu reden oder mir etwas zu erzählen aber ein Großteil der Worte sind falsch. Er bekommt das manchmal mit und fängt an zu weinen weil er so "dumm" ist. Da ist er schwer zu trösten/abzulenken.


    Bei Papa ist es ein auf und ab. Letzte Woche war ich ja so euphorisch weil es ihm so gut ging, gestern saß ich dann wieder mit ihm beim Abendessen im Aufenthaltsraum und habe gefüttert weil er allein nicht essen konnte. Ich sage es ganz offen diese unglaublichen Schwankungen machen mich echt fertig. Jeder Tag eine Wundertüte.

    Eigentlich war ich ja dabei meine Besuche zu reduzieren, aber das machts halt nicht leichter. Also zwinge ich mich und habe mir eigene Termine so in die Abendstunden gelegt das ich minimum schonmal zwei Tage nicht zu ihm gehen kann.

    In zwei Wochen startet jetzt endlich meine Psychotherapie, ich bin gespannt und nervös.
    Ich hatte hier vor Ort zwei Erstgespräche die mir aber absolut nicht zugesagt haben. Das waren auch die einzigen zwei Therapeuten die überhaupt einen Termin frei hatten ... Hier auf dem Land ist es wirklich sehr schwierig.


    Leider bin ich wegen meinem schlechten Augenlicht auch etwas eingeschränkt bzgl. des Fahrtweges (gerade jetzt im Winter). Ich könnte jetzt bei Schnee und Dunkelheit keine 30 oder 40 km Anfahrt stemmen, möchte aber auch nicht bis in die Sommermonate mit dem Start warten.

    Jetzt bin ich bei einer Online Psychologin (Sprechstunde per Videokonferenz) gelandet, als Selbstzahler macht das für mich sowieso keinen großen Unterschied. Es gibt viel aufzuarbeiten und ich muss sagen ich habe etwas Angst davor.


    Was mich diese Woche wieder etwas belastet hat war meine Schwester. Diese besucht Papa max 1x wöchentlich. Jetzt ist der letzte Besuch schon 2 Wochen her und auch diese Woche besucht sie ihn nicht (Sohn ist eine Woche mit der Schule fort, sie will zuhause alles putzen). Sie ist jetzt auch nicht wirklich weit weg vom Heim, mit dem Auto 15 min. Es war ein wenig meine Befürchtung das mit dem Heimumzug dieser Kontakt zu Papa noch sporadischer wird. Klar ist es nicht meine "Baustelle" aber mir tut Papa da halt ein wenig leid weil ich weiß wie sehr er sich über diesen Besuch freut. Wohl auch ein Grund warum ich mich so schwer tue meine Besuche zurückzufahren.


    Die Beziehung zu meiner Schwester und was die letzte Jahre da bzgl. Pflege gelaufen ist, ist wohl auch ein Thema für die Therapie ....

  • Liebe Zimt und liebe Tanja!

    Ich erlebe das, was ihr ueber eure Besuche berichtet, per Telefon (eben halt die einzige Möglichkeit zu kommunizieren, wenn man im Ausland lebt).

    Ich "jage" meine Mutter - ich weiss nicht wie oft - um mit ihr am Telefon reden zu können.

    Falls sie dann mal antwortet kann es entweder sein, dass sie auf Dinge antwortet, die sie glaubt, gehört zu haben, oder sie ist richtig "gut drauf", hört und versteht, was ich sage (ich versuche, einfache Sätze zu formulieren, mit nicht zu schweren Dingen als Inhalt) und antwortet sogar "recht passend" darauf - oder sie nimmt selber ein Thema auf, und wir reden drueber.

    Aber meist schon nach 2-3 Minuten sagt sie, dass sie muede ist und/oder keine Lust hat "heute so viel zu reden"..... nunja, so ist es nunmal! Bin froh, dass es noch so klappt, irgendwann wird es ueberhaupt keine Gespräche mehr geben :-(

    Liebe Gruesse

    Weit Weg

  • Stille muss man aushalten können.

    Hallo Tanja, du sagst es! Mein Thema (eins meiner Themen) ist ebenfalls die Kommunikation und der Satz ist mir vertraut. Man denkt, Schweigen ist einfach. Weit gefehlt, hier merken wir erst, wie sehr wir es gewohnt sind, unentwegt zu reden ...

  • Bei uns ist es eher so, dass meine Mutter Stille viel schlechter aushält als ich, sie hat immer gerne sich unterhalten und empfindet meist noch stark, dass ihr nun Worte fehlen oder in ihrer Wahrnehmung nichts zu erzählen hat, weil sie die Aktivitäten im Heim ja auch sehr schnell vergessen hat und meint, jeder Tag sei gleich und daher müsse sie endlich wieder nachhause .

    Ich verstehe deinen Frust bzgl.deiner Schwester, Sohn83, aber ich schaffe es kräftemäßig auch nicht mehr als einmal/Woche, aus verschiedenen Gründen. Ich fürchte, das musst du akzeptieren und nicht unter Druck geraten, es noch auffangen zu müssen, indem du dann wieder häufiger hingehst.

    Meine Mutter ist aktuell krank mit einem Infekt und gestern habe ich ein paar Dinge daher besorgt, sie hatten ihr den Kaffee etc.aufs Zimmer gebracht und durch den Infekt war sie wieder verwirrter. Die Pfleger haben es aber auf dem Schirm, hatten den Arzt bestellt und schauen nach ihr.

    Wir müssen wohl akzeptieren, dass die verbleibende Zeit unserer Eltern mit diesen Einschränkungen behaftet ist, auch wenn sie mir öfter leid tut, mehr habe ich nicht zu geben als so wie ich es halte und ich bin sehr dankbar, dass ich dies mit einer Therapeutin vor einiger Zeit so erarbeitet habe.

    Ich wünsche dir einen guten Einstieg in die Therapie und du darfst dort selbst das Tempo mitbestimmen, in dem Themen erarbeitet werden. Das geht eh nicht im Hauruck-Verfahren ;)

    Liebe Grüße an alle

  • Ja, ich versuche es schon ähnlich, wie schwarzerkater beschreibt, mit unverfänglichem Small Talk über das Wetter, die Kleidung u.ä. Ich habe mir auch schon ein Repertoire von immer gleichen Floskeln zurecht gelegt. Man kommt sich zwar ein bißchen vor wie ein Papagei, aber es ist wahrscheinlich am besten so.


    Da meine Mutter nicht in der stationären Pflege ist, hat sie, wenn ich gehe, natürlich keine Gesellschaft mehr. Sie würde aber nie sagen: Schade, daß du gehst, sondern versucht einen dann verklausuliert festzuhalten. Sie fängt z.B. an, über Ängste zu sprechen, wahrscheinlich in der Hoffnung, daß man dann noch länger bleibt. Aber ich gebe zu, daß ich mich dadurch nicht "locken" lasse. Ich sage ihr dann immer, daß sie sich keine Sorgen machen muß und alles geregelt ist.


    Mittlerweile sitzt sie zumindest vormittags in einer Wohnküche, wo es Frühstück und Mittagessen gibt. Die Leute dort sitzen meistens auch nur schweigend da, aber ich vermute, daß es den meisten schon reicht, nicht allein zu sein.


    Man muß als Angehöriger lernen, daß es den Austausch, den es früher gab, nicht mehr geben wird. Das ist nicht immer leicht...


    LG Zimt

  • Liebe Zimt,

    mir ging es eine Zeitlang genau wie dir. Die Besuche waren schwierig und hinterher war ich fertig mit der Welt. Inzwischen hat sich das entspannt, und hier ein paar Ideen für den "Zeitvertreib": bei uns funktioniert es ziemlich gut, wenn ich den Fernseher anmache und dann, das was zu sehen ist, kommentiere. z.B. guck mal, das ist doch der, der den Arzt in der Serie xy gespielt hat. Kennst du den noch? Oder furchtbar, wie der/die aussieht (sowas funktioniert besonders gut), oder, die sieht aber chic aus, so eine Hose hattest du doch auch mal.... Oft ergeben sich aus dem was man sieht, Dinge über die man, oder besser ich, reden kann. Eine Zeitlang haben wir auch Mensch ärgere dich nicht gespielt (geht leider nicht mehr), oder ich mache eine schöne Maniküre mit Handpflege. Bei schönem Wetter eine Runde um das Haus mit vielen Pausen auf den Bänken im Park, vorlesen (funktioniert jetzt leider auch nicht mehr). Aber ich nehme mir oft ihre Zeitung, lese ein bisschen was und erzähle dann von den Dingen, die sie interessieren könnten. Manchmal rufe ich auch Freunde von ihr an und gebe dann den Hörer an meine Mutter weiter (sie selbst kann nicht mehr telefonieren und geht auch meist nicht an das Telefon, wenn sie angerufen wird).

    Mittlerweile ist es für mich nicht mehr so schwierig, die Zeit mit ihr zu verbringen. Allerdings gibt es immer noch Tage, an denen meine Mutter so viele wirre und völlig unverständliche Dinge erzählt, dass ich selbst fast durch die Wand gehen könnte....

    Viele Grüße und gute Nerven

    never

  • Lieber Sohn,

    Glückwunsch, dass Du Dich therapieren lässt!!!

    Wir erkennen zwar viel, aber aus dem Problem herausfinden: das klappt so viel besser mit Hilfe.

    Ich bin jetzt auch manchmal wochenlang schon richtig gut drauf- aber nächste Woche hab ich doch wieder einen Termin bei meiner Online- Therapeutin.

    Du bist schon viele Schritte weiter!

    Lg Alfi🍄

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Nelly, Ihr Bild finde ich sehr hilfreich, sie lassen Ihrer Mutter Ihre Träume!! Das schafft Abstand und würdigt die Hoffnung Ihrer Mutter!!

    Ganz neue Perspektive in Sachen Self-Care …

    Die Träume, dass ich bei ihr wohnen muss oder sie zu mir abgehauen ist, reichen vollkommen …


    Hallo Zimt, zu Ihrer Frage: wie spreche ich mit einem demenzkranken Menschen, der*die nicht mehr adäquat antworten kann wurden schon ganz viele Anregungen zusammengetragen. Einige Gedanken möchte ich noch weiterführen


    Es gibt ja auch Schweige-Orden .

    Je stärker die Demenz zunimmt, desto mehr versinkt der Mensch in ein tiefes Schweigen. Manchmal schweige ich eine Zeitlang mit und bekomme das Gefühl an einem tiefen inneren Zustand teilhaben zu können. Es entsteht eine nonverbalen therapeutische Ebene in der Wort echt stören können.

    Berührungen können helfen, aber eigentlich ist die gemeinsame Atmosphäre wichtig.


    paar Ideen für den "Zeitvertreib":

    Wenn der eben genannte Zustand noch nicht möglich ist, finde ich den (für mich sinnvoll erlebten) Zeitvertreib hilfreich. Dazu wurden tolle Beispiele genannt, mein Wunsch ist nur: Es darf immer auch eigene Selbstpflege sein oder noch besser, es darf Ihnen Spaß machen!


    Ihnen Sohn83 wünsche ich einen guten Auftakt in die Psychotherapie, Sie haben schon so viel erkannt und so viel reflektiert, das ist eine gute Basis. Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen mit dem online-Format. Gerade für den ländlichen Bereich wäre es ein echter Gewinn!


    Alles Gute Ihr Martin Hamborg

  • Hallo zusammen,

    Nach meinem heutigen Besuch im Heim drei Tage nach dem vorherigen habe ich meine Mutter wieder sehr verwirrt vorgefunden (mit abklingendem Infekt immerhin). Sie empfing mich schon mit verweinten Augen und hatte angeblich gerade von Untaten meines Vaters erfahren - Details erspare ich euch, aber tatsächlich früher passiert, für meine Mutter war es brandaktuell und ich hatte keine Chance sie aus ihrer momentanen Welt zu holen, auch keine Ablenkung möglich, weil sie doch dieses Thema erstmal verarbeiten müsse. Und er sei den ganzen Tag weg und kümmere sich nicht um sie, habe ihr kein Geld dagelassen und das alles "kurz vor Weihnachten".. ich habe sie in den Arm genommen und getröstet, sie hat sich erstmal ausgeweint, meinte dann der Druck habe nun nachgelassen..

    Puh, es ist so traurig, auch für mich immer wieder mit diesen alten Themen konfrontiert zu werden . Es hat mir wieder gezeigt, dass es mich nur schwächt, öfter als 1mal/Woche mich dem auszusetzen, genau wie es meine Therapeutin eingeschätzt hat, ich kann mich da nicht professionell gegen schützen, auch wenn es mich in der Situation selbst nicht so erwischt.

    Ganz ehrlich, am liebsten würde ich noch viel seltener hingehen und ich bin fast ein bisschen neidisch auf die Angehörigen, die sich noch soviel häufiger kümmern können.

    Bevor meine Mutter hier in der Nähe war, habe ich sie ca.alle drei Monate besucht und wöchentlich telefoniert, weil es für mich ein "Ort des Grauens" dort war und nun seit drei Jahren der deutlich häufigere Kontakt, entweder anfangs Vorwürfe eingesammelt, nun mal mehr mal weniger Trauerphasen, um Verlust wichtiger Menschen, nun die Themen um meinen Vater, verpasste Chancen im Leben, die ich never ever ausbügeln kann..


    Ich hoffe ich darf es heute auch hier rauslassen, sonst wegklicken. Ich brauche also auch wieder Abstand. Das Telefon habe ich zum x-ten Mal aktiviert, damit man meine Mutter auch einfach anrufen kann, sie schafft es immer wieder den Ton abzustellen o.ä.


    Für heute liebe Grüße an alle

    Rose

  • Hallo in die Runde,


    ich lese hier mit und erkenne vieles wieder.


    Das Wechselhafte an der Demenz ist wirklich manchmal schwer zu fassen. Mich hat am meisten die tiefe Traurigkeit getroffen, wenn derjenige geweint hat und hoffnungslos auf das jetzige Leben geschaut hat oder auf tiefliegende vergangene Wunden.

    Und am meisten hat es mich getroffen, wenn ich selbst die Situation überhaupt nicht verbessern konnte, nicht nur seelisch, sondern auch körperlich (schlechte Pflege/spürbarer Fachkräftemangel), wo ich heute noch denke, dass willst du nicht noch einmal erleben.

    Es ist ein ständiges Abschiednehmen und ein Hinnehmen und ein Hoffen, dass es auch mal wieder besser sein wird. Und in der Regel gibt es immer mal wieder bessere Momente, wobei die leider auch weniger werden.

    Oftmals bleiben dann die kleinen positiven Momente zurück, in denen auch trotz aller Demenz, eine Klarheit vorkam, die mich manchmal so überrascht hat, so dass ich dachte, sie können fast all das aufwiegen, was an Negativem dagewesen ist.

    Trotzdem hoffe ich, dass meine Mutter, nicht alle Stadien der Demenz durchmachen muss.


    Liebe Grüße an alle

  • Es hat mir wieder gezeigt, dass es mich nur schwächt, öfter als 1mal/Woche mich dem auszusetzen, genau wie es meine Therapeutin eingeschätzt hat, ich kann mich da nicht professionell gegen schützen, auch wenn es mich in der Situation selbst nicht so erwischt.

    Ach liebe Rose, was für ein langer trauriger Weg.

    Aaaaaaber Du hast es für Dich richtig erkannt mit dem Abstand, und das ist so schwer.

    Kopf hoch du bist wirklich eines meiner Vorbilder!!!

    Alles Gute Alfi

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