Kuscheltiere Therapie-Stofftier (Hund/Katze)

  • Hallo in die Runde,

    hat jemand Erfahrung sammeln können mit den echt-wirkenden Stofftieren für Demenzkranke?...sie sind sehr teuer, können aber auch schnurren, bellen und sich bewegen...oder ohne Batterien gibt es sie auch....sind sie ca 1,5 kg schwer...

    Wäre das sinnvoll, eine solche Anschaffung zu machen?..im Inet habe ich Preise von 150-200 gefunden...für jemanden, der früher selbst ein Tier gehabt hat, könnte das ja ein angenehme Erfahrung sein...aber ich scheue mich, vorzugaukeln, es wäre ein echtes Tier....


    Also ich wäre froh, wenn mir jemand dazu was berichten könnte.

    Viele Grüße

    Hanne

  • Hallo hanne63,

    tierliebe Menschen mit Demenz reagieren tatsächlich oft positiv auf Tierkontakte - sei es auf "echte" Besuche von Hunden, Kaninchen, Hühnern, und sogar von Minischweinen, oder auf täuschend echte Roboter-Tiere wie z.B. Paro die Robbe. Selbst Personen, die nie ein Robbenbaby aus der Nähe gesehen haben, reagieren interessiert und angerührt auf die vermeintliche Körperwärme, das Drehen des Kopfes, das Augenplinkern und die Kulleraugen, sowie auf das klägliche Fiepen, wenn es nicht gestreichelt wird, und das Schnurren, wenn man es liebkost. Paro ist allerdings noch viel teurer, er kostet mehrere tausend Euro, und muss nach kurzem Einsatz für längere Zeit an die Steckdose... er ist also eher für kurze Begegnungen in betreuten Gruppensituationen geeignet.

    Für den Alltagsgebrauch scheinen mir tatsächlich (am besten waschbare) Stofftiere und Puppen besser geeignet. Viele Menschen mit fortgeschrittener Demenz nehmen sie sehr gut an und beschäftigen sich liebevoll mit ihnen. Gerade Frauen, die Mütter, und ihrem Selbstbild nach diejenigen sind, die für andere sorgen und sich um sie kümmern, ermöglichen sie wertvolle Auszeiten aus der Rolle der 24-Stunden-Hilfebedürftigkeit...


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

  • Guten Abend in die Runde,

    ich habe jetzt solch eine Demenz-Stoff-Tier-Katze im Internet besorgt. Der Bezug ist waschbar. Sie ist ca 1,5 kg schwer und man glaubt vom Gewicht her, eine echte Katze zu halten. Stoff fühlt sich sehr angenehm und weich an.

    Tatsächlich hat sich meine eigene lebendige Katze sehr erschreckt und ich selbst habe sie auch schon einmal, wie sie auf dem Sofa lag mit meiner eigenen Katze verwechselt (gleiche Fellfarbe). Das Gesicht ist sehr niedlich, kindlich gemacht.

    Bei meinem nächsten Besuch bringe ich das Stoff-Tier ins Heim.....dann bleibt abzuwarten, was meine Mutter davon hält ... es könnte tatsächlich sein, dass sie sich freut...(ich freue mich auch bei dem Anblick, obwohl ich ja weiß, dass es ein unechtes Tier ist...irgendwie sehr gut gemacht :-)


    Ich werde nach Ostern berichten, wie es gelaufen ist.


    viele Grüße

  • Hallo Hanne63, ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen und werde auch noch mal danach recherchieren. Gerade das hohe Eigengewicht ist auch aus ergotherapeutischer Sicht noch mal hilfreich. Ihr Martin Hamborg

  • Guten Abend an alle hier, die hoffentlich gespannt auf meine Antwort warten :-)


    Also: es war ein voller Erfolg und ich kann nur dazu raten, es auszuprobieren, auch wenn das Tierchen 149.-- kostet...


    Natürlich war ich selbst höchst aufgeregt, wie meine Mutter wohl darauf reagieren wird, wenn ich ihr diese Stoff-Demenz-Katze in die Arme oder auf den Schoß lege....

    Heute war es nun soweit....sie war überrascht und hat sie gleich angenommen....ich sagte zur ihr: Du weißt, dass das keine echte Katze ist, nicht wahr? aber trotzdem sieht sie einfach toll aus...sogar meine eigene echte Katze hat sie für echt gehalten, sich erschreckt und sie angefaucht....und ich selbst hab mich auch öfters geirrt, und sie für echt gehalten, wenn sie auf meinem Sofa lag....(was alles stimmt)...

    Meine Mutter sagte...ja...ist ein Stofftier..ist ja klar...aber sieht hübsch aus.


    Heute war ja wieder Wintereinbruch und draußen stürmte es und es gab Schnee....meine Mutter meinte sofort...die Katze müßte trocken gerieben werden..und wollte ein Handtuch..ich gab ihr eins..die Katze wurde abgetrocknet...

    Es war häufig ein Wechsel zwischen der Illusion und der Realtität...also Mutter wußte schon, dass es ein Stoff-Tier ist...aber dann behandelte sie die Katze wie eine echte...

    ...dann kamen sogar Verbesserungsvorschläge: sie sagte, die Katze fühlte sich zu kalt an für ein echtes Tier (nun, da hat sie Recht)..ich sagte, ich würde ihren Verbesserungsvorschlag an die Firma weiterleiten...es sollte eine Wärmequelle reingebaut werden..das stimmt.


    ...Ferner bemängelte sie, dass die Katze für ihre Größe viel zu leicht sei (nun, da hat sie auch Recht....die Katze wiegt "nur" 1,5 Kilo und ist sehr groß...ca 45 cm lang)...sie müßte also eigentlich 3,5 Kilo wiegen..aber das wäre den Kranken wohl zu schwer...


    Manchmal wurde ihr die Katze zuviel, oder die Gefühle an ihr früheres Leben, wo sie echte Katzen hatte, übermannten sie...dann legte ich die Katze auf ihr Bett...

    Dann sagte sie etwa später: kann ich das "Kätzle" nochmal haben?..und ich legte sie ihr wieder auf den Schoß...

    Dann kam die Ansage: Wenn man schon mal so weit ist...also soweit gekommen ist...dass man sowas gebracht kriegt..dann ist es schon schlimm (Zum Verständnis: früher hat meine Mutter immer gesagt, dass sie das nie möchte, dass man ihr im Altersheim später Puppen oder gar Teddybären oder Stofftiere bringt)....ich sagte darauf: Du meinst, weil Du jetzt so alt und krank bist?...aber das mit der Stoffkatze ist doch nicht schlimm..schau mal..sie gefällt mir sogar selbst sehr gut..und wenn ich mal so alt bin, will ich auch so was haben...


    Dann kam auf einmal die ängstliche Frage: die ist doch aber lieb und zahm oder?....(Dazu muß man wissen, dass ich vor einigen Jahren für einige Jahre in einem Tierheim wilde Katzen gezähmt habe, bis sie vermittelt werden konnten...meistens mit Erfolg, worauf ich immer noch stolz bin...und meine Mutter hat sich wohl dran erinnert)...ich beruhigte sie dann und sagte, diese Katze ist ganz gutwillig und sanft..und wenn sie sie mal nicht mehr sehen möchte, soll sie sie einfach unters Bett schieben..die würde alles mitmachen...


    Es gab ein mehrmaliges Hin- und Her von Katze aus Bett und Katze auf Schoß zu Mutter...irgendwie hatte sie offenbar auch gewisse Hemmungen, sich selbst zu zugestehen, dass ihr das Stofftier gefällt...


    Dann hatte sie auf einmal Sorge, ob die Katze etwa vielleicht Hunger hat, nach so einer langen Fahrt (also mit mir zu ihr).


    Ferner war es noch so, dass auf dem Bett der Zimmerkameradin ein Stoffhund saß...aber der war leicht und sah sehr unecht aus..wie halt die meisten....ich sprach den Hund an..weil meine Mutter eigentlich viel mehr ihre Hunde mochte, als ihre Katzen...da sagte meine Mutter...na der Hund ist doch nicht richtig..... :-) ...die Katze jetzt hier sei viel besser.


    Also die Demenz-Katze war jedenfalls voll richtig...und entscheidend ist wohl das Eigengewicht von ca 1,5 kg....und das sehr weiche und angenehme Fell...und außerdem die Gestaltung...dass sogar ich selbst oftmals zwischen Illusion und Realtität hin und her getäuscht wurde...ich mußte oft über mich selbst schmunzeln.


    Es war in Zusammenhang mit diesem Stofftier..das erste Mal seit langem wieder möglich mit meiner Mutter Sätze in Art eines Gesprächs...also mit konkreten Antworten/Reaktionen führen zu können...


    Beim Abschied dachte sie erst, ich würde die Katze jetzt wieder mitnehmen...ich sagte dann..die bleibt doch jetzt da bei Dir...


    ....Dann sagte sie noch, ich solle beim nächsten Mal aber dann eine echte Katze mitbringen und dann am besten bei ihr lassen...hm...naja...da war dann auch schon eine Pflegekraft mit dabei die den Kopf schüttelte....würde ich ja auch nicht machen..das würde auch meine echte Katze nicht mitmachen...


    ...aber ich habe als Kind mal miterlebt, wie ein kleiner Junge eine echte Katze in einer Einkaufstasche beim Krankenhausbesuch einfach mit ins Krankenhaus reingeschmuggelt hat....den sehe ich heute noch vor mir..und das kleine Katzengesicht auch...die hat mitgespielt..und es hat niemand bemerkt..und der oder die Kranke hat hoffentlich noch einmal im Leben eine echte Katze sehen/halten können :-)


    Oft hat sie gelächelt und sich gefreut...vor Rührung geweint...und war froh. Schon allein deshalb hat es sich gelohnt.


    Die Pflegekräfte waren dann übrigens auch angetan von der Demenz-Katze.


    Ich habe extra so ausführlich geschrieben....damit sich andere Angehörige zu so einem Versuch trauen.


    Ich bin während des Besuchs selbst ständig zwischen Illusion und Realtität hin und her geschwebt und habe insoweit "mitgespielt".....aber tatsächlich habe ich auch erstmals erfahren können, dass Demenzkranke sehr viel mehr noch mitbekommen, als wir selbst denken.....und auch, dass es manchmal vielleicht hilfreich ist, sich in ihre Welt zu begeben..dazu braucht es manchmal etwas Phantasie.


    Liebe Grüße an Alle


    P.S.: ich mache keine Schleichwerbung ...und habe auch nichts davon, dass ich von meiner Erfahrung heute berichte...ich habe das Stofftier ohne Empfehlung von irgendwoher sonst auf eigenes Risiko gekauft, weil ich dachte..das wäre es doch..jedenfalls einen Versuch wert. Und ich bin froh, dass ich es gewagt habe.

  • Wie schön, Hanne.


    Ich wollte heute hier nachfragen, was denn aus der Katze geworden ist. Und siehe da, da ist ein ausführlicher, lebendiger Bericht.


    Es freut mich sehr für deine Mama. Ich habe auch prompt im Internet mal nach den guten Demenzkatzen geschaut. Zum Teil sehen die wirklich gut aus.


    Meine Schwiegermama hat zwar keine Katze gehabt, aber einen Stoffhund und ein Häschen. Die letzten Tage vor ihrem Tod, hat ihr der flauschige Stoffhund sehr gut getan.


    Und vorher, war es der Puma Messi. Den konnte sie immer mit Freude/Begeisterung anschauen. Da ist sie auch richtig mitgegangen.


    Danke nochmal, für den Bericht.


    Liebe Grüße an Dich

  • Hallo hanne63,


    vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Ich bin sehr froh, dass der Versuch grundsätzlich geglückt ist und Ihre Mutter so interessiert und lebendig darauf reagiert hat!

    Sicher war es jenseits der Tatsache, dass die Katze sehr lebensecht wirkt, sehr gut, dass Sie Ihrer Mutter gesagt haben, so ein (Kuschel-)Tier hätten Sie später auch gerne zum Trösten und Beruhigen... und dass sie jederzeit wieder verschwinden kann, wenn sie ihr Empfinden stört.


    Ich wünsche Ihnen noch viele ähnliche "kuschelige" Erfahrungen... :)

    ... und allen anderen Angehörigen den Mut und die Mittel, tierlieben Erkrankten ein ähnliches Angebot zu machen!

    S. Sachweh

  • Guten Tag in die Runde!

    Ich bin ganz neu hier und sollte ich etwas "falsch" machen, gern einen Hinweis.

    Auch ich habe eine solche Katze für meine liebe Mama im Einsatz, gerade im Pflegeheim ist dieses Tier ein bisschen Heimat - d.h. für Menschen die vorher auch Tiere mochten.

    Sie klammert sich förmlich an das Tier, gerade jetzt in den Corona-Zeiten, wo viele Menschen völlig hilflos und einsam in Ihren Zimmern sind - immer noch, trotz impfen.

    liebe Grüße an Euch

  • Hallo Fee Dlf,

    erst mal willkommen hier bei uns im Forum.

    Keine Sorge, wir waren hier alle mal "neu"....und falsch machen kann man im Grunde nichts und auch alles fragen, was einem auf der Seele liegt.


    Das freut mich, dass so eine Katze auch bei Deiner Mama so gut ankommt.....und auch freut es mich zu lesen, dass auch andere, das ausprobiert haben.....also ich glaube, dann wird es bei meiner Mutter auch dauerhaft gut sein, dass sie diese Katze hat :-).


    Liebe Grüße

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