Beruhigung zum Abend hin, auch medikamentös

  • Hallo,

    Mein Vater ist seit mehreren Jahren dement und seit circa zwei Jahren erkennt er oft sein eigenes Haus und seine eigene Frau nicht, die ihn liebevoll daheim pflegt.


    Seit circa einem halben Jahr beginnt er meist nach dem Abendessen damit, um sich zu schauen und man merkt ihm an, dass ihm alles fremd ist. Er möchte dann oft telefonieren und mit seiner eigenen Mutter, die seit 45 Jahren tot ist, oder mit anderen Angehörigen, die ebenfalls schon lange tot sind, sprechen. Manchmal will er auch in sein Heimatdorf zurück, weil ihm sein eigenes Haus und die Umgebung fremd geworden ist.


    Manchmal schaffen wir es, ihn abzulenken oder ihn zumindest so zu beruhigen, dass er irgendwann zu müde ist, um noch aktiv zu werden und dann eben ins Bett geht. Aber manchmal gelingt uns das nicht und dann sitzt er eine oder eineinhalb Stunden lang da und ist sehr angespannt und unruhig.


    Hat jemand Ideen, Ratschläge oder Tipps, was man in dieser Situation machen kann?

    Hat jemand vielleicht Erfahrung mit pflanzlichen oder einfachen Medikamenten gemacht, die ihm diese Unruhe und vielleicht auch die Angst nehmen? Ich dachte an etwas auf Baldrian- oder Johanniskrautbasis. Oder gibt es andere Medikamente, die in dieser Situation helfen könnten?


    Vielen Dank für eure Hilfe!

  • Hallo DerSchwabe,

    da ich keine Ärztin oder Pharmakologin bin, kann ich Ihnen zum Thema Medikamente leider nichts raten. Allerdings vielleicht eine flankierende Maßnahme vorschlagen: Kennen Sie aus Erzählungen abendliche Rituale (wie z.B. die Kuscheldecke, die heiße Milch mit Honig, ein Abendgebet, das von der Mutter gesungene Schlaflied), die Ihr Vater aus seinem Dorf, seiner Verwandtschaft, seiner Kindheit erinnert, und die Sie ihm anbieten könnten? Hatte Ihr Vater in seiner Kindheit einen Seelentröster oder "Angstfresser" wie einen Teddybären...? Oder haben Sie daheim einen Schaukelstuhl? Schaukeln tröstet und beruhigt viele Erkrankte. Zudem: Wenn man neben ihnen sitzt, den Arm um sie legt und sie vorsichtig wiegt ("schunkelt"), wirkt auch das manchmal wohltuend. Oft staunt man, dass man Menschen mit Demenz (bzw. sie sich selber) in den emotional oft schwierigen Abendstunden auf so einem Wege beruhigen kann.


    Herzliche Grüße

    S. Sachweh

  • Hallo, der Schwabe,


    ich persönlich habe keine Erfahrung mit den pflanzlichen Mitteln, aber ich habe von der Chefin meiner Seniorenbetreuerin hier das ein oder andere Positive gehört.


    Passionsblume, Baldrian, Lavendel haben bei einer Frau mal gut geholfen stressige Spitzen zu verringern.


    Ein Versuch ist es vielleicht wert, wenn man ein Präparat finden kann, welches nicht zu viele Hilfsmittel enthält. Titandioxyd ist zum Beispiel etwas, was im Grunde verzichtbar ist.


    Aber jeder Demenzkranke ist individuell. Man kann hier nichts verallgemeinern. Aber auch unabhängig davon, ist jeder anders. Bei mir haben weder Baldrian noch Homöopathie irgendeine Wirkung gezeigt, wenn ich bei einem Thema in einer Zwickmühle gewesen bin. Wohingegen EMDR-Techniken da tatsächlich etwas gebracht haben. Und andere fallen bei Baldrian fast in einen Tiefschlaf. Wie gesagt, jeder ist anders.


    Liebe Grüße

  • Hallo DerSchwabe,

    ergänzend an dieser Stelle der Hinweis: falls Sie sich entscheiden pflanzliche Mittel auszuprobieren: bitte sprechen Sie dies mit dem behandelnden Hausarzt / Hausärztin ab, v.a. wenn noch andere Medikamente eingenommen werden.
    Gerade z.B. Johanniskraut ist für ein breites Spektrum an Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt, sollte also nicht unterschätzt werden.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Hallo Der Schwabe,

    es ist ein ganz typisches Phänomen der Demenz, dass sich Erkrankte nach Dingen und Personen sehnen, die schon lange aus dem Leben verschwunden sind. Sie sind häufig mit guten Erinnerungen und Gefühlen verknüpft, die der Erkrankte wieder haben möchte.

    Es hilft daher nichts, wenn man diesen Wunsch einfach nur über Ablenkung ignoriert.

    Versuchen Sie mit dem Vater über die schönen Gefühle zu sprechen, die mit der Mutter oder dem alten Wohnort verbunden sind.

    Vielleicht mit einfachen Fragen: "Was hat die Mutter denn am besten gekocht?" So etwas in der Art. Vielleicht gelingt es Ihnen damit, etwas von den guten Gefühlen hervor zu rufen, ohne den Vater mit der Tatsache zu konfrontieren, dass die Mutter ja schon lange tot ist.

    Viel Erfolg damit wünscht

    Klaus Pawletko

  • Vielen Dank für die ganzen Ratschläge,

    nach Rücksprache mit dem Neurologen haben wir es mal mit Pimpamperon probiert, leider erfolglos.

    Am Abend wirkt es zwar ganz gut, aber am Tag drauf war mein Vater sehr schlecht drauf, zeigte depressive Züge und war sehr missmutig und antriebslos. Das ist bei Pipamperon in 10 Prozent der Fälle eine bekannte Nebenwirkung.


    Wir probieren es jetzt mal mit einem anderen Wirkstoff. Mal sehen, ob das hilft.

  • Hallo DerSchwabe und schöne Grüße aus Stuttgart,


    ja wenn er von dem Medikament Nebenwirkungen bekommt, dann sollte es lieber nicht mehr verabreicht werden. Ich denke vielleicht an eine Art Ergo-therapie, um ihn zu beschäftigen, damit er dann müde wird. Hat bei meiner Mutter gut geklappt. Hier auf dieser Seite gibt es Infos zum Gedächtnistraining für demente Menschen, die habe ich mit meiner Mutter auch gemacht, sind sogar paar kostenlose Übungen zum Download dabei, vielleicht hilft das ja, um ihn für ein paar Abende zu beschäftigen: https://pflege-thematik.de/pfl…ng-fuer-demente-menschen/


    Viel Erfolg!

    Einmal editiert, zuletzt von Thomas76 ()

  • Hallo,


    bin ganz neu im Forum.

    Als ich heute Ihren Beitrag über Ihren Vater gelesen habe, fand ich ganz viele Parallelen zu dem derzeitigen Zustand meiner Mutter.

    Wir geben zur Beruhigung Neurexan. Das ist homöopathisch. Gibt es als Tabletten und Tropfen.


    Viele Grüße


    Wolke7

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