Wie geht es Euch? Thread IV

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  • Die Pflegerin (die es auch gut meint) erklärte mir, dass meine Mutter offensichtlich Probleme mit der Zahnprothese hätte (sie kann ja nicht mehr sagen, was ihr weh tut).

    Und jetzt solle ich doch mal mit ihr zu ihrem Zahnarzt gehen.

    Nun erlebe ich Albträume: Wie kriege ich meine Mutter (die kaum noch weiß, wer ich bin und was ich von ihr will) demnächst zum Zahnarzt. Ich selbst fahre kein Auto. Und wie schaffe ich es, dass sie dort kooperiert ....

    Hallo Schwarzerkater,

    letzte Woche klagte Schwiegervater über Schmerzen an/mit der oberen Prothese. Mit ihm können wir auch nicht mehr zum Zahnarzt gehen. Er kann seine Schmerzen nicht mehr genau lokalisieren. Meine Untersuchung mit einer Taschenlampe und einem kleinen Zahnspiegel entdeckte bei ihm ein Aphten (Entzündungsherd) am oberen Gaumenrand.

    Die Apothekerin meinte, solche kleinen Entzündungen seien häufig und sie gab uns eine Paste mit, die dagegen hilft. (entzündungs- und schmerzhemmend). Damit strichen wir die wunde Stelle ein und H. trug für kurze Zeit seine Prothese nur noch beim Essen. Nach zwei Tagen war das Problem weg. Eine Sichtprobe des Gaumens der Mutter bringt vielleicht auch eine Druckstelle der Prothese zu Tage? Problemstellen am Gaumen sind entweder ganz hell oder dunkelrot. Gleichmäßige Farbe heißt ohne Probleme.
    Außerdem kann man mit den Fingerkuppen mal ihre Prothesen abfahren, ob irgendwo eine scharfe Kante ist. So was kann der Zahnarzt auch beheben, ohne dass die Patientin dabei ist.

    Liebe Grüße!
    Buchenberg

  • Mit hat ein Zahnarzt mal gesagt, dass er ein Köfferchen für Haus- bzw. Krankenhausbesuche hat. Da könnte man beim Zahnarzt doch vllt mal nachfragen, damit keine unnötige Tortur notwendig ist?

  • Die Apothekerin meinte, solche kleinen Entzündungen seien häufig und sie gab uns eine Paste mit, die dagegen hilft. (entzündungs- und schmerzhemmend).

    Lieben Dank, Buchenberg, genauso mache ich das ... Gewusst wie! Manchmal sieht man den Wald vor Bäumen nicht.

  • Liebe Tanja,


    Dein Beitrag enthält zwei wichtige Parallelen zu meiner aktuellen Situation, daher möchte ich Dich gern um einen Rat bitten.


    Wie ist es Dir gelungen mit "gutem Gewissen" die Kündigung für die Wohnung Deiner Mutter geschrieben zu haben und die heftigen verbalen Attacken zu überstehen?


    Meine Mutter befindet sich nach vier Klinikaufenthalten (immer Notfälle) in sechs Monaten auf meinen Wunsch hin in der Kurzzeitpflege. Nach einem Gespräch mit der Heimleitung erklärte man mir, dass eine 24/7 Betreuung durch mich als langjährig (10 Jahre) pflegende Angehörige nicht mehr zu stemmen sei.


    Zunächst war ich erst einmal schockiert und mittlerweile aber auch erleichtert. Die Fürsorge in der Pflegeeinrichtung ist sehr liebevoll, wie ich es bei meiner Mutter aber auch im Umgang mit mir selbst immer wieder erlebe.


    Während meines letzten Besuchs erklärte mir meine Mutter (in abgewandter Körperhaltung) zu mir: "Das habe ich nicht verdient!" Seit dieser Aussage und unserem letzten Telefonat vor drei Tagen (60 Sekunden Gesprächsdauer), dass sie kurz und knapp beendet hat, spielen meine Nerven verrückt. Vorgestern bat ich eine Pflegerin am Telefon, sie möge meine Mutter herzlich grüßen, weil mir schon wieder die Stimme versagte und ich zu heulen begann. Gestern versuchte ich geschlagene zwei Stunden, mich zusammen zu nehmen und sie anzurufen... ohne Erfolg. Mein schlechtes Gewissen quittierte meine mangelnde Fürsorge prompt: ich träumte, meine Mutter käme in meine Wohnung. Dieser Traum war so realistisch, dass ich schweißgebadet aufwachte, weil ich meiner Mutter mein Verhalten nicht erklären konnte.


    Nun geht dieses Spiel heute von vorne los. Seit 14 Uhr bohrt meine innere Stimme: "Heute musst Du sie aber anrufen!". Sobald ich die Nummer anwählen will, breche ich in Tränen aus. Ich kann es einfach nicht.


    Da meine Mutter finanziell nicht vorgesort hat, muss ihre Wohnung (spätestens Anfang der Woche) gekündigt werden, da ich Anträge zur Hilfe auf Pflege und Hilfe für Mietkosten beantragen muss. Ich bringe es einfach nicht fertig.


    Plötzlich stelle ich alle meine Entscheidungen in Frage, glaube den größten Fehler meines Lebens gemacht zu haben. Was wäre, wenn meine Mutter zurück käme und ich habe ihr das Zuhause genommen? Das ist überhaupt nicht mehr möglich, sie hat Pflegegrad 4, mittelschwere Demenz mit Wahnvorstellungen, Hirnathrophie und eine beginnende Parkinsonerkrankung und ist inkontinent.


    Hier zu Hause lag sie seit ca. 5 Jahren nur noch auf der Couch, seit Ende Januar nur noch im Bett, konnte sich nicht aufrichten, geschweige denn gehen (natürlich auch nicht auf Toilette) und in der Pflegeeinrichtung läuft sie mit kleinen, aber festen Schritten mit dem Rollator und neuerdings sogar alleine zur Toilette.


    Was soll ich sagen? Ich bin so verzweifelt und glaube mittlerweile, ich bin die nächste, die in eine Klinik muss. Mein Selbstwertgefühl ist dermaßen am Ende, dass ich mir nichts mehr zutraue. Seit Monaten räume ich systematisch die Schubladen und Schränke meiner Mutter aus, da ich diese Entwicklung kommen sah. Ich war so strukturiert und effektiv und jetzt bin ich wie gelähmt.


    P.S. Ich war vor ca. 11 Jahren nach in einer psychosomatischen Klinik. Nach einem Telefonat mit meiner Mutter war ich so fertig, dass ich in einer Gruppenrunde unfähig war, mich zu beteiligen. Nachdem mich eine Mitpatientien sichtlich verärgert auf mein scheinbares Desinteresse ansprach, erklärte ich ihr mein Verhalten. Alle waren entsetzt, dass meine Mutter mich am Telefon rund gemacht hatte und nicht die geringste Rücksicht darauf nahm, dass ich mich in einer Reha befand. Als ich ihr zu Hause wieder angekommen erklärte, was sie mit ihrem Verhalten bei mir ausgelöst hatte (hat mich meinen ganzen Mut gekostet, ihr das überhaupt zu sagen) meinte sie: "Ja, tut mir leid. Aber mir ging es auch nicht so gut." Telefonat mit meiner Mutter, die in Zusammenhang mit Klinikaufenthalten stehen sind für mich absolut der Horror!


    Liebe Grüße


    Elisabetha

  • Hallo.

    Ich komme eben aus dem Krankenhaus und bin geschockt in was für einem Zustand meine Mutter ist.

    Die geht da richtig kaputt, weil sie zum Nichtstun und Nichtdenken verdonnert ist.


    Im Moment wünschte ich sie würde anrufen und nach Marmelade fragen und mich wüst beschimpfen.

    Sie wollte sogar einer Schwester (O- Ton Mutter) in die Fresse hauen, sagte man mir.

    Sie saß auf dem Toilettenstuhl , aber sie konnte nicht.

    Wen wunderts

    Ich konnte im KH auch nie😉.

    Die Schwester sagte sichtlich genervt, dass Mutter von sich aus mal musste.

    Aber Mutter wollte aufs richtige Klo.


    Habe sie dann mit einer jungen Schwester zurück ins Bett gelegt.

    Die fragte mich, ob ich aus der Pflege wäre.

    Ich meinte nur, dass ich zupacke wo es angebracht ist.

    Mutter sprach noch nie so wirres Zeug wie heute, kann kaum aufrecht sitzen.

    Schlimm.


    Ich warte bis endlich vom Gericht ein Betreuer bestellt ist und ein Endplatz fürs Heim gefunden wird......wenn sie nicht vorher verstirbt.

    Aber die sagen im KH nur...so schnell stirbt es sich nicht.

    Wieso habe ich dann das Gefühl, dass die Talfahrt noch mehr an Schub aufnimmt, wenn die Dementen in einer Einrichtung sind?

    Und mein feiner Herr Bruder war noch nicht nicht da.

    Den juckt gar nichts. Unfassbar.

    Jedenfalls kann sie dann mit frischen Sachen in die Kurzzeitpflege.

    Ihre Kleidung, mit der sie da eingeliefert wurde, habe ich hier entsorgt.

    Sie stanken bestialisch, so dass sogar mein Hund ein Bogen um das Zeug machte.


    Jetzt habe ich einen Knoten im Darm🤢

    Kein Hunger, aber doch Hunger.....

  • Liebe schwarzerkater -


    ja, jammern hilft vielleicht rein rational nicht, weil man es "machen muss", wie Dein Mann sagt. Aber es hilft emotional - und das ist wichtig, weil wir uns sonst einfach noch schlechter fühlen würden. Deswegen "erlaube" ich mir das Jammern. Und selbst wenn es nur in meinem Kopf stattfindet.

  • Liebe Carolina89 -


    das hört sich wirklich schlimm an. Ich muss sagen, dass meine Mutter in ihrem Heim gut versorgt wird - eigentlich schon eher betüddelt. Man kümmert sich sehr gut um sie, sie läuft mit anderen Bewohnerinnen durch die Gänge, es gibt es Tagesprogramm. Wenn ich sie besuche (und ich kündige mich nicht vorher an), hat sie saubere Kleidung an, die Haare sind gewaschen usw. Das alles hat sie zuhause nicht mehr geschafft, Vielleicht ist es die Einrichtung? Ich kann leider nur sagen, dass es nicht überall so ist.

  • Aber es hilft emotional - und das ist wichtig, weil wir uns sonst einfach noch schlechter fühlen würden. Deswegen "erlaube" ich mir das Jammern. Und selbst wenn es nur in meinem Kopf stattfindet.

    Liebe Tanja, oh ich wollte mit meinem Post doch nicht sagen, dass irgendjemand nicht klagen und jammern sollte ... Das steht mir wirklich, wirklich gar nicht zu ...

    Es bezog sich nur auf mich: ich selbst bemerke oft, wie mich die Endlosschleife meiner Gedanken selbst auffrisst und dann hilft mir manchmal, sie abzustellen und einen Brocken nach dem anderen abzuarbeiten. So ist das bei MIR.

  • Liebe Elisabetha,

    du hast zwei streitende Stimmen in deinem Kopf. Das ist ganz normal. Die Stimmen in deinem Kopf sind nur das Echo von wirklichen Stimmen in der realen Welt.
    Was dich lähmt, ist der Wunsch, dass du die eine (böse) Stimme zum Schweigen bringen willst. Das wird nicht passieren. Selbst wenn deine Mutter verstorben ist, wird sie dich noch verfolgen. Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Auch eine tote Spinne hat noch Gift."
    Die widerstreitenden Stimmen werden in deinem Kopf bleiben. Aber du musst dich bis zum 3. März (letztes Kündigungsdatum für die Wohnung deiner Mutter) entscheiden:
    Welcher der beiden Stimmen du für diese eine Aufgabe zu diesem Termin folgen willst.

    Alles weitere ist erst mal nicht wichtig.


    Liebe Grüße!
    Buchenberg

    2 Mal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Liebe Elisabetha -


    Deine Schilderung hört sich wirklich sehr ähnlich wie meine Erlebnisse an. Ich gebe zu, ganz so einfach war es nicht die Wohnungskündigung zu schreiben - vor allem zu unterschreiben. Aber danach habe ich mich erleichtert gefühlt, aus mehreren Gründen: Sie wird wirklich gut betreut im Heim. Sie weiß oft nicht, wo sie ist: Sie denkt, sie ist in ihrer Wohnung, bei ihrer Mutter oder im Hotel. Ich sehe auch jedes Mal, wenn ich sie besuche, dass sie nicht alleine leben kann (auch nicht mit Pflegedienst). Ich habe den Bericht vom Fachmann, der sie besucht hat, um die Pflegestufe festzustellen: Sie dachte im Gespräch, dass es 1913 wäre. Sie kann sich in einem geschützten Raum bewegen, aber in der realen Welt nicht mehr.

    Bei Pflegegrad 4 ist dem so (meine Mutter hat 3), sie kann nicht mehr alleine leben und Du kannst nicht 24/7 für sie da sein. Daran gehst Du kaputt. Und alleine kann sie sicherlich nicht mehr ihr Leben stemmen. Daher nimmst Du ihr ihre Wohnung nicht weg. Sie wird im Heim gut umsorgt, wie Du schreibst, und es geht ihr gut. Das ist das Wichtigste.

    Ich gebe zu, die Beschimpfungen dauern jetzt fast 2 Jahre und sie zehren an einem. Bei früher manchmal 60 Anrufen am Tag und Verbalattacken jeder Art braucht es noch, bis ich wieder ganz okay bin. Wenn ich meine Mutter besucht habe, gab es dann wenig Ausweichmöglichkeiten, den Beschimpfungen zu entgehen. Im Heim ist das anders: Da nehme ich meine Sachen und gehe. Ich weiß ja, dass sie betreut wird und muss mir keine Sorgen machen, dass sie irgendwas anstellt. Das war vorher immer im Hinterkopf, daher habe ich sie mind. 1x am Tag angerufen. Und ja: Mir ging es ähnlich wie Dir: Ich muss sie anrufen, auch wenn ich es eigentlich nicht möchte. Nur um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist. Und ich kenne das 2 Stunden mit sich selbst ringen, um den Hörer in die Hand zu nehmen. Weil man nie weiß, was man hört.

    Ich habe mir an einem Punkt psychologische Hilfe geholt, die mich unterstützt hat. Und die mir vor allem gesagt hat, das ich ein wertvoller Mensch bin, egal, was meine Mutter sagt. Trotzdem habe ich fast 2 Kleidergrößen abgenommen und ich bekomme gerade nicht ein einziges Kilo wieder drauf - nervöser Stress, denn ich esse normal. Ich fürchte, ich habe kein Geheimrezept, wie ich mit meiner Mutter und ihren Attacken umgehe. An manchen Tagen prallt es besser ab als an anderen. Seit sie nicht mehr anruft bzw. anrufen kann, geht es besser, weil ich mich nicht durchgehend attackiert fühle. Aber es ist ein langer Prozess - einen Schritt nach dem anderen. Meine Arbeit lenkt mich teilweise ab, Ich gehe wieder auf Konzerte etc., was ebenfalls hilft. Und ich habe einige sehr liebe Freunde, die zuhören. Und dieses Forum hilft mir ebenfalls sehr.

    Ich drücke Dir die Daumen und wünsche Dir alles, alles Gute!

  • Liebe schwarzerkater -


    so eine Endlosschleife habe ich auch häufig - gestern erst wieder. Manchmal fühlt man sich einfach so überfordert und würde sich am liebsten in ein Schneckenhaus zurückziehen. Und die Welt draußen lassen. Weil alles irgendwie auf unseren Schultern ruht und wir nicht wissen, welchen Brocken zuerst angehen. Ich habe mir gestern eine Liste gemacht, was ich am nächsten Wochenende in der Wohnung meiner Mutter alles angehen will. Wahrscheinlich viel zu lang, aber zumindest habe ich was, was ich abhaken kann - manchmal hilft mir das. :)

    Alles Gute!!

  • Manchmal fühlt man sich einfach so überfordert und würde sich am liebsten in ein Schneckenhaus zurückziehen.

    Liebe Tanja, der gemeinsame Weg in die Demenz meiner Mutter dauert schon viele Jahre und kaum hat man sich an eine "Stufe" gewöhnt, geht es noch weiter bergab. Insofern ist es normal, überfordert zu sein (hinzu kommen ja noch viele andere Baustellen).


    Leider kann man über einen langen Zeitraum hinweg sich weder in einer Situation mit den Dementen einrichten noch "etwas" abschließen. So endgültig-grausam der Tod oft daherkommt, so ist er doch manchmal auch der Punkt, an dem wieder Neues aufblühen kann.


    Mit unseren dementen Angehörigen stehen die "Zeichen" anders und das auszuhalten, kann und wird alle Seiten meist bis an die Grenzen der Belastbarkeit (über)fordern. Meine über die Jahre angesammelten Klagen könnten inzwischen eine Bibliothek füllen. Für neue Klagebücher wird der Platz langsam knapp. Und daher bleibt mir nur der Griff nach jedem tröstendem Strohhalm, der sich zeigt ...


    Ich sehe, dass du auch nach diesen Strohhalmen greifst und es ist die beste Möglichkeit, unserem eigenen Leben noch schöne Seiten abzugewinnen. Wir geben nicht auf!!! Alles Liebe. <3

  • Lieber Buchenberg,


    ich danke Dir aufrichtig für Deine Antwort auf meinen Beitrag, den ich in Panik und Verzweiflung geschrieben habe, manche mögen es auch Hystherie nennen.


    Deine Übersetzungen der verschiedenen Stimmen, die auf mich einwirken trifft es sehr genau.


    Sehr hilfreich sind auch Deine praktischen Hinweise, die ich gerne annehme.


    Aufgabe1: ich habe es geschafft, heute Vormittag die Kündigung für die Mietwohnung unter Einhaltung der Kündigungsfrist (3 Monate) wegzuschicken.


    Aufgabe 2: Die Anträge für die Hilfe zur Pflege und das Wohngeld liegen mir bereits vor und sind bis auf wenige Angaben ausgefüllt. Die entsprechenden Kopien sind in Arbeit.


    Der gestrige Tag hat mir gezeigt, dass es für mich gilt, den Prozess der Veränderung anzunehmen und ein Schritt nach dem anderen zu gehen. Die Vorstellung und mein Anspruch, alle Probleme auf einmal und das in Perfektion lösen zu wollen, haben mich gestern einfach erschlagen.


    "Etwas zu wagen bedeutet, vorübergehend den festen Halt zu verlieren. Nichts zu wagen bedeutet, sich selbst zu verlieren."

    Soren Kierkegaard


    Das trifft es recht gut: ich habe gestern meinen Halt verloren. Alles was mich bisher getragen hat, zeigte gestern keine Wirkung mehr. Die alten Mechanismen haben ausgedient. Wichtig ist für mich, die Balance zu halten und meine Emotionalität nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. So arbeite ich meine To-Do-Liste nach Dringlichkeit brav ab und werde mich vor zwei Übeln hüten: Hetze und Unentschlossenheit. Ich werden mein Bestes geben.


    Es grüßt Dich sehr herzlich


    Elisabetha

  • Liebe Elisabetha,

    Da hast du doch ganz wesentliche Dinge auf den Weg gebracht!!

    Der von dir zitierte Spruch gefällt mir gut.

    Weißt du, wir sind hier alle "auf dem Weg" und haben manche Hürden genommen, sehr oft gezwungenermaßen und hier gilt wie so oft im Leben "man wächst mit seinen Aufgaben" - manche gehen auch dran kaputt, das sollte man auch bedenken.. und wenn man Letzteres nicht will, nimmt man irgendwann alle Kraft zusammen und tut das was ansteht und da kann eine Unterschrift seeehr schwer und anstrengend werden. Aber du hast es erledigt.


    Dass dich gerade oft die Kräfte, ob seelisch oder körperlich verlassen, finde ich völlig verständlich. Du musstest eine schwere Last loslassen und da sackt man erstmal in sich zusammen. Vorher denkt man doch oft, man würde wer weiß was tun, wenn man erstmal eine langdauernde Belastung abgeben kann und dann sagt der Körper, die Seele "Moment mal" oder eben die Gedankenspiralen gehen los, alles an niedermachenden Glaubenssätzen hat Zeit hochzukommen.

    Für mich ist ganz hilfreich in Bewegung zu bleiben/zu kommen, jeden Tag wenigstens versuchen ne halbe Stunde rauszugehen, ohne Hund nicht selbstverständlich;) damit kann man Adrenalin abbauen und Licht für bessere Stimmung tanken.

    Alles liebe für dich

    Rose60

  • Liebe Elisabetha,


    ich möchte dir mein Mitgefühl in dieser Situation ausprechen. Ich bin selbst vor nicht mal drei Monaten genau am gleichen Punkt gewesen. Gerne würde ich sagen ich habe das alles mittlerweile hinter mir gelassen, dem ist leider nicht so. Aber es wurde besser. Du schreibst ja das du seit über 10 Jahren pflegst, das ist eine unglaubliche Leistung und darauf kannst du zurecht Stolz sein.
    Das du jetzt wo sich alles ändert erstmal ein ein Loch fällst ist überaus menschlich und normal. Es ist komisch aber hier im Forum werden viele das Gefühl gut kennen: Entlastung kann erstmal belasten.


    Du hast insofern eine "gute" Ausgangslage da du siehst das es deiner Mutter jetzt besser geht als zuvor. Das sie Fähigkeiten die vermeitlich verloren waren wenigstens für eine bestimmte Zeit zum Teil zurückgewinnt. Das ist etwas an das du dich Klammern kannst wenn es dir schlecht geht. Du machst das ja alles nicht aus Bosheit sondern weil du für deine Mutter die bestmögliche Versorgung möchtest. Bestmöglich und "daheim" sind halt ab einem bestimmten Krankheitsstatium nicht mehr miteinander vereinbar.



    Hier im Forum ist mal ein Satz gefallen den ich schon öfter sinnhaft zitiert habe. (Leider scheint das original mitterlweile gelöscht zu sein)

    "Unsere Gesellschaft macht Eltern kein schlechtes Gewissen weil sie ihre Kinder in die Schule geben und diese dort von Fachkräften fremdbetreut werden. Warum sollte das bei alten und kranken Menschen anders sein?"

    Ich finde diese Fragestellung für meine rationale Seite sehr hilfreich.


    Zu guter letzt, wenn es dir nicht gut geht schreibe hier. Wir verstehen Dich sehr gut. Vielleicht überlegst du dir auch ob dir selbst professionelle psychologische Hilfe in dieser Zeit helfen kann.


    Vorher denkt man doch oft, man würde wer weiß was tun, wenn man erstmal eine langdauernde Belastung abgeben kann und dann sagt der Körper, die Seele "Moment mal" oder eben die Gedankenspiralen gehen los, alles an niedermachenden Glaubenssätzen hat Zeit hochzukommen.


    Das trifft den Nagel auf den Punkt. Auch ich dachte mir "Danach" fängt mein Leben an, "Danach" mache ich dieses und jenes. Jetzt im "Danach" finde ich oft einfach keine Kraft. Es ist wie du so schön schreibst "ein Weg" und man muss sich dafür die Zeit nehmen die man braucht.

  • Liebe TanjaS,


    dass Du mir so ausführlich geantwortet hast berührt mich sehr.


    Mein gestriger Beitrag zeigt mir, dass ich die letzten Jahre vieles verdrängt habe, das war meine Überlebensstrategie. Ich pflichte Dir bei, dass das Jammern hier in der Gemeinschaft einen befreienden und erlösenden Effekt hat. Einerseits war es mir gestern Abend peinlich, dass mir derart die Nerven durchgegangen sind. Andererseits pflegen wir hier einen sehr achtsamen Umgang miteinander, das gibt mir Vertrauen, mich zu öffnen. Sich zusammen nehmen, eigene Gefühle über eine lange Zeit zu unterdrücken kennen wir alle nur zu gut.


    Wie ich bereits Buchenberg geschrieben habe, habe ich die Kündigung heute weggeschickt. Auf dem Weg zur Post bin ich so schnell gelaufen, als wäre der Teufel hinter mir her. Dennoch fühlte ich mich jetzt auch befreit. Damit ist der wichtigste Stein ins Rollen gebracht und ich vertraue auf die Eigendynamik dieser Situation, denn nun gibt es kein Zurück mehr. Jetzt stehe ich unter Zugzwang. Es ist ein Wesenszug von mir, alle wichtigen Entscheidungen bis in kleinste Detail 100mal abzuwägen und noch eine Bestätigung für die Richtigkeit meiner Entscheidung einzuholen. Wen wundert es, dass ich die Serie "Monk" liebe.


    Nachdem sich meine Nerven beruhigt haben, habe ich beschlossen,


    1.) alles Wichtige auf den Weg zu bringen (Anträge Behörde etc.)

    2.) in schwachen Momenten in Ruhe Beiträge zu lesen ( z. Bsp. Töchter narzisstischer Mütter)

    3.) mich daran zu erinnern, dass ich meinem inneren Kind wieder die Beachtung schenke, die es verdient und

    4.) öfter einfach gut zu mir zu sein.


    P.S. Ein klein wenig stolz bin ich schon auf mich!


    Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe


    Elisabetha

  • so eine Endlosschleife habe ich auch häufig - gestern erst wieder. Manchmal fühlt man sich einfach so überfordert und würde sich am liebsten in ein Schneckenhaus zurückziehen. Und die Welt draußen lassen.

    Liebe Tanja und schwarzerkater,

    ich kenne das Gefühl auch zu gut. Es kostet alles soviel Kraft und ich fürchte manchmal, in Depressionen zu verfallen. Da tut es gut, wenn die Familie oder Freunde mich rausholen und ich mir irgendwas Gutes tue.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Elisabetha, danke für Ihre Offenheit mit der Sie uns an Ihrem Aufbruch zu neuen Ufern Anteil nehmen lassen!

    "Etwas zu wagen bedeutet, vorübergehend den festen Halt zu verlieren. Nichts zu wagen bedeutet, sich selbst zu verlieren."

    Soren Kierkegaard

    Gestern noch waren Sie noch wie gelähmt, um (nicht) mit Ihrer Mutter zu telefonieren - und beim Lesen dachte ich:

    Es ist ein echter Schutz Ihrer Seele oder von Ihrem "inneren Kind", dass Sie stärker waren als das schlechte Gewissen und durch diese Lähmung die innere Gewissheit gestärkt haben, dass Sie diese Entscheidung allein treffen müssen.


    Sie können und konnten nicht warten und ich habe mitgefühlt, wie Sie mit dem Wissen um das "Gift der toten Spinne" - ein starkes Bild Buchenberg - im Endspurt die Briefen weggeschickt haben und sich dann plötzlich ganz viele Perspektiven und Weisheiten eröffnen!


    Bitte bewahren Sie diese innere Kraft, wenn wieder Zweifel können, Ihre Posts haben uns allen gezeigt, wie stark Sie sind!

    Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SchwarzerKater, es freut mich, dass sich das Problem mit der Zahnärztin so schnell gelöst hat. Wie können damit rechnen, dass in Zukunft diese Frage häufiger kommt, denn im letzten Jahr wurde ein neuer Pflege-Expertenstandard "Mundgesundheit" eingeführt. Die Pflege ist also verpflichtet, da jetzt genauer hinzusehen. Auch die Zahnmedizin steht in der Pflicht und so hätte ich Ihnen geraten die Zahnarztkammer anzurufen, welche Praxis in das Heim kommt.

    Es freut mich sehr, dass sich das Problem sehr schnell gelöst hat!

    Und danke für Ihre wunderbaren Beiträge!

    Ihr Martin Hamborg

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