Wie geht es Euch? Thread IV

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  • Hallo Sohn83 ,


    deine Schilderungen kommen mir bekannt vor. Wenn mein Opa allerdings einen guten Tag hat, an dem wir uns regelrecht ekelhaft gut verstehen und alle möglichen Kleinigkeiten machen und erledigen, dann hab ich zwar auch zwischendurch ein breites und zufriedenes Lachen im Gesicht, allerdings kommt dann sogleich auch immer der Gedanke in mir hoch, wann es wohl wieder ins komplette Gegenteil umschlägt.


    Ich kenne dich nicht, daher kann ich nur versuchen, herauszulesen was du denkst und fühlst. Bei mir ist es eben so, dass ich solche negativen Situationen wie du sie beschreibst irgendwie sehr gefasst aufnehme, denn leider muss man ja vom schlimmsten ausgehen. Natürlich hatte und habe ich ab und zu mal diese Wut, das ist wohl absolut menschlich. Da bist du also keine Ausnahme.


    Ich habe bisher leider zu wenig von dir gelesen, als dass ich wirklich Ahnung hätte, wie sich die Situation bei dir im Detail darstellt. Sollte meine Antwort also unpassend sein, liegt das an mir. Intuitiv würde ich sagen, vor allem weil du schreibst wie sehr es dich belastet, dass du dir eine Auszeit von den Besuchen nimmst. Er ist im Heim allgemein gut umsorgt und viel mehr kannst du in solchen Zeiten leider nicht tun (man will, aber man kann nicht). Ich möchte nicht jammern, aber da bei uns Betreuung oder gar Heim noch nicht zur Verfügung stehen, kann ich dies zZt nicht ohne weiteres tun. Ich merke allerdings auch, dass es so nicht weiter gehen kann und spüre den Druck mich um Alternativen zu bemühen.


    Wenn du dich wieder einigermaßen gefestigt fühlst, kannst du auch wieder deinem Vater besser beistehen. Nicht immer aber manchmal hat bei meinem Opa an schlechten Tagen beispielsweise ein großes Stück Erdbeertorte, ein ausgeliehener Hund als Gast oder etwas klassische Musik (er war als Kind im Chor) geholfen - ein Garant war es aber auch nicht. Du kannst nur versuchen ihm beizustehen und für eine Besserung zu sorgen, du bist aber nicht verpflichtet es zu schaffen.


    Naja, während des Schreibens hat mein Telefon schon wieder drei mal geklingelt, ich werde mal hören (die letzten zwei Tage waren bettlägerig/kränklich, aber ansonsten ruhig - gestern Nachmittag hat die Erdbeertorte immerhin etwas geholfen; als er zumindest einmal kurz mit irgendetwas weniger wichtigem in Richtung meinem Vater und mir raunzte, sagte der nur "da ist wohl jemand auf dem Wege der Besserung"...)

  • Hallo Rose und enh2292,


    danke für euren Zuspruch. Ja einen Schub habe ich auch schon vermutet. Würde auch passen weil das rechte Auge wieder nur halb offen ist. .....


    Wie ich diese Krankheit doch hasse. Meine Psychologin ist da ganz schnell bei der Sache und sagt mein Vater hat seinen Zustand zu einem großen Teil selbst verursacht. Sie sagt auch er hat die Diagnose schon so lange (ca 8 Jahre) er hätte selbst vorsorgen müssen und nicht alles auf mich abschieben dürfen.


    Aber diese Abgrenzung schaffe ich einfach nicht. Ich spiegle weiterhin sein Befinden wie schon die letzten Jahre während der Pflege daheim.

    Besuche reduzieren, ja darauf wird es wohl hinauslaufen müssen. Heute bin ich eigentlich sowieso nicht drin aber natürlich läuft das Kopfkino seit gestern.

  • Hallo in diese Runde,


    diese Wechselbäder kenne ich von meiner Mutter genauso wie Ihr, ich kann es sehr gut nachfühlen, man braucht dafür manchmal gar keine individuellen Details.

    Meine Mutter wechselt im Laufe eines Tages x-mal die Stimmungslage, in ihren Anrufen und auch während einer Stunde Besuch. Hinterher fühle ich mich immer, als hätte man mir den Stecker gezogen. Bin jedes Mal dankbar dafür, dass meine Fahrtzeit mit fem Auto nur wenige Minuten beträgt …

    Ganz viel StärkStärk für Euch alle!

    Nelly

  • Nachdem es bei meinem Papa jetzt viele Wochen recht gut ihm Heim lief ist seit zwei Wochen der Wurm drin.

    Hallo Sohn83,

    Es lief bei euch viele Wochen gut, und seit zwei Wochen gibt es diesen Wurm. Bei uns wechselt die Stimmung von Tag zu Tag.


    An diesem Mittwoch verabschiedeten meine Frau und ich uns nach dem gemeinsamen Abendessen von den Schwiegereltern, um zum Tanzkurs zu gehen, der jeden Mittwoch stattfindet. Schwiegermutter machte großes Theater: „Was ist, wenn mir oder meinem Mann etwas zustößt? An wen kann ich mich wenden?“ Sie wollte erreichen, dass wir bei ihr bleiben.
    Genervt antwortete ich: „Ruf den Notruf an, 110!“ und wir waren weg. Das Drama hatte dann noch ein Nachspiel, als wir wieder zu Hause waren und – wie üblich – in der Seniorenwohnung noch einmal nach dem Rechten schauten. Schwiegermutter hatte offenbar darauf gewartet und begann mit tränenreichen Vorwürfen, auf die ich wenig Lust hatte einzugehen. Wir zogen uns in unsere Wohnung zurück. Eine halbe Stunde später - wir lagen schon im Bett - kam ein Anruf von der „lieben Verwandtschaft“, was denn bei uns los sei. Schwiegermutter sei völlig aufgelöst und hatte sich dort per Telefon beklagt.

    Zweiter Akt: Gestern Abend wollten meine Frau und ich in den neuen Film von Zhang Yimou. Wir verabschiedeten uns wie am Vortag, und Schwiegermutter wünschte uns „Viel Spaß!“.


    Was ist nun die „wahre Schwiegermutter“? Das panisch-egozentrische Nervenbündel von Mittwoch oder die gelassen-höfliche Dame von Donnerstag?
    Es ist wie mit Mondphasen, nur dass bei ihr der Wechsel viel schneller kommt als beim Mond.
    Kann man sich an sowas gewöhnen? Nein. Kann man es ändern? Noch weniger.

    Liebe Grüße von Buchenberg und Frau

  • Hallo.

    Ich gehe nicht oft zu Mutter ins Heim.

    Möchte sie nicht aufwühlen.

    Hinterher kann ich nämlich auch nicht mehr schlafen.


    Gestern sagte sie am Telefon sie hätte ihren Frieden gefunden.

    Sie spricht aber auch viel wirres Zeug.

    Sie meinte noch sie bräuchte nichts.

    Also bringe ich auch nichts.

    Es gibt Menschen, die sich um sie kümmern.

    Ich muss das nicht mehr tun, muss los lassen lernen.

    Besser für alle Beteiligten.

    LG

  • Lieber sohn83,

    ich glaube dieses auf und ab gehört leider dazu. Bei meiner Mutter war das ganz genau so. Und ich war, ähnlich wie du, völlig am Ende. Ich habe damals hier im Forum Hilfe gesucht, und einige Ratschläge haben mir echt weitergeholfen, deshalb gebe ich sie jetzt mal weiter:

    1. Besuche einschränken


    2. Konsequent bleiben und mantramäßig die gleichen Sätze wiederholen. z.B.: Du weißt ich schaff das mit der Pflege nicht mehr, ich bin darüber krank geworden und wenn ich gar nicht mehr kann, hast du überhaupt niemanden mehr. Hier sind Schwestern u. Pfleger, die immer für dich da sind u.s.w.


    3. Gehen, wenn gar nichts mehr geht! Ich habe dann z.B. gesagt; Du hast aber heute schlechte Laune, ich komme wieder, wenn du besser drauf bist.


    4. Bei den Besuchen im Pflegeheim habe ich, wenn möglich, die Zeit nicht allein mit meiner Mutter verbracht, sondern andere Bewohner mit einbezogen. Das funktioniert bei uns im Sommer besser, als im Winter; Spaziergang um das Haus und dann mal hier, mal da ein Schwätzchen halten.


    5. Wenn der Abschied schwierig wurde, habe ich eine Schwester oder einen Pfleger um Hilfe gebeten, das hat immer Wunder gewirkt. Meine Mutter war dann immer wie ausgewechselt und hatte mich meist sofort vergessen.


    Die unter Punkt 2 genannte Konsequenz finde ich am Wichtigsten. Irgendwie sind unsere Oldies wie Kinder, die merken auch genau wenn man unsicher ist und nutzen das dann gnadenlos aus.

    Ja und dann hat dir ja deine Psychologin auch noch einige ganz wichtige Dinge gesagt!

    Last but not least: es wird besser! Meine Mutter freut sich heute, wenn ich komme und schickt mich nach spätestens einer Stunde wieder weg, weil sie so viel zu tun hat.


    Also halte durch, ich denke dein Vater wird dich noch einige Zeit brauchen und dazu brauchst du noch ganz viel Kraft und gute Nerven.


    LG never20

  • Meinen letzten Beitrag beendete ich mit den Worten, dass bereits drei Mal das Telefon schellte. Eigentlich frohen Mutes kurz darauf gen Opa aufzubrechen, nahm ich den nächsten Versuch entgegen. Ich hatte mir fest vorgenommen, mal deutlich mehr zu schaffen, um das Chaos aus ungetragener Kleidung, Seifen und anderen Produkten, dass uns meine Oma hinterlassen hat, spürbar zu verringern (spürbar im Sinne von weg oder verwerten). Kaum abgenommen, überrumpelte er mich regelrecht und verkaufte mir seinen "Vorschlag" sogar noch mit netten Worten.


    Kurzum: Zur Sparkasse sollte es gehen, seine Kontoauszüge findet er eh nicht mehr. Er bräuchte ein wenig Geld.


    Mit den Worten mich dann gleich irgendwann auf den Weg zu machen, endete das Gespräch und ich hab mich direkt für drei weitere Stunden ins Bett gelegt. Erst am Montag führte das Thema Geld zu einer so nie geführten, heftigen Diskussion v.a. zwischen meinem Vater und ihm. Problem ist: er hat genügend Geld griffbereit (wir halten nicht auf den Euro genau nach, aber versuchen es mehr oder weniger - Ausgaben hat er keine, die nicht via Karte beglichen werden).


    Da am Montag auch wieder Streitthema war, dass er entfernten Bekannten oder Nachbarn gerne mal EC-Karte mit Pin aushändigt, hatte ich mich sodann entschlossen, seine Karte kurz in der Mikrowelle anzudünsten. Auf der Fahrt zum Friedhof stoppten sie (Edit: Er und mein Vater) also doch noch und natürlich funktionierte die Karte nicht.


    Geregelt werden sollte dies bei einem Termin, der eh nächste Woche stattfindet. Zu meiner Überraschung kam am späten Nachmittag noch eine Nachbarin auf die Einfahrt. Sie überreichte mir seine kaputte EC-Karte, erklärte mir, dass Opa sie darum gebeten hätte ihm Kontoauszüge zu holen, ihr das aber irgendwie komisch vorkommt und irgendwie auch unangenehm wäre.


    Eine sehr ehrliche Antwort, die auch von einer gewissen Fürsorge zeugt, denn sie hatte sich zurecht gewundert.


    Was er sich dabei gedacht hat? Keine Ahnung! Was er dachte, als er kurz darauf im Pulli wieder in deren Einfahrt rumlungerte? Ich weiß es nicht!


    Da ich nachmittags weg musste, versuchte er sodann mich zu einem Umweg zu bewegen, was ich jedoch vehement ablehnte. Sein Versuch mir ein schlechtes Gewissen einzureden scheiterte zwar, dennoch war ich in gewisser Weise wütend ( Sohn83 ;) ). Mein Termin dauerte viel viel länger als erwartet, da ich allerdings Laptop und Co dort gelassen hatte, war klar, dass ich definitiv nochmal vorbei schauen werde.


    Dies konnte er zu späterer Stunde dann kaum abwarten. Seine Kontoauszüge hätte er gefunden, allerdings sei nun seine Lupe weg, er wäre ganz heiser vom ganzen Suchen. (diese Infos erhielt ich insgesamt drei Mal).


    Als ich ankam schlief er schon (oder lag im Bett), stand dann aber auf und ich kam herein um nach der Lupe zu suchen. Hinterm Radio fand ich sie auch recht schnell und gab ihm noch eine freundliche Vorlage um sein Gesicht zu wahren, wie die denn dahin gekommen sein könnte.


    "Hier kommt so vieles in letzter Zeit weg", sagte er. "Das kleine Buch ist auch nie wieder aufgetaucht". Bei dem Buch handelt es sich um die Anleitung der elektrischen Rollläden, welche zu meiner Überraschung auf dem Tisch hinter ihm lag - ich ließ es aber unkommentiert.


    Am Nachmittag noch der nörgelnde Macker, war er jetzt eindeutig ein etwas verwirrt und auch hilflos wirkender Mann, der sich definitiv dankbar zeigte. Ich versuche meine Wut in solchen Momenten zu unterdrücken, denn ich weiß, er kann nichts dafür. In meinem Kopf hämmert es: "Weißt du denn eigentlich gar nicht mehr was heute ....????" Ich hielt es zurück, er ging zeitnah wieder ins Bett - ein sehr friedlicher Tagesausklang und doch alles andere als ein zufriedenstellender Tag.


    Besonders wurde mir heute klar, dass Pflege eben nicht immer nur Versorgung (dies gelang ihm heute mal wieder sehr selbstständig, nach zwei bettlägerigen Tagen) ist, sondern auch einfach eine gewisse Form von Aufsicht...

  • Besonders wurde mir heute klar, dass Pflege eben nicht immer nur Versorgung (dies gelang ihm heute mal wieder sehr selbstständig, nach zwei bettlägerigen Tagen) ist, sondern auch einfach eine gewisse Form von Aufsicht...

    Hallo enh2292
    danke für den lebendigen Bericht.
    Ich glaube, "Hilfestellung" trifft es besser als "Aufsicht".
    Unser Problem als "Hilfestellerin" ist allerdings, dass wir mehr Emotionen haben als ein Rollstuhl, eine Lupe oder ein Treppenlift. Der/die Demenzkranke ist an unserer Hilfestellung interessiert, unsere Emotionen interessieren ihn/sie nicht, am wenigstens, wenn wir negative Emotionen haben.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, bei Lesen sind mir zu den Berichten einige Gedanken gekommen, die ich gern aufschreiben möchte:


    Hallo Enh2293, zunächst wünsche ich Ihnen so oft wie möglich dieses wunderbare "breite Grinsen" ins Gesicht, wenn Sie Ihren Großvater besuchen. Leider wird es noch eine ganz Zeit brauchen, bis sich die Aufregung um die Kontoauszüge & Co legen werden, aber je früher er in die positive Selbstbeschäftigung wie das Kreuzworträtseln kommt, um so besser. Vielleicht können Sie die täglich erwartbaren Streit-Zeiten verkürzen, wenn Sie sich klar machen, dass er seine Wut und Trauer um das Vergessen und die Abhängigkeit im außen und nicht im Innen ausleben kann. Würde sich mit diesem Verstehen etwas ändern?


    Die störenden Telefonate sind ein Thema, was wir hier schon sehr oft diskutiert haben: Sie werden weniger, wenn Sie diese zunächst ignorieren und dann von sich aus anrufen - und möglichst nicht die (bereits vergessenen) Probleme abfragen, sondern mitteilen, was Sie alles schon erledigt haben. Aber es ist und bleibt eine schwere Phase.


    Hallo Sohn83, Ihnen wünsche ich sehr, dass Sie gelassen auf die Phasen oder "Schübe" reagieren. Sie gehören zur vaskulären Demenz und sind Folge der vielen internistischen Erkrankungen Ihres Vaters. Deshalb ist er im Heim und in ständiger Beobachtung und hat einen Sohn der wirklich liebevoll da ist und auch aufpasst. Mehr geht nicht, denn gegen die chronische Krankheit gibt es nur Linderung, Trost aber keine Heilung!


    Hallo Nelly, Sie haben erkannt, dass Ihrer Mutter die Telefonate nicht gut tun, aber es ist immer eine schwierige Entscheidung, wann der Zeitpunkt zum Sperren gekommen ist. Mir ist dabei folgende Regel wichtig: Je häufiger Sie selbst Ihre Mutter anrufen, um so eher können Sie sperren.


    Bitte bedenken Sie, Ihre Mutter darf klagen, traurig sein und weinen. Neben den Verlusten in der Demenz kommen die vielen Erinnerungen, Erfahrungen, Kränkungen und Traumata dazu. Diese werden jetzt aus der Kindheit lebendig und sie haben sie zu der Persönlichkeit gemacht, die Sie kennen.

    Wenn Sie Ihre Mutter dann trösten können ist das gut, wenn Sie ihr helfen, ihre Fassade als inneren Schutz zu finden ist das genauso gut.

    Dabei hilft Ihnen Ihr feines Gespür: Was ist ein hilfreiches Ventil für die Trauer und wann wird es zum Trigger für alte unnötige Muster.


    Hallo Buchenberg, die (mindestens) zwei Gesichter Ihrer Schwiegermutter kennen Sie vermutlich schon sehr lange. Ihre Schwiegermutter wird sicher immer mal wieder für eine Überraschung gut sein, egal was Sie tun.

    Insofern wünsche ich Ihnen um so mehr Ihre klare Analyse, Ihre Gelassenheit und Ihren Humor, den Sie uns schon so oft gezeigt haben!


    Hallo Carolina, über Ihren letzten Beitrag habe ich mich sehr gefreut!


    Diese starken Worte Ihrer Mutter habe ich nicht erwartet. Ihre Mutter hat ihren Frieden tief im Inneren gefunden und Sie können und dürfen loslassen und nicht mehr kämpfen.


    Selbst wenn es wieder Rückfälle gibt, diese Erkenntnis kann Ihnen niemand mehr wegnehmen!


    Ich hoffe sehr, dass Sie im Heim zu einer konstruktiven und positiven Zusammenarbeit kommen. In vielen Heimen wird abgewogen, ob die Kurzzeitpflege in eine Langzeitpflege umgewandelt wird, wenn die Zusammenarbeit mit den Angehörigen Zeit kostet, die nicht als bereichernd wahrgenommen wird.


    Allen eine gute Woche, Ihr Martin Hamborg

  • Der Pflegegrad der Schwiegermutter wurde vom Medizinischen Dienst von 3 auf 4 erhöht.
    Meine Frau und ich nahmen das zum Anlass, per Rundschreiben die gesamte Verwandtschaft und den Freundeskreis der Schwiegereltern über Gesundheitszustand und Pflegesituation der beiden zu berichten.
    Im letzten Satz unseres Schreibens heißt es: "Wir wollen euch informiert halten, damit man es besser einordnen kann, wenn jemand von J. einen panisch-verzweifelten Telefonanruf erhält."

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  • Hallo Sohn83! Unsere Väter sind sich ja glaube ich recht ähnlich, und meine Erfahrungen im Heim ähneln deinen. Ich war oft nach Besuchen in der Psychiatrie richtig fertig und dachte mir, die beste Strategie ist, nicht so häufig hinzugehen. Jetzt im Heim ist es mal so, mal so -- einerseits haben sie diese Woche eine neue Pflegekraft zu Vorstellungsgesprächen dagehabt, und mein Vater hat dazu eine Seite mit Bewerbungsfragen geschrieben -- andererseits lief er gestern extrem wackelig und hat es nicht geschafft, eine Schokokugel auszupacken. Da tut er mir dann schon sehr leid! Gleichwohl empfinde ich das Heim mit sehr nettem Personal als Segen, weil man eben doch halbwegs ruhig schlafen kann, weil man weiss, dass er gut versorgt ist.

  • Der Pflegegrad der Schwiegermutter wurde vom Medizinischen Dienst von 3 auf 4 erhöht.
    Meine Frau und ich nahmen das zum Anlass, per Rundschreiben die gesamte Verwandtschaft und den Freundeskreis der Schwiegereltern über Gesundheitszustand und Pflegesituation der beiden zu berichten.
    Im letzten Satz unseres Schreibens heißt es: "Wir wollen euch informiert halten, damit man es besser einordnen kann, wenn jemand von J. einen panisch-verzweifelten Telefonanruf erhält."

    Mit dem Thema Verwandte/Freunde informieren hat meine Mutter auch lange gekämpft. Wir haben dann einen Weihnachtsbrief geschrieben, wo wir allen Bescheid gegeben haben. Was ich interessant fand/finde, ist, wie viele Verwandte/Freunde mit Floskeln wie "hoffentlich könnt ihr ihn bald wieder heimholen" reagieren, oder z.T. sogar Vorwürfe machen ("kann doch nicht sein, der OiOcha Senior hat doch keine Demenz," "den einfach abschieben, das würde ich NIE tun!"). Vor einigen Tagen telefonierte meine Mutter mit einer Freundin, berichtete, dass mein Vater bei ihrem letzten Besuch ganz gut drauf war, und schon wieder kam diese "dann kannst du ihn ja bald wieder nach Hause holen" Antwort. Das wühlt meine Mutter natürlich immer sehr auf (mich nicht, ich denke mir nur, ahnungslose Idioten!). Dementsprechend denke ich, dass Informieren schon gut ist, aber leider keine Absicherung gegen wohlmeinende Ratschläge oder unangebrachte Floskeln.

  • Dementsprechend denke ich, dass Informieren schon gut ist, aber leider keine Absicherung gegen wohlmeinende Ratschläge oder unangebrachte Floskeln.

    So ist es! -

    Obwohl wir ausführlich und konkret aus unserem Antrag an den MD zitiert hatten. Es gibt immer Leute, die es besser wissen! Sogar die Ergotherapeutin, die aufgrund der Verordnung der Neurologin mit der Schwiegermutter arbeiten sollte, hatte behauptet, Schwiegermutter hätte gar keine Demenz.

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  • Hallo OiOcha,

    Was ich interessant fand/finde, ist, wie viele Verwandte/Freunde mit Floskeln wie "hoffentlich könnt ihr ihn bald wieder heimholen" reagieren, oder z.T. sogar Vorwürfe machen ("kann doch nicht sein, der OiOcha Senior hat doch keine Demenz,"

    Ach ... die liebe Verwandtschaft und alle, die sich für Experten halten ... die Geschwister meiner Mutter (beide mittlerweile gut über 80) versuchen immer noch, die Demenz meiner Mutter "weg" zu erklären ... "so ist das halt, wenn man älter wird, da wird man einfach vergeßlich" ... "aber sie sagt doch, dass sie das noch kann ... ".

    Und es gibt ehemalige Nachbarn die glauben bis heute nicht, dass meine Mutter dement ist ... sie und ihr Mann haben die Fassade wirklich gekonnt aufrecht erhalten ... bis ich mal jemandem die Zimmer gezeigt habe, in die sonst nie jemand rein durfte ...

    Ich diskutiere das inzwischen nicht mehr, schon gar nicht mit Außenstehenden ... mein Bruder und ich tragen die Entscheidung und wir sind uns einig. Ich informiere die Verwandschaft per Jahresbrief, gehe aber nicht ins Detail und gebe nur die guten Nachrichten.

    LG, SunnyBee

  • Erstmal Danke für eure Zusprache.


    Bei meinem Papa war das Wochenende schwierig. Nachdem er Samstag Nachmittag bereits total verwirrt und wackelig war bin ich Sonntag zum ersten mal Vormittags zu ihm Gefahren weil ich sehen wollte ob der Vormittags vielleicht in einem besseren Zustand ist. Die Nacht von Samstag auf Sonntag war er wohl wieder sehr aktiv und bekam dann gegen 3 Uhr eine Beruhigungstablette. Nachdem sich die Inkontinenz die letzten Wochen deutlich gebessert hat ist die im Moment wieder sehr akut. Er uriniert wohl auch im Zimmer herum und ist gestern zwei mal gestürzt.


    Entsprechend war Sonntag gegen 10 Uhr kaum ansprechbar und lag noch in seinem Bett und ist immer wieder weggedämmert.

    Ich habe dann ein längeres Gespräch mit der Stationsleitung gehabt, das ist ein neuer Pfleger um die 40 der seit 3 Wochen dort arbeitet aber einen sehr kompetenten Eindruck macht.

    Ich habe ja den Blutdruck in Verdacht das dieser zu stark gesenkt wird. Gestern gegen 10 Uhr hatte er 110:65 aber da hatte er noch keine senkenden Tabletten genommen weil er ja noch nicht auf war.

    Ich habe dann darum gebeten das der Blutdruck stärker überwacht wird. Am Freitag hat der Neurologe im Heim Visite dann wird mein Vater nochmal angeschaut.


    Während ich das hier niederschreibe fällt mir auch das die Symtome sich ziemlich genau mit seiner letzten Blasenentzündung vor 4 Monaten decken. Dies werde ich heute im Heim mal ansprechen.


    Unser "alter" Neurologe meinte ja immer er hätte gern einen deutlich höheren Wert als die berühmten 120:80 weil das geschädigte Gehirn einen höheren Druck braucht.


    Mal schauen wie es sich entwickelt.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sohn83, ich hoffe sehr, dass Ihre Hypothesen ernstgenommen und überprüft werden:

    Eine Blasenentzündung zeigt sich manchmal nur in einer verstärkten Verwirrtheitsphase.


    Die Aussagen des "alten" Neurologen ist sehr wertvoll, bei nächtlicher Verwirrtheit veranlasse ich auch immer Blutdruckmessungen. In Schulungen versuche ich es mit einem drastischen Bild: Zum Glück gibt es die nächtliche Verwirrtheit, in der Menschen mit einem extrem niedrigen Blutdruck sich selbst (in ihrer Verwirrtheit) aktivieren. Würde dieses Notfallprogramm nicht greifen, gäbe es sicher mehr Sterbefälle in der Nacht, denn viele Medikamente haben eine zusätzlich blutdrucksenkende Funktion.

    Alles Gute für Ihren Vater, Ihr Martin Hamborg

  • Besuche und die zahlreichen Anrufe

    Liebe Nelly,

    Du machst das super!!!!!

    Also ich würde Dir raten:

    *nur 1x die Woche an wechselnden Tagen besuchen

    *Telefon so stellen dass sie nur angerufen werden kann (Du brauchst das!!!)

    *eine Sozialarbeiterin hat versucht mit meiner Mutter Therapiegespräche zu führen: da wurde sie noch…unleidlicher und boshafter

    *ein schlechtes Gewissen hat man eh: aber auch ein gutes, alles ganz gut zu machen- und man ist dann wenigstens kein Nervenbündel wegen diesen Gruseltelefonaten . Also ich hatte da echt höheren Blutdruck 🩸. Jetzt ist er wieder normal.


    Alles Gute Alfi🍄

  • Heute war für mich ein schwerer Tag. Meine Mutter war sehr traurig und sagt, dass sie so gerne bei uns wäre und siw sich im Heim so einsam fühlt. Das tut mir so leid und so weh.57 Jahre haben wir zusammen im Haus gelebt und ihre letzte Zeit muss sie nun im Heim verbringen. Das ist so schlimm für mich. Ich weiß, dass es viele Gründe gab, warum wir es nicht mehr geschafft haben. Aber jetzt bin ich wieder sm zweifeln.....

  • Heute war für mich ein schwerer Tag. Meine Mutter war sehr traurig und sagt, dass sie so gerne bei uns wäre und siw sich im Heim so einsam fühlt. Das tut mir so leid und so weh.57 Jahre haben wir zusammen im Haus gelebt und ihre letzte Zeit muss sie nun im Heim verbringen. Das ist so schlimm für mich. Ich weiß, dass es viele Gründe gab, warum wir es nicht mehr geschafft haben. Aber jetzt bin ich wieder sm zweifeln.....

    Anette zweifele bitte nicht.

    Du bist bestimmt sehr traurig und ihr habt ja auch so lange lange lange zusammengelebt. Aber erinnerst Du Dich an all die Eskalationen?

    Und ich habe echt noch von keinem positiven Fall gehört, als die zu pflegende Person wieder zurückzog in die Familie.🤷‍♀️


    Natürlich ist es alles schwer für Dich.

    Meine Mutter war mit meinem Vater immer nur auf sich bezogen und hat uns maximal 5x in 21 Jahren besucht.

    Da fällt es wirklich leichter, sich abzugrenzen.


    Lg Alfi

  • Du bist bestimmt sehr traurig und ihr habt ja auch so lange lange lange zusammengelebt.

    Danke Alfi, es ist so schwer nach all der schönen aber auch schweren Zeit loszulassen. Aber ich weiß wie wichtig meiner Mutter die Familie ist und sie klammert auch stark. Sie hat seit 57 Jahren (seit meiner Geburt) auch starke Depressionen und nimmt seit jeher nur ihre Familie als Therapie.

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