Wie geht es Euch? Thread IV

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  • Ich glaube, es ist mehr der brutale Wechsel an Verantwortung, der uns zu schaffen macht.

    Erst lebten unsere Eltern weitgehend ohne unsere Hilfe. Dann bedürfen sie plötzlich unserer Pflege bis hin zur unerträglichen Verantwortung. Dann kommen die Pflegebedürftigen ins Heim, und wir stehen ohne diese Aufgabe da, die uns bisher bis zum Platzen ausgefüllt hat. Gerade waren wir noch wichtig und sind es nun nicht mehr. Das ist so ähnlich, wie wenn Kinder das Elternhaus verlassen. Das fühlt sich an wie ein umgestürzter Baum.

    Aber mehr noch als ein umgestürzter Baum sorgen die stehenden und noch aktiven Bäume für das Weiterleben des Waldes. Ich habe noch nicht vor umzufallen.

    LG Buchenberg

  • Hallo zusammen,

    So wie ich die Beiträge von schwarzerkater und @eclia verstehe, geht es mehr um die Bewältigung persönlicher Schicksale, die zu den dementen Elternteile hinzukommen - zu dem Club gehören ich ja auch längst - und wodurch es oft einfach alles zu viel und die Kräfte überfordernd wird. Das Leben macht ja leider nicht Halt - "ach nee, die/der hat ja schon genug zu tragen".

    Meine Erfahrung ist - und es war oft zuviel an persönlichen Paketen - wenn man nichts mehr selbst tun kann, an eine übergeordnete Macht abgeben, viiiel für innere Ruhe und Zentriertheit sorgen durch Entspannungsmaßnahmen, wenn's geht Bewegung, Tageslicht, und sich verständnisvollen Menschen mitteilen.

    So ist meine derzeitige Aufgabe auch wieder - ich denke, auch das Mit-teilen unserer Gedanken und Erfahrungen hier mag Leser erreichen, die wir gar nicht mitbekommen und die vllt doch etwas für sich daraus lernen/mitnehmen können oder wie man neuerdings sagt , die sich "davon abgeholt fühlen" ;) das ist nicht nichts..

    Wünsche allen einen schönen Sonntag! <3

  • Danke Euch fürs Mitlesen und Teilen.

    Ja, die übergeordnete Macht ist oft eine große Stütze, selbst wenn ich sie nicht bewusst wahrnehmen kann.

    Rose ich finde Deine Worte sehr zutreffend und danke Dir auch dafür.


  • Ich glaube, es ist mehr der brutale Wechsel an Verantwortung, der uns zu schaffen macht.

    Erst lebten unsere Eltern weitgehend ohne unsere Hilfe. Dann bedürfen sie plötzlich unserer Pflege bis hin zur unerträglichen Verantwortung. Dann kommen die Pflegebedürftigen ins Heim, und wir stehen ohne diese Aufgabe da, die uns bisher bis zum Platzen ausgefüllt

    Ja, genau so ist es. Und vor allem die Verantwortung abzugeben und zu vertrauen. Und es wagen, das Leben wieder etwas zu genießen und doch im Hinterkopf immer an die liebe Person zu denken, die wir nicht mehr alleine umsorgen konnten.

  • o ist meine derzeitige Aufgabe auch wieder - ich denke, auch das Mit-teilen unserer Gedanken und Erfahrungen hier mag Leser erreichen, die wir gar nicht mitbekommen und die vllt doch etwas für sich daraus lernen/mitnehmen können oder wie man neuerdings sagt , die sich "davon abgeholt fühlen"

    Ich lese hier so oft mit und manchmal habe ich gar nicht die Kraft und noch nicht die Erfahrung, mich mit guten Ratschlägen einzubringen. Aber vllt kommt die Zeit, wo ich auch meinen Teil dazu beitragen kann. Im Moment profitiere ich von euren guten Tipps und Ratschlägen, die mir sehr gut tun.

  • Guten Morgen an Euch alle,


    weil ich heute so traurig bin habe ich wieder in meinen Bücherschätzen gestöbert und etwas gefunden, woran ich möchte Euch gerne teilhaben lassen möchte.



    ich leide

    ... und entdecke die tiefere Bedeutung



    Ich leide an Überforderung.

    Manchmal komme ich mir wie ein Jugendlicher vor,

    von dem man die Handlungsweisen

    eines Erwachsenen erwartet.

    Man erhofft sich Orientierung und Weisung von mir.

    Dafür fühle ich mich nicht reif.


    Das Leben verlangt mir etwas ab,

    was ich nicht habe.

    Die Schuhe, in denen ich gehen soll,

    sind mir einige Nummern zu groß,

    aber ich muß so tun,

    als ob ich sie tragen könnte.


    Doch habe ich mir das Leben so gewählt.

    Vielleicht habe ich mich unbewußt

    in diese Lage gebracht, um wachsen zu müssen.


    Wenn ich nicht wüßte,

    daß es anderen auch so geht

    und daß wir gerade an den Aufgaben reifen,

    die größer sind als wir,

    dann würde ich verzweifeln

    unter dieser Überforderung.



    Wir wollen meistens das Leid loswerden und vergrößeren es dadurch oft. Wir verdrängen es, und es beginnt uns von innen zu zerstören. So verpassen wir die Geschenke, die wir vom Leid empfangen könnten. Das Leid anzusehen, es nicht zu verdrängen, bietet uns die Möglichkeit, das Oberflächliche hinter uns zu lassen. Leid ist zwar nicht tiefer al Glück, aber es kann uns manchmal zu Fragen zwingen, die wir sonst nicht stellen würden: "Was ist der Sinn? Ist das, was ich erlebe, wirklich alles im Leben? Gibt es ein Leben nach dem Leben?


    Leid bietet uns die Chance zu wachsen, weil wir die Illusionen verlieren, die uns abhalten, der Person zu begegnen, die wir sind. Mit diesen Texten möchte ich das Leid artikulieren, ihm Namen und Gesicht geben. Es zu benennen ist manchmal der erste Schritt, es in meinen Dienst zu stellen. Es ist dann nicht nur ein dumpfes Gefühl, das mich beschwert, sondern es setzt sich zusammen aus Situationen, Menschen, Umständen, mit denen ich umgehen kann,zu denen ich Stellung nehmen kann. Das Leid verliert so seine namenlose, beängstigende Gewald und wird zu einer Herausforderung.


    ULRICH SCHAFFER



  • Auch von mir Daumen hoch! Es entspricht auch meiner Erfahrung: eine gewisse Zeit die Trauer leben und dann wieder bewusst ablenken mit schönen Dingen, sich lieben Menschen zuwenden o.ä., denn wir haben alle nur dieses eine Leben.

  • Ein herzliches Hallo an alle hier,


    die letzten drei Wochen habe ich versucht, die Besuche und die zahlreichen Anrufe meiner Mutter stoisch und diszipliniert wie ich bin, hinzunehmen, ohne viel darüber mit anderen zu reden, weil ich mir schon selbst auf die Nerven gegangen bin, mit dem Immergleichen. Ich wollte ausprobieren, ob es mir besser geht, wenn ich weniger darüber rede und damit vielleicht auch weniger grüble.

    Es hilft ja alles nichts, sie steckt in ewigen Wiederholungen, redet ständig von allen, die verstorben sind, ruft bei mir an und meint ihre Mutter, sucht ihren Mann unter einer nicht existierenden Telefonnummer, und natürlich will sie immer noch abgeholt werden, samt Mitbewohnerin.Hinzugekommen ist jetzt noch ihre permanente Sorge um ihre Zimmergenossin, auch das konfus, weil sie sie manchmal mit ihrer Gartennachbarin oder ihrer Schwiegermutter verwechselt. Ich weiß, ich sollte ihr das Telefon abstellen, weil es sie irgendwie ja auch noch zusätzlich verrückt macht (und vor allem mich), andererseits denke ich immer, es ist das Einzige, was ihr geblieben ist. Nachdem sie mich heute mit 21 Anrufen auf die Mailbox weichgekocht hatte, hat sie bei meinem Rückruf dann aufgelegt mit den Worten, sie rufe mich nie mehr an. Haha.

    Gestern traf ich die Hausärztin, sie sagte mir, seien Sie versichert, Ihrer Mutter geht es viel besser als es bei Ihnen ankommt, laut den Pflegenden. Sie sagte, sie habe immer noch die Kraft der Außenfassade, nur bei mir lasse sie alles los und raus - der berühmte Trigger.

    Wenn ich sie besuche, weiß ich oft einfach gar nicht mehr, wie ich mit ihr kommunizieren soll. Ich versuche immer, sie nicht zu korrigieren, nichts richtigzustellen, nicht zu widersprechen, irgendwas Nettes und Belangloses zu erzählen. Wenn ich mit ihrer Mitbewohnerin spreche, ist sie beleidigt, diese freut sich immer über meine Besuche, meine Mutter nicht. Ich bin so unendlich müde davon. Trotzdem gehe ich weiter tapfer zweimal pro Woche hin, weil ich ihr etwas Abwechslung bieten möchte. Sie sagt oft, es sei ihr so langweilig.

    Ich finde es sehr bedauerlich, dass man sich im Heim - abgesehen von den Angeboten des Sozialdienstes für alle - um den psychischen Zustand der Bewohner*innen gar nicht kümmert. Vielleicht habe ich da auch falsche Vorstellungen? Sicher sind zugewandte Einzelgespräche zeitlich gar nicht machbar.

    Was will ich eigentlich sagen … ich fühle mich allein mit meiner so verwirrten Mutter, und gerade mal wieder wie eine Versagerin, weil ich vorhin einfach nur hilflos verzweifelt war, als sie auflegte. Was für ein ätzender Teufelskreis. Meine Schwester hat seit bestimmt zwei Wochen nicht mehr nach der Mutter gefragt, ich habe es getestet, indem ich ihr keine freiwilligen Bulletins mehr geschrieben habe.

    Immerhin habe ich mich endlich wieder aufgerafft, wie früher regelmäßig ins Kino zu gehen - da kann ich echt abtauchen.


    Danke fürs Loswerden-Können hier.

    Liebe Grüße

    Nelly

  • Hi Nelly ,


    das mit den Telefonanrufen kenne ich nur zu gut. Ich habe mir mittlerweile für den Opa einen eigenen Klingelton hinterlegt, so weiß ich ob es sich ggf. überhaupt lohnt nach dem Telefon zu suchen. Zwischendurch scheint auch eine Erinnerung an den Umstand, dass ein Anruf mit Mailbox 0,19 € (meine ich) kostet - die Verknüpfung zu horrenden Handykosten in den 90ern scheint also noch teils präsent. Bis neulich hatte ich tatsächlich ein paar Wochen ohne aufgesprochene Nachrichten.


    Auch seinem liebsten Argument, warum ich denn mal bitte ans Telefon gehen solle, "Und wenn mal was ist?", entgegne ich mittlerweile recht automatisiert "dann rufste den Notarzt". Im schlimmsten Fall auch nicht optimal, wenn es denn kein Notruf sein sollte, aber bisher war eben auch noch nichts.


    Auch diese Müdigkeit kommt mir bekannt vor, meist denke ich sowas in die Richtung "Bitte, nicht schon wieder", lasse meine Augen gefühlt etwas erschlaffen und atme behäbig, aber irgendwie leise genug, dass es nicht als Affront wahrgenommen werden kann. Ändern kannst du leider nur noch wenig (mein Opa hatte in den letzten Monaten vielleicht so um die drei Momente, in denen er sein Verhalten noch irgendwie halbwegs reflektieren konnte und sich auch mal entschuldigte). Halte dich auf jeden Fall nicht zurück, wenn du mit der Zimmernachbarin ein paar nette Worte wechseln kannst, freundliche Worte sind meiner Meinung nach zumindest fürs Unterbewusstsein sehr gut.


    So richtig abtauchen konnte ich dann vor ein paar Tagen. Nun hatte auch mich Corona erwischt. Es klingt tatsächlich irgendwie ungesund, aber nach einem wirklich üblen ersten Tag, freundete ich mich recht schnell mit dem Gedanken an, mich nun für die nächsten Tage für nichts rechtfertigen zu müssen. Tatsächlich habe ich noch zwei negative Tage drangehängt, bevor ich von meiner Genesung berichtete. So weit ist es also schon gekommen :D


    Seit neuestem sucht er wieder vermehrt Streit. Erst gestern machte er wieder eine Ohrfeigen-Geste ggü meinem Vater, um dann zu behaupten es wäre ja von ihm ausgegangen. Ähnliches bei mir: Ich im Keller beschäftigt, er wollte dass ich endlich gehe und drohte mir die Sicherung rauszunehmen.


    "Feierabend jetzt, sonst kommt hier die Sicherung raus!" (er war recht wütend, weil ich einer erneuten Korrektur einer Zeitschaltuhr keine Priorität eingeräumt hatte)

    "Dann mache ich sie wieder rein."

    "Das möcht ich erleben du!"

    "Okee, naja versuch es..." (in meinem freundlich gelangweiltesten Tonfall)

    "Doo, versuch es?!"

    "Ja?! Versuch es"

    "Versuch es! Bieteste mir schon wieder Schläge an???


    Dass ich lachen musste, trug nicht zur Entspannung bei. Ein paar Minuten später saß er aber schon wieder auf der Couch und notierte mit Hilfe der Auflösung eifrig sein Kreuzworträtsel fertig.


    Was mir tatsächlich Sicherheit gibt, ist es, solche Momente mitzuschneiden. Oben hat die normale Kameraaufnahme ihn entlarvt (was wir ihm aber gar nicht mitteilten), unten im Keller ist keine installiert, sodass ich kurzerhand via Smartphone aufgenommen habe. Ich glaube zwar nicht dass es jemals dazu kommt, aber da er noch durchaus sehr überzeugend auftreten kann (zumindest ggü Dritten für ganz kurze Zeit), möchte ich sowas notfalls entkräften können. Auf der Kamera im EG war vor einiger Zeit zu hören, wie der Nachbar drüben war und er einfach mal sagte: "Der ..., der, der schlägt immer sofort zu!"


    Ich hätte sicherlich schon Material für eine erste Serienstaffel zusammen :)


    Bleib stark und lass von dir hören :)

  • Und noch ein Nachtrag: Du schreibst, du bist es leid, immer auf deine Wortwahl zu achten. Dein Vorgehen ist sicherlich nicht verkehrt, aber zumindest kann ich dir sagen, dass du vielleicht einfach weniger drüber nachdenken solltest (ich weiß, super Tipp! ;)).


    Mein Vater und ich sind sehr unterschiedlich. Während ich eher wie du agiere, korrigiert er doch schon mal recht umfangreich. In der Folge streiten sie sich, andererseits streite ich mit meinem Opa auch und das obwohl ich eben recht erfolgreich auf Korrekturen und kritische Nachfragen verzichte.

  • Ich finde es sehr bedauerlich, dass man sich im Heim - abgesehen von den Angeboten des Sozialdienstes für alle - um den psychischen Zustand der Bewohner*innen gar nicht kümmert.

    Hallo Nelly,

    Meine Schwiegermutter leidet nicht nur an Demenz, sondern auch an Depressionen (und Narzissmus? oder Borderline-Syndrom?). Meine Frau und ich suchten überall für sie nach einer psychotherapeutischen Betreuung. Keine Chance!
    Eine der angesprochenen Ärztinnen antwortete uns:

    Eine psychotherapeutische (Gesprächs)Therapie „erfordert beim Patienten kognitive Kapazitäten, um dem Therapieregime folgen und therapeutische Inhalte behalten und umsetzen zu können. Dies ist bei hirnorganischen Störungen wie einer Demenz nicht mehr möglich."


    Unsere Erfahrung ist: Ein regelmäßig organisierter Alltag stabilisiert die Psyche der Demenzkranken. Alles Neue, alles Ungewohnte macht der Demenzkranken Stress und in der Folge macht sie dann uns als den Pflegenden Stress.

    Es könnte sein, dass auch deine Besuche ("ich möchte ihr etwas Abwechslung bieten") der Mutter Stress machen ("meine Mutter freut sich nicht über meine Besuche.")


    Gruß Buchenberg

    2 Mal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • enh2292

    Danke Dir für Dein Nachvollziehen und die Tipps!


    Buchenberg

    Ich wollte durchaus keine Therapie für meine Mutter, nur jemanden, der ab und zu mit ihr spricht, wenn sie jeden Tag bitterlich viel weint, weil „alle gestorben sind“, sie „ nichts mehr kann, alles vergisst“, denn von mir nimmt sie keinen Trost an.

    Erschwert würde das allerdings, weil sie sofort aufhört zu weinen, wenn jemand ins Zimmer kommt, siehe Außenfassade, und nur wenn man mit Zeit und geduldigem Nachfragen auf sie eingeht, öffnet sie sich. Das hat mir einmal ein Pfleger geschildert. Nur wie gesagt, keine Zeit dafür.


    Frage: Kann mein Besuch Stress bedeuten, wenn sie gleichzeitig täglich mehrfach danach fragt?

  • Frage: Kann mein Besuch Stress bedeuten, wenn sie gleichzeitig täglich mehrfach danach fragt?

    Ja, das halte ich für möglich. Der Inhalt von Worten hat für Demenzkranke oft nicht die Bedeutung, die er für uns hat. Sie wiederholen dann Sätze, die ihnen durch den Kopf gehen, ohne auf den Inhalt der Sätze zu achten - vielleicht weil sie dann mehr Aufmerksamkeit wollen von den Leuten, mit denen sie gerade sprechen.
    Ich will dir aber keineswegs abraten, deine Mutter zu besuchen. Es genügt doch, wenn dir die Besuche wichtig sind.

    Einmal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Vielen Dank für die Empfehlung, Sohn83! Wir werden es diese Woche probieren mit so gegen 16:00 hingehen, damit der Besuch gegen 17:00 ins Abendessen übergeht. Bis jetzt waren wir immer zum Kaffeetrinken da, was das Heim auch toll organisiert (mit Blümchen und Plätzchen auf dem Tisch). In Gegenwart anderer verabschieden ist auch gut, weil ihn das ablenkt. Meine Mutter würde halt gerne eine "richtige" Verabschiedung mit Umarmung usw, aber ich sehe das erstmal nicht.

  • Nachdem es bei meinem Papa jetzt viele Wochen recht gut ihm Heim lief ist seit zwei Wochen der Wurm drin. Es ist manchmal wirklich wie ein Fluch, ich kann mich noch erinnern wie ich letzte Woche Montag mit einen Lächeln aus dem Heim gegangen bin weil Papa so glücklich und ausgeglichen wirkte. Das war für mich seit Monaten der erste Tag an dem ich innerlich so richtig zur Ruhe gekommen bin. Keine Sorge über ihn, kein schlechtes Gewissen. Tja gleich am nächsten Tag war dann wieder alles anders. Ein komplett anderer Mensch.


    Er weint und will mich nicht gehen lassen. Er will nach Hause. Wenn ich sage du bist doch schon zuhause sagt er das kann er nicht akzeptieren. Alles in allem wirkt er sehr verwirrt und gebrechlich. Gestern war es so schlimm das ich wirklich die Fassung verloren habe und sofort wieder in meine überforderte Wut gefallen bin. Erstaunlich, als wären all die körperlichen Entlastungen der letzten Monaten wie weggeblasen. Ich konnte nur gehen weil eine Pflegerin ihn abgelenkt hat.


    Habt ihr auch solche "Phasen". Ich hoffe es ist eine Phase ....


    Ich arbeite mit meiner Psychologin, aber im Moment habe ich das Gefühl das mich selbst das überfordert und mir wieder alles über den Kopf wächst.

  • Ja, ich kenne das auch mit diesen krass wechselnden Phasen. Mir wurde mal gesagt, als meine Mutter stärker verwirrt und gereizt war, das könne einen neuen Schub bedeuten.. medizinisch kenne ich mich da nicht so aus, aber vllt sind sowas Umbauprozesse im Gehirn - ähnlich wie bei Kleinkindern, die oft vor einem Entwicklungssprung quengeliger und weinerlicher sind .

    Da geht dann für dich wohl nur "raus aus der Situation ", wenn du es nicht weiter ruhig aushalten kannst. Es ist nun vermutlich eine Entwicklung, die du nicht wirklich beeinflussen kannst und wieder "nur" aushalten und ggf.ablenken geht. Du hast es nicht in der Hand! Aber du hast für die Versorgung gut gesorgt!!

    Liebe Grüße

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